Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 18 (3.5.1935)
- Date
- 1935-05-03
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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C-V;-Ztg, Nr. 18 5.;Beiblatt 3. Mai 1935 VN R. Pl'MS EMMrsLlö HMD Der Arbeitsplatz von zehntauscnden jüdischer Männer innerhalb des Arbeitsprozesses ist gegenwärtig fragwürdig geworden. Da tauchen die immer latenten fragen nach der Berechtigung und dem Umfang der Frauenarbeit auf. Ist die Berufsarbeit der Frau grundsätzlich erstrebenswert? Ist die Frau nicht viel zu sehr in Männerberufe eingedrungcn, wäre es für die Gesamtwirtschaft nicht gesünder, wenn durch Einschränkung des Umfanges der Frauenarbeit Arbeitsplätze für Männer gewonnen werden? Diese Erwägungen, die in Deutschland gegenwärtig ernsthaft angestellt werden, sind auch für die zur wirtschaftlichen Neueinstellung gezwungenen Juden von großer Bedeutung. Sie sollen daher im folgenden nach ihrer grundsätzlich-theoretischen und praktisch-wirtschaftspolitischen Seite hin beantwortet werden. I. Mit der Emanzipation der Frau wurde unter Mitwirkung auch der jüdischen Frauen das Frauenrecht auf Arbeit praktisch durchgesetzt. Ten Gründen für diese Forderung hat sich kein Staat der Welt verschlossen. Arbeit ist der soziale Krziohnngsfaktor. Tie Schaffenden bilden den Kern jeder Gemeinschaft, von der Urzclle — der Familie —angefangen bis zum Staat. Sollte die Frau in jedem Leben--stadium — nur weil sic Frau ist — aus den Reihen der Werktätigen ausgeschlossen sein? Tie Frage so aufwerfen, heißt sic verneinen. Neben dem sozialen Wert der Arbeit an sich formt oder umfassender: bildet der Beruf den tzinzclmenschen. Es ist unschwer, die berufslose'Frau, die nie der Unbill des Daseinskampfes ansgesetzt, nur auf den Mann wartet, von der berufstätigen Frau charakterlich zu unterscheiden. Frauen, die niemals mit ihrer Hände Arbeit zum Lebensunterhalt beigc^ tragen haben, passen sich in wirtschaftlichen Not- Zeiten meist-schlechter an die neuen Verhältnisse an und haben durch Festhalten an ihre ..lieben Lebcnsgcwohnheiten" schon Tausende von Existenzen ruiniert. Tiefe Gründe vor allem haben die Berufsbewcgung der Frau gefördert. Hinzu kam im Krieg die wirtschaftliche Notwendigkeit, die Frauen als berufliche ..Reservearmee" auf die leeren Arbeitsplätze der Männer zu stellen. Infolge der anormalen Nachkriegssituation blieb dieser Zustand lange bestehen, so daß die Frau auch praktisch in allen Wirtschaftszweigen vertreten ist. Heute ist eine rückläufige Bewegung spürbar. Ri,hi et sich die neue deutsche Wirtschafts- und Bernisi'olitik. die auch für die deutschen Juden maßqeue::d ist, gegen die Frauenarbeit überhaupt, gegen bestimmte Frauenberufe oder will sie nur s.auz allgemein Auswüchse auf das richtige Maß ziirnckführen? II. . Eine amtliche Veröffentlichung gibt darüber Ausschluß. Tie Rcichsanstalt für Arbeitsvcrmitt- A und Arbeits lo'c nvc rsicherung führt in einem Artikel .Grundsätzliches zur Berufsarbeit der ->cm" labgedruckt in: >Das Junge Deutschland", voll:), Jahrgang 29. S. 121 ff.) u. a. folgendes aus: neuen Staate ist das Volt ein vielfältig gegiiedcrter Organismus. Folglich hat jeder einieliie sein Leben so ausznbauen, daß er sich leinunasmäßig in diesen Organismus eingliedert. Tas gilt natürlich auch für solche großen Gesamtbei'.cn. wie die beiden Geichlecliter es und. Aus der Idee des Leistungszusammenhanges herauf ist jede Leistung, die für den Bestand und die Ent- Wicklung des Volksganzen notwendig ist. gleich wichtig, wie verschieden die Leistungen auch gestaltet sein.mögen, Kein Mensch und keine Gruppe von Menscheil kann also mehr Lebensraum fiir sich ..erobern". Vielmeyr hat sedcr einzelne und jede' Gruppe nur Ausgaben zu erkennen und sic nach besten Kräften zu erfüllen. Ter Kamps der Geschlechter gegeneinander auf dem Gebiete der Arbeitsverteilung ist also ans der Anftasßmg des Volkes als Organismus heraus nicht mebr möglich. Tie Träger verschiedener beruflicher Ausgaben im Volke haben einander zll achten. Tarans ergeben sich Grundsätze für die berufliche Ausgabenzuteiluufl der Geschlechter, die einer ^chau des Ganzen entnommen und. .-^ie sollen vom einzelnen nicht als Zwang, sondern als Möglichkeit zur sinnvollen Erfüllung des Lebens kmpsnnden werden. Tie erste Ausgabe der Frau im Volle ist die H'Utterichnn. Folglich ist die Mutterschaft auch chr erster Berus. Er wird in der Ehe und in der Eamilie erfüllt. Unter dem Gesichtspunkte des Volkes hört die Ehe auch'für den Mann auf. eine private Angelegenheit zu sein. Sie bekommt als Lebensaufgabe für beide Menschen wieder rhre alte sittliche Verpflichtlmg. Tie Heiratsausüchten llnd rein zahlrnmäßig gesehen gut. da zurzeit e,n »rrauenunterschuß. später etiva ein gleicher stand der Geschlechter gegeben ist. Infolge der vom Staate geschossenen Erleichterungen für d,e Ehe- Ichlteßung llt damit zu rechnen, daß die an ,tch möglichen Ehen auch tatsächlich geschlossen werdcii. Von dieser Grundausfassung aus werden die voreheliche von der ehelichen Berufstätigkeitunterschieden ,md für die letztere nur solche Berufs--, leiftungen für erstrebenswert erklärt, die sich organisch mit.-der eigentlichen Frauenaufgabe in Haus und Familie verbinden: , ...Die voreheliche Berufstätigkeit der Frau, ist zu bejahen, weit sie wirtschaftlich notwendig (eigener Beitrag der Mädchen zur Beschaffung der Aussteuer) und weil sie als Schule von Zucht und Ordnung charakterlich für die Frau wertvoll ist. Abzulehnen sind aber alle Berufstätigkeiten, die die Frau ihrem Wesen entfremden oder sie körperlich beeinträchtigen. An.zu streben sind Leistungen, die fick) als berufliche Ausgestaltung der sonst von Frauen in der Familie vollbrachten Arbeiten darstellen. In dieser Hinsicht ist das Heranskriftallisieren von Bernsen für die Frau noch nicht abgeschlossen. Tic im eigentlichen Sinne Hauswirtschaftlichen Berufe haben stark gegen die Unterbewertung zu kämpfen, die sich als Folge des srübercn individualistischen Wertsvstems des Berufes herausgebildet hatte. Ta ne vielfach nicht dem Gebiete der produzierenden Wirtschaft angehören. entspringen ihnen mehr Lebensals Geldwerte, ist die Leistung des Dienens stärker betont als das Verdienen. Tie hier liegenden Schwierigkeiten erscheinen jedoch überwindbar, weil diese Berufe tatsächlich eine viel stärkere Sinucrfüllung des Frauenlcbens bedeuten, wenn sie nur die Umkehr in der Wertschätzung, auch beim Manne, erst wirklich vollzogen haben nnrd. ' Tie Wirtschaft kann die Fraucnleistung nicht entbehren. Sie hat aber nicht mehr das lediglich durch einige Schutzgesetze eingeschränkte freie Verfüg, mgsrecht darüber. Sie muß sich vielmehr daraus einstellen, daß die Frau zuerst ihrer biologischen Ausgabe verpflichtet ich. Diese Forderung läßt sich nur in einem längeren Mnstcllnngs- Prozeß verwirklichen. Ein erster Anfang wird gemacht sein, wenn die jungen weiblichen Schulentlassenen zunächst dem hanswirtschaftlichen Jahre zygcführt werden und die Fabrilarbeit der Ehefrau vermieden wird. In der Landwirtschaft ist die Frauenarbeit, nicht nur am verbreitetsten, sondern durchaus' organisch mit der eigentlichen Frauenausgabe in Haus und Familie verbunden ... Wo die Frauen im Handel und Gewerbe eingcgliedert werden, fußt mau, abgesehen von der minderen Bezahlung der Frau, meist aus ihre besondere Handgeschick, lichkeit (Stenotypistin. Tertilarbeiterin. Arbeiterin in der Elektrotechnik) und auf die Tatsache, daß die Frau auch in Stellen arbeiten kann, die zur Gründung einer Familie nicht ausreichcn. aber auch nicht als Aufstiegsstellen in Frage kommen (Verkauf. Büro) . . . Der Aufstieg und Ausbau der sogenannten mittleren und höheren Frauenberufe wird sich überwiegend auf reinen Franengebictcn vollziehen müssen, da nur ans solchen Gebiete» eine besondere weibliche Eignung für die Arbeit vorliegt . . . Berufsarbeit wird stets für die Frauen, die nicht heiraten können, als Lebensaingabe in Frage kommen. Sie wird auch für viele ihres Ernährers Beraubten nach Zeiten der Ehe wieder einsetzen müssen. Zurzeit ist die Zahl dieser zuletzt genannten Frauen infolge des Krieges besonders groß. Sic wird sich allmählich vermindern, falls nicht neue Katastrophen eintreten." Bei diesen Ausführungen ist eine berusspolitische.Erkenntnis vorherrschend: die Frauenleistung ist für die Wirtschaft unentbehrlich. Es versteht sich von selbst, das; die Feststellung dieser Tatsache auch für die jüdische Frauenarbeit gilt. Im übrigen ist aber der politische und wirtschaftliche Status der jüdisckicn Frau von dem ihrer nichtjüdischen Geschlechtsgrnvssin so verschieden, daß die Grundsätze der allgemeinen Berufspolitik vielfach nicht auf. die jüdische übertragen werden können. Beginnen wir mit den Punkten, bei denen gleiche. Zielrichtung möglich ist. Ihrer Aufgabe als Frau und Mutier ist sich die Jüdin immer iH'nnifU gewesen. Das geht schon ans der starken Einschränkung der Berufstätigkeit, der jüdischen Ehefrau hervor. Nach der Volkszälsiuug von D'25 waren vou einer Gesamtzahl von 7.78 Millionen nichtjüdischer Ehefrauen 7..C.1 Millionen gleich 72.2 Prozent ohne Häupter»verb. während sich die'entsprechenden Zahlen bei den jüdischen Frauen auf 86.41) bzw. 71,098 belaufen, das heißt. 82 Prozent der jüdischen Ehefrauen gehen keinem Haupterwcrb nach. S i l b e r g l.c i t. dessen grundlegendem Werk: ..Die Bevölkerung^, »md Berufs-Verhältnisse der Inden im deutschen Reich diese statistischen Angaben entnommen sind, sagt hier Seite 121: ..Es dürfte wohl kaum angängig sein, hieraus Schlüsse auf-einen bei den jüdischen Ehefrauen mehr ausgesprochenen Mangel an Arbeitsfreude oder-auf ein bei ihnen geringeres Bedürfnis zllr Mitwirkung bei der Aufbringung des Unterhaltes zu schließen. - Auch die Arbeit der Frau im Haushalt .hat ein Recht auf. volle Anerkennung und bedarf gleicher Wertung »vie die Berufstätigkeit. Die „unbewertete Arbeit" der Frau i,n Haushalt, in der Urzellc der Volkswirt-- fchaft. »vie »vir ihn oben genannt haben, ist in» besten Sinne Beruf." — Insofern decken sich die Berufsverhäktnisfe der jüdischen Ehefrau — die Anteilsziffer wird sich in der Zwischenzeit nicht sehr verändert haben — eher mit der gegenwärtigen Berufspvlitik. als das bei der nichtjüdischen Ehefrau der Fall ist. Tie Heiratsaussichten - sind fi'rr die jüdische Frau ungünstiger als für die mchtjüdifchc. Ter jüdische Frauenüberschuß hat sich feit der vorletzten Volkszählung von 192) noch vergrößert. Während im Jahre 192) 27-14)0 Männer und 289 929 ,Frauen gezählt wurden, »vareu 190-') nur noch 208 747 Männer und 200 986 Frauen in Deutschland.*) Tie wirtschaftliche Verschlechterung vermindert gleichfalls die Möglichkeit der Eheschließung. Staatliche Beihilfen kommen 'für Juden kamn in Betracht. Vielleicht wird es den jüdisäzen Zentralstellen durch Ge»vährung entsprechend langfristiger Tarlehen möglich, einen Ausgleich zur Familien- und Eristcnzgründung zu schasfcu. Die Ausft'chruugcii bezüglich der Hauswirtschaft treffen auch auf die jüdischen Mädchen zu. Aufschlußreich ist es. daß die Abneigung gegen die ' Hausmirtschaftsberusc eine Allg e me i n e r s che i n u n g ist. Freilich »nuß zugegeben werden, daß sich die jüdischen Mädchen bisher in relativ geringerer Anzahl als die nichtjüdischen zu diesem Berus entschließen. Dagegen ist der berufliche Zugang zur Land- »virtschaft, die über 40 Prozent der nichtjüdifchen Frauen beansprucht, den jüdischen Frauen so gut »vie verschlossen. Ebenso steht cs mit den sogenannten höheren Frauenberufen, und die mittlercn Berufe (Lehrerin. Assistentin. Sozialfürsorgerin usio.) »verdcn nur verhältnismäßig »venigen Frauen im jüdischen Lebensraum offen stehen. Die besondere Berufsstruttur der Juden hat es mit sich gebracht, daß Handel und Gc»verbe auch für die Frauen die Hauptarbeitsfelder abgeben. Heber die Hälfte der erlverbstätigen Jüdinnen sind kaufmännische Hilfskräfte. Nur im Rahmen dieser Gegebenheiten kann für die jüdische Frau die Anglcich»mg an den Berufsaufbau der Umwelt vollzogen werden. Um Grundzüge einer Berufspolitik bezüglich der Frauenarbeit skizzieren z»» können, wollen wir uns zunächst einen Ueberblick über Uinfang und Verteilung der weiblichen Berufstätigkeit auf die wichtigsten Wirtschaftsgrnpven verschaffen. III. Einwandfrei genaue Vcrgleichsmöglichkeiten zwischen der Berufsgliederung der jüdischen und der nichtjüdischen Frau ergeben nur die statistischen Untersuchungen, die im Anschluß au die deutsche Ber»»fszählung von 1925 für Preußen gemacht »vorden sind.**) Für die Entwicklung der letzten zehn Jahre find wir auf Schätzungen angewiesen. In Preußen waren 1925 erwerbstätig: 3n«flffaint gönn« ch weiblich <&ff«wtb«»ÖH;tUH8 . 21 267 033 15 507 324 7 755» TW Juden. 225 523 153 883 71 640 Rechnet man. von dieser Zahl die berufslosen Selbständigen und die Personen ohne Berufsangabe ab. so bleiben Erwerbstätige bei: Insgesamt »övnlich weiblich Gesamtbevölkerung . 18 981087 12 463 642 6 518 915 Juden ...... 190 789 141 229 49 500 Bei der nicht jüdischen Bevölkerung bildeten die erwerbstätigen Frauen, rund ein Drittel (04.3 Prozent) der Gesamtheit aller Erwerbstätigen. die jüdischen Frauen dagegen nur rund ein Viertel (26.1 Prozent). Tie Verteilung der, erwerbstätigen jüdischen Frauen auf die einzelnen Wirtsckfaftsabtcilimgen ergibt folgendes Bild (in den Klammern sind die Quoten der nichtjüdifchen Frauen angegeben): Wirtschast«abteilunge» Grundzahl Verhältnis»»-! Prozent Land- und Forstwirtschaft . . 1716 3.16 (43,64) Indnstrie und Handwerl . . . 11800 23,81 (22,87) Handel und Verkehr ..... 26285 33,04 (14,37) Verwaltung und freie Berufe . 5126 10,31 (5,19) Häusliche Dienste ... .... 4 633 9,35 (14,23) . 49 560 100 (100,00) Der Berufsaufbau »väre ohne Angabe des'Arbeitsverhältnisses unvollständig. Die soziale Glie- * Diese Angaben entstammen einer unveröffentlichten Statistik der statistischen Abteilung der Reichsoertretung der deutschen Juden. ••) SW. hierzu da« oben zitierte Werk von Silbergleit und Schrift IX der Zentralwohlfahrtsstelle „Das wirtschaftliche Schicksal des oeutschen Judentums", Berlin 1932, Seile 132 ff. derung ist folgende (in Klammern find wieder die Quoten der nichtjüdischen Frauen angegeben): Selbständige .11 511 23,3 Angestellte . 18 310-36,9% Arbeiter. 1 862 -- 9.8 r: Mithelfendc Familienangehörige 11 144 -r- 22,5 7; Hausangestellte ..3 763 — 7,5 ** ( 6,4':) (13,1 '» <32,0 7r) (34,1 7) (15.8 77) Für das ganze Reich ergibt sich nach einer Schätzung der Statistischen Abteilung der Reichs- Vertretung folgerides Bild: Zahl der hauptberuflich erwerbstätigen jüdischen grauen SirlschoitS' Selbst. Anqest. Arbeimitb. adletlungen und trrinn. Eamil.. zus. Beamtin». Angh. s. Land und Torsi- Wirtschaft .... 350 90 260 2 000' 2 700 R. Industrie und Handwerk . . . .3 986 1780 3 596 2 676 15 620 C. Handel u. Verkehr ll N« 14 080 690 11 510 37 180 P. Verwaltung und freie Berufe . . . 1 110 2 880 90 11) 4 040 E. Gesnndhcits und 3IlobIfol)rt->riIf<ic . 690 1 180 260 160 2 550 E. Häuslichc Dienste - - ' ’ ~ 5 360 Zusammen: 17 2:10 23 260 4 890 16 990 66 850 Die Zahl der jüdischen Arbeiterinnen dürfte hier zu niedrig geschätzt sein, da schon Preußen allein -1892 a,isweist. Ein Umstand, der für den gesamten jüdischen Wirtschaftswandel von Bedeutung ist. verdient besondere Beachtung: Tic jüdische Frau hat sich an die B c r u s s st r u k t u r der U m w e 11 besser angcglichen a l s der jülki» s ch e M a n n. Ihre Beruistätigfeit erstreckt sich auf sämtliche Wirtschaktsziveige. Das berufliche Mißverhältnis ztvischen Juden und Nillitjilden ist bei den Frauen, insbesondere in folgenden Berufen, günstiger als bei den Männern: In vcr Industrie «uv im Randwert betrugen Die Anteile vcr berufstätigen iildikclien Zraueu .... 23,81 rr nichljUdischen Zrauen . . 22.8 7,.- 1 UhtCrijcn Männer . . . 26.57 uichllüdischrn Männer . . 50,39 Im Hauvcl waren beschäftigt. bei den liidisäien Frauen .... 53.00'. niäirjüdischen Frauen . . 13.00' »lidilcheu Mitunrrn . . . 60,02 nichijiidischen Männern '. . 10,00*. Daß die jüdifchc Frau im Handwerk und in der Industrie ein so anstallend günstiges Niveau halteri. liegt in der Tatsaä;e begründet, daß von den nichtjüdischen 'erwerbstätigen Frauen -W.'U Prozent in der Landwirtschaft beschäftigt sind, während die jüdischen Frauen dort nur 3,46 Prozent darsteilen. Nichtsdestoweniger ist auch in diesem Berus ihr Anteil höher als der der Männer. Selbst in bezug auf die soziale Gliederung ist die Spanne zwischen dem Hundertsatz der weibischen jüdischen und der nichtjüdischen'Bevölkerung geringer als bei den Männern. lim ein genaues Bild darüber zu erhalten, in welchem Umfang die Frauen in die verschiedenen Berufe eingedrungen sind, werden im folgenden zwei Tabellen zuiammengestellt. Tic erste umfaßt alle die Berufe, in denen die jüdische Frau über ihrem Tnrchschnittsanteil von 26 Prozent vertreten ist: die zweite rveift dagegen die Berufe auf, in denen die Anteils.zift'er unterschritten »vird. Uebcr dem Durchschnitt: 1. Wohlfahelspkleoe v. Sozratfiirsorge . . 366 — 81,1 2. Hntmachcrei und Putunachcrei .... 1354 — 65,9 3. (stast. und Schankwirtschaft. 2264 - 66,9 4. Landwirischall . 1649 — 34^ 7c 3. '^hearcr und Mnsifsiewerbe .... 736 47,7 6. Bild»ne,. Erziehung, Unterricht . . . 847 — 43,2 % 7. Uranien, und Heilanstalten .... 566 — 39,6 78 8. Wäsche- und Schürzcnherstellung . . . 69l r- 30,8 % 9. Berloasqcwerbe.19j — 29,6 % 10. Äiiiifiicr. Vrivotgelehrle. cdiriflftcUcc . - 247 — 29,1 % fl. Schneiderei und 5(leiderherslellung . . 3688 — 28,6 % 12. Fleischerei und Konscroenindustrie . . 1083 — 26.6 1» Unter dem Durchschnitt: 1. (Liettrotechnische Industrie.337 18 % 2. Bollmwallindustric. 37 — 18 -ä 3. Herstellung o. Ürsen, Stahl, Mctallw. 222 — 17^ 7<j 4. Aufbewahrung, Spedition und Be. Währung . 84 — 17 % 5. Bank- und B'ärsenwrscn.931 — 16,6 % 6. Maschinenbau .168 — 11.8 7. Offene Krankenpflege und Gesundhcil-^sursorqe.931 — 13,1 % S. ULrtchnerei und Aauchwaren .... 123 -- Il,6 73 9. Wollindustrie. 37 11,2 73 10. Vermittlung. Verwaltung, Beratung . 901 — 10,8*73 11. Herstellung v. Holzbauten u. Möbeln . 78 — 10^*> T, 12. Schlosserei. 4 1,9 To Diese Ausstellungen ergeben deutlich, daß die jüdische Frau in der Regel nur die typischen Fraiienbcriisc übersetzt halvn. während sie in den Männerbcrusen unter ihrem Turchschnittsanteil von 26 Prozent geblieben sind. Wo der Umfang der Frauenarbeit verhältnismäßig hock) war. dürften insbesondere die letzten leiden Jahre die Korrektur gebracht haben. So »vird die Beteiligung der errverbstätigen jüdischen Frauen in der Gast, und Schankwirt fchaft und in den freie)) Berufen sehr zu rückgegangen sein. Auffallend niedrig dagegen ist die Bctciligungsziffer in der Woll- und Baumwollindustric. Ebenso die nicht in der Tabelle abgcdrucktcn niedrigen absoluten Zahlen in der Näherei und Hilfsgerverben der Kleider« und Wäschchexstellung (614), Gardinenherstellung. Spitzen- und Tüll»veberei (1)2). Posamentenherstcllung (34). Reinigung und Wicderaufarbcilling von Tertilerzeugnisicn (68). Hier hat die Berufs- Umschichtung anzusetzen Eine größere Anzahl jüdischer Mädchen und Frauen könnte in verschiedenen Industriez»veigcn als Näherinnen. Wicklerinnen. Stepperinnen. Kell,rerinncn usw. Arbeit