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Central-Verein-Zeitung · 1935-05-03 · 18 (3.5.1935) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
18 (3.5.1935)
Date
1935-05-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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-& 5.1S35. ' XIV. Jahrgang /Nr.18 Berlin, 3. Mai 1935 Preis 25PfennJg eneralerein- AlLGEMEI NE ZElTU MG DES JU DENTUflSC A. H. Wir haben die Blumen und Auf- Märsche des 1. Mai gesehen und seine Mahnen, die wir nicht zeigen dürfen. Wir standen abseits; an der Freude konnten wir nicht teilnehmen, die wir das Leid dieses Volkes als eigenes Leid mitgctragcn haben. Aber je sichtbarer gerade an diesem einem Tag fid) die Gemeinschaft um uns zeigt, um so enger fühlen wir uns in dem uns gelassenen Raum zueinander geführt. Das ist nun unsere Welt: dieses kleine deutsche Judentum, diese wenigen Menschen. gedrückt von der Last der Sorgen, bedrängt von Gedanken und Entschlüssen, schmerzhaft durchzogen von dem Riß, mit dem sich in ihnen zwei Zeitalter scheiden. Und doch wollen wir nicht, daß die Last uns zu Boden drückt, daß die Zweifel uns mutlos machen, daß wir zerrissene Menschen werden. An diesem 1. Mai dürfen wir mit Betonung sagen: Niemand im deutschen Judentum, der die letzten zwei-- nndeinhalb Jahre mit offenen Augen miteAebte. hat auch nur einen Augenblick freiwillig seine Arbeit beiseitegelegt,-ob er sie als Betäubung oder als Selbstzweck oder nur als Trost verrichtet haben mag. Mit großem- Ernst, ohne jede. Illusion. feine Einsicht in die . Wirklichkeit freilich durchtränkt von Idee und Liebe'zu dem, was es geformt hat, und zu dem, was es wieder sein möchte, hat das' deutsche Judentum, haben wir im Ecntral-Derein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens die Arbeit für die Erhaltung und den Wiederaufbau unserer Gemeiusck)aft begonnen. Unsere Hand tat das Tägliche, während unser Auge versuchte, das Künftige zu umfassen. Wenn dieses große Beben der deutschen Geschichte auch das Haus des deutschen Judentums erschüttertes in - Grundriß und Fundament Nisse zog. so wollten wir doch nicht Flickwcrk statt eine« Neubaues vollbringen. Tie Lehren unserer jüngsten Geschichte. die Ursachen unserer Lage von heute, die gegnerischen Argumente für die Stellung, die man uns piweist, bedachten wir-und begannen., unseren Gemcinschaftslvert darznstcllen. indem wir unseren Kreis nach neuen Wcrtmaßstäben umzuformen uns anschickten. Erhaltung des Lebenswerten und zugleich Neugestaltung des Zulunftsvollen. das war die doppelte Parole, unter der sich die zukunftsbewußten Mräftc des, deutschen Judentums fanden:. Erisienzsichernng und Berufsumschichtung. Ader sie stehen nicht nebeneinander. Der C b c r begriff ist die Sicherung der Lebens- Möglichkeiten überhaupt, in deren Rahmen erst die Umschichtung geschehen kann. Wenn diese nun-aus mancherlei tatsächlichen oder Vspchologischen Gründen nicht möglich oder wünschenswert ist. so vermindert diese Tatsache in keiner Weise die Notwendigkeit des airderen Pflichtenkreises. Die Entscheidung nach der einen oder anderen Seite darf auch nicht etwa nach dem Gesichtspunkt der -Kostenersparnis für die tragenden jüdischen Institutionen und Menschen geschehen. Billigkeit ist ein sehr wirksamer Ausverkaufsgcsichtspuntt. Wer aber bestehen bleiben will, investiert auch einmal nicht sofort ertragvolle Mittel. Gerade aus Anlaß des Mai haben wir in dieser „C.-V.-Zeitung" Materialien nüchtern-wissenschaftlicher und menschlich-bewegter Art zusammengestellt. die für sich sprechen und dem aufmerksamen Leser sagen: Nicht die starre Doktrin allein hat zu entscheiden. sondern das Leben, das von einer Idee getragen ist. Wir sagen dies und wollen dies, obwohl wir wißen: Immer deutlicher wurden und lverden die Grenzen, in denen es möglich ist, unsere Parolen zu verwirklichen. Und je deutlicher die Grenzen werden, um , so enger werden sie. Ist bas ein Grund, die Parolen auszugeben? Ist eine Pflicht nur möglich, wenn ihr Raum, ihr Inhalt, ihr Ziel groß, stark, machtvoll ist? Ist Verpflichtung nur der großen Menge gegenüber bindend, gilt Treue nur im weiten Rahmen? Wer nicht auch in Enge, und Armut Pflicht und Verpflichtung und Treue zu wahren weiß. der hatte sie schon im Großen nur als Phrase gemeint. Tie Pflichterfüllung wird freilich im engen Raum sichtbarer, jeder merkt bei dem anderen, wie er sich innerlich verhält, wozu, er wirklich hin strebt, und ob sein Herz von dem Werk seiner Hände noch weiß. Und es gibt wenige Ausreden im engen Bereich, sich von Pflicht und Treue zu drücken. Gewiß ist das eine Belastung: aber sie heftet uns um so fester aus den Platz, auf den wir uns gestellt wissen. Mt dem leichten Gepäck nur der fernhin lockenden Idee, läßt sich leicht Arbeitsplatz und Wohnstätte verlassen. Mit langsamem, schwer sich stemmenden Gang schreitet der Vien sch. wenn er Verantwortung für Menschen trägt. deren Vorstellung von ihrem Sein und Werden — wie die seine — mit der' Enge der Nähe und nicht mit der Weite der Ferne verknüpft ist. Sie Ast' zur. Binnenwelt geworden^diese Welt der.460000 deutschen Juden. Wir arbei ten zwar unter den anderen; aber unsere L'e h r ». it n d F c t e r st un den halten Jrmt unter uns. In der Gemeinschaft der.anderen./ bleiben jüdische Menschen einsam. Wir holen deshalb in unsere Gemeinschaft jene, hinein, die noih zögernd draußen stehen, weil sie glauben.-damit den Weg in bin Ghetto zu gehen. Welche- Scheu vor Worten! Welches Mißverstehen! Ist es Ghetto/^wenn uns. in unserem eigenen Bereich jeder große und schöne Gedanke möglich ist. wenn wir unter uns jede Wahrheit bis auf ihren letzten Gehalt .prüfen können, prüfen sollen? Es ist eine Welt, und das kann unsere Welt sein, über deren Grenzen' wir immer hinausschauen, immer hinauszutreten bereit sein können. ' Strenge Anforderungen stellen wir an die Juden, die andern Juden Lebensraum, Existenzen geben könnten, aber ichsüchtig an die Sicherung nur ihrer eigenen Position, an die größere Bequemlichkeit ihrer Betriebsführung denken. Wir haben' unsere Forderungen schon oft hier erhoben, und wir müssen sie um so larner erheben, wenn wir z. B. lesen, das; in' Euskirchen ein Beschluß. Juden oder-Jüdisch- Versippten den Zuzug dorthin nicht mehr zu erlauben, damit begründet wird, „daß im Kampf gegen das Judentum mit einer baldigen oder späteren Erwerbslosigkeit zu rechnen sei: die neue Verordnung werde vermeiden. daß die neu hiugezogencn Juden der Wohlfahrt zur Last sielen". Dieser Beschluß 'läßt, wie viele andere, zwei Seiten in uns aatlingen: wie unerhört hart und schwer das Schicksal isst das uns zugedacht wird, aber auch wie unerhört groß die Pflicht, dieses Schicksal in unseren Reihen zu mildern. Zu dieser Pflicht, rufen wir auch heute wieder. Die letzte Woche hat eine Reihe wichtiger Verlautbarungen gebracht, die den rechtlichen Rahmen unseres staatsbürgerlichen und kulturellen Daseins abstecken. Die bedeutsamen Äußerungen des Vcrsassungsministers Frick veröffentlichen wir nebenstehend. Es liegt ganz im Sinne seiner Gedanken, wenn Gauleiter'Grohö. der zwar eine verstärkte antisemitische Aufklärung des deutschen Volkes für notwendig hält, erklärt, „die Partei werde es nicht dulden, daß gcwisie Elemente unter dem Deckmantel des Antisemitismus die Ordnung des Staates stören. Es könne jedenfalls nicht zugelassen werden» daß die Dolksjustiz die des Staates ersetze." Wir sehen immer deutlicher die Absicht, völlige Klarheit über das rechtliche Verhältnis der deutschen Juden innerhalb von Staat und Volk zu schassen, wenn wir auch in diesem Falle begrüßen, daß-die negative Berührung dcS einzelnen mit uns aus seiner persönlichen Abneigung 1 heraus verhindert wird. , Sehr ernst. aber eben im Nahmen der allgemeinen Tendenz, werten wir auch die Anschauungen, die in den letzten Tagen von maßgeblicher Seite über die Gemeinschaftserziehung jüdischer und arischer Kinder geäußert worden sind. Ein Mitarbeiter des Rcichscrziehüngsministcrs Rust. Dr. Frercks. erklärt: „Der Schule sei die Ausgabe gestellt, die Erziehung von nun an auf den Werten der Rasse aufzubaucn. Rassefremde jüdische Schüler, die in einem deutschbewußten Unterricht nur als Fremdkörper und infolge ihrer Frühreife oft zersetzend wirkten, hätten auf einer deutschen höheren Schule keine Bevorzugung zu erhalten. Ihre völlige Aussonderung sei deshalb zu erstreben." . Und der Leiter des Rasscnpolitischcn Amtes der NSDAP, Tr. Groß, führte aus gleichem Anlaß aus: „Es sei ganz selbstverständlich, daß eine förderliche Erziehungsarbeit nur dann stattsinden könne, wenn der Lehrer Und seine Schüler wesentlich die gleiche rassische Grundhaltung auswicsen. Ter srcmdrassige Lehrer sei ganz sachlich eine unmögliche Vorstellung geworden; ebenso unabdingbar sei auch die Forderung, daß die Klassengemeinschast selbst eine rassische Einheit darstellc. Fremdrassige Schüler müßten zwangsläufig die Erziehungsmöglichkeit in ebner Klassengemeinschast. herabmindc'rn. Deshalb ergebe sich die Forderung, die unter uns noch lebenden fremdrassigen Bevölkerungsgruppen, insbesondere also die Juden, im Schulunterricht von den Kindern unserer .eigenen.Art grundsätzlich übzusondern." So ' Eine Unterredung, die der Reichs- und preußische Minister des Innern, Tr. Wilhelm Frick. einer Mitarbeiterin der Berliner „Nachtausgabe" gewährte, ist in der ..Nachtausgabe" vom 27. April wiedcrgcgeben. Im Nahmen des Gesprächs äußerte sich Dr. Frick über die Neugestaltung des deutschen Staattzbürgcrrcchts. Er führte in diesem Zusammenhänge u. a. aus: Das neue Staatsbürgerrecht wird einen schärferen Maßstab an jeden legen, der deutscher Staatsbürger ist oder werden will. Tre Deutsche Staatsbürgerschaft wird in Zukunft nicht mehr allein durch die Geburt, durch einen gewöhnlichen Berwaltungsakt oder gar durch Zahlung einer Geldsumme erworben werden können, wie dies früher der Fall war. wo man die Staatsbürgcrschnst etwa so wie die Mitgliedschaft eines Vereins erwerben konnte. Die Deutsche Staatsbürgerschaft wird nach dem Willen des Führers das höchste Recht, und' der Staatsbürgerbrief wird die wertvollste Urkunde sein, die ein Deutscher in seinem Leben erwerben kann. Die.Deutsche Staatsbürgerschaft muß eine Ehre sein, die sich der Teutscststämmige nur durch Dienst an Volk und Staat und durch. Bewährung erwerben kann. Sie wird jedem Deutschen dex Weg zu allen öffentlichen Aemtern in Partei und Staat öffnen, nur ihr Träger wird in den .Kampsformationen der Bewegung und als Waffenträger der Nation in den Ehrendienst des Volkes und Reiches eintreten dürfen, und nur er allein wird das Wahl- und Abstimmungsrecht ausüben und dadurch mittel- oder unmittelbar an der Führung des Reiches teilnehmen können. Tie Deutsche Staatsbürgerschaft wird in einem feierlichen Akt und mit einer weihevollen Vereidigung auf die deutsche Volksgemeinschaft, das Deutsche Reich und seinen Führer verliehen und wird Unwürdigen oder Staatsfeinden abgesprochen werden. Adolf Hitler hat in seinem Buche „Mein Kampf" geschrieben: „Der deutsche Staatsbürger wird der Herr des Reiches fein." Für den nationalsozialistischen Staat sind die Staatsbürger nicht nur die Summe der mehr oder weniger zufällig in den Reichsgrenzen ldrenden Einwohner, 'sie sind vielmehr die Träger des Staatsgedankens. Daher muß die Verleihung des Staatsbürgerrechts an bestimmte Bedingungen geknüpft, werden, unter denen.' unseren' Grundsätzen entsprechend.' sich; Die vorliegende Nummer umfaset 24 Seiten Sie enthalt u. a.: Kairo und Bern Die jüdische Frau Im Beruf von Dr. Bruno Sommerfeld Se!bstdarsteliungen junger Mädchen auf „Seite der Jugend" Ismar Eibogens Geschichte der Juden In Deutschland von Dr. Werner Cahnmann schmerzlich diese Absichten uns auch berühren, weil sie das Kennenlcrnen der Juden, wie sie wirklich sind, immer mehr erschweren, so wenig bieten Ausführungen solchen Inhaltes den Anlaß, den Wert der Erziehung, den wir unfern Kindern in unserer Schule an» gedeihen lassen, gering einzusctzen, an ihre Ausbildung im Eharakterlichen. Geistigen. Körperlichen schwächere Anforderungen. zu stellen. Gerade die Beweisführung, die zur Aussonderung unserer Kinder aus den allgemeinen Schulen führen soll, legt uns die Verpflichtung auf, unsere Schulen zu Musterschulen zu formen. Nichts kann uns zwingen, eine Anderswcrtung oder Minderwcrtung unserer Art durch unser Mindcrverhalten zu rechtfertigen. Kein Verhalten, kein Gefühl ist jemals im tiefsten Wesen eines Menschen verankert gewesen, wenn es endet, sobald sein gesetzlicher Nahmen endet oder andere Bezeichnungen trägt. Entscheidungen des autoritären Staates können nicht Gegenstand einer Unterhaltung etwa zwischen Staat und uns sein. Aber unter uns wollen wir jede -neue Klärung und Wendung unseres Schicksals zum Ausgangspunkt neuer Ueberprüsung. neuer Planung machen. Und eine Antwort bleibt uns immer, die auch nach außen dringen soll: treue, ehrliche, sichtbare Arbeit am'deutschen'Judentum, durch die sich seine große, undwürdige' Vergangenheit mit einer Zukunft verklammern soll, deren Inhalt wir nicht kennen, soweit sie von anderen abhängt, von der wir aber wißen, daß ihr niemals Ehre und Würde fehlen wird. Denn deren , Erhaltung liegt pur an uns. auch die Bedingung der rassischen Zugehörigfett zum deutschen Bolk befinden wird." Das Amdoyer von Kairo Aus dem nunmehr vorliegenden vollständigen Protokoll über die Verhandlung in Kairo (vgl. unseren Aufsaü „Kairo und Bern" ln dieser Nummer) geht der Wortlaut der Erklärung hervor, die der Gcneralstaatsanwalt Hogh O. Holmes über den Wert der jüdischen Rasse abgegeben hat. Generalstaatsanwalt Holmes hat ausgcsührt: Ter Prozeß um die jüdische Raste hat bereits 20 Jahrhunderte gedauert und man kann jetzt sagen, daß die Geschichte ihn endgültig entschieden hat. . All diese Zeit hindurch war diese Raste jeglicher Art von Tifsamierung und noch ernsteren Prüfungen ousgesetzt; nicht durch Prozeßverfahren vor Gerichten, sondern dadurch, daß sie diese Verleumdungen verachtete und sich mit den Leistungenihrer Angehörigen in der Welt überall begnügte, Hot sie von dem einzigen zuständigen Gericht, dem der Geschichte, ein günstiges Urteil erhalten, das nicht berührt werden kann durch das Pamphlet, das zu diesem Prozeß geführt hat, oder durch die Entscheidung eines aus drei oder vier Mitgliedern bestehenden Gerichtshofs, so hoch sein Ansehen auch sein mag. König Georg und Las rnglisHe Mentum Nicht nur England, sondern das ganze britische Weltreich rüstet sich in diesen Tagen, das Regierungsjubiläum König Georgs V. am 6. Mai festlich zu begehen. In Deutschland hat man ihn früher manchmal unterschätzt und die taktvolle Zurückhaltung des streng konstitutionellen Herrschers als persönliche Schwäche ausgelegt;- so wird seine echte Volkstümlichkeit, wie sie sich jetzt' wieder so überwältigend dokumentiert, oberflächliche Betrachter erstaunen. Sie mögen sich von einem Biographen des Königs, Sir Philipp Gibbs, über die tiefste Wurzel dieser Popula- ' rität belehren lassen: das Bewußtsein der Nation, daß Georg V. bestimmte Marakter-..

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