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Central-Verein-Zeitung · 1935-04-24 · 17 (24.4.1935) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
17 (24.4.1935)
Date
1935-04-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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L^M KMBllLö^ÄW L-U &m'iHM Uuid iJm TLW- 11 VLLLoMÄel 3. Ein völlig nnbctc? Bild al? in Böhmen und Mähren-Schlesien ergibt sich bei den Juden in den vormals ungarischen Gebieten, die nach dem Kriege an die Tschechoslowakei gefallen sind: in der Slowakei und Karpathvrnßkand. Slowakei. Die silbische Bevölkerungsguote ist hier bereits erbeblich größer als in Böhmen und 'Mähren-Schlcsien. der Sloivakei wwhnt der absvlnten Höhe nach die größte Zahl der Inden mit 137 000. Unter 100 Einwohnern leben vier Inden. Daß auch iil der Slowakei ihre Zahl rückläufig ist, hat jedoch andere Gründe als in Böhmen und Mahren. Im Jahre 1010 waren etwa 1-lO e,uo Inden in der Slowakei seßhaft, diS 1921 ging diese Zahl um säst 5000 zurück, in den nenn Jahren bis .1000 holte sic etwa ein F-ünfwl dieses Berlnstes wieder ans. Die Gründe für dieser Gntwicllnng liegen weder in einer hohen Quote der Mischehen mit ihren Verlusten für die jüdische Religionsgemeinschaft, noch in einer mangelnden Geburtenfreudigkeit der jüdischen Bevölkerung. Das geht daraus hervor, daß der Mischehenantcil, bemessen an den rein jüdischen Ehen, nur etwa acht Prozent beträgt, und ferner daraus, daß in der Slowakei ein beachtlicher natürlicher Bevölkerungszuwachs dort sestzustellen ist, wenn auch diese aktive Bevölkerungsbilanz prozentual nur halb so stark ist als bei der nichtjüdischcn Bevöllernng dieses Landesleiles. Die Erklärung für den absoluten Rückgang der Juden in der Sloivakei liegt allein ans dem Gebiet der Wanderung der Inden, und zwar einmal der B i n n cn* w andc r u n g v o m O st e n in die größerer! Städte des W c st e n s des Landes, und zum anderen auch in der A u s w a n - derung, die bei dem höheren Anteil vor: Rationaljuden ihre Schritte in steigendem U m f a n g a n ch n a ch Pa l ä st i n a lenkt, was durch die Ergebnisse der Statistik crtviesen ist. Nimmt jedoch die 29andcrnngsbewcgnng aus der Slvrvakei keinen größeren Umfang als bisher an, so rvird die allmähliche Zunahme der Zahl der Inden aus i h r e r e i g e n c n Fruchtbarkeit heraus sich, f o r t s e h e n, die sich seit 1921 angebahnt hat. Karpathorußland. In dieser östlichsten Provinz des tschechoslowakischen Staates ist die jüdische Bevölkernngsguote arn höchsten: 1 4 Proz e n t der Bevölkerung sind Juden. Im Gegensatz zu den anderen tschechischen GebieGteilcn ist in Karpalhorußiand die Zahl der Iliden in stetem Ansteigen begriffen. Bor dein Kriege (1910) n>cift die Statistik 87 000 Juden ans. 1921: 93 000 und 1930 ist die Hnndcrttansendgrenzc bereits beachtlich überschritten. Das Eharaktcristilmn dieses jüdischen Sektors in der Tschechoslowakei ist die Tatsache, daß sich rittib 95 P r o z e n t Inden als R a t i o n a l j u d c n fühlen, von dem kleinen Nest haben bei der Frage nach der nationalen Zugehörigkeit 6000 Inden sich zur ungarischen Nation bekannt, nur kleine Splitter zur tschechoslowakischen und zur deutschen. Diese, durch ihre nationaljüdische Einstellung am meisten in sich geschlossene jüdische Gemeinschaft weist die geringste A n zahl ud n 3Ji ifchehc n auf — noch nicht einmal ein Prozent gemessen an den rein jüdischen Ehen — und gleichzeitig _ einen außerordentlich h o h e n natürlichen Bevölkerungszuwachs, der sogar größer ist als bei der nichtjüdischen Umwelt. Hier ist eine lebendige Quelle jüdischen Lebens, die bisher die Auswirkungen des Kein- und Einkindsystemes im Westen dcS Landes kompensiert hat. Es ist in diesem dicht von Iuden^ besiedelten Lande nicht verwunderlich, daß es Städte gibt, deren Einwohnerschaft zwischen 25 und 50 Prozent jüdischen Glaubens ist. in nur wenigen Bezirken liegt der jüdische Bcvölkerungsanteil niedriger als 10 Prozent. v Das knappe statistische Bild über die gesellschastliche Struktur der Juden in den vier Hauptgcbietsteilcn der Tschechoslowakei zeigt ihre starke Lebenskraft in den östlichen Laiidcstcilen, die die Gebnrtcncinschränkung im Westen weit mehr als ansgleicht. Für das Wissen um die Struktur der Juden in der Tschechoslowakei ist die eine Tatsache, daß Böhmen und Mähre den Geburtenübcrschuß der Slowakei und Karpathornßlands teilweise wieder verbrauchen, ebenso wichtig wie die andere, daß die Binnenwanderung der Inden innerhalb der Tschechoslowakei spürbar von dem Osten nach dem Westen des Landes geht, eine Ent- Wicklung, die immer stärkere Gruppen des znm großen Teil noch in Landwirtschaft und Klein- Handwerk tätigen jüdischen BevölkernngSsektorS vom flachen Lande und den kleinen Landstädten der Slowakei und Karpathornßlands in die Handels- und Industriezentren von Böhmen und Mähren bringt. Inwieweit diese Entwicklung als günstig anznsprechen ist. mag dahingestellt bleiben. Der A l t c r s a u sb a n zeigt sehr eindrncksvoll das Znsammcnflicßen des westeuropäischen Gebnrtenverfalls und des unversiegbaren vstjüdischen Fruchtbarlritsgnells. Der starle Nachwuchs nn Osten übertönt das Bild der ttcberalternng im Westen des Landes. Rach der amtlichen Statistik standen in der gesamten tschechoslowakischeu Republik 24 Prozent der jüdischen Bevölkerung im jugendlichen Alter bis zu ciuschlicßlich 14 Jahren. Ter Vergleich mit den deutschen Inden, von denen (1925) nur etwa 15 bis 16 Prozent zu den gleichen Altersstufen gehören, zeigt, wie stark die westenropäischeu Gefahren des Geburtenvcrfalls in der Tschechoslowakei gemindert sind. — Im Westen des Landes desucht die assimilierte jüdische Jugend in größtem Umfange Schulen mit tschechoslowakischer Unterrichtssprache. 11 000 jüdische Schüler gehen im ganzen Lande in Schulen mit deutscher Unterrichtssprache. In den Gebieten mit größeren jüdischen Volksteilen bestehen auch konfessionelle jüdische Schulen, in denen die Unterrichtssprache die tschechoslowakische ist. In der Slowakei allein bestehen 59 jüdische Volksschulen, von denen 35 die slowakische Unterrichtsspräche haben, 16 die ungarische und 5 die deutsche. In Karpathorußland gibt cs neben zwei jüdischen Volksschulen mit slowakischer Unterrichtssprache, vier mit hebräischer. — Die Entwicklung wird lehren, ob in der Iudenheit der Tschechoslowakei die Assimilation im Westen öder die volkseigenen Ideen des Ostens allmählich die Oberhand in dem Sinne gewinnen werden, daß die Tendenzen der einen Seite auf die andere ansschlaggebcnd übcrgrcisen. vr. E. R—z. M EOWem WEM FühLÄMs geinriH Kurtzig zum 7». GebuMag Was kannte der Westdeutsche von Posen, als es noch deutsches Land war! Ostmarkcnpolitik und Kornkammer Deutschlands, das waren ihm alsensalls geläufige Begriffe. Aber sonst? „Rnssischc Grenze" und „russische Zustände" und war gar von den Poscner Inden die Nede. so mochte wohl die Erinnerung an Franzos austauchen, dessen Gestalten ans' „Ha/basien" man unbeküminert den deutsch-jüdischen Menschen des Poscner Landes gleichsetzte. Heute ist uns Posen vcrlorcncs Vaterland; die jüdischen Menschen hat ihre deutsche Knlturverknüpfung und ihre selbstverständliche Bindung an Deutschland nach Schlesien oder nach Berlin geführt, als fremde Fahnen über der alten Heimat aufgezogen wurden. So lebt das alte Posen nur noch in der Erinnerung von ein paar Tausend Menschen, die Jahr um Jahr weniger werden. Wohl gibt es historische Studien über den Entwicklungsgang der Pvsencr Juden. Aber wer wissen will, wie ihre letzten drei Gciierationen lebten, worüber sie lachten, rvas sie als Höhepunkte ihres Seins ansahen, ivonach sie strebten, der muß nach anderen Werken als dem nüchternen exakt historischen Quelleiunatcrial greifen. Alan muß die Menschen haben reden hören, man muß ihre seelischen Negnugen kennen, man muß mit ihnen gelebt, ihre Bäter und Großväter und die kleinen Anekdoten und Geschichten gekannt haben, die sich in der Familientradition mündlich überliefern, um ein lebensnahes, blntvolles Bild von „Ostdeutschem Judentum" zeichnen zu können. Einer, dessen Großvater schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der kleinen Stadt als Arzt gewirkt hat, die er. der Enkel, um 1900 verließ, ein Bodenständiger also, hat cs gemalt. Er galt schon iminer als verkappter Poet: literarische Jugendsünden und Gelegenheitsgedichte hatte ihm die kleine Stadt nicht vergessen, und mancher nüchterne Familienvater schüttelte besorgt den Kopf, wenn Heinrich Kurtzig stolzer als auf jeden geschäftlichen Erfolg begeistert verkünbete: „Mir ist cs nach langen Mühen gelungen, die weltberühmte Sängerin für ein Konzert in Jnoivrazlaw, im Lande Knjawien, 311 gewinnen." Aber das Kopfschütteln hat ihn wenig angcfochten. Er hat die Menschen in Küjawien überlegen lächelnd ans ihrem Weg begleitet, hat ihre Schwächen und ihr Wesentliches fest in sein Gedächtnis ausgenommen, hat sich die Tradition seiner eigenen und der anderen Familien mit tausend fesselnden Einzelheiten eingcprägt — und hat 30 Jahre gewartet, che er das alles niederschrieb. Dann aber folgten der außerordentlich spannenden Geschichte seiner Familie „Ostdeutsches Judentum", Novellen und Nomane. deren literarischer Gehalt zurücktritt hinter ihre knlturhistorische Bedeutung. Mittler eines plastischen Bildes von ostdeutschem Judentum zu sein. Tie Historiker, die Heimatkundler, die Romanciers haben für diese Vermittlung eines Stoffes herzlich gedankt, der bisher mit der Lebendigkeit des Feuilletonisten noch nicht gezeichnet war. Tie Poscner Juden haben Heinrich Kurtzig. der am 1. Mai seinen 70. Geburtstag feiert, znm Generalsekretär ihrer Heimatvereine gewählt, und so sck)afsr er für die Menschen. die die Prägung der verlorenen Heimat in sich tragen, lebendige Verknüpfung zwischen erinncrungsüberglänzter Vergangenheit und der Gegenrvart. Ter Widerhall seiner Bücher und die freundliche Anerkennung aller heimatverbundenen Poscner Juden werden dem Gestalter „Ostdeutschen Judentums" an seinem Ehrentag das Bewußtsein eines erfüllten Lebens geben. Han8 Rcichmann. LaMabbiner Sr. de Saas gestorben Arn Abend vor Ereiv Pessach slarb in Lldenbürg Landrabbiner Dr. de Haas. In den 15 Iahren seiner Amtstätigkeit * in der S'iiiagogen. gemeinde und den Landgemeinden rmd über deren Grenzen hinaus loirkle Dr. de Haas durch senie geistvollen, für Gott und Thora erglühenden Borträge im Gotteshaus, in Vereinen und Veranstaltungen: Schulen und Familien erfreuten sich der gleichen Fürsorge und Hingebung. Bei der Trancrfeier int überfüllten Gotteshaus sprach Landrabbincr Dr. B l n in ans Emden in Anbetracht des nahenden Pcssachfestes nur wenige Worte des Abschieds und des persönlichen Gedenkens dem Jugendfreund und Amtsgenosse». Rabbiner Dr. Aber (Bremen) sprach am Grabe. Der Vorsteher E r 0 n h e i m daiikte dem heimgegangenen geistlichen Führer namens der Gemeinde. Auch der Ecntral>Verein betrauert in dem Toten cinjn treuen zuverlässigen Freund. Lehrer Ludwig Meycrhosf gestorben. Der Landesverband Rheinland-Westfalen hat wiederum den Tod eines seiner eifrigsten Mitarbeiter zu beklagen. Lehrer und Prediger L u d n, i g Meyerhoff (Nicdcrmarsberg) ist nach langein, schweren Leiden abbernsen worden. Der Ver-. ewigtc hat Jahrzehnte hindurch die Geschicke der Ortsgruppe Niedermarsberg mit besonderer Hingäbe geführt, bis ihn vor kurzer Zeit der fort» schreitende Verfall seiner (Gesundheit zwang, von seinen Pflichten znrückzutrctcn. Im Landcsverband Rheinland-Westfalen wird das Andenken des Heimgegangenen stets in hohen Ehren gehaltcii werden. Ernst Plaut TUT^ji Samai K. pN Li u Berlin, Eh Bsimiiüi Zan “Ö Toi.: Bism.8100-15.Zimmer v. M.6,-an mm iies v PENSION ILSE Kurfürstendamm 70 1 1. und 2. Etage | Ecke Wilmersdorfer Strasse p J 6 Rloibtrcu 3(512 und 3552 | Beste Verpflegung | Zcitgem. Preise 1 (auch Lccrzlmmcr) | Müslieinilasiises Wannsrc. Alscuslrnsso 27» Telefon: H 0 Wnnnsoo 562(5 u. 6464 Für Erholungsbedürftige und Rekonvaleszenten. Innere u. Nervenkranke. Sanltiitsrat I>r. Wilhelm Croncr.’ iiiniin S-S-.. -sUjübii ttdbbv&WCulUu d. H.-,= Vorm. Frau KeEena Meyer Kagenstrass© 33-47 s Telefon: H9 Schmargendorf 7751 hat in seinem Betriebe die folgenden Aenderungcn vorgenommen: 1. Erhebliche Herabsetzung: der rreiso. auf Wunsch: Pauschalabmachungen. . 2. Streng klinische Ärztliche Versorgung der Kranken. L. Modernisierung der Eloctro - Hydrotherapie. SthntsronnTitersuchungcn. 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