Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 17 (24.4.1935)
- Date
- 1935-04-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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SvfZ ' Hr. 17 1. Boiblau 24.Äprill935 Auf einer Ausstellung im Berliner Logenhaus zeigte das jüdische Landschulheim in Caputh Schülerhefte. Erwachsene, die zu blättern bcgannftn. kamen stundenlang nicht mehr fort. Sie blätterten in den vollgeschriebenen und vollgezeichneten Heften von Sechs- bis Zwölf- oder vierzehnjährigen, in den Heften von normalen Durchschnittsschülern, nicht von Wunderkindern mit Phänomenaler dichterischer oder zeichnerischer Begabung, sie blätterten und konnten sich nicht trennen. Denn was sie in der Hand hielten, ist das Dokument der erfolgreichsten und umfassendsteil Arbeit, die es gibt. In Schülerheften sieht man. wie aus dem Nichts ein Belvußtsein erschaffen wird. Hier wird Schritt für Schritt der Weg in die Unendlichkeit des Erkennens gewagt, und die Vielfalt der Erscheinungen. Himmel, Wärme. Baum lind Schmetterling, Traurigkeit lmd Lachell. Gedanken lind Gefühle, bekonlmen zll ihrem Namen einen Sinn. Schülerhefte sind der große Roman mit dem aufregendsten Thema, das je behandelt wurde: Ein Mensch wird . . . Täglich werdeil zahllose solche Romane geklext, geschmiert. zerrissen lind weggeworfen. Wir greifen hier irgendeill Nomallkapitel heraus. irgendein Heft. Der Titel, der auf der Umschlagseite steht, verspricht: „Allerlei/ Es stammt von so einem fünf' oder sechsjährigen Knirps, der nicht mit zwei, sondern mit tausend Augensehen, nicht mit zlvei, sondern mit tausend Ohrerl hören inöehte, was es nlit dem Leben auf dieser kliriosen Erde für eine Belvandtnis habe, der am liebsten feine beiden Arme um den Aegliator spannte, um die große Welt an sein kleines Herz zu drücken, dein es nicht all Mut fehlte, sie ganz zu erobern lind ganz zu besitzen, und der in die Schleier vor Geheimnissen mit jener Unbekümmertheit Gucklöcher bohrt, mit der er den Schaukelpserdleib untersucht. Hier ist die erste Seite: „Die Neger Habens gut." Das ist eine Feststellung, an der es anscheinend nichts zu rütteln gibt. Weil rechts eine Dattelpalme steht und links eine überzeugende Senne unmißverständlich ihre Strahlen auf die zwei Negerjungen richtet, heben diese auch ihre Arme hoch mrd fronen sich. Wenn man noch bedenkt. daß die Negerbuben von Natur aus schlvarze Hände haben und sich niemals lvaschen müssen — und ob es die Neger gut haben! Seite zwei: „Elefant, halte." Ob ihr es glauben ivolit oder nicht: Wenn ich auf so einem Riesenelefanten säße und lvir beide ritten ganz rasch und wild durch den Urloald oder durch Caputh, und wenn ich dann nicht mehr weiter wollte und ich sagte: „Elefant, halte!", hielte er gehorsam und rührte sich nicht vom Fleck.-Dieser Imperativ ist sozilsagen der Abschlriß einer längeren Begebenheit, die wahrscheinlich mit allerhand Abenteuern erfüllt war. wobei das Schönste daran die Möglichkeit ist. mif einein Elefanten reiten zu können, einem Elefanten, der einen langen Rüssel und vier Beine hat. und der alihält, wann und lvo man will. Seite drei: „Eiche." Zwei kleine Eichenblätter, eine große lleberschrist. Das ist lapidar. „Eiche/ Es gibt viele, viele Bäume, alle haben einen Stamm, Aeste und Blätter. Die Blätter sind verschieden. Wenn ich Eiche sage, dann fallen mir die gezackten Blätter ein, das; sie zu einem Baum gehören, ist selbstverständlich. Seite vier: „Die Chinesen haben Zöpfe/ Das ist eiri Sah, in dem beinahe ein ganzes Epos enthalten ist. David war ein großer König — Achilles war ein tapferer Held — die Ehinesen haben Zöpfe. Eine umfassende Eharakteristik der Ehinesen, oder der Höhepunkt ihrer Absonderlichkeit. Alles, was man von ihnen weiß, gipfelt in den Zöpfen. Das hat sich in dem kleinen Gehirn eingeordnet, man spürt förmlich, wie befriedigend es ist, ans so eine absolute Wahrheit zu kommen, niemand kann das widerlegen, nichts ist mehr unklar, die Chinesen haben Zöpfe, uild damit basta. Seite fünf: „An der Haltestelle warten viele Leute." Das ist mm eine Episode aus dem Alltag, die das Festhalten auf dem Papier schon deshalb verdient, weil sie sich so oft wiederholt. Haltestellen sind zum Warten da, Meilschen auch, das Warten ist eine der vielen Tätigkeiten, wie sihen, ' stehen, schlafen, essen, auf Elefanten reiten und andere mehr, mit denen man sich absinden muß. Seite sechs: „Die Wildenten haben Angst/ Fünf Profilailfnahmen voll Wildenten. Wer will beweisen, daß sie keine Angst Tjabcn? Dafür, daß verängstigte Wildenten nicht mehr Talent haben, ihre Gefühle plastischer auszudrücken, kann man ja schließlich nichts. Seite sieben: „Die Schildkröte ist ans dem Stall." Der Stall, den die Schildkröte verlassen hat, ist schon in so lveiter Ferne, daß er nicht mehr 311erblicken ist. Die Schildkröte wandert auf dem Fußbodeil, das ist die uriterste Kaute des Papiers. Eine einsame, verlorene Schildkröte, ohne die schüßenden Wände des Stalls, wer weiß, welchem Schicksal sie entgegenkriecht? . . . Kann man eindrucksvoller, kann man in knapperer Form ein Schildkrötelrerlebriis fassen? Nein! Weirn man den kleinen Jungen fragte, was er mit der Zeichnnng alles an^brüefen wollte, erzählte er unS eine lange Geschichte. Die Schildkröte besäße einen Namen icnd .einen Charakter.' Familie und Verstand. Ihr Leben setzte sich aus mannigfachen Freuden, Gefahreil und Sorgen zusammen, sie hätte eine Vergangenheit und ein Ziel. Wenn Kinder zeichnen, dann zeichnen sie nicht wie Erwachsene, die während eine? langweiligen Vortrags mechanisch ein Stück Papier bekritzeln, sinnlos und gedankenlos, nein, mit jedem kleinen Strich drücken sie irgend etwas Großes aus und alles hat seine Bedeutung. So sollen ihre Zeichnungen nicht mit irgendwelchen künstlerischen Maßstäben geschätzt — und in diesem Sinne überwertet werden, deirn es handelt sich hier ja rrm den nicht kritisierbaren Urgehalt der Kunst, um ihre llrsprünge voller Rätsel, run die Impression schlechthin, — um das Erkennen des Wahrnehmbaren und seiner selbst. 6. 8. Klm vkMM HAgEj o>- mm ■ZtaE« Das btamachauö der NotlMlds Das Haris, Frankfurt a. Main, Börnestraße 26. steht heute noch als Wahrzeichen einer alten Zeit zwischen modernen Wohn- Häusern, - und es gibt kaum einen Besucher der alten Stadt Frankfurt a. Alain, der. es nicht aufsuchte, insbesondere deshalb, weil es im Innern rmd Aeußern noch vollständig iw dem Zustände erhalten geblieben ist, den es zu der Zeit hatte, als die Mutter der „Fünf Franlsurter", die alte Gudula Rothschild, geb. Schnapper, vor 85 Jahren starb. Trotzdem ist das Hans nicht mehr ganz das gleiche, denn bei der Straßenregulierlulg im Jahre 1884 wurde die eigentliche Vorderfront abgetragen und einige Meter zurückverlegt, wobei aber der Charakter völlig bewahrt blieb. In Wirklichkeit ist das Haus nicht einmal ein Haus, sondern es find zlvei Häuser. Als Meyer Amschel Rothschild das Haus bei seiner Derheiratnilg im Jahre 1770 an sich brachte, war er noch nicht so vermögend, daß er die beiden zusammengehörigen Häuser kaufen konnte, er mlißte sich vielmehr mit einem Anteil an dem einen Hanse begnügen, und erst sehr viel später war es ihm möglich, das ganze Hans und da-s dazngehörige Nebenhaus an sich zu bringen. Hier nmrden ihm achtzehn Kinder gebvreil, von denerr zehn am Leben blieben, außer den fünf Söhnen Anselm, Salomon, Nathan, Carl uild Jacob, deren Geschichte genügend bekannt ist, die Töchter Jeanette (Worms), Jsabella (Sichet), Julie (Beyfns) und Henriette (Montefiore). Mcher Anselm Ro!hschild loohnte in diesem Hause bis zu seinem im Jahre 1812 erfolgten Tode, und seine Frau Gndula, bis sie hochbetagt 1849 starb. Das Haus stand dann einige Zeit leer lind lvnrde voll der Stadt Frailksurt a. M. mit ben anderen Häusern der zum Abbrlich bestimmten ehemaligen Indengasse enteignet. Kllrz vor dem schon vorgesehenen Abbruch kailsten es die Rothschilds zrirück und ließen es, wie schon erwähnt, durch einen komplizierten Umbau in die Straßenfront rücken. Nun wurde es von der Familie zum Familienheiligtnm allsgestaltet. Die -alten Möbel, die in anderen Rothschildhäusern verteilt waren, wurden wieder hineingestellt und darin die Verwaltung der »Freiherr Amschel Meher von Rothschild'schen milden Armenstistlmg für die jüdischen Armen der Stadt Frankfurt a. M." nntergebracht. Diese Stiftung lvar eines der größten Vermächtnisse mlter den zahlreichen Nachlaßstistungen der Rothschilds. Aus ihren Zinsen wurde allwöchentlich 333 jüdischen Familien ein Betrag von je einem Gulden pro Kopf ausgezahlt, ferner erhielten alle diese Familien von der Stiftrmg ihre Winter- ' feuerung, und dazu wurden noch erhebliche Beträge an auswärtige Gemeinden versandt. Noch bis zum Jahre 1921 war diese Stiftung in voller Kraft, und an jedem Sonntag erhielten ihre Pfleglinge je ihre 3 Mark und 43 Pfennige, sowie im Winter ihre 30 Zentner Holz oder Kohlen Erst die Inflation entlvertete das Kapital so, daß dieje Anszahllingen nicht mehr möglich lvaren. Doch ist die Stiftung gerade durch den jetzt verstorbenen Baron Edmond von Rothschild und seine Gattin wieder so weit gekrästigt. daß Feuerringsmaterial und kleinere Unterstützungen an besonders Bedürftige daraus gezahlt werden können. Die Vorderfront des Hauses besteht aus Fachwerk rmd rotem Sandstein.' Von den vier Toren wlirdei; zlvei früher als Alislageseilster benutzt, und die Einrichtung mit Hakeil und Fensterbänken ist jetzt noch vorhanden. Das Erdgeschoß enthält rechts die Bürorälune der Stiftmig mit Auszahlschaltern. Hinten liegt die erst vor 30 Jahren eingerichtete HauSsynagoge, in der bis vor zehn Jahren täglicher Gottesdienst stattfand: jetzt wird nur an den Jahrzeitstagen der Rothschilds »Minjan" gemacht. An einem kleiiren Höschen, das mit seinen Altanen einen idyllischen Anblick bietet liegt das alte Comptoir, mit dem Stehpult und der großen Geldkassette des ersten Rothschilds. Enge Treppen führen in den ersten Stock. ' Hier liegt das Hanptprnnlstück des Hanfes, das Zimmer der Glidnla mit seiner Biedermeiereinrichtung. die in ihrer grünen Polsterung und mit den kleinen Vorhängen vor den Butzenscheiben der vielgeteilten Fenster durch die tansendfachen Aufsührlingen der »Fünf Frarlkfurtcr" weltbekannt geworden ist. Auf erhöhtem Podest steht der Stuhl der alten Gudula. Von dort aris beobachtete sie , das Leben auf der Straße, und ein »Spion" ermöglichte es ihr, jeden zu kontrollieren, der in dem Geschästshans an der Ecke der Fahrgasse. heute Gemeindehaus und jüdisches Museum, aus- und einging. Auf der Kommode stehen noch unter Glas die Brautsträuße ihrer Kinder, wertvolle Gemälde der Söhne von der Hand erster zeitgenössischer Maler schmücken die Wände, die alte Pendule schlägt ans dem Marmortischchen, neben dem Sessel, in die Wand eingelassen, ist das Schränkchen, ans dem die Großmutter den Enkeln die süßen »Mürbekuchen" zum Naschen langte. Auf der anderen Seite sind die ehemaligen „€arW m §mmtb Chm zur ErilauMrung im Berliner Kulturbund Nach Luigi Pirandcllo, dem stärksten Erponcnten der modernen italienischen Bühne, bringt der Kulturbund den Jro-Engländer Bernard Shaw, der mit seinem dramatischen Lebenswerk aus dem deutschen Theater fast so heimisch geworden ist wie in seinem eigenen Lande. Wir kennen ihn seit langem, den revolutionären Kämpfer und Feuerwerker des Geistes, der mit seinen kühnen Paradoxen uns wie mit knatternden.Raketen oft mehr noch erschreckte als belustigte, den grimmen Spötter aus aristophanischer Laune, der in menschliche Torheiten, in soziale Lügen und romantische Atavismen den spitzen Stachel seines Witzes bohrte, den eigenwillig-lachenden Umwerter geschichtlicher Werte und Persönlichkeiten, deren echtes oder falsches Heldentum er mit grausamer Ironie auf seine nackte Menschlich, kcii zurückgesührt hat. Auch Shaws „Candida" ist wiederholt aus unseren Bühnen erschienen — aus seiner reichhaltigen Produktion so ziemlich das einzige Werk, in dem die mutwtlligen Bosheiten des Satirikers durch eine reine Sprache des Herzens übertönt werden. Er selbst hat sich. Zn wachsendem Widerspruch auch gegen die eigene Person geneigt, diesen warmen Gefühlstöncn des breit ausströmenden Gedichtes. der ehemals von ihm leidenschaftlich geliebten Wortmusik späterhin hartnäckig ver- . schlossen, und auch für uns hat sich die verstiegene und verbissene Gefühlsschwelgerei des überreifen Dichterjünglings Eugen Marchbanks, die weinerliche Selbstgefälligkeit des volkstümlichen Pastors Morell in diesen ganz unsentimentalen Zeitläuften merklich herabgedämpft. Und wenn in dem Wettstreit der beiden völlig ungleichartigen Männer um die von ihnen geliebte Frau der Jüngere, der Schwärmer und Dichter, schließlich unterlegt, so folgen wir ihm in die Nacht hinaus höchstens mit dem bangen Zweifel, ob' er sein-. noch zu beweisendes Dichtergenie wird behaupten und sich seine Welt auf den Trümmern einer zerronnenen Illusion wird neil errichten können. Zwischen beiden steht Candida, die Seelenreine: der Glanz ihrer Erscheinung ist bis znm heutigen Tage nnverblichen. Etwas von Goethes Iphigenie ist in der „Wahrheit dieser hohen Seele", etwas von der reinen, geadelten Schönheit der Assunta, deren Bild nicht mit Unrecht über ihrer Bibliothek hängt. Ihr irdisches Sein aber ist ganz auf Herzensgüte, auf mütterliche Instinkte, auf die menschliche Gewohnheit der Schirmherrin und Hüterin ihres Hauses gestellt, und so kann der schützbedürftige Gatte voll Dankbarkeit zu ihr sprechen: „Du bist mein Weib, meine Mutter, meine Schwester — du bist die Summe aller Liebessorgen für mich!" Die Rolle der Candida war in der Ausführung der Kulturbiindbühne der neu gewonnenen Jenny Schafseraus Dresden anvcrtraut. Bereits nach der Aufführung von Schnitzlers „Spiel der Sommcrlüste" haben wir sie als einen höchst bedeutsamen und ersreulichcn Zuwachs für das hiesige Ensemble willkommen geheißen. und sie hat auch als Candida iMscre Erwartungen nicht enttäuscht. Sie gab die Anmut, sie gab die Seelenwürde, sie gab auch den leise lächelnden Humor der herrlichen Gestalt, ganz nach den Absichten des Autors mit dem Doppclrciz der Jugend und der Mutterschaft. Aber der Regisseur der Auf- ' führung, Fritz Iebner, hatte dem stuck, das Shaw ein Mysterium genannt hat, den eigentümlichen Zauber des Geheimnisvollen fast ganz genommen und hatte es ins Erdhaste, in die ganz substanziell- Wirklichkeit iranS-.. paniert, und so haftete dem Spiel vo» Jenny Schasscr ein Zug munterer Weltlichkeit an. die aus der Liebenswürdigkeit emeS ganz natürlichen weiblichen Wesens, aber nicht aus den dunklen Tiefen des Dchstermms, aufzusteigen schien. Luch das Eel,e,mn>s >m §et.\ Jen des jungen Dichters Marchbanks, das nicht einmal di«: Hellsichtigkeit Candida, ,um Schlüsse erkennt, wurde ans diese Weise von Walter Hcrtner mehr enthüllt als verschleiert: im übrigen spielte der oft bewährte jugendliche Darsteller die sehr undankbare Rolle mit dem Trotz und dem rasch aufwallenden Temperament des leicht verwundbaren, erwachsenen Knaben, und es war nicht allein seine Schuld, wenn an den Stellen, an denen die ideal ausschwärmende Phantasie des jungen Dichters mit den Realitäten des Levens msammenstieß, das Erhabene die Wirkung des Lächerlichen auslöste. Sein Gegenspieler, der Pfarrer Morell, fand in Willy B n f ch h o s f einen Darstcuer vor; ehrlicher, freilich mehr robuster als weichlicher, mehr abstrakter als sinnlich ansprechender Männlichkeit. Dem Unterpfarrer Alexander Mill lieh Ernst L e n a r t eine Note verschmitzter Uebcrheblichfett; Candidas Vater Burgeß wurde von Fritz Lion mit dem derben und lauten Humor des ungebildeten, hochnäsigen Parvenü drastisch wiedcrgcgcben. Sehr belustigend Gerda Klein-Weismann als Sekretärin des Pastors in ihrer altjüngferlichen, hysterischen Verliebtheit. Stück und Darstellung wurden von dem angeregten Publikum mit warmen Beifallsbezeigungen ausgenommen. Dr. Hugo Lnchinanski. AlifgMue SünMMrklUWN In alten Zeitschriften kramend entdecke ich einige seltsam aktuelle Bemerkungen, Verse. Gedanken, so diese knappe Glosse von Hans Albrecht Moser zur Geschichte der Religion in den letzten hundert Jahren: „Wir standen zum lieben Gott wie zu einem alten Erbonkel, dem man ab und zu. damit er ' einen später nicht vergißt, einen freundlichen. Brief schreibt, von dem man aber im Übrigen in Ruhe gelaffen sein will. Da Lrm. der' tüchtige " Geist der Naturwissenschaften auf. schämte sich unseres Verhältnisses zu Gott, schnitt uns die -Verbindung mif ihm ab und lehrte ünS, uns aus uns selbst zu stellen. Und siehe, kaum waren wir aus uns selbst gestellt, da stieg der lebendige Gott aus unserer eigenen Tiefe empor und lehrte uns. daß Gottesglanve stirbt, wenn er nicht Gottesdienst ist, Unterwürfigkeit vor Gott, emsiges Bemühen, in Gott zu leben. Gott ist ein Feuer, das unter uns brennt. Zuweilen glimmt es bloß unter dicker Asche, zuweilen schlägt es in schlanken Flammen empor. Wir müsien lichterloh brennen; wir müsien in der göttlichen Flamme verbrennen/ * „Browning, Robert, Nichtjude, 1812—1889, d. gr. engl. Lyriker, behandelte in seinen Dichtungen vielt, j. Motive in sehr positivem Sinne", steht im Philo-Lerikou. Ich habe da bloß schnell einmal nachgesehen. weil ich eben Robert Brownings große Ballade „Rabbi den Esra" (in der meisterlichen Uebertragnng Mar Geilingers) gelesen habe. Mm. und? Das Lexikon hat recht, man lese nur diese Schlußstrophen: „Doch eins tut stets mir not: Der Menfchenformer, Gott. Stets wußt' ich wenn du. Wirbel, wirrend Aufs Lebenrad gelegt, . [furrft: Von Farben, Form umfegt. . Werd' ich ein Becher, lösche Gottes Durst. Nimm und gebrauch Tein Werk! Verzerrtes, das ve-rstärk! Und Ueberschrnmpstes-— ganz nach Plan — vollende Du /: Was Jugend dumpf gebracht, Alter zurcchtgedacht. dem füg' — handhab Du meine Zeit — der Tod das Letzte zu! den Israel. Wattenscheid. Meinhnrt Maur las in der Synagoge jüdische Dichtungen. Eine anregungsrerche Darbietungslolge fand dankbare Hörer. Die Herbstfeiertage wurden durch Vorträge de8 Kultusbeamten Oppenheim in ihrer Bedeutung gewürdigt. . dtp gut« UKgr, Maglifr MQiichtwVn