Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 16 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Haifa, den 4. April 1995. In Palästina leben zurzeit etwa 22 000 deutsche Juden, acht vom Hundert der jüdischen Bevölkerung. Fährt man aber als Tourist durch das Land, so hat man den Eindruck, als ob ihre Zahl viel größer sei. Ueberall hört man Deutsch sprechen, trifft man Freunde oder Angehörige von Freunden, und. da der Grundsah: „los smis de mos amis sont mes amis“ hier in großzügigster Weise anerkannt wird und zudem das Bedürfnis, von den Angehörigen in Deutschland zu hören, mindestens so groß ist wie der Wunsch der Zurückgebliebenen, von denen draußen etwas zu erfahren, wird man gewissermaßen von Hand zu Hand gereicht. Da ferner die meisten kein Telephon haben und die Post innerhalb des Landes schlecht funktioniert, geht man eben in die Wohnung des anderen, um mit ihm mündlich Verabredungen zu treffen. Die Wohnungstür ist meist unverschlossen, die Klingel nur eine Dekoration, man klinkt von außen die Tür auf. So ist der Palästinenser auch in seinen eigcmn vier Wänden fast nie allein, zumal die Rücksicht auf das Ruhebedürfnis oder das Alleinseimvollen des Mitmenschen nur gering ansgebildct ist. Jeder weiß alles vom anderen — ein bissiges Witzwort sagt, in Tel-Aviv begrüße man den Freund mit der Frage: Schalom, wie gcht's mir?- Jeder weiß aber auch, wo jemand, den man sticht, steckt, oder kennt zum mindesten jemanden, der es weiß. Schließlich ist ja Palästina ein kleines Land, und jeder nimmt so starken Anteil an dem Ergehen dessen, der mit oder nach ihm eingewandert ist, daß der Nachrichtendienst gut klappt. Auch das charakterisiert ein Witz am besten: Es gibt in Palästina drei Arten der zuverlässigen, schnellen Benachrichtigung: Telephon, Telegramm und Tel-Aviv.- Dem Touristen erleichtert dieser Zusammen- Hang die Ausgabe, zu prüfen, wie und wo die deutschen Einwanderer sitzen und was sie treiben. Es hat sich.. zum großen Teil verursacht durch die mangelnden Sprachkenntnisse, in den Städten eine Art deutscher Kreis gebildet. In Haifa lebt man — sofern man Kapitalist ist — meistens auf dem Karmel, dessen Kiefern und Pinien jetzt im Frühling, zumal an stürmischen Tagen bei ziehenden Wolken, an norddeutsche Landschaft erinnert, oder in der neuen deutschen Kolonie Bath Galim, die. wie ihr Name: „Tochter der Wogen" sagt, am Meer. am Südende der Bucht, uitb dem Badestrände am nächsten gelegen ist. Geschäfte deutscher Juden schmücken die Herzlstraße, die Hauptverkehrsader des Hadar Karmel, oder fallen durch ihre schönen Auslagen in den modernen Hochhäusern des neuen Merkas am Hasen auf. Fährt man etwa zur Mittagsstunde im Autobus den Karmel hinauf, so hört man, angesangen vom Ehauffenr bis zum letzten Fahrgast, nur Deutsch sprechen, und alle sind wie eine große Familie. Achulich ist c8 in Tel-Aviv. Dort wohnt man möglichst nahe dem Strande, zum mindesten so. daß der frische Seewind die Wohnung durchlüften kann, in der breiten Ben Jehuda Straße und ihren Querstraßen oder in dem neuen, etwas höher gelegenen Stadtteil um die Nachmanistraße, und in Jerusalem baut man sem Haus oder seine Wohnung in Rechavia, der modernsten Billenstadt, oder in„dem ganz neu entstehenden Talbie und. wenn einen Geschäft oder Beruf nicht an das Zentrum der Stadt binden, in dem etwas entfernter gelegenen, ganz in Grün gebetteten Talpiot. Acynlich ist cs in den Siedlungen. Zwar gibt es willst kaum eine Kwuzza oder einen Moschav (Siedlung auf Privatem Boden und privatwirtschaftlicher Grundlage mit Produktionsgenossenschuft), auf denen nicht einzelne Deutsche wohnen, aber die meisten ziehen doch solche vor. in denen sie schon den Anschluß an eine größere deutsche Gruppe finden. So in den Siedlungen von Jctdäa: in Givat Brenner und Kwuzza Schiller, in der Scharonebene bei Petach Tikwa, vor allem in dem Moschav Ramot Hashavim, in der orangenreichen Gegend von Chedera, in Binjamina und Pardcß Ghana, in den Emeksiedlungen En Eharvd, Tel Ioßef, Geva. Mischmar Haemek u a. nt., an den Usern des Tiberiassccs in Daganja oder weiter hinauf in Galiläa, in Ajelct Haschachar nahe dem Hulegebiet u. a. m., oder dicht vor den Toren von Haifa in Jadjur, oder in der Haisabucht. wo in Kiriat Bialik eine große Kwuza und in Nahavia ein Moschav mit vorwiegend Geflügel-, Obst- und Gemüsezucht ahnlich der in Ramat Haschlovim entsteht. Wie sich die Menschen in dieses Leben als Bauern cinfügen, ist so verschieden wie die Anlagen des einen Menschen vom andern und wie die Formen der Siedlungen untereinander. Wir Außenstehenden gehen an die Betrachtung der Siedlungen zunächst mit der irrtümlichen Voraussetzung heran: Siedlung sei Siedlung. Natürlich gibt es einige feststehende Dinge, die bei allen gleich sind. Aber im Grundsätzlichen gibt cs starke Verschiedenheiten. Da lernt man die Unterschiede von Kwuzza und Kibbuz, dann die Verschiedenheit in der Zusammenfassung der Kwuzzoth in großen Verbänden, Zwcckgemeinschaften zur Verbreitung der Produkte, die aber gleichzeitig starke politische Abweichungen ausweisen. Weiter mutz man wissen, daß bei einigen Kwuzzoth die Siedler nur innerhalb der Siedlung selbst arbeiten, während andere ihre. Mitglieder auf Außenarbeit schicken: als Bauarbeiter in die Stadt oder in die Fabriken, die vor allem in der Haifabay wie Pilze aus der Erde schießen und „Tozeret Haarez". das Erzeugnis dcS Landes Herstellen. Zu solcher. Außenarbeit sind vor allem die Kwuzzoth ge» VT W A MWm zwungen, die arm sind, noch Land beim KKL abzuzahlen, Häuser zu bauen. Anlagen zn schassen haben. Einige Kwuzzoth haben sich selbst Fabriken angelegt. So ist in dem alten En Eharod, wo jetzt die Chugim (der Kreis) sitzen, eine Trikotagcnsabrik errichtet worden. Ein Wiener Fabrikant kam eines Tages mit Maschinen aber ohne Betriebskapital in Palästina an. Die Kwuzza gab das Kapital, stellte die Arbeiter und heute ist eine blühende Fabrik in Betrieb, in der das Garn gesponnen, der Stoff gewebt und zu Blusen, Hemden, Unterzeug usw. verarbeitet wird. Die .Erzeugnisse werden zunächst an die Produktivnsgenossenschaft und durch sie an die übrigen ihr angeschlossenen Kwuzzoth weiterverkauft, aber auch in den Läden von Haifa feilgeboten. DaS neue En Eharod besitzt eine Schlosserei, die auch für andere Siedlungen arbeitet, und in einer anderen Kwuzza soll jetzt eine Schuhfabrik errichtet werden. Auch nach der Art der landwirtschaftlichen Produktion unterscheiden sich die Kwuzzoth stark. Die einen haben große Feld- Wirtschaft, die anderen Obstplantagcn, z. B. Mischmar Haemek, das durch seine Stcinobstzucht und, eine besondere Seltenheit, durch seine Forstwirtschaft fast ebenso berühmt ist wie durch seine Schule mit Internat, in dem neben den Kindern aus der Siedlung Kinder aus dem Emck und aus den Städten unterrichtet werden. Auch eine Gruppe der deutschen Jugendallija lebt hier. Ghcfziba und Bcth Alpha wieder rühmen sich ihrer großen Tomaten und Anberginenzucht, und besonders herrlicher Weinberge. Hier wachsen Trauben von der Sorte und Größe wie die Kundschafter sie einst aus Palästina gebracht haben. In Mrgdal am Tiberiassec, wo Lord Mclchett eine herrliche Besitzung hat. wachsen besonders große Grapefrüchte und Bananen. Aber wichtiger als die äußeren Unterschiede sind die inneren. Auf der einen Siedlung herrscht echter Gemeinschaftsgeist, auf der anderen bilden sich Cliquen: die einen verlangen völliges Ausgehen in der Gemeinschaft, andere wieder lassen dem einzelnen Siedler mehr privaten Lebensraum. Gerade diese letzten Nuancen sind wichtig für den Neuling aus Europa, vor allem für den nicht mehr ganz jungen Einwanderer, und es hat sich bereits herausgestcllt, daß Menschen aus. Akademiker- und gehobenen KaufmaunSkreisen das völlige Untergehen in der Gemeinschaft nur schwer ertragen und solche Lebensformen suchen, die ihnen ihr individuelles Dasein, besonders in bezug auf das Familienleben etwas mehr gestatten. Haben sie Kapital, so bevorzugen sie in der Regel die Form des Moschav und die geglückteste Form solcher Akademiker- und Kaufmannssiedlung von Menschen zwischen 40 bis 60 ist die Geflügel, und Gcmüsefarm Ramot Hashavim bei Tel-Aviv. Nach ihrem Vorbild entsteht jetzt in der Haifabucht die Siedlung Nahavia, in der als ich sie sah zwar erst ein Wohnhaus stand, aber bereits 22 000 Küken in ihren Bruthäusern (Lulim) gackerten. Der junge Mensch wird im idealistischen Schwünge solche Siedlungen bevorzugen, die ihm die größte Aufgabe. zu stellen scheinen, also solche, die noch möglichst unfertig, noch im Aufbau sind und bei denen durch die Gemeinschaft des Aufbaus auch die Gemeinschaft des Lebens eng wird. Sind die Menschen in diesen Lebensformen zufrieden? Die meisten sind es sicherlich. Das hört und fühlt man aus den Gesprächen mit den Siedlern, die den Touristen führen und die mit gleicher Begeisterung den Eßsaal wie das Kinderhaus. die Ställe und Felder wie das Lesezimmer, das Jungvieh wie das Freilichttheater zeigen, wo sie Ausführungen der Habimah und Konzerte allererster Künstler wie Hubermann, Weißgerber u. a. hören. Ter Tourist muß sich der Problematik solcher Besichtigungeu natürlich klar sein. Er sieht das äußere, er meint vielleicht auch, den Geist der Siedlung zu erfaßen. Aber meistens hängt der Eindruck doch von der inehr oder weniger zufälligen Auswahl des Führers ab. Immerhin, man empfindet, es ist ein schweres Leben, das diese Siedler führen, aber auch ein reiches Leben, und cs ist das Dasein, das wir uns allein unter dem Leben in Palästina zu sehen gewohnt hatten, ein Dasein, das dem Lande dient. Und das scheint mir daS wesentlichste, daß jeder, der vor der Frage der Einwanderung nach Palästina steht, sich nicht nur fragt: ist das Land für mich geeignet, sondern in viel höherem Maße: b i n ich für das Land geeignet, bin ich für seinen Ausbau wertvoll? Bei all diesen Fahrten durch daS Land von Norden nach Süden, von Osten nach Westen, von den schönen fruchtbaren Usern dcS Tiberias-See8 entlang an den Sümpfen des Hule-Gebietes. das landschaftlich eines der reizvollsten Gebiete des Landes ist, von Jerusalem nach Haifa und an der Küste entlang nach Tel-Aviv trifft man den jüdischen Siedler aus Deutschland. Und wenn man sie in ihrer Baucrntracht sieht, Männer und Frauen in der Bluse und in kurzen Hosen, dann vergißt man fast zu fragen, ans ivekchem Beruf sie kommen. Denn sie alle, der Studienassessor aus Köln wie der Arzt aus Hamburg, der Schupo aus Berlin, wie der Frankfurter Kaufmann, die Nationalökonomin aus Breslau wie der Anwalt auS einer mitteldeutschen Stadt kennen nur das eine Interesse: die Bearbeitung des Bodens, die Bewässerung, das rechtzeitige - Einbringen der Ernte wie die Verschönerung ihrer Gemeinschafts. Häuser, und sie sind stolz auf ihren Nachwuchs an Kindern wie an Vieh; sie stehen früh aus und gehen, müde von der Arbeit, früh zu Bett. Und der Schabbat ist für sie der siebente Tag. an dem Gott ausruhte von seinem Werk, und an dem auch sie auSruhen von der Arbeit der Woche und ihr privates Leben führen. So relativ seelisch einfach dieses Sicheinleben auf dem Lande ist. so viel schwerer ist es in der Stadt. Natürlich ist ein Unterschied, ob jemand in seinem alten Beruf bleiben kann oder nicht. Aber die das können, sind doch nur ganz gering an Zahl. Da gibt es eine große Menge von ' Aerztcn und Zahnärzten, manche haben gut zu tun, viele nur knapp ausreichend, und eine dritte Gruppe gehört zu den Kapitalisten, die ihre 1000 Pfund beim Warten auf die Patienten bald aufgezehrt haben werden. Apotheken gibt es, elegante und einfache, in erschreckend großer Zahl und natürlich Kaufleute, die in den palästinensischen Städten ihren Laden mit dem gleichen Geschmack und dem gleicherweise allzu großen Spesenapparat ausgemacht haben wie früher in Berlin oder in Nürnberg. Aber damit ist die Zahl derer, die in ihrem Beruf bleiben konnten, auch schon fast erschöpft. Nur wenige Juristen konnten bisher die fachlich und sprachlich außerordentlich schwere Landcsprüfung nachmachen. Lehrer und Dozenten, Schriftsteller und Journalisten sind so lange zur Untätigkeit gezwungen, bis sie hebräisch können. Und dann kommt das große Heer der Umschichtler: der Mann mit dem hohen Jntelleltuellenschädel, der jetzt hinter der Drehbank oder auf dem Baugerüst steht, der Medizinstudent als Hotelportier, die Schauspielerin, die einem die Grapefrucht zum Frühstück serviert, die Kunstgewerblerin, die dem Sanatoriumsgast das Bett macht, der Hüte-snxros-Kaufmann. der das Auto lenkt und den Reisenden mit viel Verständnis durch die Flut der Siedlungen steuert und anderes mehr. Es ist nicht leicht, dieses Umlernen, zumal die deutschen Juden lange nicht so viel Wendigkeit besitzen, wie die Einwanderer aus anderen Ländern und erstaunlich wenig Phantasie aufbringen, um etwas AuSgefalleuercs .und dadurch Zukunftsreicheres zn finden. Da hat z. B. eine Unzahl von Menschen Pensionen, Hotels. Gases und Mittagstische eröffnet, die jetzt in der Touristenzeit natürlich alle überfüllt sind. Doch die Touristenzeit wie überhaupt die Reisezeit - in diesem heißen Lande währt eigentlich nur zwei Monate, und ob sich in den übrigen zehn Monaten die Spesen dieser Betriebe decken, ist fraglich. Aber da hat sich ein früherer Kaufmann aus Westfalen an einen öden Fleck gesetzt, nach Afulc. dem Knotenpunkt aller Autostraßen von Haifa nach Jerusalem und von Jerusalem und Haifa nach Liberias. Ein - reicher Amerikaner wollte einst dort eine große Stadt bauen, davon ist nur daS Krankenhaus und der Bahnhof stehen geblieben, und auch der Plan zu einem Theater soll noch existieren. In diese Einöde hat sich nun diese deutsche Familie gesetzt und dicht am Bahnhof — es ist die Strecke Haifa- Damaskus — ein kleines Restaurant ausgemacht, das bei kleinen Spesen und guter Bedienung glänzend zu gedeihen scheint. Natürlich ist das Leben dort entbehrungsreicher, als wenn man eine Pension in Tel-Aviv, oder Haifa oder gar in Jerusalem aufmacht und auch der Kampf gegen Fliegen, Spinnen, Amelsen und ähnliche Insekten ist dort sicher schwieriger. Aber dafür ist auch die Mög- . lichkeit vorwärts zu kommen, größer, und nur wer zu verzichten versteht und schwer zu arbeiten bereit ist, ist geeignet, in ein solches Land zu gehen,. daS noch Kolonialland im weitesten Sinne des Wortes ist. Ganz anders liegt es natürlich mit der Einordnung der Jugend. Die jungen Menschen, die die Kinder- und Jugcnd-Allija hinübergebracht hat. sind in den verschiedenen Klvüzzoth und Schulen untergebracht. Sie lernen die Sprache und fügen sich im allgemeinen gut in das Milieu. Natürlich haben auch sie unter seelischen und körperlichen Eingewöhnungskrankheiten zu leiden. Aber die Jugend nimmt die Dinge .nicht so schwer und beißt sich in fröhlicher Gemeinschaft mit Gleichaltrigen leichter durch. Wie für sie in diesem Lande. daS das Kind fast vergvttert, und der Jugend alle Möglichkeiten bietet, in sozialer und pädagogischer Form gesorgt wird, soll noch besonders behandelt werden. Dr. Margarete Edclhcim Aus Aulaß des zehnjährigen Jubiläums der Universität Jerusalem veranstaltete der Vorstand der Jüdischen Gemeinde in der Synagoge Oranienburger Straße eine Feier, deren starker Besuch die lebhafte Anteilnahme bewies, mit der die Berliner Juden das Werden der hebräischen Universität verfolgen. Als erster Redner überbrachte der Vorsitzende der Gemeinde, Direktor Heinrich Stahl, Glückwünsche, die von. dem persönlichen Erlebnis des starken Eindrucks getragen waren, den der Redner bei seiner Anwesenheit in Palästina von der Arbeit der Universität empfangen hatte. Gerade diese Stätte des Geistes müsse und werde der jüdischen Jugend Gelegenheit bieten, darzutun, daß es das heißeste Streben Israels sei. der Welt zu nützen. Im Namen der Neichsvertretung der deutschen Juden begrüßte Dr. Otto Hirsch die stolze und dankenswerte Kulturleistung, die die Universität inmitten der praktischen Schwierigkeiten des Aufbaus bedeute. Gerade die deutschen Juden seien verpflichtet und bereit, diese Dankbarkeit durch weitere Mitarbeit zu erweisen, um dazu beizutragen, daß die Universität zu einem Kiddusch .Haschern werde. Professor Dr. Jsmar Elbogen wies in seiner Festrede auf die Bedeutung hin, die die Menschheit der Entwicklung der Universität beimesse. Von einer Stätte des Geistes in diesem , Lande erwarte die ganze Welt eine besondere Leistung. Aber für uns Juden werde ihr Wert vor allen Dingen in dem einen liegen: Jede : kulturelle und wissenschaftliche Leistung in der Diaspora könne in gewissem Sinne nur eine Spiegelung der Umweltleistung sein. - Die Universität aber werde zum erstenmal wieder die Grundlage zu einer eigenen jüdischen Weltanschauung legen. Das sei allerdings zunächst nur ein fernes Ziel, dessen Erreichung erst späteren Generationen glücken könne. So wichtig auch die archäologische Forschungsarbeit der Universität für die Ausgrabungsarbeiten im Lande - schon geworden sei — es haben z. B. bei der Entzifferungsarbeit der wichtigen Funde von Lakisch zum erstenmal jüdische Hebraisten und Archäologen mitgewirkt —, so sei es doch auf die Dauer das notwendigste Erfordernis, daß das ursprünglich von den anderen Fakultäten getrennte judaistische Institut in die Pflege der allgemeinen Geisteswissenschaften eingegliedert werde. Nur durch diese lebendige Verbindung und Durchdringung werde die eigentliche jüdische Aufgabe der Universität ihrer Erfüllung näher geführt werden können. Für die Zionistische Vereinigung sprach Dr. Salli Hirsch in einer hebräischen Rede über die Bedeutung der Universität als Pflegestätte des Geistes und über ihre Wirkungsmöglichkeiten von Land zu Land. Rabbiner Dr. Joachim Prinz forderte, daß' der Zusammenhang der Universität mit der praktischen Tagesarbeit der handarbeitenden Menschen im Bewußtsein ihrer Förderer hergestellt werde. Er . stellte mit Befriedigung fest, daß alle Richtungen . ohne Unterschied der Entwicklung der Lehr- und Forschungsanstalt auf dem Skopusberge ihre Sym» pathien zuwenden, und erwähnte dabei den korporativen Beitritt deS Central-VeretnS zu ihrem . Fördererkreis. Dr. Alfred Klee überbrachte die .Glückwünsche, des. Landesverbandes preußischer Gemeinden und tzries dabei die Universität als ....;! / k Dr. Magnee, der Kanzler der Universität ein Symbol der Versöhnung zwischen Isaak und Jsmael, d. h. der Verbundenheit jüdischer und. arabischer Kulturarbeit. Die Feier wurde von stimmungsvollem Orgelspiel umrahmt. _ Dr. E. R.-J. MMrs Mäzenatentum In der Zeitschrift des Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller E. V., „Ter Schriftsteller". 9. Jahrgang, Nr. 4, schreibt Walter Bloem in einem Beitrag „Ter Schriftsteller will Mitarbeiten!": „Ein Stoßseufzer soll vermerkt werden: Annette Kolb rühmt in ihrem neuen Buch das Gönnertum des Judentums und begründet sogar eine deutsche Dankesschuld. Man möge ihi? erwidern, bei näherem Hinsehen sei das sanfte Vorgebirge des jüdischen Gönncrtums leider beschattet durch den Ganrisankar, den der jüdische Kunst- und Buchhandel in den Banken anzuhäufen verstand." _• Der Schlußfeiertage wegen erscheint die nächste Ausgabe der „C.-D.-Zeitung" bereits am Mittwoch, 24. April. Redaktions- und Anzeigenschluß Dienstag, den 23. April, 12 Uhr mittags. Hauptschriftleiter: Dr. AlfredHirschberg; Stcllvcrtr. Dr. Ma.rca.rete Edelhelm. Beide in Berlin. Für Rücksendung unverlangter Manuskripte ist Freiumschlag belzi’tügeD. Leiter der Anzcigen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan, Berlin. DA I. VJ. 40 769. 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