Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 14 (4.4.1935)
- Date
- 1935-04-04
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der $ulhtrtreis Breslau versucht ein staudigcZ Theaterensemble zu bilden. Um diesem Ziele näherzukommen, veranstaltete er kürzlich in Breslau und anschließend in Beuthen und Eleiwitz Ausführungen der Komödie „Der Tartüff" von Moliöre (in der Uebersetzuug von Ludwig Fulda). Der Berliner Kulturbund unterstützt diese Aufführung. Die Regie führt der Berliner Regisseur Nikolai El ja schoss, die Bühnenbilder stammen von Kurt L e u n e r (Breslau), die Kostüme von Heinz C o n d e l l (Berlin). Heinrich Markt (Breslau) stellt die Bühnenmustk zusammen. Zu den Breslauer Künstlern Alfred Balthoff, Ruth A r d e n, James Eis ne r u. a. treten Camilla Spira (Berlin), Dcla Lipinskaja: Figurinen aus ihrem „Bilderbogen* Zeichnungen von Dodo Mar Koni n s k i. Liselotte Rosen unö eine Reihe anderer Kräfte vom Berliner Kulturbund. Im Abonnementskonzert des Indischen Mnsi!'- vcrcins Breslau sang die Altistin Ruth K i s ch - A r n d t. Köln, die über ein bedeutendes gesangliches Können verfügt, wobei ihr schön klingendes Piano besonders hcrvorgehoben zu werden verdient. Im ersten Teil hatte sich die Künstlerin in der Auswahl der Lieder anscheinend mehr vom Inhaltlichen als vom Musikalischen bestimmen lassen. Die Pianistin Irene Weißenberg spielte die von Taussig bearbeitete Bachsche Toccata und Füge D-nioll in bewundernswerter vollendeter Weise. Beethovens Waldsteinsonate op. 59 erreichte nicht die gleiche Höhe; hier schien, eine leichte Nervosität dem tieferen Eindringen hinderlich gewesen zu sein. In der Begleitung der Gesänge führte Lotte Schoeps-Rogos i n s k i erneut den Beweis ihres Aupassnugs- und Einsühlungsvernwgens, das zum Erfolge beitrug. Das Orchester des Jüdischen MusikvereinS spielte Schuberts Sinfonie B-dur Nr. 5 und unter Mitwirkung von Boris Schwarz Mozarts Violinkonzert I-6ur. Beim Hören dieses nur mit Dilettanten besetzten Orchesters muß man seinem Dirigenten Kurt Havelland höchste Bewunderung zollen, der'mit diesen Aufführungen ein wahres Kunststück fertiggebracht hat. Auch wenn hier und da ein Instrument noch mit Schwieriglei icn zu kämpfen hat, oder wenn man gewisse Teile der Sinfonie schon eindrucksvoller erlebt hatte: das Resultat bleibt eine Leistung, auf die man stolz sein darf. Erstklassig war das in jeder Weise vollkommene Spiel Boris Schwarz', der außerdem mehrere kleine Stücke, von Erich Schaffer am Flügel begleitet, zum Vortrag brachte. Den?1bschlnß bildete der. Kaiserwalzer von Johann Strauß, der in der bis in die unscheinbarsten Details dnrchgebildeten Wiedergabe einen Beifallssturm erregte, der dem Orchester und Dirigenten alle Ehre machte. In einem vom Jüdischen Musikvercin veranstalteten Liederabend entzückte Hermann Sch eh wieder mit Schubert- und Mahler-Liedern. Ruth H e g n i g, neben ihrem berühmten Kollegen anfangs von einer begreiflichen Aufgeregtheit befallen, die zu leichtem Detonieren Anlaß gab. errang mit ihrem geschulten, volltönenden Mezzosopran, der alle Anforderungen des besonders zu lobenden Brahms-Wolf.Programms erfüllte, einen gebührend großen Erfolg. Die Duette erreichten, wohl infolge der wenigen Proben, nicht die Gelöstheit des Vortrages, die man den schön zusainmentlingenden Stimmen gewünscht hatte. Die Begleitung Kurt Havellands war ein besonderer Genuß. (j.P. Der Gerstmannsche Frauenchor veranstaltete einen gut besuchten Schubert-Abend, der auf erfreulicher Höhe stand. Der Chor, der in seiner jetzigen Zusammensetzung erst einige Mvnare besteht. bewies unter seiner Dirigentin Erna G c r st m a n n den Ernst und die künstlerische Reife seiner Arbeit. Er bildet heute schon einen Klangkörper voll Harmonie und musikalischer Schönheit. Tor Gcsarntchor sang die „Allmacht" eindrucksvoll und erhaben, und das „Ständchen" mit der vollen Innigkeit seines Gehalts. Der kleine Chor brachte die Deutschen Tänze mit köstlicher Beschwingthcit zu Gehör. Hertha Pinczower (Alt) war die Solistin der Chöre und sang drei Schubert-Lieder. Mit einer kristallklaren, vorzüglich geschulten Stimme verbindet sie das Erfassen des inneren Gehaltes der Kunstwerke und einen innigen. beseelten Vortrag. Edgar L i ß n e r (Tenor) war indisponiert und konnte deshalb seine Lieder nicht zu voller Geltung bringen; trotzdem erkannte man die sorgfältige Schulung seines ansprechenden Organs. Günther Pulvermacher am Flügel begleitete feinsinnig und ausdrucksvoll. Schw. Die Generalmusikdirektoren Joseph Rosen stock. Berlin, und Hans Wilhelm Steinberg, Frankfurt a.M., gaben in Hamburg ein Konzort auf zwei Klavieren. Sic spielten Werke von Schumann, Busoni und Reger. Der Abend wurde für die große Zuhörerschaft zu einem Erlebnis besonderer Art. Wohl feinet der Hörer wird jeinals das gewaltige, schwierige Werk von Reger — Variationen über ein Thema von Beethoven — in so grandiosem Aufbau, in so idealer mustkalischer Einheit und Vollkommenheit erlebt hoben, wie cs diese beiden Dirigenten-Pianisten erstehen ließen. In gleicher Weise rief der Vortrag des entzückenden Duettino concerfante (nach Mozart) von Busoni, das wiederholt werden mußte, Begeisterung hervor. vr. F. Im festlichen Gabriel-Rießer-Saal sprach in einer Morgenveranstaltung der Jüdischen Gesellschaft für Kunst und Wisienschaft in Hamburg Professor Dr. Franz Landsberger über die Kunst Mar Licbermanns. In vorbildlich schlich, ter und demwch eindringlicher Weise skizzierte der Vortragende den Werdegang des großen Künstlers. Professor Landsberger machte seine Ausführungen besonders lebendig durch eine gute Auswahl von Lichtbildern nach Liebermannschcn Gemälden, die wirkungsvoll kontrastiert wurden durch gelegentliche Einschaltung von charakteristischen Bisdern anderer zeitgenüsp scher Maler. Vermißt wurde ein näheres Eingehen auf Liebermanns graphische Kunst, die seine künstlerische Eigenart deutlicher vielleicht noch als seine Malerei offenbart. Die Veranstaltung war eine würdige Ehrung dc8 großen Toten, für den als Mensch' und Künstler ja gerade das Hamburg Alfred Lichtwarks eine gewichtige Etappe bedeutete. Die Jüdische Gesellschaft für Kunst und Wissensiäaft hat zu einem Vortragszhllus in kleinem Kreise geladen. Die Familie Berge stellte dafür ihre Räume zur Verfügung. Ten Reigen eröfsnete Intendant Leopold wachse mit einem aufschlußreichen Dortrag Wer „Dramatische Dichtung und Oper". In einem kurzen Wriß der Geschichte der Oper kam der Vortragende zur Unterscheidung dreier bedeutsamer Epochen: einer ersten frühitalienischen Epoche mit einem unbedingten Vorherrschen des technischen Bühnemipparats. einer zweiten französischen mit einem Dominieren des Worts und einer dritten deutschen Phase mit einer unbedingten Vorherrschaft der Musik, die dos Eigengewicht und den Eigen-Linn des Worts ganz unterdrückt. Ldf. Im Kulturbund Stettin sprach Dr. Anneliese Landau» Berlin, geistvoll plaudernd über die Entstehung der Liedcrzyklcn Franz Schuberts. Fritz Lechner. Berlin, begleitet vom Pianisten Rose, sang Proben aus den verschiedenen Zyklen. Ein Kleinkunstabend „Berliner und ostjüdischer Bilderbogen" hatte in der bekannten Besetzung großen Erfolg. Die zweite Ianuarveranstaltung war der Operette gewidmet. Erna E i s n e r und' Max Kuttner, am Flügel begleitet von Leo Stein, brachten Arien und Duette von Johann Strauß und Oskar Straus. Offenbach. Lehär u. a. zum Vortrag und ernteten großen Applaus. Anfang Februar sprach Dr. Arthur E l o e s s e r über ,Hakob Wasicrmann und sein jüdisches Schicksal". Im Frauenverein Wilhrlmöhaven-Nüstringen hielt Studienrätin Roste Stern. Frankfurt a. M.. einen interessanten Lichtbildervortrag über ihre Reise durch Südafrika und die Sahara. Die Rednerin erklärte u. a. die Sitten und Gebräuche der dort lebenden Juden. Der lehrreiche Vortrag brachte eine dankbare Mwechslung in das Gemeiudeleben. Lilly Kann (Berlin) trug im Kulturbund Mecklenburg-Lübeck Werke von Stefan Zweig, Martin Buber und Arthur Schnitzler vor. Der Beifall war stark. Anfang Marz gab der Pianist Bruno Eisner ein Gastspiel. Die Wiedergabe klassischer Werke fand begeisterten Zuspruch. Bebäuerlich ist nur der schwache Besuch der Veranstaltung. Einen außergewöhnlichen Erfolg hatten in einem Opern- und Operettenabend des Jüdischen Kulturbunds Hannover die Mitglieder des Berliner Kulturbundes Fritzi I o 11 und Paul Feh 6 r. In einem reichhaltigen Programm konnten die Sänger ihre prächtigen Stimmittel und ihre ans hoher Stufe stehende Gesangskultur zeigen. John Mandelbrods vorzügliche Bc« gleitung ließ das fehlende Orchester kaum vermisten. Tie Hervorrufe und Zugaben gntgen weit über das gewohnte Mas; hinaus. 0. 8. In der Reihe der kulturellen Veranstaltungcu der Gemeinde Erfurt sprach Dr. Kurt P i n t h w s (Berlin) über Jose! von Roöheim, den „Vor' lauscr" der Reichsvertrewng. Otto B e r n st e i n (Dresden) sprach mit vollendete^ Bortragslunst aus Werken moderner Schriftsteller. Buber, BeLr- Hofmann, Sturmann und Thomas Mann erstanden plastisch gestaltet. Opernsänger Wilhelm Guttmann, Berlin, begleitet von Dr. B. Ernst Wolfs. Berlin, brachte in der Erfurter Synagoge Lieder und Arien von Hugo Wolf. Schubert, Händel. Meyerbeer, Verdi und Rossini in schöner, eindrucksvoller Weise zu Gehör. Dr Wolfs erwies sich auch ut dem von ihm für Klavier bearbeiteten Händelschon Orgelkonzert in iF-dur und Werken von Schumann und Chopin als großer Meister seines Instruments. Tie Künstler ernteten stürmischen Beifall. im Sulfurfiuiäi) Mcin-Nukic Das Wagnis, das cs für ein so kleines Theater bedeutet, Shakespeare zu spielen, darf als geglückt gelten. Mir sahen keine Aufsührung, die lediglich snobistischen Keimern ein zustimmendes „Interessant!" entlockt, sondern die Verwirklichung des voil Shakespeare gewolli.en Theaters, Spiel um des Spieles willen, erfüllt von Heiterkeit. Bcsirin-- lichleit und herzhaftem Lachen. Ter Regisseur Haiis H i n r i ch . der alles daz;r tat. die Fabulierkuust des Dichters wirksam und die Spielfreude feiner Darsteller frei zu machen, hat in der Art, wie er die Ausführung zwanglos leitete, einen neuen Beweis seines Könnens ^ge-- geben. Eine Reihe bunttr, köstlicher Einsülle sind allein der Intensität seines künstlerischen Nacherlcbens zu danken. Die Szene, in der das tolle Quartett Marie. Junker Tobias, Bleichenwang. Narr den moralischen Haushofmeister Malvolio aus- und hinauslacht, ist von so erlösendem, sieghaftem Ucbcrmut. daß sie der Zuschauer gern auf lange mit nach Hause nimmt. Die Darsteller, von der Zustimmung des Publikums getragen, gaben ihr Bestes und hatten sich zu einer schönen Ensembleleistung zusammengefunden. Friedl Münzer, eine derb-muntere. superkluge Marie, zeigte sich von einer neuen, seyr bedeutenden Seite. Erika Preetorius al' Viola bewies feinen, zeichnenden künstlerischen Geschmack, und so viel Temperament und Liebreiz. daß sie das Publikum sofort gewonnen hatte. Hanni S ch o t t« u f e I § gab eine Olivia verschmitzt, eigenwillig und liebenswürdig im Widerstreit wechselnder Gefühle. Herr Balth o f f als Bleichenwang war von so vollendeter Komik, wie sie mit eine seltene, hochprozentige Mischung von Spicltrieb und Geistigkeit hergibt. Die anderen Mitwirkenden. Schuster als trinkfroher Tobias. Frankel-Froon als Aialvolia, Kon ins ki als Narr. Friedeberg als Sebastian. H i n r i ch c:l§ Herzog Orsino waren Leben und Farbigkeit gebend, mit Können und Charme am Platz. Wenn das Kulturbundtheater nun am Wanderschaft geht wie Shakespeares Theater in alter Zeit, so wünscht man ihm gleichen Empfang und gleiches Gedenken. Lotte Siegel. 7U FESSCCH! ■ fr» liefert: biliiäöjü'tfco „camAJO“-KAFFEE-f;RONsn<tsrEnr,f ** Carl Max ■ If R E Jl E X 4 Die Horitellg. «rfolgt un». Auf tldi» d. Rifuol-Kommliiion im»!8“' M0Ö5SB& MtKfiN# Sammelpunkt; Bor dem Fernbahnsteig am Bahnhof Zoo. „Sind Sie die. die auch mitfährt?" Eine eindeutige Frage des Inspizienten; Dehrisch, die eine elvicsolche Antwort verlangt: „Gewonnen!" sagt „die Presse". Ein sonniger Vorfrühlingsmittag lacht durch die Bogen des Bahn- ' Hofs herein und Herr Behrisch und „die Presse" lacht auch und einige der Umstehenden dazu und wir sind uns schon nicht mehr ganz fremd. Imincrhin, er hatte sa durchaus das Recht, zu fragen — „die Presse" ist einzige Person, die nicht zu dem lg köpf»gen Ensemble gehört, und er ist immerhin her. Inspizient, der Mann, der für alle Requisiten verantwortlich ist: irgendwie muß sich schließlich auch „die Presse" einzugliedern wissen Herr Fischer ist Leiter der Tournee, er hat — .so stellt es in dem Schreiben, das jeder Beteiligte ► mit Nachdruck ausgehändigt bekam — für alle mit ihr zusammenhängenden organisatorischen, technischen und verwaltungsmäßigen Fragen absolute Vollmacht und Verantwortung. t-eine erste Tat ist die. daß er alle seine Leute. unter Borger gen des Sammelfahrscheines glücklich durch die Sperre lotst; die große Baßgeige macht dabei einige Schwierigkeiten. (sin herrliches Gefühl vermitteln die Abteile mit dem Zettel: .Bestellt bis Gleiw'itz". Zuerst kann man sich mal eine - halbe Stunde nur häuslichcinrrchten. Rita . Atlaß und Gerti Kuthan. die beiden Sängerinuen, bie strahlenden Sterne der „Truppe, sitzen natürlich im Nichtraucherabteil; Paul Fehör zeigt! trotz seines Tenors wert mehr Mut — er raucht bereits die erste Zigarette. Und wo ist Pechner? — Traurig sietzt er in eine Ecke gedrückt; es ist 'das erstemal seit langer Zeit, daß er ohne seinen treuesten Freund, den Dackel Seppl. reist. Ein Orientierungsgang führt zu vielen wich- 'Ligen Feststellungen: Herr Fischer als treuer Hüter bleibt gewissenhaft bei den stimmbegabten Sternen und achtet streng darauf, daß sie keinen .Lug im Zug bekommen. Außerdem trägt er mit bewimdernSiverter Konsequenz seine Handschuhe, womit" er beweist, daß er der „Oberste" und ein feiner Mann ist. klebrigen?: auch Herr Baumann, der Regisseur, sieht sich immer wieder nach den beiden Damen um. von denen doch so viel abhängt, und „bic Presse" empfindet deutlich, wie selten die „Macht des Gesanges". Aber Herr Bamnann ist immer wieder gleich im Nebenabteil verschwunden; dort drängt sich das Volk um ihn, den Kapellmeister Altmann und Dr. Strelitzer, die mit unglirublicher Leidenschaft Karten spielen; das heißt natürlich erst, nachdem Dr. Strelitzer die zu jeder Stunde und an jedem Ort von seiner Seite ans drohende „Verständigungsprobe" mit seinen Leuten glücklich absolviert hat. Die anderen Abteile sind ziemlich leer und ruhig. eZ wird gelesen und ein bißchen gesachsimpelt, soweit nicht Herr Schlesinger, der Bratschist, der so lange, lange Zeit schon am Theater ist, in seiner unnachahmlichen Musikantenweise Witze und Anekdoten erzählt; und „die Presse" zieht sich auf ihr Plätzchen zurück imb notiert, daß auch das „Heitere Künstlervölkchen" des Kulturbundes durchauö so reist, wie andere Leute, daß niemand dauernd singt oder kopssteht und daß die „Pointen" wohl anderswoher geholt werden müssem Ehe. das alles zusammen mit einer Tasse Kaffee per- . arbeitet ist. läuft der Zug schon in Eleiwitz ein. Verteilung der Ouarticrzettel durch die Empsangsabordnung des oberschlesischen Kickturbundes vor dem Bahnhof, freundlichste Aufnahme jedeS einzelnen in den Privatquartieren, Essen und dann noch eine schöne Purimfeier in der Loge — dann pilgert man. im frohen Besitz fremder Hausschlüstcl. der gastlichen Unterkunftsstätte wieder und schläft sich gut aus für den nächsten Tag. Das war auch nötig. Morgens um 11 Uhr ist Probe in dem Theatersaal unb das ist doch schon was ganz anderes als ans der heimischen, wohleingerichteten Bühne. Mit der Beleuchtung hat man so seine Schwierigkeiten, die Verständigung mit den in echtem Ober schlesisch redenden Arbeitern, die die Krrlisien aufstellen, ist nicht immer leicht, die Akustik nuiß ausprobiert werden und Zu diesem Zweck kommt Mozart-Feher. in modernem Hut und Mantel, und die Madame Mch- Atlasz. im Reisekostüm 1933. mitten in daS ChaoS auf du Bühne und beginnen zu singen, so daß man. trotz aller ernüchternden Umgebung, für Momente schon ganz ün Stück gefangen ist; Regisieur Baumann sitzt mitten zwischen einer Unmenge leerer Stühle, mit vollkommen weißverstaubtem Anzug und seligem Gesicht. Und Fischer ist überall. (Und „bie Presse" auch — nur: Fischer stört nicht!) Der erste Gastspielabend. „La serva padrona“ zieht an dem leider nicht allzu zahlreich erschiene, neu Gleiwitzer Publikum vorbei: Es freut sich, genau wie daS Berliner Publikum, an dem reizenden Intermezzo mit Pergoleses Musik. Serpina- Atlasz betört den brummenden Pandolfo-Pcchncr und der Diener Scapina-Kuthan freut sich, in seiner herrlich grotesken Art, zum Schluß am Hochzeitsmahl und — was wohl einem Gleiwitzer Spender zu danken ist — an echtem Sekt; schaudernd erfährt „die Presse", die noch während des stürmischen Beifalls hinter die Bühne rannte, daß das Hochzcitsrnahl aus einem Salat von rohen Aepfcln und sauren Gurken bestand, und sie drückt beileidsbezeugend Kuthan die Hände. (Doch — es ist ifjm gut bekommen!) Nach der Panse, in der ein Vertreter des oberschlesischen Kulturbundes nicht mit Unrecht dem Publikum wegen des zu geringen Besuches ins Gewissen redete, steigt die Premiere des kleinen Mozart-Singspieles „Ter Schauspieldirektor", die eigens für Tourneen einstudiert wurde — und wie reizend sie einstudiert wurde! Die fachliche Kritik bleibe einem Berufeneren überlassen; hier nur soviel: das Publikum niuwrt das Gebotene begeistert auf. Dr. StrolitzerS, des Orchesterdirigenten gewaltige Arme gehen. daS Publikum beruhigend und die Musiker weiterführend, nm;estLtisch über kleine Improvisationen hinweg. Bei dem Gastspiel in Beuthen am nächsten Abend wohnt ,chie Presse" der Vorstellung hinter der Bühne bei. ES ist auf dieser Reise alles im Grmlde sehr ähnlich wie in den heimischen Räumen — und doch ist eS anders. Abgesehen davon, daß man mit dem fremden Publikum den Kontakt erst Herstellen muß. ergeben sich manche rein technische Schwierigkeiten. Man richtet sich zwischen Waldkulissen z. B. notdürftig Garderoben ein — aber ei geht alles und zwar recht vergnügt. Pechner ist, wie in Berlin auch, der Erste in der Garderobe und während draußen noch Gerti Kuthan mit ihrem Vater einen Walzer hinwirbelt, sitzt er schon als Schikaneder im Anzug da und blättert nochmal im Auszug — int Ktavierauszug! Schnell vor der Vorstellung inszeniert Schlesinger aus dem Orchester mit seinem Humor noch ein ganzes Kabarett, Feher sitzt am Flügel und macht Musik, Musik — diesen Leuten ist die Ausübung ihrer Kunst wirklich nictst nur Broterwerb, sondern sie bekommen gar nicht genug davon, sie sind ganz ausgefüllt von ihr. Ob auch in Berlin die „Atlasz-Locken" in der Zigarettenschachtcl und die Puderdose im Suppenlösiel liegen, ist nicht genart zu erfahren. Man kann überhaupt nicht alles so genau erfahren: die Herren gebenB. sehr knappe Auskünfte mif sogenannte „Interviewfragen"; die Damen scheinen weniger streng zn sein. Ja, und dann gibt es auch ganz schnell noch einen llemert Krach und die Herren, die alle sonst nur ihre Vornamen z»r kennen scheinen, reden sich plötzlich ziem' lich deutlich mit „Herr" cm — aber cs dauert nicht lange: S. Majestät das Ptiblikum beginnt den Saal zu füllen lleider «tud) in Beuthen nicht bis zum letzten Platz!), alles löst sich ganz von selbst, denn das Wichtigste ist die Aufsührung. Es darf nicht wieder, wie am 3)orabend, passieren, daß der Vorhang reißt und es muß alles, wenn mög^ lich, noch schöner und besser werden; die sollen doch mal sehen, was man aus Berlin bringen kann! Die Erregung hinter der Bühne während des Spiels ist groß. Tie Ueberraschung. die das Beuthener Publikum dadurch bietet, das es wahrend der ganzen „Serv.i padrona“ nicht einen Laut von sich gibt, auch nicht an der Stelle des großen .Lachers" beim Auftreten des Hauptmanri Wetterstirrz, diese Ueberrcsschung bringt eine etwas nervöse Heiterkeit dazu; aber der Beifall ist am Schluß sehr groß und ehrlich —. die Ehrlichkeit hört man nämlich heraus, wenn sie da ist! — und da8 ist schließlich die Hauptsache! Beim „Schauspieldirektor' holt das Publikum brav alles nach, was eS vorher an hörbarer Beteiligung hatte vermissen lassen; ,.na also!" äußert man befriedigt. Und man führt nach Gleiwitz und am nächsten