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Central-Verein-Zeitung · 1935-04-04 · 14 (4.4.1935) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
14 (4.4.1935)
Date
1935-04-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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©fl- Nr. 14 v 'f^/!jr^i iii'nnn^^ui ^^wa« ^C30 wö L-j C’L Ü'sJuii Cj 4. April 1935 Umzug Da? war beute die erste Nacht in der neuen' Wohnung. Obwohl einen der Umzug reichlich miide gemacht hat, haben wir wenig geschlafen. Wir lagen wach in unseren Betten und fühlten «ns bedroht von der fremden nächtlichen Finsterni?, von der fremden Stille, und wir schreckten zusammen vor dem fremden Knacken der Treppenstufen, da? manchmal die Stille unterbrach. Eine fremde Nacht drang durch die noch nackten Fenster, feit tausend und aber tausend Nächten war e? wieder die Nacht, die uns manchmal mit unheimlichen dunklen Armen aus dem tiefen Kinderschlaf emporgehoben hatte, und die in jedem Winkel mit sonderbaren Gestalten bevölkert ist. Die Gestalten, unsere Gcdankengestaltcn. Font« men ans ihren Winkeln heraus und erweisen uns ihre Ncverenz. Da kommt eine kleine, graue mit hämischem Lächeln: Nun, meine Liebe, Sie sind umgezogen, verbessert haben Sie sich gerade nicht, die Wohnung ist kleiner geioordcn, man mich bescheidener werden, man muß viel abschreibcn, viel aufgeben . . . sagen Sie, wo steht denn eigentlich Ihr Flügel, haben Sie ihn wirklich verkauft? Schade, schade, id] habe Ihnen gerne zngehört, denn wenn Sie spielten, klang es so. als ob Ihnen das Spiel sehr viel bedeute, sehr viel Freude, meine ich, und Sic sahen dabei verträumt, beinahe verklärt aus. Ja. was' haben Sie alles dabei zusammengeträumt. Sie schämten sich gewiß, das jemand einzugestehen, und wenn Ihre Finger ganz besonders rasch und leicht über die schwarzen und weißen Tasten liefen, dann liefen Ihre Zukunftspläne immer noch rascher voraus und landeten in Gegenden, die noch bunter und klangvoller waren als die Töne aus den schwarzweißen Tasten. Lauter Träume, nichts ist aus alledem geworden, abschreiben, meine Teuerste, abschreiben. Und der Gedankcnbursche lacht ein gellendes, höhnisches Lachen, man möchte ihm an die Kehle springen und greift an seine eigene. Tiefer vergräbt man sich in die Kissen, schwärzer wird es um' einen, und schwärzer und größer wächst eine neue Gestalt aus der alten heraus. Sie hat eine milde Stimme, aber sie ist gefährlicher, denn sie hat Mitleid mit einem selbst. „Du, Arme, dn hattest dir alles viel schöner gedacht, dn wolltest deine Kräfte besser mißen, als sic für die zermnrbenden Sorgen des Alltags, des täglichen Erisiiercns zn verbrauchen. Für Essen und Trinken, für Wohnen und Kleidung, täglich von neuem deu Kamps aufzunchmem.wie erbärmlich ist das, loa? bleibt dann vom Leben übrig. Deine Kräfte werden es nicht ertragen, ich sorge mich um dich, dn wirst zn schwach sein und wirst zerbrechen. es ist nicht allein der Flügel, der dir fehlen wird, cs fehlen noch die anderen Flügel, die Flügelschwingen, die du in diesen engen Räumen nicht entfalten kannst.* Der großen, dunklen Gcdaukcngestalt versagt die Stimme, und sic ist nahe daran, zu weinen. Ießt heißt cs, Abschied zu nehmen. Abschied von ihr, von den tausend Erinnerungen, die sie mitgebracht hat, von dem Flügel, von Plänen, von der alten Wohnung. Noch tief in den Kissen, ganz rasch über die Augen fahren und die Tränen zerdrücken. Die kommende Gedankcngestalt kann weinende Menschen auf den Tod nicht vertragen. Zu ihrem Empfang muß man sich etlvas ausrichten. die Kopfkissen höherrücken. Im Zimmer ist cs Heller geworden. Ein leichter schimmernder Strahl zittert über dem gegenüberliegenden Dach. Man kann e3 ganz fiecBölb LsM Ein Hirnschlag raffte Leopold Loeske dahin, der als Gelehrter fast in der ganzen Kulturwelt bekannt und als deutscher Jude so bescheiden'war, daß hier' nur wenige von ihm wissen. Seine Sprachkenntnisse, die es ihm ermöglichten, über die von ihm gewaltig geförderte Mooslunde, seine Wissenschaft, in vielen Zungen zu schreiben, verhalfcn ihm zu einer kleinen Korrespondentenstelle, die seine Forschertätigkcit finanzierte. Er stammte ans einer Uhrmachersamilie. Auch er sollte das Werk der Zeiger studieren. Doch schon als Kind warf er sich auf die Erforschung der unscheinbaren Moose, nachdem er mit sieben Jahren die Lupe vom Arbeitstisch seines Vaters genommen und damit die zierlichen Formen der unscheinbaren Pflänzchen angestannt hatte. Bald hatte er nicht nur den sie behandelnden Abschnitt im großen Lerikon. sondern auch alle erreichbaren wissenschaftlichen Schriften über den Gegenstand durchgcnommcn und erkannt, daß sie viel weniger enthielten, als er aus bloßer Anschauung wußte. Km sich zu ernähren, wurde er Redakteur, später Korrespondent eines Berliner Gvldwarenhanses. In seinen Mußestunden gab er dem Reich der Moose, bis dahin von der Wissenschaft etwas vernachlässigt, eine ans viele eigene neue Erkenntnisse gegründete Ordnung. Bon den 15 000 europäischen Moosarten haben wir in Deutschland immerhin ein Zehntel. Kaum wären Loeske? erste Arbeiten, darunter einige in englischer deutlich bon seinem Bett au? erkennen. Mit einem eleganten und kühnen Sprung ist der junge neue Gedanke vom Dach hinüber zu dir gesprungen. Seht sich migeniert, wie selbstverständlich, auf den Bettrand. Blitzt dich an, daß du blinzeln mußt mit deinen verweinten Augen. Da kommst du schon an: „Was, geweint hat meine Derehrtcste. Hat sich wohl selbst leid getan? Warum? Weil sie nicht als einzige vom lieben Gott das Privilegium bekam, ent geruhsames, ausgeglichenes Leben von Anfang bis zu Eiide führen zu können. Der Abschied vom Flügel tut rvch rmd der vom Balkon und von tausend anderen großen und kleinen Gewohnheiten. Als ob nicht das ganze Leben sich aus lauter Abschied zusammensetzte. Sprache, erschienen, als die Fachwelt den Bernfcnen erkarmte und anerkannte. Mehrere umfangreiche kritische und systematische Arbeiten, die an angesehenster wissenschaftlicher Stelle veröffentlicht und zum Teil von der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft gefördert wurden, machtcn seinen Namen berühmt. Gelehrte Körperschaften des In- und Auslandes nahmen ihn als Ehrenmitglied ans. Nach dem Tode einiger älterer Mooskenner galt er unbestritten als erste Fachgröße. Auch in den Wandlungen der Gegemvart blieb sein Ansehen unerschüttert, eine Tatsache, die ebenso dem deutschen Gclehrtenkreis. in dem er wirkte. zur Ehre gereicht, wie dem stillen Naturforscher selber. Seine hagere, eckige Spitzwegfignr und die zugehörige Zerstreutheit beuneseu, daß der damit angedeutcte. oft als cigeutümlich deutsch bczeichncte Tvp unter Juden ebenso vorkommt wie unter Nichtjuden. Schicksalsschlage hatten den liebenswürdigen Mann arg witgeuommen. Jede Post brachte ihm Briese mit Moosproben, die er bestimmen sollte. Er antwortete allen, mochten sie diesseits oder jenseits der Grenzen fragen. Er seufzte nur über dos viele Porto, das aus seiner schmalen Börse ging. In den Sielen, auf einem Pflauzeuansflilg in den Harz, starb er einen schönen Botanikertvd. _Siegfried Jacoby. Alfred Ernenn Im 85. Lebensjahr ist Dr. Alfred Landau, der Nestor der jiddischen Sprachforscher, vor jeden Abend nimmt man Llbschied vom verflossenen Tag und merkt cs nicht einmal. Und hier in der neuen Wohnung wird nian auch nichts davon merken, täglich wird cs hell und am Abend wieder finster werden. Und dazwischen wird man leben, leben, solange es Gott gefällt, und man hat nichts Besseres zu tun. als das Leben ernst und als Geschenk, sich selbst aber nicht so wichtig zu nehmen. Vielleicht kommt man dann eines schönen Tages darauf, daß sich das Leben von Wohnurigswänden weder erweitern noch cincngen läßt. Sie reichen immer nur bis zur Decke, niemals bis zum Himmel. Für heute aber wollen wir uns entschließen. ganz rasch anfzustehen und einen starken Kaffee zu trinken. G.H. einigen Tagen in Wie n gestorben. Anläßlich seines 75. Geburtstages brachte das „Jiddische Wissenschaftliche Institut* in Wilna im Jahre 1925 ein Landau-Buch als Festschrift heraus. Sic zeigte, welch großes "Ansehen der Gelehrte durch seine bedeutenden philologischen Arbeiten in Fachkreisen genoß. Alfred Landau wurde 1850 in Brodv (Galizien') geboren. Er entstammte der bekannten indischen Gelehrten und Patrizicrfainilie Landau, der auch der berühmte Prager Rabbiner Iecheslel Landau angehört hatte. Alfred Landau kam mit 15 Jahren nach Wien. Nach beendeter Schulzeit begann er' mit juristischen Studien, war daun eine Zeitlang Richter, später Rechtsanwalt. Daneben beschäftigte er sich intensiv mit jiddischer Philologie und Folkloristik. 1897 gab er die „Bibliographie des Iüdisch-Deutschen* heraus. Vier Jahre später veröffentlichte er eine wertvolle Arbeit über „Die Sprache der Memoiren Glnckels von Hameln*. Das bedeutendste Werk Landaus sind zweifellos die „Jüdischen Privatbriefe aus dem 16. Jahrhundert*. die er im Jahre 1911 zusammen mit Dr. Bernhard Wachstem. dem verstorbenen Direktor der Wiener Kultnsgemeinde-Biblivthek. hcrausgab. Sein noch nnveröffentlichtes Lebenswerk ist ein großes wissenschaftliches Wörterbuch, daS den jiddischen Wortschatz seiner Vaterstadt um die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Bedeutungsentwicklung und Gebrauch sestlegt. bk. m *£> Zur Berliner Erstaufführung von Verdis „Nabucco4t am 4. April Szcncnbildcr aus dem 2. und 3. Akt Zeichnung von Podo C) Ssttisefekdsa 9 mh far mit den Dampfern der Arnold Bernstein Linie, Hamburg K „Kö N IGSTE I N" „G E ROLSTEIN" Abfahrten: 12 April |] Z>.„JCöM$steUi‘‘ Q Hinreise: ab Antworpen ... 12. April 15 Uhr in New York .... 24. April 9 Uhr ft RUckroUe: ab NowYcrk. 30. April O.Ol Uhr in Antwerpen ... II. Mal 8 Uhr 6 Tag* Aufenthalt In NewYork D. „Qecohtda“ 22 f April s Künstlerhilfe der jüdischen Gemeinde Aufteilung: Erziehung und Schule Tag: Dienstag:, t». April nachmittags 4 Uhr BUNTE JUGENDSTUNDE Ltg. Lucy Golber Aufführungen der Bchnlon der jüdischen Oettioindo Kinder SO Pfg:, Erwache. 90 F/g. abends 8.15 Uhr Der Ilorhlor von Itngdnrl von Peter Cornelius, in Konzortfassung ausgoftihrt y. d. Oporngemeinschaft. der Küustlcrhilfc Eintritt: Fm. 1.-, 1.50 ® Hinreifei '! K ' ' 7. Mai 0.01 Uhr 17. Mai 8 Uhr in Antwerpen ... 18. Mai 8 Uhr 6 Togo Aufenthalt In New York © Rückreise: ab New York. Le Havre ....; 17. Mal D. Q Hinreise: ab Antwerpen ... 12. Juli 15 Uhr in New York . .. 24. Juli 9 Uhr © Rückreise: ab New York.30. Juli 0.01 Uhr in Antwerpen.... w- August 8 Uhr 6 Togo Aufenthalt ln New York cab KM. 350.- t^SSST einschliesslich 6 tägigen Aufenthalt in New York in erstklassigem Hotel bei voller Verpflegung Auskunft und Buchungen durch» Passageabtellung der Voiksbank Iwria ä Berlin C.25 Berlin-Charlottenburg Dircksenstrasse 26-27 fasanenstrasse 18 E 2 Kupforgraben 2035 . J1 Bismarck 4312 Dienstag, «Ion O. iirnl Mittwoch, «Jon IO. April 1035 Im lidircnhau«, TV. «2. Klclststr. IO iiro Tag füs* öle iidissfoG Fray Gesamtleitung: Lucy Gelber 2. Tag: Mittwoch, 10. April nachmittags 4 Uhr BUNTE JUGENDSTUNDE Ltg. Lucy Gelber Vorführung, jüd. Schulen, Kinderg.trtrn und den Jüdischen Box- Klubs „Berlin“ Kinder 50 Pfg., Erwachs. 9Q Pfg. abends 8.15 Uhr Gesunder Körper — Gesnnder Geint Prof. Or. Paul Glaessner / Or. Edith Peritz / Dora Herz / Referate, Lichtbilder, Demonstrationen. Eintritt: Rm.!.- Kartenverkauf: Logcnhnns, Klelststr. 10, Jüdische Gemeinde, Oranlenbnrgerstr. 20. Hauswart, Buchhandlung Kcdem, Dahlmannstr. 8, Buchhandlung Wolff, Prager Plate 4, KOnstlerhllfc^Kantstr. 158 (Bisra. 1QH8). Kurliirsiendamm 3t Beifallsstürme ergehen täglich über die Kapelle Dr. Franz von Köhlös In der Tanzdiele ab 1. April KapollO BoomOI* Das erste Auftreten iult seinen» neuesten Repertoire DiQaDS533, 9. April 1933, 21 Uhr im Cafe Leon, Kurfürstendamm 155 William ISornor conferiert das horvorr. Programm m. Ida Bauer, Heinz Günther, Jaks, Else Posen, Kurt Roda, Hanni Rosen, Erika Stolzberg; Erich Ziegler a. Flügel. Eintrittspreise Rm. 1.-. 1,50. 2.-. Vorverkauf: Cafö Leon. Bucbhandl. Lachmann, Bayerischor Platz 18/14. TeL Bestell#. u.Tischrcsorvicrung. J 7,4229 (CaföLcon). (Geschlossene Veranstaltung.) Berücksichtigen Sie unter* Inserenten. Ihre Familien- Anzeige gehört in die C.-V.-Ztitung, die von allen, jüdisdten Zeitungen, die in Deutsdiland ers heintn. die grösste Auflage hat Abi.April sind die Büros der Redoktion und der Anzeigen - Abteilung nur bis 3 Uhr nachmittags gaöffTnat EDITH BACH •hem. »Nachtigall vom Rundfunk« Die Attraktion für Ihren nächsten Unterhaltungsabend Berlin N 4, Chausteestrosse 6 Fernruf A 6, 7287 LEON, KimFüRSTEKDfiMM 156 Fernsprecher J 7. 2223. Soniitrsg, «Ion 7. April, nachmittags 4’ii ihr, abends »Vi Uhr Modenschau abends anschliessend Amateur Tmzturnicr. 1. Preis Goldene, 2. Treis Silberne Medaille. Kapelle Lachs. Eintritt Nachmittag frei, Abend 60 Pfg. Für Deharaticnszvtecke Goldu.Silöor-Wellpappe sowie andere schöne Farben liefert Papier Warenfabrik Weil Bruchsal (Baden). —Das ofeümUe ^BucfC^ PHILO-LEXIKON. Handbuch des ]5d. Wissens 2. durchgesehene u. verbessert« Ausgabe geb. 4.80 DER SABBAT im jüd. Schrifttum und in seiner heutigen Gestalt, Auswahl und Darstellung von Moritz Zobel.... 2.50 COHEN, Der Nächste (4 Abhandlungen).. 1.25 BRQD, Heine ...gebunden 8.— SINSHEIMER, Maria Nunnez ...gebunden 3.25 Arbeiterinnen erzählen. Kampf und Leben In Erez Jisrael. gebunden 3.90 HORWITZ-SCHIILER, Ernährung u. Diät 2.90 KOBLER, Juden und Judentum Sn deutschen Briefen aut drei Jahrhunderten ....gebunden 7.— von ASTER, Die Philosophie der Gegenwart .gebunden 8.85 MANNHEIM, Mensch u. Gesellschaft im Zeitalter des Umbaus.gebunden 8.50 ALFRED NEUMANN, Neuer Cäsar korton. 7.50 SINCLAIR LEWIS, Das Kunstwerk gebend. 6.80 HERMANN HESSE, Fabulierbuch kartoniert 5.50, gebunden 6.80 Zu beziehen durds Pltil9Vetlago.BaclihaRdlungG.inM. Berlin W15» Pariser Strass« 44, J 2 Oliva 1375 Ein Vorbild moderner orthopädischer Fussbekleidung ab IFIflf ZjÖ| JÄ5l r|E|J Je.^8 öi-jr JjQ—v Jet BERLIN C Z - SPANDAUER STR. . 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