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Central-Verein-Zeitung · 1935-03-28 · 13 (28.3.1935) · page 15

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
13 (28.3.1935)
Date
1935-03-28
Page
– (sequence 15)
Language
German
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MMZWOZM Der wenig befriedigende Stand der Auswanderunysplanung in der ganzen Welt, macht immer wieder neue und grobe Anstrengungen aller damit befaßter Organisationen notwendig. In den letzten Tagen hat eine Anzahl von Tagnngen stattgefunden, die teilweise Rechenschaft über die bisher geleistete Tätigkeit ablegten, teilweise sich mit zusätzlichen Unternehmungen für die Unterbringung der zur AiiSwandernnq gezwungenen Juden aus Ost- und Westeuropa befaßten. In New-Pork fand die Jahresversamm. lung der H I A S (Hedrew SdelterinZ and Immigrant Aid Society of America) statt, die zugleich eine Jubiläums Versammlung anläßlich des 50jährigen Bestehens der Gesellschaft war. An ihr nahmen über 1000 Delegierte verschiedener jüdischer Organisationen und zahlreiche Gäste teil. Der Vorsitzende des Verbandes. Abraham herman, erstattete den Tätigkeitsbericht für 1934 aus dem hervorging, daß die Arbeit dieses Jahres hauptsächlich der Hilfeleistung für Auswanderer aus Deutschland gewidmet war. Im Berichtsjahr sind in die Vereinigten Staaten 9107 Juden emgereist. davon 6.139 Ginwanderer und 3768 Nichteinwandcrer. Die Zahl der in den Vereinigten Staaten eingetroffenen Juden war um 3979 höher al8 im vergangenen Jahre. Tie HJAS. die ihre Arbeit im Zusammenhang mit der ILA. mit der sie in der HJCEM zusammengefaßt ist. verrichtet, erstreckte ihre Wirksamkeit auch auf die Durchführung von Geldüberweisungen und die Ausgabe von Mahlzeiten. In einer Pressekonferenz, die unter dem Vorsitz des früheren Ministers für jüdische Angelegenheiten in Litauen. Dr. Julius Brutzkus, in Paris stattfand, legte die Vereinigung für Auswanderungshilfe und KolonisativnSarbeit „Emcol" ihre Pläne und Methoden dar. Tie Referenten befaßten sich zunächst mit der allgemeinen Situation der Auswanderung und Hilfsarbeit. Sie wiesen daraus hin, daß Hunderttausende von Juden in Ost- und Mitteleuropa ihre Existenz verloren haben und auszuwandern gezwungen sind, während alle alten Einwanderungsländer, die Vereinigten Staaten, Kanada. Argentinien, Brasilien. Südafrika und Australien, ihre Tore fast völlig geschlossen haben und selbst Angehörige von Landeseinwohncrn nur unter großen Schwierigkeiten zur Ein- Wanderung zulasten. Sogar Länder wie Mexiko und Kuba, tn denen sich in den letzten Jahren einige tausend Juden ansiedelten, haben die Einwanderung jetzt gesperrt. Dies sei nur zum Teil auf die Weltwirtschaftskrise zurückzuführen. Viele Länder hätten sich gegen die Einwanderung von Juden noch zu einer Zeit günstiger Wirtschaftslage abgeschlossen. Früher einmal feien Juden als Kleinhändler und Handwerker, die zunächst in ..Sweatshops' arbeiteten, eingewandert. Heute wolle man keine Kleinhändler mehr, llnd gegen eine Einwanderung von Arbeitern wehren sich aus Konkurrenzgründen die Gewerkschaften. Deshalb sei „Emcol' zu der Ueberzeugung ge^ langt, daß es unbedingt notwendig ist, neue Länder für jüdische Einwanderung ausfindig zu machen und neue Methoden für die Ansiedlung der Einwanderer anzuwenden. In den alten Einwanderungsländern kommen die früheren Formen der Niederlassung nicht mehr in Betracht. Sie könnten vielleicht noch in einigen wenigen neuen Einwanderungsländern Anwendung finden, wie in Kolumbien. Venezuela. Ekuador, Peru, Bolivien und einzelnen südafrikanischen Kolonien; diese Länder müßten nun auf diele Möglichkeit hin untersucht werden. Doch seien die Aussichten auf diesem Gebiet nicht sehr groß. Weit größere Aussichten biete landwirtschastliche Kolonisation durch Schaffung eigener jüdi- Icher Siedlungen und Jndustriearbeit in neuen üdischen gewerblichen Niederlassungen, also ebenalls durch Gruppensiedlung. Bildung jüdischer Städtchen und Städte. Nur mit Hilfe dieser Methode könne cs vermieden werden, daß seitens der Landcsbcwohner sich Widerstand gegen die neue Einwanderung geltend macht, und nur so sei die Uebcrsühruug großer Masten von Juden tu dünn bevölkerte Gebiete möglich. Von diesem Gesichtspunkt aus habe „Emcol" die folgenden Aufgaben übernommen: 1. Systematische Ausforschung netter zur Aufnahme von Einwanderern bereiter Länder; 2. Studium der Arbeit von Negierungen, sowie von jüdischen und nichtjüdischen Gesellschaften auf dem Gebiet von Auswanderung und Kolonisation; 3. Veröffentlichung des hierauf bezüglichen Materials; 4. Klärung der Lage der jüdi^ schen Auswanderer in den einzelnen Ländern und Maßnahmen zu ihrem politischen und wirtschaftlichen Schutz: 5. Unterstützung der Attswanderer bei der Schaffting politischer und wirtschaftlicher Selbsthilfe-Einrichtungen; 6. Acrhattdlungen mit Regierungen. dem Völkerbtind und anderen Stellen mit dem Ziele, Erleichterungen für jüdische Auswanderung und Kolonisation zu erzielen, v Der Durchführung unb dem Ausbau eines schon bestehenden bedeutsamen Kolonisations- «dient die Neise des Generaldirektors der Kolonisation Association, Louis Oungre, nach Argentinien. Louis Oungre plant einen längeren Aufenthalt in Argentinten, währenddessen er beabsichtigt, sich mit der Lage und den Bedürfnisien des dortigen jüdischen Siedlungs- Werkes der JCA genau bckanntzumachen. Anläßlich eines Gesprächs mit dem JTA-Vertreter in Buenos Aires trat Oungre den Gerüchten von einer Liquidation der JEA-Siedlung in Argentinien mit Entschiedenheit entgegen. Die Gesellschaft beabsichtigt im Gegenteil, ihren 200 000 Hektar umfassenden Bodenbesitz mtt geeigneten Menschen weiterhin zu besiedeln und die bestehenden Siedlungen möglichst gut zu konsolidieren. * In Deutschland liegt die Austvanderungsarbeit nach wie vor in den bewährten Händen des Hilfsvereins der deutschen Juden. In einem Bericht über die Arbeit des JahreS 1934, den der Hilfsverein der ITA erstattet hat, erstreckte sich die Beratung in Äuswandcrerangelegenheiten auf 15 700 Fälle bzw. 39 300 Personen. Die Zahl der Korrespondenten, Komitees, Organisationen und Gemeinden, die den Hilfs- Verein mit Informationen versehen, ist im vergangenen Jahre weiter gewachsen. Das „Korrespondenzblatt für Austvanderungs- und Siedlungswesen" vom August 1934, das sehr wertvolles Jnformationsmaterial enthält, ist in 4000 Exemplaren verbreitet worden. 9200 Menschen wurde die Auswanderung durch finanzielle Bei- Hilfen des Hilssvereins ermöglicht. Eine beträchtliche Zahl der Auswanderer wurde ausschließlich beraten und erhielt Informationen und Empfehlungsbriefe. Nach wie vor betreut der Hilfsverein Auswanderer, die aus dem Osten über Deutschland nach Uebersee gehen. Den Bahnhofsdienst des Hilfsvereins am Schlesischen Bahnhof in Berlin passierten im Jahre 1934 12 795 Durch- Wanderer, davon 5331 Männer, 5116 Frauen und 2348 Kinder. Der Hilfsverein betreute auch im Jahre 1934 Waisen sowie Studenten, die unmittelbar vor. dem Abschluß ihres Studiums standen. * Au8 G enf wird gemeldet, daß Professor Norman B e n t w i ch. der Mitarbeiter des Oberkommissars für Auswandererfürsorge. James G. M a c D o n a l d , einige Tage in Gens weilte, um sich über die Möglichkeit einer Eingliederung des Hilsswerkes für die Auswanderer aus Deutschland ln das dem Völkerbund unterstellte.Nansen-Amt zu informieren. Anfang April begibt sich Norman Bentwich nach Amerika, um an der Kampagne für die Finanzierung des Auswandererhilfswerks ieilzunehmen. In Washington fand eine Tagung der American Hebrew Congregations statt, auf der in einer Resolution die Forderung nach Ansiedlung jüdischer Auswanderer aus Deutschland in den von den großen Zentren entfernten, schwach besiedelten Teilen der Vereinigten Staaten ausgestellt wurde. Der Reichserziehungsminister hat nach Mitteilung des DNB einen Erlaß herausgeaeben, der sich mit der Schülerauslese an den höheren Schulen besaßt. Der Erlaß beginnt mit folgenden Worten: ,4öci der Auslese an den höheren Schulen hat die liberalistische Grundhalttmg der vergangenen Zeit zu einer einseitigen Bevorzugung der rein verstandesmäßigen Anlagen geführt unb die für die vollsführendcn Berufe nicht minder wichtigen körperlichen und charakterlichen Kräfte, sowie die rassischen Werte vernachlässigt. Durch diese Art der Auslese wurde der einseitig intellektuelle und frühreife Schüler im Uebermöß gefördert, während rassenbiologisch wertvollere und volksgebundene Teile der deutschen Jugend oft zurückblicben.' Der Erlaß befaßt sich in feinen ersten beiden Teilen mit der körperlichen und charakterlichen Auslese. Der dritte und letzte Teil behandelt die völkische Auslese und hat folgenden Wortlaut: „Arische Schüler dürfen hinter nichtarischen nicht zurückgcsetzt werden. Es ist daher nicht angängig, an Nrchtarier (im Sinne des Neichsgesctzcs zur Wtcdcrherstcllung des Berufsoeamtentums vom 7. April 1933 und feiner Nachträge) irgendwelche Vergünstigungen zu geben (Schulgelderlaß, freie Lehrmittel, Erzichungsbeihilfen u. dgl.), solange sie arischen Schülern versagt werden." Diese Stellungnahme rückt da8 Problem der Erziehung unserer jüdischen Schuljugend in ein neues Licht. Denn es kann auf die Selbstsicherheit des jüdischen Schülers nicht ohne Einfluß bleiben, wenn er trotz gleicher Leistungen nicht gleiche Anerkennung erhalten kann. Selbstverständlich läßt sich das Problem der jüdischen Schule auch in der jetzt gegebenen Situation nicht dogmatisch nach dieser oder jener Richtung einseitig entschetden. Die Entscheidung kann vielmehr nur aus der praktischen Situation des einzelnen Falles aetroffen werden, bei der sowohl die örtlichen Schulverhältnisse als auch die inneren Voraussetzungen des einzelnen KindeS mitzusprechen haben.. Daß hierbei die Erziehung eines unverkrampsten jüdischen Nachwuchses oberste Richtschnur fein muß. versteht sich von selbst. m S ElOMK Das Amt für Arbeitsdienst in der Neichsführung der Deutschen Sttrdentenschäft gibt die Verfügung des Rerchsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 7. März 1935 bekannt über das Arbertsdiensthalbjahr der Abiturienten und Abiturientinnen 1935 mit späterer Studiumsabsicht. Für den Eintritt reichsdeutscher Abiturienten (innen) arischer Abstammung in.eine Universität oder andere Hochschule ist der Nachder guSo LlfeSr, Magister München Vil weis der Teilnahme am Arbeitsdienst verbindlich. Daher sind Abiturienten (innen) von Ostern 19»*. die zu studieren beabsichtigen, verpflichtet, vom 1. April bis 30. September 1935 mit Zustimmung des Neichsarbcitssührers ein halbes Jahr Arbertsdienst zu leisten. Die Abiturienten des Jahrgang? 193 4 können nach einem Erlaß des Reichs-- erziehungsministers vom 14. März nur immatrikuliert werden, wenn sie daS Zeugnis derHochschulreife besitzen und die sonstigen Zulassungsbedingungen erfüllen. «tzEÄstz md AnlMÄÄt Die Wirtschaftskrise und die durch sie veränlaßten Vollstreckungsschutzgesetze haben zur Folge gehabt, daß die Beitreibung ausstehender Forderungen in zahlreichen Fällen erfolglos blieb. Die ReichsrcchtSanwaltslammcr hat deshalb in dem Bestreben, die Berufstätigkeit dcS Rechtsanwalts als des berufenen rechtskundigen Vertreters allen Rcchtsuchcnden für die Eintreibung ihrer Forderungen zur Verfügung zu stellcii. Richtliuien ausgestellt, durch die es ermöglicht werden soll, daß der Gewerbetreibende ohne großes Kostenrisiko die Beitreibung seiner Aitßenstände wieder seinem Rechtsanwalt übergibt. Voraussetzung für die in den Richtlinien fcstgelegte Gebührenermäßigung ist aber, daß der Gewerbetreibende alle seine Beitreibungssachen in einem Gerichtsbezirk seinem ständigen Rechtsanwalt überträgt. Bei der Beitreibung seiner Außenstände durch einen Rechtsanwalt ergeben sich für den Gewerbetreibenden auf Grund der neuen Richtlinien folgende Vorteile: 1. Bearbeitung aller auftauchenden Rechtsfragen mit dem Wissen und der Erfahrung eines Volljuristen, insbesondere der Rechtsfragen auf dem komplizierten Gebiet des Vollstrcckungsnotrechts, das dem Gläubiger manche Möglichkeit läßt, die vom Laien erfahrungsgemäß nur unvollständig ausgeschöpft werden. 2. Beschränkung der Unkosten der Betreibung auf die Auslagen und eine minimale Vergütung für den Anwalt im Falle der Erfolglosigkeit der Beitreibung. 3. Voller Ersatz der Prozeßkosten, insbesondere auch der Vertreterkosten durch den B e - triebenen im Falle des Erfolges der Beitreibung, da nur die Gebühren des Rechtsanwalts von den Gerichten als erstattungspflichtig durch den Betriebenen anerkannt werden. Da auch jüdische Firmen in der Zeit der Wirtschaftskrise dazu übergegangen sind, ihre Beitreibungen selbst zu erledigen, so weisen auch wir auf die Richtlinien der Reichsrechtsanwaltskammer besonders hin. -LAMvrrvM und SeituittlMfluf SScifämmunocn für den Buchhandel Der Börsenvercin der deutschen Buchhändler, Leipzig, macht durch eine Mitteilung seiner Geschäftsstelle vom 19. März 1935 bekannt^ daß diejenigen Mitglieder des Bundes reichsdeutscher Buchhändler e. B., die sich auch mit der Werbung von Abonnenten für Zelt- I imOtt MW Noch gar nicht alt. ist Alexander -Dtoissi in Wien an einer Grippe gestorben — Moissi, der länger als ein Jahrzehnt der beliebteste Schaufpieler Berlins und eine Berühmtheit des ganzen deutschen Theaterlandes war. Er war in Trtest geboren und von Abstammung Albanese (keinesweg? Jude, wie man oft behauptet hat; auch mit „Moses" hat sein Name nichts zu tun). Italienisch war seine Muttersprache; aber italienischer Bürger ist er erst wenige Tage vor seinem Tode dtirch ein Spezialedikt Mtissolinis geworden. — Er kam als ganz junger .Mensch nach Wren,, wollte eigentlich seiner schönen Stimme wegen Gesang studieren, hatte aber kein Geld dazu. Er wurde des Brots wegSn Statist äm Burgtheatcr. und hier fiel er eines Tages Josef Kainz auf. der sich für ihn cinsetzte und ihm die Theaterlatifbahn erschloß. Jung und unreif kam er über Prag nach Berlin, wo Max Reinhardt ferne Begabung erkannte und ihn gegen' den heftigen Widerstand beinahe der ganzen Berliner Presse langsam durchsetzte. Moissi? erster unbestrittener Erfolg war der Kreon in Hugo v. Hofmannthals Werk „Oedipus und die Sphinx". Der dekadente Prinz mit der flackernden Schwäche und der verzehrenden Sehnsucht nach der Tat — ihn gestaltete er mit dem Gesang seines Organs und der traumwandlerischen Sprache seiner Gesten so unwiderstehlich, daß selbst das noch sehr italienische Detitsch nicht mehr den Erfolg hem- Uten konnte. Und dann kam in Richard Beer- Hofmanns „Graf Von Eharolais" ein ähnlich dekadenter und sehr verführerischer Knabe, und dann der leidvolle Junge in Wedekinds „ Frühlings Erwachen" — und dann war der große Ruhm Alexander Moissis da. und zehn Jahre lang schwärmten alle jungen Mädchen Berlins mtd auch viele junge und ältere Männer nur von ihm. ■ Man nannte ihn den Nachfolger von Joses Kainz; und das schien insofern richtig, als in dem sogenanntem „Fach des Liebhabers', mit priuzllch zarter Gestalt und süß betörender Stimme seit Kainz niemand solchen Eindruck aus der Bühne, gemacht hatte. Aber der. Unterschied war doch gewaltig: der Oesterreicher Josef Kainz hatte in Stimme und Geste Stahl, seine Bieg'amkeit war: nicht weich, sondern elastisch, federnd, siegreich. Bei Moissi war fast alle?: erliegende und erlöschende Zartheit, elegischer Untergang. Ganz im Anfang, als er noch den „Golo" spielte, und einen unvergeßlichen Franz Moor, war wohl auch in ihm noch etwas bedrohliches Höllcnfeucr. Aber, hauptsächlich nach einer ernsten Krankheitskrise, schien das ganz erloschen, die steigende Linie - in seinen Gestalten hörte auf — alles fiel, alles war Untergang. Ein besserer Oswald Alving als Moissi hat wohl nie auf einer Bühne gestanden; aber konnte man über seinen Hamlet, diesen ohnmächtig trauernden Knaben, noch streiten, sein Romeo, der vielleicht die Trauer, aber gewiß nicht die Wildheit der Jugend hatte, - war kaum noch zu rechtfertigen, und sein Prinz Heinz, dem aller und jeder wilde Ueverschwana fehlte, war ganz gewiß unmöglich. (Wenn auch' die Berliner ihn jetzt in jeder Rolle ebenso kritiklos bewunderten, wie sie ihn vorher abgelehnt hatten.) — -Aber Moissis Genie konnte sich rein und hinreißend entfalten, wo alles zum Fall neigte, wo die Musik seiner Stimme nur große Müdigkeit zu malen hatte. So wurden die. russischen Dichter die Heimat seiner reifen Jahre. ' Seine allerschonste Rolle war Tolstois „Lebender - Leichnam", aber auch der Jwanoff von Tschechow' oder die Dramatisierung von Dostojewskis „Idiot' gab ihm erschütternde Momente einer durchleuchteten Heiligkeit, eines sanften, wehrlosen Untergangs. Wenn auch dieser Gesang der, Stimme, diese fragende Sanftmut des Blicks, ' diese verzichtend erhobenen Hände allmählich zur Manier erstarrten, so war doch eine echte und tiefe ursprüngliche Kraft in^ ihm, etwas kindlich Reines und Ergreifendes. So konnte er noch mit voller und echter Kraft den Jaacob spielen bei der Uraufführung von Beer-Hofmanns Gedicht „Jaacobs Traum. Und er gab der Gestalt all das selbstlos Zarte, all die dichterische Einfühlung, all die religiöse Hingerissenheit, die in der Dich, tung des Wieners dem Namenshelden de? Volkes Israel geliehen wird. Moissi hatte auch alS Mensch den kindlichhemmungslosen Enthusiasmus, die unkritische- Hingerifsenheit. die dem Schauspieler so oft eignen. Bei Kriegsausbruch wtirde er Freiwilliger in der deutschen Armee (durch besondere ... Protektion des Kronprinzen), geriet als Flieger in Gefangenschaft und lebte geraume Zeit in der ' Schweiz. Nach dem Krieg gab er sich mit gleich . unbedingtem Enthusiasmus völlig entgegengesetzten Ideen hin. Er fing auch an zu schreiben, . und ein Drama von ihm» das Napoleon auf St. Helena behandelte, ist in Berlin, von Basier-4 mann, der Moissi sehr hoch schätzte, gespielt worden. Den Eindruck einer eigentlichen dichterischen Kraft hat es aber kaum erweckt. In den letzten Jahren begann Moissi italienisch zu spielen -und hatte im Lande seiner Muttersprache großen Erfolg. Und so ist er schließlich als Italiener gestorben. Aber wer die Geschichte des deutschen Theaters in der Epoche Atax Reinhardts erlebt hat, der wird die Erinnerung an die merkwürdig faszinierende, südlich schmelzende Zartheit dieses Menschendarstellers nicht verlieren. Julius Bab. * Wie wir den Tageszeitungen entnehmen, hat der Schauspieler Albert Bassermann dem toten Alexander Moissi den berühmten Iffland- Ning kurz vor seiner Einäscherung an den Finger gesteckt und auf diese Weise den Flammen übergeben. Der Jsfland-Ning, der im europäischen Theaterleben eine bedeutende Rolle gespielt hat, wurde von dem Schauspieler August Wil- Helm Jffland (1759 bis 1814) gestiftet mit der Bestimmung, daß er sich immer auf den besten deutschen Schauspieler vererben solle. Nach Issland trugen ihn Ludwig und Emil Devrient, Theodor Döring. Friedrich Haase, seit dreißig Jahren besaß Albert Baffermann das Juwel. OM KMMM Die Versteigerung der Kunstbestände der- Firma Dr. Oto Burchard & Co. bei Graupe oewies, daß für gute.Werke gute Preise erzielt werden, es wurde gut verkauft, selbst, für die Bronzen des Fernen Ostens wurden annehmbare Preise geboten, obwohl der Pariser Handel, der den dortigen Markt-als den wichtigsten Europas gerade für diese Art Metallkunst beliefert, diesmal m Berlin fehlte. Jedenfalls gab es gute Erfolge' auch für die buddhistischen Plastiken, die Textilien. Malereien und nicht zuletzt die Keramiken, hier wieder die Tang-Figuren, mit denen jeder Aultiönsbesucher den Namen Theo Simons verbindet. Nm Nachmittag deS zweiten Auktionstages ging es um die Bilder der Breslauer Sammlung Silberberg- und um/einige Gemälde aus Hamburger Privatbesttz. Wer daS gepflegte Interieur .des Breslauer Sammlers kannte. wird gerade diesen jüdischen Kunstbesttz mit Bedauern scheiden' sehen. Nicht alles wurde verkauft, aber wenn Schweizer .und. dänische Privatsammler, chenn.deMche Kommissionärs WusemnSleute oder Kunstfreunde den Zuschlag erteilten, wurden höchst annehmbare Preise geboten. Einige Gemälde wie SpitzwcgS „Ankunft des Freundes", Carl Schuchs „Matteostilleben' und Anselm Feuerbachs „Musizierende Frauen" hatte Silbcrbcrg zum gleichen Preise, den diese Bilder setzt bei Graupe erzielten, im Jahre 1931 in der Versteigerung Emden gekauft. Bei den Schwankungen, denen der Kunstmarkt in den letzten Jahren unterlag, ist dies nun ein beachtliches Signal. — Für Max Siebermanns „Studie aus dem Amsterdamer Waisenhaus" mit dem Monogramm des Meisters gab es 2900 Mark, einen guten Preis, für Camille Pissarros .^Boulevard du Montmartre im Frühling", das diesen jüdischen Franzosen wieder so ganz als Führer seiner Richtung zeigt, 14 000 Mark, der große „Courbet" der Sammlung Silber-, berg, der früher in den Sammlungen Mandelbauin und Lctvin (Berlin-Breslau) beheimatet gewesen, brachte 19 500 Mark, wofür er in Ber- . liner Privatbesttz ging, von den M ar 6 es der Sammlung erzielte „Die Labung" 8000 Marl. Weiß man übrigens, daß der Künstler Halbjude ist? Alles in allem: es wurde gekauft, weil die etwa 50 Bilder und Zcichnnngcn aus einem guten „Stall" kamen, weil man überzeugt war — und diese Ueberzeugung schien sich den Menschen mit- Zuteilen. die den Auktionssaal füllten bis auf der, letzten Platz —, daß hier ein Kunstbesitz in alle Winde zerstreut wurde, der mit Verständnis und Wißen um die künstlerischen Ideale des 19. Jahrhunderts zirsammeugebracht worden war. * Auf Einladung des „Verein für Detrtsch es K u n/t g e w e r b e" (Berlin) führte Architekt Koflovsky durch die Ausstellungsräume der „Heimgestalter". Für die interessanten . Ausführungen zum Thema .Fteue Wohnkultur" ' dankte tm Namen des zahlreich erschienenen Hörerkreises Herr L. F. Schultz auch für den .^Verein für Deutsches Kunstgcwerbe'. * Eine besonders schöne Versteigerung fand in der Pariser Galerie Charpentier statt. Cs handelte sich um den Verkauf von Werken aus dem ehemaligen Besitz des Barons Carl Mayer von Rothschild. Innerhalb des erlesenen Kunst- ' gcwerbes deS 16. bis 18. Jahrhunderts fand der Ehrenpokal des deutschen Kaisers Leopold I. in ..Gold und Email mit erklärenden Inschriften das ‘ besondere Interesse des französischen und schweizerischen KäuferpublikumS. Dr. 0. B.

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