Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 13 (28.3.1935)
- Date
- 1935-03-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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V&y . Nr. 13!• Boiblatt 26. MSrx ■ Lasst Blumen sprechen . .. mu&lr‘ Mueit gestern beinahe zürnen, daß Die den Fruhlrngsstrauß mit so einem schmerzsichen wehen Lächeln in Empfang'nahmen, denn rch hatte nur sehr gewünscht, Sie damit erfreuen zu können. Nicht mit dem Blunienstrauß Ein. nein, ich wollte Ihnen ln Eriniierung bringen, daß es Fruhlrng ist, daß man es beinahe \ äfl „ ■*!*?$ *v * r- ', * >v-Sf. % *y". >- \>>>\ \ stündlich deutlicher spürt und daß die Herrlichlcit in die Welt zieht. Als ich zu Ihnen ging, und mir das alles einfiel und noch viel mehr der Frühlingsweisheiten, die schon Millionen Menschen jährlich einfielen und die nur wenige in die gebührenden Worte zii fassen imstände sind, wurde es mir leicht ums Herz. Denn hier sah ich nirgends eine Grenze, nirgends ein Verbot, rnich vom Frühling entzücken zu lassen. Die Pracht kann ich genießen, wieich will und wann ich will, niemand kann sie mir wegnehmen. Ich hatte ein kleines triumphierendes -Gefühl, als ich die Schneeglöckchen, Veilchen und Primeln in der Hand hielt, und mich so von ihrer zarten Schönheit beglücken ließ. War das nicht ein Orden, den mir der Frühling selbst verlieh, und flüsterte er mir nicht zu: du, ich bin auch für dich da, dich will ich besonders trösten, du hast es sonst nicht leicht. Mit solchen überheblichen Gedanken kam ich zu Ihnen. Sie waren, in Ihren Sorgen versponnen, ich hatte unrecht. Ihnen zu zürnen. Deshalb schreibe ich Ihnen jetzt, um Sie zu bitten, mir zu verzeihen und um Sie auf das Recht aufmerksam zu machen, das Ihnen der ,Frühling einränmt. Das Recht, sich ein wenig zu freuen. Sehen Sie, wir alle sind in den letzten Jahren so zaghaft geworden. Wenn wir einmal lachen, halten wir gleich erschreckt inne, das Lachen ist uns ungewohnt, wir haben es schon beinahe über unseren Sorgen verlernt. Dann scheint es uns, als ob es uns nicht mehr gezieme, und wir wagen es nicht, zum blauen Himmel auf. znblicken, weil wir fürchten müssen, daß sich'nnscre schweren, grauen Wolken dazwischcnschicben. . Als ob unsere Wolken dem Frühling etwas anhaben könnten. Gar nichts. Jedes kleine grüne Blatt setzt einen Trumpf ans unsere Kümmernisse. Aus den knorrigen und alten Stämmen — sie sind verwittert und wilde Winde haben an ihnen hernmqezaust — sprießen frische, junge Triebe, es muß sich lohnen, innncr wieder den Stürmen zu trotzen, der Preis dafür ist. nun. das Leben schlechthin. Kein geringer Preis, es gehört ja, und das nicht zuletzt, der blaue Himmel, das Lächeln und der Frühling dazu. Finden Sie nicht jetzt auch schon, daß die Schneeglöckchen und Veilchen Besseres verdienen als traurige Wehmut? Frisches Wasser und, es ist nicht zu viel verlangt, ein frisches Gemüt. Damit kann man schon ein kleines Fest feiern, das Schneeglöckchen- und Veilchenfest. Denken Sie daran, daß man dazu nicht einnml eine kostbare Kristallvase oder sonst etwas braucht. Das simple Wasserglas genügt, undiedes Veilchen versichert Ihnen, daß es ertra nur für Sie so dnnkelviolctt. so duftend, so fein ans der Erde wuchs. Und wenn die Veilchen verblüht sein werden, gibt es Margueriten, auch nur für Sie. Ich muß Sie schon jetzt darauf aufmerksam machen, erstens, um Ihnen zu beweisen, welcher Ankunft wir allemal entgogenaehen und dann, weil man im Sommer von Blättern und Blüten so verwöhnt wird, daß wir sie dann gar nicht mehr so richtig zu sckiätzen wissen. Die Linden werden blühen und keine Gewalt wird mich hindern, wie ein Schnliunge Ihnen den höchsten Zweig mit Kastanienknospen herunterzuholen. Mein botanischer Instinkt läßt mich vermuten. daß wir dieses Jahr noch sehr viel Feste zu feiern haben werden. Halten Sie mich jetzt nicht für einen sorglosen Frühlingsnarren. Mir ist der Frühling eine viel zu ernste Sache, als daß ich mich weigerte, mich von ihm heiter stimmen zu lassen. Und nun bitte ich Sie, Ihren Heine allfzuschlggen, für Sie, ja, auch für Sie, oder nur für Sie, steht auf Seite 158, unten: Herz, mein Herz, sei nicht beklommen. Und ertraae dein Geschick. Neuer Frühling gibt zurück. Was der Winter dir genommen. Und wie viel ist dir-geblieben! Und wie schön ist noch die Welt! Und mein Herz, was dir gefällt. Alles, alles darfst du lieben! Lesen Sie die letzte Zeile, immer wieder, immer wieder — wie gut werden Sie dann heute einschlafen. G. H. §MSMWNö §fertt als Hisksriksr ' - von Dr. Arthur Galliner (Frankfurt a. M.) Am 2. April begeht die 'Jüdische. Nefocrngemeinde zu Berlin die Feier ihreS 90jährigen Bestehens. Wir beglückwünschen sie auch an dieser Stelle hierzu auf das Herzlichste. Denn auch aus den Reihen der Führer und Mitglieder der Neformgemeinde sind der C.-V.-Bewegung zuverlässige Mitarbeiter und Anhänger erwachsen. Wenn in diesen Tagen die Berliner Jüdische Neformgemeinde ihr 90jähriges Bestehen festlich begeht, so wird sie des Mannes.mit besonderer Verehrung gedenken, der als ihr eigentlicher Begründer zu gelten hat, des Dr. Sigismund Stern. Seine Vorträge über „Die Ausgabe des Judentums und der Juden in der Gegenwart", die er im Dezember 1844 ankündigte und in den. ersten Wochen des Jahres 1845 gehalten hat, waren es. die das religiöse Leben der Berliner Juden mit neuen Impulsen erfüllten und die entflammten Hörer alsbald zu einem -Zusammenschluß in der „Genossenschaft für. Reform im Judentum" führte. Daß diese Gründung alle Stürme überdauert und heute, nach 90 Jahren, mit starkem Leben erfüllt, sicher und gefestigt fa-.. steht, ist Beweis genug von ihrer Notwendigkeit, ist aber vor allem auch dem Umstand zu danken, daß ihre Schöpfer keinen traditionellen Bruch mit der jüdischen Gemeinschaft, weder mit ihrem inneren Wesen noch mit ihrer äußeren Organisation voll- - zvaen, sondern daß sie sich vielmehr des historischön Zusammenhanges im tiefsten bewußt blieben und das Neue organisch aus dem Alten zu entwickeln trachteten. Der historische Sinn für-alles.. Gewordene und Werdende eignete in besonders ■ hohem Maße dem eigentlichen Haupte, der Ge> nosscnschast,. ihrem geistigen Führer Sigismund ' Stern. .... ' - . *. * Diese im Grunde des Herzens durchaus ethischreligiöse Persönlichkeit war doch keineswegs eure revolutionäre Natur. Die tiefen. Einblicke, die er während seines Studiums an der Berliner Universität unter Boeckh, Bopp, Lachmann, Karl Ritter und Schlcicrmacher in sprachliche,-geschichtliche und Philosophische Gebiete hatte tun können, beiähigtcn ihn in hohem Maße, die großen Zusammenhänge geistesgeschichtlicher Entwicklung zu erkennen, bewahrte ihn vor schnell fertigem Urteil aus Persönlichen Impulsen, machten ihn zum modernen Historiker, der in umfassender Schau Ereignisse, Einzclgcschehnisse unter großen Geschichtspunkten zu vereinigen. und sie in ihren Beziehungen zu deuten verstand. Schon seine ersten Vorträge zeigen diesen großartigen historischen Sinn. In acht Vorlesungen meistert der Redner einen unermeßlichen Stoff, überschaut zunächst die Geschichte des Judentums in seiner Entfaltung zu immer höheren Lebensgebilden und kommt zu diesem Schluß: „Die Nation war dem Untergange geweiht durch ihre Bestimmung, denn nur durch ihre Auflösung konnte sie dieselbe erfüllen. Der jüdische Staat war nur das Gesäß, in welches das kostbare Gut der Gotteserkenntnis vor der Welt, aber auch für die Welt erschlossen war. Das Gefäß mußte zertrümmert werden, damit sein Inhalt allen Teilen der Erde Zuströme." Darum sieht er denn im Untergang des jüdischen Staates nicht die Auflösung des Judentums, sondern die Vollendung eines Zeitabschnittes seiner Entwicklung. Das nationale Judentum löst sich auf. um zum weltgeschichtlichen zu werden. Aber auch den weiteren Weg des Judentums von der Entstehung des Christentums über die Reformation bis ans Mendelssohn und darüber, hinaus, bis auf seine Zeit sieht und deutet er als notwendige Stadien der Entwicklung und gelangt, nachdem er die große weltgeschichtliche Bedeutung des Christentums - vollauf gewürdigt, zu der Erkenntnis, '„daß die. Geschichte die Fortdauer des Judentums 'mit Notwendigkeit fordere". Allerdings könne diese Existenz — davon ist er überzeugt - nicht nur ein „schweigendes Dasein" bebeuten, sondern aktive Teilnahme an den Aufgaben der Gegenwart, da es für den Juden sittlich, religiöse Pflicht sei, mitznarbeiten an dem großen Werk der Menschheit und der Weltgeschichte. Die garenden Zeiten, in denen er lebte, erfüllten ihn mit dem Bewußtsein, daß er, wie die menschliche Gemeinschaft überbaupt. nicht nur Objekt, sondern auch Subjekt der Geschichte sein müßte. Die revolutionäre Bewegung Ende der 40er Jahre ergriff auch ihn, führte ihn in den „konstitutionellen Klub", der sich für konstitutionelles Königstum einsetzte und jede republikanische Bestrebung'ablehnte. Er sieht — mit Hegel — in der Weltgeschichte die Sclbstentwicklung des göttlichen Geistes oder der „Idee", ans dem dumpfen Naturzustand zum Sclbstbewußtsein geistiger Freiheit. Die Verwirklichung dieser Idee ist nicht nur Sache einzelner führender Geister, sondern auch Sache des Volkes. Immer wieder zeigt uns Stern diese Wechselwirkung von Volk und Einzelpersönlichkeit, organisch läßt er ans den Politischen Elementen die Ursachen der Revolution erwachsen, mit rücksichtsloser Offenheit schildert er den machtlosen, aber für die Reaktion so bedeutsamen Bundestag, schildert das Sehnen der deutscheu Jugend nach politischer Freiheit und nationaler Einheit. Er beurteilt mit voller Klarheit das Verhältnis Preußens zu Oesterreich, sagt die zukünftige Entwicklung dieses deutschen Problems geradezu prophetisch voraus. In einer späteren Schrift „Habsbürg und Hvhcnzollern" behandelt er dieses Zentralproblem deutscher Politik noch einmal in seiner ganzen Tiefe und Schwere und spricht die Hoffnung auf ein größeres, einheitliches Deutschland mit voller Zuversicht ans. Den Nachweis aber für sein reifes historisches Urteil erbrachte er in einem umfangreichen Werk „Die Zeitgenossen. Geschichte der Gegenwart in vergleichenden Biographien." Er stellt sich darin die Ausgabe, die Ereignisse der jüngsten Bergangcnheit in ihren großen und allgemeinen Zusammenhängen darzustellen, die ganze revolutionäre Bewegung in Frankreich, Italien, Deutschland und Oesterreich als eine vielgestaltige Einheit zu erfassen und gleiche oder ähnlich geartete Persönlichkeiten der ganzen Epoche nebeneinander oder gegenüber zu stellen. Mit diesem Werk tritt Stern in die Reihe der zeitgenössischen Schriftsteller ein — er ist an ihm zum Historiker geworden. Die Anerkennung blieb nicht aus. Die Rcdaltion des von Rvtteck und Welcker hcransgcgebenen „Stantslerikon" gewann ihn zum . Mitarbeiter. Den Rheinbund, die r>-A ., CJ.\!W AJ O “-KArFEE-WItOSSlKlSTKnKI M Carl yinx Joseph* ' BREMEN 4 JV Di« Hentellg. erfolgt unt. Aufilcht d. R!tuol-Kommi*jion Restauration, die Iulircvolution, Louis Philipp behandelt er hier, und überall, wo er von den hehren Idealen der Freiheit und Einheit spricht, schwingt seine Seele mit. Wie scharf verurteilt er den Rheinbund, das „schmachvollste Ereignis der deutschen Geschichte", und er erkannte sehr wohl, daß auch nach seiner Auflösung die perliehenen Souveränitätsrechte das größte Hindernis für eine Einigung Deutschlands blieben. Darum mußte eine Persönlichkeit wie die des Freiherrn vom Stein seine besondere Verehrung erlangen. Er hat ihr — gestützt auf das Werk von Pertz — eine größere Biographie gewidmet, hat diese ragende Einzelgestalt in den großen historischen Zusammenhang eingegliedert und ihr Wirken unter eine beherrschende Idee gebracht, unter die Idee der Freiheit. Ilnd mochte Stein auch später manche der Grundsätze, ans denen er einst die Wiedergeburt des preußischen Staates begründet hatte, aufgegeben haben — Sterns Bewunderung für den großen Staatsmann erlitt keinen Abbruch, da sein Ziel nicht nur Preußens Blüte, sondern Deutschlands Freiheit war. In den letzten Jahren seines Lebens hat sich Stern mehr noch als vorher der Darstellung religivnsgeschichtlichcr Stoffe zngewandt. Sein Artikel „Juden" im Rotteck-Welckerschen „Staatslexikon" zeugt von einer geradezu modernen, soziologischen Auffassung des Werdegangs, der physischen und psychischen Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft. So faßt er denn auch die „Judenemanzipation" als ein Stück der allgemeinen Kulturgeschichte auf, organisch, gewachsen aus der naturgemäßen Grundlage der Selbstemanzipation, die der Jude auf sozialem und religiösem Gebiet au sich selbst vollzogen hat. Wie er hier die Geschichte der Juden aihs engste mit der allgemeinen Weltgeschichte verknüpft, so hat er in der Enzyklopädie „Tie Gegenwart" (bei Brockhaus) die gesamte religiöse Bewegung seiner Zeit in großen historischen Zusammenhängen dargestellt. Ter einzelne und die Gemeinschaft, die Vergangenheit und die Gegenwart sind ihm miteinander verknüpft, und in dieser befruchtenden Verknüpfung sieht er das Lebenselement bei allem geistigen Geschehen, sieht er auch die unverwüstliche Lebenskraft der jüdischen Gemeinschaft. „Ich vertraue mit unerschütterlicher Zuversicht der unerschöpflichen Lebenskraft des Judentums, daß es allen Gestaltungen, die seinem Boden entsprießen, seinen Geist aufprägen und in denselben den Geist der eigenen Vergangenheit mit dem Lebensgeist der Gegenwart zu einem harmonischen Ganzen vereinigen wird. — Es ist die Geschichtsauffassung des tief begründeten Optimismus. die Stern hier verkündet, verkünden nmß, weil er an den Sieg der Wahrheit und Gerechtigkeit in der Welt unerschütterlich glaubt: „Die Geschichte irrt nicht und führt nicht irre!" Es ist der religiös-ethische Optimismus, der unserer Gemeinschaft ewige Dauer verheißt. Alle Ihre Bücher Buchhandhrag am Zoo Fritz Ring Charlottenburg, Joachirmthaler Str. 43-44 Mitglied der judUchen Gemeinde Telefon BUmarcit 6506 Zuaendun* nach allen Stadtteil«» Den Kurt Singer Zur Berliner Erstaufführung im Kulturb«nd Deutscher Juden am 4. April. „Dies ist die Oper, mit der in Wahrheit meine künstlerische Laufbahn beginnt." Das sind Worte, die Verdi im Jahre 1879 seinem Freund Ricordi in eine „selbstbiographische Skizze" diktierte. Gemeint . . . ist die Oper „Nabucco", die im Jahre 1841 geschrieben, Ende Februar 1842 einstudiert und nach 12 Tagen, am 4. März 1812 in der Mailänder Scala uraufgcführt wurde. Tie Schnelligkeit, mit der Verdi das zuerst für Nicolai .geschriebene Textbuch des Themistodc Solera kompouierte (3 Mouate) beweist den starken Trieb, der ihn zum Musildrama hinriß; die Keimzelle aber seiner Musik wurde nicht da-s Theatralische, das Gespannte und Gepeitschte der Dichtung, sondern jener der Bibel nachgedichtcte, inbrünstigschöne Leidensgesang der gefangenen Hebräer „Va pensiero, sull’ ali dorate“ (Flieht, Gedanken, auf goldenen Flügeln). Verdi liebte die Bibel über alles. Bon diesen tränenreichen Worten geknechteter Menschen kam er nicht mehr los; von . hier aus gewann er die Kraft, zum ersten und vielleicht zum einzigsten Mal ein ganzes Volk als Träger der Hauptgedanken herauszustellcn, mit allen Affekten der Angst, Not, Verzweiflung. Trauer und allen Arten des eifernden oder demütigen Gebets. Ein Händel des modernen Theater wuchs heran. Kein Wunder, daß die Beziehungen unterdrückter Juden zu den revolutionären Stimmungen Italiens ans dieser „Nabucco".Partitur herausleuchteten, und daß dieses Werk — nach zwei Mißerfolgen in 3 Jahren vorher — Verdi auch politisch-natioual,.nicht nur als Musiker zum Heros machte. Die Finales der ersten 3 Akte brachte das Publikum zur Raserei, und in das erste Bild des Tempels klatschten die Menschen 10 Minuten hinein Beifall. Unter den Solisten ragten die Strepponi, Verdis zweite Frau, und der König Bantone, Ronconi, hervor. Es ist die Schicksalsstunde Verdischen Schaffens, der erste große Erfolg, das erste Mal. daß Rollenträger weithinwirkende Werbung für den Meister leisten, der ihnen das Gnadengeschenk effektvoller Partien gab, es ist der Beginn von Verdis künstlerischer Laufbahn. Es sollte 10 Jahre dauern, bis Verdi innerlich zum „Rigoletto"-Stoff hcraureistc, 10 Jahre der Zwischenwerke, die keine Welt bezwangen. Fast 20 Jahre liegen zwischen dem Jugendwerk des 28jährigcn und der Meisterschaft des „Maskenballs", 30 Jahre bis zur Vollendung: „Aida", Die überströmeude Fülle an Phantasie und Melodie, die dämonische Macht, mit der letzter musikalischer Ausdruck dem theatralischen Effekt eiugearbeitet wurde, die charakteristische Rhythmisicruug kantablcr und leidenschaftlicher Arien, die Wucht und Rauheit, das Stretta-Tcmpo der Chöre: all dies ist in Jahrzehnten erst bei Verdi bis zur Bedeutung eines besonderen Stils, seines musikdramatischen Charakters ausgewachsen. Aber im Erstling, „Nabucco" bilden sich die Keime, die Urzellen all dieser, von innen her, aus Dämonie der Seele und vulkanischer Theaternatur entbundenen Wesenheiten des späteren Verdi. Wir erleben die Geschichte dieses Werdens einer Welt-Maestreessa schon hier und nehmen artistisch den Klang der Bläser, den Rhythmus des zweigeteilten Marsches, die Harmonisierung der Arien, nehmen „effctto" und „ruvidezza", Schwung und Pathos aller kommenden Werke vom „Troubadour" bis zum „Maskenball" fast schon melodiegebunden vorweg. Der „Nabucco" - Erfolg wurde in Eurpoa außerhalb Italiens von den Werken der Reifezeit verdrängt; kaum gelegentlich durfte in Deutschland eine Aufführung dieses chorischcn Dramas bekannt geworden sein. Aber als das, was sterblich war an Verdi, 1901 zur Ruhe getragen wird, da stimmt eine nach zehntausenden zählende Menschenmenge den Chor der gefangenen Hebräer aus dem „Nabucco" an, den Trost- und Hossnungsgesang an den Wassern Babylons. Eine Eingebung, unbewußt und ohne Borbcrcitung. 60 Jahre lang war dieser Psalm in der Erinnerung der Menschen geblieben. Er wird ewig währen. Die Fabel dieser Oper ist die aus der Bibel bekannte Belagerung Jerusalems durch den assyrischen König, die Zerstörung des Tempels, die Gefangenschaft in Babylon. Ter Kampf um o Gardinen “ Teppiche 31®bei \q Wir.isehafteartihei JLawmpen W bEt i ln er s P A N 0 A. U E 8 5 I :B A S 4 E (OMI 0 1 I Ui 5 E G- E G R 0 N DE 1 1?! 5 •2.77