Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 13 (28.3.1935)
- Date
- 1935-03-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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JClV.'Jafoganif 7 Nr.13 Berlin, 28. März 1435 Prels25 Pfennig erein o wo FUß DE WW. 12 '»} li m Ifil.üt A. 11. UcbcraH in der Welt begehen in diesen Tagen Inden die Feier des 800. Geburtstages von Mose den Maimon, und in vielen Ländern feiern sie den Großen ihrer Gemeinschaft gemeinsam mit den geistigen Menschen der Länder, in denen sie leben. Immer ist seit seinem Gang durch die irdische Welt Maimonides gegenwärtig gewesen, immer hat man seinen 'Namen. bei uns und bei den anderen, gekannt, genannt — bald mit Liebe und Verehrung, bald mit Kritik und Ablehnung. Immer war seine Gestalt über sehr vielen Denkvorgängen und Denkern als schwerer Schatten oder als Helles Wegzeichen. Es gab Zeiten, da er vielen viel gewesen ist, es gab Zeiten, da die vielen seiner vergessen hatten; er blieb, der er war, und er überdauerte die Zeiten, die ihm nicht nahe sein konnten, um in Zeiten zu kommen, die ihm ausgeschlossen waren. Nufere Zeit ist ihm aufgeschlossen, wie wenige auch von ihm mehr als seinen Namen, einige seiner Hauptwerke, karge Daten seines Lebensweges kennen mögen. Die Feierstunde, die ihn uns nahebringt, bewegt gerade uns und gerade in dieser Zeit in unseren Tiefen. Es ist gut für uns zu erleben, daß um einen Mann unserer Gemeinschaft Dank und Ruhm einer ganzen Welt ist. 800 Jahre zurück! Welche Daten um diese Zeit sind uns noch vertraut? Die Kreuzzüge begannen und mit ihnen unsägliche Judcnuot. Die Hohenstaufen schickten ftdj an, Deutschlands Glanz bis über Europas Gren-' zen hiuanszutragen und dem Reich eine Form zu geben, die erst unter Napoleons Ansturm zerbrach. Spanien, die phrenäische Halbinsel, ist Tummelplatz für Kriege, wechselt die Herren und mit ihnen den Glauben der Be- ■ wohner. 113."') wird in Eordova Maimonides geboren. 13 Jahre ist er alt, als 11-18 seine Heimatstadt den Herrscher wechselt. Tie Almohedeu. ein maurisches Herrschergeschlecht, ziehen als Eroberer ein. Ilm dem Glauben der Väter treu bleiben zu können, wandern viele jüdische Familien aus, darunter die des Maimonides. Wechselvollc jüdische Schicksale, glückliche und trübe Tage erleben unter maurischen und christlichen Herrschern die spanischen Juden. Am 31. März 1492 ergeht das Austreibungsedikt: Binnen drei Monaten müssen 300 000 Juden ihre spanische Heimat verlassen, wenn sie dem Glauben ihrer Väter treu bleiben wollen. Sie wollen cs. mit ganz wenigen Ausnahmen, und die jüdische Geschichte gewinnt neue Mittelpunkte, um die herum sich im Ans und Ab der Zeiten langsam neue Sicherheit bildet. Spanien bleibt Jahrhunderte säst leer von Juden. Bis in den letzten Jahren die vergilbten Dokumente dunklen Mittelalters auch formell außer Kraft gesetzt werden und vor aller Welt 1933 in Genf der spanische Völkerbundsdelegierte sagt: ..Spanien richtet heute mit der Weisheit, die man in der harten Schule der Erfahrung lernt, mit einer tiefen Sympathie und in gewissem Maß mit fast mütterlichem Interesse, seinen Blick auf . die Tausende von Familien, die'in den vergangenen Jahrhunderten gezwungen .wurden/ den spanischen Boden zu Verla ssen.' und die heute in mehreren levantinischen Ländern die spanische Sprache, die Tradition und die Erinnerung an das alte Vaterland ihrer Vorfahren bewahrt habend. — bis am 30. März 1935 in jenem Eordova Spaniens Minister an dem großen Sohne in feierlichen Staatsakten in Anwesenheit von gcndes: „Wenn die Inden- und die Rossenfrago einmal nicht gelöst werden würden, dann wäre der ganze bittere blutige Kampf mit den geheiligten Fahnen um das Tritte Reich umsonst gewesen. Das Ende wäre dann ein Versinken und Verfaulen in Juda, wir werden ausgclvscht ans der Geschichte für immer. Und denen, die da meinen: Die Inden seien ein Gattes-, ein auserwähltes Volk, denen sei das Wort Christi in Grinncrnng «gebracht, der. da sagte, der Vater der Inden sei der Teufel. Und diese 'Worte Ghristi vermag lein Priester, kein Pharisäer oder kein Seliriftgelehrter nmzndenten. Was wollte Ehristns damit sagen? Er wollte sagen: Der Ursprung des Inden ist das Vcrbrechen, das Teuflische, also werden sic, solange sie auf der Welt sind, des Teufels sein. Und denen, die da behaupten: Aber Ghristns war doch selber Jude, sei gesagt: Wenn ich jemals Ghristns zu einem Inden stempele, dann stempele ich ihn zu einem Verbrecher. Ghristns war ebenso wenig ein Jude, wie Hitler es ist. Christus mußte nach Golgatha gehen, >veil er den unglaublichen Mut besaß, den Kamps gegen die Zersetzung des Volkes anfzunehmcn, weil er dem Volke helfen wollte... Es ist kein Zufall, daß beispielsweise heute in Italien der Jude so zufrieden ist. Mussolini selbst hat erzählt, wie ein bedeutender Oberrabbiner bei ihm gewesen sei und ihn gebeten habe. Italien solle ein gutes Verhältnis zu Deutschland schassen, damit es den Inden wie einst gehe. Ich gehöre zu denen, die Mussolini als Kämpfer stets achten werden, mag da kommen, was will. Und wir wollen auch bekennen, daß wir ihm vieles zu verdanken haben. Nur eins scheint Mussolini nicht zu wissen:.Wer... mit dem Juden geht, geht am Inden zugrundel[ Wir nüssen. wenn das deutsche Volk dem Inden-? tum und der Weltfroimanrerei erklären würde: Wir verbieten in Deutschland den Antisemitismus, der Jude bekommt seine alten Rechte wieder, wir setzen ihn in die Regierung hinein — dann würde Deutschland die größten Rüstungen bauen dürfen, , dann würde der Jude dafür sorgen, daß Deutschland als bcstgerüstctes Volk dastehe, denn für den, Weltjnden bedeutet ein hochgerüstetcs judensreundliches Deutschland leine Gefahr mehr. Aber ein., gerüstetes deutsches Volk, das gelernt hat, über die Iudcnbewegnng nachzudenken und sie richtig zn beurteilen, bedeutet für den Weltjnden das kommende Ende. - Und wir wissen, wer drüben in Frankreich verhindert, daß das französische Volk nid)t in die ihm entgegengestrccktc deutsche Hand einschlägt. Sic dürfen sa nicht. Ich habe Briefe von Franzoscn, die da schreiben: „Wir sind Franzosen, aber in einem kommen wir zusammen in der ganzen Welt: In der Indcnfrage." Ter Jude ist der Feind der ganzen 'Menschheit. Ebenso ist cs in England. Auch dort weiß der Jude: Wenn die Völker Zusammenkommen im Frieden, dann kommt der Tag. wo alte internationalen Fragen gelost werden und damit die Macht der Inden gebrochen wird. Und wir wissen, daß drüben in Sowjeirnßland die Macht, die geschaffen wurde, nicht dazu' dient, um den Frieden in Europa zu festigen, sondern daß dort der internationale Jude auf den Tag wartet, an dem er mit Waffengewalt das deutsche Volk zu Boden zwingen kann, um die Weltrevolution zn , schaffen. Und ein solcher Tag würde für Europa das Ende bedeuten..." Das „Katholische Kirchenblatt für die St.-. Barbara-Pfarrgemeinde" in Kratz (Rheinland) schreibt in einem Aufsätze „Semitisches und Antium die Wahrheit" gegen die Bibel und das gesamte Judentum macht, sind so niedrig — das Alte Testament wurde darin kürzlich als „schauerlich.schanriger Kriminalroman" bezeichnet —, daß wir uns damit nicht anseinandersetzen können. Es ist nur tief 31t bedauern, daß die Zeitschrift, die wegen der Art ihrer Jndcnbekämpfnng von allen anständigen, wirklich christlich denkenden Volksgenossen abgclehnt wird, in so ausgedehnter Weise Propaganda für ihre Auffassungen treibt. Es geschieht dem deutschen Volke wahrlich kein Dienst damit." Ewr.Mmmg CtmArs vor SMföftfintefisUft Gauleiter Julius Streicher hat nach einer Meldung des „Fränkischen Kuriers" die folgende Anordnung erlassen: „Verantwortungslose Elemente haben die Nachricht verbreitet, das; die Inden gegen den Führer ein Attentat angezettclt hätten und daß infolgedessen die Inden totgeschlagen werden müßten. 'Man ist sogar so weit gegangen, das; man Plakate anklobte, ans welchen zn dem Pogrom anfgcfordert wurde. Im Gau Franken befehle ich und sonst niemand. Ich habe den Geschäftsführer einer Kreisleitung wegen Disziplinlosigkeit entlassen. Ich werde jeden unnachsichtlich aus der Partei ausschließen und verhaften lassen, der sich 'zu Unbesonnenheiten verführen läßt." Wie die „Fränkische Tageszeitung" in Nürnberg meldet, hielt Gauleiter Julius Streicher anläßlich der Eröffnung des ReichSberufswettlampfcs vor den Jungarbeiterinnen eine Ansprache, in der er 11. a. sagte: „Der Jude, der einst in Deutschland seine Geschäfte machte, habe immer ein freundliches Gesicht gezeigt, und viele Volksgenossen ließen sich dadurch täuschen und gingen. nicht zum deutschen Kaufmann, sondern znm jüdischen Händler." SlMttli und WM Mnöler Ans einer großen Banornknndgcbnng in Witzenhausen hielt, wie die „Knrhessisi-he Landeszeitung" in Kassel mitteilt. Landesbanernsührcr Seidler eine Rede, in der er die versammelten Bauern anffordertc. „nicht die zn unterstützen, die nicht unseres Blutes sind und immer Gegner des dentscheu Bauern waren. Jeder Bauer müsse im nationalsozialistischen Sinne handeln und daher auch seine Geschäfte immer nur mit Genossenschaften oder arischen Geschäften abwickcln." in Cslöm Das „Soldiner Tageblatt" vom U. März berichtet über einen Gesamtschulungsabend der NSDAP, Ortsgruppe S 0 l d i n. Dem Bericht entnehmen wir folgendeAbsätze: „Pg. Blechschmidt spräch dann über die Indensrage und über den Antisemitismus. 'Dazu sei notwendig, wie Redner betonte, daß er die Gefährlich, feit dieses Volkes für.alle Welt eindeutig hervorhebe. Altes Testament. Talmud. Schulch-anruch und jüdischen Vertretern aus allen Ländern, von,-, geistigen Führern aller Zonen gedenken, eine große geschichtliche Wiedergutmachung vornehmen und des Mannes Maimonides gerade.' an der Stelle gedenken, die ihn nicht als Heimat halten wollte, lieber acht Jahrhunderte streckten sic die Hand aus, die den Vertriebenen in Ehren, in seine Vaterstadt zurückführt. Feierstunden schassen ihr besonderes Wissen von den Geschehnissen, um deretwillen wir sie begehen. Aber sie vergehen, und nur das. - Wissen der Geschehnisse verbleibt uns. Ein .tiefe« Wissen, und fein oberflächliches und zweckloses Vergnügen, Vergleiche anzustellen, die nicht stimmen können, weil Geschichte sich ' nie wiederholt, sondern jede Zeit sich selbst und 1 ihre Menschen, wenn auch aus der Geschichte zuvor, neu gestaltet. Aber Erkenntnisse kann * uns. Me Geschichte vermitteln, die auch, unseren Standort in der Gegemvärt — die ja für die Nachkommcnden bald Geschichte ist — bestimmen. Freilich ist es uns' jetzt nicht möglich und nicht gestattet, diese Erkenntnis in den deutschen Lebensraum hineinzuentwickeln. Aber wir dürfen uns vor Angen halten, daß der geistige Inhalt dieser. Ertcnntnis in uns weiter besteht. Und von allem Politischen weit entfernt, lebt in uns Kant und Bach, Goethe und Beethoven. So-' lange wir in den Grenzen unseres Vater-. landes leben und seine Sprache unsere Muttersprache ist, ist es für uns, ob wir wollen oder nicht, eine Unmöglichkeit, auf diesen Besitz zu verzichten, der unser Judesein nicht verringert. Inmitten des, deutschen Volkes, oft als fremd empfunden, noch öfter als fremd bezeichnet, aus vielem herausgerissen, von, fast allem ferngehalten. bewahren wir als unverlierbareS Gut unser auch aus dieser Feierstunde erstarkte Erkenntnis, daß jüdische Entzuletzt die Schriften der Weisen von Zion seien besie Belegstücke dafür, daß der Jude von seinem Judengott Jahve nur in die Welt gesandt sei. um Nutznießer der anderen Menschen zn sein. HebernII soll er die N'ichtjnden ausmitzen. sic bekämpfen »nd sogar vernichten, ihre Könige soll er demütigen. . . . Der Talmud und der Schulch-anruch lehren ciwvandsrei, daß nur die Juden Menschen sind, atze Nichtjndcn sind Tiere, sic müssen ansgebcntet und vernichtet tvcrden. Und wag cs noch so unglaubtici, klingen, es ist nackte Wahrheit. Das mögen sich atze diejenigen einmal recht überlegen, die da meinen: Na ja. die Inden haben heute nichts mehr in Deutschland zn sagen, min laßt sic doch in Ruhe, sic sind doch auch Menschen! Es kann und darf für einen Nationalsozialisten nicht eine solche Redensart geben. Richtig ist wohl, daß wir nicht den einzelnen Inden oder den vielleicht bei uns geborenen Juden nun anshängen wollen, aber trotzdem bleibt bestehen, das; er lein Deutscher isi und niemals deutscher Staatsangehöriger werden kann. Tas Programm der NSTAP spricht dem Juden die Staatsbürgerrechte ab, er ist für uns ein Fremder und auch als solcher zu behandeln, lind wenn einmal ein SA- Mann einem Inden ein paar hinter die Ohren geschlagen hat. ohne dasi das nötig war. so ist das durchaus nicht so schlimm, denn die Geschichte weist eindeutig nach, daß die Inden unsere Kinder, deutsche Menschen, geschäi'.dct. gemordet und geschachtet haben. Also mir kein falsches Mitleid." Soweit die Aeiißcrnngen des Referenten den Talmud und den Schnlchan '?lrnch betreffen,^sind sie. wie vor allen Dingen auch in unserer Serie „Inden und Nichtjndcn" wissenschaftlich einwandfrei nachgcwicscn wird, unrichtig. JutfM esu MM" Im „Westdeutschen Beobachter" in Köln findet ' sich unter der Ueberschrist „Inden urteilen in Rasscnsragen" folgendes: „Die nationalsozialistische Bewegung hat bald nach ihrem Siege dafür gesorgt, daß Inden die Mitwirkung an dem unserer Art gemäßen Recht versagt wurde. Ans reiner Großzügigkeit hat man einer Reihe von jüdischen Juristen gestattet, ihre Praris noch weiter an deutschen Gerichten anszunbcn. Es mag den Juden in Deutschland nicht verwehrt sein, sich znr Wahrnehmung ihrer Interessen vor Gericht der Anwälte ihrer eigenen Rasse zn bedienen. Wenn aber Deutsche zn einem jüdischen Anwalt gehen, so ist das ein Verbrechen am Volk. Ein besonders krasser Fall ereignete ' sich vor kurzem vor einem Erbgcsnndheitsgcrichl. Es handelte sich darum, ob eine schwachsinnige Frau unfruchtbar gemacht werden sollte. Diese Frau wollte ein jüdischer Anwalt — Moses hieß er — vertreten, und zwar war der Antrag gcslelll. , den Inden im Armcnrecht beiznordncn. 'Mit anderen Worten sollte also der Staat eine gegen seine Ernndcinstcltung gerichtete Instinktlosigkeit auch noch finanzieren. Weiter aber sollte sich ansgerechnet ein Jude darüber verbreiten, ob eine Maßnahme znm Schutze der gefunden arischen ' Rasse durchgeführt werden sollte oder nicht. Und was machte das Gericht? Es wälzte das Gesetz znr Verhütung erbkranken Nachwuchses und suchte nach einer Bestimmung, welche die Mitwirkung von Juden als Vertreter im Erbgcnmdheitsverfahren verbietet. Man fand natürlich keine derartige Bestimmung, da in nationalsozialistischen Gesetzen keine Selbstverständlichkeiten ausgesprochen werden ,nnd — man höre und staune — der Indo wurde zngelassen. Also nicht der Geist des Gesetzes, nein, der Buchstabe war entscheidend! Es ist wirklich Zeit, das; die Juristerei von gestern vcrschlvindet und die nationatsozialistische Rcchtsanffassnna sich allenthalben durchsetzt." scheidungen letztlich nicht vom Affekt des Augenblicks bestimmt werden, gleichgültig, ob die Affekte innerhalb oder außerhalb unserer Rechen anzntresten. sind. Gesinnung ist für Nlts weder ein Propagandanoch ein Handelsobjelt. Sie ist da, auch ohne daß wir von ihr reden oder sie gedruckt lesen können, und sie bleibt auch, wenn wir mit ihr keine : schnellen Vorteile cintanschen. Wir sind zu Opfern bereit, um unsere Gesinnung nach innen bewahren zn können, aber wir tragen ■ auch gern schwere Pflichten nach außen, selbst wenn nüchterne Nützlichfcitscrwägungen ihren Verzicht nahelegen könnten. Unser Vaterland bleibt unser Vaterland. Wir wollen und können unsere Lebenseinheit als . deutsche Juden nicht aufgeben, die aus Empfangen und Opfern erwächst und besteht. Aus diesem Wissen der Feierstunde quillt unser Wollen für den Werktag.