Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 11 (14.3.1935)
- Date
- 1935-03-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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MM SW» / Im Jahre 1571 tauchte in der bunten und abenteuerlichen Stadt Prag ein halbwüchsiger Jüngling auf, blaß, abgerissen und offensichtlich den ärmsten Verhältnissen angehörend, mietete ein bescheidenes Zimmer und besuchte mit großem Eifer eine höhere Schule. Seine Wirtin, von Mitgefühl mit der elenden Lage ihres jungen Mieters übermannt, suchte seinen Klassenlehrer, aus, berichtete ihm. in beweglichen Worten von der Not ihres Schützlings Eduard Glaser. Der Lehrer, dem seit langem der hochbegabte Junge ausgefallen war, ließ ihn zu sich kommen und erfuhr so, daß Eduard aüs dem böhmischen Dorf. Tronitz stamme — geboren sei er allerdings in Deutsch-Rust —. daß sein Vater Händler und Landmann sei und ihn im vergangenen Frühjahr eben nach seinem 16. Geburtstage in die Kaufmannslehre habe stecken wollen. Ihm aber habe' das nicht gepaßt, denn er wolle soviel lernen und studieren, als nur irgend möglich, und deswegen sei er auf eigene Faust nach Prag gewandert, um hier weiter die Schule zu besuchen. Dem Lehrer, dem die fabelhafte Selbständigseit des Jungen imponierte, gelang es sehr bald, diesem. eine Hauslehrerstelle zu beschaffen und zwar gleich in einem überaus vornehmen Hause, dem des Fcldmarschalleutnants Freiherrn v. D. Seine neue Stellung gewährte Eduard Glaser ein menschenwürdiges Dasein und damit Freiheit und Ruhe zum Studieren. Er tonnte jetzt auch einmal rm Kaffeehaus eine Zeitung lesen, eine Zigarette rauchen. Hier spielte ihm der „Zufall" eine Zeitschrift mit den Reiseberichten Livinastonnes, des Asrikapioniers, in die Hand. -Fiebernd verschlang er die abenteuerlichen Erzählungen. Sein Entschluß stand unumstößlich fest: Fvrschungsreisender und nichts anderes wollte er werden. Mit bewunderungswürdiger Zielstrebigkeit machte er sich daran, nach einer Grammatik die arabische Sprache zu erlernen denn Arabien wollte er durchforschen. Seine Interessen warenin der Folge in sehr eigentümlicher Weise zwischen den Naturwissenschaften, insbesondere der Astronomie, und der arabischen Sprache geteilt, lieber feinen Privatarbcitcn verlor er jedes Interesse für die Schule, liest eines Tages kurzerhand alles liegen und stehen und machte sich auf zu der ersten großen Reise feines Lebens: nach Paris. Arm ivie eine Kirchenmaus, legte er fast die ganze Strecke in Gewaltmärschen zu Fuß zurück und gewann so schon damals in seinen Freundeskreisen sportliche Berühmtheit. Nach seiner Rückkehr aus Paris holte er die Abschlußprüfung nach, begann am Polytechnikum «£>- „CAMAJO“-KAFEEK-GRONSBtOSTEREI 1 **■ C arl Max Josephs / BREMEN 4 1 - Vertreter werden noch eingestellt. ■■■■ - -- — ■ in Prag Astronomie zu studieren, siedelte nach Wrei^ über, wo er es schnell zum Assistenten an der Sternwarte brachte. Als Bemühungen seiner -Freunde ihm die Mittel für eine Reise nach Arabien erschlossen, nahm er zunächst eine HauS» lehrerstellung in Tunis an. um sich mit den Gewohnheiten und der Sprache der Araber vollends vertraut zu machen. Dann erst glaubte ex sich gerüstet, den Sprung ins Unbekannte zu wagen. Am 11. Oktober 1582 betrat Eduard Glaser zum erstenmal in Hodeida arabischen Boden. Unterwegs— in Aegypten-— mahnte ihn der - .Kanonendonner der mit beit aufständischen Mahdi sten in verzweifeltem Kampfe ringenden Regierungstruppen an die auch auf ihn lauernden Ge- . fahren. Der Hasen Hodeida erschließt den Zugang zu dein südarabisehen Lande Jemen: einem Lande voll Stätten rätselvoller altarabischcr Kultur, zu denen aber, kriegerische Bcduincnstämme. europäischen Forschern bisher fast jeden Zugang verwehrten. Bor allem reizte Glaser da? geheimnisvolle Land Saba, dessen Königin in längst verklungenen. Tagen den jüdischen König Salomo besuchte. Glasers erste Forschungsreise begann nüt einer, grasten Enttäuschung. Kurz zuvor hatten Beduinen den Forscher Siegfried Langer, gleich Glaser Judo, bei Aden ermordet, und die Behörden des Küstenlandes verweigerten ihm daher die Erlaubnis zum Ansbruch. lieber ein Jahr mußte sich Glaser an der Küste gedulden — er nustte die erzwungene Frist zu astronomischen Messungen und sprachlichen sowie geschichtlichen Studien — dann erst erwirkte ihru die Fürsprache schnell gewonnener eingeborener Freunde freien Weg. Jemen ist.Hvchgcbirgsland, seine Hauptstadt Sana liegt fast in Zugspitzhöhe. Nur wer die Hindernisse einer Hochgobirgsreise kennt, in einem wilden und feindseligen Lande, ohne St rasten und Hil fsstationen. kann die Schwierigkeiten einer Forschungsreise in ihm ermesien. Bon verschiedenen Streifzügen bis weit ins Innere des Landes brachte Glaser zahlreiche uralte Inschrisltafeln, Kniistgegenstände und eine Fülle wissenschaftlicher Daten mit an die Küste. Die dritte Reise vom Oktober 1887 bis zum September 1888 aber wurde zum vielbelvunderten Höhepunkt seines ForscherlcbenS. Marib, die Hauptstadt des alten Sabäerrcichcs, zog ihn an. Als drittem Europäer gelang es ihm, -diese merk- - würdige, an alten Denkmälern überreiche Stadt zu erreichen. Diesmal durfte er cs nicht wagen, vifen und mit großem Troß zu reisen. Als Muselman verkleidet, von wenigen Getreuen geleitet, wandcrte er dem Ziel entgegen. Seine erstaunliche Vertrautheit mit den südarabischen Sprachen, die er vollkommen wie seine Mutter> spräche beherrschte, gab ihm die innere Sicherheit für sein kühnes Unterfangen. Mit' Windeseile verbreitete sich daS Gerücht, ein großer muselmanischer Gelehrter.ziehe dem Herzen des Landes entgegen, und um sich allem Mißtrauen und aller Neugierde so weit wie möglich.zu entziehen, wanderie. Glaser meistens in Heimlichkeit des Nachts.' Mehr als einmal rochen dennoch die Beduinen Lunte. Auf dem Rückmarsch, .'.mit reichen Schätzen beladen, wurde die kleine Karawane .überraschen«) aus dem Hinterhalt beschossen.- Die Angegriffenenwehrten sich nach Kräften, und erst'nach Vertust §rm FAitirr jum so. MurtMZe von zwei der Ihren - ergriffen die Beduinen die Flucht. Schon glaubten sich die Reisenden gerettet, da wurden sie plötzlich von vielen Hunderten von. bewaffneten Arabern erneut überfallen, umringt und von den Maultieren gerissen. Eben machte sich die rasende Menge daran, sie als vermeintliche Sendboten des verhaßten Türkischen HerrenrolkeS zu ermorden, da rettete ihnen die Geistesgegenwart und Treue ihres eingeborenen Führers, der die Araber von der Harmlosigkeit der Reisenden überzeugte, das Leben. Ehe die Menge sich anders besinnen konnte, gaben sie ihren Maultieren die Sporen und ritten davon, der retten-, den Küste entgegen. Selbst ihre kostbaren Lasten blieben ihnen erhalten. — Von einer letzten besonders gut ausgerüsteten Reise von 1892 bis 1894 brachte Glaser noch einmal überreiche Beute nach Hause. Diesmal hatte dem äußersten Südzipfcl Arabiens um Aden sein Interesse gegolten.' Eduard Glasers wissenschaftliches Schaffen stand unter einem unglücklichen Stern. Oft zwang ihn gerade in Momenten fruchtbarster Arbeit, Geldmangel zu vorzeitigem Abbruch ferner Reisen und betrog ihn so um letzte Klarheit in den Fragen, um die er rang^ Die Finanzierung seiner Reisen, zu denen eine Art wissenschaftlicher Dämonie ihn inrmer von neuem trieb, wird fast zu einer Tragikomödie. Seine erste Reise wurde durch die Pariser Jnschristcnakademie finanziert, der er als Entgelt seine wissenschaftliche Ausbeute verpfändete. Da es aber ihm, dem Autodidakten nuf dem Gebiet der arabischen Wissenschaft, an akademischen Graden fehlte, besaß er doch nicht einmal den Dr.-Titel — erst 1890 wurde ihm von der Universität Greifswald der Ehrendoktor verliehen —, flössen offizielle Anerkennungen oder gar Subventionen spärlich genug. Er aber hatte sich in das Land seiner Wahl verbissen, und als alle Geldquellen versiegten, kam er auf einen, ebenso primitiven wie naheliegenden Gedanken: Die aus den Entdeckungs. reisen billig erworbenen Kostbarkeiten verkaufte Glaser zu Phantasiepreisen an europäische und amerikanische Sauunler. Die so gewonnen Mittel benutzt er zik immet neuen gefahrvollen Reisen.; Für seine Arbeit kam Eduard Glaser seine ' Vereinigung naturwissenschaftlichen und sprach. •' lichcn Wissens in einzigartiger Weise zugute. t So ■ hat er zum erstenmal weite Strecken Südarabiens kartographisch ausgenommen. _ lieber 1000 Inschrifttafeln und getreue Kopien von zahllosen weiteren Tafeln hat er auf seinen Reisen gesammelt. Sprachwissenschaft, Archäologie und Geschichte haben Glaser entscheidende Anregungen zu verdanken. Viele Inschriften und Texte vermochte er als erster sinnvoll zu deuten und manchem Geheimnis altarabischer Geschichte ist er auf die Spur gekommen. Fast nebenbei hat er eine neue. Disziplin der Wissenschaft. bic_ Sabäistik oder. Wissenschaft vom Lande Saba, geschaffcli. Die letzten Lebensjahre verbrachte Edilard Glaser in München, das durch ihn zum unbestrütenen Mittelpunkt südarabischcr Forschilng in Deutschland wurde. Ein Lehrstuhl blieb ihn, vorsagt, da er Außenseiter war, er, der sprachwissenschaftliche Autodidakt und Jude.. In einer Fülle wissenschaftlicher, z. T. epochemachender Schriften hat er seine Forschungen niedergelegt und seine Erlebnisse beschriebe,!. Seine Sammlungen wurden zum Teil vom Britischen Museum, zum Teil vom . Wiener Hofmuseum erworben. Kaiser Wilhelm I. kaufte seine arabischen Handschriften für die könig. liche Bibliothek in Berlin und Rudolf Mosse er- , warb 'zahlreiche Steine mit Inschriften für das Museum in Berlin. Nach Glasers Tode ist ein Teil seiner Kostbarkeiten an das jüdische Dropsic- Colleae in Philadelphia übergegangen. Alle Biographen sind einig in der Bewunderung seiner innigen Vertrautheit mit dem arabischen Volke und seiner Sprache. Auch wirtschaftlich suchte er dem Lande zu helfen, so wird der Bau der Hedschasbahn seiner Initiative zugeschrieben. Für uns Juden ist im besonderen interessant Glasers Projekt, in Südarabien Juden anzusiedeln. Er hat mit Theodor Herzl. der seinen Plänen entgegentrat, manchen Federstrauß ausgefochten. Am 15. März 1850 wurde Edmund Glaser geboren, am 7. Mai 1908 ist er nach arbeitsreichem Leben in München gestorben. Wohl selten ist einem Menschen von Jugend auf eine so unbeirrbare Zielstrebigkeit beschieden gewesen.. Heinz Lcideretlorf, Hamburg. Besonderer Beliebtheit erfreuen & fn\: üJÖ» sich un»f.reHem<äen.seldenfürHerrenftii»Ku3stssld*t. «streift, 80 cm brt., p. Mtr. von Mk. 1.75 an, ins reiner Seide, bartfarblg u. weit,, ferner gestr. u. «muntert, waschecht, in reichhaltiger besonder* i preiswerter Auswahl, 80 cm br., p. Mtr. v. 2.50 an Muster nach auawirts kostenlos — Haimann, München (|S) Am Sehillrrdcnltmal t4 M'! MW Kurz vor seinem 85. Geburtstag starb Karl Budde, der Marburger emeritierte Ordinarius für alttestamentliche Wissenschaft, .der dort seit I960 lehrte. Die Zahl seiner Bücher und Aufsätze ist außerordentlich groß, und immer wieder beleuchtete er neue Probleme und Fragen der Bibel. t vielem anderen hat er sich auch den Icsaianischen Torten mit Liebe Angewandt. — Mit dem Tode Buddes, des Nestors der Bibelkritik, neigt sich eine Epoche ihrem Ende zu, die man vielleicht die „analytische" nennen darf. Bis in alle Einzelheiten löste man den biblischen Text auf; eine ungeheure Menge von philologischem und historischem Material wurde fyerbeigetragen,'um; bia Worte, die uns überkommen sind, zu verstehen. Alle Disziplinen — Archäologie und Geschichtswissenschaft, Kunstgeschichte und Soziologie, Philologie und Religionswissenschaft — mußten dienstbar gemacht werden. Das Bild aber. daS man bei all dieser Arbeit gewann, war oft schon von vornherein sestgelegt. Man hatte bestimmte Vorstellungen, und diesen mußte sich der Text anpassen. Wir wolleii die hier geleistete Arbeit keines- 'falls äbwertcu. Wir wissen: ohne pe könnten wir heute kaum tu unserer Weise an der Bibel arbeiten; aber wir müssen auch klar erkennen: diese analptische Methode, deren stärkster' Vertreter Wellhausen war, kann nicht das letzte Wort zur Bibel sprechen. Eine synthetische von dem Zusammerihang des überlieferten Textes ausgehende - Haltung allein kann der Bibel nahekommen. Der Text ,nuß zunächst so genommen werden, wie der dasteht: dann erst (und nicht vorher) hat'.die kritische Interpretation ein- Zusehen. Karl Budde hat uns in seinem reichen Lebensiverk — bis in die letzten Jahre hinein war er tätig — viel gegeben. Seine Studien werden zu dem wichtigsten Material gehören, das wir zu benutzen haben,— aber sie bleiben — das liegt an der Methode — doch nur Stückwerk. F. Ar. Profttaor Dr. Hugo Picard (Berlin) isi einet ' Berufwig als Chefarzt des israelitischen Hospilals . •in Kairo gefolgt arid verlässt in' diesen Tagen ~ : w... ' Berlin , j .' „ , ' " * * FoiodienstAmököediir; M NM MMchZUöiMg Bis zum Weltkriege gab es in Deutschland für den Schuldner, der seine Verpflichtungen nicht zu erfüllen vermochte, nur e i n rechtlich geordnetes Verfahren, den Konkurs, der die Vernichtung feiner wirtschaftlichen Existenz bedeutete. Tann wollte ihm das Recht ein anderes Verfahren zur Verfügung stellen, das auf Erhaltung seiner Existenz abziele. Es zeigte sich aber, wie schwer die Erreichung dieses Zieles ist, wenn man nicht durch übergroße Milde gegen den Schuldner schweren Mißbräuchen die Tür offnen wollte. Daher die zahlreichen gesetzgeberischen Versuche, zuerst unter dem Namen der „Gcschästsaussicht", dann unter dem des „Vergleichs zur Abwendung des Konkurses". Tie Vergleichsordnung vom 5. Juli 1927 brachte diese Entwicklung zu einem gewrsscn Abschluß. Doch setzten schon bald neue Reformvorschläge ein, die seit der Neuregelung naturgemäß eine Richtung auf die im NationalsozialismuS herrschenden Rechtsgedanken erhielten. Ihr Ergebnis ist die neue Bergleichsorvnung vom 26. Februar 1935. die am 4. März veröffentlicht worden ist (Reichsgesetzbl. S. 312) und am 1. April 1935 (§ 130) in Kraft tritt. Ter beherrschende Grundgedanke der Neuordnung ist eine scharfe Durchführung des 21 in t? .Prinzips. Das bedeutet, - daß die Befugnisse, des Gerichts bedeutend verstärkt worden sind. Dem entspricht selbstverständlich eine ebenso starke Einschränkung der Befugnisse der Gläubiger. Dies zeigt sich bereits bei dem Beginn des Verfahrens. Die Verglcichsordnnng von 1927 hatte vorgeschrieben, daß der Schuldner mit seinen! Antrag auf Eröffnung des Vergleichsverfahrens dem Gericht die schriftliche Erklärung der Mehrheit seiner Gläubiger überreichen müsse, daß sie damit einverstanden seien. Die Gläubiger selbst sollten nach dieser Regelung ein Wort mitzureden haben, ob und wie ihr Schuldner zum Vergleich zuzulassen sei. Das neue Gesetz geht dagegen von der Ansicht' ans, daß diese „Gläubigerautonomie" sich - nicht bewährt, sondern nur den sogenannten „Verglcichsagenten" ein Tätigkeitsfeld verschafft habe. Infolgedessen streicht es jene vorherige Zustimmung der Gläubiger (§ 4). Tie Folge ist, daß'das Gericht sofort 'tätig werdenmuß. Es hat „sofort nach dem Eingang des Antrags einen vorläufigen Verwalter zu bestellen (ß 11) und alle erforderlichen Maßnahmen zu 'treffen, um eine den Gläubigern nach, teilige Veränderung in der Vermögenslage des Schuldners zu verhüten (§ 12). Namentlich kann, es auf Antrag des vorläufigen Verwalters einst-' wellige Einstellungen der Zwangsvollstreckung anordnen (§ 13). Das Gericht hat sofort die nötigen Ermittelungen anzustellen, auch die Berussvertretungen zu hören, und dann über die Eröffnung des Vergleichsverfahrens zu entscheiden (§-16). Mit dieser Entscheidung ernennt das Gericht den definitiven Dcrgleichsverwalter (§ 20). MS hierher spielt sich das Verfahren also im wesentlichen ohne Mitwirkung der Gläubiger ab. Ausgeschaltet sind sie namentlich bei der Ernennung des Vergleichsverwakters. Auch bisher hatte-das Gericht die'„Dertrauensperson" auszuwählen, aber cs war bis zu einem gewissen Grade an. die Vorschlüge der Gläubigermehrheit gebunden. Jetzt stellt das Gesetz den Richter in der Auswahl des Verwalters vollkommen frei und schreibt ihm nur vor, „eine geschäftskundige, von den Gläubigern und dem Schuldner unabhängige Person zu bestellen" (8 38). Erst nachdem der VerglcichSverwalter ernannt ist, treten die Gläubiger zum Vergleichsterniin zusammen ($§ 20, '66 ff:). Allerdings kann der Richter schon vorher einen Gläubigerbeirat zur Unterstützung und Ueberwachung des Vergleichs- Verwalters bestellen (§ 44), aber auch hier ist die bisherige Einflußnahme'. der Gläubigermehrheil beseitigt. Erst im Vergleichstermin können die Gläubiger an einer Entscheidung insofern Mitwirken, als fie Über den DergleichSvorfchlaa v st'i «ft««' (§" W AbpH " ' ' Mit der Annahme und Bestätigung des Ber-' gleichs ist düs Verfahren aber nicht beendet. Viel--- mehr wird auch feine E r f ü l l u n g ü b e r w a ch t, enüvcdcr durch den Aerglcichsverwalter Ftj 96r oder durch einen Sachwalter der Gläubiger, auf den sich diese im Vergleich zu verständigen haberr (8 01). Von den sonstigen Neuerungen des Gesetze-? ist hervorzuheben, daß die Niindestguote, die der -. Schuldner seinen Gläubigern im Vorsässag zu bieten hat, von 30 auf 35 Prozent erhöht worden ist (§ 7 Abs. 1). Beansprucht der Schuldner aber eine Zahlungsfrist von mehr als einem Jahr. .so. muß er mindestens 40 Prozent bieten. . Andere wichtige Neuerungen haben mehr ein juristisches Fachinteresse. , ': Tie neue Dergleichsordmmg erhöht also in' sehr erheblichem Maße den Ernsluß und damit die, Verantwortung des Gerichts. Ihr Erfolg wird zum großen Teil davon abhängen, ob die Geriä)te^ für -das Amt des Vergleich-Verwalters die Per-' soneu finden, die bei aller Strenge der kanfmänni-, scheu Auffassung über die nötige Elastizität verfügen, ohne in bürolratische Routine zu verfallen. ReclrfsnnwaH Dr. Erich Eyck. -JasEnMnrrKt in EhrengrrlrMMM Durch einen Erlaß über die Ausübung des Gnadenrechts in Ehrengerichtsfachen der Rechtsanwälte hat sich der Führer und Reichskanzler die Niederschlagung ehrengerichtlicher Verfahren und. - die gnademveise Aushebung der Strafe der Ausschließung von -der Rechtsanwaltschaft selbst vorbehalten. __ SMtftalhms Bett Rechtsanwälten nur in geIMch bestimmten Füllen In der „Iurislischen Wochenschrift" vom 9. Ätärz (Nr. 10, 759) ist ein Briefwechsel zwischen dem Bund Nationalsozialistischer deut-- scher Juristen, Gau Lberlandesgerichtsbezirk Hamm, und dem Reich?, und prenßisäien Justizminister veröffentlicht, der die Frage betrifft, in welchen Fällen die Vertretung von Rechtsanwälten in Rcchtsangele^nheitcn ausgeschlossen werden könne. In dem ^Schreiben des Reichs- und prelißischen Justizministers vom 31. Januar 1935 heißt es: „Zu dem dortigen Schreiben vom 10. Oktober 1934 hat sich der Herr Reichs- und preußische Mi-" nister des Innern wie folgt geäußert: ... Ein Ausschuß von Rechtsanwälten in der Vertretung von Rechtsangelegenhcitcn kann nur insoweit anerkannt werden, als er ausdrücklich sestgelegt ist.' Dieser Auffassung trete ich bei." Diese Stellungnahme der Ministerien ist auch für das in der jüngsten Zeit wiederholt aufgetauchte Problem von Bedeirtung, ob nichtarisch.' Rechtsanwälte bei der Vertretung von Rechtsan-- gekegenheiten vor Verwaltungsbehörden.' ohne besondere gesetzliche Bestimmung ausgeschlossen wek^ den können. - , Zur Etalikiik drrÄrrM MSlechlMKAlc In der deutschen Presse wird eine Statistik . über die Anzahl der Aerzte, die im Aerztekanunerbezirk der Stadt Berlin am 31. Juli 1934 vor- Iianden waren, mitgcteilt. Danach beträgt die Gesamtzahl der Aerzte in Berlin 6188. Sie hat sich in der Zeit vom 14. Februar 1934 bis zuni 31. Juli 1934 um 15 vermindert. Diese Ver- Minderung setzt sich aus einem Gesamtzugang der arischen Aerzte um 197 und einem Gesamtabgaug der nichtarischen Aerzte um 212 zusammen. Der Gesamtabgang der mchtarischen Aerzte wiederum enthält einen Abgang von 256 und einen Zugang von 44 Aerzten. 44 nichtarische Aerzte haben somit ihre Praris nach Berlin verlegt, ein Zeichen für die starke Binnenwanderung unter den deut- . scheu Juden. Tie „Juristische Wochenschrift" vom 9. März (Nr. 10, S. 758) veröffentlicht eine „Uebcrsicht über die zahlenmäßige Entwicklrrng der Anwaltschaft im Jahre 1934". Danach betrug die Zahl - der am 1. Januar 1935 in Deutschland zu? gelassenen Rechtsanwälte 18 780, unter denen 2736 Nichtarier waren. Der Anwaltskammer Berlin gehörten 2931 Rechtsanwälte an, unter . ihnen 1092 Nichtarier. Im Breslauer Bezirk wurden unter 1017 Rechtsanwälten.234 Nichtaricr gezählt. Beim Oberlandesgericht Bezirk Hamur waren unter 1275 Rechtsanwälten.84. Nichtarier zugelassen. Die Anwaltskammer Oldenburg umfaßte unter 74 Rechtsanwälten 2 sllichtarier. Bei der Rechtsanwaltskammer beim Reichsgericht waren unter 25 Rechtsanwälten' 2 Nichtarier zugelaffen. - __ Das Amtsgericht in Hammelburg verurteilte, . . wie. die „Fränkische Tageszeitung" in Nürnberg meldet, einen gewissen Siegfried Stern und seinen Gehilfen, den Metzger Zoll von Westbeim, wegen Vergehens gegen das Schächtgesetz zu ie zwei Monaten Gefängnis, Zoll außerdem noch zu 1000 Reichsmark Gcldstrasc.^ Tie beiden Angeklagten - waren, wie der „Völkische Beobachter" am 23. Za- ■ nuar gemeldet hatte, in Schutzhaft genommen worden. H&nptsdmftlciler und fiir den jrrpamten Inhalt verantwortlich: Dr. Alfred H i r.s c b b c r *; Stellvertf.■ Dr M«rj&r«teBd*lbe;m Beide •0 Berlin Für Rücksendung unverlangter Manusfcr.p:* '•ft .Freicnecblag beizafügen Leiter der Anzeigen- Abteilung. und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen- Friedrieb Natban. Berlin. DA IV Vj 46 923 Verlag: Centralvereln denticber Staatsbürger jüdiacbea Glaubens e. V . Berlin W 15. 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