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Central-Verein-Zeitung · 1935-03-07 · 10 (7.3.1935) · page 17

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
10 (7.3.1935)
Date
1935-03-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
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n^l o* ' " NrJlO/’ v W/^.H^nnn^1 *• Beiblatt •0W0 WÜÜL-JÜÜC' 1 7. Min 1933 Hl wvumeMi Ein Ueberblick über die Tätigkeit im Jahre 1934 Im Auftrag des Wohlfahrtsausschusses erstattet von dessen Vorsitzenden Dr. GUSTAV FELDMANN (Stuttgart) Die Jüdische Nothilfe in Württemberg wurde im Jahre 1983 geschaffen, um die Aufgaben einer Reihe von früheren Einrichtungen zu übernehmen. Sie umfaßt die Tätigkeit des Stuttgarter Israelitischen Fürsorgeamts und des alten Israelitischen Ortsarme,. Vereins für Stuttgarter und durchreisende Arme, sowie diejenige des Landesverbands für Israelitische Wohlfahrtspflege. Sie hat damit auch die Arbeitsvermittlung, sowie die Beratung der Lehrlinge und Nmsehichtcr übernommen und nach allen Richtungen ansgeübt. Sie hat eine Tarlehnslasse eingerichtet, um den kleinen Unternehmern zu Helsen, und sie sorgt schließlich für die Auswanderer, soweit das notwendig ist. Tie Leitung der gesamten Rothitsc geschieht durch einen im Jahre 1988 vom Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs eingesetzten Hauptausschuß; die eigentliche Geschäftsführung erfolgt durch einen aus Mitgliedern des Hauptausschusses gebildeten kleineren Kreis, den Wohlfahrtsausschuß. Kein Mitglied der Ausschüsse erhält für feine Tätigkeit irgendeine 'Vergütung. Die Einnahmen erwachsen der Jüdischen Rvthilfe aus den srüber für das Stuttgarter Fürsorgeamt und den Landesverband für Israelitische Wohlfahrtspflege (LIM) gezeichneten Jahresbeiträgen, aus den erheblichen Unterstütz.ungsbeiträgen von Vereinen und Anderen, svwie aus Thora- und ähnlichen die direkt für die Nothilfe gegebenen Summen, Spenden. Die nächtigsten Einnahmen ftnb die sich aus großen und kleinen Spenden unserer Glaubensgenossen zusammen setzen. Eine zusätzliche Einnahme bildet die vom Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau angeregte Blaue - Karten - Sammlung, für welche sich im ganzen Lande Frauen aus allen jüdischen Gemeinden hilfsbereit und tatkräftig eingesetzt haben, um der Nothilfe auch kleine und kleinste Beiträge zuzuführen. An dieser Stelle soll auch ein Zuschuß erwähnt werden, mit dem viele von uns nicht gerechnet haben: Etwas über 5000 NM sind durch Rückzahlung alter Darlehen aus Gcmcinde-Unterstützungsfonds dem Hilfswerk zugut gekommen. Die zentralen Institutionen im Reich gewähren uns eine Beihilfe für Umschichter und Auswanderer. Die Fürsorgestelle in Stuttgart hat 1934 im ganzen 400 Parteien mit 912 Einzelpersonen betreut, davon waren 104 Parteien Neuzugänge. Sie erforderten 3509 Sprechstundenbesuche und 686 Hausbesuche. 1892 Briefe gingen ein. 1058 Briese wurden lediglich bei der Fürsorgcstelle ausgesandt. Einmalige Unterstützungen erhielten 96 Fälle aus Stuttgart und 41 Fälle aus dem übrigen Württemberg. Laufende Unterstützungen erhielten 138 Fälle aus Stuttgart und 83 Fälle aus dem übrigen Württemberg. Es entfallen also 234 Fälle auf Stuttgart und 124 Fälle auf das übrige Württemberg. Die 42 weiteren Fälle sind Beratungen. Besonders betrüblich ist die große Zahl der laufenden Unterstützungen deshalb, weil ein Teil dieser Fälle seit Jahren und Jahrzehnten durchgeschleppt wird. In der Hauptsache handelt cs sich dabei um alte, kranke oder sonst arbeitsunfähige Leute, für die eine Arbeitsbeschaffung nicht mehr in Frage kommt. Leider ist zu befürchten, daß die zunehmende Schwierigkeit der Arbeitsbeschaffung für Juden diese Zahl noch vergrößert, und wir würden es deshalb mit großem Dank begrüßen, wenn jüdische Arbeitgeber solchen vermindert Erwerbsfähigen eine, wenn auch nur stundenweise Beschäftigung geben können, weil auch die kleinste Arbeit die Menschen leichter über Wasser hält als die bestorganisierte Fürsorge. ■ Der Gesamtaufwa nd für diese Unterstützungen hat im Berichtsjahr etwas mehr als die Hälfte der ausgegcbenen Gelder beansprucht, % ist dem Land zugut gekommen. Eine wichtige zusätzliche Leistung bedeutet unsere Naturalsürsorge: Wir haben im Jahre 1934 für Holz und Kohlen im ganzen Land 5084 RM. ausgegebenz wir haben große Mengen von Lebensmittelpakcten verteilt, und wir konnten durch Abgabe warmer Kleid,mg und Stiefel aus unserer Kleiderkammer vielen Bedürftigen Helsen. Auch diese Gaben wurden keineswegs auf Stuttgart beschränkt; sie gingen geniessen seit 73 Jahren Weltruf Niederlagen auf allen Plötzen ins ganze Land hinaus; jeweils Zu den Feiertagen erfolgten besondere Zuwendungen. Wanderfürsorge. Bei unserer Wanderfürsorge in Stuttgart haben 182 Wanderer, 108 deutscl)e und 74 ausländische, vorgesprochen; M6£ wurden unterstützt. (Noch im Jahre 1983 waren es 542 Durchwanderer, von denen 474 unterstützt wurden.) lieber *A der aufgewandten Kosten wurde von der Neichszentrale znrückerstattet. Arbeitsvermittlung. Bei der. Stuttgarter Arbeitsvermittlung des LJW haben 19:34 366 Arbeit nehmer Vorgesprächen, davon miinnUche weibliche Kanflcutc ....... 92 73 - selbständige Handwerker. .5 — gelernte Arbeiter ... « 22 j 1r ungelernte Arbeiter ... 10 / 10 hauswirtschaftliche Arbeiter — 88 freie Berufe.... . . 19_41 Im ganzen 348 218 Offene Stellen waren von Arbeitgebern insgesamt gemeldet: 375, vermittelt werden konnten 74 männliche und 117 weibliche. zusammen 191. Die Zahlen beziehen sich sowohl aus Taucrstcllen wie auf Aushilfsarbeiter. Wir brauchen nicht zu betonen, von welch außerordentlicher Wichtigkeit die jüdische Stellenvermittlung für die jüdische Bevölkerung ist. Wir richten an alle jüdischen Arbeitgeber' die ebenso herzliche als dringende Bitte, uns offene Stellen zu melden und immer wieder zu melden. Wenn wir auch manchmal nicht in der Lage sind, ihnen geeignete Kräfte nachzuweisen. und wenn die Inanspruchnahme. unserer Vermittlung dem Arbcitgever gelegentlich einmal nicht die schnelle Erledigung bringt, die er gerade wünscht, so möge er bedenken, daß wir natürlich nicht über eine so reiche Auswahl an Stellensuchcnden verfügen. wie die großen allgemeinen Arbeitsämter, daß er aber dem indischen Arbeitnehmer, der oftmals daran verzweifelt, seinen Lebensunterhalt zu finden, einen unschätzbaren Dienst erweist, wenn er ihm Arbeit gibt. Berufsberatung. Unsere Berufsberatung hat 211 Umschichter regelmäßig betreut, und außerdem 283 weitere Personen, zusammen also 444 Personen, beraten, wovon mehr als die Hälfte Fälle aus dem Land betreffen; der Aufwand hierfür hat 14 700 RM. betragen. Die meisten Stellen standen uns für Gärtner und Landwirte zur Verfügung, hier haben wir in erheblichem Maß auch Nichtwürttemberger untergebracht. Die Möglichkeit bei den Landwirten konnte nicht voll ausgeschöpft werden, weil Einzelstellen von den jungen Leuten sehr ungern angenommen werden. Die Erfahrungen mit den Umschichtern waren nicht schlecht, nur ein ganz verschwindend geringer Bruchteil sprang während der Ausbildung ab. Dagegen haben wir den Eindruck gewonnen, daß die bisher zugestandene Ausbildungszeit von 1 Jahr für Landwirte und Gärtner und von VA bis Jahren für Handwerker nicht ausreicht. Wir legen es allen Eltern und sonstigen Erziehungsberechtigten dringend ans Herz, einer ungenügenden Ausbildung Widerstand zu leisten. Die Jüdische Not Hilfe in Württemberg wird in Zukunft A-u 8 w a n d e r e r n o h n e genügende Ausbildung - für einen B e r u f j e d e U n t e r st ü tz u n g v e r f a g e n. Besonders warnen wollen wir auch vor der zu weit gehenden Spezialisierung. Ob jemand, der nur aus einem kleinen Teilgebiet. wenn auch noch so gut bewandert ist, in Uebersee dauernd Pein Auskommen findet, ist mehr als fraglich. Er möge daran denken, daß Spezialarbeiter im allgemeinen nur in den Spezialfabriken leicht Unterkommen, daß aber ein Mann, der die Grundlage des Handwerks gut versteht, viel mehr Gelegenheit hat, irgendeine Arbeitsstelle zu finden. Eine Torheit ist es, wenn jüdische Jungen und Mädel -die kaufmännische Lehre auch dann ablchnen, wenn ihnen die Kraft zur körperlichen Arbeit fehlt. In Deutschland wird voraussichtlich auch in -Zukunft der jüdische Kaufmann am ehesten sein Brot finden, wer ins Ausland will, möge die Handarbeit im Beruf bevorzugen. Lehrlingsheime. In unserem Lehrlingsheim in Stuttgart waren 31 Personen.mit 1684 Verpflegungstagen: in Lehrensteinsseld waren 13 Personen mit 1669 Vcrpslegungstagen, in beiden Heimen' waren 44 Personen mit 6353 Verpslegungstagen untergebracht. Die Leitung beider. Lehrlingsheime, wird. im Auftrag des Wohlfahrtsausschusses durch eine von unseren langjährig erprobten. Sozial- Pflegerinnen ausgeübt. ‘ Das Lehrlingsheim 'Stuttgart wurde am 1. März 1934 mit 5 Insassen eröffnet, war. bald voll besetzt, und hielt sich fast das ganze Jahr-hindurch^ ans der Höchftbetegnngszahl von 16 Insassen. Mit einer einzigen Ausnahme waren es Umschichter im Atter von 20 bis 35 Jahren, .dementsprechend war auch der Betrieb auf erwachsene Menschen zugcschnitten. Das Lehrling sheim Lehrenfteinsfeld verdankt sein Dasein der Freigebigkeit der Herren Thalheimer in Ludwigshafen-Hannover, welche ein schönes Haus mit Nebonräumen und einem kleinen Hautzgarten vollständia kostenlos für Zwecke der Umschichtung zur Verfügung stellten. Ter Betrieb wurde am 15. Juni 1984 mit vier Insassen eröffnet, deren Zahl sehr bald auf zehn stieg. Das Haus wurde für 15 Leute bequem reichen, doch ist es aus örtlichen Gründen ungemein schwer, unserejungen Leute bei Bauern unterzubringen. Der Haushalt, den zwei Mädchen versehen, wird selbst- . verständlich auch hier koscher geführt. Alle Insassen sind vom Eingang bis Ausgang des . Sabbats arbeitsfrei. Ter Gemeinde Lehrer,- steinsfcld kommt cs besonders zustatten, daß durch die Errichtung des Lehrlingsheims wieder die Möglichkeit eines regelmäßigen Gottesdienstes geschaffen wurde. Unsere Lehrlingsheimc dienen nicht ausschließlich, aber ' vorwiegend der Unterbringung solcher'jungen-Leute, die sich für die .Auswanderung, m der Hauptsache nach Ere; Israel vorbereitcn, also dort ihre Hachscharah durchmachen. Es wird deshalb auch von unserer Seite.dafür gesorgt, daß die Umschichter Gelegenheit haben, hebräisch zu lernen und sich in den Gedankenkreis des künftigen Ehaluz einzuarbeiten. Wir wollen aber nachdrücklich betonen, daß die landwirtschaftliche, Hauswirtschaftliche und handwerkliche Ausbildung allem anderen vorangehen muß, weil mau die fehlende sprachliche und ideologische Ausbildung nachholen kann, an einer mangelhaften Berufsausbildung aber sein ganzes Leben lang schwer zu leiden' hat. Wir müssen deshalb für alle diejenigen, welche in unseren Lehrlingsheimen ihre Ausbildung durchmacheu wollen, die strikte Forderung aufstellen, daß sie ihre Lchrlings.zcit bis aus den letzten Tag durchhalten, und daß sie die Lehrstelle, die wir mit großer Mühe für sic ausfindig machen, nur daun verlassen, ivcun ein zwingender sachlicher Grund vorlicgt. Wünsche der Bünde, den einen oder anderen Lehrling deshalb von seiner Stelle-wegzunehmen, weil man ihn für besonders geeignet hält, andere Umschichtcr in Fragen der Lebensauffassung zu unterrichten, sind ja vom Gesichtspunkt der Parteien aus begreiflich; wir können dieses Verfahren jedoch nicht billigen. W e r i n se i n e m e i g e - item Beruf keine gründliche Ausb i l d u n g g e n o s s e n h a t, w i r d a u s d i e ■ Dauer niemals ein Führer für andere sein können. Wer kommandieren will, mutz zuerst gelernt haben zu gehorchen — das ist eine alte Erfahrung. Sehr erfreulich ist es für uns. an dieser Stelle sagen zu können, daß die Lehrherren mit den jüdischen Lehrlingen und Landarbeitern in der großen Mehrzahl aller Fälle zufrieden sind und dies uns oft ungefragt zum Ausdruck bringen. Die Haushaltungsschule. Die jüdische Haushaltungsschnle m Stuttgart ist eine Gründung des Jüdischen Frauenvereins Stuttgart. Sie hatte ihren Sitz bisher zusammen mit dem Stuttgarter Jugendheim in einer Mietwohnung in der Schloßstraße. Die gesamten Einrichtungskosten wurden ohne Inanspruchnahme der Nothilfegelder von einer' Stiftung getragen: Die Haushaltungsschule hat im Jahre 1984 in zwei Kursen von je sechs Monaten 30 Schülerinnen verpflegt und ausgebildet. Sie hatte 6216 RM. Schulgeldein. nahmen und hat damit und mit Hilfe eines Betriebszuschusses der Nothilfe von 3000 RM. alle Ausgaben, für Beköstigung und Betrieb geleistet. Die Ausbildung war vor allem aus das Praktische abgestellt. Die Mädchen sollten für den Haushalt in Deutschland m,d in Palästina tauglich gemacht werden. Die Kurse werden vom Palästina-Amt als Hachscharah anerkannt. Die Nachfrage nach ausgebildeten Schülerinnen ist sehr groß, dagegen läßt die Anmeldung neuer Schülerinnen für das kommende Jahr zu wünschen übrig. Es ist eigentlich nicht recht verständlich, daß eine gute und verhältnismäßig billige Ausbildungsmöglich, feit von den jüdischen Familien in Württemberg nicht in viel höherem Maß benutzt wird. Die Eltern müssen sich doch darüber klar sein, daß ihre Töchter in Zukunft viel mehr als bisher darauf angewiesen sein werden, den Haushalt mit .eigenen Händen zu schassen, und daß cs für einen großen Teil der jungen Mädchen' keine andere Ausbildungsmöglichkeit gibt, die,ihnen einen dauernden Broten w e rb so sicher garantiert wie die Schnlung im Haushalt. Auswanderung. Im Berichtsjahr haben wir insgesamt 32 Parteien die Auswanderung ermöglicht. Die Mehrzahl derselben ging nach Erez Israel, einige nach Südamerika und den Vereinigten Staaten. Die eigentliche Beratung der Auswanderer liegt natürlich bei den behördlich genehmigten Auswandererstellen des Palästina - Amts und des Hilfsvereins der deutschen Juden. Unsere Aufgabe ist die Ausbildung der jugendlichen Auswanderer-zu einem Beruf, der sie ernähren kann, die Beratung und Hilfe fürs.die Umschichter mW vor allem die Aufbringung, der Mittel, welche die - Auswanderer selbst nicht beschaffen können, K h. vor allem die Kosten der Reise-und die r-- i [ ' jfe ' \i ■ o; 0! jV. M Ö K<«). ■ ioiüjJöiU.-' Frachtkosten für den unentbehrlichsten Hausrat. Hierin unterstützen uns die zentralen Stellen'in Berlin mit Geldern, welche ihnen der Joint zur Verfügung stellt. Ganz besonders erfreuliche Arbeit hat uns das Berichtsjahr mit der Hilfe. für die Amerika-Kinder gebracht. Die Gern™n Jewish ChiJdreu’s Aid in den Vereinigten Staaten sorgt dafür, daß jüdische Kinder in Deutschland, deren Eltern nicht mehr für sie sorgenkönnen, in jüdischen Familien der Vereinigten Staaten Ausnahme finden und unentgeltlich erzogen werden. Alle solche Kinder nun, welche aus Süddeutschland oder Westdeutschland nach Amerika wollen, müssen sich zuerst in Stuttgart beim amerikanischen Konsulat vvrsteUcn. Der Hilfsvorein der deutschen Juden in Berlin führt die Verhandlungen mit der G. J.E.A., besorgt die Beschaffung der Papiere und sendet uns die gesamten Unterlagen. Ans diese Weise haben nur im Anstrag des Hilfsvereins im vergangenen Jahr 52 Kinder in einer besonders schwierigen Lage betreut und einer Anzahl von Eltern die Reise nach Stuttgart erspart, für die schon die Trennung von ihren Kindern so viel Bitteres mit sich bringt, um so mehr Bitteres, wenn es sich, wie in einer Anzahl von Fällen, um die Witwen von Frontkämpfern handelt. Außer den Amerika-Kindern haben wir auch 15 erwachsenen Amerika-Wanderern aus Süd- und Westdeutschland bei ihrem Aufenthalt in Stuttgart behilflich sein können. Die Darlchnskasse. Die Darlehnslasse der Jüdischen Nothilse in Württemberg bezieht ihre Mittel zu gleichen Teilen von der Zentralstelle für jüdische Darlehenskassen in Berlin und aus den Zuweisungen einer jüdischen Stiftung. Die Berliner Mittel. müssen der Berliner Darlehenskasse verzinst werden: die württembergischen Mittel sind als unverzinsliches Darlehen gewährt. Tie Verausgabung der einzelnen Beträge muß nach kaufmännischen Gesichtspunkten geschehen. Jedes Gesuch wird zunächst von einem hierfür angestelltcn Verwalter der Darlehenskasse eingehend geprüft, die Entscheidung darüber erfolgt in einer Sitzung des Wohlfahrtsausschusses. Im Jahre 1934 sind insgesamt 96 Gesuche eingegangen: gewährt wurden 36 Darlehen von zusammen 18 134 RM. 17 Darlehen waren. Beträge bis zu 300 RM, 12 beliefen sich auf-' Summen von SOU bis 600 RM, und 7 Darlehen machten 1000 MM oder etwas mehr ans. Zurückgczahlt wurden im Berichtsjahr 6887 RM. Von den Darlehensnehmern waren 29 Kausleute. 5 Handwerker und 2 Angehörige freier Berufe. Daß so viele Gesuche abgelehnt werden mußten, kommt daher, daß die notwendigen Voraussetzungen fehlten. We, t die verhältnismäßig kleinen Mittel einer solchen Kasse möglichst vielen Menschen zugute kommen sollen, so muß daran sestgchatten werden, daß nur solche Personen ein Darlehen erhalten, deren Kreditwürdigkeit einer fachmännischen Prüfung standhält, und die eine gewisse Sicherheit leisten können. In allen Fällen wurden die Darlehen zur Erhaltung einer bestehenden oder Gründung einer neuen Existenz gegeben. Die Tilgung erfolgte in der Mehrzahl aller Fälle zufriedenstellend und pünktlich zu den vereinbarten Terminen. Es ist im Vorstehenden versucht worden, . eine Uebersicht darüber zu geben, was im Verlaus eines Jahres in einem der kleineren deutschen Länder mit einer Seelenzahl von nicht ganz lOOOU Juden für die Hilfsbedürftigen unter uns geleistet werden konnte. Selbstverständlich kann man eine derartig umfassende Arbeit nicht aus dem Boden stampfen. Sie ist nur dadurch ermöglicht worden, daß wir die zum Teil seit Jahr-, zehnten bestehenden und bewährten alten Einrichtungen übernommen und in eine Gesamtorganisation verschmolzen haben. Und sie konnte, was besonders betont werden soll, auch nur deshalb in dem geschilderten Ausmaß durchgesührt werden, weil neben den vielen ehrenamtlichen Kräften eine kleine Anzahl bewährter und überaus pslichtgetreuer Beamter die Arbeit ausgeführt hat. Ein Erfolg in der Fürsorge ist nur dann möglich, wenn die damit betrauten Personen ihr Amt nicht bloß als eine Tienstausgabe, sondern als eine Herzensangelegenheit ansehen. der man sich mit Eifer und Hingebung widmet. Ten freundlichen Spendern aber sei außer unserem herzlichen Dank zum Schluß noch ein . besonders schönes Wort aus dem talmudischen Schrifttum (Midrasch Wajjikra rabba) gesagt: D e r A r m e s i tz t n n d m u r r t g e g e n Gott: Warum führen dieanderen ein Wohlleben, während ich darben muß? Wer daher den Armen unterstützt, stellt den Frieden zwischen Gott und den Me.nschon Ein um interessante Einzelheiten erweiterter Sonderdruck dieses Aussatzes steht unseren Lesern auf Wunsch zur Verfügung.

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