Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 9 (28.2.1935)
- Date
- 1935-02-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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FrftiQf 8 "■ «ii-vL U^Ul» üüb«‘4v3 iU Ja ka:iiiiM*tiäsl»ä#i I ranUflirr n. M. LicWrauonbrrs 31*. I. Stock — Gegr. 1837 Engl. Esnsä Bcatssfrs Bcrrcne-tsßc um sie lieben zu können. Aber Maimonides sah wie alle mittelalterlichen Fvrtsetzer des Aristoteles das V>rmMn überhol) t vom Den len. Diese Haltung scheint: entfernt vom lnblisch-rabbinischen Judentum, das eine „kontemplativ^ theoretische Seelenversassung" kaum kannte. >-o hat Maimonides die beiden Seiten des Judentum, den Nationalismus des Gesetzes und den Iluiversalismus der Philosophie, in nlnrljcit gesehen. Die Einheit beider hat er nieh! erreicht, aber angestrebl. Das Judentum wird m der Zukunft diesen Dualismus des jüdischen <-ems zur Synthese und zur Einheit bringen müssen, u"d es luird sich deshalb mit dein großartigen Losnngsversnch des Mainivnides unter immer neuen 'Upetten zu beschäftigen haben. K. J. R. iieentHs l;oÄL an& KZrgrn ,'mi Nainneu der K i,11, nb > i n dv e rrn i sta I i > i n ge n dieses Winters sprach in, München Dr. J-riedrich Vrodnitz über das Dhema „Deutsches Indentum heute und morgen" mit vorbildlicher Sachlichleit. Er enirollte ein Bild der gesamten Arbeit der verschiedenen im Wal),mm de-.> Zenlralmisschnsses drr deutschen Juden für Hilfe und Ausbau zulamiueuardeiteudeu Drgauisationen. Was das Geviet der Sozialarbeit, der Waudernugshilse und der 'Serufsberatungstätigteit betrifft, so müßten .ideoti'gieu ziiruelgesteltt werden. Weder aus dem Hierbleiben noch aus dem Fortgehen dürfe irgend temaud oder irgend eine N'ichtung einen moralischien Vorzug sür sich oder eine Minderbewertnug für andere abteiten; ebenso seien auf dem Gebiet der Umschichtung in landioirtschaftliche und Handwerkliiche Berufe wie der Frage der R'achnmchsveseligfsnug sür kausmäuuische Stellen nur Wirtichasttiche Gesieütsyimtte maßgebend. Tie jüdische Schule sei kein Notdach, sondern sie biete die einzige Möglichkeit, den jüngeren Generationen jene L'erbundenheit mit jüdijichem Wissen und jüdischem Neben zu vermitteln, die es ihnen ermöglicht, als innerlich gerade Niense!)en diese Zeiten zu überstehen. Wenn wir uns. ohne aus vergiftende Schlagworte zu lumm, in der Arbeit zusammeniaudeu, loäre der Bestand des deutschen .Judentums von morgen gesichert. . Ga. 'jU? v» v kV•’v,3;s,v «4 <.ViCviUi* Das B r c s l a it c r I n d i s ch - T h e o l o» g i s eh e, Seminar veranstaltete am 21. Februar iu. der überssuiten Serninarshnagoge eine Eiedenkfeier Zum (G. Todestag von Zacharias Frankel und zum sag. Geburtstag von Nlvses ben Mairnon. Die Gedenkrede hielt Seminar-Nab- Inner- Dozent Dr. R a b i n. Er charakterisierte Zacharias Frankel. den ideellen Begründer und ersten Direktor des Breslauer Seminars als den Schvpser der Grundlagen sür das geistige Wirken des deutschen Zudenlums. würdigte die rcligivnsgesetzliche und geistesgeieljiehtliche Bedeutung des Maiiuonides und jlizzierie Frankels Steilungnahme gl einzelnen Teilen von Maimonides' ßberk. Beide, so selüos; der Referent, seien eigenwillige Persönlichkeiten gewesen, die nur verltänbliaj würden, unmn eine Gemeinschaft vorhanden sei. die sich lebendig wirkend zu ihnen bekenne. Deshalb erhielten beide Männer für unsere Zeit erhöhte Bedeutung. Die eindrucksvolle Feier wurde durch musikalische Darbietungen eines Streichquartetts künstlerisch umrahmt. Sclrvv. ac0 TT T. VG>‘ TTP) e> 77 Men-SMmt Auf einer Bezirksversammlung in Bebra am Z 24. Februar hielt Studienrätln Nosi Stern einen - Lichtbildervortrag über „llr. die Heimat.Abrahams". Die stark besuchte Versammlung war ein besonderes Ereignis. Sie bewies, was Dr. Wols-' gang S. lajii)orf einleitend betonte."daß gerade das Bemühen um die kulturelle Betreuung ' der Landgemeinden durch den E.-D. Verständnis und Widerhall in den Kreisen unserer Freunde Si'wMiütss Vor einer gut besuchten Versammlung jüdischer Angestellter sprach Assessor Selo (Köln) am 3 7. Februar in der Nhetnlandloge über die recht-' liche und wirtschaftliche Lage der jüdischen Angestellten. KolLSMrrüWM In der Frauen gruppe Hamburg beendete Studienrätrn i. R. Gertrud B e n d i x ihre Vortragsreihe „Jüdische Typen im deutschen Schrifttum". In lebendiger Darstellung führte die Referentin ihre Hörer durch die Jahrhunderte und zeigte die jüdischen Typen, w'ie sie sich in den Werken der verschiedensten Dichter und Schriststellcr darstellen. — Aus einer Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Rostock am 20. Februar erstattete Tr. Werner Gru ns selb-den Tätigkeitsbericht für 3904. — Dem Gedanken der Freundschaft. Geselligkeit und Unterhaltung war ein Rezitationsabend von Irmgard Strauß am 23. Februar im Dentsch.jüdischen Kreis des E.-V. gewidmet. Am 24. Februar sprach Dr. Berthold Wein» berg. der sich seit Mitte Februar auf einer Organisation?', und Beratungsreise durch Ostsriesland befindet, iu Emden in einer sehr stark besuchten Gemeindeversammlung. Er gab ein Bild von der Arbeit des Eentral-Dereins, die fiefj in gleichem Maße ans die wirtschaftliche Existenz, sichernng des deutschen Judentums wie auf die Festigung der seelischen Haltung erstreckt. Seine Darlegungen fanden starke Zustimmung. Vorher hatte Dr. Weinberg in Wesermünde, Esenz und Jever in gut besuchten Gemeindeversammlungen gesprochen. Rheinland-WellM» In vier Versammlungen sprach Rabbiner Dr. Manfred Swarsensky (Berlin) und zwar in Dortmund, Duisburg-Hamborn, Esten und Krefeld. Er zeigte vor der überall sehr zahlreich erschienenen Zuhörerschaft den Sinn _ der Diaspora auf und wies auf die schöpferischen Leistungen gerade auch jüdischer Prägung des deutschen Judentums hin. Dr. Alfred H i r s ch b e r g (Berlin) sprach am 24. und 25. Februar in Hagen und Wuppertal über den „Neuaufbau des deutschen Judentums". Er zeigte Baugrund. Bauelemente und Ban-, gesinnung auf. die der Erneuerung des deutschen Judentums zugrunde liegen müssen. Dr. Kurt Steinberg (Essen) sprach in Witten, Wesel, Wanne/Eickel, Vueren. Emmerich in gut besuchten Gemeindeversammlungen übeiü „Deutsches Judentum — unser Schicksal als Aufgabe". Die Reihe der Bezirksverfammlnngen in Kleingemeinden wurde abgeschlossen. Dr. Ernst Plaut sprach in Lippstädt, Iserlohn, Neheim» Husten, Tr. St e i n b e r g in Warburg. * Landesverband Nordweftdeutschkand . Dc. Dcrlhold Weinberg (Berlin) spricht Uber „Der Weg des deutschen Judentums": 3. März: LeerjOstfr. und 10. Mörz: Lurich/Oftfr. Aus den Familien Wann und wo finden Sa© Rat? Unksrliein K»ln 'Aerrippinnhaus, Breite Strasse fß—PS.' III, Zimmer 76—78, Montag bis Freitag 30—13 Uhr.- Aachen im Büro des 1. Vorsitzenden, Wilhelmstr. 25, , 16-18'/, Uhr, am 12. und 26. März. Koblenz in der Wohnung von Paul Hirsch. Kaiser-Wilhelm-Ring 37 I. IS*/«—18V* Uhr, am 5. und 10. März. Trier im Büro von - Rechtsanwalt Pr. Voremberg, Adolf-Hitler-- Strasse 0, IN/,—13'/, Uhr, am. 6. und 20. März. Landesverband Juristisch-wirt¬ Xordwestschaftliche Sprechdentschland stunde des C.-V. Dr. Berthold Weinberg (Berlin) erteilt Auskunft in: LccrlOstfr. am 4. und 5. März, 14—16 Uhr; -''t, Binden am 6. und 7. März, 34-16 Uhr: Norden/Ostfr, am 8. März, 31—16 Uhr; Aurleli/Oslfr. am 11. März, 14-16 Uhr. Die Auskunftsstcllen teilt mit in Ijeer: N. Weinberg, Adolf-PIitler-Stras.se 65; in Emden: Hermann Seli^mann, Am Delft 35; in Norden; N. Weinberg, Grossneustr.; in AuiiCb: A. W. Wolffs, Wallstr. 14. Frau Beate Marcus geb. Russo (Berlin-Eharkottenburg) beging am 26. Februar ihren 70. Geburtstag. — Frau Frauzi»ka Richter geb. Richter (Berlin) feiert am 28. Februar ihren 80. Geburtstag. — Iwan P l e ß n e r und Frau geb. Leister (Berlin- Schäneberg) feiern am 1. SRärz ihre goldene Hochzeit. — Hugo Oppenheimer (.Eoesseld), Borbeter der Gemeinde, starb am 17. Februar. — JuliuS D v b r i n (Freienwaldc. Pom.) feiert am 5. März seinen 80. Geburtstag. Ein Veteran von 1870/7! gestorben. Josef Finkelftcin,- einer der UMjtcn sächsischen Offiziere aus dem Kriege 3870/71, ist in Leipzig im 89. Lebensjahr' gestorben. Der Kaufmann Moritz Badt (Schvnlanke) wird am 23. Februar 75 Jahre alt. Gemeinsam mit dem verstorbenen Rabbiner Dr. Bambcrger hat Rlorih Badt im Jahre 1900 die Ortsgruppe Schönlanke des E.--V. gegründet rmd sie bis 3934 geleitet. Badt hat sich auch an anderer Stelle große Verdienste erworben, Drei Jahre hindurch war er erster Borsicher, ' sechs Jahre Rcpräsenkankenvorstchcr der Schvnlankcr Gemeinde. Länger als 25 Jahre bekleidete er das Amt eines Stadtverordneten in Schvnlankc, weiter war er Alitbegründer vieler Vereine, wie der. freiwilligen Feuerwehr, de? Vereins für Kunst und Wissenschaft und dc2 kaufmännischen Verein?. Jakob Hülsen, der Vorsitzende unserer Ortsgruppe B r i e g, verstarb am 20. Februar, wenige Wochen nach seinem 70. Geburtstag, zu dem wir ihm noch herzlichit gratulieren konnten. Jakob Hülfen war feit Gründung der Ortsgruppe Brieg im Vorstand: seit vorigem Jahr war er ihr Vorsitzender. Drei Jahrzehnte hindurch hat er uneigennützig für die Interessen der deutschen Inden gewirkt und in selbstloser Weise immer dort gestanden, wo man ihn sür eine schwierige Aufgabe gebraucht hat. Ter E.-V. verliert in ihm einen tatkräftigen Mitarbeiter. Dr. Br. fr* f\ p? tTZ. März 1935 Adar Rischorr 5695 2. Sonnabend 27. Wochenabschnitt:Wajjakhcl 2. 2. 7.1. 35—38,20 Abschnitt Schekolim 23. Iu. 30,11-16 - -■ Haftara 2 Kön. 12,1-7 Neumondsweihe 4. Montag 5. Dienstag 6. Mittwoch 9. Sonnabend 29. Jaum Kippur Kolon 30. 1. Tag Rausch Chaudesch Adar Scheni 5695 •1 2. Tag Rausch Chaudesch 4. Wochenabschnitt: Pekuae 2. B. M. 38,21—40.2« Ilaftara 1 Kön. 7,40—50 16. Sonnabend 11 Wochenabschnitt: Wajjikro 3. B. M. 1—5 Abschnitt Sochaur 5. B. M. 25,17-19 Haftara 1 Sam. 15,2—84 18. Montas 13. Dienstag 20. Mittwoch 23. Sonnabend 13. Fasten Esther 14. Purim 15. Schuschan Purim 18.- Wochenabschnitt: Zaw 3.' B. öl. 6-8 Abschnitt Proroh 4.3. M. 13 Hattara Ez. 36,iß—38 30. Sonnabend 25. Wochenabschnitt: Schmir.i 3. B. M. 9—11 Abschnitt Hachaudesch 2. B. M. 12,1—20 ■ Haftara Ez. 45,is—4,619 Neumondsweihe MM Fumkenslsit! (Giien) seMdM Tie Ortsgruppe Essen hat einen ihrer treuesten- Mitarbeiter im Vorstand, M 0 r i tz Frankenst ein, verloren, der am 10. Februar dieses Jahres, wenige Tage vor der Vollendung seines 75.'Lebensjahres, dahingegangen ist. O.ifit jugendlichem Feuer und in nnentwebtem geistigen Streben hat unser Freund bis in seine letzten Tage in vorbildlicher Weise an unserer Arbeit tätigen Anteil genommen. Seine menschlich so shmpatische und tapfere Art in ihrer besonders originellen Prägung hatte dazu geführt, daß „Oiilel Moritz" in der ganzen Gemeinde eine seltene Beliebtheit und Popularität genoß. Aigemein ist deshalb die Teilnahme an dem Verlust des alten Kämpen, wie dies auch in der großl'U Teilnahme von Männern und Frauen zum Ausdruck kam, die am vergangenen Freitag der Tranerfeier auf dem alten Essener Friedhof HF-» wohnten, und denen Rabbiner Dr. Hahn aus dem Herzen sprach, als er mit innigen Worten des Abschieds die Persönlichkeit und den Lebensweg des außergewöhnlichen Blanues leunzeichnete. —■ Der Raine Moritz Frankenstein wird in unserm ilieihen noch lange in ehrendem Gedenken genannt werden. David Krombach, Essen. Professor Tr. Ernst Lohn, der seit 1033 int Ruhestand befindliche Ordinarius sür Zivilreiht an der Universität Breslau, hielt am 14. Februar auf Einladung des Eambridge Law Eluo in Cambridge einen Vortrag über ein rechtsvcrgletchendes Thema. Professor Cohn ist stit 3H Jahren in London tätig. Palästina-Reise. Zu den gleichen Bedingungen wie die Mitglieder der B.-B.-Logen uno tc3 Jüdischen Frauenbundes können auch Mitgliet>er des E.-B. an einer für die Zeit vom 6. April k-is zum 6. Mar geplanten Palästina-Reise teilnehmkn. Auskunft durch die Hauvtgeschästsstelle des Palestine» Orient-Lloyd, Berlin, Friedrichstraße 10. Podium wiederzugeben weiß, wurde die Ausführung ein großer Erfolg. Auch alle übrigen Rollen waren'in guten Händen, selbst der kurze Ruf der Rluezzin erklang in feinsten Abstnsiingen, und am .nlavier verwaltete fürsorglich und mit der nvitvendigen technisch gesicherten Vehemenz 4'aul L i eh t e n st e i 11 die Orchesterpartie. Ver der wünsecheuswerien Wiederholuug, die auch durchaus 'einen größeren Rahmen vertragen würde, könnte eine leichte Auflockerung von schönem Nutzen sein, die Auspizien für diese Kammeroper sind außerordentlich günstig, zumal beispielsiveise bei Dittersdorf oder dem frühen Blozerrt viel Reichtum zu enthüllen wäre. Kai. Briese von einer erstaunlichen Lebendigkeit schrieb ein Siebzehnjähriger aus Palästina in die alte Heimat. Sie wurden einem größeren Publikum ans einer Hansveraustaltimg der Künstlerllilfe der Jüdischen Gemeinde im Hanse Leo S i n a s 0 h n durch Johanna Rl. eher vermittelt. Daß der junge Svl,n des Hauses die Problematik deutsch-jüdischer Mensciien aus palästinensischem Boden, die Dr. Manfred S w a r s e n s t y in einleitenden Worten für die gesamte Judeuheit um« riß, empfindet, macht seine Schilderung nur um so wertvoller. Rlancher Hörer wird zum ersten Male einen Begrist von jenem Lande erhalten haben, in dem ein ^.eil unserer Jugend seine Zufunft suchen muß und finden soll. Gesänge von Aimi Brix und Siegbert Steinselch, der mit schöner Stimme Lieder Gerhard Goldschlags zum Vortrag brachte, umrahmten den Abend. Dr. Ludwig Misch am Flügel, Egon Jacobsost n, als Leiter der Veranstaltung, unterstützten die Gastgeber bei ihrem wohltätigen Werk, dem dank des .zahlreichen Besuches der materielle Erfolg wohl nicht vorsagt blieb.- Or. Ein Konzert des' a-eapolla-Ehors von "llexauder W e i n b a u m war fast ausschließlich dem' deutscheii Volkslied Vorbehalten. Weinbaum leitet seine Sängerschar mit einer klaren, scharfen Zeichengebung, die fern von jeder überilnsügen, äußerlichen Geste seine Intentionen dem Ehor ztvingend und eindeutig vermittelt. Reinheit und Tonhöhe blieb bei fast allen Stücken gewahrt, und Weinbaums sensibles Musikempfinden gibt den im romantischen Sinnend, jektiv 'zu' deutenden Liedsätzen die reiche Skala verschiedenartigsten Ausdrucks, der auch das Launige und Burleske mehrfach überzeugend zu treffen wußte. Reben den wunderschönen Volks» liedbearbeitungen von Siegfried Ochs gab es u. a. auch einiges aus alter Madrigalzeit. Für die gebotene Abwechslung im Klanglichen sorgten Eollovortröge Gadsried Z e e l a n d 0 r?, der — von Weinbaum begleitet — Stücken von Frescobaldi und Breval eine im Ton nicht durchweg geglückte, in der technischen Bravour sehr beachtenswerte Interpretation zuteil werden lassen. E. A. Es ist eine alte Erfahrung, das; Dichter mir in den seltensten Fällen gute Interpreten ihrer eigenen Werke sind: als habe das volle, von einer Empfindung übervolle Herz, das nach Goethes Wort den Dichter macht, sich bereits erschöpft, bevor es sich noch anderen mitteilen konnte. Diese Erfahrung wurde durch ein Terzett von Dichtern bestätigt die im Berliner Kulturbund vor einem, zahlreichen Publikum Selbstgeschassenes zu^Gehör brachten. Bon ihnen traf Manfred Sturmann, ein Münchener von stärkster Begabung und besonderer Kraft der Einfühlung in die „Wunder der Erde" und die Heiligkeit biblischer Rhsthen, mit einem einfachen, schlichten Pathos den Ton seiner gestrafften und beschivingten Lyrik verhältnismäßig noch am besten — wenn auch das Hymnische, zu dem sich, nach eigenem lyrisch-programmatischen Bekenntnis, sein Lied ansschwingen soll, an den Grenzen seiner Sprechkunst scheitern mußte. Auch Max Zodykow, den ein grausames Schicksal mit Blindheit geschlagen hat, vermochte die Fülle der inneren Gesichte, in denen sich eine weite und reiche „Landschaft der Seele" widerspiegelt, die ans dem Dunkel ins Helle dringenden Stimmen eines unverzagten, tief gläubigen Rrenschenherzens in einer rührend-naiven. deklamatorischen Wiedergäbe nicht zu bändigen. Am stärksten machte sich jedoch die Gegensätzlichkeit von Dichtung und Reproduktion bei dem dritten der Dichter, die ' an diesem Abend zu Worte kamen, bemerkbar: bei dem den Lesern der E.-V.-Zeitung bestens bekannten Arthur S r l b e r g l e i t. Auf seiner Harfe sind viele Töne, der Ton des Volksliedersängers und des Propheten, der Ton religiöser Inbrunst und psalmodierender Mächtigkeit; auf seiner Palette sind viele Farben, in denen e8 oft glänzt und leuchtet wie von fchtverem Brokat — teiber ist es dem Dichtermenschen Silbergleit ver- ' sagt, diese rauschende Sinfonie von Klängen und Bildern im gesprochenen Wort selbständig zu entzaubern. So kam es, daß feine Vers- und Prosadichtungen (von denen ein tzaar alttestamen» . Legenden in ihrer aparten religiösen Symbolik aufhorchen ließen) unverdienterweise um ihre beste Wirkung gebracht wurden. Im Rahmen einer Sonderveranstaktnng der jüdischen K ü n st l e r h i l s e gab Meinhart Maur einen ..?lbend der Phantastik und des Humors". Die Kunst des Vortragenden ist in diesen Blättern bereits früher als eine sessellose Wortdynamik gewertet worden, als pathetisch gesteigerte Rede, deren Krästestrom dann besonders anschwillt, wenn er religiös-biblischen Quellen entspringt. Meinhart Ataur hatte diesmal feinem Programm loeitere Grenzen gesteckt: er ließ ans einer bunten Dichterreihe ausschließlich weltliche Namen wie Heinrich Heine, E. T. A. Hoffmann, E. A. Poe, Frank Wedekind. Mark Twain, Wil- Helm Busch, Scholem Alejchem u. a. hervortreten. und somit war Anlaß zu unterschiedlichen Wirkmigeu gegeben, zu einem feineren Abwägen von Ton, Farbe und Physiognomie des Gebotenen. Dem phantastischen Teil des Programms war in dieser Hinsicht sci)werer beizukommen als dem humoristischen: so blieb Heines spnkhast-mitternächtlicher Geisterchvr aus dem achten Traumbild zu körperlich, zu unvisionär, in seiner grellen Pvlyphonie nicht gestuft genug, und auf E. T. A. Hoffmanns exzentrisches Nachtstück „Der Sandmann" sielen mcht die gespenstisch-dämonischen Schatten, die diese Szene ganz aus dem hellen Wirklichkeitsbereich des Tages herausheben. Stärkere Nuancierung und auch eine heitere, unbeschwerte Sinngebung erfuhren Büschs kleine. Nachdenklichkeiten, Mark Twains bekannte Knipserhumoreske sowie vor allem Scholem Alejchems zwar etwas langatmige, doch lustig bewegte.Erzählung vom Schadchen Menachem Mendel, die denn auch den lebhaftesten Beifall fand. H.L. Konzerte im Reich Ein Konzert auf zwei Klavieren veranstalteten die Dresdener Künstler Grete A n s ch e I - H 0 f - st ei n und Walter G 0l d ma n n. Max Negers Variationen und Fuge über ein Thema von Mozart, waren der Höhepunkt des fesselnden Abends, wobei sich der modulationsreiche Anschlag der beiden- und die sorgfältig aufeinander eingespielte straffe Rhythmik besonders entfalten konnten. Line 'Mozart-Sonate entzückte durch die feine Filigranarbeitin der leichtbeschwingten Wiedergabe. Von den Tarizwerken fand neben Cyrill Scott ein Walzer von Johann Stra.iß großen Beifall. Paula L i n d b e r g (Berlin) l>ereicherte den Abend mit liebenswürdig vorgetragenen Liedern aus dem 3 8. Jahrhunde.rt und herrlichen Gesängen von Franz Schubert. E. B. Tie Gesellige Vereinigung deust'ch-jüdisclier Berii 's-- tätiger (G. V.) in Leipzig veranstaltete einen Äiusilabend, um jungen Klinstlern den Weg zu liereiten, die durch die Zeitverhältnisse schwerer denn je darum lämpsen. Hans Erich E 0 h n ist eine starke Begabung: um die Wiedergabe seir.es neuesten, hier uranfgeführten Streichquartetts Nr. 2 A-moll machten sich Walter K a u: r r l i it g, Ernst Sim 0 ni, Rudolf Lach mann uno Ebers berger sehr verdient. Den Höhepunkt des Abends bildeten „Klavierstücke im Dreivierteltatt", von Haus Ortiri) Cohn mit sehr weichem Anschlag gespielt.. Hans Peter Bern selb (Klarinette) erirenle durch die Wiedergabe einer Ballade von Niels W. Gadc. Halina Gottlieb brachte Klavierstücke von Schumann, Debussy und Chopin zum Vortrag. Hans Perl zeigte in Arien von Haydn, Ntvzart' u. a. seme große Gestaltungskraft, Tr. Leuts chner war ein zuverlässiger Begleiter. Die musikalische Leitung des wohlgelungenen Abends lag in den Hlinden von Bernhard B c r k 0 w i tz. Das Gvttlieb-Trio konzertierte mit vollem Erfolg. Mau hörte die Beethoven-Sonate für Violine und Klavier op. 47 und das sehr ausprechende Klavier-Trio von Arensky op. 32. 3)lu?ia (Seitlich,; - ein. geistig reifer Geiger, spielte .mit weichem und süßem Ton. Frieda Gottlieb ist eine Pia» mstin von , großem . Können. Ihr Spiel rst besonders zur Kammermusik geeignet. Leo Schön bach zeigte an dem großen weichen Ton fernes CellospielS die erstklassige Schule, die er gehabt hat. Emil Fischers Stärke feiner Kunst liegt im Buffoacsang. Auf diesem Gebiete würde der Künstler dem Publikum weit mehr. gel'en können. . H 8. Liebermantt-AMstellu'ng in Tel Awiw In Tel Awiw ckvurde eine Max-Liebermann« Gedächtnis-Aüsstellung darch Bürgermeister 2 i* zengoff feierlich eröffnet..li “