Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 9 (28.2.1935)
- Date
- 1935-02-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2278097-2278106--09250-2290352- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ÄL möBcamdlan^melhirSelhimm Die §WWU M AMlsSMLÄi Angela Sacerdoti, der Oberrabbiner von Rom. über dessen Tod wir bereits in der vorigen Stummer der „E.-V.-Zcitung" kurz berichtet haben, war als Vorsitzender des Siabbinätes im Verband der jüdischen 'Gemeinden Italiens der geistliche Führer der italienischen Judcnheit. Auch im Politischen Leben der Inden Italiens hat Saccrdoli eine hervorragende Nolle gespielt. Er stand dem Ministerpräsidenten Mussolini nahe und war neben zwei anderen hervorragenden Inden, dein Präsidenten des jüdischen GcmcindcvcrbandeS S'creni und dem Professor des kanonischen Rechtes in Mailand, Mario Falco, im Jahre 1930 auf Veranlassung von Mussolini mit dem Entwurf eines neuen jüdischen Gemeindegcsetzes betraut, durch das die jüdischen Gemeinden Italiens in den staatlichen Ausbau korporativ eingegliedert U'nrden. Als Gelehrter genoß Saeerdvti einen hohen Ruf. Er war glühender italienischer Patriot, widmete sich aber auch in starkem Maße gesamtsüdischen Ausgaben. Die Judcnheit Italiens vertrat er im Coniitö des? Ddldgations iuives. Für die Idee eines jüdischen Weltkongresses ist er lebhaft, allerdings mit höchst persönlicher Note, eingetreten. Die Ziele, die er einem solchen Kongreß setzte, hat er einmal folgendermaßen gekennzeichnet: „Die Würde und daS Leben derjenigen von uns zu verteidigen, die gefährdet sind, und vor allem tiefgehend dahin zu arbeiten, daß in unserem Volke wahrer jüdischer Geist geweckt und sein geistiges Leben erneuert werde. Ich bin der tiefen und unerschütterlichen lieberzengung, daß die uns von Goti aufgegebene ewige Mission darin besteht, ein .Volk von Priestern' zu sein. Diese heilige Mission materiellen Interessen zu opfern, würde unseren llntergang bedeuten. In der geistigen Krise, die die heutige ' Welt ersaßt hat, ist cs notwendig, daß das Volk Gottes den Glauben und die Wahrheit zu lehren wisse, mn diejenigen zu entwaffnen. die schlechten Willens sind. Der Jüdische Weltkongreß wird sich unter keinem Vorwand in die innere Politik der einzelnen Länder einmischen und wird in keiner Weise Sonderintcresscn stützen. Wir werden ein Element der Einigung, niemals ein solches der Uneinigkeit sein. Möge das Judentum seine geistige Einheit wiederfinden, möge e? noch einmal der Welt die Gerechtigkeit, die Wahrheit und den Glauben an den einigeinzigcn Gott schenken!" Die.Beisetzung des verstorbenen Obcrrabincrs erfolgte ans dem südischen Friedhof Roms. Don den 13 000 Juden der Stadt waren mehr als 7000 erschienen, unter ihnen 3000 Kinder, fast alle in der Uniform der Jungsaschisten. Der Vorsitzende des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens, S e r e n i, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Rom, Recanati. der Rabbiner von Mailand, da Fa n o. und der Leiter des Jüdischen Theologischen Seminars, Cassuto. hielten Trauerreden.. Auch die Anteilnahme der nichtjüdychon Bevölkerung und der italienischen Behörden war außerordentlich stark. Man sah bei der Trauerseier in Vertretung des Gouverneurs Von Nom den Vizcgouverncur Lenti« di Acadia, einen. Vertreter des Sekretärs der faschistischen Partei, zahlreiche Offiziere der italienischen Armee und den General di Nola. Außerdem waren eine Abordnung der Schüler deS Rabbinerkollegs, die meisten italienischen Rabbiner und alle Persönlichkeiten deS jüdischen Lebens der Stadt Nom erschienen. Der König von Italien und die Negierung haben an die Hinterbliebenen Saccrdvtls und an den jüdischen Gemeindeverband Kondolenzschreiben gerichtet. * Gelegentlich der Gründung eines Berufsverbandes der jüdischen Goldschmiede Tripolitaniens hat der Oberrabbincr von Tripolis, Professor . Easlelbolognesi, an den Gouverneur von Tripolitanien. Luftmarschcill. Italo Balbo ein Telegramm gerichtet, in dem ec ihm die Anerkennung für seine Förderung des Goldschmiedgcwcrbes in Tripolitanien ausspricht. Marschall Lalbo dankte mit einem Telcgrannn, das folgenden Worläut hat: „Ich danke für die anerkennenden Worte und bin überzeugt, daß die Arbeit der jüdischen Handwerker der Gemeindc Ehre bringen und für die wirtschaftliche Entwicklung Tripolitaniens einen bedeutenden Ansporn bilden wird." * Vor dem Züricher Bezirksgericht kam neuerdings der im Dezember 193-1 auf die Shnagoge in der Freigutstraße in Zürich verübte Petardenanschlag zur Verhandlung. Alle vier Angeklagten. ehemalige Mitglieder der „Nationalen Front", wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, und zwar die beiden Personen, die die Petarde gelegt hatten, zu 14 Tagen, die beiden Mithelfer zu 12 Tugen Gefängnis. * Der österreichische Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg hat vor seiner Abreise nach Paris und London einem Vertreter der Agence Havas erklärt, die neue Verfassung sichere allen Staatsbürgern volle Gleichberechtigung zu. Gleichzeitig trat mit Billigung der Behörden eine Versammlung des Verbandes deutsch-arischer Rechtsanwälte Oesterreichs, dein der österreichische Finanzminister Dr. B u r e s ch und Versassungsminister Dr. E n d c v angehören, zusammen, um dte staatsbürgerliche Benachteiligung der Juden zu propagieren. In der Wiener jüdischen Bevölkerung ruft die vorzeitige Verabschiedung des Direktors der Wiener Handelsakademie, Hofrats Goldberger, die auf Wunsch des Wiener Bürgermeisters Dr. Schmitz erfolgte, lebhafte Unruhe hervor. DaS Organ der Wiener Kaufmannschaft. „Der Handel", widmete dem scheidenden Direktor anerkennende Worte. Der Jüdische Vollsbnnd für Oesterreich bereitet angesichts der sich verschärfenden Lage eine Eingabe an die Regierung vor, in der ein gesetzlicher Ehrenschutz für die. Juden gefordert wird. schaft, Erziehung und Volksbildung", Heft 4 vom 20. Februar 1935) ist für den Besuch von Hochschulen in Zukunft das Zeugnis der Hochschulreife nicht mehr erforderlich. Zur Neufassung der Zulassunsövrduuug für Mnärzie lieber die Neufassung der zahnärztlichen Zulassungsordnung hat die ,.E. V.-Zeitung" in ihrer Stummer 3 vom 21. Februar 1935 bereits eingehend berichtet und hervvrgehobcn, daß die Arierbestimmungeu denjenigen der ärztlichen Zulassungsordnung vorn 17. Mai 1934 angcglichcn rvorden sind. Danach behalten die bisher bei den Kassen zugclasse nen Z a h n ä r z t e und D e n t r st e n s c I b ft« verständlich auch weiterhin ihre Ka s sc nz u la s s un g. In Zukunft aber werden btc bisher für die Eintragung in das Zahnärztercgister und für die Zulassung in Frage kommenden nichtarischcn Frontkämpfer. Krieger- Witwen und -waisen usw. weder eingetragen noch zugelasscn. Die neue Zulassnngsordming ist am 10. Fcbrrrar 1935 tu Kraft getreten. Nach allgemeinen Rechtsgrundsätzen hat sie. soweit nicht ausdrücklich daS Gegenteil ausgesprochen worden ist, keine rückwirkende Kraft. In Widerspruch zu dieser bisher allgemein anerkannten Rechtsarisfassnng stehen Ausführungen des Mitherausgebers des „Kassenrechts für Zahnärzte und Zahntechniker", Dr. nwck. ckoiü. Lothar Hoffman n. in Nr. 8 der „Zahnärztlichen Mitteilungen" vom Februar 1935. Hvffmann meint, daß nach zerragenen ninnarnuyen um- >te noch keine Zulassung erhalten hätten, von llmts wegen aus dem Register gestrichen werden müßten, da die Voraussetzungen für die Erniragung nicht mehr gegeben seien. Die Eintragung in das Register ist — unabhängig von der Krankenkassenzulassung — für den Zahnarzt deshalb von Bedeutung, weil er mit der Eintragung Mitglied der Kassenzahnärztlichcn Vereinigung wird und nach § 2 Abs. 2 der Zulassungsordnung zur Hilfeleistung für die Zahnbehandlung bei einem Kassenzahnarzt oder Dentisten (Assistenz, Vertretung) herangezogen werden kann. ' v , - . Die Auffassung von Dr. Hoffmann. daß auch die bereits im Register (z. B. als Kriegsteilnehmer. aber nicht Frontkämpfer) eingetragenen nichtarischcn Zahnärzte und Dentisten wieder gestrichen werden müssen, dürfte weder dem aus der gesamten Ariergesctzgcbung erkennbaren Wrlle» des Gesetzgebers zur Berücksichtigung gerade dieser Lersonenkategorie nach dem Wortlaut des Gesetzes entsprechen. In den §8 27 ff. der Zulassunasverordnung sind ausdrücklich dteiemgen Tatbestände aufgoführt. die zu einer Entziehung der ZulaKuna bei einem bereits zugelassenen Kaisenzahnär>t Anlaß geben könnten. Wenn der Gesetzgeber eine ähnliche Bestimmung auch für die Eintragung in daS Register tzinsühren wollte, so wäre dies -weifelloS geschehen, und der für die Streichung ausDem Zahnärzteregister anEndende und allein maßgebende § 8 wäre entsprechend geändert woÄen. Aus der Ziffer 4 deS tz 8.M dem davon Dd MkÄNSÄMgr Walter Pötfch aus Breslau führte nach einem Bericht der „Zeitung für Ostpommern" vom 21. Februar 1935 bei einer Versammlung in Stolp unter dem Thema „Wir und die Juden" folgendes aus: „Der Ritualmord, der zwar vom gesamten Judentum geleugnet wird, wird auch heute noch im geheimen begangen ... Der Ritualmord wird von Juden begangen, um daS Blut eines Nichtjuden für uns unbekannte Zwecke zu erlangen. Während des Mittelalters konnte man sogar einen schwuyghaften Blut- Handel Nachweisen, und die katholische Kirche hat eine Anzahl von unschuldigen Kindern, die ün Zuge eines Ritualmordes von Juden getötet worden sind, heilig gesprochen. In Polna. einem rein tschechischen Städtchen, wurde die mit Menschenblut besprengte Hose eines mitbeteiligten Mörders in der Synagoge gesunden." . Eine Wiederholung der einwandfreien wissen, schaftlichen. historischen und religiösen -r-okumente, die die Ritualmordbeschuldigung als eine der schimpflichsten Erscheinungender Kulturgeschickte der Menschheit erkennen lassen, halten wir dieser Gesinnung gegenüber für überflüssig. m lchte Ehre Im „Geknhäuser Anzeiger" Nr.4l vom 18. Februar 1935 lesen wir u. a.: „Es gibt immer noch Leute, die auch heute noch um die Gunst der Juden buhlen und den Worten unseres Führers gegenüber taube Ohren haben. — Ein hvhnsprechender Anblick war es, zu sehen, daß Leute, die sich als deutsche Volksgenossen bezeichnen, sich in Trauerhabit mit ergriffener Teilnahme im Geleit einer hebräischen Beerdigung befanden. Ihr ewigen Besserwisser, ist euch nicht bekannt, wie lächerlich ihr euch damit in den Augen der Talmudjuden gemacht habt, als Gojcm sich zu erkühnen, einem Hebräer die letzte Ehre zu erweisen!" Es-ist schwer, darüber zu diskutieren, welches Verhalten angesichts der Majestät des Todes richtiger erscheint. WyM von Staßfe die Rede ist, daß die Streichluig erfolgen muß. wenn die Voraussetzungen nicht gegeben sind, kann, wie oben dargelegt, nur der Schluß gezogen werden, daß eine Streichung nur dannerfolgen soll, wenn im Zeitwmkte der Eintragung selbst etwa infolge eines Irrtums oder einer Täuschung der Behörde übersehen wurde, daß die Voraussetzungen zu der Eintragung nicht Vorgelegen haben. Wie eben dargelegt, hätte nach ständiger deutscher Rechts- und Gesetzespraxis ähnlich, wie dietz in dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berussbeamteutums oder in der Verordnung über die Tätigkeit von Zahnärzten bei den Krankenkassen vom 2. Juni 1933 geschehen ist, ausdrücklich gesagt werden müssen, daß auch diejenigen zu cutfouncu sind, deren Eintragung in das Register seinerzeit völlig rechtswirksam erfolgt ist. Aber noch ein anderer rechtlicher Gesichtspunkt dürfte entscheidend zur Widerlegung der Hvfsmanufchen Ansicht führen. § 8 Zisf. 5 der alten Verordnung ist in der neuen Fassung durch einen Zusatz abgeändert worden, der bei näherer Betrachtung praktisch von großer Bedeutsamkeit ist. Durch diesen Zusatz wird, wie Dr. Hvsfmann selbst tu seinem Artikel ansführt, klargelegt, daß Zahnärztinnen und Dentistinnen, deren Ehemänner im Weltkriege gefallen sind und deren Tätigkeit nach den in Frage kommenden Verordnungen daher rückwirkend als „nicht beendet" angesehen wurde, weiter im Register eingetragen bleiben können, obwohl sie nach der oben wiedcrgegcbenen Ansicht deS Herrn Dr. Hvffmann ßcftridicu werden müssen, da ja die Voraussetzungen für die Eintragung in ihrer Person nicht mehr gegeben sind. Herr Dr. Hoffmann übersieht hierbei, daß die in Frage kommenden Verordnungen sich nicht nur auf Kriegerwitwen beziehen, fonbcrn daß nach diesen Verordnungen die Tätigkeit aller Frontkämpfer. Spartakisten- und Separatistenbekämpfer usw. al8 nicht beendet anzusehen ist, so daß bei diesen Personenlategorien nach dem Wortlaut des § 8 Ziff. 6 eine Streichung nicht erfolgen kann. Diese Rechtüauffassung dürfte im übrigen auch den Grundgedanken der Artergosctzgebung entsprechen, die ja gerade diese Personenkategorieu von den sonst Nichtarier treffenden Beschränkungen ansnehmen und ihnen eine Besserstellung gewähren will, 'lieber die Streichung aus dem Register hat der Vorsitzende deS zuständigen OberversicherunaSamts zu entscheiden, der icdoch vorher den betreffenden Zahnarzt hören muß. Nach dessen Entscheidung kann das EchiedSamt und evtl, das Reichsschiedsamt angerufen werden. vr. Wem« Rosenberg Durch Erlaß des Reichs- Md preußischen Ministers für Wisienfchaft. Erziehung und Volksbildung 'vom S. Februar 1935 („Deutsche Wissen- In der „Historischen Zeitschrift" (Bd. 151, 2. Heft), werden hochbedeutsame Tagebuchdiktate des größten deutschen H t - storikers, Leopold von Rankes, ans dem Jahre 1881 veröffentlicht; in ihnen nimmt Ranke zu der j u d e n f e i n d l i ch e n Bewegung der Stoecker-Zeit Stellung. Am 2. Januar zeichnet der Meister auf: „Bejuch von Sensft, der tn seinem 84. Jahre steht. Ich hätte ihm gerne erspart, die Treppe zu ersteigen. Er kam aber, und ich freute mich des Anblicks des alten Freundes. Er war durch und durch Politik, und zwar antlsemitisch. Leider hat dieser Zwist alle Gemüter ergriffen. Ich für meine Person sehe darin nur eine legislative Frage; die llcberhebnngen der jüdischen Mitbürger beruhen auf der ihnen im Jahre 1869 zuteil gewordenen vollkommenen Gleichstellung. Sie konnten nicht anders, als nach den mannigfaltigen Zurücksetzungen, die sie erfahren hatten, diese Erleichterungen mit Freuden ergreifen. Nicht von jedermann wird angenommen, daß sic dann 1870 in dem ihnen eigentümlich zugehörigen Zweige, der Börse, sich gerade sehr bereitwillig gezeigt. hätten, so lange die Sache noch zweifelhaft war. Aber ihre Bürgerpflicht haben sie redlich getan und wacker mitgekämpft, was dann ihre Ansprüche wieder erhöhte und neue Erfolge begründete. Nach unseren Staatseinrichtungcn wird der intellektuellen Ausbildung ein großer Anteil an der Verivaltung nicht allein, sondern auch nu dem Gericht zuteil; die Inden aber haben riicht allein daS Talent, sondern besviidcrs auch die Mittcl, sich dieselbe, soweit eü überhaupt für den Dienst nötig ist, anzueignen. Auch in der gerichtlichen Karriere also machten sie, sobald sie ihnen auch eröffnet wurde, große Fortschritte. Endlich kam eS vor, daß sie da in den Gerichten, sorvvhl in Einzelstellungen, als auch in kollegialen, die Oberhand bekamen. Da aber haben sie dann ihr eigentümliches Wesen in einer von der Idee des christlichen Volkes abweichenden Weise geltend gemacht. Sie haben sogar den altherlömmlicheii Erd, in wiefern er von der angenommenen Formel abwich, nicht weiter dulden wollen. Dagegen ist dann das Selbstbcwnßtsein des Volkes, vor allem auch seiner Geistlichen, erwacht, und man hat rnn sich hersehend, gefunden, daß auch in anderen Zweigen der gelehrten Ausbildung die Inden eine hohe Stufe enmchmcn ttnb in der Presse gleichsam domiliieren. Hierüber ist ein kleiner Sturm ansgebrocheli, in welchem marr sogar von einer Vertreibung der Juden zu reden angefangen hat, während doch mm von einer Beschränkung der ihnen durch die neueste Legislation erteilten Rechte die Rede sein konnte. Aber auch diese Beschränkung ist der anderen Partei als eine Art von Attentat gegen die allgemeine Freiheit erschienen, die heftigsten Worte sind gewechselt worden. Zwei der bedeutendsten Talente der Universität, der größte Altertumsforscher (Mommseit) und der beste Sprecher und Stilist, welchen sie besitzt (Treitschkc), sind einander in einem offenen Gladiatorenkampfe cntgcaengetrcten, gleichsam. als hänge das Heil des Staates von dem Uebergewicht der einen, das Heil der Welt vom Uebergewicht der anderen Meinung ab. Aber wie könnte ich der trefflichen Juden, bic mir bekanntgcwvrden sind, vergessen. Ich erwähne nur Mendclssohn-Bartholdh, der mir als der beste von allen erschienen ist; oder auch der Zuhörer jüdischer Nation die meinen Vorlesungen gefolgt sind. Mit einem derselben habe ich einmal, ein Gespräch über die Unterscheidungen des Judentums und des Christentums gehalten, ■ von welchem mir leid ist, daß kein Stenograph eS ausgenommen hat. Alle die, welche sich mir . anschlossen, erklärte ich endlich für historische : Christen, well sie auch die Ideen des Mittelalters und der neueren Zeit, die auf dem Christentum . beruhen, in sich ausgenommen haben müßten. Sie widersprachen dem nicht, aber sie meinten, daß gewisse Punkte des apostolischen Bekenntnisses es ihnen unnröglich machten, sich zum Uebertritt zu entschließen; zugleich aber verrieten sie mir. daß sie noch durch ein zu tic-seS Etammesgefühl bei ihrer Religion zurückgchalten würden, daß sie mit festen Banden an dieselbe geknüpft waren." . Am 24. Januar empfängt Ranke den Besuch des Prinzen Albrecht, worüber er u. a. aufzeichnet: , „Er sagte mir, er komme, um ein Wunder zu sehen, nämlich einen jungen Mann von 85 Jahren,' der eine Weltgeschichte herauszugeben beginne. Ja, ja, sagte ich, ein Anfänger von 85 Jahren. daS ist selten. Er war in dem Buch sehr gut zu yauS. -Er hat es großenteils ferner Gemahlin vorgelesen, besonderen Eindruck hatte die Verbindung der jüdische nGeschtchtemrt der allgemeinen gemacht. Man hat^ihm gesagt, sie seien eben nicht vereinbar ..." — — Wir haben die Aufzeichnungen Rankes absichtlich vollständig wiedergegcben, um den Vorwurf einer einseitigen Ausdeutung darnit vvrzubcugen. Man kann aber jene Auszeichnungen, tu denen sowohl Licht wie Schatten ans uns deutsche Inden fällt, nicht verstehen, wenn mau sich nicht die Eigenart der Naukischen Geschichtsbetrachtung vergegemvärtigt. Ranke ergreift nicht Partei, sondern er wägt das Für und Wider einer geschichtlichen Erscheinung ab: er identifiziert sich keineswegs mit der judenfeindlichen Bewegung, sondern er sucht die Beweggründe für ihre Entstehung gleichsam protokollierend zu erfassen. Dadurch gelingt es ihm, die Problematik der deutschen Judencmanzipation anzndenten, eine Problematik, der wir uns auch in den sonnenbeschicnenen Tagen der Emanzipation stets bewußt gewesen sind. Freilich in einem Punkte, der gerade angesichts der jüngsten Entwicklung bedeutungsvoll ist, widersprechen die geschichtlichen Tatsachen der Aufzeichnung RankeS: der Anteil der Juden an der Staats- Verwaltung war in damaliger Zeit ein überaus geringer, weil ihnen der Zugang zur Beamtenlausbahn nur selten ossenstand. Die Zukunst Eursvas Seinem hervorragenden Anssatz über das „Europäische Außenhandclsproblem" („Europäische Revue", 10. Jahrg., Nr. 11), mit dem wir unsere Leser bekanntgemacht haben, läßt A. R e i - t h i n g e r nun einen Aussatz folgen, der das „Wirtschaftliche Gesicht Europas" zeichnet („Europäische Revue", 11. Jahrg.. Nr. 1). Die Entwicklung der europäischen Industrie- Völler zu ihrer heutigen Siedlungsdichte, ihrer Politischen und wirtschaftlichen Vormachtstellung und ihrcin unvergleichlich hohen LebenSniveaic beruht — wie Rcithingcr feststellt — in der Haupt- Iache in der monopvlartigcu Stellung des technichen Vorsprungs, die im wesentlichen ein Erbe >er Vergangenheit ist. Für die Zilkunst Europas wird deshalb die Frage dringerid, ivelche Möglichletten nach dem drohenden Verlust dieser Vorzugsstellung für die Erhaltung seiner Weltgeltiing ernziisetzcn vermag. Nach Abschluß der kolonialeit Expansion dürften diese, abgesehen von der wertereu Erschließung des natürlichen Einzugsgebietes Afrika vor allem m der Organisierung der grvßeit Politischen und wirtschaftlichen Kräfte unseres eigenen Erdteils und seiner bisher vernachlässigten Randgebiete zu suchen sein. Dabei sollte die Aktivierung des Erbgutes einer jahrhundertelange,t politischen, wirtschaftlichen und technischen Erfahrung der führenden europäischen Völker in einer sinnvollen Gemeinschaftsarbeit die besseren Bedingungen der Natur und unvergleichlich viel großräunugerer Staats- und Wirtschaftsgebiete rn anderen Kontinenten noch auf lange Fristen .auszugleichen vermögen. Daß eine solche Aktivierung der geistigen und organisatorischen Kräfte Europas nicht durch die Ideologie einer staatenlosen paneuropäischen Gemeinschaft, sondern nur auf dern Wege einer Parallelschaltung der nationalen Lebenskräfte und Interessen seiner fcstgesügtcn staatlichen Einheiten erreicht werden kann, dürfte (meint Reithinger) die Erfahrung des letzten Jahrzehnts genügend gezeigt haben. SrüitensKlagcn zu ften Ausgcwanderlm Ter Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden regt in einem Rundschreiben an die Gemeinden an, die Verbindung mit den in den letzten zwei Jahren Ausgewanderten aufrecht zu erhalten. Viele treue Mitglieder der- Jüdischen Gemeinden hätten die Lösung von ihren Heimatgemcindcn sehr schwer empfunden, und es' sei für die Hiergebliebenen wichtig über ihr Leben braußcii unterrichtet zil ' sein, für die Ausgewanderten aber fei es wertvoll, weim sie durch regelmäßige Briefe oder durch die Abgabe von Eemcindeblättern und anderen jüdischen Zeitungen über das Leben der Juden m Deutschland unt) vor allem in ihren Heimatgemeinden unterrichtet würden. Diese Mahnung sollte jeder einzelne hier beherzigen und auch die „C.-D.-Zcitung" an Freunde im Ausland senden. Hiapts-brlftleutr: Dt. Alfnd Blricbb*re; Stcllreru.- Dr. Uirgsttte Edilbt:m. Beide .& Berlin Für Rücksendung unverlangter Manuskr.pt* lat Freinmecblac beirufüjren Leiter der Anzeigen- Abteilung and fersorworilicb für den Inhalt der Anzeigen; Fried rieb Natban. Berlin. DA . IV Vj 48 923 Verlag; Centralvereia deutacber Staat», bflrger Jfldiachen Glauben» e. V . Berlin W 15. Einaei Strasae 42.. Tel.-Adr.: . ..Centralglauben . Berlin." Farnipr. J 8 Olhra 8141-45 Poatacbeek Barlio «047? , Druck'der Buch- und Tiefdruck Geiallicba/t abH. Berlin SW 19 * Zurzeit lat Preisliste- Nr. 3 gültig '--- Bezugspreis vierteljährlich RU 3,—