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Central-Verein-Zeitung · 1935-02-14 · 7 (14.2.1935) · page 18

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
7 (14.2.1935)
Date
1935-02-14
Page
– (sequence 18)
Language
German
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^rctic toutbc religiös indifferent, denn die allzu rndttalc Reform der Friedländer und Jacobso'in war gar zu traditionSloS, als daß sie dem (vemüte genügt hätte. Wer selbst diese Indifferenten, die zu aufrecht und charaktervoll waren, um dem Glauben der Väter untreu zu werden! empfanden den Mangel einer religiösen Führung' Segensreich hatten bereits große Geister, wie Zuuz. Rapoport. Rießer u.a. gewirkt, indem sie das Jnteresie am Iudentume und seiner Wissenschast erweckten und förderten. Besonders Z,mz hat den Boden für eine religiöser gesinnte Zeit vorbereitet. Abraham Geiger lenkte die religiöse Reform in neue Bahnen. Gleichzeitig scharten stch um daS Banner dcS streng orthodoxen Samson Raphael Hirsch die Anhänger der alten Ueborliefcrung. die jegliche Reform aus Gewiffensbedcnken ablehnten. Die beiden Extreme Geiger und Hirsch waren mwereinbar. Zacharias Frankel, ein strenger Wissen^ schastler. N'ar der Mann deS chusts milieu". Jedem Extrem abhold, war er von traditioneller Frömmigkeit, ohne eine gemäßigte Reform gänzlich abznlehncn. Während er mutig und unablässig für die völlige Emanzipation kämpfte, war er den heftigsten Angriffen sowohl von seiten der Orthodoxie, als auch der Geigerschen radikalen Resormpartei ansgesetzt. Don beiden wurde er in schärfster, oft geradezu beleidigender Weise angegriffen: man zieh ihn der Charaktcrlosigfeit, der Unaufrichtigkeit, ja. der Heuchelei! Erft später ließ man diesem reinen, sittlich hochstehend den, mutigen Manne Gerechtigkeit widerfahren^ Mit Recht bezeichnet ihn einer seiner größten Schüler als ..Friedensfürst". Heiß war sein Ringen um die Zusammenfassung der verschiedenen Strömungen. So schwer es ihm. dem als Anhänger der alten Ueberliefernngen, fiel, den von reformistischer Seite cinberufencn Rabbiner- Versammlungen beizuwohnen, er brachte dieses Opfer, aber zu seinem schmerzlichen Bedauern mußte er schon die zweite Bcrsammlmig, die im Mai 1845 in Frankfurt a. M. tagte, verlassen, da deren Anträge für seine konservative Einstel»' lnng allzuweit gingen. MoltkcS Spruch, daß auf die Dauer nur der Tüchtige Glück habe, bewahrheitete sich auch an Frankel, denn durch seine Berufung als Direktor des BreSlauer Rabbiner-Seminars war es ihm vergönnt, über zwei Jahrzehnte Lehrer und Führer in seinem Sinne auszubilden. Ebenso erfolgreich war er in seinen politischen Kämpfen. Nur seiner eindrucksvollen Persönlichkeit konnte cs gelingen, die Regierung zu der feit Jahrzehnten erstrebten Emanzipation der sächsischen Juden zu bewegen. Schon zwei Jahre nach seinem Antritt durfte der Grundstein zu einer Shnagoge gelegt werden, was bis dahin in Sachsen verboten gewesen. Wenige Jahre später erkannte ein sächsischer Minister öffentlich die hervorragenden Leistungen der neuen Dresdener Gemeinde an. Alle diese Erfolge kamen auch den Juden in den anderen deutschen Ländern zugute. Seine wissenschaftlichen Arbeiten erlangten Weltruf. Daß der vielgeschmähte Talmud endlich in das Licht objektiver Wissenschaft gerückt wurde, ist ein Hauptverdienst Frankels. Seine „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft deS Judentums" wirkte anregend in allen Ländern, wo immer Juden lebten. Bahnbrechend waren seine Forschungen auf dem Gebiete der Halacha, deren Spuren er als erster in der alten griechischen Literatur nachwies. Ebenso bedeutend sind seine Werke über den Talmud Jeruschalmi und seine kritischen und historischen Forschungen in Mischna und Tosefta. Die größte Bedeutung seines Wir- ' Kaffe« CoffeTnFrol Släs&iJ^ | fco „CAM A.IO“-KAFFEE-GROSSK OSTEREI Carl Max Joseph* ' BREMEN 4 —— Vertreter werden noch eingestellt. —— kens liegt aber in seiner über zwanzigjährigen Tätigkeit als Leiter dcS Breslauer Rabbiner- Seminars, die ihm 1854 anvcrtraut wurde. WaS er hier wirkte, ist allgemein bekannt. Als 'Frankel am 13. Februar 1875 sein reiches Leben beschloß, widmete ihm sein Schüler David Kaufmann Worte, die Frankel selbst einst einem Freunde nachgerufen hatte: „Er steht al8 Markstein, als Abschluß einer Zeit, in der, wenn auch nur von wenigen, gestrebt wurde, umfassendes jüdisches Wissen mit allgemeiner Wissenschaft zu verbinden, in der, wenn auch nur um wenige, sich das Band innigen, auf dem Boden der Religivnsliteratur sich ausbaucriden Glaubens und freier, unbefangener Forschung in seltener Harmonie schlang."_-_ 8. B. N. Mtz Kreisler Die Stadt Wien hat dem bekannten Violinvirtuosen. Professor Friß Kreisler, in Würdigung seines hohen künstlerischen Wirkens und in dankbarer Anerkennung seiner philanthropischen Tätigkeit zugunsten der Wiener Kinder den Ehrcnring der Stadt Wien verliehen. „Joseph ben Matthias.- Da8 kürzlich in Köln sowohl wie im Reiche vom Kulturbund Nhein-Nuhr aufaesührtc Schauspiel „Joseph ben Matthias" von JulruS Wolfffohn erscheint im Verlage.von Joel Sänger, Frankfurt am Main, Herderstraße 30. CSrWelkr und Seiacnbmm AnS Brüssel kommt die Nachricht vom Tode des dreinndsiebzigjährigen Julius Lev in. Geborener Ostpreuße, hat er die Hauptzeit seines Lebens in Berlin verbracht, wo er zu dem engeren Freundeskreis von Hermann Stehr, Lörcke, Gerhart Hauptmann, Jacob Schaffner gehörte, die besonders feine Lhrik bewunderten. Unter seinen Romanen. die bei S. Fischer erschienen sind, war der feinste und anerkannteste „Das Lächeln des Herrn Gvlubicki". Bon 1899 bis 1913 war Levin Pariser Korrespondent des „Berliner Börsen- Evnrier". Stärker als seine Berufung zum Journalisten .und Schriftsteller war seine Liebe zur Musik und 'feine tiefe Beziehung zur Geige. Julius Levin hat ein altes Geigenbauerrezept erneut und sich leidenschaftlich dem Geigenbau gewidmet. Seine wunderbaren Instrumente wurden von Adolf Busch, Fridolin Klinglcr, Albert Einstein gespielt und geliebt. Als er 1933 Deutschland verließ, lud ihn die Königin von Belgien, die sich für seine Geigen interessierte, ein und bemühte sich, ihm in Brüssel einen Lehrstuhl zu verschaffen. In der Er- Wartung dieser Anerkennung starb Julius Levin, dessen feinsinnige, anregende, vielseitige Persönlichkeit keiner vergessen kann, der ihm einmal in einer günstigen Stunde begegnet ist. LI. SjpGDZ’tl cüee’ Wmlhe Fußball Bei den Berliner Verbandsspielen der ersten Klaffe am 19. Februar gab e8 in beiden Treffen des Tages nicht ganz erwartete Ergebnisse. Die BSG 33 holte gegen Hagibor 3a, die man gegen den stark zurückgegaugenen RjF-Ncichsmeister klar in Front erwartet hatte, ein 1:1 (1:9)-Uncntschicdcn heraus, das an Wert dadurch gewinnt, daß BSG zurzeit unter schweren Ausstellungsschwierigkeiten leidet. Die sehr eifrigen BSGer kamen in der ersten Halbzeit bei offenem Spiel durch Fachler in Front und hätten kurz darauf durch Reiff ein zweites Tor erzielt, doch verhinderte der geschmeidige Torwart Hagibors im letzten Augenblick den so gut wie sicheren Erfolg. Hagibor kam in der zweiten Halbzeit mehr auf und konnte auch durch Perlewitz, welcher einen Fehler des BSG-BerteidigerS Biegeleisen resolut ausnützte, gleichziehen. Zum Sieg langte es aber nicht, da Rosenberg als Mittelläufer der Schwarz- Roten in der Defensive ein überragendes Spiel lieferte und auch der aus der Jugcndmannschaft der BSG kommende Torstehcr Podlescher die gefährlichen Situationen vor seinem Tor sicher klären konnte. Unerwartet hoch gewann Hakoah la mit 11 :2 Toren gegen Hagibor Ib. Hakoah präsentierte sich ihren Anhängern in großartiger Form, wobei der linke Flügel Sattler-Ringel besonders ausfiel und auch mehr als die Hälfte der Tore (Sattler 4, Ringel 2) erzielte. Dabei sah das Spiel in den ersten Minuten keineswegs nach einem so glatten-. Sieg der Weiß-Blauen aus; denn Hagibor griff vom Anpfiff weg heftig an und erzielte auch nach ' wenigen Minuten durch seinen Mittelstürmer Langsam das erste Tor. Dann aber war der Bann gebrochen. Hakoah machte sich dank ihrer Schnelligkeit und besseren Technik frei und schoß seine Tore nach Gefallen. Erst in letzter Minute konnte Hagibor wenigstens noch ein Tor aufholcn, doch war dieser Rekordsicg der Hakoah auch in seiner Höhe voll verdient. BSG 33 II. welche bisher mit einem Punkt hinter Hakoah II an zweiter Stelle der Tabelle lag, vermochte den Spitzenreiter im entscheidenden Spiel mit 2:1 (0 :1) zu schlagen und sich somit selbst an die Spitze der Tabelle zu setzen, welche auch in den beiden noch ausstehenden Spielen gegen JSsi II und BSG III gehalten werden sollte. BSG II. die zwei Spieler aus der Jugend- Mannschaft mittun ließ, von denen sich der Verteidiger K. Becker als der überragende Mann seiner Elf erwies, ging zwar noch mit einem (0:1)-Rückstand in die Pause, doch gab dann der Kampscseifer und der unbedingte Siegeswille bei jedem Spieler der NJF-Mannschaft den Ausschlag zugunsten dieser Elf. Distel und Kleinmann waren die glücklichen Torschützen, die ihrer Mannschaft zu diesem ehrlich erkämpften und verdienten Erfolg verhalfen. der wahrscheinlich die Meisterschaft der zweiten Klaffe bedeuten dürfte. H. A. C. VTH Hannover I—Schild Bremen I. 2 : 2; VTH Hannover II—Schild Bremen II 8 : 9. Im Haupttreffen in Hannover standen sich zwei gleichwertige Gegner gegenüber, die in einem spannenden, teilweise hart durchgeführten Kampfe ihre Kräfte maßen. Leider ließ der Schiedsrichter sehr zu wünschen übrig und stiftete durch seine Entscheidungen lebhafte Unruhe unter Spielern und Zuschauern an. In der ersten Hälfte waren die Hannoveraner leicht überlegen, konnten jedoch diese Ncberlegenheit nur durch ein Tor zum Ausdruck bringen. Nach der Pause zogen die Bremer gleich und gingen wenig später in Führung. Doch bald darauf gelang dem gegnerischen Mittelstürmer wieder der Ausgleich. Plan darf gespannt sein, wie das Rückspiel in Bremen ausfallcn wird, da dieses Treffen wahrscheinlich die Niedersachsenmeisterschaft entscheiden wird. K. J. In einem Freundschaftsspiel standen sich in Breslau die erste Mannschaft des NjF und eine Mannschaft der Firma Brinnitzer gegenüber. Das Spiel litt sehr unter starkem Sturmwind und vereistem Boden. Vis zur Halbzeit war das Treffen ziemlich offen. Nach dem Wechsel spielte RjF mit dem Wind und erzielte noch acht weitere Tore. Ergebnis: 10 :0 (2:0). H. Br. Handball Bar Kochba I (Breslau)—Pfeil II 8 : 0 (3:0). Starker Wind und vereister Boden beeinträchtigten das Spiel. Bis zur Pause gelang BK eine 3 : 0-Führnng. Nach dem Wechsel machte sich die Ueberlegcnhcit von BK durch fünf weitere Treffer bemerkbar. RjF Breslau I—SC Alemania Breslau r: 7 (1:4). Bis zur Halbzeit hatte die gut zusammenspielende Atannschast. des SE Alemania schon eine 4:1-Führung erzielt, die sie bis zum Schlußpfiff auf 7:2 erhöhen konnte. TB Jahn II (Breslau)—JTSV Dar Kochba 8:5 (5:3). Bei ausgeglichenem Spielverlauf führte Jahn zur Panse bereits mit 5:3. Nach Halbzeit bekam man weiter ein sehr flottes und faires Spiel zu sehen. ll. Br. Tischtennis Eine sehr eindrucksvolle Vertretung des jüdj. scheu Sportes gaben die beiden bekannten Hagiborancr Fachler und Schatzow beim allgemein offenen Tischtennisturnicr des Tenniscluüs „Borussia 02", Berlin, an dem sich die erste Berliner Klaffe betciligte. Trotz der schweren Konkurrenz vermochte der lettische Meister Schatzow bis in die Schluß, runde zu gelangen, wo ihm der deutsche Meister Kutz (Stettin) gegenüberstand. Schatzow, der am . gleichen Tage^ das Lar-K ochba-Tr.ru ier gewann, war in der i^chlu strande nicht mehr frisch genug! mn erfolgreich bestehen zu können. In vier schien' siegte der deutsche Meister, mußte aber gegen den Hagiborspieler sein ganzes Können aufbieten. Fachler besetzte im Herrendoppel mit Schatzow als Partner einen schönen ersten Platz, und Schatzow erwies sich als der erfolgreichste Spieler des Turniers, als er auch im gemischten Doppel mit Fräulein Zehden (Gelb-Werß) als Partnerin zu einem hartumstrittencn Sieg gegen ein so überragend starkes Paar wie Frau Müller-Rnster— Kirloskar gelangen konnte. In diesem Match gab das famose Doppel-Können Schahows den Ausschlag für ihn und seine Partnerin. H. a. C. In Breslau veranstaltete die Tischtennis, obteilung im Sportbund der N. j. F. ihre Erste Schlesische und Niederschlesische Meisterschaft. Neben Breslauer Spielern hatten auch die Sportgruppen Brieg, Glciwitz. Glogau.Gorl i tz und Benthen gemeldet. Es wurden .sehr gute Leistungen gezeigt. Ter erst 15jährige Hans Cohn (Breslau) errang durch einen glatten 3 :1-Sicg über Friedrich den schlesischen Meistertitel im Herreneinzel. Niederschlesischer Meister wurde Riesenfeld (Breslau). Tic Schlesische Meisterschaft im Herrendoppel gewannen Cohn— Lewy (Breslau) gegen Bodlaender—Niesenfeld (Breslau). Letztere holten sich dafür die Niederschlesische Meisterschaft. Schlesische und niederschlesische Meisterin wurde Fräulein Schoem'eld (Breslau), die beide Male sicher gegen Fräulein Hirsch (Breslau) gewann. Die Schlesische Meisterschaft im gemischten Doppel brachten Fräulein Hirsch—Lewy (Breslau) mit 2:1 an sich, die niedcrschlesische Fräulein Schocnfeld—Cohn. H. Br. Skisport Bei schönstem Wetter trug die Stiabteilung des R. j. F. B r e s l a u. in R e i n e r z ihren, für alle jüdischen Vereine offenen Abfohrtslauf aus. Tie Strecke war etwa 3 km lang und zerfiel in drei Abschnitte: Abfahrt — Langlaus — Msahrt. Tie erzielten Zeiten sind verhältnismäßig gut Zic absolut schnellste Zeit lies Sicgbert Lewy (R. [. F.) mit 10.03. Ihm am nächsten kommt die von Erwin Weinberg erzielte Zeit von 10.46 Minuten. H. Br. Berliner Sport-Gemeinschaft 1933 im Sportbund bcö RjF. Ein neuer Kursus für Anfänger im Jiu- Jitsu beginnt am 5. Marx Schapcrstraßc 32. 2. Hof. III. — Tennis. Es ist unä gelungen, am Bahnhof Hohenzollcrndainm eine neue Tennisanlage Hu pachten. Ein neues Klubhaus ist im Bau. Meldungen an die Geschäftsstelle Berlin 6, Burgstraße 2, Zimmer 4 (I) 2 2623). Daö internationale Turnier im Ringen, das der Jüdische Aor-Elub ..Maceabi', Berlin, am 16. Februar abwickclt. erhält durch den Start bei? Ringer A b r a h a in. K u r l o n d und Michael Kurland eine besondere Rote. cinanderzusetzen, — dass cs keine Laune ist, wenn in unserem Plan, den wir dir vorlegen, um die Freiheit der Insel zu erhalten, den Fremden. Einschränkungen auferlegt werden, die ihnen den Einfluss nehmen, den wir für gefährlich halten. Das heisst also, dass wir den Fremden statt der drei Höfe, die sie jetzt beherrschen, einen Hof als Lehen zur Verfügung stellen wollen, den sie mit ihren Kindern gemeinsam bewohnen und bebauen dürfen. Sie sind damit Gäste unserer Insel und haben viele Hechte, weniger Pflichten als wir. Das eine Recht freilich bleibt uns selber: über uns und über die Zukunft der Insel zu bestimmen.“ Christian hatte schon bei den letzten Sätzen aufgehorcht, klang das nicht wie unverhüllte Drohung, er war schon ein wenig gereizt, weil er der Ansicht war, Anton sei ihm in« Wort gefallen: so kam es, dass er seinem Zorn nachgab und, ohne Ueberlcgung und Besinnung, ja, ohne zu erkennen, wie ihn nichts mehr trug als der eigene Glaube, einen Kampf aufnahm, der aussichtslos war, bevor er begonnen wurde: ./las ist Unrecht“, rief er, „zu dem ich meine Hand nicht geben kann. Mag eure Entscheidung über die Forderung der Regierung und über die Auslieferung der Chronik gegen mich ausfallcn: ich werde mich fügen. Aber einen Rechtsbruch werde ich verhindern, solange mein Wort auf dieser Insel gilt!“ Er batte die letzten Salze last gcschricn, jetzt, in der plötzlichen Stille, .war es, als trüge der Wind sic fort, Christian sah die Männer nicht, der ferne küble Glanz der Sterne war stärker als der Feuerschein der Fackeln, irgendwoher kam Gelächter, Ruie, die. er kaum verstand, die Fremden sollen von der Insel, wir wollen die Fremden nicht, aus der Nacht kam die Erregung und trieb die Männer von den Plätzen, schon waren die Sterne vom roten Dunst verdeckt, dann hörte Christian die Stimme Antons, leise, als verberge er sich hinter den Schalten: „dann gibt es nur einen Weg, Christian“, sagte er langsam, Männer umringten ihn und führten ihn fort, als sei er blind, geleiteten sie ihn über die vertrauten Wege, die Tür schloss sich hinter ihm, vor dem Eingang blieben sie stehen und unterhielten eicbj daun glaubte er aus dem Klang der Stimmen zu hören, dass sie, singend, zu den Häusern der Fremden zogen. An den drei Höfen waren die Ereignisse des Vormittags nicht unbemerkt geblieben: der Aufenthalt des Postdampfers und die Ankunft des Bootes war zuerst den Kindern aufgelallen. Die Männer hatten sogar davon gesprochen, ob es nicht ratsam sei, zum Strand herunterzugehen und nach der Bedeutung des ungewohnten Anblicks zu fragen. Da aber weder Nachricht noch Auftrag zu ihnen kam, beschlossen sie, auf den Höfen zu bleiben und abzuwarten, um so mehr, als sie der Ueberzcugung waren, dass man sie von wesentlichen Vorgängen gewiss benachrichtigt hätte. Sie hatten nicht etwa die Absicht, damit ihre Unabhängigkeit oder ihre Teilnahmslosigkeit zu beweisen; aber in den letzten Monaten war doch manches geschehen, was die Männer besorgt und nachdenklich machte. Es waren nebensächliche Dinge, , gewiss, Kleinigkeiten, die unbegreiflich schienen. Der eine, der noch vor Wochen frei und herzlich, dann in verlegener Freundlichkeit gegrüsst batte, wandte sich ab, wenn er einem der Männer begegnete, ein zweiter wich — man hatte es wohl bemerkt — in weitem Bogen aus. Angelika bat eine Nachbarin, ihr die Wanne zur grossen Wäsche zu leihen, das war früher gern und ohne Bedenken geschehen: jetzt wurde cs heftig, ohne Bedauern, verweigert. Kinder kamen nach Haus und weinten: man hatte ihnen hässliche Dingo von den Ellern gesagt, ihnen Schläge angedroht oder sie vom Spielplatz verwiesen. Angelika heilte die Wunden so gut sie konnte; sie versuchte, den Kummer zu verkleinern und die Kinder auf neue Spiele hinzuleuken. Aber sie war schmerzlich berührt, als sie . erfahren musste, wieviel Ueberwindung sie selber auf wen den musste, um fröhlich und un- , belangen zu erscheinen. Sie gab indessen nicht nach, schon um der Männer willen nicht, die ihr Teil weniger freundlich trugen. Sie waren kurz und abweisend und gewillt, sich — auch wenn es ihnen so schwer fiel, dass ihr Atem langsamer ging, wenn sie daran dachten — von aller Gemeinsamkeit zurückzuhalten2 bis, wie sie meinten, die Zeit alles in Ordnung gebracht hätte. So wenig freilich, wie jemand offen mit ihnen sprach, so wenig, wie ihnen die wirkliche Lago bewusst war, so wenig hatten sie eine Vorstellung davon, wie eigentlich die Zeit . sich als heilsames Mittel des Ausgleichs bewähren könnte. Keiner kam auf den Gedanken, hinauszutreteu und zu sehen, ob nicht ein Gewitter drohend am Himmel stände: sie fühlten wohl dio ungeheure Spannung, dio über der Insel lag, aber es war, als ginge sie dies alles nichts an. Und auch dieser Abend, der sie alle im Hause Georgs vereinte, war nicht anders als viele Abende vorher. So kam es, dass der Ring sich immer enger und fester zusammenzog, und . dass, als sie noch still und ahnungslos um den . Tisch sassen und den Tag überdachten, schon die Männer mit den Fackeln zu ihren Höfen zogen. Die Männer hallen sich zu drei Gruppen zusammengeschlossen. Die einen waren zum Strand geschickt worden, um das Schiff, mit ' dem die Väter vor fünfzig Jahren gekommen waren, zur Fahrt vorzubereiten: es war seither fast niemals gebraucht worden, man hatte es' wohl in Ordnung gehalten, es blieb ein Schaustück für die Jüngeren, die Fischer hatten sich längst zweckmässigere Boote gebaut um hinauszufabren. Nun sollte es die Fremden aufnehmen, die man — so war nun die allgemeine Ansicht — am besten ganz von der Insel vertreiben seile: so gäbe es die geringsten Schwierigkeiten. Es war keiner dabei, der leichten Herzen» nn dio Arbeit ging. Denn obgleich sie in der heissen Nacht mit. bedachtsamen Ge-, sprächen und mit bezwingenden Liedern die Bedenken erschlugen, blieb den meisten ein dumpfe§, verwirrendes Unbehagen, wie ein Schmerz, der im Körper entstehen will, zurück und liess sich durch Lieder und Worte nicht verjagen. Und keiner hätte gewünscht, an Antons Stelle zu stehen, der den Fremden die Botschaft.überbringen musste. .Anton hatte im stillen gehofft, er würde die Fremden auf einem der Rosenbauer - Höfe treffen; er fürchtete sich davor, dem Bruder den Boden und das Haus zu nehmen, dessen kleinste Unebenheit, dessen entlegenster Winkel ihnen beiden von frühester Kindheit an vertraut waren. Aber dio Tore der Höfe Friedrichs und Heinrichs waren verschlossen, sie mussten sich mit Gewalt Eingang verschaffen; es war niemand im Haus. Die Stille war bedrückend; Anton ging, begleitet von einem Mann mit vorsichtig niedergehaltener Fackel, durch die Zimmer, alles stand fest und sauber, dies mochte die Truhe sein, er beachtete sie nicht, jedes Ding blieb an seinem Platz, stumm wandte er sich zum Eingang und liess zwei jüngere Männer als Wache am Tor zurück. Dann führte er die anderen zum Hof des Bruders. Sie folgten ihm, sie sangen nicht mehr, schon von weitem sahen sie, dass Licht in den Fenstern des Hauses war. Anton öffnete das Gatter mit kurzer Bewegung, ein kurzer Weg über Sand, an hängenden Weiden vorüber, dann hallten die Schritte der Männer laut und geschlossen auf den Steinen des Vorplatzes wider, ordneten sich zu gleichem Mass, Anton riss die Tür auf, das Licht flackerte, er blieb an der Schwelle stehen und blickte ruhig in die Stube. Hinter ihm stand, voller Erwartung, die dichte Reihe der Männer, die den Raum nach aussen hin abschloss und verriegelte. Verwundert hatten die Fremden ihr Gespräch unterbrochen, als der Lärm näherkam, ein Horl>stgespräch, — der Wind riss die ersten Blätter von den Bäumen, — schon waren Vorschläge für den Winter bereit, Pläne und Zeich- , nungen waren auf dem Tisch ausgebreitet. Angelika half den Kindern, aus eckigen Klötzen Häuser und Türme zu bauen. Es war keine Frage mehr, dass man sie suchte; was mochte es für ein Anliegen sein, das, in so später Stunde, die anderen zu ihnen trieb. Die Männer erhoben «ich, um die seltsamen Gäste zu empfangen, deren Schritte nun schon von den Steinen aufgenommen und vielfach wiedergegeben wurden, fragend, ein wenig beunruhigt, sab Georg die beiden Brüder an, schüttelte ob des immer lauter werdenden Geräuschs den Kopf und wie* Angelika an, in. das Nebenzimmer - zu gehen. .(Wird fortgesetzt^

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