Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 6 (7.2.1935)
- Date
- 1935-02-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Zwei Rläiauep des* Fedep Fritz Engels Tod kam Wohl auch ihm selbst dem schwer Leidenden, nicht, überraschend' Um so schmerzlicher ist er für uns. Man konnte nicht lieber leben als Fritz Engel — wie schal mußte das Dasein für ihn geworden sein, daß er es sich so aus den Händen gleiten ließ, jeden Tag ein wenig mehr . . . Ist es nötig, ist es möglich, ju erklären, wer Frttz Engel war? Die Menschen der älteren Generationen wissen es ohnehin sie haben vor dem Kriege die Feuilletons,' die Theaterkritiken, die Reisebriefe, die er schrieb mit größerem Vergnügen und mit mehr Leidenschaft gelesen, als heute irgendein Feuilleton gelesen wird. Und die jüngere Generaion, was kümmerten diese jungen Menschen Theaterkritiken, Feuilletons, was ist denen Ibsen oder der junge Hauptmann. Reinhardt oder die Sorma. die Fritz Engel damals, ein kritischer Pionier, durchsetzen half? Die Fritz Engel in seinen letzten Jahren kannten und seine mildgewordene, doch immer noch nicht recht skeptisch werdenwollende, immer noch ermunternde, nur auch cindämniernde Art zu schreiben, mit Maßen zu kritisieren, stets auch noch ein Fünkchen Gutes in jedem Eintagsslicgenstück besonders von jungen Menschen zu suchen — die nur diese „onkelhafte", gute Art seiner alten Tage kannten. werden schwerlich glauben, welch ein kritischer Heißsporn dieser Mann einst gewesen und — unter aller Milde geblieben ist! Das zeigte sich aber mehr bei den vielen Ehrenämtern, die er mit Eifer wahrnahm, beim Kamps um das geistige Erbe deutscher Klassiker und gegen Schmutz und Schund, mit Standesrecht und Geistcsfrciheit. Dieser Alaun war mit Zwei- oder Dreinndzwanzig in die Redaktion des „Berliner Tageblatt" eingetreten und mehr als vierzig Jahre Redakteur geblieben. Es gab außer Sport und Handel kein Ressort des damaligen Weltblattes, in dem er nicht mindestens ein längeres Gastspiel gegeben hatte. Er erzählte das manchmal jüngeren Kollegen, und fügte mit eitlem Lächeln hinzu: Damals mußte man 27och arbeiten! Tatsächlich dürften hundert Bände seine Lebensarbeit nicht fassen; und vbwohl er schließlich auf diese Dinge nicht eitel war. am wenigsten aber aus das, was er j außerhalb seines eigentlichen Ressorts, der t Buch- und Theaterkritik, geschrieben hatte, gab er doch auch darin manches Eigenartige und Wertvolle. Während des Krieges etwa war Fritz Engel „Ulk"-Redakteur, zog Heinrich Zille - heran, und so kam es, daß von manchem populären Zille-Blatt nicht nur der Text, auch die Idee von Engel stammte. Aehnlich war es mit Liedern, die bekannte Chansonniers vortrugen, und hundert anderen Dingen. Wenn dagegen ein junger Mensch heute nach Fritz Engels Büchern fragt, so wird man ihm nicht tüef antworten können. Engel war ein Tagesschriststeller. fühlte sich immer als Diener an einem höheren Werk, hatte von „seiner" und von „der" Zeitung eine so hohe und strenge Vorstellung, daß er auch darin leider altmodisch erschien. Aber ihm konnte auch das stolze Bewußtsein genügen, daß er ein jeden Tag von neuem begeisterter Jourualist war, voller Leidenschaft, Anstand und Würde. _ Er war das bestgeratcne Kind seiner Zeit tmb seiner Welt. Seine Leser, vor allem dte Berliner bürgerlichen Inden und die Schlesier — er stammte aus Breslau und^ brach die Verbindung mit seiner engeren Heimat me ab — lasen ihn besonders gern, denn er versuchte ihnen nicht zu imponieren noch pe zu Üelehren, sondern er erzählte und urteilte frisch von' der Leber weg. er machte keine artistischen Sprünge, sondern sagte seine Meinung, und das war ihre Meinung. Gr ivar ihre Stimme, er hatte im Schreiben ra. Feine und Derbe, das Liebenswürdige und überhaupt allen, ntanchmal die Geduld, aber nie den Humor und die Haltung verüercilden Charme, der ihnen begreiflich und lieb war. Er behielt zeitlebens seine jugendliche, rudtfche Liebe zu Schiller und doch cut leise abwehrendes Gefühl gegen zu viel Pathos, seine unendliche Verehrung zu Goethe tmd doch noch einen ausgeschlossenen Sum auch snr tie Jüngsten; seine Mischung von Herzlichkeit mW Nüchternheit, von Idealismus und realem Simi hatte etwas imgemetn Ruhrendes und Man konnte sich schwerlich eine Premiere, cinon Presscball ohne ihn denken.?r yane. alles in allem, ein schönes Leben geführt, war in jiingcn Jahren bekannt, er arbeitete viel, aber mit wahrhafter Lust, er stand Wort und Schrift seinen Mann, er Este m den Ferien große, schölte Rersen, er leb e ohne einen gewissen Komfort und war von seinen Aufgaben gartz erfüllt. Und als er die größte Arbeit hinter sich hatte, da widmete er sich immer mehr allgemeinen Aufgaben, den Standesorganisationen, in deren Vorstand er kam, der Kleist-Stistung, der Kleist-Gesellschaft, der Schiller-Stiftung. Ans diese Weise, als Kritiker, als Redaktettr, als Mann von Beziehungen hat er manches Talent cutbccfi und manchem den Weg geebnet. Er plante wohl, wenn er eininal pensioniert sein würde, nur noch zu helfen, auch dies und das zu studieren, itnd vielleicht seine Memoiren zu schreiben. (Den Anfang von ihnen durfte die C.-V.-Zeitung trnter dem Titel: „Es war eininal... Kleine Erinnerungsbilder" im August 193:* erstmalig veröffentlichen.) Nach seinem sechzigsten Geburtstag, noch vor dem allgemeinen Umbruch, mtlßte er erfahren, daß un Jotirnalisinus neue Methodcli auskamen. Er ivurde mehr und mehr auf ein Nebengleis gedrängt. Nun. er konnte um so besser seinen allgemeinen Ailfgabcn leben. Dann kam die Aenderiing der Verhältnisse. der gesamte Journalismus der Vergangenheit verschwand, und Mich jene Standesörganisationen, jene kulturellen imd literarischen Gesellschaften, die Fritz Engel zum Teil noch mitbcgründet hatte, die ihm jedenfalls viel zu danken hatten, strichen die Juden von ihren Listen. Dieses ganze, lange, schöne, tätige Leben war wie durchgestrichen. Um diese Zeit machte Fritz Engel schon den Eindruck eines Alteritden. Aber er schien noch gesund wie ein Fisch int Wasser, und begann. wie jeder von tins. umzulernen, mit* denken zu lernen. Er hatte sein Judentum nie verleugnet, er hatte oft genug auch in jüdischen Dingen, sei es zu wohltätigen Zwecken, sei es zur Abivehr von Augrisfen, sich eingesetzt und beivährt, iind er betonte auch jetzt noch am Anfaug und Ende manchen Gespräches seine Deutschlandliebe, seine unatislöschliche Verbundenheit. Aber er klagte öfters: vielleicht hätte man sich früher schön mehr mit jüdischen Dingen befassen sollen, und manchinal kam ihm sein früheres Leben und Arbeiten merkwürdig Problematisch vor. Trotzdem ließ sich Fritz Engel nicht einfach abtun. Er lernte tatsächlich tmt. Er las mit Mühe und manchmal mit Selbstüberwindiing, was er an jüdischen Schriften anftreiben konnte, er setzte sich mit jüdischen Tendenzen immer von neuein auseinander, ntir — er hatte nicht mehr den früheren Elan, der Lebensmut war geknickt. Eilte Krankheit kam, er zitterte vor der endgültigen Untersuchung, und dann übcrstand er dennoch die Operation vorzüglich, er schien wieder aufzuleben, aber schon nach Wochen, noch che sein oüjekitver Zustand eilte Verändertntg ztim Schlimmen aufwies, machte er täglich mehr den Eindruck eines Menscheii, der den Kampf ausgibk. Daß ihn die Zeit, die Verhältnisse, die Enttäuschungen so mürbe machen konnten, daß sein Tod so kommen miißte. das tut uns in der Seele iveh. Lo« Hirsch, mfifcn im Studierzimmer, im Laboratorium, fa der Klinik, in der Anatomie gewesen ist. Ter Fach, marm spricht zum Fochmaim, aber er spricht über ihn fort zu allen, dre willig sind, weil er auch Poet ist. Der Kühle deS ForMrs vermählt sich die Glut des Bekenners und des dichterischen Redners. Die Wortbilder, die uns plastisch machen, ivas er wissenschaftlich erweisen will, drängen sich in Fülle ihm aus. Er ist ivie im Rattsch. und cs mag sein, daß er dann hier und da seine Hypothesen ins Ueberkühne hiixmfschraubt. Erwähnen wir als Beispiel seine ovtimiSrnusschwellcnde Beljauptnng: „Der Mensch ist gut von Anlage, wird böse von Kultur." Wir , folgen ihm auch nicht, wenn er „die Konstanz der jüdischen Rasse" mit ihren strengen rituellen Ernährungsvorschnstcn begründet. Das ist Ucbertreibung; man sagt besser: Untertreibung. Der dezidierte Poet Schleich wird dann mit einem Ruck ein dezidierter Prosamensch. Auch twim er den Begriff - „Nation" m Verbindung bringt mit der „gleichen W7 Nahrung" derer, die sie bilden, bleibt er geschichtlich-politischcn und diMstischen Entwicklungen durch- ^Tas"'sind leichte Nebel, rasch cntschivinden sie dem reinen Himmel, den der Forsckfcr-Poet Karl Ludwig Schleich aufivölbt. mit all' seinem Wissen und mit jener anderen Begleiterin fernes Daseins, mit der Phantasie. Er sagt, sie eigne mir dem Mensclxn, und diesen Unterschied zivischen Mensch und Tier könne auch Darwins Gesetz nichts überbrücken. E* i^^SSi ' -■ f > y^ Zu haban in den guten Fachgeschöftan 3»m legten Mr'F.E. ..Ae Vimdrr der Serie" Karl Ludwig Schleich ist vor zivölf Jahren ' gestorben. Wer ihn gekannt hat im weltfroudig bewegten Behagen seines Wesens, hinter dem sich cm solches Wissen und Wissenwollen, soviel Entdeckertust und Helfcrsreude barg. ist dankbar für jede Erinnernng. die sich darbietet. Nrm erscheint sein Buch: „Die Wunder der Seele." Verlag S. Fisckfcr- Berlin. Extrakt aus einigen der Bücher, mit denen Schleich in gewisser Art feinor Zeit voran war. um dainit eurer späteren angemessen zu sein, ist cs ein Porträt, ein Aufcrstehcn. ein Wieder lebendigwerden. Ta-r Buch dieses Antimaterialisien könnte als Motto'seinen demütig-stolzen Satz tragen: „WaS ist Wissenschift? Ter Versuch, die Wunder der Welt glaubhaft zil machen." Wunder der Welt, wo sind ' (ie? Mit dem Spähblick des vor der Natiir gläubigen Forschrs sieht er sie überall; nicht nur un „Seltsamen", nicht -in dem. was so obenhin ailch dem Dummen als „Wunder" erscheint. Er findet sic in allcii Kundgebungen des Lebens imd folgerecht in der Erschcinurig deS Todes. Das alles ist ihm ein . ewige? Rätsel; es zil entschleiern, ist Menschentricb, seitdem es eben Menschen gibt. Dieser Trieb ist ber. Schleich so stark, daß er sich auch nicht durch das ..Jgnorabimus" abschreckcn läßt, durch jenes berühmte Dogma Reymouds, das Schleich nicht erst zu zitieren braucht, um uns durch dieses Buch daraus zurückzulenkcu. Und nun der Wimder gewaltigstes: die Seele. Die Kampflust Schlcichs ist groß. Er eifert gegen die These, daß cs eilie Seele nicht geben lönne, weil man sie nicht sehen kann. Er frondiert gegen die Annahme, daß sie, wenn sie existiert, ihren Sitz im Gehirn habe. Er erklärt unt> ist in Beiveggründen iiliermüdlich. daß ein jeder Teil des Körpers beseelt : sei, daß er seine Eigensecle habe, die sich dann in Ja oder Nein zürn Gesamtorganismus stellt. Die Seele, mit änderen Worten die schöpferische Idee ' und Kraft ist überall, im Kleinsten wie im Größten. Damit ist ihre Unvergänglichkert erwiesen, also auch die Unsterblichkeit, damit die „kosmische Harmonie", geschaffen nicht vom Zufall, erzeugt vielmehr vow einer .Unkenden, formenden Idee". Schleich alaubt an einen „Mrhythmus". Auch ihm ist. wie Bqruch ' Spinoza und oem immer wieder m tiefer Verehrung genannten Goetbe. Einheit von Gott und Natur das Selbstverständliche. Dies alles und mehr noch gibt der Gelehrte. . der Biologe, der Chirurg, der er mit emsigstem Be^ 59 Jahre ist I. E. P o r i h k Y, der feinsinnige Dichter und Schriftsteller, alt geworden — ein iuneres Leiden und in dessen Gefolge eine Operation setzten allzu früh seinem Leben ein Ziel. Einem Leben, das von Kämpfen erfüllt, von trotzigem Kämpfer- und Behauptungswillen bestimmt war. In Lomza, im einstigen Russisch- Polen, geboren, übersiedelte der kleine Eli schon vier Monate später nach Karlsruhe, ivo der Vater, ein mehr mit Kindern als mit irdischem Gut gesegneter kleiner Händler, sich bessere Existenzbedingrmgen erhoffte. Hier wuchs der Knabe heran — zivischen dem deutschen Geist, den er begierig in sich aufnahm, und der starren, strengen Orthodoxie des Vaters, die sich an den Dogmenglaubcn klammerte, alles, was darüber hinausging, erbittert negierte. Deswegen und auch aus wirtschaftlichcu Gründen wurde Eli schon bald nach der Einsegnung aus dem Realgymnasium herausgenormueu und einem Manufaktnrwarenhändlcr in Holland in die Lehre gegeben. Die Sehnsucht treibt ihn ins Elternhaus zurück, man findet in Karlsruhe einen nndcrii Lchrherrn für ihn, er »nacht sich, ein Sechzehnjähriger, mit zwei älteren Brüdern selbständig und schreibt in dieser Zeit sein erstes Drama: „Bolko", das von den Berliner Verlegern Freund & Iaeckel verlegt wird. Es scheint dem jungen Dichter die Schivellc zu einer glänzenden Zukunft zu bedeuten, und er, der inzwischen aus der brüder- Itcfjcix Firmengemcinschnft ausgeschicdeu, Kommis bei eineni Tuchwarenhäudler, Hausierer, Weinrcisender und was sonst noch geworden ist, beruft sich auf das Drama, als er die Immatrikulation an der Universität Berlin nachsucht und natürlich abgewiesen wird. Er fährt mit seinen geringen Ersparnissen nach Paris, hospitiert an der Sorbonne. geht durch ein Inferiio des Eleiids, wie er es erschütternd in dem Bekeimtnisbuch „Meine , Hölle" geschildert hat, und kehrt schließlich als Wauderbursch nach Deutschland zurück, um in einem hessischen Dorf „junger Mann" beim Dvrfkrämer zu rverden. Nichts aber kauu ihn in seinem zähen Beharrungswillen beirren, urrd so ist er eines Tages doch in Berlin, hungert sich körperlich durch, während er seinen Geistcshunger stillt, wird endlich zur Universität zugelasscn und studiert Philosophie und Medizin. Sein alles Hergebrachte über den Haufen werseiides Werk „Larnettrie" und die von innigstem Mitgefühl mit der Kreatur erfüllten „Skizzen aus der Anatomie" sind die ersten literarischen Früchte seiner Strrdien. Dann entstehen in rascher Folge Novellen, Romane, Dramen, Essays, wertvolle geschichtliche. lultnr-- und literarhistorische Abhandlirnge», Zeugnisse eines . sublimen, die schablo^ liierten Gedankeiigänge niißallitenden Geistes. Bon klarer Durchsichtiakeit, meisterhaft in der Diktion sind nameiiilich seine Essaysainrnlimgen: die vier Bände „Probleme und Porträts". „Das Herz der 9lacht" und „Imago mundi", in denen er sich mit allen Fragen des Tages, mit Seelischem m»d Physischem airseinandersetzte. Sern Hang zum Mystischeu, der vielleicht auf die Kindheitserlebnisse zurückging und in eigenem Gegensatz zu seiner realen Lebensbctrachtung staiid. fand in den „Gespenstergeschichten", den „Mhstcricn", dem Schauspiel „Die unsichtbare Kraft" fesselnden Ausdruck, die Grazie und Größe seiner Erzählcrkunst dokumentierte sich bcsviiders in seiner „Melancholie". Er war anerkannt, als Antor gescljätzt, aber er schrieb nicht für die Menge. Sv mußte er sich nach einem festen Brvteriverb Umsehen, war Dramaturg in Berlin und am Karlsruher Hvflheater, wirkte in Verlagen und als Tagesschriftsteller und stand zum Schluß, als schwere Krankheit ihn befiel, mit leeren Händen da. Er war eine Dvllnatiir — in ihm steckte etivas vom Renaissance-Menschen. Und zugleich wohnte in ihm die weiche Seele eines Kindes. Wer ihm nähertreten, ihn in seiner ganzen Wesenheit erfassen durfte, wird diesem ungewöhnlichen Mann ein liebendes Gedenken wahren... k. W. UMW Wo «M Wo öte 3öMfö)t Ekhrmiolelec am Lose zu Aautua Am 12. Januar des Jahres 1579 verließ eine glänzende Gesellschaft mit zahlreichem Gefolge .. Innsbruck, um sich nach Venedig und von dort an die Höfe von Ferrara und Mantua zu begeben. Fürsten aus Deutschlands edelsten Häufern hatten sich zu dieser Reise vereinigt. Er,;- ' Herzog Ferdinand, der Gemahl Philippine Wclsers, der Markgraf von Burgau, der Herzog von Braunschweig. Erzherzog Maximilian von Oesterreich und Herzog Ferdinand von Bayern. Der - letztere, ein Sohn des durch seine Kunstliebe be- * kannten Albrecht V., hat die Erlebnisse der Fahrt Tag für Tag allfgezeichnet. Dieses interessante handschriftliche Diarium — gegenwärtig im Besitze deS königlich bayerischen geheimen Hausarchivs — zählt 32 Blätter in Folio und führt den - Titel: „Divrnale oder ordenliche vertzeichnus war sich von tag zu tag auf nachuollgender rays verlosten , hat" vom-12. -Januarij bis uff. den zwölfften Februarij difes fünftzehenhundert neun und sibentzigistenJahrs". Die Fürsten reisten inkognito, was jedoch nicht hinderte, daß man sie überall nur hohen Ehren anfnahm und durch alle möglichen Vergnügungen zu längerem Verweilen zil bewegen suchte. Besonders zcichucte sich hierin der Hof von Rlautua aus. Ter Aufeuthalt, den unsere Reisenden dort vom 1. bis 6. Februar nahmen, gestaltete sich zu einer Reihe glänzender Festlichkeiten. Die Gonzaga, Rlantuas Herrscherfamilie. hatten stets der heimischen Schauspielkunst die regste Teilnahme gewidmet, sie unterhielten fortwährende Beziehungen zu Italiens bedeutendsten Komödiantcutruppen. und es war daher riatürlich, daß man die hohen Gäste auch durch die Ausführung einer Komödie zu ehren suchte. Doch diesmal erschienen Schauspieler ganz eigener Art vor den Augen der Zilschauer. Das Tagebuch schreibt hierüber unterm 5. Februar (Fol. 27b): . Nachher haben »vir sa,netlich in der hertzogin zimber das nachtmal gessen. Nach eszeiis uf den saal, da der sueßthrirnier gehalten worden, gangen, Alldo ein Comedj von Juden agirt worden: halt schier fünf Stondt gewört. Ist Nichtz anders gewest, all? sonst beij welsche Eomedj, allein das khein Magnifico vn(d) Zanj dabey gervest: das Ort ist mit Portalln vnd heüszern gar hübsch zugericht." Die Tatsache, daß Juden bereits im 16. Jahrhundert als Schauspieler sich zeigen, schien mir interessant genug, um weiter verfolgt zu werden. Das Archiv des Hauses Gonzaga besteht noch gegenwärtig unter dem Namen „Archivio storico dci Gonzaga" iir Mantua; ich wandte mich also an den Vorstand desselben. Herrn Stefano Tavari, welcher die Liebenswürdigkeit hatte, in den dortigen Akten weitere Nachforschungen anzustcllen. Aus seinen Mitteilungerl geht hervor, daß der Hof bei verschiedenen festlichen Gelegenheiten die schauspielerischen Talente der Juden in Anspruch nahm. Der Leiter der Gesellschaft scheint ein gewisser Leone de Sommi, ebenfalls ein Jude, gewesen zu sein; er finbet gleichzeitig auch als Theaterdichter Erwähnung. Urkundlich nachweisen läßt sich das Auftreten der jüdischen Schauspieler nur in.folgendeu Fällen: 1580. Am 3. Dezember befiehlt Herzog Wilhelm von Mantua dem Leone de Sommi, für die Hochzeit des Prinzen Voncenz Gviitaga mit Margarethe Far-- ncse (ivelche im Rtärz 1581 stattfand) eine Komödie vorzubereiten. 1582. Bincenz Gonzaga befiehlt den Juden, .pir Feier seiiles Geburtstages eine Komödie darzustelleu. 1587. Im Karneval dieses Jahres veranstaltet die Gesellschaft eine Ausführung auf dein Theater des Hofes. Die angeführten Nachrichten sind zlvar spärlicher Natur, sie genügen jedoch, um zu beweisen, daß der Hof von Mantua in den Jahren 1579 bis 1587 sich jüdischer Schauspieler bediente. vr. J. E. Poritzky. Einkehr Von Arthur SÜbergleit Und wird dein Weg zu Gott zu weit. So suche dich der Ewigkeit Durch göttliches Gefühl zu nähern. Und trotzt dein Standbild noch so ehern Schier unerschütterlich der Zeit. Fortfegen wird doch Gottes Sturm Es jäh, und wär' es wie ein Turm So hoch und stolz: ihm droht Zerfall, Wenn Vaters Herz nicht Widerhall In deinem fand. Stirbt Saitenschall unterm Schwung der Bogengänge Und dunklen, esennen Behänge Rund um der Tempelsäulen Wall. Tann wird zum Andachtshaus Dein All, Kein Beter Dich, o Herr, verlieren Und Wald an Wald Dir Psalmodieren Mit Wildbachbraus und Nachtigall. Professor Walther Hannes (Breslau) gestorben Am 22. Januar starb unerwartet der Prinrärarzt der Abteilung für Frauenkankheitcn am Städtischcn Allerherligen-Hospital in Breslau, Professor Hannes im 57. Lebensjahre. Der Verstorbene war lange Jahre Assistent von Professor Kustner an der Breslauer Urrrversitätssrauenklinik, im Kriege Stabsarzt der Reserve und Leiter verschiedener Feldlazarette bzw. des Festungslazaretts Breslau. Nachher wirkte er als Oberarzt der Breslauer gynäkologischen Universitätsklinik. Im Jahre 1029 wurde er als Nachfolger von Profesior Robert Asch zum Primärarzt der Abteilung für Frauenkrankheiten am Allerheiligen-Hospital gcwäyli. 1907 hatte er sich in Breslau habilitiert und würde 1910 zum a. 0. Professor ernannt. Seine Spezialfächer waren operative Gynäkologie und gynäkologische Urologie. Der Verstorbene War - langjähriges Mitglied des C.-B. - /? £ W