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Central-Verein-Zeitung · 1935-02-07 · 6 (7.2.1935) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
6 (7.2.1935)
Date
1935-02-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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3\\/7£-7 BeibSaft Februar Mhr WM ■ vse öM EM Mi Ssn Fritz SlotosM Mn-LtzoM Wer einmal nur flüchtig in ein talmudisches oder spätrabbinisches Buch einen Blick geworfen hat. dem wird ausgefallen fein, mit welch minutiöser Genauigkeit man dort das geistige Eigentum wahrte. Zitiert einer der Schriftgeich rten das. wenn auch nur geringste Wort eines anderen, so erwähnt er diesen, ja noch mehr: nicht selten finden sich im Talnuw ganze Autorenreihen einem Zitat vorausgeschickt. Etwa: „Rabbi Jose, der Galliläer, Pflegte im Namen des Nabbi Papa zu sagen, daß jener von Rabbi Huna, der es von Theodos dem Römer hatte, gehört habe . . Bon dieser respektablen Haltung gegenüber dem geistigen Eigentum ist leider in unserem, deutschjüdischen Lebensraum oft nicht viel zu merken. Es herrscht hier — das muß einmal mit aller Deutlichkeit gesagt werden — eine Verwilderung, die des „um da seker", des Buchvolles unwürdig ist. Vor allem die jüdische Provinzpresie und die verschiedenen mittleren und kleineren Vereine und Organisationen sind dem jüdischen Autor und seinem geistigen Eigentum gegenüber von einer Weithcrzigkeit, die hart an der Grenze des gesetzlich Zulässigen stehen. Welcher Autor würde sich nicht freuen, wenn aus einem seiner Bücher hier und dort Stücke nachgedruckt werden. Aber die Freude wird erheblich vermindert, wenn er irgendwie per Zusall eine Zeitung in die Hand bekommt, und dort ein Gedicht, eine Novelle, einen Essay von sich entdeckt. den er nie dort vermutet hätte. Schreibt er dann in aller Höflichkeit an das Blatt und bittet um nachträgliche Honorierung des (doch unbefugterweise) nachgcdruckten Beitrags, so hört er. in der Mehrheit der Fälle 7— nichts. Einige schelmisch-drohende Mahnschreiben locken dann aber den entfernten Gcmeindegewaltigen aus seiner Reserve, und er läßt sich dazu herbei, dem Autor in lapidaren Sätzen mitzuteilen, daß er grundsätzlich nicht honoriere. Basta. (Wovon der jüdische Schriftsteller im deutschen Sprachraum, dem die Mitarbeit all der allgemeinen Presse so gut wie unmöglich ist, leben soll, steht nie und nirgends zur Debatte.) Oder: Welcher Bühnenautor wäre nicht beglückt. eines seiner Muscnkinder über die Bretter, die die Welt bedeuten, schreiten zu sehen? Aber auch diese Freude ist nur mehr sehr potentiell wirksam, wenn man (wie mir dies passierte) durch die Zusendung verschiedener Zeitnngsausschnitte durch Bekannte darauf aufmerksam gemacht wird, daß irgendwo eine indische Organisation große Erfolge mit seinem Stück feiert. ■ Aehnlich halten cs manche Organisationen mit Abmachungen bezüglich Vorträgen. Autorenabenden usw. Ich allein kann dokumentarisch belegen, daß ich für diese Wintersaison 7 (in Worten sieben) Einladungen in verschiedene Städte hatte, in denen ich aus meinen Dichtungen hätte lesen sollen. Diesen sieben Einladungen sind die Einladenden nicht nachgekommen, atfetn sie hielten es nicht eiymal für der Mühe wert, sich zu entschuldigen oder auch nur abzusagen: man hüllte sich in Schweigen. Dafür rezitiert man selbst munter aus den Werken lebender jüdischer Dichter, ohne nur im mindesten um Erlaubnis zu bitten, oder auch nur' den Verleger oder den Autor davon in Kenntnis zu setzen. Jeder dieser Verstöße gegen das geistige Eigenttlm ist Diebstahl an dem ungemein hart kämpfenden jüdischen Autor. Ich weiß, daß dabei viel mehr aus Gleichgültigkeit und Unwissenheit gesündigt wird, als aus böswilliger Absicht. Aber Gleichgültigkeit hat eben oft dieselben Wirkungen wie Bosheit. Vielleicht beseitigt dieser Appell die Gleichgültige keit .. * Aus den Vortragssälen WAM §r. DarsÄMer: Dir WtrMWiWrr im Im Nahmen des Kulturbundes hielt Rabbiner Dr. Warschauer am 21. Januar im Berliner Theater einen Vortrag über die „Unstcrblichkeitsidce im Judentum". Er ging davon aus. daß diese Idee im Bewußtsein des modernen Juden stark in den Hintergrund getreten ist; tatsächlich aber spielt sie in der Rcligionsgcschichte des Judentums eine sehr bedeutende Rolle und tritt dort in den vier Hauptformcn auf, die auch sonst im Glauben der Völler anzutrefscn sind. Der gewaltige Eindruck, den der Tod ans den Primitiven Menschen macht, führte zur Bejahung der Persöickichleit des Menschen in der Form des Glaubens an ein schattenhaftes Fortleben der Seele. Hier gehen im alten Israel zwei Vorstellungen nebeneinander her: Nach der einen hielt sich die Seele im Grabe oder in dessen Nähe auf, nach der andern finden sich die Seelen in der Unterwelt zusammen und führen dort ein schattenhaftes Dasein, ähnlich wieuns bei Homer das Dasein der im Hades versammelten abgeschiedenen Seelen geschildert wird. Diese Vorstellungen gehörten dem Volksglauben an. Von Tora und Propheten wurde der den Toten gebrachte Kult und die Totenbeschwörung heftig bekämpft. Im zweiten vorchristlichen Jahrhundert, und zwar in der Makkabäerzeit, tritt zunächst im Danielbuch, der Auferstehungsglaube hervor. Er hat sich allmählich dnrchgesetzt. besonders butdj die apokalyptische Literatur, bis er im Urchristentum 31t weltgeschichtlicher Bedeutung gelangte. Die Folgezeit hat ihn außerordentlich ausgcbaut und zum Teil phantastisch unb grob sinnlich gestaltet. Im Talmud lebt er fort, doch bemühen sich die Gcsetzctzlehrer zum Teil um seine Vergeistigung. Eine solche — vielleicht in gewissen späteren Büchern der Bibel bereits angedentet — vollzog sich bei den vom Hellenismus beeinflußten Juden. Die nach dem Abschluß des Talmuds austrctcnde Rcligionsphilosophie findet den Glauben an . die Unsterblichkeit und den au eine rein geistige Fortdauer vor. Sie hat sich mit beiden auseinanderzusetzen. und diese Auseinandersetzung erreicht ihren Höhepunkt wohl in Maimonides, der zwar den Unsterblichkeitsglauben als Wunder hinnimmt, aber doch die Idee einer geistigen Fortdauer aller Seelen ans dem Geist der jüdischen GotteSidee heraus zu begründen weiß. Mit dem T GM „Jaakobs Traum“ im Berliner Kulturbund Zeichnungen von Aiy Ritter-Lauinjer l!!I>I>>>>I>>III>>I>lII>>I>!>>IIliI!>I!>!!>I!i>I!!Ii!l1Il>I!iIl>!i!>!iI!!i!!>!!!!II!!!!>>>!>>!!I!!!!I!lI!Il!l!!/i!!!!IIl Auftreten der Kabbakah und später des Chassidismus tritt in das Judentum die Seclenwanderungslehre ein, wieder im Zusammenhang mit dem Messianismus, der Erlösungs- und £äuvcrungssehnsucht. Moses Mendelssohn vertritt dar n an der Schwelle der jüdischen Neuzeit mit den Mitteln der Äufklärungsphilosophie den Gedarken der rein geistigen Fortdauer des Menschen über denTod hinaus. Von hier an ist dieser Gedanke im modernen Judentum vorherrschend geworden. Es ist der Ausdruck wichtiger, im Wesen des Judentums tief begründeter Motive, ein wesentliches Stück echter Elaubenspoesie, das nicht sinnlich vergröbert werden darf, eine Hoffnung, die dem Judentum erhalten bleiben soll. H.R. Stcfcffsr Low Berliner: Sas Semrallournvrodlem Auf Einladung der Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes München sprach Eora Berliner vor einem aufmerksamen Auditorium über das Generativnenproblem. Ter entscheidende Einschnitt in der Abfolge der Generationen ist nach Meinung der Rednerin der Krieg gewesen. So viele und schwere Schattierungen auch im Lause der letzten Jahre und Jahrzehnte die einzelnen Geburtcnjahrgänge voneinander trennen mögen, nichts kommt an Bedeutung dem Umstand gleich, vb man noch als erwachsener Mensch die letzten Borkriegsjahrc erlebt hat oder nicht. Alle diejenigen, die nach 1900 geboren sind, sind in eine unbürgerlichc, ungesicherte, jeden Tag neue, unvorhergesehene Ereignisse und Entscheidungen bringende Zeit hincingeraten. Was die besondere Lage der jüdischen Generationen betrifft, so hat sich die Ungesichcrtheit mit den Geschehnissen des Jahres 19-2:1 unvorstellbar verstärkt. Dabei ist durch die Ariergcsctzgebung die Generationendifferenziernng besonders betont worden: die Jahrgänge vom jüngsten Frontkämpfer an aufwärts konnten im Gegensatz zünden jüngeren im großen und ganzen ihre wirtschaftlichen Positionen halten, aber ihre seelische Lage ist vielleicht die schlimmere. Sie sind nicht in der Lage und sollen nicht in der Lage sein, mit einem Mal abzu schwören, was sie vorher angebetet haben. Die Jungen sind in der Frische und der Entschlossenheit, mit der sie..versucht haben, neue Wege zu gehen, ein Stolz der jüdischen Geschichte unserer Tage. Aber anderseits bleibt cs eine' Derpslichtung der Aelteren, die ihre Existenz erhalten ..WMU SiiT ZurEritLuWruNg!m Bllllucr Kulturbund Von zwei Bühnen ist „Jaakobs Traum"' in Berlin bisher gespielt worden: Ende 1919 bei Reinhardt und sieben Jahre später — in einer Aufführung, die das klingende Mysterium zu einer veritablcu Oper umsülisierte — von der Habima. Tie jetzige Anfsührnng der Kulturbundbühne, lange geplant und schwer errungen, trifft das deutsche Judentum, äußerlich und innerlich, in einer völlig veränderten Situation: mitten in der Erschütterung ferner materiellen Existenz ist das jüdische Bewußtsein erstarkt; und in der täglich erneuernden Tragik des diesseitigen Schicksals eure geistige und seelische Wiedergeburt, die sich au den religiösen und geschichtlichen Werten einer großen jüdischen Vergangenheit ausrrchtet. In solcher neu gefesteten Grundhaltung nehmen mir Richard Beer-Hofmanns Vorspiel zu seiner „Historie von König Tavrd in uns auf — als eine hohe Verpflichtung, mit der wir uns „der Ahnen längst verlorenen Paradiesesströmeu nahüi", zugleich aber auch als das Werk eines Dichters, der an deiltscher Kultur — an Goethe, an Kleist, an Hebbel — sich geiiährt, und der die deutsche Sprache hat zu Musik werden lassen. Das Werk eines Dichters, keines Dramatikers. „Jaakobs Traum' 'st lyrM konzipiert, -episch gegliedert, in allen Dramattschon, sei es im Bereich des MYchlsch-Mcirchuch-n.^^D^iinulich-Blsionaren, nck. um biblische Figuren und Motive em schrM' merndes Festgewand legt; ist. eme srere! Ausgestaltiing, eine psychologische und gedank liche Illustration alttestamentarrscher Be gebenheiten, denen die von emem mächtigen <k)o3 bewegte dichterische Phantasie Kraft und Bedeutung einer in die Ew^ktzü wirken den Synchrckik Prweist. Schmucklos und mit herrlicher Naivität berichtet das 1. Buch Moses voii dem Streit der beiden ungleichen Brüder Jaakob und Esau um das stecht der Erstgeburt und um den väterlichen Segen, den Jaakob durch eine List feiner Mutter Rebekka dem sterbenden Vater Jizchak abringt. „Da befeindete- Esau Jaakob um des Segens willen, mit dem sein Vater ihn gesegnet hatte." llnr der Rachsucht des Bruders zu entgehen, flüchtet Jaakob. wieder aus betreiben Rebekkas, zu ihrem Bruder Laban nach Haran. Unter- Wegs, als die Sonne untergegangen ist, legt er sich aus einen Stein zur Ruhe nieder. Da träumt er: „Sieh', eine Leiter war auf die Erde gestellt, und ihre Spitze reichte aii den Himmel, und sieh'.' Sendboten Gottes stiegen an ihr aus und nieder. Und sieh!, der Ewige stand bei ihm nnd sprach: Ich bin der Ewige, der Gott Deines Vaters Abraham und der Gott Jizchaks; das Land, auf dem Du liegst, will ich Dir und Deinem Sauren geben." (Zitiert nach der neuen, von Harry'Torczyner besorgten Ausgabe der „Heiligen Schrift".) Auf dieser einfachen biblischen Grundlage hat Richard Bcer-Hofmann den stolzen Bau seiner Dichtung aufgcrichtet. Um ihn zu stützen, miißte er in den Schacht der menschlichen Seelen hinabsteigen: Rebekkas List mußte begründet, ihr Verhältnis. zu den beiden Söhnen von innen heraus gestaltet werden. Aber auch die. Gegensätzlichkeit der feindlichen Brüder, denen die Bibel nur wenige lapidare Züge leiht, war in ihren menschlichen und dynamischen Auswirkungen sinnfällig zu machen, und schließlich mußte . es den Dichter und den Denker reizen, die. Traumvision Jaakobs tiefer auszudeuten und die göttliche Berufung des gegen seinen Willen Auserwählten zugleich als ein heißes Ringen um. Gott darzustellen. . Warum liebt Rebekka ihren Sohn Jaakob, warum haßt sie' Esau? Die Bibel, wortkarg und jedem Kommentar abgeneigt, gibt auf diese Frage keine Antwort. Der Dichter »o« jaakobs Traum" findet Ke; Rebekka, die voll Stolz sich dem Sohn Abrahams angetraut hat, hört in Jaakob das Blut der Ahnen rauschen; sie sieht in ihm den Gesegneten Gottes, um den Gnade ist und „unerschauter Engel Flügelschlag"; der aber auch allem menschlichen Leid seine Seels weit aufgeschlossen hat. Esau aber ist ihr fremd geworden, in seiner brutalen Gier, die nur an irdischem Besitz und irdischer Lust sich sättigt, der nur „jagen" und „morden" kann und Gott „in ferne Himmel" eingesargt" hat. Zlvischen diesen beiden Brüdern scheint es keine Brücke zu geben, die von dem wilden Haß des einen zu der sanfteren Gemütsart des andern hinüberführt. Und so stürmt Esau in unbeherrschtem Rachegefühl mit ferner Hundemeute, mit Pfeil und Jagdmesser zur einsamen Höhe von Beth-El empor, auf der Jaakob mit seinem treuen Knecht Jdnibaal Rast gemacht hat: da begibt sich das geheimnisvolle Wunder, daß der Segen des Vaters, der auf Jaakob ruht, daß das „ferne Beten der Mutter", das die leise wehenden Abendwinde zmn Gipfel des Berges hinauftraaen, den trotzigen Bruder auf die Knie zwingt. Sie scheiden versöhnt — Esau in seinein letzten Mißtrauen besiegt, Jaakob im wachen Traum von den Sendboten Gottes bedrängt, die aus leuchtenden Stufen zu ihm niedersteigen. Und nun beginnt der Kampf der himmlichen Heerscharen um den von Gott Berufenen: wie dre Geister um Fausts Seele, so streiten hier helle und dunkle Gewalten, die vier Erzengel und der finstere Samael, um Jaakobs irdische oder göttliche Sendung. Er selbst aber will nur aus Erden Künder der Gottesbotschaft? sein, alle menschliche Qual mit Gottes Wort lösen und die Last des Auserwählten mit Kraft. Stolz und Geduld durch die Zeiten tragen — „eine ewige Feuerfackel, die ob den Wegen aller Völker flammt!" Richard Beer-tzvfmanns Werk ist in dem Reichtum seiner-Gedanken-sowie in seinem jütlich - religiösen Sruvdegehalt analytisch isiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiüiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii konnten, immer erneut aus Mittel und Wege zn sinnen, die es möglich machen, jungem jüdischen Menschen zn Arbeit unb Berus oder wenigstens zur Ausbildung für eine Auswanderung, die sich in erster Linie nach Palästina richten muß, zu lerhelsen. Tann darf man hoffen, daß es trotz der riesigsten Schwierigkeiten allen denen, die an itwer Ueberwindnng arbeiten, gelingt, einem Teil , der jungen Generation im Land der Väter eine neue Heimat zu schassen, und einem großen Teile die Möglichkeit zu geben, die alte Geschichte des deutschen Judentums in die Zukunft hinein sortzusetzen? Ca. •Slesftifl Barkan: Nietzsches AuLinMrrsetzimg mit der Mttnfrügr Vor einem überraschend großen Zuhörerkrcis sprach Tr. Regina Barkan im Berliner Kulturbund über „Nietzsches Auseinandersetzung mit der I u d e n f r a g e". Das Judentum hat Nietzsche zu wiederholten Zeiten seines Lebens und in den mannigfachsten Formen beschäftigt: als geschichtliches, als kulturelles. vor allem als ethisches Problem, und immer wieder hat er versucht, diesem Problem in den Beziehungen zu seiner Philosophie näherzukommen. In klaren, sachlich-analytischen Ausführungen gab die Vortragende einen Abriß der philosophischen Grundanschauungen Nietzsches, soweit sie um Juden und Judentum kreisen; insbesondere erläuterte sie seine Haltung gegenüber der jüdischen Moral, die sich bei dem Volk, der nicht zu erschöpfen. Aber auch die Besonderheit der szenischen Gestaltung und der dichterischen Formgebung läßt sich nur andeutend wiedergebcn: die Beseelung der Naturszenerie, wo die Stille summt, die Wipfel der Bäume rauschen, Stimmen aus Quell und Gestein hervorbrechen, durchleuchtete Wolken sich türmen eine grandiose Phantasmagorie, in der die Natur nicht aus einem leeren, impressionistischen Stilwillcn, sondern aus dem Ahnungsvermögen. aus Intuition und Phantasie lebendig wird. Und daun: die prachtvoll Ijmflutcitbe, aufs Feinste ausgewogene Verssprache, die bald ehernen, bald gedämpften, bald hymnisch erhabenen, bald lyrisch-zarten Klänge einer Wortmusik, die in ihrein schmeichelnden Wohllaut nur noch in Hugo von Hofmannthals rhythmischer Melodik etwas Ebenbürtiges findet. Bei alledem.- die Loslösung von „Jaakobs Traum" aus seinem dichterischen Rahmen, seine Ueberleitung in das anschauliche und versinnlichertde Bild der Bühne wird immer ein Problem bleiben. Wie das Problem durch die Aufführung des Kulturbundes gelöst worden ist — darüber soll in der näch- . ften Nummer dieses Blattes berichtet werden. vr. Hugo Lachmanski. Dle FeMrilelllMv im Berliner KullurbMd „In deinem Samen schau're immer wieder Erinnern dieser Nacht." Und so geschaht! Zeitentrückt, dem Ursprung ihres Seins unendlich nah. saßem die Berliner Juden, Menschen des 20. Jahrhunderts, eingefangen von Stimme und Wort,, die aus Urtiefen jüdischer Erinnerung und jüdischer-Stammesgeschichte über die Jahrtausende hin Fackel und Becher und Geißel reichten. Das war kein Theater,, keine Festvorstellung, bei der erstmals im Berliner Kulturbund „Jaakobs Traum" von Richard Bcer-Hofmann Gestalt gewann^ Es war ein Anruf an jeden, die drei heiligen Ströme durch uns fluten zu'laffen: Kraft, Stolz,- Geduld . Eine ergriffene imd-erschütterte

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