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Central-Verein-Zeitung · 1935-01-31 · 5 (31.1.1935) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
5 (31.1.1935)
Date
1935-01-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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f wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte... Uebrigens war dieser Vorfall nicht etwa ein Beweis dafür dass Heinrich mit seinem Widerspruch im Recht gewesen wäre. In der ersten’ Zeit hatte Beate zu kämpfen, um die kleinen Teufel zu verjagen, die in ihren Frieden einbrachen, wenn sie Ernst plötzlich in einer Welt sah, in die sie ihm nicht zu folgen vermochte. Doch sie liess ihn gewähren; und als es ihn eines Abends wieder nicht in der Stube hielt, fühlte sie, dass sie sieb Gewalt antun musste, um zurückzubleiben. Mit schmerzhafter Freude erkannte sie, dass es die gleiche'Unruhe war, die nun auch ihr Leben bestimmte. Niemals kam ein Wort über ihre Lippen, nicht zu Ernst, nicht zu den Eltern, aber es war schön, den hellen Schein über den stillen Stunden zu spüren, unberührt, ein mächtiges Geheimnis, das die Schritte leicht machte, ohne dass die Füsse den Boden verloren. „Ich weiss nicht, ob ich mich noch auf mein Herz verlassen kann; aber mir scheint, Beates Augen sind glänzender geworden“, sagte der Bauer Heinrich. Die Kinder freilich waren mit den glänzenden Augen geboren; zunächst merkte indessen niemand etwas davon, sie spielten mit den anderen, sie lernten mit den anderen die wichtigen Dinge des Lebens: dass man das Wetter aus den Wolken Vorhersagen konnte, wie man Pferde aufzog, dass die Rosen dunkel wurden, die man auf Eichen aufpfropfte. Freundschaften entstanden und vergingen, kleine und grosse Vertraulichkeiten wechselten. Aber mit einem Male geschah den Kindern etwas Merkwürdiges, das die Tage beklommen und die Nächte heiss und schlaflos machte: alles, was bisher das Leben aufregend und abwechslungsreich gestaltet hatte, alle Abenteuer der Tage schienen ihnen plötzlich langweilig und bedeutungslos, es gab Stunden, in denen sie weinen konnten, ohne nach dem Grund zu fragen, sie zogen sich von den Freunden zurück, sie hielten die Verabredungen nicht ein. Es gab Abende, an denen sie das Haus nicht verlicssen, obgleich die anderen draussen auf e'e warteten. Ernst und Beate sahen es wohl; aber sie hüteten sich, das Geheimnis der Fünfzehn- und Sechzehnjährigen zu entschleiern. Sie sahen gelassen zu, wie die Scheu vor der Unterwerfung und die Sehnsucht, die, ach so vertraute Sehnsucht, mite'nander stritten: sie hatten keinen Zweifel, wie der Kampf ausgehen würde. Es war bedauerlich, dass sich die Kinder von den Kameraden zurückzogen, gewiss; aber durfte man ihnen helfen? Beate und Ernst hatten ein langes Gespräch, bevor sie sich entschlossen, an einem der Abende, an dem alle im Haus waren, die Truhe zu öffnen und die seltsamsten Dinge auf dem Tisch auszubreiten, die ly ihr verborgen waren. Ein Schiff, aus feinen Hölzern zusammengesetzt, das auf geheimnisvolle Weise in einer grünen Flasche untergebracht war : niemand vermochte zu sagen, wie es durch den engen Hals in das Innere gekommen war. Ein buntes Tuch, mit undeutbaren Zeichen bemalt, Karten von Ländern und Meeren, die. mit vielen Daten beschrieben waren: das Wasser hatte Tage, Monate und Jahre verwischt, mit vieler Mühe waren sie sauber nachgezogen. Ein Messer, das so fein war, dass man Papier in der Luft damit schneiden konnte: ihm hatten das Wasser und die Jahre nichts anhaben können. Dies alles und noch vieles andere war Id dem.Bündel gewesen, das Emst damals vom* Schiff auf das Land gerettet hatte. Keiner auf der Insel, ausser Beate, wusste von diesen Din-' gen, auch den Kindern batte man sie niemals gezeigt Jetzt sassen sie mit staunenden, aufgerissenen Augen da und liessen sich die Geschichten erzählen, die zu jedem Ding gehörten. Sie durften die kleine Weltkugel berühren, sie hörten von grossen Städten, von Häfen und verborgenen Inseln, sie erfuhren heute, wie der Vater auf die Insel gekommen war, keiner sprach ein Wort, als der Vater, mit einem stillen Blick auf Beate, seine Erzählung beendete: es fiel ihnen auf, wie alt und müde er aussah. Die Nacht war weit vorgeschritten, sorgfältig legte die Mutter alles in d.e Truhe zurück und verschloss sie. Die Kinder küssten die Eltern, wünschten eine gute Nacht und gingen zu Bett Aber Kinder und Eltern fanden in dieser Nacht keinen Schlaf ► . . Am Morgen, als d e Sonne schien, war es schwer, sich an die stille Abgeschlossenheit des Abends zu erinnern. Es war gut dass man sie vergessen konnte; seit dem Gespräch mit den Eltern waren die Kinder heiterer geworden, die unrastigen Abende hörten auf, aber irgend etwas war mit ihnen geschehen, was sie stärker und überlegener machte. Sie waren wieder, wie früher, mit den Freunden zusammen; niemals erwähnte eines; der Kinder das Geheimnis, das in der Truhe oinpescblossen lag; sie bewahrten es wie einen kostbaren Schatz, der entweiht wurde, wenn' ein anderer davon erfuhr. Freilich Liess es sich nicht ganz verbergen, dass dm Kinder etwas erlebt hatten, was eie den anderen nicht sagen sollten; bisweilen halte Heinrich einen hochmütigen Zug im Gesicht, den man früher nicht an ihm gekannt batte, es kam vor. dass er plötzlich mitten vom Spiel fortlief, ohne sich mit einem Wort zu verabschieden; am nächsten Tag kam er w.eder, als sei nichts geschehen. Das tat, so rasch, der Freundschaft keinen Abbruch, die anderen gewöhnten sich daran, dass einer von den dreien plötzlich ausbrach: sie kannten sieb zu lange, um nicht gutmütig darüber hinwegzusehen. Mit den Jahren allerdings verliefen sich dm Freunde, es gab nur wenige, die zu ihnen bimten, und auch diesen wenigen war die Freundschaft nicht immer geheuer. Ee ging ihnen wie jedem von uns: wir glauben Menschen seit Jahren zu kennen; ein Wort reiset plötzlich einen Abgrund auf, vor dem wir schaudernd stehen: alles Vergangene wird unwahr, eine Wahrheit enthüllt sich, kalt und unbarmherzig ist das Fremde da, zu dem es keine Brücke gibt Der Bauer Philipp hatte sich als ein kluger Prophet erwiesen, als er sich von der Besiedelung der Inseln nur eine scheinbare Besserung versprach. Denn kurz nach seinem Tode unternahm einer der jungen Männer einen Schritt, der, an sich unbedeutend, ein klares Licht auf die wirkliche Lage warf: er schrieb einen Brief an den Bürgermeister des Dorfes, aus dem die Väter gekommen waren. In diesem Brief war genau geschildert, wie es im Augenblick auf der Insel aussah. Keiner der Männer, die vor sechzig Jahren die Insel besiedelt hatten, lebte, auch Beate und Ernst waren vor wenigen Jahren gestorben, ihre Kinder waren, wie der Brief milteilte, die einzigen, denen es gut ging. Friedrich hatte den Hof des Vaters übernommen, dem .Jüngeren war ein grosses Stück Land aus Gründen, von denen sich keiner Rechenschaft abzulegen vermochte, durch einen der Bauern übergeben worden; Angelika hatte den ältesten Sohn des Bauern Michael geheiratet. Im übrigen aber sähe es trostlos aus. Noch hätten zwar alle ihr Auskommen; fast alle jungen Menschen seien jedoch zur Untätigkeit verurteilt. Dieser Brief sei ein Ausdruck der verzweifelten Stimmung, die alle ergriffen habe, sie hätten keinen Mut mehr, abzuwarten, da keiner sich eine Aenderung vorstellen könne; für alle gäbe es nur eine Hoffnung; die Rückkehr zur alten Heimat, die ihnen ganz andere Möglichkeiten, zum mindesten aber Arbeit bieten könne. Vielleicht beschrieb dieser Brief in seinem Bemühen um rasche Wirkung manches dunkler, als es nötig und wahrhaftig gewesen wäre; dennoch wurde er n'cht beantwortet Es vergingen Monate, es verging ein ganzes Jahr. Dem ersten Brief folgten viele Briefe. Man hatte keine Beziehungen zum Festland; so schrieb man aufs Geratewohl an Menschen, auf deren Einfluss man vertraute, an Bürgermeister, Ratsherren, Gouverneure. Nichts geschah, Frühling und Sommer vergingen; war vorher schon die Sorge ernsthaft genug gewesen, so wurde nun unter dem Druck des Wartens die Verzweiflung riesengross. Viele Tage, bevor das Postschiff zu erwarten war, fanden sich d e jungen Männer am Strande ein und hielten Rat; mit grossem Eifer, mit starkem Vertrauen, mit aufgeregten unklugen Worten. Im Herbst des Jahres achtzehnhundertfünfundachtzig geschah, was keiner mehr hoffte: der Postdampier hielt auf der offenen See, ein Boot wurde zu Wasser gelassen, das auf die Insel zusteuerte. Obgleich jeder damit gerechnet halte, es müsse" auf Grund der vielen Schreiben Hilfe vom Festland kommen, war die Ueberraschung so gross, dass es für die Bewohner der Insel keinerlei Möglichkeit gab, sich vorher über die kommenden Entschlüsse zu verständigen. Ein grosser Teil der Bauern lief am Strande zusammen, Christian, der Sohn des alten Christian, der jetzt unter den Besitzern der Höfe — freilich ohne die Anerkennung der jungen, unbeschäftigten Männer der Insel — als Wortführer auftrab erschien ebenfalls, um das Boot zu empfangen. Durch einen Zufall, der sich später als verhängnisvoll erwiess, kamen weder Friedrich noch Heinrich, noch der älteste Sohn Michaels zum Strand. Während das Boot sich langsam der Insel näherte, wechselten Vermutung und Erwartung, die Spannung wurde unerträglich, jeder glaubte, man stände dicht vor der Entscheidung über Glück und Zukunft der Insel. Das Boot legte an es war wirklich ein Regierungsbeamter, der beauftragt war, sich über die "Zustände auf der Insel, die trotz der zahlreichen Schreiben und Anfragen undurchsichtig blieben, zu informieren. Christian, der den Beamten über die Insel führte, und ihm die Einrichtungen, die Verteilung der Höfe, den Platz der abendlichen Zusammenkünfte zeigte und erklärte, erfuhr mit vorsichtigen Fragen, die Regierung beabsichtige, den Boden der Insel, der von Männern ihres Landes besiedelt und urbar gemacht worden sei, nunmehr amtlich als zum Lande gehörig zu betrachten, damit sei allerdings, fügte er mit vorsichtigem Lächeln hinzu, die Insel auch den Gesetzen des Mutterlandes unterworfen. Christian, dem der veränderte Ton sofort aufgefallen war, sah den Beamten von der Seite an: Es sei eigentlich nichts besonderes, es sei ja bekannt, dass die Bewohner der Insel mit Schwierigkeiten, zu kämpfen hätten, auch wenn er, Christian, in seiner Unterhaltung bisher nur die Vorzüge hervorgehoben habe. Christian wurde blass: es wäre nicht seine Absicht gewesen, die Sorgen zu verheimlichen, im Gegenteil, er hätte nur gehofft, durch die ausführliche Besichtigung der Insel ihm die Ursachen der Sorgen verständlicher machen zu können. Der Beamte zuckte nervös mit dem Gesicht und machte eine ab-, wehrende Bewegung mit der linken Iland. Dies sei ja gleichgültig, es sei doch verständlich, dass sich durch eine Verbindung mit dem . Mutterland das überschüssige Menschenmaterial leichter verwerten liesse. Christian wusste nicht, ob er richtig verstanden habe: das waren neue Worte, die.man erst verarbeiten musste. Es entstand eine Stille, die beiden unbehaglich war. Vielleicht 'balle der Beamte zuviel gesagt, er wandte sich noch einmal zu Christian und sagte, es sei doch leicht zu verstehen, dass es 6ich dabei um nichts Grundsätzliches handele, es sei eine Frage der Organisation .und nichts anderes. Durch die Eingliederung würde, mit Goheimrcat Prof.Dr.Herman SfrauS feiert am-1. Februar das Jubiläum seiner 25jäb* rigen. Tätigkeit als Chefarzt der Inneren Abteilung des Berliner Jüdischen Krankenhauses. Wir gratulieren Geheimrat Strauss, den wir auch zu den Mitarbeitern unserer Zeitung rechnen dürfen, herzlichst. den besseren Verkehrsmöglichkeitan, auch ein viel regerer Austausch von Menschen und Waren entstehen, der ja, schliesslich und endlich — wieder die gleiche abschliessende Handbewegung — der ganzen Insel zugute käme. Auf jeden Fall bäte die Regierung um Ueberlassung der Dokumente über die Gründung und die Besetzung der Insel; er würde veranlassen, dass nach Kenntnisnahme und nach den notwendigen Entschließungen die Bewohner umgehend über die ergriffenen Schritte benachrichtigt würden. Alle diese Mitteilungen wurden in kühler Höflichkeit, aber mit einer Bestimmtheit vorgetragen, die es dem weniger gewandten Christian nicht ermöglichten, Widerstand zu leisten oder auch nur um Aufschub der Uebergabe bis zur Einberufung einer Gemeindeversammlung zu bitten. Obgleich ihn die Worte des Beamten zu zornigem Widerstand reizten, obgleich ihn Verachtung und Abwehr in der Kehle würgten In Gustav Schloeßmanns Verlagsbuchhandlung erscheint eine Schriftenreihe „Aus Deutschlands Werden". Als Heft 17 bringt sie „Die Ostmark" von Hans Christoph Kaergel. Wir lesen hier auf Seite 12: „Ter Schlageter Oberschlesiens": „Wenn die deutsche Jugend in gleichem Schritt und Tritt marschiert und mit ernster, heiliger Ergriffenheit singt: „Kameraden, die Notsront und Neaktiou erschossen. Marschiern im Geist in unfern Reihen mit", da wünscht wohl manch einer von den Iungens. auch ein Held werden zu dürfen. Sie schauen zu den jungen Männern auf, die dazu berufen sind, und denken nicht daran, das; jeder Junge, der da marschiert, in sich ein Held sein kann, wenn er es nur will. Wenn er nur bereit ist, sein alles einzusetzen. Dazu braucht man nicht erst 25 und 30 Jahre alt zu sein. Die Helden werden in jeder ernsten Stunde des Vaterlandes geboren, und die deutsche Jugend, die in die Schulen geht, sollte darn denken, daß auch sie ihren Schlageter hat. Aber ich bin überzeugt davon, niemandkennt den Namen dieses Jungen in Rybnikj der der oberschlesische Schlageter-Junge wurde. In Nybnik, der Bergarbeiterstadt, die jetzt Polnisch ist. ging es in den Abstimmungstagen 1921 auch nicht allzu friedlich zu. Die Polen waren nicht zufrieden, wenn auf den Bahnhöfen' die Züge einrollten und die Deutschen zur Abstimmung brachten. Da standen die Schüler mit ihren bunten Mutzen auf dem Bahnhofsvorplatz. Sie durften ja nicht jubeln .und keine Fähnchen schwingen; aber sie dursten zupacken und den alten Mütterchen die Hände drücken, ihnen die Taschen tragen und ihnen ein gutes Wort sagen. Unter den Jungen ragte der Oberselundaner Rudolf Ferdinand Haase über alle Köpfe hinweg. Er war ein hochaufgeschossener, blonder Junge. Er erspähte sofort am Bahnhof, wo es einer bedrängten Frau besonders schwer fieL Er nahm dann die Kinder ab und trug sie durch die Straßen. Ja. er fuhr auch mit hinaus auf die Dörfer und gab den Schulkindern die deutschen AbstimmungszetteL Und immer lachte er voller Siegeszuversicht. Daö konnten ihm die Polen nicht vergessen." Der Gericht schildert dann, wie e8 zur Gefangennahme von Rudolf Haase kam, und fährt fort: „Auf dem Bahnhöfe erkannte der polnische Bahnhofskommandant unter den Flüchtlingen den Rudolf Haase. Er ließ ihn aus der Menge heraus verhaften und log dem Engländer vor, Rudolf Haase hätte sich gegen polnische Einwohner vergangen. Dazu holte man noch zwei Männer, darunter den Amtsvorsteher WaSner. Die" Flüchtlinge kamen dann auf Umwegen doch noch nach Ratlüor. Währenddessen schritten die zwei Männer mit dem 15jährigen Rudolf Haase auf der Straße Ratibor—Rybnik dahin, wo dar Kriegsgericht sie erwartete. Hinter ihnen gingen drei Aufständische mit schußbereiten Gewehren. Direktor Oskar Israel seit 30 Jahren Leiter des Israelitischen Lehrlingsheims in Berlin-Pankow, der sich besonders um den jüdischen Handwerkerstand hervorragende Verdienste erworben hat, wird am 2. Februar 60 Jahre alt. Der Jubilar leitet seit Jahren die Ortsgruppe Pankow und arbeitet im Vorstand des Landesverbandes Gross-Berlin des C.-V. mit und ihn unfähig zu Frage und Antwort machten, ging er, wie unter einem Zwang, mit dem Beamten bis an sein Haus, lies« ihn formlos draussen stehen (was dieser den verwilderten Umgangsformen der Insel zuschrieb) und holte die geforderten Dokumente aus dem Schrank. Während er sie herausnahm, dachte er darüber nach, wie er dem Beamten noch kurz, in der gleichen unpersönlichen Knappheit erklären könnte, dass ihm noch andere Dinge am Herzen lägen als der Aufruhr der jungen Leute. Aber er kam nicht dazu: er wurde selbst sehr rasch von dem Beamten verabschiedet, der um Verzeihung für den eiligen Aufbruch bat; der Postdampfer dürfe sich nicht länger als sechs Stunden aufhalten. Ein flüchtiger Händedruck für Christian, ein Kopfnicken für die übrigen, die am Strande warteten und versuchten, möglichst unauffällig zu erscheinen. Dann fuhr das Boot zum Dampfer zurück. (Wird fortgesetzt.) Die zwei Mäner gingen mit gesenkten Häuptern, weil sie wußten, daß sie dem Tode geweiht waren. In der Mitte blieb der Junge. Er lachte aus dem ganzen Wege und machte ihnen Mut. Es fiel ihm nicht ein. auch nur ein einziges Wort mit denen zu wechseln, die hinter ihm gingen, oder gar um das Leben zu betteln. Pfingsten war eS. Die Birken wiegten sich im leisen Abendwinüe im psingstlichen Tanz. Ruhig^und friedlich schritten die drei Deutschen drer Schritt vor den Polen dahin. Schon sah man die Dächer des nahen Dorfes. Es war gegen halb acht Uhr abends, da knallten plötzlich die unheimlichen Schüsse. Alle drei sanken auf dem Tamm der Straße in den Sand. Rudolf Haase war aufs Gesicht gefallen und wenige Augenblicke später verstorben. Man schleppte die drei lebhosen Körper, darunter den Kaufmann Nimietz und den Amtsvorsteher Wasner in cii? Wäldchen und ließ die Toten liegen. Den Jungen plünderte man so aus. daß man ihm sogar das Schulzeugnis mit entwendete. Was Vater und Mutter in der Traueranzeige verkündeten, sollte heute so eingemeißelt stehen, daß jeder Schuljunge es wißen müßte: „Pfingstsonntag, den 15. Mai. abends V2S Uhr, starb ein unschuldiges Opfer des Ausstandes in Oberschlesien, unser sonniger jüngerer Sohn, unser geliebter Bruder und Reffe, der Oberselundaner Rudolf Ferdinand Haase. im Alter von I5X Jahren durch Erschießen im Walde von Kornowitz bei Ratibor. In heldenhafter Zuversicht und kindlicher Unbesorgtheit ging er lachend in den Tod für die geliebte Heimat." Ja, nicht allein für die Heimat — er ging in den Tod für das große deutsche Vaterlands für das Reich der Jugend, .das nun durch Adolf' Hrtler Wahrheit wurde. Ter unbekannte Soldat'des Dritten Reiches Rudolf Ferdinand Haase rechte sich in die Kompanie derer, die ja im Gerste mit uns marschieren. Und wenn wir Helden ehren, werden' wir uns alle vor ihm mit zu nergen haben." * Die „Reißer Zeitung" vom 18. Januar 1905 bringt zum gleichen Thema folgende Notiz: In unserem Leitartikel „Stunden des Grenz. Volks" vom letzten Sonnabend hieß es: . .Wie sie (die Oberschlesier) litten und starben für ihr Vaterland ... und jener blonde deutsche Junge von 15 Jahren, Rudolf Haase. der im Mai. an einem Pfingstsonntag, einsam im Walde verbluten mußte." Wir werden vom Bund deutsch.jüdischer Jugend, Ortsgruppe Neiße, darauf aufmerksam gemacht, daß Rudolf Haase aus ihren Reihen hervorgegangen ist Er stammte aus Nybnik. gehörte dem früheren deutsch.jüdischen Minderbund.Kameraden" an und sei der oberschlesischen Jugend immer ein Vorbild des Einsatzes für Vaterland und Heimat geblieben." -Die Eltern dieses jungen Helden' leben in Berlin. Der Central-Berein zahlt sie mit Stolz zu seinen Mitgliedern. Wir haben seiner in unserer Oberschlesien-Nummer schon früher gedacht.

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