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Central-Verein-Zeitung · 1935-01-24 · 4 (24.1.1935) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
4 (24.1.1935)
Date
1935-01-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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MAM NMom Li WsOss Zsn Ar. 8rMM>i Lei!, ZraÄiurLM. Bor cnngeu Tagen erschien das im amtlichen Aufträge herousgegebenc Philologen - Jahrbuch kniender der Lehrer der höheren Schulen") für das Schuljahr 1'ö-m Hier sollen die neue,.en Zahlen für die jüdischen Philologen an össentlicheu höheren Schulen Preußens erirmalia zusammengesteltt »verden. Dabei bleiben die jüdifi-ik'u Ph.wlvgen und Oberschullehrer an den becden össentlicheu höheren jüdischen Schulen Prenj>eus, dem Philanthrvpin und der Samson- Naphael-Hlrsch-Sehule, beide in Frankfurt a. M. anher Betracht. ' J'-u Schuljahr 193:3/34 gab c-s 62 jüdische Philo- Ipfl*n nn ös,emlicheu staaUichen und städtischen höheren Schulen (zu,aminengegellt nach dem Philologen-Jahrouch 1933/3!). d. h. 0.-1 v. H. der insgesamt l6ü,.'i pvens;ischen Philologeii (ohne Oberschnllehrer und Sludienre,crendare). Bor der Ariergesetzgeöung betrug der Anteil der jüdisch e n Philologen in' Preußen rund 1 v. H. Die letzten, nunmehr vorliegenden Dienstalterslisten des Philologen-Jahrbuches nach dem ^tand vom 1. Mai 1934. versehen mit wesentliehen Nachträgen bis Mitte November 1934, ermöglichen eine neue Berechnung. Betrachten nur zunächst die zu Anfang \n\b mäh. rend des Schuljahres 11134/35, das noch bis Ostern 1935 läuft. Aus ge sch jede neu. Verstorben sind 2. in den Ruhestand getreten 3, sonst ausgeschieden 38 (1 Oberstudienrat und 37 Stndienräte). Diese auf Grund des Berufsbeamtengesetzes ausgeschiedenen 38 jüdischen Philologen sind Nachweisbar jüdischen Bekenntnisses und auf Grund der namentlichen Listen oller ansgeschiedenen Philologen ermittelt worden. Imganzen sind 335 Festangestellte auf Grund des Bcrufsbeamtengesetzes durch Entlassung oder Pensionierung misgeschieden. und zwar nach § 2a 5, nach § 3 (Arierpnragraph) 53, nach § 4 151 und nach 6 126. Der P r o z e n t u a l e A n t c i l d c r nach dem Bernfsbeamtengesctz ausgeschiedenen jüdischen Philologen beträgt somit 11,3 v. H. Ferner schied bis jetzt noch ein Philologe aus eigenen Antrag ans dem Schuldienst aus. Von den Nlchtsestangcstellten (Assessoren) mußten 66 auf Grund des Bcrussbeamtengcsetzes misschciden. Die Entlassung oder Pensionierung von insgesamt 153 preußischen Assessoren vollzog sich folgendermaßen: nach § 2a 4, nach § 8 68, nach § 4 12, nach § 6 69. Mithin befinden sich 43.1 v. H. jüdische Assessoren unter den Ausgeschicdenen. Auf eigenen Antrag ist ein Assessor ausgeschieden. Wieviel jüdische Philologen sind aus Grund der Ausnahmebestimmungen des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berussbeamtentums imAmtverblieben? Unter 864 Oberstudiendirektoren und Studiendirektoren gibt es keinen Juden (auch hier sind selbstverständlich die jüdischen Schulen nicht mitgerechnet), unter 459 O b e r st u d i e n r ä t e n ist ein Jude, also in gehobenen Stellungen unter insgesamt 1323 Beamten ein Jude (— 0,08 v. H.). Unter 11405 Studienräten befanden sich 31 Juden (darunter 3 in Oberschlesien und einer im Saargebiet), d. h. 0,27 v. H. Diese Zahl von 31 jüdischen Studienräten an nichtjüdischen Anstalten in Preußen ergibt sich aus der im Jahrbuch angegebenen Zahl von 36. verringert um eine Zahl von 5, errechnet auf Grund einer Anmerkung im „Jahrbuch" oder von inzwischen privat bekannt gewordenen Wgangen. Unter den 2074 Oberschullehrern befindet sich kein Jude. Bon 14 802 F e st a n g e st e l l t e n waren also 32 (— 0,22 v. H.. d. h. 2.2 V. T.) Juden. Unter 3464 nichtsestangestell'ten 'Philologen (Assessoren) sind 2 jüdißhe Anwärter (= 0,06 v. §.), die zunächst aus der Liste gestrichen, jetzt aber wieder ausgenomnien worden sind. Zusammengefaßt ergibt sich folgende G e s a m t - Übersicht: Unter 864 Direktoren .... 0 Juden, ,, ' 459 Oberstudienräten. . 1 „ „ 11405 wtudienräten . . »31 „ " 2 074 Oberschullehrern. . 0 „ - 3 464 Assessoren . , , . 2 „ Ein Sorlcno von Mofessor flcrmonn öiiufcn Am vergangenen Donnerstag hielt Hermann ducken in der Berliner Philosophischen Gesellschaft einen Bortrag über „W a n d l u n g e n des Geschichtsbildes in revolutionären Epochen". Hunderte hatten das Bedürfnis, sich von dem führenden Historiker der Berliner Universität einen Weg durch die Vielheit der Thesen und Hhvothcsen nwisen zu lassen. ES versteht sich von selbst, daß Onclen leine „Sensationen" bot; aber die großen loeltgeschichtlichen Beispiele, die er anführte und ins rechte Licht rückte, enthielten reiche Anregung zum Nachdenken. Er ging von der grundstürzendcn Umwälzung des Geschichtsbildes aus. die von der Reformation heraufbeschworen wurde. Damals hätten die radikalen Steuerer, wie etwa Sebastian Franck, alle Traditionen des Mittelalters über den Haufen werfen wollen. Die Reformation sei erst dadurch wahrhaft zur Reformation geworden, daß sie das von ihr umgestürzte Geschichtsbild in neuem, vertieftem Geiste wiederaufbaute und neue Kräfte herausstellte. Die Gegensätze der historischen Anschauung zwischen Protestantismus und Katholizismus, die damals unüberbrückbar erschienen, seien in späteren Jahrhunderten vielfach gemildert, ja, in einer höheren Ebene ausgehoben worden. — Bon der Kirchengeschicl)tc wandte sich Ouckcn dann zur Nationalgcschichtc; das Geschichtsbild der großen Böller sei ursprünglich durch den christlichen Auserwähltheitsglauben beeinflußt, später aber stark verweltlicht. Es wandle sich ständig; revolutionäre Epochen führten zu seiner völligen Umwertung: „Dabei liegen Schöpferisches und Zerstörendes zunächst wild im Gemenge. Bon allen Seiten strömen Neuerer herbei. denen auch die Geschichte nur ein Projcktionsfeld für die Ideale und Forderungen der Gegenwart ist. und zu dilettantischer Spielerei gesellt sich die fanatische Wollust umwühlender Zerstörung. Auf der anderen Seite aber kommen Gedanken» gange in Bewegung, die eine fruchtbare Vertiefung der historischen Anschauung für immer herbeiführen." So sei in der englischen Revolution das historische Argument aufgetaucht, Königtum, Adel und Kirche seien Einrichtungen der normannischen Eroberer:'sechs Jahrhunderte gerieten plötzlich in Mißkredit, und' der alte angelsächsische Staat erschien als das Ideal. Diese These ließ sich aber nicht durchsetzen, da Cromwell bald wieder an die Tradition der Elisabethanischen Zeit anknüpste. Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert ist es ein beherrschender Zug des englischen .Nationalcharakters, jeden neuen Bruch der Kontinuität zu vermeiden; längst hat man sich auch daran gewohnt, angelsächsische und normannische Geschichtselemente friedlich nebeneinander zu dulden. — Auch in Frankreich ist. wie Oncken dayach zeigte, auf die Bilderstürmcrei der Revolution sehr rasch eine Verklärung der Vergangenheit gefolgt, seit 1870 verbunden mit chauvinistischen Angriffen auf die Geschichte des siegreichen Nachbarvolkes. Unter 18 266 Lehrern an öffentlichen höheren Schulen Preußens sind demnach 34 Juden, das sind . 0,19 v. H. Berücksichtigt man rwch, daß unter den im Schuljahr 1934/35 vorhandenen 2148 Studienreferendaren Preußens wohl keine jüdischen Referendare sind (genauere Unterlagen hierüber fehlen), so ergibt sich bei der Hinzunahme der Referendare eine Zahl von 20 414, so daß der Prozentsatz der jüdischen Lehrer an öffentlichen höheren Schulen in Preußen nur noch 0.17 beträgt. Die Beschästigungsziffer sank also von rund 1 v. H. in den Jahren 1931 bis 1933 über rund 0.4 v. H. im Jahre 1933/34 auf rund 0,17 v. H. im Jahre-1934/35. DaS Geschichtsbild der Deutschen habe im Mittelalter vorwiegend universalen Charakter getragen; die eigentliche nationale Geschichtsschreibung beginne erst mit dem Zeitalter des Humanismus. Die Glaubcnsspaltung machte aber bald ein einheitliches Geschichtsbild unmöglich. Im letzten Jahrhundert sei das geschichtliche Bewußtsein unerhört vertieft worden; der Historismus wurde in Deutschland zum ausbauenden Element. Die Reichseinigung durch Bismarck habe dann unser Geschichtsbild noch einmal entscheidend gewandelt: nach 1866 hatten die deutschen Gcschichts-, Professoren ihre Kolleghefte umzuschreibcn, wie Jakob Bnrckhardt so fein gesagt hat. Im Vollgefühl der neuerrungencn Sicherheit hat die letzte Generation der deutschen Historiker gelebt. Ter Zusammenbruch von 1918 stürzte im Innern alte Autoritäten und machte Korrekturen des geltenden Geschichtsbildes notwendig. Aber zu großen Umwertungsvcrsuchen kam es kaum; einzelne Ausschreitungen von Konjunktur-Anbetern, meinte Oncken, waren damals schon zur Wirkungslosigkeit verurteilt. Die Revolution von 1933 habe ein ehrfürchtiges Verhältnis zur Vergangenheit stark betont. Daneben stehe aber das revolutionäre Bemühen, ein Stück der Ideale, die unsere Gegenwart gestalten sollen, auch auf das Bild der Geschichte zu übertragen. So weit wie jetzt drängte das geschichtliche Interesse noch nie zurück. Ueberall stünden nun die' Urteile zur Revision. „In diesem allgemeinen Drängen der Umwertung tritt das Nebeneinander von fruchtbaren Gedanken und treffenden Akzenten, aber auch von zeitgebundener Willkür und gefühlsmäßiger Spielerei, die auch vor gewagten Hypothesen und unechtem Material nicht znrückschreckt. in Erscheinung." Aufgabe der Wissenschaft sei es, hier gemäß ihrem objektiven Erkenntniswillen Stellung zu nehmen. Ganz im Geiste Rankes, zu dem er sich am Schluß noch einmal nachdrücklich bekannte, ließ Oncken seinen Vortrag in den Worten gipfeln: „Gerade wir Deutschen, deren große Geschichte sich in dem universalsten Zusammenhang vollzogen hat. dürfen nicht glauben, ganz unter uns bleiben zu können, wenn wir anfangen, mit Worten die Statuen der alten Kaiser und die Symbole der Völkergemeinschaft zu zerschlagen." F.IL Martin Bvbrr: WSerlieferung und Erneuerung In der Donnerstag-Reihe der Vorträge des Berliner Jüdischen Lehrhauses sprach am 17. Januar Professor Martin Vuber über das Therna „Ueberlieferung und Erneuerung (Chassidismus)". Sein Vortrag weitete sich zu einer umfassenden Schau über die Grundfragen des Judentums, die heute noch genau so lebendig sind wie zu den Zeiten, in denen sie von großen religiösen Führern geformt und dargestellt wurden. Buber entwickelte etwa den folgenden Gedankengang: Der Chassidismus ist nicht bloß etwas Großes und Merkwürdiges, er ist vor allem eine Bea. Er wirkte genieinschastöbildend und geaftsverloandelnd. Aus die ostjüdische Düsterkeit der Lebensbedingungen des 18. Jahrhunderts gab er eine weltossene, weltfromme, eine in die Welt verliebte Antwort Ohne jeden Abstrich wollte er die Welt heiligen. Er beruht auf dem Glauben an die Erlösbarkcit aller Tinge und an die erlösende Kraft aller Menschen. Da man vom Chassidismus als von einer Crneuernngsbewegung spricht, ist es wichtig, zu fragen, wie er zur Ueberlieferung stand. Erneuermig bezeichnt überall da. wo sie als religiöser Anspruch anstritt. dar Bestreben, zum Ursprung zurückzukehrcu. Sic will den Menschen aus Entjtellui'.g und Entartung zur urspAmalichen Reinheit und Wahrheit zurück sichren. So suchte auch der Chassidismus die ganze Beziehung des Menschen zu Gott wiedcrherzustcllen. Er suchte sie durch die Kawwanah, die AuSrihtung des ganzen täglichen Lebens auf Gott, zu terminlichen. Wenn sich der Mensch. inmitten der Unendlichleit der möglichen Richtungen, die er seir em Leben geben kann, allein dorthin richtet, wohin ihn der Glaube au den Bund zwischen Gott und Menschen hinweist, und zun mitten im alltäglichen Geschehen, dann ist die.Uoä. wanah verwirklicht. In der Frage der von der Ueberlieferung vorgcschriehenen Handlungen kommt cs dem Chassidismus weniger darauf an. was man tut und was man niest tut, als auf die Erfüllung mit innerem Sinn. d:e man den einzelnen Handlungen gibt. Für den Chassidismus ist der Unterschied zwischen Tun urd Nichttun geringer als der zwischen wirklichem Tun und einem nur konventioncUcii Tun. Ter große Unterschied zu einer aus ähnlichen Ursprüngen quellenden Bewegung, dem Urchnsimtum, ergibt sich aus dcsscu in der Bergpredigt ausgesprochenen Forderung, vollkommen zu sein wie Gott. Das ist eine durchaus unjüdische Fordernng. weil sie über dir Kraft des Menschen hinaus geht. Ter Chassidiöinus bleibt innerhalb des Judentums. Er verlangt keine Vollkommenheit, sondern er verlangt Heiligung des Alltags, eine Aufgabe, der Mensche rkraft durchaus gewachsen ist. Ein immer wiederkehcender Begriff im Chassidismus sind die „fremden", d. h. die sündigen Gedanken. Auch sie weiden durchaus bejaht und in die Forderung nach Heiligung des Lebens hineingenommen. Es wird von zwei Jezarim gesprochen; (ein Wort, das mit 2/rieb schlecht, mit Einbildsamkeit besser übersetzt wird). Es gibt den guten Trieb . und den Trieb zum Bösen. Diese sind nichts Gleich, artiges, soiidern sic siiid grimdverschiederi. Das Gute ist eine Richtung und zwar die Richtung auf Gott: aber das Böse ist iiicht eine Richtung, sondern es ist ein Wirbel, :u dem man umhergetrieben wird. Entscheidungen gibt es nur zum Griten. In das Böse gleitet man hinein, ohne sich dafür zu entscheiden. Aber eben darnrn muß auch der Trieb zum Bösen mit in die letzte und eigentliche Entscheidung zu Gott hineingenommen werden. Erst wenn nichts von menschlichen Verlockungen und fremden Gedanken außerhalb der Entscheidung bleibt, kaiin man Go.t rechtmäßig dienen. Es gibt im Jüdischen keine gegengöttliche Dämonie. Das Weltdrama vollzieht sich nicht zwischen Gott und dem „Fürsten der Welt", d. i. dem Teufel, sondern die Handelnden sind Gott und wir Menschen. Das Judentum kennt nickt die Aufspaltung der Welt in zwei Bereiche, in die Welt der Vollkommenheit, zu der man anfschaut und die der Unvollkommenheit, in der man lebt, sondern es schließt diese beiden Welten zur Einheit zusammen. - Ter Chassidismus war der Aufstand des Amhaarez. Bis zu seimm Auftreten gab es im Osten eine tiefe Kluft zwi'chen den Wissenden und den Ungebildeten. Ter! Chassidismus setzte die Einfalt, die Geradheit, die Eanzheit des unwissenden Akenscheu wieder in sein Recht ein. Man könnte fragen, warum wohl dem Chassidismus nicht eine Gestalt erstanden sei. die ihn, wie Paulus das Christentum, zur Weltreligion gemacht habe. Aber es ist kein Grund, zu bedauern, daß ein solcher Mensch ihm nicht erstand. Zwar soll die Tora von Zion ansgehen, aber zunächst muß die Judenheit selbst Ernst machen mit der Lehre. Sie muß sich selbst mit ihr erfüllen, und erst, lvcnn so die Tora Fleisch geworden ist, kann auch das Wort als Wirklichkeit, als wirkendes Leben durch sie der Welt vermittelt werden. E. R.-J. um dksm WEMM m EiHMWsS if.u »,'J.Crli it.j üd fabriziert alt Spezialität die Seidenweberei I. Michels 8 Ca. / Krefeld M und der beliebten HOHNER-Harmonikas, für Viol nen, Gitarren, Lauten, Blas-lnstrumente, Schallplatte , Koffer- und Schrank-Apparate, Radio - Apparate aller Marken und Systeme MÜNCHEN Privaf-ScErjü'jricrrfsfet fflr alle Klassen. Nach dem P'an der höheren Schulen. Eupllxch. Franztt< stach für Kinder und Erwachsene. Mario iKutnowfthy. Berlin Charlbg. 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