Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 4 (24.1.1935)
- Date
- 1935-01-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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iSfeÖ »KßMHA 3uc Sauptversammkmg dre LZereinLkiung Zur das LeligrsZ-lLLerüle Zudentum Die Hauptversammlung der Vereinigung für das religiös.liberale Judentum. die am 20. Januar in Berlin stattfand, stand vor der Aufgabe, auf die Fragen, die die letzten zwei Jahre dem deutschen Judentum gestellt haben, hie Antwort des religiösen Liberalismus zu geben. Schon in den Einleitung?- Worten des Vorsitzenden, Rechtsanwalt Heinrich Stern, traten Bedeutung und Schwierigkeit solchen Beginnens deutlich hervor. Sie wurden noch sichtbarer, als Rabbiner Dr. Dienemann (Offenbach) in einem groß angelegten, mutigen und ausgeschlossenen Referat unter dem Theina „Wo stehen wir heute?' die tragenden Gedanken deS liberalen Judentums mit dem kritischen Blick de§ zeitnahen und der Zeit verantwortlichen Denkers würdigte. Mit der mitleidlosen Schärfe der immer wiederkehrenden Fragestellung: „War das. wa8 wir vertraten. falsch oder richtig? Gilt es auch heute noch?" überprüfte er die Gruudtln'sen des religiösen Liberalismus. Während er von dein liberalen Anerkenntnis de? OffeubarungScharakters der jüdischen Religion fcststcllte. daß e8 fest und unverändert auch für die heutige Zeit gelte, zeigte er in bezug auf den Entwicklung?- vegriff einen Wandel auf. Man glaube nicht mehr wie vor hundert, ja noch vor zehn Jahren W M in MrWg MM: r 7 . Uehrigens will ich Ihnen nur sagen, dass ich ein flässiger Leser der „C.-V.-Zeitung** hm und hnmef mit Sehnsucht darauf rvarlc, bis sie kommt... an ihn als an einen ständig fortschreitenden und sich gleichbleibendcn Prozeß, sondern man sei sich bewußt, daß etwa? unvorhergesehene? Neues plötzlich einbrechen und die Kontinuität stören könne. Eine ebenso wichtige, ja vielleicht die entscheidende Wandlung stellte Dr. Dienemaun für den Begriff der Gemeinschaft fest. Zwar habe der religiöse Liberalismus sich immer zur Form al§ .zum Ausdruck von Gcmeinschaftsbewußtscin und Gemeinschaftsleben bekannt. Aber früher lag der religiöse Primat im Persönlichen, das von sich au? die Gemeinschaft wollte und durch diesen Willen setzte. Heute hingegen erblicke man in der Gemeinschaft ein unabhängig vom Willen deS einzelnen Vorhandenes, ein Gegebene?, Unmittelbare?. Mit dieser Aufsassunb sei das liberale Judentum wieder zum ursprünglichen jüdischen GemeinschaftSbcgrisf zurückgekehrt, wie er schon am Sinai verkündet wurde. Es müßte demnach also heute dem religiösen Liberalismus leichter gelingen, die Geister für sich zu gewinnen als zu der Zeit, in der Geiger? den gleichen Quellen entströmender Gemeinschastsgedanke von seinen Zeitgenossen nicht ausgenommen wurde. Im Unterschied zu jener Zeit, in der Theorien, selbst wenn sie anerkannt wurden, nicht verwirklicht worden seien, habe heute die Forderung zu lauten: Tue nur. was du nach deiner Ueberzeugung tun kannst, aber da? tue auch! In diesem Geiste müsie der neue Anfang gemacht werden. Siegel und Form müßten sein, aber sie könnten nicht von den Alten vorgeschrieben, sondern sie müßten von der hündischen Jugend neu geschaffen werden. Vor hundert Jahren habe die Forderung Abbau geheißen, heute heiße sie A u f bau. Damals habe man Bindungen lösen müssen, um dem Individuum sein Recht zu geben; heute müssen Bindungen neu geschlossen werden, damit der Gemeinschaft ihr Recht werde. Steckte so Dienemann gleichsam den Rahmen ab. der mit religiös-liberalem Sinne neu zu er- -Men ist. so waren die darauf folgenden Referate den einzelnen Trägern der Verwirklichung, dem Sabbat und der Jugend, gewidmet. Zu einer Stunde der Weihe erhob sich die Tagung, als Rabbiner Dr. Baeck, von der Versammlung stürmisch begrüßt, in feinem ersten Sabbat-Referat etwa folgendes ausführte: Um dem Sinne unsere? Sabbats nahezukommen. seien zunächst einige Grundbegriffe zu klären. Da? erste Bcarijsspaar sei: raiional.irratwnal. In dem Augenblick, in dem der Mensch nicht nur handelt, sondern um sein Handeln weiß, will er Ordnung in seine Erfahrungen und Erlebnisse bringen, will er inmitten allen Wechsels cm G!>ichbleibende? feft[teilen. Da? ist das Rationale. ES ist charakterisiert durch da« Wort: „Es.' ..ES tft j0- _ l'gz ist der Ausdruck dieses OrdnrmgSstrebens. Aber der Mensch erlebt auch^ die Unbcrcchcn'barkeit des Lebens, die Gefühle, Spannungen. Impulse. Auch sie, die nicht tu bte Zweckmäßigkeit und Gesetzmäßigkeit htnenipassen. bestimmen den Ablauf des Geschehens., Auf diese? Erlebnis kann der Mensch in zwiefacher Weise reagieren: er kann alle Ordnung, alles Gesetzmäßige verwerfen und ein anarchistischer Individualist werden; oder er erfährt etwas. was ihn ' tiefer, bestimmender verpflichtet als das Ordnung»- system es konnte. Daß der Mensch gut: rs. daß er ein Altruist ist. ividerspricht aller bloßen Vernunft. Die Philosophen haben immer nur gefunden, der Mensch sei von Natur, aus Ziveckmasirgkeft Ego, st. Das Gute im Menschen beweist also seine Bindung an ein Übernatürliches. Das Wissen darum ,s das Irrationale. Sein Wort ist: „Ich. Oianonal und Irrational sind keine Gegensätze, sie gehören zilsammen. Das Rationale allein macht den Menschen zum kalten Nützlichkeltsfanatiker daS Irrationale allein macht ihn zum Euisiedler. DaS zweite Begriffspaar, das der Klärung b - ' dürfe, sei Konvention und Tradition. Jeder Mensch lebt im Bereiche einer Invention, weil er im gesellschaftlichen Bereiche lA. Das Wort der Konvention ist das „Man". ..Man tut un . „man" tut nicht. Jede Zeit hat ihre Konvention und braucht sie. damit sich die Energie> der Men schen nicht auf Unnützes verzettelt. Konvent on ist Sache der Gesellschaft, während Lradrtwn Lache der Gemeinschaft ist. . Ihr Wort »st. „Wir." Menschen mit starker Tradition sind unabhängiger von der Konvention als solche, die feinetlci Tradition mehr besitzen. Aber auch Konvention und Tradition sind kein Entweder- ' Oder. Auch sie schließen sich nicht auS, sondern sie vertragen sich. Von hier aus werden uns die 33e§tiffe Konservatismus und Liberalismus, von hier aus wird uns der Sinn unseres Sabbats klar. Jin Konservatismus ist das Gefühl für die Tradition stark, im Liberalismus besteht oft die Gefahr der Entfremdung ihr gegenüber. Im Konservatismus ist weitgehendes Verständnis für die irrationale Bindung, über dem Liberalismus steht die Gefahr, die Bindung an das Höhere zu verlieren. Aber beide Begriff spaare schließen sich eben nicht aus. Liberallsmus ohne Konservatismus ist Radikalismus und Haltlosigkeit. Der Mangel des 19. Jahrhunderts lag darm, daß der Liberalisnnrs den Sinn für das Irrationale verlor, und daß die Orthodoxie daS Irrationale rationalisierte. Der Liberalismus fragte nicht genug nach Tradition, während für die Orthodoxie die Tradition bloße Konvention geworden war. Was bedeutet da§ für den Sabbat? Der Sabbat ist der Tag. der den Sinn wachhält für das Irrationale und für die Tradition. * Sabbat halten ist nicht nützlich. Durch den Sabbat werden alle gleich. Arbeit schasst Kasten, der Sabbat hebt sie auf. Der Sabbat, den wir neu gewinnen wollen, darf nur der Sabbat der Tradition sein. Der Sabbat ist Ende uild Einleitung der Woche zugleich. Er ist ein Tag der Freiheit; denn immer, wo etwas zugleich aufhört und beginnt, ist der Mensch frei. Dazwischen ist er unfrei und eingespannt. Der freie Jude wird geschaffen durch diesen Tag der Gottesruhe und der Gemeinschaft. Wir danken es der Orthodoxic. daß sie durch das 19. Jahrhundert hindurch den Sabbat gehalten' und bewahrt hat, ebenso wie cs die Orthodoxie dem Liberalismus zu danken hat, daß er im gleichen Zeitraum das Judentum vor dem Atheismus rettete. Unsere Zeit ist gekennzeichnet durch den Einbruch der Natur in die Tradition und Geschichte und in das Irrationale. Der natürliche Mensch im Sinne Nousseaus, im Sinne einer Vorvergangenheit bricht ein. Für ihn gibt e§ den Sabbat nicht. Wenn wir ihn also wahren halten wir etwas fest, was über das Natürliche, das nur Vernünftige hinaushebt. Heute müssen wir mit tieferer Berechtigung sagen: ' wenn die Juden den Sabbat wahren, dann werden sie bleiben. Es gibt keine Juden ohne das Judentum, es gibt lein Judentum ohne den Sabbat. Nach dieser Sinngebung des Sabbats, die in ihrer großartigen Einfachheit jedem Tagungsteilnehmer die Größe der Forderung bewußt machte, fiel Rechtsanwalt Dr. Julius L. Se l i g s o h n die schwierige Aufgabe zu. Vorschläge für die praktische Ausgestaltung des Sabbats vorzutragen. Auch er ging zunächst von dem allgemeineren- Gedanken aus. daß heute die Stunde des religiösen Liberalismus gekommen sei. -Nachdem daS äußere Schicksal des deutschen Judentums eins gewisse Stetigkeit erreicht habe, gelte es heute, über sein inneres Schicksal neu zu entscheiden. Eineder wichtigsten Mittel der geistigen Selbstbesinnung sei der Sabbat, der vor allem drei Aufgaben in dieser Zeit zu erfüllen habe: Weckung des religiösen Gefühls, Weckung des Gemeinschaftsgefühls und Vertiefung des jüdischen Wissens. Die wichtigsten und sofort zu verwirklichenden Wege zur Sabbatgestaltung feien: Freitagabendgottesdicnst. eine Stunde des jüdischen Wissens am Sonnabend vormittag und der Oneg Sck)abbat am Sonnabend nachmittag. Die Möglichkeit, diese Gcstaltungsvorschläge zu derwirklichen, sei natürlich in den Gemeinden je nach Größe sehr verschieden. Rabbiner. Lehrer, geeignete Laien und vor allem die Bünde müßten sich darum bemühen. Der Sablmt sei da8 wichtigste Erziehungsmittel des deutschen Judentums. ganz besonders für ' seine Jugend. Ob es ihn ergreifen werde oder nicht, werde über sein Schicksal entscheiden. Der Nachmittag brachte ein Jugendreferat von Dr. Fabian (Breslau), von dem man nach dem starken Appell an die aufbauenden Kräfte der Jugend, der am Vormittag in den Worten fast aller Redner zum Ausdruck gekommen war, eigentlich eine wesentlichere Antwort erwartet hätte. Er forderte vor allem die Heranführung der bisher areligiösen Kreise zur Religion und wandte sich gegen jede, Säkularisierung der Judentums und klare, lediglich vom Religiösen her bestimmte Richtlinien. * Der Gesamteindruck der Tagung, die noch in vielen Diskussionsreden die vorgctragenen Probleme zu vertiefen suchte, war der eines begrüßenswerten Durchbruchs zur Wirklichkeit. ES schien, als sei bei den führenden Männern durchaus der Wille vorhanden, die neue geistige Ausrichtung des deutschen Judentums so zu bestim- . men, wie sie der Forderung der Stunde entspricht/ Es fehlte nicht an UeberzeugungSniut. mit Veraltetem zu brechen, und nicht an Einsicht in neue Notwendigkeiten. Und wenn auch die stellenweise allzu weitgehende Nebertragung der Verantwortung auf die Schultern der Jugend bedenklich stimmen mußte, weil sie einer Selbstaufgäbe der älteren und einer Ueberschätzung der jüngeren Generation nahe kam, so mußte doch die darin' liegende Entschlossenheit zu einer Abkehr von alten, unzureichenden Methoden freudig stimmen. Immer wieder klang durch die Diskussionsreden das Mißtrauen gegen die politisierten Menschen und Methoden des Gemeindeliberalismu8 hindurch. Und in der Tat: der Abstand zwischen dem vorbehaltlosen Bemühen dieser Ta-- gung um g ei st i g e NeuorientierungMd gewissen gemeindepolitischen Parteigängern ihrer Richtung mußte sich jedem Hörer aufdrängen. Wird die rein religiöse, schlechthin apolitische Haltung de8 jüdischen Liberalismus, die in den Worten der Verantwortlichen spürbar wurde, sich endlich Lieder durchsetzen und ihm seinen' bedeutsamen Platz ü b e r den Parteien von neuem zuweisen? Wird sie ihn befähigen, jenseits enger politischer Parieischranken die herandrängendcn religiösen Fragen so zu beantworten, daß wieder eine weithin tönende Stimme lebendigen Judentums hörbar wird? Dr. Dienemann erwähnte in seinem - Schlußwort kurz die Möglichkeiten einer religiösliberalen Entwicklung in Palästina und auch Dr. Fabian verlangte eine einbeutig nur vom Religiösen her beobachtete Stellungnahme zur Palästinasrage. Darf es weiter so kommen. Daß das religiöse Leben in Palästina mit seinen Hoffnungen und Gefahren von deutschen religiösen Richtungen nur die Aguda interessiert? Dieser. eine Punkt zeige für viele, wie parteipolitische Bindung den Blick für wesentliche Gegenwartsaufgaben zu verstellen vermag. Der religiöse Liberalismus kann sich in der heutigen Zeit verstärkter Anforderung an verantwortliche religiöse Führung keinen Krästeverlust leisten. _ Nur wenn et die Wege geht und ausbaut, die diese Tagung ihm vorzeichnete, ist zu hoffen, daher seiner Aus. gäbe gerecht wird. vr. E. R.-J. * Rechtsanwalt Heinrich Stern schreibt uns zn seinem Beitrag ..Forderungen zum inneren Neubau tn der vorwöchigen Nummer der E.-V.-Zeitung, dotz der Zusatz „sogenannte", der in seinem Satz ..wlc werde Herr Herzseld eine Menge Zionisten in die-c (nämlich deütschzontrischel Gruppe hereinnehmen müssen", von der Schrütleitung yinzugclügi worden war, den von ihm beabsichtigten Sinn verformt habe. Die Cchristleitung Hai in der Tat den Gedankengang des Herrn Stern so verstanden, daß ni.t „sogenannt' eine Unterstreichung seiner Tendenz rum Ausdruck gebracht werden soll. Wir stehen selbstverständlich nicht an. dem ausdrücklichen Wunsch deS Verfassers Rechnung zu tragen, daß er nicht die sogenannten, sondern gerade die echten »Zionisten gemeint habe. MAL MWM öSs Die drifte Januarnummer de8 „Stürmer" enthält u. a. folgende Ueberschristcn: „Der ewige Jude Heiratsschwindler und Mädchenmassenschänder Heinz Manasse". „Die Verjudung des französischen Hochadels". „Jüdischer Wucher- und Finanzgeist'. „Prager Juden sehen Dich on". „Derjudete Zustände an der Universität tn Breslau", „Der verjudete Marxismus". Ein Leser, der die Welt nur aus den Spalten deS „Stürmer" zu erkennen versuchte, müßte meinen, daß e8 nichts Großes, EdleS und Schönes auf der Welt mehr gäbe, sondern nur noch Gemeinheit, die von Juden herrührt. Einige Älotizen verdienen eine gewisse nähere Beleuchtung. So ein Bild „Ter Asterliterat". daS darstellt, wie ein Jude Pferdeäpfel, die der dahinfliegende Pegasus fallen gelassen hat, aufhebt, mit der Unterschrift „Er sammelt die üblichen Brocken, auf daß nichts umkomme'. Es dürfte den Tatsachen nicht recht entsprechen, wenn man beispielsweise die Wiedererlveckung Bachs durch Mendelssohn-Bartholdy, die künstlerische Förderung Richard Wagners durch den Kapellmeister Levy. die aufbauende Mitarbeit von Emil Kuh an des Niedersachsen Friedrich Hebbel Werk, um nur einige Beziehungen von Juden zu schöpferischen Nichtjuden zu nennen, als das Aufkehren von „üblichen Brocken' genialer Persönlichkeiten wertet. Ein weiteres Bild trägt die Ueberschrift: „Man sollte e8 nicht für möglich halten' und zeigt zehn Mädchen von schätzungsweise sieben bis neun Jahren, die festlich gekleidet zu einer Geburtstagsfeier versammelt sind und unter denen sich entsetzlicherweise auch eine Vollblutjüdin. Edith Rosenfeld, befindet. Der „Stürmer" meint, „daß ' ein Diplomingenieur. Beigeordneter und SA- Führer so wenig Rassenstolz besitzt, zum Geburtstag, seiner Tochter ein Judenmädel einzuladen, sollte man nicht sür möglich. halten'. DaS Bild zeigt, daß Kameradschaftlichkeit eben doch möglich ist. Eine Notiz „In Kisstngen" lautet: Ich lese eben im Israelitischen Familienblatt vom 20. Dezember 1934: „Kisstngen. An Stelle deS Heimgegangenen Vorsitzenden der Kuranstalt. Rabbiner Dr. S. Bamberger, wurde dessen Sohn, Rabbiner Dr. S. Bamberger (Stuttgart), zum Vorsitzenden gewählt, als stellvertretender Vorsitzender fungiert Rabbiner Dr. Ephraim (Kisstngen)." Kommentar überflüssig! Für ein deutsches Bad. Ed. Lutz. ES wäre die Frage zu stellen, weshalb eine rituell geführte, israelitische Kuranstalt nicht von einem Rabbiner geleitet werden soll? Die Zeitung selbst hat Seitenleisten, die folgende Inschriften . tragen: „Die Juden sind u unser Unglück'. „Frauen und Mädchen, die Juden "• sind euer Verderben". „Der Jude siegt mit der Lüge und stirbt mit der Wahrheit'. „Geht nur zu deutschen Aerzten und Rechtsanwälten". „Ohne Brechung der Weltherrschaft der Juden kein Welt- , frieden". * Der „Blaumann". Beilage zum .Slaubeurer Taablatt" vom 4. Januar, enthält folgenden Artikel: Line notwendige Randbemerkung zur Judenfrage. ep. In einer größeren Tageszeitung Bayern? wurde unlängst ein Aufruf mit dem Satz beschlossen: Die Juden sind unser Unglück. Kein Einsichtiger wird bestreiten, daß viele Juden ein unerträgliches Element der Zersetzung im deutschen Volkskörper dargestellt haben. Ihrem Treiben ist ein Ende gemacht. Daß jedoch die Juden schlechtweg für Deutschland ein Unglück seien oder gewesen seien, das läßt sich deshalb nicht wohl sagen, weil es mit verbürgten Tatsachen, die nur nicht genügend bekannt sind, im Widerspruch steht. Um der von uns allen geforderten Pflicht einer gerechten Gesamtbeurteilung zu genügen, sei an Hand eines Artikels in der Zeitsthrift „Auf der Warte' an eine Reihe von - Juden erinnert, deren Leben kein Unglück für Deutschland war. Der Physiker Heinrich Hertz war bahnbrechend aus dem Gebiet der ' elektrischen , .Strahlenforschung und der drahtlosen Tele- "graphie. Alfred Frank war der Begründer der einst weltbeherrschenden deutschen Kaliindustrie. Der Nobelpreisträger Fritz Haber hat die Gewinnung des Stickstoffs aus der Luft , erfunden und dadurch Deutschland im Weltkrieg. al8 es von allen Rohstoffmärkten abgeschnitten war. die Herstellung von Pulver ohne Chilesalpeter ermöglicht. Heute bildet der künstlich - . hergestellte Stickstoff einen wesentlichen Teil der landwirtschaftlichen Düngung., Er hat uns vom Ausland unabhängig gemacht und erspart uns jährlich Millionen an Nationalvermögen, die früher ins Ausland gingen. Arnstein war der Konstrukteur der Zeppelinwerft und der Erbauer der Uebersee-ZeppelinS ,L. R. 8". Emil Berliner war der Erfinder des Mikrophons. Markus war der Erfinder de? ersten Benzinautomobits. Emin Pascha (Eduard Schnitzer) war ein bedeutender Forschungdreisender. Moritz Lazaruv. der Schöpfer der Völkerpsychologie. Der Archaologe Ludwig. Borchardt. der Berliner Orientalist Max Herzfeld, Ludwig Traube, der Begründer der experimentellen Pathologie. Der Nobelpreisträger Paul Ehrlich, dessen Salvarlau die Menschheit vom Fluch einer ihrer furchtbarsten Krankheiten erlöst hat. August v. Wasser- - mann, der Organisator der HeereSschutzimpsungen. die im Weltkriege Hunderttausendc deutscher Soldaten vor den mörderischen Seuchen bewahrt hoben, sowie der Entdecker der Untersuchungsmethoden für die Syphilis und als Hersteller des ersten TyphuSserum?. James Israel, der Begründer der Blasen- und Nierenchiruraie. Albert Frankel, der Entdecker des Erregers der Lungenentzündung. Hermann Abraham, der . Begründer der Berliner KindervolkSküchen. Sie alle bedeuteten kein Unglück für Deutschland. Man könnte noch an verschiedene jüdisclie Philosophen. Dichter. Musiker und Maler erinnern. die zum mindesten einen bekannten Namen hatten. E? sei unterlassen, weil ihr Schaffen von vielen m seinem Wert für das deutsche Volk bestritten wird. Das ist bei jenen technischen Erfindungen jedoch unmöglich, und dos sollten wir der Gerechtigkeit Haber anerkennen.' Ms der ,wUtr L Neichskammer der bildenden Künste. Der Präsident der Neichskammer der bildendeü Künste hat am 15. Januar eine Dritte Anordnung betr. den Schutz deS Berufes und die Verufsausübung der Gebrauchsgraphiker erlassen. Danach muß. wer gewerbsinäßig durch Personen im Anstellungsverhältnis oder auf Grund eine-3 Vertrages gcbrauchsgraphische Entwürfe erzeugen, geistig oder technisch verarbeiten oder vervielfältigen läßt und diese verbreitet, absetzt oder den Absatz vermittelt. Mitglied der RerchLkammer den bildenden Künste sein. Unter diese neue Bestim-i mung fallen also Werbe- und Reklanrc-« agenturen. graphische Kunst an st al« t e n. Annoncenexpeditionen. Matern- und Klischee Verlage u.^ dgl. m. Eebrauchsgraphischen Ent^ würfen gleichgeachtet werden Klischees und Matern zum Zwecke der mehrfachen Ausnutzung des Entwurfs. An der Erzeugung von Entwürfen gemäß dieser Anordnung dürfen nur Personen teilnehmen. die Mitglied des Bundes deutscher Gebranchsgraphicer E. V. sind. Die Aufnahme in die Reichskammer der bildenden Künste kann abgclehnt werden, wenn der Antragsteller die erforderliche Zuverlässigkeit und Eignung nicht besitzt. Die Eignung insbesondere bei Mitwirkenden, die hauptberuflich aus einem in dieser Anordnung gekennzeichneten Gebiet tätig sind, ist im Zweifel dann nicht gegeben, wenn dem Antragsteller die erforderliche Fachkunde in der Gebrauchsgraphik fehlt. Von der Zugehörigkeit zur Neichskammer der bildenden Künste wird auf schriftlichen Antrag gemäß 8 9 der Ersten Durchführungsvorordnui:g zum Neichskulturkammergesetz befreit, wer Mitglied einer Einzctkarniner der Reichskutturkammer oder eines aus Grund des Gesetzes zur Vorbereitung des organischen Aufbau? der deutschen Wirtschaft vom 27. Februar 1934 anerkannten Fall,- Verbandes oder einer auf Grund des Gesetze? über den vorläufigen Ausbau dr? deutschen Handwerk? vom 29. November 1933 anerkannten Innung ist. Ten Mitgliedern de? Bundes deutscher Gebrauchegraphiker E. V. ist es untersagt, in Unternehmen gemäß dieser Anordnung tätig zu sein, die nicht Mitglied der Neichskammer der bildenden Künste sind. 2. Nelchsfilmkammer. In Durchführung der INnorganisation der Fachverbände der Reichssilmkammer (vgl. de» Hinweis im Schaubild zum Artikel „Der Ansbau der Reichskulturkammer" in Nr. 2 der „E.-L.- Zeitung' vom 10. d. M.) wurde die Umwandlung folgender Verbände in den Gesamtverband der Filmherstellung und Filmverwertung beschlossen: Verband der Filmindustrien, Arbertsgemeinschaft der Filmverleiher Deutschlands, Deutsche Vereinigung für Filmaußenhandel. Verband deutscher Filmateliers. Verband deutscher Filmkopieranstalten. Der „Gesamtverband' wird die genannten Ernzelverbände in Zukunft als Abteilungen umfassen. UrrvtsedrUUsii»:': Vr. L1kr«z. Uir,sLb«rx: 8taIIverM7 vr. ZI a r g *r t e E d * 2 b ® t m. Be;d» in Berlin. Für Rücksendung nnverlanster Mtauskript* ist FreinmjchliE beizufö^en Leiter dar Anzeigen- Abteilung nnd verantwortlich für den Inhalt der AnzoiEen: Friedrich N&tbsn. Berlin. DA . IV VJ 46 623. Verlag: Centrilverein deutscher Staatsbürger jüducnen Glauben* e. V . Berlin W 15. Etnser 8tr«ee 42. 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