Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 4 (24.1.1935)
- Date
- 1935-01-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XIV. Jahrgang f .Nr..4-/ . Berlins 24. Januar 1935/ Preis £S Pfennig Diese Ntifivner umfasst 18 Seiten Sic enthält u. a.: Hauptblatt: Juden und Nichtjuden (IV), von Rabbiner Dt. M. Eschelbacher. —_ Die Hauptversammlung der Vereinigung für das religiös-liberale Judentum, von Dr. E R.-J. 1. Beiblatt: J19 Kilometer, von Ham Sanier. — Aus der C.-V.-Bewegung.' — Bdlachini, von Günther Damman. — Die jüdischen Philologen in Przussen, von Dr. Hamann Wed. 2. Beiblatt: Münchener Bilderbogen, von Lih) Szkolny. — Betrachtung vor einer Landkarte, von Hermann Sinsheimer. — Sport der Woeiic. 3. Beiblatt: Wirlschajt der Woche. 4. Beiblatt: Medizin und Naturwissenschaften. -MZ MUß ßfppÄr örm. Die „Fränkische Tageszeitung" vom Mittwoch. 16. Januar, enthalt den Wortlaut der Rede, die Negierungspräsident, Gauleiter JuliuS Streicher am Dienstag -abend' auf der Saarkundgebung in Nürnberg gehalten hat. In ihr heißt es: „Mit dem Namen Älatz Braun ist'' gesagt.. wer das Unglück an die Laar brachte. Matz Braun gehört teuer Raffe an. gehört jenem Balte an. das durch den Mund Walter Rathc» , naus vor Jahrzehnten , sagen ließ: „3 0 0 M änner. die sich gegenseitig kennen und durch das B l u t v e r b u n d e n sind, regieren die Geschicke der Welt!" Der Jude Matz Braun war Beauftragter der jüdischen Nasse, des.jüdischen Volkes. Er war beauftragt, zu verhindern, daß das Saarvolk zum Mutterlands zurückkehre. Ihr Nürnberger, Deutsche, vergeht nie: ein Jude war es. der an der Spitze des Terrors stand, ein Jude war es, der mit dem Geld der Judenbanken und der jüdischen Weltbörse glaubte, dem deutschen Volke das Unglück bringen zu können, daß Hunderttausende Deutsche NA eMMwl . zMNWWWWchk,:' für immer dem deutschen Volke genommen werden. Jawohl, wollen wir nie vergessen: Ein "Jude siand an der Spitze der Schande, die wir erlebten. Und. wollen wir darüber'hinanssehen über diesen Sieg, hinein in die Zukunft! Was fwollen,wir wünschen? Wir.wollen.wünschen. ' daß einmal ein Tag komme, wo die.ganze Welt, zur Abstimmung .schreitet, wo der Menschheit, die Frage' vorgelegt wird: Willst du noch weiterhin . mit solchen Lhristusmördern gemeinsame - Sache machen, willst du weiterhin mit ihnen zusammen leben, willst du weiterhin dulden, daß das ewige Volk, der Juden dich bedrücke und aussauge bis aufs Blut? Jawohl, schauen wir hinaus über diesen Feiertag, hinein in die-Zukunft: Es muß der Tag der Erlösung kommen, es. muß der Tag der Befreiung kommen, der Tag der Befreiung aus der Fessel,-die der. Jccde der Menschheit umlegte. - Wir glauben an einen Weltfrieden, der Welt- - frieden wird aber erst dann kommen, wenn die Macht des Weltfeindes gebrochen ist. und der Weltfeind ist der ewige- Jude, und wir Nürnberger, wir Franken, sind stolz daraus, daß wir Stand gehalten haben auf dem Weg, den wir' 14 Jahre lang marschiert sind. Wir wissen, daß manin den letzten zwei Jahren glaubte, durch heimliche'Kanäle soweit kommen zu können, daß'der. Mund.derer zum Schweigen gebracht würbe, die 14 Jahre lang mutig den Feind beim Namen genannt haben. Wir oder unsere Kinder werden'es noch einmal erleben, was wir vor vielen Jahren schon prophezeiten und .immer wieder prophezeien werden: Der Tag der Erlösung'vom ewigen Juden, er kommt." Hierzu ist. folgendes zu sagen: I. Das Rathonau-Zitat ist falsch wiederxgcben. Die Satzteile „durch das Blut dermunden" und „regieren die Geschicke der ^elt" stammen nicht von Nathenau.-^Das Hitat lautet wörtlich wie folgt: „300 Manier. von denen jeder/jeden kennt, leiten , dre - Wirtschaftsgeschicke des Kontinents Und uchen sich Nachfolger aus chrer Umgebung. - Vgl. „E.*V.-Zeitung" Nr. 45 vom 8.. No. »ember 1934. Hauptbl. S. 3, „Kundgebungen ur Judenfrage".) . . - 2. Matz Braun ist. wie bereits tn der steichen Nummer der „E.-V.-Zeitung festlestellt wurde, weder Jude noch jüdischer lbstammung. . ' „. Der Abend nach der Saarabstimmung c»ar ein Tag allgemeiner deutscher ^ude. ftari Ijoi bisher immer die Auffassung verreten, daß bei wirklich echter,, tiefer, umaffender Freude für Haßempfindungen m iner Menfchenseele kein Platz mehr ser. Jtomente starken Gefühls scheinen uns auch ur sachlichen Würdigung, sehr komplizierter «Mischer : und geschichtlicher -Zusammen-- Lnge nicht geeigNetzu fein.!%Ta Jw i A. H. Den „Richtlinien zur jüdischen Berufspolitik", die der Z e n t r a l a n S s ch u ß f ü r . H j l f e u li d Ausbau im Juli 1934 beschlossen und herausgegeben hat, läßt er nun neue zur kaiisrnänuischim Nachwuchsfrage folgen. Wir merken es durchaus nicht kritisch an, daß. der Zentralausschuß sie lediglich als. . Ergänzung der Julithesen zur Berufsumschichtung bezeichnet. .- Wir-erblicken in ihnen,- ohne ihnen in.jeder Einzelheit zvzustimmen,. vielmehr eine von uns mit großer Genugtuung ■ begrüßte Erkenntniswandlung ' oder. minde-- stens Erkenntnisverlagerung in der Frage der Berufspolitik für die junge jüdische Generation' Deutschlands. Die Julirichtlinien mußten. den Eindruck. erwecken, daß es sich im wesentlichen darum - handele, Voraussetzungen für die Berufsaus- Übung außerhalb Deutschlands, vor allen Dingen in Palästina, zu schaffen. Die Ueberbetonung der landwirtschaftlichen und handwerklichen und die ganz beiläufige Erwähnung der kaufmännischen Fragen konnte. wenigstens'kaum anders verstanden werden.: Wenn jetzt zur. Frage des kaufmännischen.-: ^chwüchses eindringliche Forderungen, er»" hpben werden, so bedeutet das eine Hinwey- ' düng zur realpolitischen Sicht der Situation .der - jüdischen . Atenschen in Deuts ch.k a.ndt u Sie tragen der Notwendigkeit Rechnung, daß / Positionen, die nicht wieder ausholbar wären, ' verlören' gehen' müssen/ wenn die. Menschen, ' die für sie in Frage kommen, "ihnen innerlich, uhb äußerlich entfremdet. werden. . Unsere - Leser, wissen, wie.sehr wir die aus äußeren Oh)twendigkeiten-wie aus allgemeinem - Zeitgefühl sich entwickelnden - Wandlungen des Berussaufbaus im deutschen Judentum beobachtet haben und positiv zu fördern bereit gewesen sind. Wir haben' uns aber stets gegen eine. Berufspolitik gewandt, die die" Normalisierung der Berufswahl mit Schematisierung gleichsetzte und die. auf die Wirtschaftsgeschichte und die Wirtschafts- Psychologie des deutschen Judentums nicht genügend Rücksichtnahm oder die - die auch von uns erhobene Forderung, daß jede Berufsausbildung eines jungen Juden chn heute lebenstüchtig für jeden Arbeitsplatz in der Welt machen müsse, unter dem Gesichtspunkt 'lediglich der Auswanderung ausdeutete. Ebenso, wie eine . Berufspolitik in Palästina undenkbar ist, wenn man nicht neben die ' tatsächlichen materiellen und Wirtschaftliehen Kräfte, die das Land und seine Wirtschaft aufweisen, ' die Kräfte des Zukunftswillens der berufsuchenden jungen Generation setzt, ist eine Berufspolitik der jungen jüdischen Generation in. Deutschland nur denkbar, wenn auch hier die irrationalen Kräfte in die Berechnung der Lebensmöglichkeiten eingefügt werden.. Wir veröffentlichen deshalb mit-besonderer - Zustimmung - im" Rahmen unserer programmatischen Beiträge zu m N e u b a u. d e sdeutsch e n Judentums einen Aussatz von Dr. Bruno Sommerfeld, Mitleiter des - Sozialamtes im Bund. Deutsch-Jüdischer Jugend, weil in ihm die. sachliche Einsicht in dietatsächliche. Lage-, mit - derwillensmäßigen Ausrichtung verbunden -ist, daß das Leben der -vielen tausend - Menschen deS Bundes sich vorbildlich für die gesamte nichtzionistische Jugend auch beruflich in Deutschland erfüllt. - Eine bemerkenswerte Zufälligkeit'fügt, daß . am Beginn dieser Woche der erste 2lppell der - Reichsbetriebsgemeinschaft Handel stattfand, in der der Reichsorganisationsleiter - und' Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Robert L e h, . Veranlassung nahm, sich auch gegen die. ganz - allgemein herrschende Auffassung zu wenden, als' ob "der Kaufmannsstand ein gering- ' wertigeres.Glied innerhalb der -schassenden > Stände' desVolkcssen Sommerfeld stellt die Einwirkung der allgemeinen Derufsbewertung in Deutschland auf die Berufswahl der jungen jüdischen Generation fest. Es ist deshalb zu begrüßen, wenn aus der ausdrücklichen Gleichstellung des Kausmannsstandes mit den anderen Berufsklasien, auch auf die Stimmung der berusssuchenden jungen Juden erwünschte. Rückwirkungen emtreten. Gerade der Begriff des „königlichen Kaufmanns", den Dr. Ley als Zielsetzung : dieses Standes ' entgegen den - kleinen Krämerseelen, die häufig in ihm zu finden seien, bezeichnet, ist durch jüdische Wirt- Der Zentralausschutz gibt bekannt: Wiederum steht ein Schulentlassungstermin bevor. Tausende von Jugendlichen treten neu in das Berufsleben ein. Ihnen bei der Wahl des künftigen Lebensweges behilflich zu sein, ist eine . der wesentlichsten Aufgaben des Zentralausschuffes.für Hilfe und Aufbau. An die Gemeinden und die jüdischen Organisationen. an die. Arbeitsnachweise und Berufs-. beratungsstellen, an die Arbeitgeber und an alle,- die zu helfen in der Lage sind, ergeht der Appell: Schafft Lehrstellen, helft mit bei der Unterbrin- ' gung unserer Jugend. - Drei Monate nur trennen " uns von dem neuen Einstellungstermin des - 1. Avril. Säumt nicht! Trefft Vorsorge! Der Zentralausschuß hat durch seine Richtlinien zur jüdischen Berufspolitik zu. erkennen gegeben, in welchem Geiste et die Berufsberatung - und - Lehrstellenvermittlung unserer Jugend-fördern-'will. Drei-Voraussetzungen sind für jede-Entscheidung zu prüfen.- Die persönliche Eignung- — der Wille zur Normalisierung der Berufsverteilung der Juden durch Ausbildung in handwerklichen- und landwirtschaftlichen Be- - rufen — der Wille zur Schaffung wirtschaftlicher Existenzen.. Zur Vermeidung von mißverständlicher Auslegung der Richtlinien des Zentralausschusses zur jüdischen Berufspolitik wird zur Frage des kaufmännischen Nachwuchses folgendes festgestellt:. 1. Der Nachwuchs ist dadurchgefährdet, daß der - Drang der Jugend in starkem Maße zu handarbeitenden Berufen hingeht, und daß sich schon seit Jahren ein Lehrlingsmangel im kauf- . Wenn man-, versuchen will, die Grundlinien einer deutsch jüdischen Berufsplanwirtschast herauszuarbeiten, so darf man sich nicht daraufbeschränken,' die zahllosen Gründe .und Eegengründe, die in den jüdischen Zeitungen und Fachülättern spaltenlange Erörterügen Hervorgerusen haben, zusammenzustellen und mit einem «neuen Anstrich zu berschen, unisie dann als eine, neue Meinung . aufzutischen. Wie überall, kommt es auch hier darauf an. den 'gedanklichen Kern herauszuschälen, den Praxis und Theorie'bloßgelegt haben und der zukunstweisend sein kann. In der Erkenntnis-,' daß die gegenwärtige Berufsschichtung ungesund - und nach verschiedenen Richtungen hin. ein Stein des Anstoßes gewesen ist. hat man'in der jüdischen Oefsentlichkeit - mitunter: Folgerungen gezogen, die schwerlich zu - billigen waren. Die- „Berufs- Umschichtung" sollte in vielen Fällen die Patentlösung aller wirtschaftlichen Nöte sein. Das Wort und —was noch schlimmer ist — der an sich richtige. Gedanke - der.' Berufs« Umschichtung wurde daher so abgegriften, daß man es in der jüngeren Generation nur noch ungern hörte. Die unterschiedliche sittliche Bewertung der einzelnen Berufe führte zu- ' einer neuen Einseitigkeit in der Berufswahl-, die durch Ueüertreibung alles Richtige ins Gegenteil verkehrte und deshalb für die Betroffenen ebenso wenig wie für das deutsche Judentum, nützlich war. Die Menschen, die' durch die Jugendbewegung-gegangen.-sind, versuchten ihre .. ideale Einstellung zum Beruf, in die Wirklich-. keit umzusetzen. Der Berns war ihnen nicht ' nur.Eriverbsguelle ^- jenes Zerrbild, das die bürgerliche Gesellschaft daraus . gemacht schäftende Menschen in Deutschland mit Leben erfüllt worden. Lolche Inden, die als Deutsche königliche Kauslente waren, seien auch heute Vorbild deS jüdischen Kansmannslehrlings. Die Namen Albert B a l l i n, der die deutsckie HandelSschiffahrt zur Weltgeltung brachte, Emil Rathen a u, Schöpfer der AEG/ to! Melchior, opftrmütiger Sachwalter deutscher Interessen auf zahllosen Konferenzen, Eduard Arnold, James Simon, um nur einige wenige zu nennen, sollen auch der Zungen Generation vertraut bleiben. männischen Wirtschaftssektor bemerkbar macht, der keineswegs eine rein jüdische Erscheinung ist, sondern auch im allgemeinen Lehrstellenmackt seit langem zu beobachten ist. Anderseits ist in Betracht zu ziehen, -daß der Nachwuchs des kaufmännischen Wirtschaftssektors vielfach ohne Beanspruchung der gemeindlichen Beratungsstellen in die kaufmännische Lehre eintritt. Hieraus folgt. - 2. daß. da bei der jüdischen Jugend aus: Grund . der beruflichen Tradition einedurchschnittliche. Eignung für den kaufmännischen Beruf angenommen werden kann, die Berufsberatung Wert darauf legen soll, in erster Linie für diesen Beruf besonders geeignete Personen auszuwählen. . 3.* Voraussetzung für die Vermittlung kaufmännischer Lehrstellen ist die Güte der gebotenen Ausbildung, die dem Lehrling gestattet, seinen Beruf möglichst überall in der Well auszuüben. Es wird dabei die Notwendigkeit in Betracht zu' ziehen sein, für die kaufmännischen Lehrlinge eins besondere zusätzliche Ausbildung in sprachlicher und beruflicher Hinsicht in die Wege zu leiten. 4. Lehrzuschüffe werden in der Regel nicht not- - wendig sein. Fahrgeldzuschüsse und Unterhaltsbeihilfen werden für Lehrlinge aus Klein, und Kleinstgemeinden in Betracht kommen, wenn eine geeignete kaufmännische Berufsausbildung im oben genannten Sinne in der Kleingemeinde nicht geboten werden kann. 5. Da es sich um ein neues Aufgabengebiet handelt, sollen die Wirtschaftsstellen Anträge dieser Art vorerst an die Zentralstelle gelangenlassen. von De. Vmno Commerfeld hcrt—. sondern der wichtigste Ansatzpunkt zur Verwirklichung der Sittlichkeit im menschlichen Leben. Diese Berussgesinnung ließ ihnen die naturverbundenen Berufe, erstrebenswerter als das städtische Gewerbe erscheinen. Tie natürliche Einfachheit, wie man sie im Bund auf Fahrt und Lciger lebte, sollte nicht durch den bürgerlichen Erwerbssinn um* gebogen werden. So wurden die produktiven Berufe der Landwirtschaft, des Bergbaus und des Handwerks den Händlerberusen. gegenübergestellt, und so glaubte man. eine gesündere Regelung der wirtschaftlichen Seite des Gesellschaftslebens erreichen zu können. Geistesgeschichtlich gesehen, bedeutet diese Einstellung eine Kampfansage an den mit dem bisherige Wirtschaftssystem verbundenen Intellektualismus. Wie sich solche Auffassungen in 'der Praxis auswirken mußten, als die ethische Berufswertuna aewiffermaßen staatlrch anerkannt zu sein schien, ist leicht vorstellbar.' Tatsacbg ist etwa, daß sowohl bei den allgemeinen wie bei den jüdischen Arbeits- Nachweisen selbst für gute kaufmännische Lehr«- - stellen keine Bewerber zu finden waren. Dieter Zustand verhindert jede planvolle Berufs^ Zuführung. So' droht das an sich richtige Losungswort „Derufsumschichtung" zu einem Sch^agwo'rt zu werden. Daher muy es erneut auf seinen- Wahrheitsgehalt kpprüft werden. Die Berufs- Politik des Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend, . der um diese Rektifizierung des Begriffes bemüht ist. geht von der leicht erkennbaren Tatfache aus. daß die gegenwärtige Berufsschich. timg der deutschen Juden in jeder Beziehung 'ungesund, ist. Sie erstrebt daher im Rahmen des Möglichen' eine- Angleichung-- an - die '