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Seite der Jugend · 1935-01-17 · 1 (17.1.1935) · page 4

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Journal
Seite der Jugend
Volume
1935
Issue
1 (17.1.1935)
Date
1935-01-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Dinge uns ebenfalls anseheu un'd bekannte neu zu sehen versuchen. Wir müssen erst einmal wieder richtig sehen lernen, nicht in den üblichen Perspektiven, sondern in den uns gemessen. 33a, wo das technische Können und Wissen aufhört, beginut das künstlerische Gestalten. Wir müssen abf*r wissen, dass das erste mit Voraussetzung für das zweite ist. NadiÜahri Wie eine gehämmerte Silborsehale liegt die weite Schneemuldc vor uns. Weisse Borgkuppen beben sich gegen duuklen Nacbthimniel, und das belle Mondiieht wirft scharfe, schwarze Schatten in die weisse Landschaft. Der Horizont ist klar und hart . . . Der warme Atem schwebt als kleine Wolke vor dem Mund. Hin und wieder bleibt einer zurück und schaut lange in die Feme. Monotone mahnende Kufe zwingen ihn zum Weitergehen . . . Als wir oben auf der Höhe sind, sehen wir drüben die Berge Oesterreichs, rechts unten die dunklen, schneefreien, deutschen Täler. Flimmernde Lichter zeugen von nächtigem Leben, von Wärme und Ruhe . . . Als wir gestern morgen aus diesen Tälern mit unseren Brettern auf den Schultern langsam bergan stiegen, waren wir elf Jungen mit vielen Wünschen; kleine Alllagsgeslallen. — Seit wir diese Nacht in den Bergen erlebt haben, sind wir anders geworden. — Irgondwio eine Gemeinschaft Wir wissen darum, ohne zu reden. Jeder erlebte es verschieden, aber als wir in der schwersten Stunde oben im Fels eng zusammengedrückt sasseu. und der Mut so klein wurde und die Angst vor dem Kommenden so gross, da wurde aus uns ein Lied und noch eins . . . und im Lied fanden sich unsere einzelnen Stimmen zu gemeinsamem Ausdruck. Jetzt, wo wir langsam nbsteigen, fühle ich, äass irgendetwas anders geworden ist. Ob es viel ist, stark und gross, weiss ich nicht. Tn 'diesem Augenblick nur scheint es mir unendlich viel zu sein. Vielleicht haben wir schweigen gelernt oder wissen jetzt, warum wir mehr schweigen sollten. Wir sprachen immer weniger, und trotzdem war unser Schweigen voller Worte. Zirkus Das ist so: Einen Tag, zwei Tage hat man gemeinsam gegrübelt, gesprochen, gestritten mit schweren Worten in ernsten Gesprächen. Dann plötzlich, wenn die Spannung fast zu reissen droht, fällt das Wort „Zirkus“. Was ist das? Nun, Zirkus ist der Bruch mit der Tradition der Lagerordnung. Was in Reihe und Glied stand, fügt sich zum Kreis. Ein Kreis ist rund und geschlossen, er hat keine Ecken, keine Richtungen, keinen Anfang und kein Ende. Was die Schärfe trennte, die Meinungen spaltete, die Führung verfügte, die Stimmung zerstörte, hier wird es aufgehoben, entspannt, gelöst. Dann steht einer mitten im Kreis, vielleicht ein Führer, vielleicht ein Pimpf — was tut's hier! — und singt oder spricht, rezitiert, zaubert, aber in allem, wa-s er tut: er selbst, der Mensch persönlich, unverfälscht, ohne Rang und Etikette. Vielleicht ist er einer, der den ganzen Tag stillgesclnviegcn, oder einer, der ernst und gewichtig redete, jetzt feiert er Freizeit, jetzt ist er privat und spricht auch so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: bayerisch, sächsisch, berlinisch, oberscblesiseh, die ganze bunte deutsche Landschaft wird in dem kleinen Kreis aus rings herum gekreuzten Beinen eingefangen. Man hat oft lang am Tag über Deutschsein diskutiert. Je länger man sprach, um so fragwürdiger wurde es, jetzt genügt eine Geste, ein Wort, ein Ton — und mit dem Dialekt steht das deutsche Land da, farbenkräftig und so überzeugend wirklich, virie sein Vertreter, der da ein Liedchen singt. Zirkus? Das ist die Heiterkeit des Echten und Lebendigen. Hier sprechen nicht wir, hier spricht es aus uns und darum ist es wahr. Laienspiel Wir sitzen beisammen. Lore erzähl l die Geschichte von Isaak. Sie erzählt, wie die Engel Abraham verkündeten, er werde in einem Jahre einen Sohn haben, wie dieser Sohn geopfert werden sollte, wie Abraham seinen Knecht Eliescr fortschickt, um für I U Isaak eine Frau zu | suchen. Da untcr- 1« breche ich: „Wie wäre es, wenn wir jetzt mal so eine Szene spielen würden? Etwa die mit Rebekka und Elieser am Brunnen.“ Die Mädels sind gleich dabei. Lore nimmt eine Decke und wickelt eie um sich. Ein Krug ist auch du. Da haben wir also eine feine Rebekka. Anneliese sucht sich auch eine Decke, und unser Elieser ist lerlig. Die übrigen spielen die Kamele. Es geht sehr fein.. Es klappt natürlich nicht wie etwas Einstudiertes, aber dafür ist es viel frischer und ursprünglicher. Die Mädels ßind ganz dabei. Dann erzählt Lore weiter. Federzeichnungen zu „Mosaik des Werdens“ von Max Bielefeld (Berlin) n l'Wffl wm Hier soll von den praktischen Dingen gesprochen werden, die wir leisten wollen. Das erste Jahr des Bundes gehörte der Organisation und dem Versuch, ideologische Dinge zu sagen. Heule, und das ist im Bröltalhaus von allen erkannt worden, geht es noch um ein Drittes, nämlich um die Sorge für die anderen. Diese Arbeit wird in erster Linie im Sozialamt und im Matnrialumt des Bundes getan. Die ArbeitdesSozialamtcs geht von der Erkenntnis aus, dass es für den Bund nicht mehr Aufgabe sein kann, zu einem vom Alltag losgelösten Leben im Jugendland zu erziehen. Seine Zielsetzung ist es, die geistige und praktische Anleitung zu einer planvollen Eingliederung unserer Menschen in den deutschen Wirtschaftsraum zu geben. Im Bewusstsein der gegenwärtig ungesunden Berufsschichtung der deutschen Juden strebt die Berufspolitik des Bundes im Rahmen des möglichen eine Angleichung an die Berufsstruktur der Umwelt an. Diese Einsicht verpflichtet unter Würdigung der wirtschaftlichen und menschlichen Sachlage diesen Entwicklungsprozess organisch und nicht überstürzt vor sich geben zu lassen. Unsere Sozialgesinnung fordert: „Nicht der Beruf macht den Menschen, sondern der Mensch den Beruf.“ Gesellschaftliche Umformung verlangt die Ueberwindung bürgerlicher Berufswertung. Die Durchführung der Aufgaben soll theoretisch durch Förderung der Sozialerkenntnis in Rundbriefen angestrebt werden, praktisch durch Schaffung von Werkkursen, die im Rahmen unserer Gruppenarbeit persönliche Fähigkeiten zur frühen Entfaltung bringen (Werkheime); ihr Zweck ist die Vorbereitung auf den Beruf. Ein Beispiel bildet hier Berlin mit seinen Vorlehre* kursen. Die Aufgabe desMaterialarates ist die Schaffung, Sammlung und Verteilung geistigen Materials als Arbeitsgrumdlage für alle Gruppen des Bundes. Ziel seiner Arbeit ist die geistige Ausrichtung und Erfassung der Gruppen durch gemeinsame Arbeitspläne, die Inhaltliches zur Arbeit sagen. Der jüdische Mensch im Reich soll durch diese geistige Verbindung aus seiner Isolierung herausgehoben werden. Der Erfüllung dieser Aufgabe dienen für die Gnippenarbeit Arbeitshefte, deren erstes bereits erschienen ist; es behandelt die Geschichte der Juden in Deutschland. Weitere Hefte, die bereits im Stadium der Vorbereitung sind, werden sich mit sozialen und wirtschaftlichen Problemen und mit Darstellungen aus dem Gebiet deutschjüdischer Kulturgeschichte beschäftigen. Zur Feiergestaltung gibt der Bund Sprechchöre und Liedersanunlungen heraus. In Vorbereitung ist ein Liederbuch „Lieder der Suche“, das im Bunde entstanden ist. Das Materialamt arbeitet ferner Pläne zur Ausgestaltung der Sabbatstunde (Oneg Schabbat) aus. Zur ideologischen Auseinandersetzung werden grundlegende Darstellungen über die Situation unserer Arbeit erscheinen. Heinz Kellermanns Schrift über den „Bund“ wird in einigen Wochen als Sonderdruck herausgegeben werden. Endlich werden Bücherlisten zusammengestellt, die Werke deutscher und jüdischer Literatur zur geistigen Fortbildung und Anregung des einzelnen enthalten. Norbert Wollheim JUU44 SEPT'lb Bilddiagrammc ton Max Bielefeld und.ßudolf Bloch. DEZ- 33 MAQZ-y* MAI- J4 w«/, *i**num n»Muvt. «rmw / w* . 1 1B)0R73QR; HgORTSöR. ß§]02T.S6R.. j^joRBOßUPPEN. J^ZOJ ORTSGRUPPEN. O 1 ALK>usT-6EPT£MBen 34-. H2.ol ORTSGRUPPEN. O.UNiOULi 34-. APßiu-/AAi 34-. DEZEMBER 33. JANUAR-MÄRZ 34. Wir bauen am Bund Der erste Abend in Dortmund „Bund, Judentum und Deutschtum“. Unter diesem Motto stand der Abend, mit dem wir in Dortmund an die Öffentlichkeit traten. Um 8 Uhr begann sich der grosse Saal des Gemeindehauses zu füllen. Nebenan im kleinen Saal stellen wir mit unseren Pimpfen, alle aufgeregt, tuschelnd. Das Flüstern nimmt kein Ende. Und die Eltern und Aclteren nebenan machen erwartungsvolle oder. — kritische Gesichter. Nun ist es so weit. „Aus“ wird kommandiert, und märchenstill, die Mädels voran, gehen unsere Pinipfe in Reih und Glied hinein in den grossen Saal uud bilden einen Halbkreis. Ganz ernst sind die Gesichter der Jungen und Mädel, ernst und nachdenklich werden dio Gesichter der Erwachsenen bei dem Spreehr.hor: „Wir Jungen“, den unsere Jungens sprechen... Wieder singen wir ein Lied, dann tritt ein Pimpf vor und spricht das Gedicht „Bereitschaft“, betont unsere Zusammengehörigkeit, den inneren Zwang, der uns zueinander treibt, und der uns befiehlt, einer für den anderen einzustehen, komme, was da wolle. Anschliessend beginnt Gerhard Orgler seine Ausführungen. Er erläutert unter anderem das Wort „Bereitschaft“, spricht über das .Bundesleben, über Deutschtum und Judentum als etwas, das in uns untrennbar verbunden ist. „Dio Generation vor uns“, sagt er, „hat ihre Emanzipation erreicht, aber grösstenteils ihr Judentum verloren.“ Das wahre Glaubensbekenntnis ist zum Lippenbekenntnis geworden, aber wir wollen und müssen wieder anders werden, wir müssen unser Judentum erleben, und dadurch die W’ahre Religiosität wiedergewinnen. „Die hündische Erziehung unserer Jugend besteht in der Hauptsache darin, den Gegensatz zwuschen arm und reich zu Überbrückern Der hündische Mensch lebt in der Gemeinschaft, mit der Gemeinschaft, für die Gemeinschaft.“ Die ältere Generation müsse uns helfen dadurch, dass sie der jüdischen Jugend, so weit cs möglich ist, Arbeitsplätze schafft. Edith Wolf! (Dortmund) Elternabend in Essen Vorsitzende der Fraueugruppe des C.-V., em- ' geladen batte. Studienrätin Gertrud Bene d i x hielt ein lebendiges, anschauliches Heferat über „Jüdische Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts“, in dem sie Leben und Wirken von acht Kämpferinnen der Frauenbewegung schilderte. Mit dem Dank für den ausgezeichneten Vortrag gab Gerda Feld mann, die Leiterin der Mädchengruppe, der Hoffnung Ausdruck, dass die Bereit- Willigkeit der älteren Generation, der Jugend bei ihrem Wprk behilflich zu «ein, bei den Mitgliedern ein Echo wecken, eine Betriebsamkeit entfachen möge, die in kürzester Zeit die Mädchengruppe des Bundes zu einer ihrem Werte entsprechenden Bedeutung bringt. Gerda Feldmann (Hamburg). Berliner Werkgruppen rufen die Eitern Unser bisheriges Sein wurde bis in die Grundfesten erschüttert, und doch erstand aus deu Trümmern des Gestrigen ein Neues. Der Weg zum neuen Sein fordert unermüdliche Arbeit von uns, doch wir wollen ihn gehen. Um auch unseren Eltern einmal unsere Arbeit zu zeigen und die innere Bindung zwischen ihnen und uns enger zu knüpfen, haben wir, die Werkgruppen Norden II und Süd, einen Abend veranstaltet, zu dem wohl annähernd 400 Menschen gekommen waren. Der Abend wurde durch Chorgesang des „Tauw lehaudauss“ eingeleilet. In der Begrüssungsanspracbe gedachten wir des allzu früh von uns gegangenen Ludwig Tietz und gelobten, in seinem Sinne weiterzuarbeilen für das deutsche Julenluin, mit unserer ganzen Kraft. Dann ergriff der Gruppenleiter Paul Jacob das Wort, um den Eltern eineu Uebcrbliek über unsere vielseitige Arbeit zu geben. Anschliessend wuvie das „Arioso“ von Händel gesungen und ein Gedicht von Ben Chorin vor- .getragen. Rabbiner Dr. van der Zyl sprach "dann über den „Weg zweier Generationen“, der von der Geschichte zweier Jahrhunderte geprägt ist, und forderte u. a. von der älteren Generation, sie solle der Jugend den Freitagabend wiedergeben. Wenn eine Gruppe zum ersten Male seit ihrer Gründung mit einer „Veranstaltung“ — ganz gleich, welcher Art — vor die Oeffentlichkeit tritt, so ist das etets ein grosser Moment: grosö für die meist rocht jungen Freunde der Gruppe, grösser aber für die älteren, für die in der praktischen Arbeit erfahreneren. Für diese verantwortlichen Teile der Gruppe ist eine solche Veranstaltung ein Massetab dafür, ob und in welchem Grade die Idee — unsere Idee — in der Gedankenwelt der Neuen feste Form angenommen hat. Die Feierstunde, die die Jungen und Mädels, die Jüngeren der Essener Ortsgruppe vernnstaltoten, fiel in erheblichem Masse aus dem Rahmen des üblichen, weil hier der Versuch gemacht wurde, unter jeglichem Verzicht auf Aeusserlichkeiten den Inhalt unserer Bundesidee lebendig werden zu lassen. Dass dieser Versuch wohlauf gelungen ist, zeigte das stetig wachsende Interesse, das stetig anschwellende v Miterleben der vielen Hunderte drunten im Saal. Man musste mitten unter ihnen sitzen, um zu sehen, wie ungeheuer tief die Worte eine« einfachen sinnvollen Sprechchores an der Seele der Aelteren rüttelte — man muss es an dem bewegten Mitgehen spüren, daß die klaren und ■nüchtern gesprochenen Worte, einer kleinen Schar Jugend in den Herzen der Eltern erzeugte. Und als dann der Vorhang sich öffnete zu einem kleinen Spiel, das uns die Bräuche des Chanukkafestes näherbrachte und erklärte —, da wusste man: diese Jungen und Mädel6 dort oben, die durch ihr einfaches, natürliches Spiel, unter Verzicht auf jeden Pathos, unter Verzicht auch auf die letzte Aeusserlichkeit, den Worten Form gaben, sie gaben den Beweis, dass Judentum etwas Lebendiges ist. Der Weckruf in forschen Liedern, von vielen frischen Kehlen in den weiten Saal geschmettert, erzeugte einen Wiederhall, der bestimmt lange Zeit forlwühren — und lortwirkou wird. W. G. Hamburg (Essen). Eino Aelterengruppe kommt zum Bund Vor einigen Wochen wurde die deutschjüdiscbe Aelterengruppe Essen offiziell in den Bund Deutsch-Jüdischer Jugend aufgenommen. Einigen kurzen Worten von Josef Zucker, dem Leiter der bisherigen deutsch jüdischen Arbeitsgemeinschaft im Verband der jüdischen Jugend vereine, folgte eine eindrucksvolle Ansprache des Landesverbandsleiters Gurt Braun, der auf die Notwendigkeit hündischer Haltung hinwies. Uns alle verbindet das gemeinsame Ziel: Bewusste Juden 6ein auf deutschem Boden Die Aelterengruppe wurde der Orlsgruppenleitung unterstellt Gerhard Orgler als Ortsgruppenleiter begrüsste mit herzlichen Worten die neuen Freunde im Bunde und forderte von der gesamten Ortsgruppe ehrliche Arbeit, treue Kameradschaft und würdige Haltung. Als dann zum Schluss das Bundeslicd von allen gemeinsam gesungen wurde, fühlten wir, was es heisst: Mitglied des Bundes sein zu dürfen. Wir wollen uns auch unserer Pflichten bewusst sein. Ilse Sommer (Essen). Von den Hamburger Mädels Die Mädchengruppe des Bundes jüdischer Jugend in Hamburg traf sieb zu einem Teeaberid W Jugendheim, zu im E»u AööiBauert dic Nach einer kurten Pause erheiterte die Geschichte „Neiloh in der Hölle“ von Perez die Zuhörer. Und als die Töne der „Romanze“ von Kahnt verklungen waren, deklamierte ein Spreclichor den Psalm 124 „Lulej Adaunoj“ auf hebräisch. Dio Reihe der Darbietungen schloss eine Szene aus „Der Kaufmann von Venedig“. Den Ausklang des Abends bildete das gemeinsam gesungen*: Bundeslied von über 100 Jungen und Mädel, das dem Willen unc der Bereitschaft Ausdruck verlieh, Pioniere zu sein für die neue jüdische Gemeinschaft in Deutschland. Ernst Glaser (Berlin). Hermann Weil, der Landoavcrbandsloiter dos Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend in Uwsen-Nassau und Hessen, ist in den Vorstand der Ortsgruppe Frankfurt des G. V. kooptiert worden. flniiuiiiuiiiiiiiiiiiimiiiimiiiiiiiiiiiiiiimmiiiiiiiiiiimiiiiiiimmmuu Von wilden Bächen und Bachstelzen Elieser Smolly: „Der Retter von Chula“. Mit einer Einbandzeichnung von Ludwig Schwerin und neun Bildern von Heinz Wellenberg. Uebersetzt und bearbeitet von Fritz Aronstein und >f. P. Block. Erich Reiss Verlag, Berlin. Diese jüdischen Jugendgescbichtoa aus dem neuen Palästina werden es dir antun, •wenn dir ein rechtes Jungenherz iu der Brust schlägt. Da ist die Geschichte von dem tapferen kleinen Jungen, der die Polizisten aus der naben Kreisstadt herbeiholt, um die Siedler vom Chula-See vor einem Ueberfall der Beduinen zu retten, und dabei selbst im brausenden Wildbart) sein Leben verliert. Da ist jene Episode von den yemenitischen Juden — koiu Märchen, sondern grauer palästinische)’ Alltag —, die ein englischer Polizist in ihren armseligen Baracken aufstört, weil die „Aschkenasi“, vertreten durch den amerikanischen Grundstücksspekulanten Harris Neumann, den Boden unter ihren Hütten an sich.gebracht haben. I)a ist die Geschichte von den Kindern, die Bialik zu seinem sechzigsten Geburtstag gratulieren wollten, und die von den müden Bachstelzen, den „armen kleinen Chaluzim“, die über das Meer nach Palästina kamen. Da ist viel Heiterkeit und Hoffnung, da ist der Kampf mit Arabern und Beduinen und mit dein Fieber, das aus den Sümpfen steigt. Einfarbe, ungebrochene Menschen gehen durch das Buch, und^ einfach und ungebrochen ist ihre Sprache. F/S ist eine Sprache des Lebens, fern jener gedrechselten Künstlichkeit, in der Jugendbücher gemeinhin geschrieben werden. ... Und doch bleiben diese Geschichten aus Talastma Geschichten aus eiuem fremden Land. Von den Sorgen uhd Nöten, die der jüdischen Jugend Deutschlands ihr Leben sind, wissen S'e nichts. Sie sind von einer anderen Lebens« nutte her geschrieben, in der das Jüdischseiu eine alltägliche, sorgenlose Sache ist. Das spürt man in jeder Zeile und in jedem'Wort. Und sonderbar - gerade das Jüdische bleibt in diesen Jungcnsgcschichten an der Peripherie. Wo immer in der jWelt Gefahr und Mut sich begegnen, da können sie erlebt und aufgeschrieben worden sein. Lebendig und fein ist dieses buch, aber das sehr starke Bedürfnis nach deutschsprachiger jüdischer Jugendliteratur befriedigt es nicht Nicht einmal -ein Anfang :ist es, — der kann und muss' in' Deutschland ‘gemachtwerden. , k. j. R

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