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Central-Verein-Zeitung · 1935-01-17 · 3 (17.1.1935) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
3 (17.1.1935)
Date
1935-01-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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/yQ\\/757 o„ Nr. 3;nnn?ci i-Boiwa« OüLJvUULi’vJ 17. Januar Cvi^iy v yiilwüü^i» üülli WfGWsN $ üü f U’b^ylö’O^ In einer Straße im Westen Berlins, nahe am Olivaer Matz ein hübsches Haus mit einem Vorgärtchen - wie viele andere. Ein Schild .Mittagstisch" — wie viele andere. Eine große Glastüre, die in gut eingerichtete, gepslegte Räume führt, die wie ein kleiner Klub anmuten — wie manche andere. Eine bunte Gesellschaft an den gedeckten Tischen — anders als bei jedem arideren „Mittagstisch". Hier ist die jüdische „Künstlerküche", eine Einrichrung. die Frau London ursprünglich zusammen mit der Jüdischen Künstlerhilse ins Leben gerufen hat. und die heute fast ganz in ihre Leitung und die eines Tainenkomitees gekommen ist. Warten vor bcichildertcn Türen. Büros und lange Namen« listen - das ist für die hier Betreuten vorbei; es wirkt nur noch unmittelbar die praktische Hilfeleistung und der menschliche Zuspruch von Personlichleiten, die sich all der kleinen und großen Sorgen des Alltags eines jüdischen Künstlers annehmen. Alles wirkt hier zum Helfen zusammen: gute Speisen, die man täglich umsonst oder gegen geringste Bezahlung genießen kann; die Versorgung mit Kleidungsstücken, die von den Mitgliedern des Komitees mit aufopfernder Emsigkeit von überallher für diejenigen beschafft werden, die ein Wohlfahrtsamt nicht in Anspruch nehmen können und dennoch dieser Unterstützung bedürfen, besonders in einem Beruf bei dem die gute äußere Erscheinung des Mensch-n von Wichtigkeit ist; und dann der persönliche Kontakt der Künstler untereinander, immer erneuert und wachgehalten durch liebenswürdige Vermittlung von seiten der Leiterinnen — dieser Kontakt, aus dem heraus nicht etwa nur Jammergespräche über die Schwere der Zeit, sondern manche nützliche, menschlich stärkende und anregende Unterhaltungen geboren werden, voll von großen Erinnerungen und kleinen Hoffnungen. Daß Hoffnungen zum Glück nicht immer ganz unberechtigterweise nur in der „leichten Künstlerphantasie" bestehen, erfahren die Betreffenden selbst oft am gleichen Ort aus der HilfAiereitschaft eines Kreises von Menschen, die hicrherkomrnen. um mit den Leiterinnen Hausveranstaltungen und sonstige Austrittsmöglich, keiten zu besprechen. Leute, denen ihre Mittel erlauben. sich in den Dienst dieser kulturellen Aufgäbe zu stellen und die hier sofort Verbindungen mit den Künstlern anbahnen. Durch eifrige Werbetätigkeit hat Frau London einen Kreis von Spendern für das Werk geschaffen, die sich zur monatlichen Leistung eines bestimmten Betrages verpflichteten. Durch die ehrenamtliche Tätigkeit der Damen wird ein Unkostenetat vermieden, so daß alle Mittel ausschließlich der Sache zugute kommen. Selbstverständlich gehen jeder Neuaufnahme in den Kreis der Gäste der Künstlerküche genaue Erkundigungen voraus, damit nicht durch Unwürdige den wirklich Bedürftigen ein wertvoller Platz verloren geht. Ter Begriff „Künstler" wird in weitem Sinn gefaßt: neben dem gewandten Zauberer sitzt oft ein ernster, immer versonnener Wissenschaftler, neben der Sängerin ein Journalist, neben dem Conferencier ein alter, nicht mehr fest beschäftigter Kantor. Sie alle sind verbunden in der gleichen Liebe zu einem Beruf, dessen Berufung in der Wirkung auf die srcinde Masse liegt, und dessen Volle Ausübung die Zeit ihnen erschwert. Hilde Marx. <!smac Elbegen: Das Leben des Maimentdes Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums veranstaltet zugunsten ihres Stipendienfonds eine Vortragsreihe, die anläßlich der 800. Wiederkehr seines Geburtstages Dioses Maimonides gewidmet ist. Professor Dr. Jsmar E l b o g e n begann seinen einleitenden Vortrag über „Leben und Leistung" des großen jüdischen Philosophen mit der Feststellung, daß Jubiläen ein Prüfstein für den Gefeierten wie für die Feiernden feien — für jenen, weil sie erweisen, ob feine Bedeutung der Geschichte. standhält, für diese, weil sie ihr geistesgeschichtliches Verständnis aus die Probe stellen. Das Leben des Maimonides bietet der geschichtlichen Rückschau reichen Stoff. Es war bewegt von äußerem Geschehen, zerrissen durch innere Kämpfe. Der Knabe verlor früh die Heimat, kam von Spanien über Palästina nach Aegypten und wurde in jungen Jahren der Ernährer seiner Familie. Schicksalsschläge zermürbten ihn früh, aber schon in verhältnismäßig jugendlichem Alter wurde er zum Führer der ägyptischen Juden, ein Amt. das er neben einer ausgcbreitetcn ärztlichen Tätigkeit versah. Unter dem Druck übermäßiger Arbeit hat er sein Leben lang gelitten, dennoch fand er Zeit zu ausgebreiteten wissenschaftlichen Arbeiten, die ihn über das Studium des jüdischen Schrifttums hinaus in fast alle Gebiete des Zeitwissens führten.' Aus seiner Kenntnis der Profanwissensihasten, des Aristoteles etwa oder heidnischer Religionen, hat er Anregungen für die jüdische Arbeit mitgenommen. Als Erster führte er die Methode der vergleichenden Neligionsgeschichte im Judentum ein, und als Erster hat er seine Erklärung der Mischna in ein System gefügt, dessen Nebenprodukt seine berühmten „Glaubensartikel" sind. Seine Arbeiten fanden bei der Judenheit seiner Tage ungewöhnliche Anerkennung. Die alte Autorität der Exilarchcn in Bagdad freilich fühlte sich durch ihn bedroht und hat ihn der Ketzerei geziehen. Aber Maimomdes besaß ein „Gleichmaß der Joseph ben Matthias " Bei dem Berliner Gastspiel des Kulturbundes Rhein-fluhr für die „C.-V.-Zeitung“ gezeichnet von Ady Ritter-Lauinger Seele", das ihn über Ablehnung und Anerkennung gleichermaßen erhob. In seiner gütigen, verstehenden Hinneigung zum fragenden Mitmenschen ver- - körpert er die Weisheit hinter der Wissenschaft und die Demut neben der Größe. L. J. R. * Eine Biographie deS Maimonides auS der Feder von Dr. Abraham H e s ch e l erscheint im Laufe des Februar im Erich Reiß-Bcrlag, Berlin W15. MrtinDubrr: Bildung undLkltmrMinllig Das Frankfurter Jüdische Lehrhaus eröffnete ' den Winterlehrgang mit einem Abend, der von der Kammcrstreichvereinigung für Musik unter der bewährten Leitung von Arthur Holde festlich eingeleitet wurde. Dann hielt Martin B u b e r einen Dortrag über Bildung und Weltanschauung. Ueberall in der Welt, so führte Buber aus, ist ein Ausstand der Weltanschauungen gegen die Bildung unter Führung der Jugend entstanden. Es herrscht keine Luft zur Bildung und doch ist diese notwendig. Nicht gemeint ist sogenannte allgemeine Bildung, sondern Bildung der Persönlichkeit. Diese Bildung ersaßt oen Menschen als Voraussetzung eines Gemcinschaftsgliedes und sucht ihn in seiner Urexistenz zu begründen. Die Bildungsarbeit will durch Lernen Zugang schaffen zu den bildnerischen Kräften, zu den letzten Tatsachen, die auch durch eine gefärbte Darstellung hindurch scheinen. Bildung hat zum Ziel, ein treues Verhältnis zur Wahrheit zu erreichen. In ihrem Totalisierungsdrang haben die WeltanschauungSgruppen das Verhältnis zur Wahrheit verlernt. Statt einer Totalisierung muß durch Bildungsarbeit eine gewachsene Totalität angestrebt werden. Die Bildungsarbeit: der Weltanschauungen beruht aus einem gemeinsamen Mühen um Tatsachen. Gemeinschaft einer Weltanschauungsgruppe ist nicht der Zusammenschluß Gleichgesinnter, sondern eine Vergegenwärtigung der durch Bildung klargelegten Wurzelgemeinsamkeit. Nicht kommt es an auf Toleranz und formulierte Verständigung, sondern auf ein echtes Wahrheitsverhältnis hüben und drüben, also nicht Neutralität, sondern Solidarität. Wie ist dann aber eine Weltanschauung begründet! Hier setzt echte Bildung ein, die so einwirken will, daß sie einen jeden erprobt und einen fordernden Einstutz auf den Menschen ausübt. Es muß das Wellanschauungsgewissen erweckt werden und den Menschen zurufen: „Was du propagierst, gilt nicht, wenn du es nicht tust." Wir müssen scheiden lernen zwischen Realgesinnung und Fiktivgesinnuug. Nur das wie ist bedeutsam. Die Weltanschauungen werden getragen von Personen. Es darf deshalb keine Gruppenverantwortung und kein Hörigsein der Weltanschauung gegenüber geben, sondern nur eine Personen Verantwortung. Das hat nichts zu tun mit einem Individualismus, sondern zeigt, ob eine Gemeinschaft echt ist, oder aber ein Zerrbild. Die Echtheit zeigt sich in der lebens- IW! der WM tm berliner Kullurbllllt Der Berliner Kulturbund hat feine Tore dem rheinischen Kollegen für ein zweitägiges Gastspiel geöffnet; auf diese Weise lernten wir das Werk eines noch unbekannten Mischen Dramatikers kennen, der auf der Bühne deS Kulturbundes Rhern-Ruhr bereits seine Feuerprobe bestanden hat: das Schauspiel „I o s e p h ben Ma t th i a s" von Julius Wolffsohn. Ueber Stück und Aufführung ist in diesen Blättern aus Anlaß der Kölner Uremiere ausführlich berichtet worden; es sei dahcr nur kurz festgestellt, daß der starke Bühneneindruck der in elf lockeren Bildern abrollender Szenenreihe, die eines der verhängnisvollsten Kapitel aus der jüdischen Geschichte in einer muljr sinnbildlichen als sinnfälligen, mehr referierenden als dramatisch veranschaulichenden Tragik zu gestalten unternimmt, sich vor dem Berliner Publikum bestätigt hat. Man darf das Werk dieses bcrmo novus als einen nicht unwillkommenen Versuch auf dem Wege zu einer werdenden jüdischen Dramatik betrachten, auch wenn eS seinen Meister noch nicht lobt. Noch verbirgt es seine bescheidene Eigenart hinter der Technik Shawschir Dialogführung, ohne freilich über eine gewisse Behendigkeit und Geläufigkeit der ganz ins Moderne, zuweilen sogar inS Alltägliche gewendeten Diktion hinauszukommen; noch fehlt der Charaktecistik. bei allen individuellen Ansätzen, vielfach der feste Griff, das Beherzt-Zupackende, die LoSküsung vom bloß Rhetorischen, das immer nur ein schwacher Ersatz für die von innen, aus dem Zentrum der Gestalten wirkende Durchschlagskraft der Rede fein kann. Besonders die in vielen Farben schillernde Figur des Joseph ben Matthias (der als Flavius Josephus die Geschichte des jüdischen Krieges sehr lebendig, aber, wie dre Forschung längst erwiesen, keineswegs zuverlässig beschriebt» hat), diese zwischen Rom und Judäa, zwischen Verstand und Herz, zwischen Ehrgeiz und Glauben, zwischen Verrat und Märtyrertum seltsam schwankende MittelpunkiSfigur de» Stücke» wurde unter den Händen deS Autors in den psychologischen Sprüngen, in der unmotivierten Plötzlichkeit ihres mehrfachen inneren Wandels menschlich nicht transparent. Heinz Friedeberg als Darsteller des Joseph, bei uns noch von Schnitzlers „Spiel der Sommerlüfte" her in angenehmer Erinnerung, gab — in einer Aufführung, die durch die Regie Hans H i n r i ch s ein würdiges, sparsam-ernstes Gepräge erhielt — der Gestalt die durch eine gewisse Starrheit der Gesten kaum beeinträchtigte Frische einer verinnerlichten, gereiften Jugend, der freilich — schon rein äußerlich — von der geistigen Suprematie des Strategen und Statthalters von Galiläa nicht viel anhaftete. Seine hauptsächlichsten Gegenspieler im judäischen Lager, die beiden zelotischcn Aufrührer Eleasar ben Simon und Johann von Gischala, fanden in R o l f W. F e l d» herm und Hugo Schuster zwei Vertreter, die ihren ungezügelten Fanatismus als rauhe Tugend erscheinen ließen. Auf der römischen Seite interessierte der Vespasian von Willy Buschhoff durch das eigenartige Bemühen, der vom Dichter etwas stiefmütterlich behandelten Figur Leben und Farbe zu geben. Der Trtu^ von W. Fraenkel- Froon erschien zu herbe, zu dumpf, zu wenig aufgeschlossen, um die Aktivität, die er zur Erhaltung des Tempels gegen den Rat seiner Generale entfaltet, glaubhaft zu »lachen. Einen ungewöhnlichen schauspielerischen Eindruck vermittelte dagegen F r i e d l Münzer als die judenfreundliche Kaiserin Poppäa: imponierend in ihrer Erscheinung eine Frau, die zu herrschen gewohnt ist. ganz stark und impulsiv in ihrem leidenschaftlichen Ausbruch am Schluß des dritten Bildes. Auch die eine der beiden anlieren weiblichen Figuren des Stückes, die tapfere. glaubenSstarke, hingebungsvolle Mirjam (deren literarische Ahnenschaft sich zwar weit zurückversolgen läßt, die aber auf der Bühne immer. wieder lebendig wirken) wurde von LeniSteinberg ganz aus der Innigkeit einer naiven Mädchenseele zur Darstellung gebracht. Hinter diesen beiden Frauengestalten trat bic Prinzessin Berenike von Anna B a r b a r a S a ch s e weit zurück — allerdings nicht ohne Schuld des Autors, der sich für die Umrißlinien dieser von ihm wohl als eine Judith oder Esther beabsichtigten Figur Theodor Mommsens ebenso schlagende wie anschauliche Charakteristik der „Kleopatra im Kleinen, die mit dem Rest ihrer viel in Anspruch genommenen Reize das Herz des Bezwingers von Jerusalem gefangen hielt", hätte zunutze machen sollen. Aus dem übrigen reichhaltigen Personal des Stückes seien noch Max Koninski, Fred Löhnen. Eugen Streußler mit Anerkennung genannt. . Das Publikum folgte den Vorgängen offensicht, lich nicht ohne gespanntes Interesse und rief nach dem letzten Bilde den anwesenden Autor immer wieder vor den Vorhang. Dr. Hugo Lachmanski „Zaakobs Traum" im Kulturbund Nach längeren Verhandlungen des Kulturbundcs Deutscher Juden mit Richard Beer- Hosmann wurde der Dichter veranlaßt, nunmehr sein biblisches Drama „Jaakobs Traum" zur Aufführung im Berliner Kulturbund freizugeben. ' Die Erstaufführung ist für Anfang Februar festgesetzt. Regie führt Dr. Fritz I eß n e r; Bühnenbilder und Kostümentwürfe: Heinz Condell. Es wirken u. a. mit: die Damen Lilli Kann, Gerda Klein - W e i s m a n, Gina P e - t r u s ch k a, Mira R o s o w s k y, und die Herren Walter H e r t n e r, Fritz W i st e n, Herbert Grünbaum. Siegmund N unb er g. Martin Brandt, Ernst L e n a r t, Fritz Lion. Martin W o l f g a n g. Die Proben haben bereits begonnen. fit mm MMm Der besondere musikalische Effekt der „Derkauften Braut", die bei den Mitgliedern des Derliner Kulturbundes rechte Freude und ebenso viel Beifall findet, wird — und das zeugt für die Qualität der Ausführung als Gesamtleistung — nicht beeinträchtigt, wenn einige Partien nut anderen Kräften besetzt sind. Ruth Wolf fr ei m war für eine junge Marie ein wenig zu gezwungensteif, wußte sich aber stimmlich nach und nach in ihre Rolle hineinzufinden. Den Heiratsvermittler Kezal gab Walter O l i tz k i; er charakterisiert diesen Gaunertyp mit treffender Komik, vor allem durch geschickte Gebärde. Agnes Lenbach als Gast gestaltete Maries Mutter Kathinka würdig, aber wohl etwas zu zurückhaltend. Im übrigen blieb es bei der Premierenbesetzung. Orchester und Chor, exakt und beschwingt musizierend, waren unter Rosenstocks Leitung die Hauptstützen dieses kraftvollen und beglückenden Spiels. _ E.G.L. Jüdische Lhorvereinigung (Dirigent: Leo Kopf). Die Proben zu- „Die Zerstörung Jerusalems" von Hiller, welche im April d. I. zum ersten Male in Berlin zur Aufführung gelangt, haben begonnen. Stimmoegabte Damen und Herren, welche dem Chor beizu treten wünschen, werden gebeten, sich ' Berlin W 15. Pariser Straße 24. parterre, entweder schrisllich oder telephonisch zu melden. yktäii.'jL.ailS'i »ALL-WETTER" unser imprägnierter Loden-Mantel für Herren Reine Wolle mit Kamelhaar/ leicht, luftdurchlässig, was:i er abstoßend, ein Loden-Mantel, durch Jahrzehnte l Di erprobt und bewährt M.ClV ( . . . aber auch zu Mark 19-50 25-— bis 4660 für Damen ir. Herten» Für Kinder cntsprcdu billiges München C 2 / Ssndimgerstraße Gt&» 1871 I tau 600 Angestellte una Arbeitet

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