Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 3 (17.1.1935)
- Date
- 1935-01-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Die Figur öcd englischen Stuatsmcmus Oliver Cromwell (ir*\»0—J058) ftand in letzter. Zeit im Vordergrund dichterischer und historiselicr Gestaltung. Während der letzten Jahre sahen wir in Berlin drei Cromwell-Dramen, von Klabnud. Gilöricht und seht von Ielusich, der auch einen vielgesenen Cromwell-Roman geschrieben Hai. lind soeben veröffentlicht der große Historiker Onclen ein Buch über „diesen erlesenen historischen Gegenstand". Allzu ivenig oder garnicht lvird in den meisten Beröfsentliclinngen über Cromwell seine Hciltniig \\\ den Inden dargestellt, die jahrelang ganz England und auch das enropatsclie Festland in leidenschaftliche Erregung versetzte. Seine offen bekannte Sympathie für die Inden war so stark, daß seine Gegner Nachforschungen über seine Vorfahren anstellten, um vielleicht seine jüdische Herkunft uachtoeisen zu können, nnd anssprengten. die Inden sähen in ihm den gerade damals erwarteten (durch den „Sohar" für UV1H angelündigteni "Ytessias. dessen Erscheinen nicht nur die zerstreute Indenheit, sondern auch vielfach die durch alle Schrecknisse brtf Dreißigjährigen .Kriegs aufgewühlte Christen- C.-¥.-Les © t trinken nur don Kaffco, Tco, Kakao der Catnaja Kaffee Grs^ösSersi Bremen Vertreter werdon noch ®lngostollt lieit entgegensah. damit er. in neuer Gestalt, das durch Daniel und die Apokalppfe verbrochene ..Fünfte Reich", das „Tciuscndjährige Reich", die „Hcrrschaf! der Heiligen" verwirkliche. Wie fmu Cromwell dazu, sich den Inden nicht nur im Geheimen, sondern in aller Oes-» sentlichleit derart wohlgesinnt zu zeigen, während doch die Bevölkerung Europas damals nicht judensreundlich war? In Crvmwells eigenem Heimatland waren die Juden seit 1290 „auf Nimmerwicderkehr" ansgetriebeu. Cromwell. eine fromme Kraflkiatur ans einfachem Landadel, ein „Heiliger" mit ungewöhnlicher Anpassungsfähigkeit an das Reale, der Glauben nnd Vernunft, Gott und den gefunden Menschenverstand taktisch geschickt zu einen wußte, hatte den zugleich : schwächlichen und despotischen König Karl L, | als er in die Rechte des englischen Parlas ments eingegrifscn hatte, mit seinen „Jn-! dependentcn" bekämpft, besiegt, entthront und schließlich hinriciiten lassen. Seit der völligen Niederwerfung der Royalisten herrschte Cromwell mit unbeschränkter Macht, die schließlich.. nach.VUifXüfung des „Langen Parlaments", nur scheinbar von einem durch ihn ernannten Staatsrat und dem ihm ergebenen „Kurzer Parlament" eingeengt, als diktatorisch 1653 anerkannt wurde durch seine Ernennung -um Lord^Protector von England, Schottland und Irland. Doppelt war die Wurzel der Iudensrcundjchaft dieses Diktators. Tie Puritaner, besonders seine Kämpfer, die Independenten, mit Leuen, durch die er zur Macht gelangte, waren fanatische Anhänger der Bibel, aus der sic vor und nach der Schlacht lasen. Das heilige Buch galt ihnen als oberste Autorität, besonders aber das Alte Testament, in dem sie ihre heldi chen Vorbilder in den Richtern, in Saul und David, in Ioab und Iehu, in den Makkabäern fanden. Für Cromwell und seine Puritaner, welche Glaubensfreiheit pre-. digten, wäre i die Juden das Volk dieser Bibel, das Volk Gottes, nnd Staatsmänner und Schriftsteller dieser Zeit schlugen allen Ernstes die Einführung des Sabbat für England. die Ge sehe der Tora als Grundlage des englischen Stialsgesetzes vor. sowie siebzig, als die Zahl der Staatsräle, entsprechend den Mitgliedern des Synhedrion. Ader zu Cromwells lebendigem Bewußtsein einer göt liehen Sendung, zu deren Ersüllung auch die Duldung und Befreiung des Gottesvolts gehörte, kam die Beobachtung, daß.in den Riederlanden, nachdem dort die Gleichberechtigung der Konfessionen prokta- / miert nnd die spauischgwrtugiesisclien Juden .'»ugelassen waren, das neue ^taalswesen schnell aufblühte. — nicht zum wenigsten durch das von ihnen eiugesührte Kapital und ihre nach dem Orient, nach Indien, nach Amerika bald sich anbahncnden Handelsbeziehungen. E.wmwell hatte nicht nur eine berühmt große, sondern auch eine sehr witterungssähige Rase, und er ahnte, daß dre Juden dem neuen England ähnliche Vorteile bringen könnten wie dem neuen Holland. Denn das Expansionsinieresse des Jnselvolks mußte gerade nach Uebersee zielen. Diese Rivc.lität zwischen . England und den Niederlanden führte zu jahrelangen, auch iriegcrischen Auseinandersetzungen. Dre englische Ravigatilmsalte von 1651 verbot jede Einfuhr aus Nebersee auf nichtenglischen Schiffen, und dies Gesetz bedeutete eine solche Schädigung der Niederländer, daß es zu einem Seekrieg kam, in dem England ■ dre Oberhand behielt und 1653 dre Anerkennung dieser Akte erzwang. Trotz der jahrhundertelangen Fernhaltung der Juden aus England hatten aber Marranen. also chrrstgetauste Juden der Iberischen Halbinsel, aus der Insel Fuß gefaßt. Diese im Herzen und in heimlicher Elaubcnsübung Juden gebliebenen. Marranen gelangten zil großem Reichtum, ruid einige von ihnen, wie Antonio Fernando Carbajol und Simon de Careeres' wurden von Ervmwcll als Berater für Uebersecfragen zugezogen. Schon vor der Auseinandersetzung utit Holland war in England der Kampf um die Zulassung der Juden im Gange; gegen Eromivell nüd seine Puritaner ftanben die alteng' lisehen Presbyterianer. Ta ergriff aufs leidenschaftlichste Partei für die Juden Cd-- ioard R'icholas iu einer dem ganzen Reich geividineteu „Apologie für die ehreulverte jüdische Nation und alle Söhne Israels"; er forderte die Wiederaufnahme der 'Juden, durch die allein Englands Glück befestigt werden könne: „die Verfolgung des Gvttesvolles gehört zu den größten Sünden, deren daS Land sieh schuldig gemacht hat. . . wir müssen sie wieder ausuchmeu. müssen ihnen alle mögliche Genugtuung verschaffen und dafür sorgen, daß sie in diesem Königreiche wieder zu Glanz und Ansehen gelangen." Nichvlas. der ausdrücklich betonte, nicht auf Wunsch der Inden, sondern aus freiem Antrieb diese Schntzschcift geschrieben zu haben, war aber der Geheimsekretär Eronuoells. weshalb anzunehmen ist. dass der Diktator sie vielleicht angeregt, sicherlich aber gebilligt hat. Ans diese Schrift hin glaubte der Amsterdamer Rabbiner, Buchdrucker, Philosoph. Kauhnanu. Schriftsteller und hinreißender' Redner M a n a s s e b c n Israel/eine zwar nicht tiefgründige, aber doch sehr bewegliche, wisseusreiche und im damaligen geistigen politischen Europa weithin bekannte Gestalt in Amsterdam, die Zeit zum Eingreifen von außen her sei gekonnnen. Manasse beherrschte zehn Sprachen. Rembrandt. der auch Radierungen zu einer seiner Schriften beisteuerte, hat ihn gezeichnet, und seine zitatenrcichen Werke wurden auch von christlichen Gelehrten und Staatsmännern gelesen und geschützt. Er bekam viele Besuche und Zuschriften von Christen und unterhielt einen reichen Bricfwcchsel, so auch mit der Königin Christine von Schweden. Zu seinen Korrespondenten gehörten auch Theologen und Staatsmänner in England, und diese Korrespondenz, so berichtet er später, „war der erste Ursprung von der Unternehmung meines Vorhabens . . . weil sie versicherten, daß zu jetziger Zeit die Gemüter der Menschen uns sehr geneigt wären, und daß wir ihnen auf dieser Insel sehr angenehm nnd willkommen sein würden". Ermutigt also durch diese Korrespondezen, wie durch die Flugschrift des Nichvlas und Cromwells persönliche. Haltung wandte sich Manasse.1650 direkt an Staatsrat und Parläment von England mit einem Antrag um Wiederaufnahme der Inden, — daß sie also öffentlich Synagogen halten, einen Begrabuisplatz anlcgen. frei Handel treiben und jeglichen Schutz'genießen dürsten. Er ließ den Wunsch durchblicken, man möge ihn selbst nach England berufen und legte dem Antrag seine höchst merkivürdigc Schrift „Die Hoffnung Israels" bei. die angeregt war durch die beschworene Mitteilung des jüdischen Reisenden Montezuws, er -habe in Südamerika Indianer getroffen,, die zu Rüben, einem der zehn verlorenen stamme gehörten, hebräisch sprächen und das Schmäh beteten. Es nähere sich also die Zeit der Erfüllung, so ' argumentiert Mauaise immer wieder, da die' Juden, wie es verkündet sei, in alle Welt zer- , streut und dann heimkehrwürdig seien; weil die Zerstreuung aber, nach der Prophetie, von einem Ende der Welt bis zum anderen ftatt- , haben müsse, so seien nunmehr die Juden auch in England, als dem äußersten, nördlichsten Lande der Welt zuzulasseu. Das Parlament nahm Manasfes Botschaft an,. Lord Middleser dankte ihm schriftlich mit der Anrede „Mein" teurer Bruder", und der Amsterdamer Vermittler erhielt einen Patz zur Einreise nach England. Aber da brachen die Verwicklungen zuüschen England und den Niederlanden aus und verhinderten Manasfes : tteberfahrt. Nachdem bau» Ervmwcll das alte „Lange Parlament" aufgelöst und durch das nur aus Puritanern zusammengesetzte „Kurze Parlament" ersetzt hatte, wurde die Judenfrage offiziell, aus die Tagesordnung gesetzt, nnd als Manasse abermals einen Paß erhalten. der Friede zwischen den beiden Ländern geschlossen war und sich „drei Generäle der Flotte in einer Petition für Zulassung der Juden iu England eingesetzt hatten", dachte Manasse an die Ausreise. Aber cs gab unter den nvrdeuropäischen Juden manchen, den die Verquickung des mcssianischen Elements mit dem wirtschaftlichen in der Ausrollung der Judenfrage nicht gefiel. Deshalb versuchte der Amsterdamer Marrane Dormido dem Manasse zuvorzukommen; er erschien 1654 in England, überbrachte ein Gesuch um^ Zulassung, das Cromwell empfehlend dem «staatsrat, weitergab, ohne haß freilich eine Entscheidung zu-..' stände kam. ' Nunmehr reiste Manasse selber nach den hohen Festtagen 1655 ab und langte im Oktober in London an. mit einigen anderen angesehenen Juden Amsterdams, als offizieller Vermittler.empfangen und am „Strand ein-, quarti^L. . Sist-M.-r.' . Bald nach seiner Ankunft überreichte der durch die-Gunst des Diktators und zustimmende Schriften christlicher Schwärmer freudig bewegte Mauasse dem sonst persönlich schwer zugänglichen Cromwell die „iiumblo Ad ress“ mit der Bitte, daß „Sie uns Wohnsitze in ^diesem Lande einräumen, darnit wir unsere.«Synagogen haben und freie Religions- Übung genießen ... Da Sie von dem Beginn ihrer Regierung an viele Beweise der Achtung und Gunst für uns an den Tag gelegt haben." Wenn Manasse in dieser kurzen Adresse Uüe auch in den Vorverhandlungen das religiöse Rtomcnt als Grundlage seiner Forderungen wählt, so lvar seine gleichzeitig durch den Druck verbreitete, sehr ausführliche Denkschrift „An die Revublik Englands" mehr vom real- Politischen. Gesichtspunkt aus abgefaßt. Zwar gibt er einleitend seiner Lieblingsidee Ausdruck. daß die messianische Zeit nahe, da das Volk Gottes nun nach allen Plätzen und allen Gegenden der Welt hin verstreut sei, aber daun schildert er an der Hand vieler Beispiele in sehr arlfsä)l»ßreichcr Darstellung, von lute großen: Nutzen die Juden allenthalben ihren Niedersassungsländern getvesen sind nnd lvie stark stets ihre Treue zu diesen Ländern war. Er verteidigt seine Glaubensbrüder gegen die üblichen allgemeinen Anschuldigungen nnd hebt schließlich „Adel und Reinheit ihres Bln> tcs" hervor. Manasfes Anwesenheit cregte in England großes Aufsehen, zumal er sehr rührig war und sich mit den einflußreichen Parlamentsmitglicderu lvie den Theologen von Cambridge, nnd Oxford in Verbindung setzte, während Ervmwcll zwei seiner eifrigsten Anhänger, den Geistlichen Peters und den Staatsrat Rtarten für die jüdhche Sache arbeiten ließ. Aber auch in Holland, hatte das Unternehmen Manasfes und seine günstige Position vor Cronnvell eine merkwürdige Beunruhigung hervorgerufen. Hierüber schreibt der gerade jetzt wieder durch sein Buch „Deutscher Sozialismus" iu die öffentliche Debatte gerückte Nationalökouvm Professor Svmbart in seinem Werk „Die Juden und das Wirtschaftsleben": „Die Holländer des 17. Jahrhunderts aber sahen deutlich genug ein, was sie an den Juden gewonnen hatten. Als Manasse den Israel in seiner bekannten Mission nach England gegangen war, schöpfte die holländische Otegierung Verdacht: es könne sich darum handeln, die holländischen Juden nach England hinüberzuziehen. Sie beauftragten.daher ihren Gesandten in England, Neuport, Acänasse über seine Absichten zu fragen. Neuport berichtet (Dezember 1655) in beruhigendem' Sinne au seine Regierung: es sei keine Gefahr vorhanden." Die betreffende Stelle dieses Berichts lautet in deutscher Uebersetzung: „Manasse den Israel hat mich besucht und miv versichert, daß er nichts für die Juden in Hollalrd er-,^ strebe, sondern nur für die. welche unter der' Inquisition in Spanien und Portugal stehen." Trotz der wilden Gerüchte von Cromwell? jüdischer Abkunft, vom geplanten Kauf der St. Pauls-Kathedrale und der Bodleyanischen Bibliothek seitens der Juden berief Cromwell zwecks Erörtermrg der Judenfrage Anfang Dezember eine Kommission im Saal von Whitehall, der Juristen, Theologen und Kauf? leute, unter ihnen der Lord-Mayor und die JsSdmtts tfassptlegs-System Mt Mittel u. Sohnltcenj.iirflfu'.sr.flr.ctwurdnn. Nachweis der nächsten Verkaulcstolt» durch DEUTSCHE SCKOU. WERKE Gjn.b.H. Frankfurt a. I<„ Süd 10. beiden Scheriffs von London, angehörten. Taü ganze Volk hate Zutritt, und der Bcrhaud' lnngssaal war überfüllt. Tie beiden Frageic lauteten, ob e^ gesetzlich sei, die Juden lvicder auszunehmeu und, wenn ja. unter tvelchcn Bedingungen dies geschehen könne. Tie erste Frage wurde von den Rechtskundigen dahin beantwortet, daß es, lvenn die Aufnahme das Staatswohl fördere, kein Gesetz gäbe, das der Ausnahme entgegen treten könne. Aber die Kaufleute und' besonders die Aiehrzahl der Geistlichen wandten'sich derart gegen jedesZnlassungsgcsetz und gegen die Juden selbst, daß Cromwell in der Sitzung vom 18. Dezember, der er selbst präsidierte, zuerst Rtauasse ausforderte, sich zu rechtfertigen, und dann äußerst erregt selbst die Rednertribüne betrat, um die' Juden zu verteidigen: „Groß ist mein Rlitleid mit diesem armen Bolle, welches Golt erwählt und dem Gott sein Gesetz erteilt hat; Kinder GvtteS find sie. . Freilic!) macht er kein Hel)t daraus, das; er hoffe, die Juden für die Kirche zu gewinnen. Ta diese Rede Eromwclls keine Majorität für die Zulassung eyzietcii konnte, brach er die.Konferenz ab. Als aber auch der Staatsrat, an den nun der Antrag ging, sich nicht entschied und die Gemüter ganz Englands wie des Festlands durch diese Cr-- örterung der Judensrage so eregt waren, das; nun erst recht Schriften und Gegenschriften erschienen. ließ der diplomatische Diktator die öffentliche Debatte ruhen und führte weder Beschluß. noch Gesetz herbei. Doch stillschweigend duldete er von jetzt an die Niederlassung einzelner Juden in England svlvie das Judenbetenutuis der Marranen. Und als der reiche Marrane Roblcs enteignet werden sollte, weil er Portugiese sei. und man mit Spanien und Portugal Krieg führe, entschied Cromwell, das Vermögen sei ihm und anderen Marranen zir belassen, da sic Jude seien. Damit war die Zn-- lassung der Inden in England, wenn auck; nicht gesetzlich, so doch durch Cromwell« Ätachtspruch anerkannt. Schon 1657 erwarb die neue Gemeinde ein Stück Land als Begräbnisplatz. Atanasse hat noch 1656 gegen die ärgsten Streit- und Schmähschriften eine wirkungsvolle Verteidigung „Iiettung der Jaden" ver>- ösfentlicht. die später von Alarkus Herz verdeutscht und von Moses Mendelssohn bevor-• wortet wurde. Noch ist ein silberner Teller erhalten, den der Amsterdamer Rabbiner dem.. Lord-Protektor überreicht hat, und Erommellehrte Manasse durch eine lebenslängliche Iahresrente von hundert Pfund Sterling. Aber Manasse starb schon aus der Rückreise nackf" Holland 1657. Als nach Cromwells Tod und' der Abdankung seines Sohnes das Königtum, durch Karl II. wieder eingesührt wurde, fandder neue Herrscher in London bereits eine feste jüdische Gemeinde vor. die er weiter bestehen' ließ, ebenso wie die Politik stillschweigender' Duldung der Juden in England. Dr. Kurt Pinthus. . „EliLdrrlMAi" feee RGW unb „AnMsäMsne VerböiEr" In der „Deutschen Justiz" (Nr. 2 vom 11. Januar 1985. tc. 42) wird die amtliche Begründung zu dem Gesetz ,.gegen heimtückische Angriffe auf «staat und Partei nnd zum Schutz der.Parteiunisormen veröffentlicht. In der Begründung wird mitgeteilt, welche Organisationen „Gliederungen" sind und welche zu den ..angeschlossenen Verbänden gehören. „Gliederungen" sind danach die SA. die SS. das NSzlK. die Hitler-Jugend (einschließlich Jungvolk und BDM). der NSD-Studentenbund und die NS-Frauenschaft^ Zu den angeschlossenen Verbänden gehören: N-L-Vvlkswohlfahrt C. V.; Deutsche Arbeitsfront, einschließlich der 'NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" und.des „ArbeitSdank"; Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen E. V.; NSD-Aerztebund E. D.; NS- Lehrerbund E. V.; NS-KriegsopferversoMing E. Ä.: Neichsbuud der Deutschen Beamten E.D.</ NS-Bund Deutscher Technik. tung, Nr. 3 vom 16. Januar 1965. Sp. 47 ff). In der als Anlage 1 beigegebenen ersten Anweisung des Reichsministers für Volksaufklärnng ' und Propaganda an die unteren Berwaltungsbehordeir im Deutschen Reich vorn 17. September 1934 — I 1461/17. 7. - heißt es in § 4: ..Anträge von Nichtariern auf Zulassung'zu Veranstaltungen von gelegentlichen Theaterausführungen sind abzulehnen. Der Nachweis der arischen Abstammung im Sinne des Gesetzes ist urkundlich zu belegen." .Mr KM Mrr grsM" Die Zeitschrift „Der Photograph" enthält in seiner Nummer 1/2 vom 4. Januar folgendes- Inserat: - Achtung! Zn rassischen Studien werden folgende, nur scharfe Bilder gesucht: . ... 1: Juden am Strand Und beim Tanz - 2:' Juden und Arier (Mischpaare und. Mischlinge) 3: Farbige und Andersrassige mit arischen > Mädchen und umgekehrt. Sommerliche und Strand-Aufnahmen bevorzugt. Auswahlsendunaen, möglichst mit Preisangabe, unter S. E. 357 an den „Photograph" erbeten. Es ist also mit einer neuen Bildermappe „Juden sehen dich an" zu rechnen. - WSßÜBBWt WU MLÄM» Durch Runderlaß des preußischen Ministers' .-des Innern vom 12. 1. 35. — III Dp. AUg. 141 — wird das Verfahren auf Entscheidung über Anträge um Zülasiung zu gelegentlichen Veranstaltungen von Theateraufführungen geregelt. (Ministerral-KIait. für dieZKreußifche—innere-Berwal-! Am 9. Januar feierte einer der angesehensten, Rechtsanwälte ■ Hamburgs. Tr. Herinann. S a m - sv.n, feinen 75. Geburtstag. Dr. Samson, der als -Atenfch und als Jurist weit über' Hamburgs Grenzen hinaus einen überragenden Ruf genießt, geht in durchaus alter ungeminderter Kraft . seiner vielfältigen Arbeit nach. Seit Jahrzehnten dem EentraCVerein aufs Engste durch Mitglied^" schaft und frühere Tätigkeit im Hauptvorstand vcrbcrnden, verdankt' ihm die Ortsgruppe Ham- ' burg-Altona in gleicher Weise wie seinem Sohn. Rudolf' Samson, der seit Jahresfrist' als BorH sitzender, den Landesverband 5tordwestdeutschland führt, außerordentlich viel. Der großen Fülle der . Glückvünsche schließt sich der Centräl-Derein mit besonderer Herzlichlcät cm.' ' naaptschriftlcite:: Dr. Alfred Ulrsclibc.:^; Steilvertr.r Dr. Margarete Edelbeitu. B'.lde m Berlin, Für Rücksendung unverlangter Manuskripte kt Frciuaischlag beizufügen. Letter der Anzeigen- Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Natb&n, Berlin. . DA IV Vj. 4S923. Verlag: Ceutralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Berlin \V 15 Ernter Strasse 42. Tel.-Adr.: ..Centralglauben Berlin.“ Femspr. J 2 OUva 8141-45. Postscheck: Berlin 30472 Druck der Buch., und Tiefdruck Gesellschaft. mbH. Berlin SW 19 Zurzeit ist Preisliste Nr. 3 gültig. Bezugspreis vierteljährlich BM 2,70