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Central-Verein-Zeitung · 1935-01-10 · 2 (10.1.1935) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
2 (10.1.1935)
Date
1935-01-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Uü'm &!iNit; Die eigentliche Bedeutung der Palästinawanderung spiegelt sich nicht in den absoluten Zahlen. Zwar mag der primitive Zionist revisumistischer Prägung beim Ansteigen des jüdischen BevölkcrungsanteilS gebannt den Tag herannahcn sehen, an dem sich vor dem Zauberwort „jüdische Mehrheit" mit einem Schlage das Tor zum „Judenstaat' öffnet. — der verantwortungsvolle Freund des Aufbaus weiß es bester. Er weiß, daß die Einwanderungszifsern allein nur ein höchst unvollkommenes Bild von dem Wert oder Unwert der Immigration geben und daß das wahre Problem erst dort beginnt, wo sich das Verhältnis der Land- und Stadtbesiedclung. des Einstrvmens in Landwirtschaft. Gartenbau. Industrie. Handel und sonstige Berufe anzcigt. Alles kommt darauf an. ob es gelingt, dieses Verhältnis tragbar zu gestalten; ob es möglich sein wird, einen gesunden. krisenfesten Wirtschaftskörper in Palästina aufzubauen, der gegen allzu katastrophale Konjunkturschwankungen gefeit bleibt. Die Herkunft der überwiegenden Mehrzahl aller jüdischen Ein- Wanderer aus städtischen Berufen sowie ie verhältnismäßig höheren Verdienst- und Gewinnchancen der Städte, in denen die Prosperity sich ungehemmter auswirkt, bewirken bereits eine bcdrohliche Schwcrgcwichtöverlagerung. Man sieht die Gefahr und warnt unaufhörlich. In einem Interview, über das die Jerusalemer Tageszeitung ,.Doar Jlajone' in den letzten Tagen berichtet, übt Dr. W e i z m a n n scharfe Kritik an der Bevorzugung der Städte durch die derzeitigen Ein- . Wanderer und fordert als Jdealtyp des Palästinasiedlers den „starken, gesunden, geistig regsamen und von jüdischem Empfinden erfüllten Bauern', wie er ihn etwa in der dänischen Landwirtschaft vorgefundcn habe. Ebenso spielte in einer Presse, konferenz. die gleichfalls vor wenigen Tagen in Warschau stattfand und auf der der Leiter der Einwanderungsabteilung der Histadruth Elijahn D o b k i n einen mnfasicnden Bericht über die Ein-' wanderungsfragen erstattete, das Land-Stadt. Problem die entscheidende Nolle. Dobkin teilte u. a. mit. daß von den 135 000 Juden, die in den letzten drei Jahren aus aller Welt nach Palästina gekommen seien, 114 OO0 in den Städten geblieben und nur 21000 aufs Land gegangen seien. Er gab dann weitere geradezu alarmierende Zahlen, die das hypertrophische Anwachsen der Städte beleuchteten. Zur Verhütung einer weiteren Konzentration in den Städten habe die Histadruth beschlossen, daß jeder, der ein Arbeiter-Zertifikat bekomme, sich verpflichten müsse, zunächst mindestens zwei Jahre auf dem Lande zu arbeiten. Auf Bruch dieses Versprechens stände der Verlust des Rechtes. während fünf Jahren Angehörige nach Palästina Nachkommen zu lassen. So tobt allenthalben der Kampf um den gesunden Aufbau des Landes gegen Opportunismus und Egoismus ungeeigneter Elemente. Der Ausgang des Ringens ist freilich zweifelhaft. Aber jeder Palästinasreund sollte an seinem Platze mithelfen, einen Zustand zu verhindern, aus dem schließlich nur noch der harte Zwang menschlichem Einfluß entzogener Gesetze einen Ausweg zu schaffen in der Lage ist. E. R.-J. * Es ist in diesem Zusammenhang wichtig, zwei Tatsachenschilderungen Raum zu geben, die sich um das Gebiet der Haifa-Bay gruppieren. Während die eine, die wir heute veröffentlichen, die mit Riesenschritten fortschreitende Industrialisierung dieses Gebietes mit einem nach den obigen Darlegungen nicht ganz unbedenklichen Optimisums zeichnet, beschreibt die andere, die in der nächsten Woche folgen wird, die Eingliederung einer landwirtschaftlichen Siedlung deutscher Huden in dem gleichen Landstrich. Rr » öW Zwtz.Bai Von Ernst Oavis, Jerusalem Die Industrie Palästinas war bisher so gut wie ganz auf den Bedarf von Konsumgütern beschränkt. Sie hat darin inzwischen eine ziemliche Verzweigung erreicht. Mail kann heute inländische Socken genau so gnt erhalten, wie inländische Grammophone, Rasiermesser. Zahn-- Pasten. Schokoladen. Tischbestecke und Krönlenchter. Trotzdem ist auch da noch Raum zur Ausdehnung vorhanden. Wer so gut wie ganz fehlte bisher die Herstellung von . Produktions, gütern und selbst jener Gegenstände, die auf der Grenze zwischen Konsum- und Produktionsgütern liegen. Daher das riesige Anschwellen der Jmportzisfern für diese Warcnsorten seit Beginn der „Prosperity', das so vielen eine unberechtigte Sorge macht (vgl. W. d. W., Nr. 1/35). Die Betriebe der Fertigwarensabrikation bekamen dieses Fehlen einer eigenen „Industrie für die Industrie' nicht selten peinlich zu spüren. Oft genug wurde für ein kleines oder mittleres Unternehmen die Erledigung eines Auftrags ein Problem, weil irgendein lächerlich geringfügiger Gegenstand, den man dazu brauchte, gerade nicht aufzutreiben war und' erst aus dem Auslande beschafft oder auf Handwerksmäßige Weise mit großen Kosten angeferiigt werden mußte. Jetzt hat die industrielle Ent- Wicklung eine neue Etappe erreicht und beginnt, über die Produktion von Konsumgütern hinauszuwachsen. Im Lause dieses Jahres sind eine Anzahl Plane zur Errichtung von Unternehmungen für die Herstellung von Produktionsgütern gereift, die mittlerweile ausgeführt worden find, oder deren Ausführung vor der Vollendung steht. So wird scheinbar demnächst ein neues Unternehmen bei Tel-Aviv die Erzeugung von Schrauben, Nieten, Muttern usw. aufnehmen, und vor Ablauf des Jahres dürfte auch die erste Feilenfabrik des Landes ihre Waren auf den Markt bringen. Das sind indes wohl ganz wichtige, aber doch nur kleinere Zeichen des neuen Entwicklungsabschnittes. Sein bedeutendster und charakteristischster Markstein ist die Betriebserösfnung der „Palestinc Foundry and Mctal Works Ltd.' in der Bai von Haifa. Dieses Unternehmen umfaßt neben einer Eisengießerei daS erste Eisenwalzwerk und das erste Emaillierwerk nicht nur des Landes, sondern wie es, wahrscheinlich mit Recht, behauptet, des Nahen Orients überhaupt. Das Produktionsprogramm enthält u. a. die Anfertigung von Badewannen, Waschbecken, Pumpen, Röhren Und Schlössern, den Guß von Maschinenteilen und die Herstellung von Eisenträgern. Schon unmittelbar nach seiner Eröffnung kam die Gesellschaft mit einem Dergrößerungsprograrnm heraus, das u. a. den Ausbau des Walzwerks Vorsicht. Sie erhöhte dazu ihr Aktienkapital von 30 000 auf 45 000 Palästinapfund. Die 15 000 Pfund neuen Aktien sind nach Mitteilung der Emissionsfirma, der „Industrial and Financial Corporation of Palestine Ltd.' — einer Gründung jüdischer Finanz, leute aller möglichen Länder unter Leitung dc8 früheren Mitglieds der Jewish Agency, Emanuel Newman — bereits überzeichnet. Der eigentliche Initiator deS Unternehmens ist der bisherige Generaldirektor der Hartung A.-G. in Berlin. Alexander Kremmener. An der Finanzierung beteiligten sich u. a. die „Paleftine Economic Corporation'. New-Pork. eine auS den politischen Freunden des Richters am obersten amerikanischen Bundesgericht, Louis D. Brandeis. zusammengesetzte Gruppe, die zu der heutigen Leitung der Zionistischen Organisation in Opposition steht, die „Portland Gement Com- . pany ..Nesher' Ltd.', in Jadjur bei. Haifa, ein seit langem bestehendes Unternehmen, das. feine . Gründung einem reichen russischen Juden verdankt, einige Einzelpersönlichkeitcn und die „Palestinc Electric Corporation', die Vertreterin der dem Ingenieur Pinchas Ruthenberg erteilten Konzession zur Elektrizitätsversorgung Palästinas und zur Ausnutzung seiner Wasserkräfte. So beginnt Ruthenberg offensichtlich, sich selbst Kunden zu gründen, wie einst Rathenau, mit dessen AEG er vor elf Jahren vergeblich über eine Beteiligung an der Finanzierung seiner Konzession verhandelte. Damals standen die meisten Wirtschaftssachverständigen auf dem Standpunkt, daß Palästina gar nichts mit so viel Strom anfangen könne, wie selbst das projektierte erste Jordankraftwerk Ruthenbergs produzieren könne. Heute arbeitet dieses Werk bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkett, und man ist schon mit der Errichtung des zweiten beschäftigt. Ruthenberg ist auch an einer Kabel- und Drahtsabrik interessiert, die ebenfalls in das Gelände der Bai von Haifa hinkommen soll, und deren Finanzierung nun gesichert zu sein scheint. Es zeigt sich also, daß die alte Idee, daS Gebiet dieser Bucht zum Sitz einer Großindustrie unter besonderer Betonung der Produktionsgütererzeugung zu machen, jetzt ihrer Verwirklichung entgegengeht. Außer den Betrieben der „Palestine Foundry and Metal Works' und der Kabel- und Drahtsabrik soll dort auch eine große Baumwollspinnerei- und -Weberei hinkommen, die von tschechoslowakischen Juden errichtet wird. Ebenso ist dieses Gebiet zum Standort eines Großbetriebs für die Herstellung von Tafel- und Fensterglas bestimmt, der von einer kapitalkräftigen Gruppe gegründet wird. Am Nordende der Bai. schon in Aklo, steht die Eröffnung eines Unternehmens zur Herstellung von Tür- und Patentschlössern, Scharnieren und Halbmaterial für andere metallverarbeitende Betriebe bevor, der von zwei Lernberger Jndustriellen ins Leben gerufen wird. Es schweben noch eine Reihe anderer Projekte, die u. a. die Produktion von Schweißrohren, leichten Eisenkonstruktionen und Werkzeugen vorsehen und alle in dem Gebiet der Bai von Haifa ausgeführt werden sollen. Die Wahl gerade dieser Gegend zum Standort einer „schweren' Industrie hat nicht nur seinen Grund in der Nähe des Hafens, der den Export in die industriearmen Nachbarländer erleichtert, sondern auch in den Grundbesitzverhältnissen. In und um Tel-Avro, dem größten Konsumzentrum des Landes, das bisher auch die meisten Industrien an sich zog. haben die Grundstückspreise eine enorme Höhe erreicht. Es muß für jedön Betrieb, der ein größeres . Terrain erfordert, zunächst einmal ein großes Kapital „in die Erde gesteckt' werden, und bei den heutigen Preisen von Grund und Boden ist eS nicht sicher, ob nicht ein Teil davon verloren geht. Bei Haifa, vom Rande der Stadt ab die Bai entlang nach Norden, hat dagegen der Jüdische Nationalfonds, das Hauptinstrument der zionistischen Bodenpolitik, schon vor Jahren ein Gelände von 60 000 Dunam (ungefähr 6000 Hektar) erworben und für die Entwicklung Haifas, die man allgemein nach Beendigung des Hafenbaus erwartete, in Reserve gehalten, um eine spekulative Steigerung der Grundstückspreise zu verhüten. Dieses ganze Gelände wird nach einem einheitlichen Plane, den der englische Städtebauer Professor Abercrombie aus Liverpool ausgestellt hat. besiedelt werden. Es wird danach in drei Zonen eingeteilt: Ein Industriegebiet. von diesem durch einen breiten Gürtel von Grünanlagen getrennt ein Wohngebiet und dahinter ein Areal für landwirtschaftliche Siedlung. Der NationalfondS vergibt nun hier wie überall, die einzelnen Parzellen nicht in juristisches Eigentum, sondern nur in langfristige Erbpacht. Der Erwerber hateine jährliche Pacht zu zahlen, die auf fünf Prozent von dem geschätzten Grundstückswert festgesetzt wurde, wobei nach Ablauf einer bestimmten Reihe von Jahren periodisch eine Neueinschätzung dieses Wertes erfolgt. Da in der Praxis die Jahreszahlungen, wie sie in den bisherigen Verträgen festgelegt wurden, pro Dunam geringfügig sind, ist dieses Arrangement für den Industriellen anziehend. Es besteht nur die Frage, ob er auf seinen Grundbesitz Kredit aufnehmen kann, wenn ihm der Boden nicht al4 Eigentümer gehört. Indes dieses Problem; scheint dadurch gelöst zu sein, daß es ihm mög-; lich ist. sein Erbpachtrecht zu beleihen. Damit ist es aber fraglich, ob der Nationalfonds fein Ziel erreichen wird, eine Landspekulation zu verhindern. Denn es ist sehrgut möglich, daß an Stelle einer Preistreiberei in Grundstücken eine solche in Erbpachtrcchten eintritt, was ziemlich auf dasselbe herauskommen dürste. Wird wiederum das Erbpachtrecht nicht frei veräußerlich und belcihbar gemacht (freie Beleihbarkeit ist ja ohne freie Veraußerlichkeit nicht möglich), so wird dem Erbpächter die Fähigkeit genommen, Rcalkredit zu erhalten, und damit würde für den Industriellen die Finanzierung seines Unternehmens durch Ausgabe von Obligationen weg. fallen, das ganze Angebot des Nationalfonds also stark an Reiz verlieren. Daher ist dieser Weg nicht gangbar. Es ist also theoretisch sehr gut möglich, daß von dem Erbpachtsystem nur die - ersten Erbpächter profitieren, die ihre Grundstücke unmittelbar vom Nationalfonds erhalten, und diese ihre Erbpachtrechte zu hohen Preisen Weiterverkäufen. Diese Gefahr dürfte aber mehr für Wohngrundstücke und landwirtschaftliche Grundstücke bestehen, dagegen weniger für JJn, dustriegelände und am wenigsten da. wo Groß, betriebe errichtet werden. Denn es ist kaum an. zunchmen. daß jemand große Kapitalien in die Errichtung industrieller Produktionsanlagen steckt, um nachher an ihrer Veräußerung zu dem gestiegenen Grundstückspreis zu verdienen. Das ' ist in der Praxis kaum möglich, weil bei Groß, betrieben der Preis des bloßen Grundstücks einen zu geringen Bruchteil des gesamten Kapitalwerts bildet und sich kaum ein Erwerber findet, der die bestehenden Baulichkeiten gerade so, wie sie für den betreffenden Betrieb zugeschnitten sind, verwerten kann. Aber was für industrielle Großbetriebe gilt, gilt schon weniger für Kleinbetriebe, und gar nicht für Wohn- und Siedlungsland. Die Idee, daß das Erbpachtsystem ein Allheitmittel gegen, die Bodenspekulation darstellt, ist daher zwar gut gemeint, aber falsch. Lagimg des MminlslraM HMmiltee der AMsh Asmy Wie der Jüdischen Telegrafen-Agentur aus New-Dork gemeldet ist. wurde die Tagung deS Administrative Committee der Jewish Agency out einer Ansprache des Vorsitzenden, Neville Laski. geschlossen, in der er den Zusammenschluß der nichtzionistischen Mitglieder der Jewish Agency in Amerika zu einer einheitlichen Körperschaft zwecks stärkerer Einflußnahme und Arbeitsmöglichkeit innerhalb der Agency ankündigte. Die Tagung faßte eine Resolution, in der die jüdische Oesfentlichkeit aller Länder zu stärkerer Förderung des Palästinawcrls aufgerufen und die Politik der Exekutive in bezug auf Legislative Council und Einwanderungsfrage gutgeheißen wird. In der dritten Sitzung der Konferenz hatte das Mitglied der Exekutive Berl Locker ein politisches Referat erstattet, in dem er die Maßnahmen der Exekutive zu den verschiedenen Problemen der Palästinapolitik eingehend auseinandersetzte. Der Redner begründete ausführlich die Notwendigkeit freundschaftlicher Zusammenarbeit mit der Manikrtarmacht und wicL tin Rahmen einer Besprechung des jüdisch-arabischen Problems daraus hin, daß sich die Voraussetzungen für die Erzielung einer Verständigung zwischen Juden und Arabern in Palästina zusehends günstiger gestalten. Zum Schluß begründete Locker die ablehnende Haltung der Exekutive der Jewish Agency gegenüber dem Projekt eines Legislative Council. BsrllaMMMlss "L?L Tö».;ßlsm. 8180-15. Jimmerv.M.B. an iallü_ Vorm. Frau KcScn© Meyer Leerkomfortzimmer auch für Ehepaare vorzüg lebe Wiener Küche, Jedo Ut&i. Schwalb©, CbarloHcnbcirg 4, WommgQRStragse 55 C v Steinplatz T971. Pension Windsor Mhe Kurf Uritendomm» Marburgcrsir. v» I, B 4, Bavaria 2035 für In- und Aasländer. Zentralheizung Lift Zimmer mit und ohue Pension /,o» 1 gern Haue PrcWo ,.0‘ - -- Pos'asSQsi SSocnüftal »n.-CharlotUnb.; Olamarckstrasse 102 I-Bahnhof). ToL 0 1 StcinpL 1273. omforta. m. Bad £50 Mk doppelt — Hk. an. 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