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Central-Verein-Zeitung · 1935-01-10 · 2 (10.1.1935) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
2 (10.1.1935)
Date
1935-01-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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f E \ *&!;nnr//l Wr.2 1. Beiblatt \jQ l_v»/Z-i->—> Li A J 10. Januar jß Uv »r/v \ C <•'/ »-jV^ i^Ur’V^’ grft ging es ein bißchen zaghast. Die Erwachsenen genieren sich noch. Schließlich, was ist schon Oneg Schabbat? Eine Sache für Kinder, nicht wahr? Weil doch die Kinder durch die Dlcti« gestaltung des Schulunterrichts anderweitig beschäftigt werden sollen. Aber die Erwachsenen? Was soll ein Erwachsener, selbst wenn er am Sabbat „frei" hat. mit Oncg Schabbat. mit Sabbatsreudc. mit Sabbatwonne? Allerhand auf den Wochenabschnitt bezügliche Bücher lesen, Lieder singen oder geographische Studien an der Karte von Palästina machen, wie es da und dort empfohlen wird? Kann man das von Menschen verlangen, die schon längst aus der Schule sind, unwiederbringlich? Wir haben ein wenig herumgehorcht, wie es denn mit dem Oneg Schabbat in Berlin steht. Je länger wir horchten, desto deutlicher hörten wir ein bestimmtes Geräusch: nicht nur die Vorlesung der empfohlenen Bücher oder Lieder, sondern durch die Büchersäße und Liederverse hindurch die lebhafte Diskussion darüber, wie man den Oneg Schabbat am besten feiern soll. Und durch das Hin und Her der Diskussion hindurch klangen immer ■ wieder leise und unverkennbar die triftigen Gründe derjenigen, die weder an Oneg Schabbat noch auch nur an Schabbat denken können. Da sind wir immer stiller geworden und haben immer besser zugehorcht und schließlich gelang es uns. den Oneg Schabbat selbst zu hören, und da fragten wir ihn. wie es ihm denn in Berlin ginge und wie er sich fühlte. ..Gut/ sagte der Oneg Schabbat. ..danke, gut/ sagte er. „man erweist mir hier mancherlei Aufmerksamkeit, besonders die jungen Lenke singen und lernen und werden Juden. daß einem das Herz im Leibe lacht. Aber wißt ihr. wenn man so um diese kalte Jahreszeit am Freitag nachmittag nach Berlin kommt und, wo einen der Abend gerade überrascht. schnell in irgendeine jüdische Wohnung unterschlüpft und wenn man dabei, wie ich neulich, in eine Kellerwohnung gerät und mitansehen muß, wie die Mutter ihre kleinen Kinder um fünf Uhr nachmrttags in die Betten packt, damit sie nicht frieren, damit sie schon schlafen, wenn der Vater vom Beten kommt, damit sie ihn nicht mehr nach dem Kiddusch fragen können, damit sie nicht nach dem Abendessen, nach dem Freitag-Abendessen fragen können, das die'Eltern nicht haben — wetm man das sicht, wißt ihr, dann zerreißt es einem das Herz im Leibe . . / Oneg Schabbat. sagt ihr, nun ja. aber man muß das richtig jüdisch machen. Lernt und singt, horcht zu und paßt auf, ihr könnt gewiß an keinem Tag besser und ernster heiter und erfüllt fein als am Schabbat. Wißt ihr, was für eine Sorte von Oneg Schabbat mir in Berlin imponiert hat? Vorige Woche, vor vierzehn Tagen, ks war eben Winter geworden, die Fensterscheiben beschlagen, aber man konnte noch durchgucken. Und wißt ihr, was ich sah? Kohlen, Kohlen, vor! Kohlen wurde mir bald schwarz vor den.Augen. m i - ■ •, / ■v "V, i,Y\ / iS ** '£M?, m Zeichnungen von Dodo Fol. J. Abraham Ihr werdet es nicht glauben, es waren jüdische Kohlen, man sah es ihnen an, daß es Schabbrt- Kohlen waren. Habt ihr schon einmal Schabbat- Kohlen gesehen? An einer Tür wurden drei Zentner abgeladen, für einen armen jüdischen Schneider, der keine Arbeit, aber fünf Kinder hat. acht Zentner, hier fünf Zentner, dort sechs Zentner, hier für einen Rechtsanwalt, der es nicht mehr sein darf und zu alt ist, umzusatteln, dort für einen Gelehrten, für eine alte Frau, immer mehr, immer mehr, damit sie keinen kalten Schabbat haben. Wißt ihr, wer das geschafft hat? Die Berliner Chewra Kadischa hat's geschafft, daS und einiges darüber. Am ersten Freitag für vierhundert Familien, dann für achthundert. Meint ihr. daß das auSreicht? Noch lange nicht! Es ist noch soviel Kälte in Berlin! Wißt ihr. was eine kalte Woche ist? In ungeheizten Stuben? Aber ein kalter Schabbat. so kalt, daß die Kinder in die Betten gepackt werden müssen . . . Aber wißt ihr, was ein Oneg Schabbat ist? Eine rechte Schabbat- Wonne? Eine warme, gut durchgewärmte Schabbat-Stube. Leo Hirsch. MWsMr UMMMW I» SB Vom 1. bis 4. Januar 1935 fand in Esten eine von der Neichsvertretung der deutschen Juden und dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden veranstaltete pädagogische Arbeitstagung der Lehrer des rheinisch-westfälischen Bezirks statt- Ter Kursus, der durchschnittlich von etwa 60 Teilnehmern besucht war nahm einen überaus günstigen Verlauf. Sicherlich trug der äußere Nahmen mit zu dem guten Gelingen der Arbeitstagung bei. Tie Synagogengemcinde Essen, die die Unterbringung und Verpflegung der Gäste übernommen hatte, war in der glücklichen Lage, die schönen Räume des jüdischen Jugendheims der Versammlung zur Verfügung zu stellen. Eingeleitet wurde die Tagung durch eine Ansprache des 1. Vorsitzenden der Shnagogengemeinde Esten. Dr. Georg Hirschland. Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Rheinisch. Westfälischen Lehrerverbandes, Rektor B u ch h e i m (Dortmund), eröffnete Fritz Bamberger (Berlin) im Namen der veranstaltenden Zentralstellen die Tagung. In seinen einleitenden Ausführungen . wies er auf den Neuaufbau des jüdischen Bildungs» ° Wesens in Deutschland hin und sprach die Hoffnung aus, daß auch die Essener Tagung sich in den Dienst dieser Aufgabe stellen werde. Z"r besonderen Freude der Teilnehmer unterstrich Tr. Le schn i tz e r. der Schulreferent der Neichsvertretung. an einer wichtigen Stelle der Verhandlungen diese prinzipielle Stellungnahme zu den pädagogischen Forderungen unserer Zeit. Innerhalb der Arbeitstagung wurde versucht, wesentliche Gegenstände des heutigen Unterrichts an prägnanten Beispielen darzustellen. So sprach Schuldirektor Dr. Erich K l i b a n s k y (Köln) über den „Synoptischen Aufbau des Geschichtsunterrichts in der jüdischen Schule/ Seine Darlegungen gipfelten in der Forderung der Eingliederung der jüdischen Geschichte in den Gesaintrahmen der Geschichte der Völker der Welt. Nach seiner Meinung ist die bisherige Zweiteilung des Gegenstandes der Geschichte in der Mischen Schule nicht mehr tragbar. Rabbiner Dr. Hahn (Esten) hatte die Aufgabe übernommen, an einem markanten Beispiele, SWtWNs Äfdffe iEIlft“ Im Berliner Kulturbund Wieder bringt der Berliner Kulturbund eine Oper heraus, deren künstlerische Anforderungen mit den Mitteln der noch jungen Opernabteilung bewältigt werden können, Smetanas „Verkaufte Braut/ Der große Erfolg der ersten Aufführungen hat dieser Wahl recht gegeben und die Meisteroper der tschechischen Kunst, die unsere musikalische Landkarte so sehr bereichert, wird nun das Publikum durch die erstaunliche Fülle und sprudelnde Frische der Inspiration wie durch die meisterhaft geführte Durcharbeitung der Melodien, die immer neue Schönheiten entdecken läßt, fesseln. Joseph Rosen stock führt das Orchester, das gleich das rasende Tempo der Ouvertüre, dieses ebenso schönen wie schweren Stückes, mit virtuoser Leichtigkeit nimmt und das, zarte Gewebe des fngierten Ausbaus mit größter Klarheit bloßleqt. Bei Rosenstock fällt wieder die Sicherheit der haarscharfen Einsätze auf, die Prägnanz der Rhythmen, die Kunst der Uebergänge von den ariosen zu den rezitativischen Teilen, von da wieder 'zu den Ensembles. Wir bewundern bei ihm die Belebung und Beseelung des Rezitativs, bei dem auch die kleinste melodische Phrase zu einer Linie von gebärdenhafter , Anschaulichkeit wird, das ebenso deutliche wie diskrete Hervorheben der Mittelstimmen, die dieser Partitur das ihr eigene berückende Klingen geben und vor allem den zusammenfassenden Ausbau großer melodischer Bögen durch strenge, straffe Zeitmaße auch da. wo Smetanas klangvolle Lyrik besonders breit auSladet. Die Regie Kurt Baumanns unterschied deutlich zweierlei: sie strebte lebendige lmmrt» telbare Bewegung nur da an, wo die Handlung dramatisch vorwärtsgetrieben wird, vor allem in den Rezitativen, als Gegensatz dazu fügte sie die Solonummern und kleineren Ensembles, welche die Stimmung ltzmsch »a*. tiefen, als Ruhepunkte ein. So wird der Oper, das heißt der Musik, ihr Recht und Baumann bekennt sich damit zum „Opernhasten" im guten, im eigentlichen Sinn des Wortes. Manches wirkte allerdings noch zu gestellt und verlegen, z. B. das Spiel des Chors gleich am Anfang, wo dann später allerdings die verschiedenartige Verteilung der singenden Gruppen geschickt arrangiert war (nur einige der Choristinnen traten im Spiel zu selbstänbig hervor). Einige hübsche Regiezutaten, im Terzett des ersten Aktes und in der Zirkusszene. konnte man sich wohl gefallen lassen. Bühnenbilder und Kostüme entwarf Heinz C o n d e l l sehr einfach, aber ausreichend als Rahmen für das heitere Spiel, das von ihm durch farbenfrohe Kostüme in seiner Wirkung unterstrichen wird. Berthold Sander hat, wie immer, mit der Einstudierung der Chöre gute und anerkennenswerte Arbeit geleistet, ebenso wie Rolph R a y. der als Leiter der prachtvollen Tänze (Rutb Anselm, Ilse G r o t h, Nelly H i r t h, Lo Lange, Werner Herrmann, Rolph Ray) besonders genannt werden muß. Die technische Leitung hatte Hans Sondheimer. Die Sänger: Siegfried U r i a s als Heiratsvermittler Kezal. Urias ist der rechte Mann für diese Bmnbenrolle, in der er. die ganze Szene zu beherrschen und zum größten Teil auch zu tyrannisieren hat. Stimmlich zwingt er seinem etwas spröden Material eine drastische Deklamation ab und darstellerisch bleibt dieser gewandte und immer überzeugend spielende Künstler seiner Partie gewiß nichts schuldig. Paul Fehsr als Hans ist zu sehr schwärmerischer Liebhaber, ihm fehlt die urgesunde Vitalität, die erst die Uebertölpelung eines so geriebenen und mit allen Hunden gehetzten Gauners wie Kezal. glaub-, hast macht; wo dagegen der dramatische Impuls in der Musik zugunsten ruhiger, strmmungshafter Situationen zurücktritt, wre in der weitgeschwungenen Kantilene der Arie im zweiten Akt, setzt Fehär seinen gepflegten, kul. ttvierten,. nur in der Aussprache nicht immer deutlichen und zu nasal gefärbten. Tenor wirksam ein. Fritzi Jo kl sang die dritte tragende Partie der -Oper: die Marie. Wir kennen und schätzen ihr anmutiges und liebenswürdiges Spiel und hätten nur gewünscht, daß sie ihrer natürlichen Grazie gelegentlich einen Schuß widerstrebender Derbheit und Herbheit beigemischt hätte, etwa im Duett mit Hans im letzten Akt. Aber auch ihre mehr aus Schelmerei gestellte Marie kann sich sehen und vor allem hören lassen. Fritzi Jokl ist stimmlich sehr gut disponiert und zeichnet namentlich die klangvollen Melodien ihrer beiden Arien schön nach. Und dann: Julius K u t h a n! Wer könnte der Komik seines kichernden, blödelnden Stotterers Wenzel widerstehen? Hier spielt Kuthan wohl die Rolle, bei der sich seine eigene humoristische Note mit den Intentionen eines Opernkompoüisten voll deckt; eine ausgezeichnete Leistung. Die Vertreter der beiden Elternpaare wußten ihre Partien gut zu charakterisieren, obwohl keiner von ihnen solistisch besonders stark hervorzutreten hatte: Gerhard P e ch n e r gab dem Kruschina die sehr erheiternde Mischung von Beschränktbeit und Nachgiebigkeit, feine resolute Gattin Kathinka war Susanne Stein, deren gesangliches Können wieder aufsiel. Das. andere erst spät austretende Paar spielten Fritz L e ch n e r und Anna L i p i n, die sich. geschickt dem Ganzen' einfügten und auf kurze Strecken (im Sextett) mit Erfolg „tonangebend^ waren. Und schließlich das zweibeinige Inventar des famosen Wanderzirkus: Herbert Grünbaum gibt das gutgetroffene Abbild eines Schmierendirektors, Werner Herr mann einen athletischen -Indianer; Esmeralda, Lieselotte I a e o b i, ein schlankes Figürchen. mit freilich kleiner Stimme. Die Erstaufführung wurde mit ungewöhnlichem Beifall bedacht, am Schluß und schon während der Akte. Es herrschte im Publikum wohl die eine Stimme unbedingter Zustimmung. Ihr schließen wir uns freudig an. Ludwig Altana. . mb MMZ A MM Wh sm Ein Männerchor, der voriges Jahr von Chemja W i n a w e r zusammengestellt wurde und durch Osteuropa, den Balkan und Palästina gezogen war. gab vor erneuter Ausreise ein Sonderkouzert, das der Kulturbund und die Künstlerhilfe Berlin gemeinsam veranstalten. Schon das Programm nahm durch seinen Ernst und das Stilvolle ein; in die hier gebotene jüdische Musik mutz man sich erst einhören, weil die unserem Ohr vertrauten Elemente, wie periodische, ariose Melodik, gleichbleibende, gebundene Formen in Rhythmus und Takt, fortlaufender Fluß bestimmter Tempi, kontrapunktierende Verarbeitung (die beiden letzten Stücke ausgenommen) sich hier kaum finden. Daraus kann sich die Gefahr einer musikalischen Verarmung ergeben, aber ebenso Möglichkeit und Ansatz einer wirklich originellen Formung unserer jüdischen Musik. Fast beispielhaft für den Stil der diesmal gehörten Gesänge ist Winawers Bearbeitung von Birnbaums „Talmudischer Rhapsodie" in ihrer zerklüfteten Diktion, den unvermittelten, jähen Uebergängen; harmonisch sehr apart ist Winawers Fassung von „AS Moschich wet kumen". wirkungsvoll Kopfs „Jiddisches Lied", Sternbergs Hora, O. Guttmanns „A guter Nowent Breine". Zur Wiedergabe solcher Kunst gehört auf der Seite des Dirigenten ein besonders großes und zwingendes drrigiertechrusches Geschick, auf der Seite jedes einzelnen Sängers eine hohe musikalische Intelligenz,. um die scheinbar improvisatorischen Formen aufnehmen zu können, im Zusammenwirken beider Teile eine unendlich mühevolle Probenarbeit. ' All das kommt bei Winawer und seinem Chor zusammen, und daraus ergibt sich — trotz wenig guter Solisten — ein Klang von unerhörter Disziplin und reichster Schattierung. Daß der Gefahr der Eintönigkeit mit allen Mitteln der bei Chorgesang möglichen Effekte (Brummstimmen in allen Lagen, falsettierende Tenöre, pechschwarze Bässe, die daS 6 der Kontrabaßoktave erreichen) begegnet wird, ist selbstverständlich. L. Mit einer Veranstaltung in der Synagoge stellte die Spandauer Gememde unter Beweis, daß sie in ihrer selbständigen Abgeschiedenheit geschlossen und vertraut zusammenhält. Der Cellist Gottfried Zeel aja b t x spielte meisterlich mit

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