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Central-Verein-Zeitung · 1935-01-10 · 2 (10.1.1935) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
2 (10.1.1935)
Date
1935-01-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIV. Jahrgang / Nr. 2 Berlin» . 10. Januar 193$^ Preis 25 Pfennig -D iji uj w.. ü I Diese Nummer umfasst 18 Seiten I Sie enthält u c: . Haupihlatt: Juden und Nichtjuden* II!-. von Rabbiner Dr. M. Eschelbacher (Düsseldorf). — Raspulim Weiser von Zion, von Cr. L. I« Beiblattt Srr.ctanas „Verkaufte Braut an Berliner Kulturbund, von 'Ludwig Allmanru Zeichnungen von Dodol -^ Stadt und Land in Palästina. — Schach-Eckc. 2. Beiblatts Der . Aufbau der Reichskullurkammer,' von Dr. Ernst C. Löwcnthal. — Begegnung mit Gustav Mahler, von Magnus Davidsohn. — Zu Ricarda Huchs Buch: Römisches Reich deutscher Nation, von Dr. Werner Cahnmann (München). — Sport der Woche. 3. Beiblatt: Wirtschaft der Woche. 4. Beiblatt: Kindetblail. , AlS wertvollen Beitrag. zu unseren Be« mühungen. die Voraussetzungen zu klären, aus denen sich die Gestaltung des inneren Lebens des deutschen Judentums entwickeln soll, veröffentlichen wir heute einen Aufsatz auS der Feder von Dr Ernst Herzfeld. Stellvertreter des Vorsitzenden des Central-Vererns Zu diesem Aufsatz Und zu weiteren Beiträgen über verwandte Probleme werden wir demnächst Stellung nehmen. Die Schriftleitung. I. Mit unbestreitbarem Recht sind alle, die in Wort und Schrift das Schicksal der Juden in Deutschland überprüften, der Frage nachgegangen: Was haben wir. was haben unsere Vorfahren.verfehlt? Wer Unerwünschtes erlebt, mutz so forschen. Mag die eigene Schuld groß oder klein sein: die Gerechtigkeit gebietet, sie festzustellen. Eine Besserung darf nur nach Abstellung der begangenen Fehler erwartet werden. Folgerichtig ist die Untersuchung auf das ganze Zeitalter der Emanzipation erstreckt worden. Was lehrt der Rückblick auf diese Epoche? Die radikale Antwort lautet bekanntlich: Wir sind in einen Irrweg geraten. Wir haben Utopien verfolgt und-in die Lust gebaut. Nur eins fromme: Wrederanschluß an den vorherigen Stand. Zurück zum Ausgangspunkte zum vollen, alles beherrschenden., zumnationalen' Judentum. Mit restloser Geschlossenheit' lehntder C.-V. diesen Standpunkt ab. Tie weit überwiegende Mehrheit der deutschen Juden denkt' . ebenso. Tie Wrederanknüpfung an einen um 150 Jahre zurückliegenden Stand der Tinge erscheint weder wünschenswert noch möglich.. Bei der bloßen Negation darf - es natürlich nicht bleiben. Dre allbekannte positive Antwort geht dahin: Wir haben unser Deutschtum und Judentum für die gleichwertigen Duellen unseres Seelenlebens erklärt. Eugen Fuchs zog den Vergleich mit dem Verhältnis des Kindes zu Vater und Mutter. Er meinte, ein richtiges Kind frage nicht, welcher Eltern-, teil ihm näher stände, mehr bedeute. Er verpönte die Frage, welche Duellestärker fließe, welcher Einfluß überwiege. Sein Gleichniswar bestechend Trafen die Voraussetzungen Zu. so ließ sich die Schlüssigkeit nicht bezweifeln. Solange das Judentum wirklich Vater oder Mutter war. hatte Fuchs vollkommen -»-'echt. Entfiel aber eure der beiden Voraus-' Setzungen, so war seine These nicht mehr zutreffend Nun rst leider im Emanzipations- Zeitalter unser Judentum der sehr vielen immer mehr in die Rolle der Stiefmutter zurückgedrängt worden. Bei nicht wenigen hat die Duelle fast ganz zu. fließen aufgeyört. Tie' Einbuße ist so stark geworden, daß der Vor-, Inft an jüdischer Substanz nicht mehr übersehen werden kann. Tatsächlich wird auch die Verarmung allgemein anerkannt und offen zugegeben. Unbewußt war diese Einsicht schon lange vorhanden. Ter seit etwa zwei Jahrzehnten. bis 1933 mehrfach wiederholte und nie geglückte Versuch, ein „positives* Programm auszustellen, beweist das unwiderleglich. II. So lobenswert es ist. daß die Erkenntnis der Fehlentwicklung verhältnismäßig rasch Allgemeingut wurde, darf doch nicht verschwiegen werden, daß der Eifer, das. Versäumte nachzuholen, nicht gleich groß rst und noch manches zu wünschen übrig läßt. Lippenbekenntnisse sind wertlos. Die tiefgreifenden Unterlassungssünden der Vergangenheit müsien wieder'gut gemacht' werden. An unerfreulichen ' Anfängen, fehlt es nicht.' Dre Synagogen, die nach der jüdischen Ueberlieferung Bel- und Lehr Häuser sind, wer-' den stärker besucht. Man erlernt wieder die seit Jahrzehnten arg vernachlässigte hebräisch Sprache. Und damit öffnet sich der Zugang zu dem reichen, in Jahrtausenden geschaffenen Schrifttum. Die völlig ' unzureichende Kenntnis der einzigartigen Geschichte des Judentums und der Judenheit wird als Lücke empfunden, die man auszusüllen strebt. Verblaßte Jugenderinnerungen werden ausgesrischt. Familienandenken kommen wieder zu Ehren. Man beginnt so. sich wieder aüi sich selbst zu besinnen. Und dabei sestzustellen. daß man achtlos an wirklichen Werten vorübergcgangen ist. Eine beträchtliche Anreicherung der jüdischen Substanz unserer Menschen und der Gemeinschaft ist ledoch nur dann zu erwarten, wenn lange, zäh. und planmäßig gearbeltet wird. Eine erzieherische Aufgabe dieser Größenordnung ist überaus schwierig und langsichtig. Sie muß wohl erwogen und systematisch angefatzt werden An gutem Willen und redlichem Mühen fehlt es allem Anschein nach nicht. Ob aber auch hinreichend Planmäßig und unter genügender Ausnutzung aller Möglichkeiten das Werk in Angriff genommen wird, möchte ich fast bezweifeln. Es scheint mir. als könnte in dieser Richtung mehr geleistet werden. Was im einzelnen geschehen sollte, vermag ich leider nicht zu übersehen. Dazu mögen Berufenere das Wort nehmen. Ich würde es dankbar begrüßen, wenn es zu einer .fruchtbaren Erörterung darüber käme. Vielleicht fördert es. wenn ich als Auftakt einige Betrachtungen eines Laien hier einschalte. 1. Wem steht die Führung zu? In erster .Reihe doch wohl unseren Rabbinern. Sie haben nach meiner Beobachtung die Zeichen .der Zeit erkannt und sich trotz starker ander- . wertiger .Inanspruchnahme energisch vorgespannt. Allein werden sie bte Aufgabe indessen nicht meistern können. Alle, die lüdisches Wissen zu vermitteln imstande sind, werden ihnen zur Seite stehen müsien. namentlich auch die Lehrer. Wenn gewünscht wird, daß die . an zweiter Stelle Berufenen den rabbmischen Führern -zur Seite stehen*, so ist damit schon zum Ausduck gebracht, daß es ohne Einordnung, ohne Disziplin nicht geht. Nur dann ist Planmäßiges Arbeiten denkbar. Wir besitzen ferner eine stattliche Zahl von Zeitungen -und Zeitschriften. Es dürfte n,cht viele jüdische Häuser geben, in die nicht wenigstens eins unserer Organe regelmäßig gelangt. Damit wird eine nachhaltige Beeinflusiung ermöglicht. Es wäre ungerecht, wenn an diese Die Pressestelle' bet Reichsvertretüng -d'eL.i deutschen Juden teilt mit: v .... : Der Haushaltsausschuß der Reichsvertr» tung hat nach zweitägiger. Von größtem Ernst und Verantwortungsbewußtsein' getragener Beratung unter Leitung des'Vorsitzenden der Reichsvertretung.'-Ministerialrats-'i. R. Dr.- Hirsch, den Etat der Reichsvertretüng einschließlich desjenigen des Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau, auf der Grundlage der ihm vom Präsidialausschuß vorgelegten Ziffern-für die Zeit bis Ende 1935: verabschiedet. Auf Wunsch der Landesverbände und' Gemeinden wilrde eine von der -bisherigen Regelung abweichende Verteilung der-Kosten für die Berufsausbildung-und -Umschichtung sowie für'die Auswanderung'vom 1. April d. I. ab beschlossen; an ihnen werden künftig die Gemeinden bzw.> Landesverbände zur Hälfte teilzunehmen' haben. In Uebereinstimmung mit dem Präsidialausfchuß sprach sich der Haushaltsausschuß nachdrücklich für die Zusammenlegung der für Hilfe und 'Aufbau. Wirtschaftsbeihilfe, und Wohlfahrtswesen -tätigen zentralen Stellen ' mit' der Reichsvertretüng aus. Die von einer solchen -straffen Organisation zu erwartenden erheblichen Ersparnisse im Verwaltung?- und Personaletat wurden in dem verabschiedeten Haushaltsplan bereits berücksichtigt. Die erforderlichen Mittel sollen durch, eine' Umlage auf die Landesverbände (Gemeinden) in-Hohe von mindestens "1.50 RM. auf den Kopf der jüdischen Bevölkerung beschafft werden — die Gemeinde Berlin hat sich schon jetzt . bereit erklärt.' einen Kopsbeitrag' von 2 RM. zu leisten —, der dadurch nicht gedeckte Rest durch freiwillige'Leistmigen aufgebracht werden. Tie Reichsvertretung wird hiergegen alsbald mit den Landesverbänden und Gemeinden sich ins.Benehmen setzen., Verlauf und Ergebnis - der Beratungen zeigen erneut den festen Willen aller Beteiligten zu aufbauender.Gemeinschaftsarbeit. Wir können mit Genugtuung feftfteflcn, daß der Haushaltsausschuß sich nicht als eine Bewiüi'gungsmaschine gezeigt hat. die lediglich mit Nummern und. Zahlen umgeht, sondern daß man in konstruktivem Aufbau der jüdischen - Zentralstellen einen wesentlichen Schritt vorwärts gegangen ist. Es. ist zu hoffen, daß sich die sicherlich.nicht einfachen Umstellungsmaß'nahmen. die die ^Beschlüsse des Haushaltsausschusses. bei den. angeführten Stellen mit sich bringen, in-kurzem reibungslos vollzogen haben'werden, und es ist weiter zu wünschen., daß die noch offenen finanziellen Probleme auf - dem - Gebiete' der Teilung .- der freiwilligen- -Leistungen-zwischen.Zentralstelle —- v,r...c:itbc:rder Gemeinen mit dem gleichen verständnisvollen Entgegenkommen behandelt werden werden, wie es bei der Finanzberatung, sestzustellen gewesen ist. .' - .Das 'Ergebnis der Sitzung ist auch aus anderen Gründen zu begrüßen. Jeder Fortschritt'in der Ordnung der der. eigenen Regelung unterliegenden'' jüdischen Arbeitsbezirke fördert nicht nur die bekannten und schon vorliegenden Arbeiten. Er bedeutet zugleich auch die Schaffung einer Reserve für neue Ausgaben. Fraglos wirdzunächst vor allem die Auswirkung der Rückgliederung der Saar an die zentralen jüdischen Institutionen und die großen jüdischen Organisationen erhebliche ma« terrelle. und seelische Anforderungen stellen. Wir begrüßen es. daß gerade in dieser Zeit die Idee der Rcichsvertretung der deutschen-Juden durch die Arbeit aller - ihrer - Organe, ihres Präsidialkollegiums. chres Beirats, ihres Organisationsausschusses und jetzt auch ihres Etatausfchuffes festen Boden erhalten hat. so daß wir unsere heimkehrenden jüdischen Saardeutschen in euz würdig'und verantwortungsvoll aufgerichtetes Haus aufnehmen können, um uns zu gemeinsamer deutsch-jüdischer Arbeit zu vereinigen. - ilKWÄ M In der Zeitschriftenschau der vorwöchigen „C.-B.-Zeitung" hatten wir sehr zutreffende Beobachtungen eines Mitarbeiters der ..Tat'" über den österreichischen Antisemitismus als den - „Antisemitismus auf Gummisohlen* wiedergegeben. - ' Die offiziellen, österreichischen Stellen haben sich in wiederholten Erklärungen gegen die Auffassung gewandt, die außerhalb Oesterreichs ganz-allgemein verbreitet ist. daß eine bewußte Zurücksetzung-des nichtkatholischen Bevölkerungstciles und speziell der Juden Oesterreichs seitens der Negierung beabsichtigt sei.! In einer Pressekonferenz Anfang -dieses Jahres protestierte, der österreichische Außenminister Baron Berger-Waldeneck gegen -diese Annahme und verwies auf die Erklärung des Bundeskanzlers Dr. .Schuschnigg vom 30. November v. I. wonach die Regierung es für ihre 'Ehrenpflicht -ausehe. - den Minderheiten auf österreichischem Boden einen vorbildlichen Rechts- und Killturschutz zu gewähren., Ter Minister verurteilte dre rm Ausland verbreiteten. Meldungen über die verminderte Gleichberechtigung der nichtkatholischen Oesters reicher als. eine antiösterreichische Propaganda .und bezeichnete Nachrichten, in'denen' von einer Unterdrückung protestantischer-oder jüdischer Staatsbürger die Rede sei. als „böswillige Erfindung*. Er kündigte scharfe Maß. nahmen gegen - die Verbreitung von Nachrichten an.. die.nach Ansicht der Regierung einer lügenhaften Propaganda. dienen.- Es wird auf Grund dieser angekündigten sckarfen Maßnahmen innerhalb Oesterreichs schwer sein, die tatsächliche. Lage der österreichischen- Juden -zu schildern/' .Sicherlich, wird - es -dadurch auch.für,dw jüdischen Kreise außerhalb der...österreichischen; 'Grenzen .erfchwe.rt.,-die österreichischen Vorgänge -in ihren-wirklichen Zusammenhängen, kennenzulernen und bei der Beürteilüng dessen, was -sie dazu oder.dagegen zu sägen 'haben, alles, zuvermeiden,-was -etwa den Interessen der österreichischen Juden als österreichischen Bürgern schädlich sein könnte. Es soll deswegen mit der nötigen Zurückhaltung nur darauf hingewiesen werden, daß unzweifelhafte Tatsachen mit der Erklärung des österreichischen Ministers in Widerspruch zu stehen scheinen. Wir verweisen beispielsweise auf bic Absonderung der jüdischen Schüler in öffentlichen Schulen, auf die Sonderbehandlung des jüdischen Kultus innerhalb des Staatsetats, auf dre Entfer- . nung von Juden aus dem Beamtenappärat^. aus dem ärztlichen Personalbestand dev Krankenanstalten ursw. Wir sind der Meinung; daß die vom Minister bekämpfte antiösterreichische -Propaganda.- die sich im Grunde genommen ja nicht gegen Oesterreich, sondern nur gegen seine . Judenpolitik wendet, in dem Augenblick ihre Grundlage verlieren werde, in dem die. Tatsachen mit den Feststellungen des Ministers in Einklang stehen. Wie . die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist die vor kurzem vom-österreichischen Außenminister Dr. Berger-Waldenegg abgegebene Erklärung offenbar, auf gewisse Besprechungen zurückzuführen, die in London anläßlich der Verhandlungen über, die Aufnahme' einer Anleihe' durch. die österreichische Negierung zwischen dem Finanzminister Dr. Buresch und dem Mitglied des Verwaltunasrates der Bank of England Sir Otto Nre^ meyer im Dezember v. I. stattgefunden haben; Sir. Otto machte Dr. - Buresch bei dieser Gelegenheit ernste Vorwürfe wegen der Behandlung der Juden in Oesterreich, besonders wegen der Entlassung jüdischer Aer.zte und Lehrer/ Dr. Buresch soll.versprochen haben, daß die gegen Juden gerichteten Maßnahmen annulliert und - eine Anzahl der entlassenen Angestellten wieder ausgenommen werden würden. '—-Die Jüdische Telegraphen-Agentur war bröher nicht in der Lage. Mitteilungen über, eine." Praktische Auswirkung der - Ver- . sprechungen des Ministers Buresch von öfterreichrsch-Mischer Seite zu erhalten.

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