Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1935-01-04 · 1 (4.1.1935) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
1 (4.1.1935)
Date
1935-01-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2278097-2278098--09108-2290196
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Fußball Die S30 33 Berlin trug mit vier Mannschaften einen Klubkampf gegen den Neuköllner Fußballklub Sperber aus. dessen erste Elf in der Zweiten Kreisklasse des Gaues III spielt. Im 'Treffen der beiden ersten Mannschaften gab e3 hochwertigen Sport zu sehen. BSG erschien gegenüber den vergangenen Wochen erheblich verbessert, woran die Neuerwerbungen. durch die sich BSG erstmalig verstärkt hatte, keinen geringen Anteil hatten. Es sieht so aus. als ob die BSG ihren Formrückgang endlich überwunden hat. Aiuh die U. Akannschaft der BSG brachte Sver. der II eine kwre Niederlage mit 3:1 Toren bei, obwohl die Schwarz-Roten während des ganzen Spiels nur zehn Mann zur Verfügung hatten. — Bei den Schülern setzte sich BSG mit 3:1 über Sperbers erste Schiller erfolgreich durch, während Sperbers Alte Herren über die Alten Herren dev BSG mit 6 :2 Toren triumphierten. Das Endergebnis des Klnblampfcs stellt sich somit auf 3:1 Punkte für BSG 33. — Wentger erfolgreich vertrat Hagibor I den jüdischen Fußballsport gegen den der II. Kreisklasse des Gaues III angchörenden VsB Berlin 1. In einem ziemlich matten und von Hagibor schwunglos geführten Kampf siegte der Gauverein verdient mit 2 :0. ohne dabei Ueberragendes zu zeigen. Mit mehr Eifer hätte Hagibor ein anderes Ergebnis erzielen müssen. An den WeihnachtStagen trug der Berliner Makkabi-Berband ein Fußballturnier aus, das neben den drei Berliner Vereinen Hakoah. Hagibor und JSK auch die Makkabi-Vereine aus Breslau und Dresden am Start sah. Am ersten Tag begegneten sich Hakoah (Berlin) und Bar Kochba (Dresden), deren Mannschaft man eine erhebliche Spielstärke nachsagtc. Die Berliner erwiesen sich als die bessere Partei: Hakoah kam zi^ einem verhältnismäßig zu hohen 5 :2- (1 :IftSieg. Das zweite Spiel des ersten Tages sah eine Kombination zwischen den besten Spielern des ISK und Hagibor im Kamps mit Var Kochba (Breslau). Au allgemeiner Ueberraschung war die Breslauer Mannschaft besser als die sehr stark besetzte Berliner Vertretung, die sich aber nie zu einer richtigen Einheit zu finden vermochte, und kam verdient zu einem beifällig aufgenvmmenen Sieg mit 4 :3 Toren. Eine sehr starke Nachwuchsmannschaft stellte sich in Dresdens Schillern in Berlin vor. Die guten Schüler Hagibors erlagen dieser vielversprechenden Elf glatter, als es das 7:5 Resultat zu besagen scheint, während Dresdens Jugend die Uebcrlegenheit der Hakoah- Äugend mit 0:6 Toren anerkennen mußte. — Am zweiten Tage begegneten sich die obigen Mannschaften in einem Blitzturnier, in welchem 2X12J4 Minuten jeder gegen jeden gespielt wurde. Formgemäß konnte in Hakoahs Elf die stärkste Mannschaft das Turnier gewinnen, während von den sonstigen Resultaten nur der Ucbcrraschungssieg hcrvorgchobcn zu werden verdient, den JSK gegen Dresden mit 2 :1 Toren errang, nachdem überraschend Dresden den starken Breslauern mit 1:0 Toren das Nachsehen gegeben hatte. Ergebnisse: Hakoah—1. SK 1: 0; Hakoah— Dresden 1:0; Hakoah—Hagibor 0:0; Hakoah—LrcZ- Tou 1 :0; Hagibor—Dresden 0 : 0; Hagibor—1. s-K 2 : 0; Hagibor—Breslau 0 : 0; Breslau—Dresden 0:1; Breslau—1. SK 2:0; 1. SK—Dresden 2:1. Einen weiteren, sehr hoch anzuerkennendcn Sieg konnten Dresdens Schüler mit nach Hause nehmen, da sie Berlins beste Schülermannschaft. die 1. Schüler Hakoahs. in einem spannenden, auf einer beachtlichen Leistungshöhe stehenden Kamps mit 4 :1 Toren klar schlagen konnten. Auch Dresdens Jugend gewann ihr Spiel gegen Hagi- WflWmlT fccrS Jugend mit 8:2 Toren und zeigte eine wesentlich bessere Leistung als am Vortage. H. A. C. , In den letzten Verbandsspiclen des Jahres feierten in B c r l i n die Favoriten leichte Siege. Hakoah Ia schlug Hagibor Ib mit 4:0 (1:0), ohne eine besondere Leistung vollbringen zu müssen. Hakoah war während des ganzen Kampfes überlegen, und nur der Umstand, daß durch den glatten Boden die Schußsicherhcit aller Stürmer litt, ersparte den sich dabei tapfer lvehrcnden Hagibor-Svielern eine höhere Niederlage. Hagibor Ia machte mit 1. SK wenig Federlesen und überrannle die Blau-Gelben mit 6:0 Toren. 1. SK trat ohne seine Neuerwerbungen. die noch nicht spielberechtigt sind, an und lieferte lein gleichwertiges Spiel. Hagibor war hoch überlegen und schoß seine Tore nach Gefallen. Weitere V c r b a n d 8 s p i e l e: 1. SK II -BSG 33 III 3:3 (Ges. Spiel); Halonh alte Herren—JTSE 05 I 16:0; Hakoah I Schüler— BSG 33 I Schüler 4 :0; BSG 33 I Jugend— Hagibor Jugend I 19:1; Hagibor II—Hagibor III In einem Gesellschaftsspiel feierte BSG 33II einen neuen Triumph. Es gelang der Elf. die 2. Mannschaft des Karlshorster Fußballklubs mit 4 :0 Toren zu schlagen, obwohl der Gauvcrein eine gute Leistung bot und den BSGern ihren Sieg sehr schwer machte. Auch diesmal vermochte bei den Scharz-Roten der Linksaußen Grande I im Sturm die überagende Rolle zu spielen, doch spielte auch die übrche Mannschaft eifrig und wirkungsvoll, wobei schwarz im Tor besonders gefiel. — Wenig erfolgreich schlug sich dagegen BSG 33 IV. die gegen die gleiche Mannschaft Karlshorsts stets unterlegen war und mit 14 :1 Toren eine schwere Niederlage hinnehmen mußte. Hamburgs Vereine hatten während der Weihnachtstage Spielbcsuch auS dem Reich in Gestalt der 1. Jugendmannschaft der BSG 33, die eine der stärksten Berliner Jugendmannschaften darstellt. Am ersten Tage trugen die Berliner gegen die gute Jugend des Makkabivcreins Blau- Weiß ein Freundschaftsspiel aus und konnten als klare 4 :1-S'iegcr das Spielfeld verlassen. Beide Mannschaften zeigten gute Leistungen, doch waren die Berliner durch ihre schnellen schußkräftigen Stürmer stets die gefährlichere Mannschaft. Am zweiten Tage trafen die Berliner Jungen auf die Jugend von „Schild" Hamburg. Auch hier gab cs Sport von einer für Jugendmannschasien seltenen Qualität zu sehen, doch mußten die Berliner mit einem 2 :2-Unentschieden zufrieden sein. Infolge der Ermüdung hielt die Elf das Spiel nicht durch und mußte so den vielleicht verdienten Sieg aus der Hand geben. Zwei schöne Erfolge waren der BSG 33, die mit zwei Mannschaften beim „Schild" Leipzig weilte, bcschiedcn. Im Spiel der ersten Mannschaft trat der BSG 33 ohne mehrere seiner Stammspieler an. war dafür aber durch Redlich im Tor verstärkt, der eine großartige Neuerwerbung bedeutet. Beide Mannschaften zeigten vorbildlichen Sport und lieferten eins der fairsten Spiele, die von jüdischen Vereinen je in Leipzig gezeigt wurden. Nach verteiltem Feldspiel brachte Hilkowitz. einmal mehr der beste Manu auf dem Felde, die BSG 33 in Front, doch waren die Leipziger, die in ihrem Mittelstürmer einen gefährlichen Durchreißer besaßen, äußerst gefährlich und gaben der Verteidigung der Schwarz-Noten, in der neben Redlich Siemon hervorragte, schwere Arbeit. Das Spiel der zweiten Mannschaften sah die Berliner zwar mit 4:0 (1:0) siegreich, doch vermochte die Mannschaft keineswegs so zu überzeugen, wie in ihren sonstigen Spielen. Es schien,, hj§ sei die Mannschaft etwas überspielt, so daß ein Ruhesonntag ihr sehr zu empfehlen ist. Zu gesalleu vermochten lediglich die Stürmer Grande I und Jauch sowie der Torhüter, während bei Leipzig der rechte Verteidiger Karger der Turm in der Schlacht war und manches sicher scheinende Tor durch eriergischcs Dazwischengehen verhütete. Ein besonderes Lob sei noch dem hervorragenden Unparteiischen Schmnlewitz (Leipzig) gezollt. H. a. C. Handball Die BSG 33 trug in Berlin am 23. Dezcmber gegen die Tiirn- und Sport-Bereinigung Groß.Verlm (TSGB) 10. Abteilung zwei Gesellschaftsspicle aus. Das Spiel der beiderseitigen ersten Männermannschaften sah die BSG klar überlegen. Die Schwarz-Roten giiigeu bis zur Pause mit 4:0 in Führung, um als sichere 8:2- Sieger das Feld zu verlassen. Trotz des hohen Ergebnisses lieferte der Torstcher der TSGB ein überragendes Spiel, dem es auch zu danken war, ( das; die Niederlage des Gauvereins, der in der ' 3. Kreisklasse des Gaues III spielt, nicht zweistellig ausficl. Ailch bei den ersten Tamenmannschasten blieb ASG I. gegen TSGB. dessen I. Damen ebenfalls der 3. Kreisklasse des Gaues III augehöreii. mit 2:1 Toren siegreich, ohne allerdings restlos zu gefallen. Auch in diesem Spiel verhinderte die großartige Torhütcrin der TSGB einen klareren Sieg der jüdischen Mannschaft, der dem Spielverlauf nach gerechtfertigt gewesen wäre. Eine gewaltige Ueberraschung stellt die 1:2- Niederlage dar, die Hagibors in letzter Zeit so erfolgreiche Damen von der immer besser werdenden II. Damenmannschaft der BSG hinnehmen mußten. Ein erfolgreiches Debüt gab die neuausgestellte Jugendmannschaft der BSG. die vom Januar ab auch an den Verbandsspiclen teilnimmt. Sie schlug mit 10:2 Toren die 2. Jugendmannschaft des JTSE 05 und scheint nach diesem verdienten Nekordsicg der Favorit der 4. Klasse zu werden. Zwei Erfolge konnten die Mannschaften des JVC Makkabi für sich buchen. Makkabi I. gewann nach einem harten, erst im Laufe der zweiter Halbzeit entschiedenen Treffen gegen BSG 33 II." mit 6:1 Toren, und Makkabi i'i schickte BSG 33 III. mit 7 :1 Toren geschlagen nach Hause. H. A. C. Die Reihe der Begegnungen in Berlin mit Mannschaften des Gaues III wurde am 30. Dezember mit mehreren recht interessanten Spielen fortgesetzt. Die BSG 33 trat in Reinickendorf mit zwei Männer- und einer Frauenmannschaft gegen die SB-Baumwerder an und konnte in allen drei Spielen zu keinem Siege kommen. Die Erste, in der das Fehlen von Bannasch sehr störte, verlor hoch mit 3 :10, wobei Groß und Caro die Tore für die BSG schossen. Tie Zweite mußte mit 1:6 die Ucbcrlcgcnhcit der besseren Gegner anerkennen und die unvollständig antrctcndcn Damen ließen sich mit 1: 7 schlagen. — Auch Bar Kochba I. war diesmal nicht erfolgreicher. Auf völlig irregulärem, morastigem Boden spielten sie mit mehrfachem Ersah gegen SC-Grunewald. Nach gleichwertigen Leistsingen, die allerdings infolge der Bodenverhältnisse Bewertung und'Maßstab nicht ' zulassen, trennten sich die Gegner mit 11 :10 Toren für Grunewald. In den übrigen Spielen siegte Bar Kochba II. gegen Grunewald II. mit 4 :1, Bar Kochba III. gegen Grunewald III. mit 8:7, Bar Kochba I. Frauen gegen Grunewald I. Frauen mit 2:1, während die II. Frauenmannschaft des Bar Kochba mit 0:1 verlor. F. Während der Weihnachtsfeiertage besuchten die beiden ersten Mannschaften des JTSE 05 Berlin die als spielstark bekannten R. j. F. - Vereine in Wiesbaden und Darmstadt, um sich das erstemal mit ihnen im friedlichen Wettkampf zu messen. Die Reise war ein voller Erfolg sowohl für den JTSE, der trotz ersatzgeschwächter Mannschaft sämtliche Spiele gewann, als auch ein lil it? Ü ikÜ Wi bü 2Ü Das bekannte Spezialhaus Frankfurt a.M. / Offenbach / Giessen Erfolg des Spvrtbundes des R. j. F.. für den die sportlich hochklassigen und stets fairen Spiele von größtcrn Propagandawert waren. Die Kämpfe gegen die Wiesbadener wurden von den Berliner 3t. j. F. - Leuten glatt gewonnen. Tie zweitcn Mannschaften trennten sich zürn Schlrrß mit 9:2 sür den JTSE. Bei den ersten Mannschaf, ten mußten die Wiesbadener mit 7:4 ebenfalls eine nicht ganz erwartete Schlappe hinnehmen. Ter JTSE führte drrrch glänzende Kombinationen zur Pause bereits mit 6:0, konnte dann aber ein gefährliches Auskoinmen der härter und robuster angreisenden Gegner nicht verhindern. Ein Verdienst an der geringen Toransbcute des JTSE in der Nachpauienzcit gebührt nicht zuletzt dem ausgezeichneten Wiesbadener Torsteher Haas, der viele auch noch so gut placierte-Würse mit Ruhe und Eleganz abivehrte. Sonst entsprach das Resultat. auch in seiner Höhe, dem Spielverlauf. — Kaum 24 Stunden nadj diesem anstrengenden Kamps traten die JTSEer dann in Darmstadt gegen den dortigen „Schild" an. Wenn auch hier die Süddeutschen Niederlagen nicht verhindern konnten, so zwangen sie doch den J^SC zu völligem Ausspielen und hielten sich wert besser zu ihm als ihre Wiesbadener Freunde. Kein Wunder, daß die zahlreich erschienenen Zuschauer dabei voll aus ihre Kosten kamen und begeistert beide Mannschaften anfeuerten. In gleichmäßigen Abständen erzielten die energisch kämpfenden JTSEer ihre vier Tore, denen „Schild" durch seinen besten Stürmer Halberstadt nur noch einen Treffer entgegensetzte. Das Spiel stand unter der glänzenden Leitung von Dr. Frankel (Frankfurt), der etwa auftretende Härten stets rechtzeitig zu unterbinden wilßte. — Die zweiten Mannschaften, die vorher spielten, trennten sich nach beiderseitigen guten Leistungen mit 6:3 sür den JTSE 05. F. Hockey Eine gewaltige Ueberraschung für die am Hamburger Hockcyturnicr beteiligten Makkabi- Mannschaften bot das hervorragende Können der N. j. F.-«portgruppe „Schild" (Frankfurt a. Dt.). Den Franlsurtcrii, die am ersten Tage gegen die Kameraden des „Schild" (-Hamburg) iiur 3:2 siegten, gelang am zweiten «picltagc ein überlegener und eindeutiger 3 :1-Sieg, der durch nichts geschmälert werden kann. Die Hamburger Bar Kochbancr. die am ersten Tage ihrerseits mit dem Berliner Bar Kochba wieder einmal 1:1 unentschieden spielten, haben sich diese verdiente, vielleicht um ein Tor zu hoch ausgefallene Niederlage kaum träumen lassen. Eine gute Vorstellung gab auch die Elf der Hakoah, Köln, die die stark? zweite Mannschaft des Bar Kochba. Berlin, mit nicht weniger als 8:1 zu schlagen vermochte und dann im Spiel gegen Bar Kochba (Berlin) I. durch das Fehlen ihres verletzten Dr. Dreher stark gehandicapt. nur knapp mit 2 : 4 den Kürzeren zogen. In den Tamcnspielen bewiesen auch diesmal die Hamburger Damen ihre höhere Spiclknltur mtt einem 1:0- und einem 3 :0-Sieg gegen die Perliner Vertreterinnen. Erwähnenswert ist noch der Sieg, den am zweiten Spieltag „Schild" (Hambürg) mit 1:0 gegen den Tennis-Elub Bar Kochba (Berlin) davontrug. F. Der Jüdische Boxklub Maccabi e. B., Berlin, hat am 9. Januar. 20 Uhr. in den Spichernsälen;ehn tschechische Sportler zu East. Acht Lorkämpfe. vonr Fliegengewicht bis zum Halbschwergewicht, werden den außerordentlich interessanten Kampfabend cinleiten und zwei wirkungsvolle Ringkämpfe den Abend beschließen. Zettsdiriftesisctiaii Ae LW kt WtM. in ScktmM Im Dezember-Heft der „Tat" (9. Heft. 1934) findet sich folgende beachtliche Schilderung über den „leisen" Antisemitismus in Oesterreich, der auch unsere Leser interessieren dürfte: „Es wird im allgemeinen viel 311 wenig beachtet. daß die ^Judenfrage durch den reichsdeut, scheu Vorstoß in der ganzen europäischen Welt tns Nöllen gekommen ist. Hier sei nur von Oesterreich die Rede. Oesterreich, vor allem aber die Bundes- Hauptstadt Wien, hat einen derart hohen Prozentlatz getaufte und ungetanste Juden, daß dort die ftidenfrage schon seit langem eine hohe Aktnalrtät besitzt, selbst in solchen Kreisen, die dem Nationalsozialismus sonst fremd oder gar ferndltch gegenüberstehen, kann man daher aus Anerkennilng der antisemitischeu Maßnahmen in Deutschland stoßen. Selbst da. wo man die deutsche Taktik und Methode grundsätzlich ablehnt. ist man ge- - neigt, auf anderen, aus stilleren Wegen dem deutscheu Beispiel zu folgen. A n t i s e m 111 § m u s aus G u nt in t f 01) I c n, das i]t der Mg in Oesterreich, der nicht etwa nur xm gesellschaftlichen Leben, sondern auch offiziell von der Regierung beschritten wird. , ° Ein wichtiges Beispiel ist das Wiener A e r z t e - W e s e n : Vor kurzem wurden die bestehenden Verträge mit sämtlichen Wiener Schulärzten aufgehoben. Das ist Zum ^erl noch eine Maßnahme gegen die frühere sozialdemokratische Verwaltimg der Stadt Wien. Aber man rmll sich damit nicht nur der halben und ganzen Sozialdemokraten von den beamteten Aerzten, sondern auch der jüdischen Elemente entledigen, denn auch mit ihnen werden die Verträge nicht erneuert. Aehnlich ist es in den großen Wiener Spitalern. Wo. wie beispielsweise bei den Assistenten der Chefärzte. alljährlich die Verlängerung des Anste - lungsverhältnisses auf ein weiteres Jahr beantragt werden mich, da wird der Antrag ßlr Jw^n oder auch für Abkömmlinge von Juden stillschwcigcnd und ohne eine exakte Angabe der Grunde abgelehnt. Dasselbe ist es mit dem Aufrücken der sogenannten Seliindarärzte in Asslstentcw' 0dcr der Hilssärzte in Sekundararzt-Stellen. Jüdische „Vor dermänner" werden einfach übergangen. Im Sw tal der Stadt Wien hat kürzlich eine «Me Hilssärztin 16 jüdische Anwärter auf eine Sekundararztstelle übersprungen." ZM mb eM In einem Aussatz „Don arischer Religion* („Geistige Arbeit", Nr. 23) gibt Professor Dr. H. Lommel (Frankfurt a. ZN.) eine wissenschaftliche Erklärung der Begriffe „Arier" und „arisch". Arisch — so erklärt Professor Lommel — nennt man in der indogermanischen Sprach- und.Kulturwissenschaft die Völker, die sich von alters selber so nannten, nämlich die Inder (und zwar nur die arischen Einwanderer im Unterschied von den indischen Ureinwohnern) und die Jranier (Perser' und Verwandte), deren heutiger Name von dem alten Wort aria abgeleitet ist. In vergangener Zeit glaubten manche Indogermanisten, der Volksname der Arier sei weiter verbreitet gewesen und könne auf den ganzen indogermaniscksen Sprachstamm angewendet werden. Auf dieser früheren Ansicht beruht der heutige öffentliche Gebrauch des Wortes Arier. Von der iranischen Zarathustra-Religion, die heute als spezifischer Ausdruck der arischen Geistigkeit in Anspruch genommen wird, sagt weiterhin Professor Lommel: „Alan kann wohl sagen, daß auch diese dcnlerische und tapfere Lehre aus echt arischem Geiste geboren ist. In diesem Sinne von arisch zu sprechen, ist aber Sache der Intuition, historisch müssen wir arisch nennen die im Einzelnen faßbaren Uebereinstimmungen zwischen altindischer Religion und den Resten vorzarathustrischen Glaubens, die neben der hohen Lehre Zarathustras im iranischen Volk fortlebten und aus dem Volksglauben wieder aufgestiegen sind." M MZfstzs EMLM In einem Beitrag „Ein junger deutscher Geschichtsschreiber: N e i n h 0 l d Schneider" (Literaturblatt der „Frankfurter Zeitung", 67. Jahrgang, Nr. 48) weist WernerUhdemit stärkstem Nachdruck auf die Persönlichkeit und Leistung eines jungen Historikers hin, von dem er prophezeit, daß. „obschon wenige noch seinen Namen kennen, viele ihn kennen werden". Schneiders bisheriges Werk ist sowohl der Ge chichte der Pprenäcnhalbinsel al8 auch der deutschen Geschichte gewidmet: in die erste Reihe gehören „Das Leiden Eamoes oder Untergang und Vollendung der portugiefischen Wacht"' und. „Philipp der Zweite oder Religion und Macht", in die zweite Reihe „Fichte. Der Weg zur Nation", „Die Hohcnzollern. Tragik und Königtum" und zuletzt „Aus Wegen deutscher Geschichte. Eine Fahrt ins Reich". Gelegentlich der Fixierung der geistigen Ahnen Reinhold Schneiders bemerkt Uhde: „Der. dessen geistiger Höhe und seelischer Tiefe mir Schneider. aber nahe-, wenn nicht gleichznkommen scheint, ist G u n d 0 l f." Damit wird ausgesprochen, daß der große Erforscher der Geistcsgeschichte seitens der inngen deutschen Historikergeneration nicht ohne Nachfolge geblieben ist. Es entspricht durchaus dev Methode und Tendenz der Geschichtsschreibung Friedrich Gundolfs, wenn der noch junge Reinhold Schneider sagt: „Noch immer ist es das höchste Amt der Geschichte, nicht das Wissen zu mehren, sondern den Willen; nicht Vergangenes 3U entschleiern, sondern Ziele und zugleich die Kraft zu erwecken, die zu diesen Zielen treibt", und darum bemüht er sich „um die Gestalt; und um die Tatsachen nur als um die Mittel ihres Ausdrucks". Dies kann — erklärt hierzu Uhde — nicht laut genug gesagt werden: daß es noch eine solche um* fastende, tiefe und weite, erlebte und gefühlte Deutung der Geschichte gibt; daß uns klar gemacht wird, daß Geschichte nicht Wissenschaft ist, sondern Forderung, daß Geschichte nicht tot ist.sondern höchstes Leben. Die akademischen Historiker der letzten Zeiten haben dies alles vergessen: sie haben zergliedert, statt zu gestalten, sie haben studiert, statt zu erleben, sie haben gelehrt, statt zu führen. Daher konnte die Erneuerung geschichtlichen Denkens auch nicht von der Universität kommen, sondern mußte sich neben ihr vollziehen. Schneider hat daran den wesentlichsten Anteil, und es ist nötig, daß wir ihn heute schon ergreifen und uns zu eigen machen und nicht erst nach Jahrzehnten. LA öis «MMt EWWM- In einem Auffatz „Die Darstellung des vollwertigen germanischen Menschen" („Volk und Raste", 9. Jahrg., 9. Heft) versucht Wolfgang Willrich die bisherige Auftastung der „Synagoge", jener berühmten Figur am Straßburger Münster, umzustoßen: „Geradezu ein Synibol für - das grausame Schicksal, welches der echten germanischen Art und ihrer edlen Schönheit durch die pcclesia militari» und triumphans bereitet wurde, ist jene herrliche Gestalt vom Straßburger Münster. Als .Synagoge' benannt, sollte »ie das von der Kirche überwundene Judentum zeigen. So war sie geplant und gedacht, und so muß sie allgemein noefj immer gebeutet werden. In Wahrheit aber zeigt sie auch nicht die Spur eines jüdischen Zuges, sondern trägt ganz im Gegenteil alle sichtbaren Merkmale reinsten nordischen Adels \n höchster Vollkommenheit, gestört allein durch die Verkümmerung des Leibes und durch den Ausdruck der Ohnmacht gegen den Zwang zur Abkehr vom eigenen Taseinssinn. So ist es sür einen Acenschen, der ans die Gestalt selbst achtet, statt sich an die Benennung zu llammern, ausgeschlossen, das jüdische Wesen -und dessen Gottglauben darin personifiziert zu sehen." Diese Ansicht widerspricht der Deutung, die der Nestor der deutschen Kunstwissenschaft. Georg Tehin. ein sür allemal festgelegt hat. Entscheidender als das Formengewand ist das Ausdrucks.ziel des Kimst- Werks: der wesentliche Umstand, daß die Gestalt die Tragik des jüdischen Schicksals sinnbildlich darstellen sollte. So war sie — mit Willrich zu sprechen — geplant und gedacht, und so muß sie allgemein ncch immer gedeutet werden. Das letzte Lied Von M. L- Holpern Dieses „letzte Lied14 entstammt dem Buch „In isew York“ des unglücklichen jiddischen Dichtors M. L. Halpern, der vor einigen Jahren gestorben ist. Als man aufgehört, an Gott zu glauben, ging von dannen auch die Liebe bald, gingen Menschen in das Wasser und erhängten Menschen sich im Wald. Wandte sich vom Wasser ab der Himmel, und im Wald die Vögel schwiegen. Sense rostete und Sichel, und der Pflug blieb auf dem Acker liegen. Und zur Wüste ward die Erde, und die Wege gingen alle ein. Der Prophet auf einem Steine sass, und er wurde selbst zu Stein. Wevtsch pon Leo Birsch.}

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.