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Central-Verein-Zeitung · 1935-01-04 · 1 (4.1.1935) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
14 (1935)
Issue
1 (4.1.1935)
Date
1935-01-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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yr i > Fass pflege -System / nat Mitte u.ßc^oiliJpoR. alle Fussbeschvwdon. ] | / Naclraisia dor nAr.hr,ten Vorkaufestolte durch | ■/ DEUTSCHE SCHOLL V/ERKE G.ra.b.H. Frankfurt a. M., Süd 10. scheide zwischen Tugend und Zeremonie: „Zwar wird man tugendhaft auf einmal, das heißt durch einen Plötzlichen Entschluß, durch die sogenannte Belehrung. die aber noch leine Tugendfertigkeit ist, und lasterhaft wird man allmählich, jeder Tag festet eine hübe Welle neuen Schlamm ab, und . . . ich behaupte, der Talmud entkräftet durch Zercmouien die Tugend. Alle jene Büßungen, jene Zeremonien vertragen sich leicht mit der größten Wildnis des Herzens, und cs ist diel leichter, die ganze Thora des Talmuds als ein einziges. Reglement aus der Thara des Gewissens zu befolgen. Dazu macht der talmudischeSachsensPicgel den Menschen kleinlich und eng; die edle Seele steigt über religiöse Zeremonien so gut als über bürgerliche und dringt in den reinen großen Himmel . . . UeLcrhauPt hängt Ihrer sonst scharfsinnigen Nation — deren Physiognomie durchgängig die scharfe, mit bordringendcn, festen Eesichtsteilen schneidende des Scharfsinns ist (ich habe noch an keinem Juden die wie eine Wwize zerdrückte Kalmnckcnnase bemerkt) — etwas Mikrologisches an. was ich gern zum Sohne des Talmuds und der Masora machen möchte, wenn es nicht der Vater beider wäre. — In der Kabbala ist mehr Philosophie in Tichtkunst bererz!, als in jenen beiden . . . Wir armen, vom Fleisch Panzer umklammerten Menschen, wir öden, in die scharfen Ketten geworfenen Seelen, wir müssen, wenn unser edles Ich seine Flügel aufschlägt, diese innere Bewegung durch eine äußere unseres Gehäuses offenbaren. Wie? Ist denn z. B. die geringste Aehnlichkcit. das geringste Verhältnis zwischen dem Druck der Hand oder der Lippe und zwischen dem liebenden, heißen Gefühle. das mit jenem Druck schmerzhastsüß aus seinem Kerker an den anderen Leibeskärper der geliebten Seele klopft? . . . Jedes Zeichen der Andacht ist ehrwürdig, unter jedem Volk — wir haben alle dasselbe Herz und denselben Gott, und unsere kleinen Verschiedenheiten sind gewißlich diesem ewigen Geiste nur — Achnlichkeiteu. Ich habe mich in Flammen geschrieben über Dinge, ww ich statt Zeilen Bogen brauchte, wie über mehrere Dinge Ihres lieblichen Briefes. Leben Sie wohl, liebe Seele!" — Im Mittelpunkt von Emautnls Schlußwort, das sich mit diesem Brief kreuzt, steht die Abschrift einer Poetischen Wiedergabe der dreizehn Glaubensartikel des Mainwuidetz (Igdal) aus dem 14. Jahrhundert; er erklärt dein Freunde, warum die Zahl 10 den Juden heilig ist, und bekennt sich zu den mitgeteilten Sähen als „Säulen des Glaubens", in welchen er das Lieht der Welt erblickte, in welchen er erzogen worden und fid) erzogen habe, in welchen er lebe, um einst selig zu — leben. „Wenn wir den Schabbos endigen, so riechen wir noch an Gewürz. Ich schäme mich nicht, die kleinste und lächerlichste Zeremonie in Gegenwart eines jeden christlichen Philosophen zu verrichten; ich mache auch alles, was nicht moralisch schädlich ist. mit und sehe cs gerne, wenn ich darüber zur Rede gestellt werde. Bin ich auch als Iud gezwungen, vieles mitzumachen, so ist doch das Denken keinem Zwang unterworfen."' Dieser Bricstoechsel — ein den Zeitenwandel kennzeichnendes Gegenstück zu der zwischen Mendelssohn und Lavater geführten Diskussion — steht am Anfang einer Freundschaft, die (von einer anderthalbjährigen Trübung abgesehen) bis zum 1825 erfolgten Tode des Dichters dauerte. Emannel, der auf Bitte der Gattin Jean Pauls Pate des ersten Kindes wurde, und mit den Nächsten an des Freundes Sterbebette weilte, hat Jean Paul um 18 Jahre überlebt und war durch seinen Charakter ein besserer Anwalt für das Judentum, als er es durch Besiegen von Vorurteilen gegen das jüdische Schrifttum zu sein vermocht hätte. Daß Jean Paul jedoch dem Freunde, auf dessen Urteil als „zweiten Leseautor" er größten Wert legte, die Fähigkeit zu eigener Produktion zutraute, bezeigt die lestte Zeile des Dichters (1821): „Hier die kleine Bücherschau. Mögen Ihre Geschäfte Sie einmal zu einer solchen gelangen lassen." 1799 schreibt Jean Paul aus Weimar an das Ehepaar Samuel und Rebekka Fricdlaeuder in Königsberg, das sich nach dem Tode des Töchterchens einmal anonym an den Dichter um Trost gewandt hatte und von ihm aufgerichtet worden war: „Der Verstand Ihrer Nation wird einen immer reinern und höhern Weg nehmen, aber wie sich das Herz derselben wärmer und heiliger bilde, ist schwer zu prophe- .zeien, da zu dieser Bildung immer eine äußere Form, die der Regierung, der Religion usw. gehört. Die jetzige ist die ursprünglichste: die des kleinen Handels. Unser ganzes Jahrhundert, zumal in England, trinkt aus dem merkantilischen Giftbecher; was aber Ihr Volk am tiefsten zerrüttet hat, war die Notwendigkeit weniger des Handels, als des kleinen Handels und des Handels gegen Feinde. Ich habe einen Freund unter Ihrer Nation. Emanucl in Bayreuth, mit dem ich wenige Freunde ans der weinigen vergleichen kann, — moralisch-vollendet, stark und weich, tätig und denkend, unerschütterlich und tolerant, für die Erde und den Himmel gemacht. Seine Liebe für sein Volk hatte, da er Ihre lieben Briefe sah, viel Anteil an der Antwort darauf.. ." Als der Herzog von Weimar Herder die Zusage nicht hält, die er ihm wegen der Versorgung seines SohncS gemacht hatte, bittet Jean Paul den Freund, den jungen Herder eine Zeitlang in sein Hans zu nehmen: „Ach, ich nahm heute von den Eltern . . . einen scharfen Höllenstein vom nackten Herzen weg. da ich ihnen in Ihre menschenfreundliche Seele hinein die günstige Aufnahme der Bitte verkleidete. Sic konnten noch mit keiner Handlung vier Menschen (mich eingerechnet) auf einmal schöner beglücken alZ mit dieser." Und Emanucl nahm im Jahre 1799 Herders Sohn für längere Zeit bei sich ans. 1795 schreibt Emannel an Jean Paul: „Ich kann nicht ohne Rührung bleiben, wenn ich von der Tugend der Vaterlandsliebe lese. Und doch! Den Inden, und wäre er einer der angesehensten, größten, brauchbarsten, d. h. reichsten, kann ich bei der jetzigen Lage der Dinge, nach welcher er dem Staat nicht im mindesten nützlich sein kann, darf und soll, nicht zum christlichen Tagelöhner Hinaufheben, auch nicht, wenn er die Ehre hätte. Hosjude zu sein .. . Von Kindesbeinen an, d. h. solange ich von Vaterlandsliebe nur etwas hörte, war cs mein Wunsch, sie an den Tag legen zu können. Aber cs war und ist nicht möglich." In einer Korrespondenz über Staat und Erziehung sagt Jean Paul, der den Freund an seiner Lektüre teilhaben läßt: „Damit der Mensch gut werde, braucht er ein lebenslanges Pädagogium, nämlich einen Staat. Solange sich unsere Regicrungsform nicht so ändert, daß aus Sklaven Menschen, aus Egoisten Freunde des Vaterlandes werden, solange unä nicht der Staat und der Ruhm darin ein Motiv wird, groß zu handeln, solange der Reichtum geachtet wird, so lange bleibt die Menschheit ein elender, niedriger, ängstlicher Schwarm, aus dem m:r einzelne, moralische Halbgötter vorragen, und den alles Predigen und Erziehen nur veränderlich, aber nicht gut macht . . Jean Paul weiß um die Besonderheit seiner Freundschaft mit Emanucl, aber er vergißt nie die Gemeinschaft, die der Freund vertritt. So kann er ihm 1797 aus Berlin schreiben: „Es wird Sie die Nachricht freuen, daß die Juden in Berlin den aufgeklärten Teil Berlins ausmachen, daß sie die jüdische Noblesse heißen, fremde Künstler und Gelehrte an sich ziehen, in Grauns Passion gegen sich selber singen und zu — witzig sind." Einige Briefe des Dichters sind an Emanucl und an Christian Otto, der dank der von Osmund gestellten Kaution preußischer Regimcntsquartiermeister werden konnte, gemeinsam gerichtet. Für die beiden Freunde, die er das „Zwillingsgestirn seiner Liebe" nennt, ließ er auch einen Sonderdruck des „Kampanertal" in zwei Exemplaren Herstellen: „Das Kampanertal ließ ich absondcrn und mit einem besonderen Titelblatt versehen für Otto: es ist nur zweimal aus der Welt und darum haben Sie und er diese aus zwei Exemplaren bestehende Auflage miteinander." Aber Emanucl Osmund hat im Zeitalter der Romantik nicht nur diesen Doppelgänger der Freundschaft, er löst den verstorbenen Verfasser des „Anton Reiser", Karl Philipp Moritz, ab. der nach der Lektüre von Jean Pauls „Unsichtbarer Loge" ausrief: „Das ist ganz etwas Neues. Tos ist noch über Goethe!" Dieser pististische Schriftsteller ist das Urbild für den Inder Emannel in Icon Pauls Roman „Hcsperüs", während dessen Vollendung Moritz starb. „Schon der Name Emannel schien ihm anzudeutcn, daß ihm hier gewisiermaßcn eine Fortsetzung der durch den Tod unterbrochenen Freundschaft mit Moritz winkte. Wenn er Moritz in der Erscheinung des Inders Ewanuel festgehalten hatte, so kamen ihm jetzt von dem Juden Emanucl unmittelbare orientalische Eindrücke, die der in das Schrifttum seines Volkes tief eingedrungene Freund ihm darreichte" (Harich). In der Tat schreibt der Dichter schon in den ersten Monaten ihrer Bekanntschaft an Emanucl: „Die Person, die darin die größte Liebe des Verfassers und vielleicht auch des Lesers hat, trägt Ihren schönen Namen Emannel." Etwas von solcher unio mvslica hat auch die Verbindung des jüdischen Geistes mit dem deutscheu Schrifttum. vr. Lutz Weltmann. Albert Schweitzer, der große Menschenfreund, Arzt, Pfarrer. Philosoph, Dachforschcr und Orgelspieler, erzählt in seinem Erinnerungsbuch „Aus meiner Kindheit und Jugendzeit" folgende Episode: „Ein Jude aus einem Nachbardorse, Mansche genannt, der Vieh- und Lederhandel trieb, kam mit seinem Eselskarren zuweilen durch Günzbach (Schweitzers Heimatdorf im Elsaß). Da bei uns damals keine Inden wohnten, war das jedesmal ein Ereignis für die Dorsjungen. Sie liefen ihm nach und verspotteten ihn. Um zu bclundcn, daß ich anfing. mich als erwachsen zu fühlen, konnte ich nicht anders als eines Tages auch mitzumachen, obwohl ich eigentlich nicht verstand, was das sollte. So lief ich mit den andern hinter ihm und seinem Esel her und schrie wie sie „Mansche! Mausche!" Die Mutigsten falteten den Zipfel ihrer Schürze oder Jacke zu einem Schweinsohr zusammen und Die Läute / Von Emmy WoKf I. Ein Zaun von Blitzen umwuchs das Paradies mit Unnahbarkeit; und der mit dem Flammenschwert verschloss die Pforte für immer. . Da nahm sein sanfterer Genoss dem jüngsten Stetigen sein Saitenspiel — von Holz, aus dem Erkenntnisfrucht gesprossen war —, und flehend flog er hin vor Gott und wies es ihm. Aus Wolken schwefelgelben Zornes noch lächelte da Gewährung. II. Als der erste Erdenabend um die Vertriebenen Schrecken der Kälte warf, und die Sonne zum ersten Male sie allein liess in den Tälern der Not; als ihre Herzen in Reue brannten . wie die wunden Wandersohlen ihrer Füsse; als noch das Duften der Blüten trauben milde regnend wie ein Weinen war ihrer Verlassenheit, — kam in der Muschel des Mondes der leise Bote herab, legte tröstlich — der Schimmernde — das beseelte Holz in die Hände den Einsamen — ui;d ihr Dunkel erklang von Gott. fliiminininiiiniiiitiiininniiiiiiniiiiiiiiiiiiiaiuiiiiiiuiiiiiniiiiiiinuip sprangen damit bis nahe an ihn heran. So verfolgten wir ihn vors Dorf hinaus bis an die Brücke. Mansche aber, mit seinen Sommersprossen und dem grauen Bart, ginz so gelassen fürbaß wie sein Esel. Nur manchmal drehte er sich unr und lächelte verlegen und gütig zu uns zurück. Dieses Lächeln überwältigte mich. Vom Mausche habe ick) zum ersten Riale gelernt, was es heißt, in Verfolgung stille schweigen. Er ist ein großer Erzieher für mich geworden. Von da an grüßte ich ihn ehrerbietig. Später, als Gymnasiast, nahm ich die Gewohnheit an, ihm die Hand zu geben und ein Stückchen Wegs mit ihm zu gehen. Aber nie hat er erfahren, was er für mich bedeutete. Es ging das Gerücht, er sei ein Wucherer und Güterzerstückker. Ich habe <s nie nachgeprüst. Für mich ist er der Mansche mit dem verzeihenden Lächeln geblieben, der mich noifj heute zur Geduld zwingt, wenn ich zürnen und toben möchte." schön gestickten, von uniformierten Dienern gehaltenen Schärpen herabfließt. Während unserer Anwesenheit im Tempel fand eine Barmizwah (diesmal: Vathmizwah) statt. Ein junges Mädchen in Brautkranz und Schleier tritt in Begleitung ihres VatcrS an die Thora heran. Der Vater spricht den ersten der beiden Segenswünsche — das junge Mädchen den zweiten. Zierlich trippelt das kleine Fräulein zur geöffneten Lade hin, wo sie. der Oberrabbiner bereits erwartet. Sie verlieft ein langes Glaubensbekenntnis in italienischer Sprache. Dann erteilt ihr der Rabbiner den Segen. Gerührt schließt sie der Vater ist die Arme, während die Gemeinde die junge GIcmbeusschwester mit stillen Segenswünschen begleitet. Auch die Knaben empfangen ihren Segen. Wenn gegen Schluß der Tefitta der Kantor den Priestersegen anstimmt, schart jeder Vater seine Söhne — und Enkel — um sich und breitet über sie segnend den Tallith aus; ihre ergriff,meu Mienen spiegeln Verständnis für diesen heiligen Akt wider. Auswanderung und Derussgestaltung, zwei aktuelle Grundbegriffe des heutigen deutschen Juden, sind die Leitwerte, die den wesentlichen Inhalt des Januarheftes des „Morgen" bestiinmen. Das AuswanderungSproblem nur im historischen, deshalb nicht minder aktuellen Sinne: in knappen, aber interessanten und tatsachenreichen Ausführungen schildert Rudolf L e v t) („Die Wanderungsziele der sephardischen Emigranten") die Schicksale, insbesondere das wirtschaftliche Los der aus Spanien vertriebenen Inden in Italien, der Türkei, Holland und Nord- und Südamerika, und läßt an diesen Schicksalen die charakteristische und verhängnisvolle Verbindung säkularer und ständiger Kompenenten der Judenfeindschaft deutlich werden. Ganz in die Gegenwart führen zwei Betrachtungen eines Berufsproblems der deutschen Juden und schaffen gleichzeitig eine Begrenzung zu einem allzu modern gewordenen Sd)lagwort: „Grenzen der Umschichtung", So könnte man die beiden Artikel vom Rudi Bach („Mußkausmanu") imö HannS Reißner (,Ler Kaufmann. Geschichtsträger Israels") überschreiben. die der Praxis, dem Ethos und der allgemein jüdischen Bedeutung der kaufmännischen Ausbildung und des kaufmännischen Lebens gewidmet sind. Förmlich dringend ergibt sich aus diesem Zusammenhang historischer und aktueller, die Juden und das Wirtschaftsleben betreffender Themen, daß auch Stellung genonunen wird zu dem neuen Werk des großen Behandlers dieser Frage, zu Sombarts „Deutscher Sozialismus". wie dies in einer Besprechung von Erich Wittenberg geschieht. Die Besprechung behandelt nur eine Selte des Werkes, nämlich Sombarts Stellungnahme zur Bedeutung der Juden für die Entstehung des Kapitalismus und Marxismus, die aus seinem alten Werk „Die Juden und das Wirtschaftsleben" ausgenominen und teilweise weiter entwickelt ist. Aber sic zeigt klar — wobei sie übrigens nur die fachwissenschaftliche, nicht die jüdisch'politische Diskussion mit Sombart berücksichtigt —, daß seine alten, auch heute noch von ihm als gültig bezeich. neten Thesen in dieser Frage durch die Wissenschaft widerlegt worden sind. Den ersten Todestag von Jakob Wassermann widmet Georg H i r s ch f e l d ein Gedenkblatt aus eigener Erinnerung; des zwanzigsten Todestages von Walter H e y m a n n gedenkt Jakob Picard; das Werk des vor zwei Jahren verstorbenen Rudolf Hallo ruft Hans Bach ins Gedächtnis zurück. Sie alle drei waren jüdische Schöpfer auf deutschem Kulturgebiet. Daß dieses Schaffen nicht abgebrochen ist, zeigen die neuen Werke Lebender, die eine Besprechung erfahren (Alfred Neumanns .Melier Cäsar" und Karl Wolfskehls neue Gedichtsammlung: „Die Stimme spricht"). ' Gedankenreiche Anmerkungen zu einem neuen Werke deutsch-jüdischer Problematik, zur Sammelsckirift des Vortruppverlagcs „Wille und Weg deS deutschen Judentums" leiten daS Heft ein. F. E. F. Dir Wciniraubs ThncopatorS haben, worauf wir von ihrem Manager Heinz Bürger (Berlin) hingewiefen werden, nichts zu tun mit Kapellen,- die in Berlin unter dem Namen „Die bekannten Weintraubs" und „Weintraub Symphoniker" musizieren. Das Sekretariat der Weintraubs Syncopators. Berlin, Wielandstraße 18 (Tel.: J 1 Bismarck 2879) gibt Auskunft. Vom Tode Hanassis Als Juda Hanassi auf den Tod krank dalag, verhängten die Rabbinen ein Fasten und sprachen Bittgebete für ihn. Die Magd des Meisters stieg auf den Söller und sagte bei sid): Nun kämpfen die Uebcrirdischcu und die Irdischen um meinen Herrn; ach. daß doch die Irdischen obsiegen möchten! — Als sie aber sah, wie sehr der Sterbende sich quälte, dachte sie: Möchten doch lieber die Himmlischen siegen! — Die Rabbinen unter- ' brachen ihr Gebet auch nicht für einen Augenblick; da ergriff die Magd einen Krug und warf ihn aus die Straße. Bei dem Geräusch hielten sie im Beten inne, und sogleich entstieg die Seele Juda Hanassis seinem Leibe. Die Genossen des Rabbi hatten zuvor gesprochen: Wer uns sagt, Rabbi ist tot, den soll ein Schwert durchbohren! — Sie sandten den Bar Kappara zu ihm herauf, nachzuschauen, wie es ihm erginge. Da fand der Jünger den Meister entschlafen, und er zerriß sein Kiew. Er trat zu den Gefährten heraus und sagte: Himmelsfürsten und Erdgewaltige faßten die Heilige Lade an; nun haben die Himmelsfürsten über die Erdgewaltigen gesiegt, und hinweggeführt ist die Lade! — Sie sprachen: Also ist er verschieden? Er erwiderte: Ihr habt das Wort ausgesprochen, nicht ich. Der Siebenschläfer Der Wundertäter Choni, den man den Kreiszieher nennt, weil er einst in Zeiten der Dürre einen Kreis gezogen, sich hineingestellt und von da aus Regen herabgefleht hatte, sah einmal einem Manne zu, der einen Johannisbrotbaum pflanzte. Er fragte ihn: Nach wieviel Jahren trägt der Baum Früchte? Der Mann erwiderte: NaH siebzig Jahren. Der Kreiszicher sagte: Bist du gewiß, daß du noch siebzig Jahre lebst? Der Mann erwiderte: Ich habe Johannisbrotbäume aus der Welt vorgefunden; meine Väter haben sie für mich gepflanzt, also pflanz,» auch ich für die^ die nach mir kommen werden. Choni setzte sich nieder, aß sein Stück Brot und schlief ein; eine Felsengrotte umgab ihn. kein Auge konnte ihn sehen, und.sein Schlaf währte siebzig Jahre. Danach erwachte er und rick)tete sich auf; er erblickte einen llllann, der las die Früchte unter dem Johannisbrotbaum.. Er fragte ihn: Bist du es, der diesen Baum gepflanzt hat? Der Mann erwiderte: Ich bin seines Sohnes Sohn. Ta sprach Choni: Also habe ich siebzig Jahre geschlafen: Der Wundermann ging weiter und sah, daß seine Eselin ihm inzwischen Herden und Horden geworfen hatte. Er kam in sein Haus und fragte: Lebt der Sohn Chonis, des Kreisziehers, noch? Er erhielt die Antwort: Der ist nicht mehr auf der Welt, wohl aber lebt der Sohnessohn Chonis. Da sprach er zu ihnen: Ich bin Choni der Kreiszieher! — Sie aber glaubten ihm nicht. Hierauf ging Choni in das Lehrhaus und hörte, wie die Schriftgelehrüm zueinander sprachen: Heute sind alle Lehrsätze so klar wie zur Zeit Chonis des Kreiszichers. (Zu seiner Zeit nämlich Pflegte Choni, wenn er ins Lehrhaus eintrat. alle Fragen, die die Gelehrtenschüler hatten, aufzulösen). Nunmehr sprach der Ankömmling: Ich bin der, dessen Namen ihr nennt! Sie aber glaubten ihm nicht und erwiesen ihm nicht die gebührende Ehre, so daß sein Gemüt zage wurde- Er betete um den Tod und verschied. Ans dem Talmud übersetzt von Kabel bin Gorios. Das PatenschaftSkomitee für dar Adaß Schulwerk veranstaltet am Sonntag, 6. Januar 11.15 Uhr, eine Matinee zugunsten bedürftiger Kinder im AdmiralSkino, Friedrichstraße 101—102, am 8» und P'Dahnhof. Unter anderem wird der historische Film „Der Golem' gebracht. Er ist für Jugendlich« zugelassen. „

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