Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 51 (20.12.1934)
- Date
- 1934-12-20
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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€fn neuer Neman een Swine Frank - rT^0n "^6ucl de Cervantes Savedra gehört zwci- M!oszu den größten Schöpfern der Weltliteratur, ^hm ist eine Gestalt gelungen, die wie Shakespeares >,Hamlet" und Goethes „Faust" in das sprichwortartrge Bewußtsein der Menschen übergegangen ist: fo u uijote. Dieser Spanier hat den innersten ^cru seiner Nation zu einer Figur verdichtet, die rncnschheitliche Bedeutung gewann. Aber natürlich war das nur möglich,weil das urspanischeDon-Quijotc-Wesen in ihn: selber und in seinem höchst abenteuerlichen Leben großartig verkörpert war. Es ist weder ein fcrnliegendcr noch ein unfruchtbarer Gedanke, mit dichterischer Kraft zu ergründen, wie cus dem Leben dieses Cervantes die unvergängliche und unvergleichliche Gestalt des Ton Quijote her- Vvrging. In einem Werk wundervoll gemeisterter dcut. scher Sprache hat Bruno Frank jetzt diesen Bcrsuch gemacht, er veröffentlicht einen Roman „Cervantes". (Sucridv-Derlag, Amsterdam.) Cin Roman, aber doch nichts anderes als eine Biographie. Nur eine Biographie, die eben nicht der Historiker, sondern der Dichter geschrieben hat. Frank hält sich in allem Wesentlichen an das überlieferte biographische Material. And so weit er ergänzt und erfindet, beschränkt er sich aus tief typische Züge, die nur im Detail, aber sicher nicht im Wesen von der Wirklichkeit abtvcichen mögen. Das künstlerische Geheimnis der großen Wirkung aber steckt neben der überaus knappen, episch-einfachen, stark fortschreitenden und doch lyrisch bewegenden Sprache, in Bruno Franks wundervollen Komposition — einer Komposition, die in keinem Augenblick (bei allen scheinbar so weit abschweifenden Abenteuern) uns aus dem Gefühl verlieren läßt, das; der unsterbliche Ton Quijote als Keim in diesem Leben steckt und sich entfalten muß und wird. Der junge Cervantes hat sehr typisch spanische Eltern: Edcllente nämlich, aber sehr, sehr arm. Er selbst entfaltet als Student so viel Sprach, talent, daß ihm sein Lehrer mit erfolgreicher Begeistcrung dem jungen Kardinal Aguaviva, der als päpstlicher Botschafter in Madrid weilt, zmn Sprachlehrer empfiehlt. Er kommt nun nach Rom; er wird, als Spanien im Bunde mit dem Papst und Venedig zum großen Kampf gegen die Türken rüstet, Soldat; er wird in der berühmten Seeschlacht von Lepanto verwundet und verliert den Gebrauch der linken Hand. Auf der Heimfahrt gerät er in Gefangenschaft der algerischen Seeräuber und bleibt fünf Jahre als Sklave in Algier. Wie er, weil er einen Empfehlungsbrief an den Hof bei sich hat, für einen großen Mann gehalten wird und sich vergeblich dagegen wehrt ldcnn das gut organisierte Piratengeschäft in Algier verlangt daraufhin ein unmöglich hohes Löscgeld!) — wie er dreimal geniale Fluchtpläne organisiert und dreimal durch seinen arglosen Glauben an niedrige Verräter betrogen wird — wie er durch den Adel seines Wesens aber doch immer wieder die Gewalthaber lähmt und dem hundertmal verschuldeten Tode entkommt — all das ist sehr Don-Quijotehaft. — Dann kehrt er zurück in Armut und Elend; sehr vorübergehend tnt der Hof für den Veteranen und Krüppel eine Kleinigkeit; sehr vorübergehend bringt ihm literarische Bemühung etwas Geld ein. Er sitzt ans der „Lügenbank", dem Platz in Madrid, wo sich die Leute des Theaters versammeln. Ihm selber geliugen durch ein paar grimmig-lustige Zwischenfälle für das Theater nur Modedichtungen, mit denen er vergeblich dem Erfolg uachjagt. Kurze Zeit flüchtet er in eine Ehe mit einem Bauern- Mädchen in der Mancha, die ihn aber, durch die Lektüre von lauter Nitterromanen verdreht, bald aus dem Hause jagt. (Hier hat wohl Bruno Frank entschieden aber glücklich erfunden.) Und dann wird der verzweifelnde und hungernde Dichter Cteuereiutreiber der spanischen Krone; als der unbeliebteste aller Menschen durchzieht er die Provinzen von Granada und Andalusien. Und schließlich wird er wegen irgendwie bemängelter Ab. rechnnngcn in einen Prozeß verstrickt und kommt ins Gefängnis. Und da. in diesem tollen Haus, das, ein Pachtobjekt der ewig geldlosen spanischen Krone, eigentlich ein verrücktes Hotel ist, wo cs alles gegen Geld gibt, — da endlich stellt sich vor den Geist des Miguel Cervantes die Gestalt des Don Quijote! So weit führen die beiden Bücher, in denen Bruno Frank das Leben des Cervantes schildert; aber ein Meistcrzng ist nun, wie in einer Reihe großartiger Szenen zwischen diesem Lebenslauf dargestellt wird: Philipp II. der Herr von Spanien und der halben Erde. Philipp, der für die Idee des reinen Glaubens sein Volk und sein Reich und sich selber zugrunde richtet, der dreimal Staatsbankrott ansagen muß, um immer wieder Heere und Flotten gegen Ungläubige und Ketzer zu rüsten. Spürt man, daß hier der großartigste und tragischste Fall gegeben ist von all jenen spanischen Fällen, die zmn Borbild des Don Quijote dienten!? Denn hier war ein Mann von höchstem Willen und gewaltigster Macht, und er war „des Geistes allein und nicht des Lebens"! Und Cervantes selbst, der mit immer neuem kindlichen Glauben hundert Enttäuschungen nach, jagt, er ist ja sein ganzes Leben lang Sohn dieses Voltes, das stets „das Unbedingte", das fast „Unmögliche" sucht. Nur daß ihm, dem Dichter, die Kraft gegeben ist, über den eigenen Wahn zu lächeln. Es ist die Kraft einer großen Güte, mit der dieser lächerliche Don Quijote am Ende so ernsthaft unsere Herzen gewinnt. — Ergreifend hat Bruno Frank Wesen und Welt dc8 Ätannes vor uns aufgcrichtet, ans dessen Vision der Ritter hervortrat: „Riesig und hager dahiurcitend, immer dem Schiuuuer nach, durch Nauru und Jahrhundert — seines Kleppers Hufe stolpernd auf spanischem Grund, aber das edle und lncherliche Haupt ganz nahe den Sternen." Iuliu8 Lab. Gliederung. Viele, durch vorzügliche Wiedergabe sich auSzcichueude Reproduktionen, Zitate auS den Werken jüdischer und uichtjüdischer Dichter und ans den Quellen des altjüdischen Schrifttums beleben ihn und geben einen lebendigen Eindruck davon, wie deutsches und jüdisches Kulturgnt in die geistige Erbmasse des deutschen Inderrtums eingegangeu sirrd. Wer den Kalender besitzt, unterstützt nicht nur ein einzigartiges soziales Hilfswerk, soirdern er bereitet sich selbst eine Freude, die sich Woche um Woche beim Umschlagen der Kalenderblätter erneut. K. J. II. Ferdinand Mainzer: „Der Kampf um Cäsars Erbe", Verlag E. P. Tal u. Co., Leipzig—Wien. In seinem Buch spricht Ferdinand Mainzer einmal von jenem menschlichen Typus, „der irgendein Verhältnis zur antiken Welt und ihrer Kultur besitzt". Daß er selber ein solches Verhältnis in ungewöhnlicher Gradstärke besitzt, beweist das vorliegende Werk. Denn es iit ihm in hohem Maße gelungen, die dramatische Dynamik, die in einer der erregtesten und folgenschiversteu Epochen der Weltgeschichte steckt, 'frei zu machen und in der Vielfalt ihrer Verstechtnngen zu verdeutlichen. Freilich kommen die thematischen Reize des Stoffes dem Verfasser in jeder Hinsicht entgegen! Der Kampf um CäsarS Erbe: das Ringen um das Zepter, das dem Herrscher der Welt entglitten ist. das Würfelspiel der hohen Politik, der persönliche Machtkampf der Tiadochen und Epigonen, die Selbstauslösung der Parteien, das Anseinandcrbrecheu der pvlitischen Fronten, der Ring des Verhängnisses, der sich um die Cäsarmörder schließt, der Endkampf iim die Macht, ans dem der göttliche Augnstns siegreich hervorgeht; inmitten des Wcltgetriebes die Köpfe der führenden Personen, Cicero, auch als Politiker Advokat. Mark Anton, Don Juan und Soldat, Klevpatra, Weib von weltgeschichtlichem Format, und andere in bunter Fülle — all das, von heißem Atem eines unaufhörlichen Geschehens übermeljt. gibt der Darstellung einen Schwung und eine Farbigkeit, die es znläßt, sie in die Nähe von Ferrervs berühmtem Buch über die Größe und den Niedergang Roms zu rücken. Dieses Epos vom Ende der römischen Republik ist keinesivegs ein „historischer Roman", aber es liest sich (falls der Gemeinplatz verstattet ist) ebenso spannend wie ein Roman. Bon gelehrter Tatsachenforschuiig wie senilletvnistischer Aus- Wertung gleich weit entfernt, macht es das Problein der h i ft vris ch e n Belletristik von neuem als l i t c v n r i \ ch c s F o r m p r v b l c m sichtbar. Worin bestellt der unbestreitbare Erfolg seuer Belletristik? Sicherlich doch in der Fähigfeit von Autoren, die die geschichtlichen Quellen, zu denen der Leser nicht ohne weiteres gelangt, „mundgerecht machen", indem sie den Stöfs psychologisch dnrchdringen und vor allem aktualisieren, d.h. in die Sprache unserer Zeit übersetzen. Zn jenen Autoren gehört Mainzer: aber er bietet nicht wie Emil Ludwig zitatengespicktes Mosaik der Einzelheiten, sondern Plastische Heraushebung des politischen, insonderheit machtpolitischen Kräftespicls. Wir prophezeien dein mit nenn schönen Bildtafeln geschmückten Buche einen ähnlichen Erfolg, wie ihn bereits die „Clvdia" desselben Verfassers errungen hat. Fritz Fricdlacndcr Mascha Kaleko: Kleines Lesebuch für Große. Verlag Nolvohlt, Berlin. Tie Verfasserin des lhrischen Stenograiiunhestes singt diesmal im Claudius-Ton ein „Lied zur -'sackst". Und man hört den Tonfall von Chamissvs Versen über die alte Waschfrau aus dem Gedicht „Agota". Parodie? Mit Nichten! Die Anklänge sind der Verfasserin wohl gar nicht ins Bewußtsein gedrungen. Sie hat ihre Melodie im Ohr — und das bestimmt die Form der Gestaltung. Lyrik und Prosa oder — wie der Untertitel deS Buchs lautet: „Gereimtes und Angereimtes" — sind bei ihr im Wesen nicht unterschieden. Ihre Gedichte sind weder Wortt'unstwerke noch haftet in ihrer Prosa der Schliff der Sähe. Ihre Prosa schafft „Gebrauchs- Feuilletons", ihre Lyrik aber, der Gattung „Gebrauchslyrik" zugehörig, iü stark im Artistischen. Aber die Sprache ist nicht selbst Mittlerin des Erlebnisse?, sie hat sich selbständig gemacht und verneigt sich vor der privaten Person, die ein gelvitztes, lebenstapfercS Menschenkind sein mag. Diese Verse und „Lesestücke" sind keine Lebens- und Liebesbeichtc wie Fraucnlyrik zumeist. Mascha Kaleko ist Beobachtcrin — der Zeit. Im „Ersten Ferientag" schildert sie gar ein kleines Blädel vom Blickpunkt des Mannes ans, der mit ihr reist. (Welcher Weg von den Franeustrophcn der Winne, sänger! Und doch: diese „Hosenrolle" ist nicht vcdjt kleidsam.) Die „Verse vom Alltag" ihres „Lyrischen SteuogrammhefteS" blieben noch in jenem privaten Umkreis befangen, der angesichts der tragischen Weltstiimiumg unseres Zeitalters zu einem minrttflen Pünktchen zusammenschrnmpfte. Das „Kleine Lesebuch für Große" sieht die Welt auch noch etwas mit dem Stenographistinnen-Blick an. aber das drückt schon symbolhaft die Spannung zwischen dem genormten Alltag und der Sehnsucht nach eigenem Seelenleben ans. Es sind Dntzendschicksale. die Mascha Kakekvs Frauen erleiden, von diesen Dntzendschicksalen geformt, durch diese Dutzendschicksale zu Zeittypen geworden, aber in jedes dieser Leben trat einmal da? „Unberechenbare": wie eine Reisebekanntschaft eben noch „Viel zu dick", kein Typ. „Kommt nicht in Frage" war und man dann die Entdeckung machte, daß nicht „wir das Herz verschenken", sondern da? Herz uns: dvie alle diese Liebeleien. Ersatz für jene Liebe, die es für diese Paare nicht gab, die in ihrer Welt nicht' gedeiht, weil sic leine andere kennenlernten, mit Abschied enden wie das „Scheiden und Meiden" in alten Volksliedern. Das macht diese Verse, weil sie von der Welt und vom Menschen unseres Jahr- Hunderts aussagcn, zu so etwas wie einem Zeitdokument, anonym und in höherem Sinne ungesormt wie ein Volkslied. Mascha Kaleko steht — und dies kündet einen allmählichen Wandel der Zeitstimmung an — bereits außerhalb des Zpnismns. mit dem Dichter allein ihre Verzweiflung an eine erlehinsimfähige Menschheit überwinden zu können glauben. Sie beherrscht die Träne, wenn sie schreibt: „Kein Wort aus deinem Mund. Tn hallest Zeit. Kein Ton aus meinem. Tenn ich hatte Ehre . , , Kein Sommer war wie jener groß und kkgr. Wir haben ihn mit dummer Hand verschvendet. Gleich als du fort warst, sing es an zu regnen, i — Ich wußte, daß ein Ende so beginnt. Weil wir nie wieder denen begegnen. Die für uns ausersehen sind." Ein Bild der Verfasserin ist dem Büchlein beigegeben. Sinnvoll: ein Scherenschnitt. Lutz Weltmann. Dr. M. Goldmann: „Hebräisch." 344 Seiten. Verlag Sefatenu, Berlin/Tcl- Avivi. Schon die ersten Hefte dieses BmheS haben bei ihrem Erscheinen aiifmerlsamc Beachtung gesunden. Nun das Werk in einem Bande fertig C.-¥.-Lsser trinken nur den Kaffee, Tee, Kakao der Camaio Kaffee GrcOrSstcrei Bremen Vertreter werden noch eingestellt vorliegt. verstärkt und vertieft sich das günstige Urteil. Bereits das ausführliche und sorgsame, 7 Seiten umfassende Verzeichnis vermittelt dem ersten Blick ein Bild von dem reichen Inhalt, dem wohlüberlegten, wohlgegliederten und wohldurchgesührten Ausbau. Nur die Lautlehre als die Vorbedingung für die rechte Erfassung der hebräischen Fonnenbildung tvird im Zusammenhang dargestellt: alles weitere ist ans die 30 Kapitel des Buches mit ihren. 12-1 Uebnngen (Lektionen) verteilt. Die Sprachlehre ist sehr ausführlich. Sie läßt wohl keine wesentliche Erschein.mg unberücksichtigt und gibt über alles klaren und zuverlässigen Anssckstuß. Etwas Neues und für dieses Buch Charakteristisehes ist die weitgehende Umschreibung der hebräischen Texte, grammatischen Beispiele, Vokabeln und Formenreihen in latemischer Schrift (in se> phardischcr Aussprache), ^ie soll und wird dem Anfänger eine Kontrolle und Erleichterung beim Lesen sein. Ein bedauerlicher Aebelstand muß erwähnt tverden: das ist die seltsame Anordnung in vielen Vokabelstücken. Es ist unfaßbar, nach welchen Gesichtspunkten sie getroffen worden ist. Tic Freude. an dem Buche wird eine ungeteilte sein, wenn in einer gewiß zu erwartenden Neuauflage dieses Manko beseitigt sein wird. M. Ahraliam. Heinrich Kurtzig: „Liebes- und Irrfahrten nach Homers Odyssee." Wieder mal etwas Heiteres. Verlag Gustav Engel, Leipzig. , „Da aber bemerkte zwar . . so klingt es mir noch heute nach und ich höre den Wutichrel unseres alten Direktors, des Herrn Geheimrats, der zähnefletschend auf der Uebersctznng des „<k" „uzv" bestand. Und über dem Ös (de) und fisv (men) kamen wir nicht dazu, an,die Erlebnisse des alten Fuchses Odysseus zu denken und die Grammatik verleidete uns den ganzen Homer. Wenn man Heinrich Kurtzigs Travestie über die Liebes»- und Irrfahrten des Odysseus liest, hätte man sich diesen harmlosen Scherz schon in seiner Schulzeit gewünscht; vielleicht wäre uns sicher ein Verständnis dafür aufgegangen, wieviel Leben in der Odyssee steckt. Heinrich Kurtzig will sich gewiß nicht* über Homer erheben. Seine Knittekverse, in denen er das Gescheiten um Odysseus in liebenswürdig-dreister Art schildert, erinnern an Wilhelm Busch. Wer sich einmal ein harmloses Vergnügen machen will, ohne den Maßstab der großen Literatur anzulegen, der begleite den mit den Angen von 1931 gesehenen alten Odysseus auf seinen Liebes- und Irrfahrten. Der große Homerwrscher Thassilo von Schefser hat dem Buch eine sehr freundliche Einsührnng gewidmet und ihm den Segen des Fachmannes gespendet. ' — nu. ..Wöff seht sich durch"» von Peter Alallheus Wöff ist ein Junge und heißt eigentlich Wolfgang. Mulle ist ein ' zweiter Junge und heißt eigentlich Helmut, Babette heißt das'Mädchen und ist kesser und schlauer als Mulle und Wöff zusnmmen, Zimt ist ein Kaninchen, ein Preisgekrönter Karnickelbock sogar, und Mulle und Wöff und Babette und Zimt lieben den Florian, der ein stachliger Igel ist, der einmal verlorengeht und den Wöff nach einer äußerst anstrengenden, gewagten und heldenhaften Erlnrsion wieder zurnekbringt. Die fünf, teils zwei- und teils vierbeinigen Helden, wo!>neu teils in einer Mietskaserne und teils in einer Lailbenkolonic; natürlich gibt es zuerst einen großen Krach unter ihnen, aber zum Schluß versöhnen sie sich so ehrlich und fest, daß man für diese Freundschaft auch nach Bnchschlnß nicht mehr zu fürchten braucht. „Wöff setzt sich durch" ist ein frisches, herzliches Kinderbuch mit vielen lustigen und frechen, aber sympathisch frechen Zeichnungen von Fritz Wolfs. „Doktor Dolitkles Rückkehr", von hugh Lofting, überseht von Steffi Anton Doktor Dolittke ist uns schon ein gut bekannter Herr, und wir wissen schon seit langem, daß er ein scheckkich guter und lieber und aufopfernder Mann ist. an dem Göb Göb, daS Schwein, Tab Dab, die Ente. Tuh Tuh. die Eule, Jip, Jip, der Hund, und Tschi Tschi, der Asse, mit Recht und mit Herz hängen. Nun ist er gerade nach einem Jahr"vvin Monde aus einem ganz^großen Insekt zurückgekehrt — er wurde von den Seinen schon sehnliehst erwartet — und weiß natürlich unendlich viel Interessantes und Merk» würdiges von dem Mond zu erzählen. Aber vor allem muß er die vielen Patienten kurieren, die täglich in die Ordination kommen, Eidechsen und Eichhörnchen, Hunde und Mäuse, ja es gibt beinahe kein Tier, das den Doktor nicht leimt und ihn niclit aufsucht. Der arme Doktor weis; beinahe wirklich nicht, wo ihm vor lauter Arbeit der 'äi.w&sws? «wuiWLvrsW ErMcn'süKerel, Berlin 1934 Mar Akwa hatte einen Armen in seiner Nach- :schast, dem schickte er zu jedem Bersöhnungstag rhundcrt Gulden. Einstmals schickte er durch;en Sohn dem Armen vierhundert Gulden, und : nun der Sohn wieder heimkam, da sprach er: ober Vater, der Arme bedarf deines Geldes st! Tenn da ich in seinem Haus gewesen bin, Hab ich gesehen, daß er nichts anderes trinkt , eitel guten, alten Wein." Da sprach der onrmc: „Daraus hör ich wohl, mein Heber litt, daß der Arme sehr verwöhnt ist, — da sei) daß er noch viel mehr bekommen muß, als bis- ." And schickte ihm viel mehr, als er ihm bisher chickt hatte.- Was ist das für eine Geschichte? Das ist nur : Aiisang der fünfzehnten Geschichte ans dem schichtcnbuch, das eben als Schocken-Büchlein erinten ist. iit der Auswahl und Ücbertragnug von dwig Strauß. Und was ist das Geschichtenr!i f Das ist das alte Maaßebuch. dessen erste getickte Ausgabe aus dem Jahr 1M2 stammt. Aber ls ist das Maaßebuch? Das ist ein schönes, vßes Buch in jüdisch-deutscher, also altj!ddisck)er brache mit mehr als zweihundertfünfzig Geschick)-; mit Moral und mit allem Guten uud «schönen, e cs sich für Geschichten eben gehört. Das Maaßebuch ist ein Volksbuch.'uüb cs ist r^Zeit des deutschen Volksbuches, in der ersten üte des Humanismus entstanden. Es hat darm n großen, allgemeinen Zusammenhang des mittelropäisckcn Judentums mit Europa rvicdernm beitigt: man darf ja lücht aunehmen, daß unsere erfahren im Ghetto ganz und gar von der Welt ^geschlossen waren; im Bcaayebnch gibt es ntzende von Motiven, die vorher in orientalischen 'ärchen oder venetianischen Anekdoten und ipater ' christlichen Legenden oder Biwgers Balladen zu lldecken sind. In der gewaltigen D^nderbewe- ,„a der Märchen und Legenden er)chemt das taaßebuch als einer der wichtigsten Ausfuhr- und iii'chlaghäfcu. hier treffen sich die Wege von Ost ich West und von Altertum uiid Mittelalter Ziir meren Zeit. vn' (5 a ft er, der Herausgeber der englischen .'bertragmig des Nsimßebnches und unbedingt ner de/verdienstvollsten Forscher auf diesem Ecict betont noch eine besondere Eigentümlichkeit, ^ährend in ähnlichen Volksbüchern der Nicht- 'Z öcfdjidilc« von griechischen Uiid roniischen Königen. Kaisern und Helden und inehr oder weniger fremdländische, exotische Abenteuer berichtet werden, ivandten sich die Juden der eigenen Vcrgaiigeuheit zu. Für sie ivar die Kette niemals unterbrochen, und die Helden des AtaaßeblicheS, dtis auch als ein Glied in der Kette der Tradition nicht zu unterschätzen ist, diese Dtänner von der Weisheit eines Rabbi Akiba uiid der Kühnheit eines Resch Lakisch, der erst ein so großer Ränber wie dann ein Talnurdrabbi war, über die mittelalterlichen Gelehrten von der Größe eines Maimvnides und der Leidensfähigkeit der Ntainzer und Wormser Atärtyrer, alle diese waren ja Blut von ihrem Bliit, Mäiiner, mit denen schon das Bewußtsein einer Art Verwandtschaft verbindet 'und das stolze, tröstende und ermntigende Gefühl ihrer Zugehörigkeit zum Hörer und Leser verleiht. Das Maaßebuch war in hebräischen Lettern, aber in jüdisch-deutscher Sprache verbreitet. VIarnni? Damit jeder Jude, auch wer des Hebräischen nicht so kundig war, und damit auch die Franen, es lesen koniiten. „Wenn (so sagt dec unbekannte Antor des Maaßebuches in der Einleitung) die großen Gelehrten, gründlich erfahren in der Gesetzeskmide. vertraut mit talmudischer und rabbinischer Literatilr, zusaminenkoiiimen, daun rvollen die einfacheren Leute iiicht gerade als völlig univissend neben ihnen erscheinen. Auch sie möchten gerne verstehen, teilnehmen." Darum stehen im Maaßebiich, wie der Antor übertreibend erklärt, „die ganze Lehre", Midraschim, Geschichten, Haggadoth, „so daß sich jederniaiin darein verlieben wird und sagen muß: ich glaub, er kann die gaiize Lehre auf einem Fllß" (wie jener Heide sagte, er wolle zum Judentum übertreten, wenn Gillel ihm die ganze Lehre beibringe, solange er auf einem Fuße stehen könne). „Drum laßt's um einen Taler euch nicht zil teuer sein — so mag euch Gott behüten vor Bösem und Ungeheurem. Amen Selah." So schließt die Einleitung zum Maaßebuch, wovon Ludwig Strauß' Volksausgabe einen vortrefflichen Geschmack bietet. (Wer auch über das wichtige Sammelwerk Bescheid wissen will, der lese die ausgezeichnete Arbeit von Dr. Jakob Meitlis.) Wir brauchen das Geschichtenbuch wieder, um ebenfalls „nicht völlig univissend und teilnahiuslos daneben zu steheii." Leo Hirsch. „Jüdischer Kalender 1935 — 5095/96", her» ausgcgebcn dom Verein „Freunde der Taubstummen — Jedide Jlmim", Berlin. Dieser Kalender gibt, obwohl er auf da8 - bürgerliche Jahr gestellt ist, gleichwohl einen guten Ueberblick über das jüdische Jahr und seine