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Central-Verein-Zeitung · 1934-12-20 · 51 (20.12.1934) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
51 (20.12.1934)
Date
1934-12-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Uun'ii'r der Znüiust fleiitiftc unb iiibiicfic mir seiner Wertarbc-ii verbinden soll. Im i'citurtifcl. uiivö die Bedeutung der em dieser Stelle scheu mitgeteilieii Errichiunst dev. Haudwerkeraiisschiisscs bei der Reichsvertceliurg der deutschen Juden gewürdigt und in den Sab 'zustiumiciigefaßt: „Ter silbische Handwerkerstand nrbeitet gemeiiisam mit der Z-pitzeiivertretnng der dentsetien Jiideiiheit em einer planbutten und systematischen Lösung aller mit dem Handwerk ziisaiiiinenhängenden Probleme, die die Erfordernisse der Gegcmvart und Zukunft nötig machen." Dem Verein selbständiger israelitischer Handwerker und Gewerbetreibender e. V„ Frankfurt a. Ä.. der vor kurzem ans ein 25jäyriges Bestehen zurückblickeu konnte, ist ein besonderer Aufsatz gewidmet. Tie Anssührungen des hessischen. Lyndilu-s des Gential-Vereins, Tr. Wolfgang 3. M atz - d v r s s, Frankfurt a. Bi., über „Tas Handiverk, ein Träger jüdischer Zukunft in Deutschland". die bereits im Frankfurter Gemeindeblatt berösseutlicht wurden, werden nmunehr einem breiteren Kreis jüdischer Handioerler zur Kenntnis gegeben, „weil sie zeigen, das; nur uns in unseren Anschauungen und Bestrebungen mit vielen und insbeiondere de» matzgebenden stellen der denlselien Jiideiiheit in voller liebereinstiinnning befinden." Bemerlensivert ist . die kleine, aber wichtige Atitteilmig. datz der jüdische Färbergebilse vuuis Ntiel'aelis. Berlin, vor.wenigen Wochen von vier zugemsseneu Kändidaten als Ein-, ziger die M c i st e r p r ü s u n g als Zeugsärbermeister und teheruischBiciniger bestanden hat. Ter neue Meister entstammt einer jüdischen Färberfamilie. Ta.z Erscheinen einer besonderen Schrift ans Anlas: des Jubiläums des Berliner Vereins wird angekündigt. 12. 0. L. Anläßlich des vierzigjährigen Bestehens des Bcrcins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens e. V„ Berlin findet am Dienstag, dem 2 3. Tee m der. vormittags 10 Uhr nn Bi in., in der Tiuiagoge Prinzregentenstratze eine Klmdgebnng statt. Tie Vertreter der zentralen Körperschaften, der Gemeinde und der Organisationen werden Ansprachen halten. Festrede: Louis Wolfs. Unter Mitwirkung des Overlaiitors I u l i u s P e i s s a ch o iv i t s ch und des Ehors der Snnagogc Prinzregentenstratze amter Leitung seines Dirigenten Leo Kops: an der Orgel: Hermann Schwarz. Eintritt frei. Gäste willkommen. MM FsriWN kt MWUWjkLrr-SsreöAW Ter Landesverband H e s s e n - N a s s a u und H e s ich, dem besonders die Betreuung der Landgemeinden am Herzen liegt, rechnet zu seinem Anigabengehiet nicht nur die Betreuung aus juri'tisch-wirtschaftlichem Gebiet, sondern versucht inich im Rahmen seiner Atöglichkeiteu auf lnltnrellem Gebiet zu Helsen. Im Eiiwernchlneii mit anderen jüdisclicn Organisationen wird deshalb in diesem Bezirk der Versuch nnternoimnen, durch Belieferung der Kleingemcinden mit V ü d) ern indischen Inhalts oder jüdischer Autoren Anregung zu geben. In den grötzercn jüdisclien Gemeinden des Bezirks, -zunächst iu Frankfurt am Main, werden burd) Sammlungen, bei - denen der Bund Denlsch-Iüdischer Jugend eifrig rnithitft. das erforderliche Büchermaterial ans den Häusern der Glaubensgenossen beschafft. Auch auf diese Weise wird durch praktische Arbeit dazu beigctragen, das Band zwischen den Juden in Stadt und Land enger zu gestalten. Die Mittelstclle für Erwachsenenbildung veranstaltet mit der Deutsch-Israelitischen Gemeinde vom -23. bis 20. Dezember in Blankenese- W i l hcl m i n e n h ö he eine Lerntagung für Lehrer. Jngendsührer und in der Erwachsenenbildung Tätige AordwestdeutschlandS. Die Zahl der Teilnehmer ist beschränkt. Als Dozenten wirken M a r - t i n Subei, B enno Jacob, E r n st Simon mit. Am Montag, dem 10. Dezember, sprach, in einer Versammlung in -Hannover, die unter Leitung von Rudolf Herzberg ftaud, der Stell- Vertreter des Vorsitzenden des C.-V., Nechtsan- - ivalt Dr. Rudolf Ga ll mann, Köln, über das Thema: „Der jüdische Mensch in der Problematik unserer Zeit." Der für die Versammlung bereitgestellte grotze Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Fülle der Gedanken, die Gründlichkeit mit welcher der Vortragende den Problemen - uachaegangen war. zog die Zuhörerschaft vollkommeu in ihren Bann. Den mehrstündigen Ausführungeu, deren Gedankcngaug in diesen Blättern bereits wiedergegeben wurde, folgten die Zn- Hörer daher mit stets gleichblcibcnder Anfinerksamkeit. Dem Vortragenden nmtbe. nach Schluss - bpi* Rede stürnüsclier Beifall zuteil. Dr.-Jng. Walter D u r gab dem Dank in einem kurzen ge- - haltvollen Schlußwort Ausdruck. In Bremervörde fand eine Veranstaltung iu der seit ‘200 Jahre bestehenden jüdischen Gemeiude statt, zu der auch die Gemciudemitglrcdcr von Stade und Zeven erschienen waren. Senta Mt eher (Hamburg) sprach über die religiösen. Forderungen, die das Heute an den jüdischen Menschen stellt. Nachfolgend fand eine „Indische Märchenstunde' statt. Senta Meyer las jüdische Legenden und Märchen, denen die kleine Kinder- Versammlung mit größtem Interesse und wachsender Begeisterung folgte. In L ü n c b u r g sprach Senta M eher zu den versammelten Frauen über „Indische Frauenpflichten". Den mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen folgte eine sehr rege Aussprache. Vorhergehend wußte tocuta Meyer wiederum die allerjüngsten Gemeindemitglieder durch eine „Jüdische Märchenstnnde" zu fesseln. Auch in Harburg- Wi l h e l m 8 b u r g fand die gleiche Veranstaltung für die Kinder statt, die sie mit größtem Beifall ansnahmen. Prediger G o r - d o n verstand es bei allen diesen Veranstaltungen ganz ausgezeichnet, in einleitenden Ansprachen ans den Wert und die Bedeutung dieser Vorträge und Zusammenkünfte hinzuweisen. Am 13.Dezember sprach Julius Bab (Berlin) in einer überfüllten Versammlung im Guriohans in Hamburg über „Börne. Heine und das junge Deutschland". Der Leiter des Abends, Rechtsanwalt Dr. Eichhol 3; wies in seinen Begrütznligsivorten iit eindringlicher Weise ans die ernste und verantwortungsvolle Arbeit des G.-V. hin. Sodann gab Julius Bab in gut anderthalbständigen Ausführungen ein ungemein anschanliches und lebendiges Bild dieser außerordentlich wichtigen Epoche des deutschen Geisteslebens. Die souveräne Beherrschung der Materie machte den Vortrag Babs zu einem Erlebnis für alle Zuhörer. Am 3. Dezember sprach Landesverbandsshndikus Dr. Werner G r n n ssckd (Hamburg) in einer gntbcsuchten Gemeindeversammlung in Kiel. Rach einleitenden Worten des Kieler. Ortsgrnppenvorsitzcndcw Rvscnstein nahm- Dr. Grnnsfeld das Wort zum Thema: „Für unseren. Arbeits- und Lcbensranm — für deutsch-jüdische Zukunft!" In der anschließenden angeregten Diskussion sprach das Mitglied des Gemeinde- Vorstandes F r i e d m a n n dem Redner den Dank der Erschienenen aus. Bommem Am 17. Dezember sprach in einer gut besuchten Versammlung in Stettin vor Angehörigen der Handelsvertreterbernfe. Diplomkausmann Julius bürg (Berlin) über „Steuer- und Berufsfragen des Handelsvertreters". Er berichtete über die Tätigkeit des Handelsvcrtreterdezernats innerhalb des C.-V. Landesverbandsshndikus Otto nr o“X Arveusiciiiung. ow. Juden aus und hielten fick) auch nn Weltanschan.'. I; // / lichcn jeder Polemik fern. Die sachliche Haltung des G.'D. fand' auch bei Andersdenkenden Au- Dt i ch e l s o h n (Stettin), der die Versammlung leitete, berichtete über „Allgemeine Wrrtschastsfragen". Eine größere Anzahl von Reuamneldüngen konnte verzeichnet werden.' geflen-SMsu UÄ Sriien .. Die Ortsgruppe fj r a n I f u 11 a. 33t. bc§ Gentral-Vcreins hatte ini Nahmen des Dezernats Jüdischer Haildelsvertretcr zu einer Versammlung ^geladen/ ivclche voll Berufskollegen und ihren Familienangehörigen überaus stark besucht war. Zunächst sprach Rechtsanwalt Dr. Otto H e ch t über verschiedene aktuelle Rechtsfragen niid Gerichtsentscheidungeil, die für den Handelsvertreter von Bcdeutniig sind. Otto K a u f in a n n (Fraiiksnrt a. M.) berichtete über die Grinidzüge der neuen Steuergesetzgebung, soweit sie für den Handelsvertreter von Bedeutung ist. Laiidcsvcrbaiidsyndikiis Dr. M a tz d o r f f sprach über nftuellc Fragen und berichtete hierbei eingehend über die "Arbeit des Central-Bercins. An die Referate schloß sich eine Aussprache an, in der einmütig der ivertvollen Arbeit Aiierkennnng gezollt wurde, die der E.-B. nicht nur für diese Bcrnfsgruppe leistet. Aiif Beraiilassnng der Ortsgruppe Limburg des C.-V. hielt am 24. November Oberkantor I onas (Mainz) in der vollbesetzten Synagoge einen Vortrag über „Liturgische Gesänge im jüdischen Hause". Der Redner trug mit seinem wohlklingenden, geschulten Organ, begleitet von Robert Sternberg (Limburg) eine Anzahl von Liedern vor. Für die zahlreich Erschienenen war der Abend ein nnvergeßlicher Eindruck. Landesverbandssyndikus Tr. Wolsgang S. Matzdvrsf hielt am Donnerstag. 13. Dezember, in Mainz eine Besprechung mit jüdischen Wirtschaftlern ab, zu welcher Vertreter nahezu aller Geschäftszweige erschienen ivaren. In reger Anssprache wurden gemeinsame Fragen erörtert und Erfahrnngen ansgetanscht. — Am Sonntag, 16. Dezember, sprach Dr. Wolsgang S. Matzdorff in einer überaus stark besuchten Gemeindeversammliing in Heldenbergen (Oberhessen). Aus vielen Nachbargenieinden waren Glaubensgenossen erschienen, um sich über die Arbeit des Gentral'Vereins informieren zu lassen. - Er« freulicheriveise erfolgten auch Neuanmeldungcn zum Central-Verein. Sihetnland'Westfalen Zum Abschluß der Vcrsammlnngstätigkcit dieses Jahres sprach Landesverbandssyndikus Dr. Ernst Plairt (Essen)" am 12. Dezember in Bocholt und am 13. Dezember in M.-Gladbach. Beide Versammlungen waren ausgezeichnet besticht. Die Zuhörer folgten mit Interesse den Ausführungen des Redners über „Wille und Weg der deutschen Juden". In weiterer Ausführung der Absichten des Landesverbandes, gerade auch die Kleingemeinden mit Vorträgen zir bedenken, sprach am 22. November' der stellvertretende Syndikus Dr. Kurt S t e i ll b e r g in Olsberg vor den dortigen. Gemeindemitgkiedern, am 24. November Rechtsanwalt a. D. Erwin "A d! e r (Frankfurt am Main)- in der Synagoge zu Marburg vor den Gemeindcmitgliedorn Marburgs und der umliegenden Ortschaften. Sstoreußm In den Monaten November und Dezember sprach Landesverbandssyndikus Dr. Max Angerth al (Königsberg) vor den Gemeinden Gumbinnen, Pr.-Holland, Guttstadt und in Tilsit vor den Mitgliedern der Ortsgruppe über das Thema: „Für unseren Arbeits- und Lebens'ranin — für deutsch-jüdische Zukunft!" Die Ausführungen gingen von der großen sachlichen cuuuuui;;. _ . ‘ In Saal selb und Ojterode fanden eii,- gehende Rücksprachen über schwebende Fragen statt. ' ",'n I ii st e r b u r g und A l l e n st e i n hatte' Tr. Ailgerthak Gelegenheit, an jüdischen Feierstunden teilzunehmcn. In der E.-V.-Ortsgriipsv Dresden sprach Syndikus Tr. Alfred H i r s ch b e r g über ..Idee und Arbeit im deutschen Judentum". In saß .zweistündiger Rede erörterte er die wesentlichen historischen, sozialen- und kulturellen Probleme der deutsch-jüdischen GcgcMvart. Die giitbesuchie Versammlung, die der Ortsgruppciivorsitzeiide Rudolf A P t leitete, dankte dem Redner mit slarlcm Beifall. Unter Vorsitz von Rudolf Kolodzinsky hielt die Zwickau er E.-V.-Ortsgruppe einen Vortragsabend ab, bei dem der kommissarische Vorsitzende des Landsverbandes Dlitteldeutscl,. land, Landgerichtsrat i. R. Dr. Kurt Eohn (Chemnitz), über „Das Dtindcrheiteiiproblein" referierte. Unter Leitung von Lehrer Daniel Katzmanii fand in A imi a b e r g ein Vortragsabend statt über das Thema: „Die Aniba»- arbeit des E.-V. im Reiche". Ter Vortragende gab einen umfassenden lieberblick über die vielseitige Tätigkeit, die der E.-V. seit der Um- Wälzung ans dem Gebiet des Rechts- und Wirtschaftsschntzes im Reiche vorgeiiominen hac. Tic Mitglieder der Syuagogeiimeinde Halle waren der Einladung unserer dortigen Ortsgruppe zu einem Vortragsabend in so zahlreichem Dtaße gefolgt, daß der große Saal des Eemeindeyauses nicht ansreichte, um alle Erschienenen zn fassen. Unter Leitung des stellvertretenden Ortsgruppenvorsttzenden, Rabbiners Dr. K a h l b e r g. fand die Versammlung im großen Gemeindesaal statt. Es referierte mit überaus starkem Beifall Rabbiner Dr. Karl Nosenthal (Berlin), über das Thema: „Ter Schicksalsweg der denlschen Juden." In der improvisierten Parallelversaininlung. die in den unteren Räumen des Gemeinde- Hauses stattfand, sprach unter Leitung unseres Ortsgruppenvorstandsmitgliedes Karl Bildesheim Landesverbandssyndikus Kurt Sab a tz k y (Leipzig) über das gleiche Thema. Ersß'Frrlin Eine besonders zahlreiche und interessierte Zu- Hörerschaft fand sich zn der zweiten Winterveran staltnng der Ortsgruppe Friedenau-Steg l i tz am 17. Dezember im Ratskeller Friedenau ein - Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden Hlint O P P-e n h c i m e r ergriff Margarete Fried dal Wort zu, Ansfnhrnligen über die Stellung der jüdischen Fran. Ten Weg in die Geistesgiitcr jüdischer Geschichte zeigten die AnsführnMU Emannel bin Gorions über „Das fabulierende Israel". Den Abschluß des offiziellen Teils bildete ein Appell des Vorstandsmitglieds Max Groß zur Mitarbeit am Centralvercin. Ter Abend war ein großer Erfolg für die Stärkung des Ge- - meinschaftsgesühls und den Ausbau der.Ortsgruppe. * Vor den Berliner K.C - e r n sprachen Oberlandesgerichtsrat i. R. Tr. Ernst Rosenthal und Amtsgerichtsrat i. R. Dr. Fritz G o l d s ch m i d t über die Tätigkeit jüdischer Organisationen. Während Tr. Rosenthal über den RjF referierte, gab Tr. Goldschmidt einen anschaulichen, aus der Fülle seiner Berufsarbeit geschöpften Ueberblick über die wirtschaftsjuristisck)e Betätigung des C.-V. Er erinnerte die Versammelten daran, daß der C.-V. zn allen Zeiten aus den Reihen des KC größte Fürderung erhalten habe und betonte, daß dies heute, wo ohnehin alle Kräfte znsammengefaßt werden müßten, erst recht der Fall sein sollte. so ist cs Sonnenthal, der das Muster für ganze Generationen ausgestellt hat. Ein rasch verwöhntes Glückskind, das sich sein Glück^ zu erarbeiten und zu erhalten ivnßte. kam 'Lonnenthal ohne nennenswerte Zlvischenstationen, die eine Begabung bilden, aber auch verbilden können, an das berühmte Institut. Tas lvar im Jahre 1850. Selbstverständlich wurde er bei einer ersten Prüfung für „völlig talentlos" erklärt, doch es dauerte nicht lange, und die strahlenden Jünglingsrollen der deutschen Klassik und manche svignicrte Figur anderer Literaturen empfingen von ihm allen menschlichen Reichtum. Darüber berichten die Bücher des Theaterfaches. Aber was heute lebt und sich, sei es auch nur noch in der Erinnerung, an der Sonne der Kunst lvärmt, weiß von ihm noch' als Vertreter der Rollen, die man Charakter- und Vüterrvllcn nennt. Man weiß auch, daß er immer mehr sein lvollte und mehr gewesen ist als ein Einzclschauspieler, der seine Aufgaberr ergriff und sie als Sondergestalt mit seinem Ich übereinstimmte. Er war nicht ein an der Bnrg engagierter Darsteller, sondern er war „Bnrgschauspieler". Das heißt, er wcrr mit allen Gedanken und Verantwortungen „seinem" Theater verbunden, von^ Heinrich Laube bis Paul Schlenther, mit Stücken von Bauernfeld bis Gerhart Hauptmann. Er wurde Regisseur und Oberregisseur und während gewisser Interregnen stellvertretender Direktor. ' So haben ihn bis in das erste Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts auch die reichsdeutschcn Bühnen gesehm. Er tritt vor^ uns hin: niemals im ersten Augenblick hinreißend, hören. Spiel zu sein. Ihm lagen die ehrlichen Naturen, die daran leiden, das sie ehrlich sind, und aus innerstem Instinkt suchte er in den heroischen noch immer den Punkt, ast dem er sein Selbst, seine Wärme, sein Mitleiden einsetzen konnte. Alan erinnert sich der von -innen-her-strömenden Liebenswürdigkeit seines Conrad-Bolz. Sein Wallensteiu war ein Held, aber auch ein pater kannljas. Sein Fuhrmann Henschel, wenn er sich zu dieser Bolkssignr auch ein wenig zwingen mußte, hütete in knorrigster Schale den zartesten- Kern. Philipp II. war ihm nicht zuletzt der getäuschte Ehegatte, also ein leidender Mensch, sein Othello war es erst recht, und Wilhelm' Tell war zutiefst im Vaterherz getroffen, Lear und Nathan: wer hat jemals ein liebevolleres Herz gesehen? Wer jemals einen Lear, in solcher Verwunderung, daß es auch undankbare Kinder gibt? - Wer einen Nathan, der mit soviel Klugheit soviel Güte verband? Es-ist schwer und undankbar, das Wesen eines Künstlers aus eine einzige knappe Formel zu bringen. Aber wenn wir sagen, daß dieser Adolf. Sonnenthal, der Krämersvhn, der den Adel schon mit sich brachte, ehe eine freundliche Zeit ihm das Patent dafür verliehen', immer wie ein Familienmensch spielte, stets ein Vorbild, mie man im Parkett selbst zu sein wünschte, so erklären wir damit zugleich seine Popularität und das Maß dev Zugeneigtheit, das er genoß. Er war „über alles liebend", wie.er sich, wenn er nun wirklich als Privatmann den Seinen sich widmet^ in den schönen Briefen nannte, die seine Tochter Hermine gesammelt hat. - Und wir brauchten nicht anzuftehen, diesen ihn und andere beglückenden Grundzug seiner Natur als „jüdisch" zu bezeichnen, wenn nicht die Zeitgenossen von dem Budapester rühmend hervorgehoben hätten, daß er seine Gestalten „mit echt deutschem Gefühl" sättige. Aber wir sind nicht geneigt, darin einen Widerspruch zu finden; vielmehr-eine Zweiheit, diemicht nur bei diesem Künstler in sich selbst zusammengeflossen ist. - - Vor.wenigen Tagen wurde Werner Alberti zur letzten Ruhe gebracht. —. Diesem'Mimen hat die Nachwelt wirklich keine Kränze gefloZ)teu. Es gab Zeiten, wo das Auftreten Werner Albertitz an einer Bühne , genau dieselbe Sensation bedeutete rvie daS Gastspiel irgend eines anderen berühmten Tenors. Alberti kam aus dem Kanfmannsstande. Eines Tages wurde auch er, wie so viele andere, von Angela Neuinann entdeckt. Eine wundervolle Tenorstlmme, die bis in die höchsten Lagen in hellstem Glanz erstrahlte. Meisterlich die Beherrschung des bei canto. Und wie wußte er die Gestalten, die er verkörperte, herauszuarbeiten! Sein Eleazar war wirklich ein Erlebnis. Ebenso der Postillon, wie auch Rtanrico und Canio. Jahre hindurch war er nicht nur in Deutschland, sondern auch im Auslände, wie Spanien und Italien, der gefeierte Star. Dann wurde es mählich still um ihn. Das bekannte Künstlerschicksal — ihn traf es besonders hart; denn er war nicht alt genug, um zu resignieren. Tapfer schlug er sich mit diesem Schicksal herum. Zu einem festen Engagement konnte es nie kommen, weil ihm seine kleine Figur hinderlich war. Darin teilte er das Schicksal Josef Schmidts. Zuletzt war Alberti Eesaugspädagoge.. Mit nie versiegendem Optimismus überivand er all die Schwierigkeiten des Lebens, bis nun der erlösende Tod all dem Kampf ein Ziel setzte. In der vorigen Woche ist Will Steinberg graben worden. Er war keiner von denen, sich auch nur bei Lebzeiten mit dem begehr Lorbeer schmücken dürfen; das Talent, das i gegeben, war an jene Art von Kleinkunst Kunden, die den Zuschauenden einige Augenbl Freude bereitet und dann, bis sie sich wieder t neuem regt, beinahe in Anonymität versinkt. Will Steinberg hatte Witz und Form. Jnd er dem Witz mit sicherer Hand die jeweils passe: 'Form gab, entstanden jene leichten Gebilde, man „Schlager" nennt,.und sie verdienen die Namen nur, , wenn sie . wirklich in eine szenii oder sonstige Situation wie ein aufleuchten Blitz hineinschlagen. Dies war das Gebiet L Steinbergs, undes verblieb ihm, wenn er auch in Gestaltungen versuchte, die eine t fassendere Phantasie und eine größere Konzevt erfordern. 0 y .(St ist mit zweiundvierzig Jahren gestorb Wenn es-den Anschein hatte und längere i haben durfte, als sei er nun der zum Frohsinn geborene Mensch, der nichts anderes zu tun hatte als die kleinen Handarbeiten seiner Muse einer nach Entspannung begierigen Welt hinzustreiicii. so hat sich für ihn die komische Maske, die das Zeichen seines Berufes darsteltte, in die tragische gewandelt und seinem Schicksal den Stempel gegeben. Alles häufte sich, um ihm die Freude am Dasein zu rauben. Sicherlich hat ihm der Zeitwandel die Möglichkeit genommen, seinen Humor frei zu entfalten. Dann entriß ihm eine nicht zu heilende Krankheit die Gattin. Er und seine Mutter sahen keinen anderen Weg als den einen, der hinaus-, aber niemals zurückführt. Sie haben sich das Leben genommen. So kraß sind die Gegensätze, die das Erdenwalleii mit sich führen kann, so erschreckend der Widerspruch, der einen lachenden Dtenschen zn einem verzweifelnden macht, ihn und seine Mutter. Bis sie friedlos und hoffnuugsfremd wieder im Schoße der großen Mutter, der Erde, vereinigt werdeir... Mreö MesSerg Ö32E LM kLlkMllLll KlMvk Auf einer Kundgebung im Hamburger Zoo sagte Reichsleiter Alfred Roscnberg folgendes über den kulturellen und künstleriscl^en Kampf der Leivegung: „Künstler, die 14 Jahre lang von Juden und Marxisten geprägt wurden und von ihnen ihre Lorbeeren pfückten, werden uns heute von gewissen instinktlosen Menschen und ganz bestimmten politischen Hintermännern als unsere Revolutionäre ausaeschwatzt. -Hier ist es an der ^Zeit, mit allzu großer Rücksichtnahme zu brechen. Ich glaube, wenn der Bersuck gemacht werden sollte, diese Bestrebungen sortzusetzen, auch einmal der Bewegung die Geduld reißen -könnte. - Es geht unseres Erachtens nicht an, daß solche Künstler des Marxismus heute noch Eingang finden . in-staatliche und städtische Kunstsammlungen. Es geht nicht an,, daß ihre Werke heute noch mit den Geldern des nationalsozialistischen StaateZ gekauft werden. Wir haben kerne Ursache, nach den-'Erlebnissen der letzten einemhalb Jahre hier noch weiter entgegenzukomrnen. Jeden Versuch der Ausröllung der nationalsozialistrschen Kulturfront .werden wir aufzuhalten wrssen, .. . . , —

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