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Central-Verein-Zeitung · 1934-12-13 · 50 (13.12.1934) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
50 (13.12.1934)
Date
1934-12-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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o „Sü §?!. Deutschlands, überall wo . tooqitten, haben in der vorigen Woche Chanukka-Fetern für Alt und Jung stattaeun^et6d begrenzten yiaum§ nicht möglich, all die Berichte, die nutz öiefc 3*^tn geschickt wer- Pf.”' 'A.^f üeritlichen. Die Stimmung, die sie wrderspiegeln, und die überall die gleiche ge- Jd^mtrlin3 in bresein nachstehen. d}euigefangen zu sein, den unsere ..Mitarbeiterin als Eindruck eines Spazier- §2N32 durch Berliner Ghanukka-Feiern vcrhat. Tie Schrifttoitung. Das Chanukkafest, von dem früher weite jüdische Kreise kaum Notiz nahmen, ist in diesem Jahr hinausgewachsen aus dem kleinen Nahmen. E« erfaßte mit .seinem Zauber — mit dem Sinn der neuen Lebens Hoffnung, die aus ruhmvoller Erinnerung steigt — eine Gemeinschaft, die, durch die Not der letzten Zeit erst wieder zusammengeschmiedet, sich ihres Daseins und ihres ewigen Schicksals be-' mußt geworden war. Und auch der Mensch. der in diesen Tagen, fremd in der großen Stadt, den Kreis seiner Lieben im Schein der Lichter entbehren mußte.— auch er konnte sich nicht einsam fühlen, weil er überall, in großen und fleinen, aber immer überfüllten, Räumen Brüder und Schwestern fand, mit denen ihn die Weihe der gleichen Feier vereinte. Ja. überfüllt waren die Veranstaltungen jeder Art: aber man beschränkte sich gern im Raum, weil man fühlte, daß es ein Geistiges und Seelisches war, was einen znsaniinendrängte. Ta waren zuerst die Binder, und Jngendfeiern: man bot ihnen ein ^-est frer echten jüdischen Gesinnung, bei dessen Gestaltung umu sie selbst Mitwirken ließ. An riesigen Kaffeetafeln saßen sie bei deii Nachmittagsfeiern, mitten unter der Buntheit von Blnmen "nd Fähnchen und im Glanz der Lichter und der eigenen, strahlenden Blicke. Tie Händchen hielten die kleinen Geschenke fest umklammert. Und die Binder waren alle glücklich, ganz gleich, oils welchen Kreisen sie kamen. Richtige kleine Boxer, unerschrockene Berliner Kinder, hatten sich im „Borklub Berlin" zusammcngcfunden. Als ihnen Tr. L e w i n von den Helden vor 2000 Jahren erzählte, an die sie immer denken sollten, da fühlte man förmlich, wie sie sich im Geist schon die Aermel hochkrempelten'. Aber sie konnten dann doch wieder ganz zart sein bei der reizenden kleinen Revue, die Edith Jakob-Jansen ihnen einstudiert hatte; und beim Zauberer Jaks dergaßen sie vor lauter Staunen alle käinpferischcn Gelüste. — Tie Kinder des R. I. F. feierten in den verschiedenen Bezirken der Organisation; Lucie Gelber? Kindertheater und ihr kleines Orchester waren da, Volkslieder wurden gesungen, Bauchredner, Hampelmänner und alles, was so dazugehört; im Osten hielt Tr. En gelmann eine kleine Ansprache. — Ter S y n a g o g c n v e r e i n Friedenstempel hatte die Kleinen ins Cafä Leon eingeladen; ein gut geleitetes Programm brachte Vorträge in Deutsch und Hebräisch, von .Kindern wurde die Chanukkageschichte erzählt und dann, da eben Sabbath-Ausgang war, Hawdoloh gemacht, und den Abschluß bildete eine besonders nette Ausführung des Ehannkkamärchenstückes „Jomi Ben Jogli". Dieses gleiche Stück, das den Kindern die geliebten Könige und Prinzessinnen bietet und dabei soviel von jüdischem Geist, wie es für sie angemessen ist, wurde auch bei einer Veranstaltur.g in der Knabenvolksschule Kaiserstraße gespielt — von diesen Kindern der ärmeren Schichten in weniger glänzendem Nahmen,, aber vielleicht mit mehr Urwüchsigkeit; der arme, gute Jomi ist doch einer der ihren, und sein großes Glück ist ihr Kindertraum! Von herzlicher Frische war der Wanderchor, den diese Kinder spielten und sangen, ebenso wie die Sprechchvre, deren einen ein Lehrer der Schule gedichtet hatte. — Sehr viel, vielleicht ein wenig zuviel, wurde den Kindern vom S y n a g o g e n v e r e in Lützo w - st r a ß e geboten; herrlich waren dort die von Erwin Jospe geleiteten Kinderchöre, herrlich, wenn auch mehr für die Großen, der Gesang von Paula L i n d b e r g und Lberkantor I o h n; Nabbiuer Dr. Salomouski sprach von dem Sinn der Lichte als Jahrzeitlichte, die nu die größten Helden der Menschheitsgeschichte erinnern und besonders vom „Schammes", der als Diener im reinsten Sinn zmn eigentlichen Führer wird, an dem sich die anderen entzünden; die Leitung des Nachmittags hatte Herr Auerbach. Zwei scharfe Gegensätze bei den Feiern der reifen Jugend: Tort ein großes, klingendes Vergnügen mit Musik und schimmernden Kleidern von der Berliner S p o r t - G e m e i n s ch a f t, Ueberfülle ans den Tanzparkctts und Belustigungen. Hier eine Feier der S t u d e n t c n s e c l s o r g e für den heute so kleinen und ernst gewordenen Kreis jüdischer Studierender; in der engen Wochcntagssynagoge in der Heidereuthcrgasse eine stille Feier, bei der Rabbiner Tr. W i c n e r eine Ansprache hielt; keine Predigt, eher ein religiöses Kolleg, in dem er sich mit dem Gedanken des allgemein Nationalen bei der jetzigen Nenbegründung des Judentums auseinander setzte, mit der Zeit, die unauslöschlich in der Vergangenheit liegt mit all ihren Vorzügen und Fehlern, und die heute Mitwirken muß bei der Einlehr für den geistigen Menschen und seiner neuen Erfüllung mit altem Gut. Tanach blieb man noch in einem einfachen Raum im Gemeindehaus zusammen, uud Silbergleit las aus seinen Werken; es war, trotz aller Fröhlichkeit, ein ernster Abend, der nachdenklich, ein bißchen wchiuütig, aber vielleicht auch kämpferisch stärker machte. Und die Chanukkalichter leuchteten auch den Erwachsenen aller Kreise, sic strahlten über graue und weiße Köpfe und in ihrem Schein glättere sich für Stunden manchje sorgenvoll gefaltete Stirn. Einen schönen Abend, nur für ihre Bedürftigen, gab die I ü d i s ch e W i n t e r h i l f e in der Synagoge Prinzregeutcnstraße unter Mitwirkung von Öberkantor John; Max G u n d e r s h e i m betonte einleitend den Zusammenhang des Lichterfestes mit den Abenden „Freude im Winter", deren Sinn die Pflege der Gemeinschaft uud die Erbauung ist. Ilse Jntrato^-Davidsohn rezitierte, Hans Baer war am Klavier und Alfred M a i an der Orgel; die herrliche Stimme von Leni Ginzberg-Szcndy trug das „Höre Israel" von Mendelsohn durch den weiten Raum. — Bei einer Weihestnnde in der Synagoge Levetzowstraßc sprach Rabbiner Dr. Lewk o w i tz von der neuen Hoffnung des Judentums, die aus Geschichte gegründet nicht nur dulden lasse, sondern auch die rechte Tatkraft und Lebensbcjahung gebe. Toni Türk. Toni D a s e n und Oberkantor Fried mann sangen, außerdem musizierten R o s £ i n 3 Chor und Kammerorchester. — Auch in weniger geweihtem Nahmen gab es stimmungsvolle Feiern. Die Ortsgruppe Weißensee des C.-B. und der Jüdische F r a u e n v e r e i n Weißenscc hatten am Donnerstag zu einer Chanukka-Feier in den „Berliner Hof" geladen. Lange vor Beginn e.rwies sich der Saal als,zu klein. Tie alten, schönen Klänge des Moauszur leiteten den Bortrag von Arnold Stein „Chanukka — ein Mahnmal für Gegenwart und Zukunft" ein. Alice Gcstscnberg, von Hans Zutrauen begleitet, erfreute durch herrlichen Gesang. Tie von dem Vvrsitzen.den des C.-V„ Leo Lcß, eingerichtete Tombola rief bei den Anwesenden Ueberraschung und Freude hervor. — Ueberaus starken Besuches erfreute sich auch die gemeinsame Chanukka-Feier der C. - V. - O r t s g r u p v e N o r d o stc n und des Ncucn Synagogen- Vereins Rykcstraße. Der Vorsitzende L. Intkowski konnte mehr als 1500 Gesinnungsfreunde begrüßen. Unter Leitung des Ehordirigenten. Kantor Akiba Schreiber, sang ein Knabenchor nicht nur das Moaus Zur, svudern auch andere stimmungsvolle Gesänge. Dr. Friedrich Brodnitz warf in seiner Ansprache die Frage auf, ob wir berechtigt sind, Chanukka zu feiern und forderte alle Freunde zur Tat des Helsens auf. Rabbiner Dr. S w a r s e n s k y sprach über die Bedeutung des Geistigen in dieser Zeit und riß mit seiner hervorragenden rednerischen Leistung die Versammlungsteilnehmer zu Stürmen der Begeisterung hin. Tiefem ernsten Teil der Feier schloß sich ein Kabaretteil an. Die Mitglieder des R c l i g i o n s v e r e i n s Friedenau hatten sich in großer Zahl zu einem schönen, festlichen Abend versammelt, zu dessen Gelingen Mcr.r 3Ji anssc! ds volle Stimme beitrug. —. Im Borclu b Berlin sprach Rabbiner Tr. S w a v s c n s f y an einem Abend, der dann in Heiterkeit und Tanz ausllang. Das Olga S t c r n - H e i m versammelte das würdige Alter zu einer würdigen, künstlerisch hervorragenden Feier in seinen Räumen: wundervoll klangen die Stimmen von Paula Lindberg und Wilhelm G u t t m a n u zusammen, dazu herzliche Worte von Margarete Jacoby. — Neben dieser stillen Feier steht wieder eine in ganz großem Nahmen: etwa 1<500 Menschen waren bei dem Wohltätigkeitssest des W ohljahrts - und Jugendamtes in den Prachtsälen am Friedrichtshain! Rabbiner Dr. Sw ar sc ns ly fand treffende Worte der Erbauung und Hoffnung, die dann berechtigt ist. wenn aus dem Geist der Not der Geist der Solidarität erwächst. Herr Auerbach von der Jüdischen Kleiderkammer entzündete die Lichter, und dann wurde „Moauszur—" gesungen, hier mit Sarophonbegleitung — klangvoll. aber eigenartig. Ein kabarettistischer Teil und Tanz beschloß den Abend. Camilla S p i r a begeisterte, wie immer, das Publikum. Von der Erinnerung an diese feiernde Riesenmenge schweifen die Gedanken noch einmal zu einein kleinen, stilleren, aber nicht minder festlichen Kreis von Menschen aus dem früheren A n g e st e l l t e n h e i rn des C. - D.. die sich zu einer Feier getroffen hatten, die wie ein schönes Familienfest anmutete; dort gedachte Louis Wolfs des unvergeßlichen Ludwig Tietz in warmen Worten, Amandus L. A b r a h a m sprach Dank für die Mitarbeiter, die Gemeinde und den E.?A. Eine jugendlich glühende Rede hielt der junge Heinz W a r s ch a n e r; er erklärte die Channkkageschichte ans die einfachste und schönste Art mit der Idee einer Gemeinschaft, die noch nie ein Volk ivar, und dle unter Jnclerf Leiden eben einmal sagte: „ES ist genug". Er sprach von dem ewigen jüdischen Kamps,, der nicht ums Herrschen, sondern ums Leben geht und stellte die Makkabäer Simon und Juda gegeuüber^als die dauernde Verkörperung von Idee und ^Tat; eine Gemeinschaft, die immer treu zu diesem Sinn stand, war auch die versammelte, die ohne Heim doch eine Heimstätte in den eigenen Herzen hat. Der Zauberer Jaks war wie ein Vater, der seinen Kindern lustige Kunststückchen zeigt. Tr. Ernst G. Löwen tha l leitete den heiteren Teil des Abends, dem auch die Schreiberitt dieser Zeilen eigene Vorträge beisteuern durste. Eben diese Schreiberiu sah letzte Woche im Traum einen riesigen Ehanullaleuchtcr. der viel zu groß war. als daß ein Mensch die Kerzen, die alle brannten, hätte auslöschen können: und die Flammen wurden auch von selbst nicht kleiner. Vielleicht waren das die Weihelichter, die in jüdischen Herzen für eine längere Dauer als die einer Woche entzündet sind. Hilde Marx. M HsMÄ ÄS AMsckM Eines der ältesten und ehrwürdigsten Kult-' bückier aller Zeiten, die Ha gada h Schel Pesach. soll, U'ie uns aus Paris mitgeteilt wird, in einem neuen und modernen Gewände wieder erscheinen: als Oratorium. Der Komponist, Paul Dessau, der durch seine Kompositionen über die Psalmen und andere Musikwerke bekannt geworden ist. hat sich in Gemeiuschait mit dem Dichter Mar B rvd die Ausgabe gestellt, die Hagadah in ein abendfüllendes Oratorium 'einzukleiden. das in hebräischer Sprache erscheinen und. wie Komponist und Verfasser hoffen, feine erste Aufführung in Palästina erleben wird. In der Hagadah sind alle Elemente eines lhrisch-dramatischen Oratoriums in fick) vereinigt, die eine musikalische Gestaltung verdienen. Ge. toählt wurde die Hagadah, weil das Problem, mit dem dieses altehrwürdige Werk sich besaßt, das ewig jüdische, ewig alte und e>vig moderne ist: llnterdrüctung und Verfolgung. Knechtschaft. Mißhandlungen — Befreiung. Das Oratorium wird sich in vier Szenen gliedern, deren erste in einem jüdischen Haus der Gegemvart am ersten Sederabend spielt. Mit dem sJJui Nischtanoh beginnt die festliche Handlung, die. umrahmt von Kinderchören und Gesang der Männer, dann durch das Orchester übergeleitct wird zu der historischen Pesach - Feier, der Gelehrten in Bne Brat, die die ganze Nacht über den Auszug aus Aegypten feierten, bis ein Schüler hercintrat und sie mit den Worten ansprach: „Unsere Meister — es ist die Zeit des Morgengebets herangenaht." Nach dem Text der Hagadah werden dann die zehn Plagen geschildert, der Durchzug durch das Rote Meer, der Uutergang der Aegypter und die endliche Befreiung. Die Ausgestaltung dieser Szenenfokge soll rein oratorisch. nicht szenisch vor sich gehen. Wenn man bedenkt, welche Unzahl von traditionellen, durch die Jahrhunderte hindurch gepflegten uud gesungenen Melodien den Text der Hagadah und die sich unmittelbar an die Erzählung anschließen, den Semiroth begleitet, wie fast jedes Land diese ehrwürdigen Kultgesänge mit immer verschiedenen Nuancierungen singt, dann kann man sich eine sehr liebevolle und interessante Ausgestaltung der Hagadah als Oratorium, die jedem jüdischen Menscheu etwas Unvergeßliches bleibt, lebhaft vorstellen. F.G-tr. C.-W.-Lases’ trinken.nur den Kaffee, Tee, Kakao der Camaja-Kaffes GroSrisfersi OrcEsa Vertreter werden noch eingestellt M SSMGttW Im Mittelpunkt des T e z c m b cx I] c ftc § des „Morgen", das Rabbiner Manfred olfflt* t . rV.. i rr (. _ fr — W, 4,»'T) n m lungen über das 'Mittelalter. Äieranoer ri Lima n n (..Tie religiöse Welt des 'Mittelalters") zeichnet die Struktur des jüdischen Geisteslebens im Mittelaller, in dem er Mystik, Philosophie uud Halacha als die „drei Ströme, die das Erbe der Antike in die Phase des Mittelalters leiten" gegeneinander abhebt. ’ In tiefgründiger Darstellung weift er nach. >vie sich in der Myftik und der Philosophie die Beeinflussung diirch die mittelalterliche Umwell nicht verkennen läßt, ivährend sich die Halacha. das religionsgesetzliche Leben von dieser Beeinflussung am freiesten gehalten hat. Ueberhaupt falte ja. wie Altmann seiner Abhandliiiig vorausfreut, das Mittelalter Europas, wenn man es mit Spengler nicht als zeitlicheii, sonderii als Killtursorni-Begrifs niinnit. liickft mit dein südlichen Mittelalter zusarnnien. Im eiiisachen, zeitlichen Sinne ist der Begriff des Mittelalters in dem ausz'.igsrveise veröfsentlichteii Bortrag deS lnnders R. Travers H e r f o r d („Antike Bollv'erke der Kultur") geineint. Er nimmt keinen Ausland, es als „finster" zu bezeichnen, wenn auch nicht als so vollends, dunkel, wie man dies früher meinte, als finiter jedenfalls „in den höheren Tiufen menschlichen Lebens, in Religion. Ethik, Gelehrsamkeit". Drei antike Bollwerke haben nach seiner Tarftellinig „die ^chntze eines höheren Lebens" diirch die chaotischen Zeiten der Menschbeit bewahrt: der Abschluß -des ^crlmudS durch Afchi, die Konsolidierung der katholischen Kirche durch Airgiistiu iind die KodisUativu deS römlscheu R'echts diirch Jnstinian. In.dem Zeitlichen Zummmentrefsen dieser drei ischopsimaen k Z vor dem Zusaminenbrechen der aiitckeii Welt siehk Travers Herford ein ivunderbarcs Werk der got - suchen Vorsehung. Aiich der dem die prallestellung der drei vom Verfasser hervorgehobeiien Riomente n.ickit in sedem Puiikte zwingend erscheint. wird sich der überaiis iiüereyan.en charsicllung freuen, wenn er sich die ^rende an enrci Scnfen bewahrt hat, daß man als wahrhaft humauistifch bezeichnen kann. Humanistisch und gleichzeitig religiös; eine von humanistischem Geist getränkte Religiosität ist eS aiich — das tertinm coniparationis mag den Sprung über Zeit und Stoff rechtfertigen —, die aus des alten Johann Peter Hebels Biblischen Erzählungen spricht, die in einer kurzen Schilderung s..Die kümmerlichen Zeiten dauern fort") mit Recht der Vergessenheit entzogen werden sollen. In die Gegenwart führt die Besprechung des Werkes von Professor Joseph Nadler „Literatiirgeschichte der deutschen VolkSstänime und Landschasten", die Werner Cghnmann unter dem Titel „Jiiden in der deutschen Landschaft" vornimmt, beschränkt auf die Nadlersche Erörterung der Beziehiing ziir deutsch-jüdischen Literatur. Aiisgehend von der von ihm arigenoimnenen Unmöglichkeit des Eindringens jüdischen Denkens in deiitscheii Geist, bezeichnet Nadler die deutsch-jüdische Literatur als die Literatur „der größten Enttäusclmng. die ein Volk haben kann". Allerdings difsercnziert Nadler zwischen den dentschsiüdischen - Autoren; er gibt ihrem Bestreben und ihrem Gelingen. deutschem Geist nahe zu konunen, eine ganze Wertungsskala. auf deren unterster Stufe neben anderen ..Verstandesjuden" Heine steht — er tvirft ihm nicht nur Undeutschheit. sondern boshafte Tentschseindlichkeit - vor, während die höchste, dem deutschen Geist nächste Stufe nach Nadler neben anderen von Dindolph Borchardt und Hugo von Hosmannsthal eingenommen wird. Einer naiveren Betrachtungsweise, auch wenn sie von Nadlers Bor- ' anssetzungen ausgehen will, wird gerade diese Skala kaum verständlich erscheinen. Und auch Cahnmann hebt in seiner Besprechung sowohl die gewisse Willkür der Tiffereuzierung wie insbesondere die Problematik des Versuchs, „die Auswirkung des jiidischen auf die Völker unter einem einzigen Gesichtspunkt zusammenzufassen" zutreffend hervor. Das dunkle Zahlenbild. der deutsch.jüdischen Gegenwart ersteht in einer Uebersicht, die Lothar Bauer („Schicksal in Zahlen") über die die deutschen Juden betreffenden Ziffern der Volkszählung vom 16. Juni 1933 bringt: eine Zahl, die wir schon als eine Grundzahl angesehen hatten, die Zahl des 1 Prozent, das die deutschen Juden unter der deutschen Bevölkerung darstellen, ist als Folge der Ueberalterung und Auswanderung nicht mehr richtig: nur noch 0,77 Prozent ist der 'Anteil der deutschen Juden. Ins Aktuellste führt die lebendige Schilderung, die Otto Neuburger, einer der Herausgeber und Redakteure des in diesen Tagen erschienenen Philo-LerilmiS, von dessen Entstehung gibt. Wir sollen cs nicht niir zum Nachschlagen benutzen, sondern auch lesen, sagt uns die Anweisung zum Gebrauch, die Neubiirger gleichzeitig gibt. Aus dem übrigen Inhalt des reichen Heftes feien lioch die Gedenkworte Fritz B'a m - bergers zum 60. Todestag Abraham Geigers und zum 100. Todestage David Friedländers hervorgehobeii. f. E. F. Aus Kunst und IWissenschaft In Wien ist unter Teilnahme zahlreicher Professoren und Dozenten der Universität eine Gesellschaft für Soziologie und Anthropologie der Juden gegründet worden. Vorsitzender ist Universitätsprofessor Dr. Harry Sicher, sein Stellvertreter Universitätsprofessor Dr. Emil G o l d - mann. Die Gesellschaft beztoeckt, die Erkenntnis der die Juden betreffenden soziologischen und' anthropologischen Tatbestände in streng wissenschaftlicher Weise zu fördern und zu verbreiten. Zum Ehrenvorsitzenden der Gesellschaft wurde Dr. I. Zollschan gewählt. In einer Sitzung des Kuratoriums des der Frankfurter Universität angegliedcrten Instituts für Kulturmorphologie wurden verschiedene Gelehrte zu korrespondierenden AUtgliedern des - Instituts bernfeü. Unter ihnen befinden sich die Professoren Dr. Daro L e v y aus Florenz und ' Dr. Freiherr von Heine-Geldern aus Wien. , Zur Eröffnung deS Instituts „Benito Mnsfolmi" in Nom, das in der italienischen Presse als die größte sanitäre Einrichtung der Welt bezeichnet wird, hat die italienische Negierung eine Neihe von hervorragenden Gelehrten aus allen Ländern eingeladen. Ans Deutschland waren, tvie die Tagespresse berichtet hat, Ministerialdirektor Dr. Gütt, der Leiter der Medizinalabteilung des Neichsinnenministeriums, Professor Dr. Sauerbrrich (Berlin) und neben ihnen die Berliner Tnberkulosesorscherin Frau Professor Dr. Lydia R a b i n o w i t s ch - K e m p n e r geloben. Alle drei Wissenschaftler wurden dem Ministerpräsidenten Mussolini vorgestellt. Im Alter von 62 Jahren starb in Frankfurt am Main in der fttacht vom 7. zmn 5. Dezember der jüdische Komponist Bernhard Sek l es. Er hat fast seine ganze Lebenszeithindurch in seiner Vaterstadt gewrrtt und gearbeitet: er uvtt Schüler des bekannten Hvchschen Konservatoriums, an deiner später, nach einem Intermezzo als Kapellmeister in Heidelberg und Mainz, Theorielehrer nmrde. Tann übernahm er mit Fritz Bassermann und Engasser das Direktorat und lourde stftließlich alleiniger Leiter des Institutes. Hier hat er eine große. >oeit zurückreichende Tradition wohl zu ivahren geivnßt. Von feiner didaktischen Tätigkeit zeugen Lehrbücher ('Mnjikdiktat u. a.). aber auch siir den spielerischen Unterricht sehr kleiner Leute hat er Inniges geschrieben (z. B. den netten ./Mnsikbankasten")'. Vor allem aber ist Sekles. dessen bedeutendster Kompositionsschüler Hindemith war. als Komponist hervorgetretc'n. Er hat ans fast allen Gebieten der musikalischen Formenwelt gearbeitet. Er suchte oft seinen Werken ein fremdes, orientalisches Kolorit zu geben: das kommt schon in der Wahl der Programinc'ntn'nrfe zum Ausdruck lOper „Scsiehrazade". Lieder nach Hafis, eine sinsonische Dichtung „Ans den Gärten der Semiramis" nsw.). Uns Inden ist daS^ Orchestervorspiel zu „Tybuk" interessant: viel Beifalls fand eine K'vnzertvnoertüre „Ans dem Lüden", die der 'Berliner .Knltnrbuud kürzlich brachte, auch die „Gesichte", knappe, stizzenhaste Sätzchen für kleines Orchester, bergen Werte. War Sekles der ganz große Erfolg auch versagt, so hatte er doch mit vollem Necht seinen ehrenvollen Platz unter den musikalisch Schassenden in Deutschland. _ L. A. Berichtigung. Der Bericht über die vom '.Mannheimer jüdischen Lehrhans veranstaltete Lichtbüderansstellnng in der vorigen Nummer der „C.-V.-Zeitnng" ist versehentlich unter der lleberschrist „Lichtbilderansstellniig in Mainz" erschienen. Die Ausstellung hat selbstverständlich in Ntannheim stattgesnnden. Rcichsdcrband Israelitischer Schwerhöriger e. A. („Risch"). Sekretariat: BerliinKliartottenblich. 2lyhelstraße 23. Kostenfreier SprawalKeseunlercichi für Anfänger und Fortgeschrittene Mittwochs.!*'•:. lUn’ im Tagesheim Kant straße 12N. <e>ottesdie-'ist in her Spnagoae LüHolvstraße lSchiverHöriaen-.' llelliöierl EHanukkawier: 22. Tezembcr, 11* Uhr. Joaä im-slhaler '--trabe 12 a.

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