Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 50 (13.12.1934)
- Date
- 1934-12-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Das Blatt der Deutschen Jüdin Nummer 50 13. Dezember 1934 2. Beiblatt der C.-V.-Zeitung Bitte um neun Uhr... . . Also, ich lade dich für heute Abend feierlich zu einem Familienabcnd bei uns ein, n.uult neun Ilhr abends ist alles im Wohnzimmer versammelt, gegessen natürlich, keine gremen Umstände, kein Abendkleid, srischgen'asehene Hände. Abendbrot gibt es schon mn m-ht Uhr, Herr Doktor, es wird ein Vergnügen lein, mit Ihnen heute einmal einen geniüt- Uchen^Abend zu^verleben, Ihr Herr Lohn unD;\hr ^ränlein Tochter haben liebensivürdiger- N'eiie^ auch ihr (Erscheinen zngesagt, — was lncinfl du. weshalb ich dich vor Jahren gelieiratet habe. Bestimmt auch deshalb, um mit und den Bindern einmal Familienabend zu spielen, zu feiern, zu veranstalten, zu, na was du willst..." „Famllienabend? Leiern? Veranstalten? Hat denn jemand von uns (Geburtstag? Vielleicht ich? Iran. Gattin, Mutter meiner Vauder, so eine lange Aede hast du mir noch iiie gehalten, sprich, ivas zeichnet diesen Abend veii allen anderen Abendeii ans. wir wollten doch heute zu Hanse bleiben iiiid jetzt kommst du mit einem Programm ..." „Einfach zu Hanse bleiben, ja daS ist noch lem^Famitienabend. Ich sehe schon, ich mutz die Lache durch Ginladungen erst in Schuß bringen. Wenn ihr am Abend nicht zu einem Vortrag oder ins Theater oder ins Kaffeehaus geht, men» ihr nicht cingeladen seid, oder wenn ihr nicht um halb zehn Uhr schon im Bett liegt Mid schlaft, dann ist das eigentlich ein verlorener Abend. Gin richtiger Familiennbend mit Vater niid Mutter. Lohn und Tochter je 'nach Vorrat, mit Großmutter imd sehr viel Aepseln .. ." „Ist bei uns alle Abende, was willst du eigentlich, sehr verehrte Gattin?" „Weiht dir, das ist gar nicht so einfach zu schildern. Wenn wir abends zusammenblciben, so ist das gewöhnlich so eine Art Litzenbleiben nach dem Abendbrot, die Gleichgültigkeit des Tages rieselt langsam in den Abend herein, wir sitzen einfach da, weil wir nichts besseres Vorhaben, weil wir kein Geld zum Kino haben oder keine Luft oder sonst waS; und dabei könnten wir gar nichts besseres unternehmen als zusammen zu sein. Aber das genießen wir nicht, ganz unbewußt und lethargisch horten Wie lesen wir mit unseren Kindern? Von Dora Edinger, Frankfurt a. M. Wir Mütter sind kür die unendlich schweren Ausgaben, die die Erziehung unserer minder uns heute am'erleat, oft nicht gut vorbereitet. Das ist eine unbestreitbare Tatsache: aber trotzdem müssen wir die Aufgabe doch meistern! Ter Raum der Familie, so gesichert und warm er scheinen mag, genügt heute nicht mehr, um unsere -linder so stark zu machen, daß sie als aufrechte und ungebrochene Menschen heramvachsen können: sie müßen auch außerhalb dieses beschützten Aaumes Stand halten. Und dazu sind Wurzeln nötig. Wurzeln, die hinunterrcichen in tiefes Tnnkel. ans dein aber -träfte aufsteigen in die junge Pflanze. Tics Tnnkel, dieser Wurzelboden, ist die jüdische Vergangenheit. Tie hat uns alle gestützt, ohne daß wir uns dessen bewußt waren: heute müssen wir schon früh in diese Untergründe hineiuleuchtcn, dem jungen -linde schon sagen: „Unter solchem Truck blieb der Funke doch. Laß auch du ihn nicht erlöschen, denn du bist nur Glied einer gewaltigen -bette, und was du heut erlebst, haben die Generationen deiner Vorfahren geformt/ Um aber so zu sprechen oder, besser, um die tiefe innere Gewißheit zu besitzen, die allein Worten Inhalt gibt, muß man mehr von dieser dunklen Vergangenheit wissen, als was früher für unsere „Bildung" zu wissen nötig schien. Wie kann die Mutter dies Wissen erwerben, das sie nun wir herum, sind müde, abgespannt, und gähnen gclangweilt. Wenn wir getrennt wären, du lebtest in einer anderen Stadt und die Kinder wären fort, weiß Gott, was wir für so ein paar Stunden hergäben . . „Weiß Gott . . „Ja, also heute Abend um neun Uhr, da darfst du erst deine Zeitung lesen, so wie immer, nein, nicht so wie immer, hier und da einmal mußt du anfschauen und dich freuen, daß mir alle beieinander sind, und ich stricke den Jumper für Luise wie immer, nein, nicht wie immer, hier und da schaue ich auf und freue mich, daß ich euch alle habe, und Luise darf schmökern so wie immer, aber dann, wenn du mit der Zeitung fertig bist, dann soll sie uns etwas vorlesen, du darfst dir wünschen, was. vielleicht suchen wir uns etwas ganz altes und schon längst vergessenes heraus, ich habe heute zufällig an „Benno Stehkragen" denken müssen, ich mochte diesen betrügenden Heiligen immer so gerne, ja, von Ettlinger ist das Buch, oder etwas anderes, und nachher wollen mir lauge überlegen, was für eine Platte wir anflegen, nicht gerade Mozart, weil die Platte zuoberst liegt, sondern gerade Mozart, weil wir nach langem Hin und Her lins eiustiuunig dafür entschlossen haben. Und zwischendurch essen wir ununterbrochen Aepfel. Und sagen uns, mic gut lins die Aepfel schmecken. Tas ist lvichtig. Wir lvollen heute abend nicht alles sv selbstverständlich nehmen, wir wollen es merkwürdig finden, daß das Schicksal gerade uns vier zusammen in ein Zimmer gesteckt hat. lvo wir doch zufällig sv gut zueinander passen, mir wollen unS erst begucken und bestaunen, ja wir wollen zuerst tun, als ob wir gar nicht so vertraut miteinander wären, und wollen uns dann nachher schrecklich wundern, wie gilt wir uns verstehen lind wieviel gemeinsames wir haben. Gemeinsame Bekannte lind gemeinsame Interessen, gemeinsame Ansichten in manchem, eine gemeinsame Wohnung. Guter, wir wollen darauf kommen, daß .wir ein gemeinsames Leben haben lind rms unbäildig darüber freueil, lind deshalb und noch aiis taufend anderen Gründen wollen mir heilte einen Familienabend feiern." 0. LI. heute so bitter nötig braucht? Am besten, indorn sie an die Duellen selber geht, die so unendlich viel stärker rvirken als irgendeine Bearbeitnng. Quellen, wie sie etwa in der Tchocken-Bücherei sv leicht dargeboten rvcrden, und zu deren Er- läuterung irgendein jüdisches Geschichtswerk heran gezogen werden kann. Biele größere Gemeinden haben jüdische Museen: hier ist — was Franenart vielleicht noch mehr entspricht — in leibhaftigen Aeliguien die dunkle jüdische Geschichte gegenwärtig: anderswo ist es ein alter Friedhof, der unfern Blick vom verwirrenden „Heute" hinlenkt zum stummen und doch so beredten „Geweseneri". Manche Werke der gnten älteren Literatur — Tcott und Aaabe und Dickens und Neuter — enthalten Porträts jüdischer Menschen der voreinanzipatvrischen Epoche: ivenn die Mutter heute in der Zeit der allgemeinen Einschränkimg der Ausgaben für Bücher den Lesestoff ihrer Kinder besonders sorgfältig wählt, so wird sie oft zu der Frage kommen, wie sie sich zu diesen Schilderungen verhalten, ob sie ein sonst wertvolles Buch ablehnen soll, bloß, weil das Jüdische darin uns heute ungerecht gesehen erscheint. Das soll sie nicht tun. Sie wird vielmehr auch hier anknüpfen dürfen, verständlich machen, warum die Juden so fremdartig auf ihre Umwelt wirkten, und erklären, wie es zu dieser Situation kam. Auch das „lesen mit verteilten Vollen" ist etwas, was heute aus der Mode gekonunen ist und doch so viel erzieherische Handhaben gibt — genau wie das häusliche Theaterspicl —, führt an ähnliche Probleme heran: ich ' habe schon bei sehr jungen Kindern viel Berständnis dafür gesunden. Mit größter Vorsicht möchte ich an den Schatz chassidischer Ge¬ Else Jeanette Dublon, die mit ihren Tänzen im „Oestlichen Bilderbogenals ,,Rebbele4t (linkes Bild) u. tf. m. im Kulturbund und in der Künstlerschaft in Berlin und im Reich ausser gewöhnlichen Erfolg hat Phot. Herbert Sonnenfeld (Berlin) schichten heranzugehen raten, wie sie von Bnber für uns neu geformt lvnrden: bei der verhältnismäßig geringen Fahl guter geeigneter Jugendbücher liegt die Versuchung nahe, auch diese Kostbarkeiten -lindern nahe bringen zu nwllen, die für sie noch nicht reif fiitb. Ebenso möchte ich über das Religiöse, das Gebet der Kinder, die Heranführung an die Bibel und den Gottesdienst hier nicht sprechen, weil sie m. E. hieraus nur dann zur Kraftquelle für das junge Kind werden können, wenn der Tarbietende in innerer Beziehung zu diesen religiösen Werten steht. Das ist aber nicht Sache des Willens und der Erkenntnis, und wer diese innere Beziehung nicht hat, wird sie auch seinem Kinde nicht geben können. Auf die rein historischen Werte trifft das aber nicht zu. Sie lvird jede jüdische Mutter selbst studieren und ihrem Kinde vermitteln können. sxoät 9. Fortsetzung Zum 15. Dezember/ _ Noch immer schien die Erde zu schlafen. Sie wollte auch rein gar uidjt ausmachen. Alan mochte noch so viele Körnchen Weizen in ihren Boden legen, sie keimte nicht. Die Erde schlief, sie wollte nun einmal nicht mehr für die Menschen arbeiten. Da nichts wuchs, kam der Hunger immer stärker über Menschen und Tiere. Auch in die Zelte Jakobs kehrte der Hunger wieder ein: wohl hatten die Söhne Jakobs mit ihrem Daker für eine Weile da zu essen, was der große Mann in Aegypten ihnen gegeben hatte, aber da viele Münder gestopft werden mußten, ging auch der Vorrat bald zu Ende. „Geht hin", sprach Jakob, „kaust neues Getreide in Aegypten." „Nein", siel ihm J'nda ins Wort, „Vater, wir können nicht hingehen ohne Benjamin, denn der große Mann verlangt nach ihm und du weigerst dich, ihn mitzillassen." Vater Jakob streichelte Benjamin den Kops; den Kleinen sollte er mitlassen, diesen Einzigen noch, der ihm verblieben war, von Nahel, seiner Frau, die so früh gestorben? Nahcls Kinder, die er so liebte! Josef, ihr Aeltester, war nicht mehr da, und dieser Kleine, der ihm die Freude seines Alters bedeutete, mußte er sich wirklich von ihm trennen? Juda sah, wie leidvoll Jakobs Blick an Benjamin hing. „Vater, gib mir den Jungen, bei meinem Leben, er soll wieder in deine Hände gelangen, laß ihn mit, denn das Brot ist gegessen, und wir müssen alle Hungers sterben, wenn wir nicht nach Aegypten ziehen, um neues zu kaufen." Jakob trennte sich schweren Herzens von feinem Sohne Benjamin. Die Brüder nahmen Geschenke für den großen Mann mit. auch doppelt so viel Geld, als das erste Mal, denn sie mußten das Silber wiederbringen, das obenauf in ihren Säcken lag, denn sie nwllten nicht als Diebe gelten. So zogen sie denn nach Aegypten. Zu Hause blieb ihr alter Vater, das Herz voll Sehnsucht nach seinem Jüngsten, und voll Kummer, da er nichts inehr von Josef gesehen und gehört hatte. '“Vibt mcI) * »cnren,MMA.. ßrüö e ü erteil .'tUW' neu Wieder, wie das erstemal, zogen die Brüder nach Aegypten. Abermals kamen sie durch verschiedene Tore zur Stadt herein und ' trafen sich vor Josefs. Haus. Als Josefs Diener die Männer sahen, berichteten sie es Josef. Sein erster Gedanke war, ob wohl die Brüder Benjamin bei sich haben? Joses ließ die Brüder in sein Hau? führen und beauftragte seine Diener, "eine wehen aufFörmenschonhert nW&t vermkn « erstaunliche Verbesserung der Figwrl" “ lürfte auch Ihr Urteil lauten, wenn 5 e diese len Abbildungen derselben Dame verg lei dien s *. cs — eine Figur mit allen nur denkbaren Man-, i, unschöner Fülle und ersehtffter \ hts - eine fehlerfreie, biegsame, iugendl.cn \ ende Erscheinung. iau so können auch Sie.Ihre.Figur iinen Gentila tragen. GentilaGurtelvermm Umfang augenblicklich, oitigen dadurch den lästigen J®* °nsa:f Dauer und schaffen weiche, fehlerlose Limen. überzeugen Sie sich von Wunde Wirkung ss Gentila durch eine unverbindlich-Anprab«. r verlangen Sie uns. Katalog F 96 (kostenlos). . GEHTU. BERLIN V/9. gengeschäft (am Potsdamer Flat.)__ UNSERE VERKAÜFSGESCHXFTE. 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