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Central-Verein-Zeitung · 1934-12-13 · 50 (13.12.1934) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
50 (13.12.1934)
Date
1934-12-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIII. Jahrgans / Nr. 50/"' Berlin, 13. Dezember 1934 Preis 20 Pfennig erein jj ü9 Ä C A m W Z Etwas von der Zauberkraft, die der Urmensch Benennungen beimaß. wohnt beute noch vielen Worten inne. Raum, daß sie ausgesprochen sind, scheiden oder vereinen sie die Hörer. Es gibt wohl kaum Worte, die innerhalb der innerjüdischen Diskussion so von dieser Magie umgeben sind, wie „Emanzipation". Für die einen ist es die Fahne, die sichtbar der Gemeinschaft voranschwebt, wenn auch das Wegziel im Nebel oder dunkler Ferne liegt: für die anderen ist cs der Vorhang, hinter dem sich, dem verschiedenen Inhalt des Wortes gemäß, die tatsächlichen Vorgänge abspielen: wieder für andere ist. es der Keil, der in die Gemeinschaft hineingetrieben wird, um zu stören. Wir kommen aber im menschlichen Zusammenleben ohne solche Worte schwer ans. Sie sollen das Verständignngsmittel von Mensch zu N len sch und kein Anlaß zur Verwirrung sein. Verwirnng entsteht, wenn man vorausseht, daß unveränderter Wortklang unveränderten Bedeutungsinhalt haben muß. Gerade die bedeutsamen und plastischen Worte haben aber den stärksten Bedeutungswandel durchgcmacht. . Ein klassisches Beispiel, wie Worte ihres alten Inhaltes entkleidet und ' mit vollkommen neuem Bedeutungsinhalt erfüllt werden, sehen wir in der Wortbindung Nationalsoziakisnius. Der Nationalsozialismus will mit dem aus liberalem Ursprung entstammendem Nationalismus des 39. Jahrhunderts ebensosehr nur das Wort gemein haben inte mit dem gewohnten Begriff Sozialismus, der von seiner materialistischen Grundlegung völlig befreit werden soll. Aber der N'ationalsozialismns hat keinen Angenblicl gezögert, die Zauberkraft, die diese Worte aus Menschen ausüben, zu verwenden, den Worten selbst aber und damit auch dem Denken der Menschen einen anderen Inhalt zn geben. Es ist an dieser Stelle der Versuch unternommen worden, die Klärung in der inneren Situation des deutschen Judentums zn fördern, die für eine sachliche Gemeinschaftsarbeit und für einen zielbewußten inneren Wettbewerb notwendig ist. Keine äußere Ungewißheit entbindet uns der Verpflichtung, uns über unsere Ausrichtung zur Zukunftssrage klarzuwerden. Wir empfinden die Verantwortung unseres Bemühens in voller Schwere. Zuviel ist noch im Flusse, als daß nicht größte Behutsamkeit nahcläge. Aber gerade aus dem Gedanken der Verantwortung heraus muß stets von neuem an der Klärung und Sicherung unseres Ideenbesitzes gearbeitet werden. Wir haben freilich nicht den Eindruck, als ob kritische Einwendungen von dritter Seite ihrerseits von dem gleichen Empfinden der Gefamtverantwortung getragen seien. Was verstehen wir unter „Emanzipation"? Emanzipation bedeutet geschichtlich einen Vorgang, durch den ein Mensch ans einem Zustand minderen, Rechts zum Vollrecht seiner Umwelt gelangt. Inden-Emanzipation ist demnach die Verleihung von Rechten nach 'Maßgabe der Rechtsordnung ihrer Umwelt. Es ist natürlich, daß das 19. Jahrhundert mit seiner Betonung' sormalrechtlicher Werte auch die Juden-Emanzipation in besonderem Maße als einen Rechtsvorgang ansah. Das Bestreben sowohl des Staates wie der Juden mußte dahingehen. die gesetzgeberische Entscheidung gesellschaftlich zu rechtfertigen: der Staat, indem er den Juden Bewährungsmöglichkeiten in allen Gemeinschaftszusammenhängen bot. der Jude, indem er sich bemühte, in die Vorstellung hincinznwachsen, die der Bürger sich allgeincin von dem Mitbürger geformt hatte, den er als Mitgestalter des Gemeinschaftslebens anznerkennen gewillt ivar. Diese Vorstellung unterliegt der Wandlung, und de^- halb ist ein Emanzipationsvorgang zum Lchcitcrn verurteilt, bei dem ein Zustand eintreten kann, durch den Juden der herrschenden Vorstellung vvm mitverantwortlichen Bürger nicht entsprechen körmen. Die Ariergesetzgebung bedeutet im Kern nichts anderes als die Formulierung der Wertvorstellung, die die herrschende Meinung über die Zulässigkeit hatte, das deutsche Judentum am Geineinschastslebeu mitgestalten zu lassen. Der Beginn unserer Emanzipation schuf einen Rechts,zustand und überließ seine Rechtsertigung der Entwicklung. Aiich die Ariergeseßgebung schuf eineu Rechtsznstaud. Aber wie die Emanzipation des vergangenen Es gilt einen schiveren Abschied, den letzten Gruß an Freund Baruch. Ein Leben, das durch Arbeit köstlich geivcscn ist, hat geendet, und ein Mensch, dessen Herzschlag für andere klang, läßt uns zurück. Aus dem Süden, wo er von langem Leiden Genesung suchte, brachten die Kinder die Asche in die Heimat, der seine Arbeit, seine Svrge, seine Liebe jederzeit gegolten hat. _ In Herford, der Stätte seiner stärksten beruflichen Tätigkeit, dem Orte, an dem seine Frau ihm im Tode vvrangegangcn war, ruht er ans. Isidor Baruch gehörte jener Generation jüdischer Wirtschaftler an, die aus kleinsten Anfängen in ernstester Pflichterfüllung an die Spitze bedeutender Unternehmungen gelangte, die aber stets mehr als nur Geschäftsmann gewesen sind. Die Herforder Gemeinde verdankt ihrem langjährigen Vorsitzenden unendlich viel, der Landesverband -Ostwestfalen-Lippe ' des E.-V. ist Baruchs Persönliches Werk. In diesem Bezirk ist dank der Großzügigkeit Baruchs vorbildlich-gearbeitet worden, und mancher später allgemein übliche Zweig der C.-V.-Arbeit hat dort seine Probezeit erfahren. Unser Baruch gehörte aber auch noch in einer aitderen Bcziehtmg zu jenem vorbildlichen Wirtschastlertyp. Als er sich von der aktiven Berufsarbeit zurückgezogen hatte und Berlin znm Wohnsitz erwählte, bedeutete das für ihn keine erhöhte Muße, sondern vermehrte Arbeit im Dienste unserer Sache. Dieser erfahrene Wirtschaftler mit der großen Personenkenntnis weit über den E.-V.-Rahmen hinaus, mit der umfassenden Erfahrung in der praktischen E.-V.-Arbeit war der gegebene Vorsitzende des Verwaltungsausschusses des E.-V. Jahre hindurch verging mit Ausnahme der Urlanbswochen kein Tag, an dem er nicht einige Stunden in der Hauptgeschäftsstelle die Finanz- und Derwaltungsfragen bearbeitet hätte, mit jener Genauigkeit, die eben so sehr durch die Liebe zum Detail, wie durch die Kenntnis der großen Linie der Arbeit bestimmt war. Baruch war ein , persönlich liebenswürdiger. aber sehr entschiedener Vorsitzender seines Ausschusses. Richt ein Kompromiß um jeden Preis, sondern die Ueberzeugung von der Notwendigkeit der Maßnahmen war sein Vcrhandlnngsziel. .Auf zahllosen Reisen hat er den Verwaltungsanfban des E.-V.. durchgcprüst und durchgesührt. Eines hat ihn dabei Jahrhunderts von der Zeit uttd ihren tragenden Gedanken bestimmt war, so kann eine neue jüdische Zielsetzung in Deutschland nur dann geschichtlich gerechtfertigt erscheinen, wenn sie aus den heute mächtigen Zeitgedanken Rücksicht uitnmt. Ter Sinn kann aber nicht darin bestehen, die Ariergcsetzgebnng etiva von uns aus zn rechtfertigen; diese Rechtfertigung hat der Gesetzgeber selbst durch seinen Hinweis ans die tatsächlichen Verhältnisse innerhalb einzelner Bernfsgrnppen und ans das Rassenprinzip als Voraussetzung für die Mitbestimmung am immer am stärksten beschäftigt: Menschen für die Arbeit zu finden, die im E.-V. kein Parteibcamteutum, sondern den äußeren Rahmen für die Auswirkung ihrer Ziele und Gedanken vom deutschen Judentum suchten. Begabungen war er Freund und Mäzen, gegenüber Versagernvon entschiedener Schärfe. In den bedeutsamsten Monaten der letzten Zeit ivar er ans seinem Posten. Aber sein mit Tapferkeit und Energie ' gezähmtes Leiden zwang ihm im Sommer VXY\ den Entschluß ab. vom Vorsitz des Venvaltnngsansschnsscs. znrückzntreten. Er hinterließ eine geordnete Wirtschaft, ans der gut weitergeban't iverden konnte. Die innere Verknüpfung zwischen ihm und uns hörte nicht ans. Wo und wann er nur tonnte, stellte er sich in den Dienst des denk-- scheu Judentums. Vor ivenigen Wochen, als. nur ihn in der Klinik znm letzten Riale sprechen konnten, war er voll Hoffnung auf Genesung und voller Pläne für die Zukunft. Wir ahnten die Hoffnungslosigkeit des Zustandes und lebten in Sorge um ihn. Nun ist Trauer und Schmerz in uns. Waren wir in der Arbeit für das deutsche Judentum uns nahegetreten, so verband uns mit diesem liebenswürdigen, jederzeit hilss- und opferbereiten Menschen herzliche Freundschaft. Er hat cs stets als seine Ausgabe angesehen,mit bescheidenstem, zartestem Feingefühl denjenigen, die er als wertvolle Mitarbeiter im Dienste unserer Sache erkannt hatte, die wirtschaftlichen Sorgen für den Aufbau der Arbeit abzunehmen. Wir alle, die wir in vorderster Reihe stehen, wissen, daß wir ohne unseren Freund Baruch unsere Arbeit nicht hätten erledigen können. Er wird auch in unseren Reihen sortleben. Julius Brodnitz. Am Montag. 10. Dezember. fand ans dem Herforder Friedhof die Beisetzung der Asche unseres Freundes Baruch statt. Rabbiner Tr. S tc t n 11) ft [ (Münster) zeigte die Lebensbezirke ans. in denen der Verewigte gewirkt hatte. Ten Dank und Gruß des EentralvereinS sprach der Stellvertreter des Vorsitzenden, Tr. Ernst H e r z - selb (Essen) ans. SLWR«s-i m iilSa? Die Reihe der Zitierungen bedeutungsvoller Acußernngen zur Rassensrage setzen wir heute fort. * ' ' ' Das in Mannheim erscheinende „Hakenkreuzbaniier" berichtet über einen Vortrag „Unsere Rasscnpvlitik und das Ausland", den der Leiter des Rassenpolitischcn Amtes der NSDAP, Dr. Groß, in der Aula der Neuen Universität in Heidelberg gehalten hat. In diesem Vortrag berührte Dr. Gros; auch die Frage der Bewertung geistiger Fähigkeiten ans Grund der Rassenlehre und führte hierzu folgendes ans: „Weiter ivird die Frage aufgeworfen, wo habt ihr den Maßstab. der objektiv ist und nicht getrübt durch menschliche Unzulänglichkeit? Wir antworten: Objektive Werte bat es ans dieser Welt nie gegeben. Der Wert der Menschheit ist von Volk zu Volk und von Nasse zu Nasse verschieden. . Schließlich besteht noch eine letzte Frage, um die gerungen ivird. Sie bandelt davon, ob der Nationalsozialismus das Recht hat, Unterschiede Diese Nummer umfasst 16 Seiten Sie enthält u. a.: Hauptblatt: Drei Vorträge von Dr. Bruno Weil. — Juden und Nichtjuden. von Rabbiner Dr. M. Eschclhachcr. — Moslcys B. U. F. 1. Beiblatt: Kulturelle und soziale Schöpfungen von Juden in Frankfurt a. M., von Henriette Fürth. — Aus dtr C.-V.-Bewegung.— Schachccke. 2. Beiblatt: Das Blatt der deutschen Jüdin.— Kleine Wanderung durch Berliner Chanukkajciem. von Hilde Marx. — Das Dezcmhzrheft des Morgen“. 3. Beiblatt: Wirtschaft der Woche. Staate geben wollen. Unsere Zielsetzmzg muß sein, einen Ausbau des deutschen Judentums zn bewirken, der eine n e it c W ertvorstellung v o m d e n t s ch o n Indent n m in d e r U m w e l t s ch afft mit den tatsächlieh-rechtlichen Wirkungen, die hieraus entspringen können. Ebenso wie es vor 1.">0 Jahren falsch gewesen wäre, den gesetzgeberischen Alt derInden-Emanzipation desrvegen nicht zu vollziehen, weil die Juden im Wertgefühl ihrer Umwelt dieser Absicht noch nicht entsprachen, ebenso falsch wäre es, das Bemühen um die Schaffung einer netten Umweltvorstellnug deswegen ztt unterlassen, weil die Gesetzgebtutg die Auswertung dieser Bemühung Praktisch auf vieleit Gebieten atissichtstos erscheinen läßt. Wir legen hierbei dasjenige als Ausdruck der Zeitstinunnng zugrunde, ivas seinen gesetzgeberischen. autoritativen Niederschlag gefunden hat, tntb nicht unlegitimierte und unbestätigte Aenßeruugen in Wort und Schrift, zu machen in der Wertsetznng der geistigen Fähigkeiten der Menschen. Dazu ist zn sagen, daß die Rassenanschautuig tmserer Zeit nnabhängig ist von der Wertsetznng. Wenn der Nationalsozialismus praktische Rassengesetzgebnng treibt und darauf bimveist, daß die Menschen geistig im Wert verschieden sind, so hat er noch kein Werturteil gesprochen. Indem er erkennt, daß die Gesetzgebung sowohl für den Geist als auch für den Körper des Menschen gilt, negiert er die Vorwürfe. . Wir hoffen, daß. ivie in der Welt der Politik, auch ans dem Gebiet der Rassenpvlitik einmal bei den anderen Völkern die Erkenntnis kommt, daß ihnen unser heutiges Handeln Selbstverständlichkeit ivird." Professor Pesch. Mitglied des Rastepolitischen Amtes der Ganleitnng Köln-Aachen der NSDAP, erössnete mit einem Vortrag über „Rasse und Volk" die rassenknndliche Vortragsreihe des Politischen Seminars des Ganstudenten» blindes und führte hierbei, dem „Westdeutschen. Beobachter" zufolge, n. a. ans, es gebe eia deutsches Volk, eine deutsche ttultnr, aber keine deutsche Rasse. Deutsch sei ein völkischer Begrün, ebenso wie jüdisch ein völkischer Begriff sei. Es gebe keine eigentlich jüdische Rasse. Vielmehr sei auch das jüdische Volk ein Rassengemisch. Wenn man mm die Inden bekämpfe, so nicht, iveil man den Inden als Volk prinzipiell feind-.- lieh gegcnnberstehe, sondern iveil das jüdische Volk sich ans der vorderasiatischen und der orientalischen Rasse znsammensetze, die allen im denisclien Volke vort'ommenden Rassen vollkommen fremd seien. Tie jüdische Rassenseete sei nu-- dentseh, der Jude sei zersetzend, nie aber ansban- - fähig. Die „Nordischen Stimmen", ein Organ der nordisch - religiösen Beivegung Dr. Bernhard Kummers, veröffentlichen in Heft 9 einen Aufsatz über die Bedeutung der attisländischen Sagas für die nordische Glaubensbewegniig, in dem cs u. a. heißt: . „Heute geht es um Rasscuschicksake. Daher nt der Nationalsozialismus vom Rassegedanken dnrchtränkt, daher haben uns germanische Urkünden, angesangen vom ersten nordischen Steinbeil bis zn Hitlers./Mein ttampf" mehr zn sagen als die höchsten Memchheitsideeii, die schönsten Ienseitsreiche und alte heiligen Schriften der Welt, wenn sie nicht ans der germanisdien Wesensmitle kommen '. . . Erst wvlien wir nordische Menschen sein, und dazu führt uns der Weg and) über Alt-Island und nie iihör Palästina. "Aber nur iverden auch keine isländisciie Saga oder die Völnspa einem Inden, Ehinese», Inder oder Neger als Hei ttbot schall vorsetzen und anpreiscn, so wenig nur ihre heiligen Schristen als minderwertig bezeichnen. Jeder Lebensbezirk ist uns heilig, auch der einer anderen Rasse." In einer Kundgebung der NS-Hago, die in der Stadthalle von Hildesheim abgehalten nmrde (vgl. W. d. Üt).), sprach, wie die dortige „Landes- Post" berichtet, der Schriftleiter des '„Stürmer", Karl Holz, der sich bei seinen Ausführungen über die Inden- und Rassensrage als Geselle des Meisters Julius Streicher' bezeichnele. Von Nürnberg, der Stadl der Parteitage, werde der Kampf gegen das Judentum in das' Volt hinausgetragen. Da Nationalsozialismus und Antisemitismus gleiche Begriffe seien, so könne ein Nationalsozialist auch nicht znm Inden gehen. Im weiteren Verlaus seiner Anssnhrnnae'n erklärte der Redner, das; der Nationalsozialismus nicht die Religion, nicht den Katholizismus und nicht den Proteslantisinns. auch nicht'die jüdische Religion als solche verfolge und bekämvie.' er dulde das Judentum deshalb nicht, iveil es der dciltschcn, arischen Rasse feindlich sei. auch wenn der Jude tausendmal geianü sei. ttarl -holz brachte die Naturgesetze mit der Rassensrage in Verbindung, wobei er betonte, daß zur Prüfung und Beantwortung dieser Frage ‘ feine aiGgcsprocheiien Wissenschaftler nötig seien.

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