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Central-Verein-Zeitung · 1934-12-06 · 49 (6.12.1934) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
49 (6.12.1934)
Date
1934-12-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Das bekannte Spezialhaus Frankfurt a.M. / Offenbach/Giessen Ssfekyyd. G iiilliillil ,» ^v«a--v*V9* Ter Dicidjsbimb jüdischer Frontsoldnten hielt zu tfbvrn der Toten des Weltkrieges am ersten ('[janulfa-Xonc in der Synagoge Prinzregentcnstraße eine selilichtc und eindringliche Feierstunde. Bei dieser Gelegenheit wurde der jüdischen Lefsentlichleit ein Gedenkbnch übergeben, das die „Kriegsbricse gefallener deutscher Juden" enthält und in der pathosfreicn. tendenziösen Geschichtlichkeit seiner Dokumente ein erschütterndes Zeugnis ablegt. Las neue Gedenkbnch schließt sich au die nor zwei fahren veröffentlichte namentliche Liste non 30:2X5jüdischen Gesallcncn an, die der Rcichsbnnd herausgegeben hat. Lorbeerbäume in großer Zahl flankierten Kanzel und Empore, und die Lichter warfen auf die Rückwand des Naumes Schatten, die sich tvic ein riesiges Grabmonnment ansnahmen. Unter den klängen eines Mendelssohnschen Prämdiums zvgcn die Verbände mit ihren Fahnen ein, allen norau im grauen Hemd, die schwarze Fahne mit dem weißen Ring über sich, zwanzig Jungen vom achtzehnten Zug des Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend, dann die' Formationen des Rcichsbundes jüdischer Frontsoldaten, seines Sportbnndes und des Militürvereins „Deutsches Vaterland". Ter Geschäftsführer des Rcichsbundes, Tr. Ernst Fraenkel, sprach von der Entstehung des neuen Buches, von Briefen, die im Schützengraben und im Unterstand geschrieben wurden und von der Verbundenheit der^ deutschen Juden mit ihrer Heimat. Der Bundesvorsitzcnde. Dr. Leo L ö w e n st ein, wandte sich den Problemen der jüdischen Kriegsstatistik zu und setzte sicl; mit den Zweifeln, die in der deutschen Oesscntlichkeit gegenüber den von jüdischer Seite gemachten Angaben laut geworden sind, auf Grund amtlich geprüften Materials, ausführlich auseinander. Dann legte Dr. Lmvensteiu das Gefallcnengedenlbnch in die Hände des Präsidenten der Reichsvertretung der deutschen Juden, Dr. Leo Baeck, und damit in die Hände der jüdischen Gemeiuschast. In Worten von schlichter Eindringlichkeit und hoher geistiger Bedeutung stattete Dr. Baeck seinen Dank ab. Dem Buch der Namen, das der Ncichsbund vor Jahren herausgegeben habe und an dem sich nichts mäkeln und von dem sich nichts abscilschen lasse, folge nun dieses Buch der Briefe, das für jeden, -der hören wolle, eine erschüttcrnde Sprache spreche. Den nüchternen Zahlen, ans denen die Musik des Marschtrittes von Tausenden widcrhaUe, gebe das neue Buch den persönlichen Ton. Tradition sei nur da, so hat ein jüdischer Weiser gesagt, wo Lippen aus dem Grabe sprechen. Hier -ist ein Mahnmal errichtet. das für uns deutsche Ju-den zeugt. Aus dem getvaltigen Vermächtnis der Toten tönt für nnA Lebende ein Doppeltes. Ein letzter Ernst uni, eine letzte Wahrhaftigkeit sind von uns geforäert. ein letzter Ernst im Tun. das sich nicht in der, Vordergründigkeit des Tages verlieren dürfe, und eine "letzte Wahrhaftigkeit im Blick auf dir Zeit und im Bekenntnis zur einigen Gemeinfritait. — In einer Ansprache an die Jugend bekannte sich Paul Pogi Via her zu einer Haltung. die das Erlebnis des Weltkrieges in das Bewußtsein der jungen Generation hebt und es geistig bewältigt. Gemeinsamer Gesang des Chanukka-Liedes schloß die Feier, der Lrgelklänge von ' Erwin I o s p c s Händen-, Cellospiel Gottfried Z c e - landers und Gesanges Oberkantors Wilhelm Fr: edmann die künstlerische Weihe gaben. . , K.J.S. Die Gesellschaft für jüdische Familienforschnna hatte zu einem Bortrag ihres Mitgliedes Samuel über das Thema: „Nam cns künde als Hilfsmittel der Familienforschnng" geladen. Ter Stoff, der in einem anderthalbstündigcn Referat den Zuhörern dargebvtcn wurde, hätte zweifellos auch ein weit größeres Auditorium als das erschienene zu fesseln veruwcht: denn für die meisten Juden bedeutet die bürgerliche Namensannahme am Anfang des vorigen Jahrhunderts einen historischen Einschnitt, hinter den zu blicken trotz ' allem Interesse au der Familiengeschichte vielfach nicht mehr möglich ist. Der Bortrag nun bot eine vielen Zuhörern willkommene Darstellung der bisherigen Ergebnisse jüdischer Familiensorschnng,' durch die jenes anonyme Halbdunkel, in dem sich die Familiengeschichte der Inden nicht selten verbirgt, in zuweilen überraschender Weise anfgehcllt wurde. Abkürzungen, AUitterationcn, Uebersetznngen, Umfornmngcn, Anpassung an die Landessprache sowie die .Kombinationen aller dieser Berändernngcn sind, wie der'Redner betonte und an Hand zahlloser Beispiele deutlich machte, die Manipulationen, die im Lause Jahrhunderte langer Ansässigkeit, im Lause von Wanderungen und Bertreibungen und erneuter Ansässigkeit mit den znm Teil von alther übernommenen Namen vorgenommen umrden. Wenn auch die meisten jüdischen Familiennamen in Deutschland erst 320 Jahre alt sind, so gleichen nicht wenige von ihnen bcn mittelalterlichen Palimpsesten, in denen mehrere Schichten geschriebener und Znm Teil wieder verlöschter Torte übereinander liegen. Ganz ebenso tragen nicht wenige Namen von scheinbar platter Alltäglichkeit, nur dem Kundigen erkennbar, ein antikes Adelssignnm in sich. (Katz, Basch, Kahn, Schiff usw.) Bei einer Reihe anderer Namen läßt sich die ländermäßige Herkunft der Familie noch recht gut rekonstruieren, so bei dem Namen Bloch, der polnischen Bezeichnung für Welsch, mit der die im 34. Jahrhundert ans Deutschland vertriebenen und nach Polen gewanderten Juden bezeichnet umrden, oder Wallach und Wcltsch. gleich Welsch, d. h. von Westen her eingewandert. Eine weitere Gruppe von Namen weist über die ländcrmäßige Herkunft hinaus auch auf den Beruf eines fernen Vorfahren hin, so etwa der Name Schnitzler, der eine nur in gewissen Teilen Oesterreichs üblich gewesene Bezeichnung für Tischler ist. Unabsehbar ist das Gebiet der mit der Bibel zusammenhängenden Namen. So leiten sich z. B. die weitverbreiteten deutschen Tiernamen der Juden von markanten Bibelstcllen, wie der Abschicdsredc Jakobs von seinen Söhnen, her. Im 30. und 33. Jahrhundert wurde zuweilen vorsucht, Orts- und Ländernamen in Westeuropa im Sinne gewisser Bibelstcllen auszudenteu. Die asch. lcnasischcn (deutschen) und sephardischen (spanischen) Juden berdanlen solchen Versuchen nicht nur ihre Gruppeubezcichuung, sondern auch manche intcrcssauten Familiennamen erklären sich auf diese Weise. In einer Fülle derartiger Hinweise enthüllte sich die jüdische NainenSkunde über die Privaten, familiengeschichtliche» Zusammenhänge hinaus als nicht unwichtige historische Hilfswissenschaft, deren Förderung dem Vorsitzenden, Dr. Czellitzer, sehr am Herzen liegt. In der Diskussion, die dem beifällig aufgenommenen Referat folgte, wurden insbesondere von Dr. Jacobson, dem Leiter des Archivs der jüdischen Gemeinde, aufschlußreiche Bcmerkuugcn zum Thema des Abends gemacht. K. H. ’ Dr. Arnold Sainter, der erst kürzlich im Kullurbund einen Vortrag mit Lichtbildern über das Thema „Mit der Kamera durch, die Mark Bran. denburg"'gehalten hat. hat für ein Bild „Bauernhaus aus dem Spreewald" bei dem Preisaus-.- schreiben, das der Landesverkehrsvepband Berlin-Brandenburg veranstaltete, bei einer Gesamteinsenduug von nahezu fünftausend Bildern einen der ausgesctztenersten - Preise erhalten. :faG: Das Jüdische Land schul- und Kinderheim Caputh bei Potsdam versammelte ^das-Kuratorium und Freunde seines Werkes in erweiterten Räumen, um zu zeigen, wieweit seine Arbeit itt den drei Jahren seines Bestehens gediehen ist. Mit welcher Liebe und Freude in Caputh gearbeitet wird, macht eine Ausstellung^von Schularbeitcn besonders deutlich. Die Schulzimmer waren in eine Messe verwandelt, in der die Jungen und Mädel voll Stolz vor,ihren Arbeiten standen und erklärten, wie z. B. eine Anzahl von Schülern im Rahmen des Erdkundcuntcrrichts an plastischen Modellen und Karten die Erdgestaltung und Bewachsung der Caputher Umgegend erarbeitet, andere im Deutschunterricht aus ihren Aufsätzen kleine illustrierte Bücher, im naturwissenschaftlichen Unterricht ans Draht, Pappe, Eisen und Akkumulator einen wirklich arbeitenden Morseapparat hcrgestellt-hatten. Im Mittelpunkt des Nachmittags stand dann die Aufführung „Joseph und seine Brüder". Hier hatte die Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern etwas ganz Famoses zustande gebracht. Merkte man an der Regie deutlich die Hand des leitenden Lehcers des Heims, Tr. F r i e d m a n n , und an der wirkungsvollen und stilechten Kostümierung die Entwürfe der K'nnstlehrerin, so bewies das mit Leben und Natürlichkeit erfüllte Spiel der Jungen und Mädel, wie sehr sie das Schicksal Josephs begriffen hatten. In den Ansprachen, die beim Tee geholten wurden, betonte Bankier Eskeles die Notwendigkeit, die Sache des Heims nach dreijähriger Arbeit im stillen zu einer Angelegenheit der breiteren jüdischen Oessentlichkeit zu machen, und Dr. O l l o n d o x f zeigte die Linie des Heimes auf, das durch seine jüdische Ueberparteilichkeit die Möglichkeit habe, der Zeit gegenüber ausgeschlossen zu sein. Die Leiterin des Heims, Gertrud Feiertag, wies ausdrücklich daraus hin, daß man erst am Anfang der Arbeit stehe. Wenn dies in der Tat erst der Anfang war, so kann man auf die Weiterentwicklung des Heimes gespannt sein. War SÄaffung einer DerirkSrMlsaiS für Sinlersommern Der Preußische- Landesverband jüdischer Gemeinden hat beschlossen, ein Bezirksrabbinat mit dem Sitz in Schivelbein zu begründen, dem die folgenden Gemeinden angeschlvssen werden sollen: LabesWangerin. Regenwalde, Dramburg, Bad Pvlzin, Belgard, Kolberg, Köslin. Bublitz, Pollnow, Noustettin, Bärwalde, Falkenburg und Tempelburg. Der Bezirk dürfte damit etwa 1000 Seelen umfassen. Am Sonntag, 18. November, fand in Stettin eine Sitzung des Ausschusses des Verbandes der Synagogengcmeinden Pommerns statt, zu der die Vertreter der obigen Gemeinden eingeladen waren. Nach einem Referat des Dezernenten des Landesverbandes, Nabbi(Fc Dr. G a l l i n e r, wurde einstimmig die Schaffung des Bezirksrabbinats Schiveloein beschlossen. Tie Besetzung der Stelle des Bezirksrabbinats soll schnellstens erfolgen. Bewerbungen können an den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 156, gerichtet werden. Die Ortsgruppe Osten des Centralvcreins und die ^Werlgruppe Alerandcr des - „Lundes Deutsch. Indischer Jugend" veranstalteten eine gemeinsame Channkkaseier. 'Nahezu 30(", Personen waren erschienen, viele Hunderte fanden keinen Einlaß. VIin Nachmittag wurden fast 200 Kinder mit Kakno und Kuchen bewirtet, emc große Zahl Kindcc wurde durch den „Bund" besck^rt. Leo Lichten - betfl hielt nach dem Lichtezünden eine Auspräche an die Jugend, die ihrerseits ein reiches 'künstlerisches Programm darbot. Besonders hervorznhcben die Darstellung eines Bühnenstücks neu Frieda Mehler: „Wir vom Stamme Juda', vom 10. Inge de» „Bundes" mit lobenswertem Eifer ausgcführt. Der Abend war den Erwachfenen vorbchalten. Ernst Behrendt, Mitglied des Hauptoorsinndes des Centralvcreins, sprach über „Lebendigen Gx'meinschaftssinn". Danach hielt ein gemütliches Beisammensein die stattliche .Zahl der Erschienenen bis spät in die Nacht beieinander. GSWll LLZ dm JtUiSfll IM' LÄMsÜN Die Private Waldschule Grunewald sLeitung: Toni Lcßler) feierte in den Emser-Feslsäleit Chanukka. Ter Saal war lauge vor Beginn überfüllt; frohe Gäste, stolze Eltern und die vielen, vielen Kinder, alle weiß und dunkelblau angezogen und glühend vor Erregung. Nach der Begrüßnngsanfprache von Frail Lcßler hörte man Sprechcmd Singchöre, einstudwrt von Dr. Bandmann: überraschend die weichen, gepflegten Kinderstimmen. rührend die ganz reine, natürlich, kindhaste Auffassung, ivie der Sprechchor der Sexta ans dem 11K. Psalm sprach: „Tanket dein Ewigen —Uribesangen erzählten zroei kleiire Ätädchen die Ehannkkageschichte, ein Juiige entzündete die Lichter, niid der gemeinsame Gesang des Chanukkaliedes beschloß den ersten Teil der Feier. Den Höhcprrnkt dcs Abends bildete dre Crüanssühriing einiger Szcneii ans Beer-Hosnuwn-. „Der junge David", zu der der Dichter seine de. soirdere Genehmigmig erteilt hatte. Und der Dichter wäre bcstimnit, hätte er anweseiid im können, von dieser Gestaltrnrg seiires Werkes nie minder beglückt gewesen als die übrigen Zuhön-.. Oft konnte man kaum fassen, daß Kinder dic-c hohen Worte mit solchem verinnerlichten Verstchc!, sprachen. Die größte Leistnna war sicher die des jungen David, eines zwölfjährigen Knaben, vcr ivundervoll in seiner Rolle aufgincz und weit über seine Jahre hinauswnchs; herrlich aber auch Timnah. der das sechzehnjährige Mädchen üne:i eigenartigen Schimnier von der Weishen des Alters zu leihen verstand, sowie auch un lc-pnen Bild die Darstellerin des alten Priesters, un& tv schlitternd die Durchführung der schweren Nolic des Königs Schaul. Und alle die anderen — Frau Dr. Eoldschmidt hat mit dieser Einstudierung eine große, dankenswerte Leistung vollbracht: die Kostüme und Bühnenbilder, von Herrn Goldstaub, dem Werklehrer der Schule, entwvrseii, verdieneu besondere Errvähnung. Als die Aufführung ausklang in den Sprechchor aus Stephau Zweigs „Jeremias", da war sicher nic-maiid unter den Erwachseiim, dev von der Leistung der Kinder, von der ganzen Hiligabe ihres jlmgen Fühlens nicht überivältigt gewesen wäre. — Tie Aufführimg wird rvicdcrholt. Hilde Marx. Der Verein für Ferienkolonien jüdischer Kinder E. V. eröffnet Arrfang Tezember wieder sein -veini in Hirschberg lNiesengcbirgc), das zu Winterkurcn für erholungsbedürftige Kinder ganz besonders geeignet ist Anmeldungen sind cm das Büro dc-i Vereins; Berlin 0 2, Rosenstraße 2—4, Zimmer au richten. feit findet. Seine jüdische Abstammung zeigt sich in seinem starken Interesse für orientalisches Kolorit. 2lls eiiiziger Oratorienkompvnift Rußlands zeigt er auch Borliebe zu biblischen Stoffen („Turm von Babel", „Moses", „Sulamith", „Hagar in der Wüste"). Eine Zeitlang hatten die heroische Oper „Die Maecabäcr" und seine orietttalischen Lieder großen Erfolg. In seinen letzten Jahren wurde Nubinstein mehrmals beispiellos gefeiert, so nach seinen berühmten „Historischen Konzerten" und zu seinem 60jährigen Jubiläum. Diese Ehrungen wurden nur von den Bestattungs- und Gedenkfeiern nach seinem Tode übertrosfen. L». Elschar. Die Derwer ErkMWMrg Die musikalische, künstlerische Bedeutung des Werkes von Hugo Adler ist nach der Mannlscimer Uraufführung dcs „Balak und Bilam" an dieser Stelle bereits eingehend gewertet und gewürdigt worden, die Ausführung in der Neuen Synagoge ließ die eigenwillige interessante Bertonung jetzt auch in Berlin bekannt werdet:. Adler, der Schüler-Ernst Tochs. hat den Versuch unternommen, den. Text der Schristübertragung von Bubcr und Roscnzwcig mit den Mitteln' der modernen Musik auszugcstalten, die großartige Einfachheit der Worte und der ganzen Szene durch die Komposition zu eindringlicher Wirkung zu bringen. Ihm steht keine umfasiende schöpferische Kraft zur Verfügung; das ist: ztveifellos, aber er ist ein tief empfindender Musiker, der feilte Ausdrucksuwglichkeitcn überzeugend anzmvcndcn weiß. So ist es ihm gelungen, gerade auch durch die Sparsamkeit der musikalischen Intuition, durch Anpassung an die einfache Größe der Libelworte das Monumentale der Handlung und die „holzschniitartige" Charakteristik hervorzuhcbcn und gu betonen, ja sogar mit majestätisckier Hoheit zu versehen. Tie Berliner Aussührung ivar -in besten Händen. Dr. Oskar Guttmann halte' sie anfs sorgfältigste dnrchgearbcitet, Solisten, Chor und das kleine - Streiä^-Hester folgten aufmerksam feiner Leitung, die insbesondere die drei Segnungen Bilams dramatisch steigern ließ und die dynamischen Abstufungen feinfühlig interpretierte. Die wichtigste Solostimme (Bariton) hatte Wil- Helm Guttmann übernommen, -dessen Prachtvoller Baß-Bariton und geschmackvolle Stimmführnng die Aufgabe voll ausschöpftcu. Der Tenor war Bernhard C h r z e l i tz e r mit nicht umfangreicher, aber in der Mittellage sehr schöner Stimme, die gtit zu charakterisieren vermag, Paula John sang fein und unaufdringlich die Sopranpartie. Die verbindenden indirekten Worte — nur direkte Rede war Solisten und Chor anvertraut — sprach wuchtig akzentuierend Mein» hart M a u r, der auch im Melodram sich gut der Szene anzupassen vermochte. Ludwig A l t - mann spielte mit virtuoser Meisterschaft das furiose Vorspiel auf der Orgel, das reichhaltige Instrument klug nutzend, die groß ansteigenden Chöre brachte er durch das volle Werk zu mächtiger Wirkung, er selbst hat einmal hier bei der Besprechung eines Adler scheu Werkes auf die überragende Bedetrtung des Orgclsatzes als Ucbcrstcigerung des Chors hingewiesen. Am Klavier, das Orchester und Solisten zu begleiten- und zu unterstützen hatte, saß Han8 B ae r , mit klangvollem Ton und gutem technischen Können seinem Part gerecht werdend. Inmitten der Szene sprach Rabbiner Dr. Manfred S iv a r s e n s k y über die ewige Bedeutung des tiefen Sinnes dieser seltsamen Bibelerzählung, die durch die musikalische Ausgestaltung Adlers zu neuer Belebung gelangte und die Zuhörer unmittelbar in ihren Bann zog. Lai. London, 1. Dezember 1934. Daö große musikalische Ereignis der letzten Konzertwochen war der Sonatenabend. den Petz udi Menuhin gemeinsam mit seiner um vier Jahre jüngeren Schwester Hephziba in 'der Oueen's Hall gab. Einen Tag nach der Ankündigung waren alle Plätze ansverkauft. Menuhin ist nicht nurb e liebt, sondern er wird um seiner Persönlichkeit willen, senier seit dem qrstcn Auftreten beobachteten Bescheidenheit willen ehrlich und tief g e liebt. Und man war allgemein geneigt, diese Liebe und Bereitschaft im vornhinein auf die kleinere Schwester zu übertragen. Ter menschliche Charme, der über diesem ersten gemeinsamen Auftreten der Geschwister lag, tvurde durch den Adel ihrer Künstlerschaft vertieft. Es lväre billig und ungerecht, die kleine Hephziba abwägend mit dem Bruder vergleichen zu ivollen. .Er ist einmalig in seiner vom Himmel gefallenen und bisher so wunderbar bewahrten Reife. Sie aber ist ein Mädchen von erstaunlichster pianistischer Beweglichkeit und Zucht, von einer dem Bruder ebenbürtigen, vielleicht von ihm heut schon gelenkten noblen großzügigen musikalischen Auffassung. Den steilen Aufgabert der Kreutzer- Sonate ist sie heute geistig nicht voll gclvachsen. Das festzustellen ist aber bet einem Mädchen von vierzehn Jahren eher beruhigend als alarmierend. Das Publikum, der Einmaligkeit der künstlerischen Begegnung bewußt, ließ nach Stunden atemlosen Lauschens seiner Betvunderung vollen Lauf. Hephziba, solcher Ereignisse noch ungewohnt. nicht vertraut mit den Allüren anderer Kinderstars, stand unbeholfen steif und starr. Bis ihr der Bruder mit einem unmißverständlichen, wohlgemeinten Rück den Kopf zu einem Nickgruß herunterbeugte. Worauf beide untev Beifallsstürmen verschwanden. Charlotte Spitz. . Cfö MhW AM» WRÄAl . In London starb, 79jährig. der einst sehr feierte Bühnenautor Arthur Pinero. Um Jahrhundertwende waren feine Stücke führ mankannsagen auch weabereite'nb für Sh Galsworthy und andere Autoren, die sich r scheuten, ihren naturalistischen Gcsellscha dramen, .außer dem faszinierenden Kon satlünston, auch eine Idee ztt geben. Eine zi 3ahrtge. Laufbahn als Schauspieler war für von großem Wert und hatte ihm weitgehen Bsihnenkenntnis gebracht. 1922 hatte' er sei letzten großen Erfolg in London mit dem Drc „The Enchanted Cottage". Piuero war Jude und vertvandt mit Disracli. Der Großvater Disraelis, der auch Benjamin hieß, kam 1748. nach England. Er war ztvcimal verheiratet, und Lord Laconsficid Disraeli stammte aus der ztveiten Ehe. Tie erste Frau war Rebecca Rtendez-Furtado, Tochter des Kaspar Mendez-Fnrtado, eines portugiesischen Juden, der in Lissabon 1726 gefoltert tvurde und an seinen Verletzungen starb. Seine Witwe und seine ^sechs Kinder entflohen nach England, wo sie sich ösfetttlich zum Jttdcntum bekannten. Bon einem dieser Kinder des Kaspar Mendez-Fnrtado stammt Pinero. ab, ebenso wie die berühmte Opernsängerin i-eltna Tolara. der populäre Pianist Charles Fnrtado, etn Komponist John Furtado unb Teresa Fnrtado. die Tochter von Charles, die sich auch einen Namen als Schatispielerin gemacht hat. SrLrÄMO fm Eemr A. EMÄA Der Errichtung eines Grabsteines für den nit Juni dieses Jahres verstorbenen jungen Dichter George A. G o l d s ch l a g galt eine tvürdige Veranstaltung, die in den lttlttviertcn Rättmen des Hauses Rothbart in Berlin-Schöneberg stattiand. Zn Begiim sprach 2lrthur Silbergleit einige schlichte und verständnisvolle Worte des Gedenkens, die dem Alenschcn und auch dem Dichter Goldschlag gerecht wurden: seiner kindhaft-reinen Natur, die. wie cs so - Poetenart ist. nie recht mit der Welt fertig wurde und die sich dennoch aus ihrem inneren Reichtum heraus als lyrisch geformtes Bekenntnis den anderen nutzuteilen wußte. Erna Feld rezitierte sodann mit tiefer Einfühlung in das früh vollendete Lebcnswerk Goldschlags eine Reihe seiner Gedichte, deren geistige Spanmveite von dem Suchen nach Gott, vom Zweifel der eigenen Bestimmung, von zarter Naturbeseelung und dunklen Todesvisionen bis ztt impressronistifchcn. keck hingeworfenen, balladenhaften Großstadtbildern reicht und die,- tvenn auch inhaltlich und formal nicht tmmer bis zum letzten ansgereist, in den leichten Schwingungen des Rhythmus, im Klang und in der Rielodie de-s Wortes den echten Lyriker erkennen lassen ^.te Vorträge tvaren stimmungsvoll von Kammermusik umrahmt, die durch Helene L a ch m a n s k i - S ch a ü l (Klavier), 'Lttcie W i n k - Ier.(Geige) und Paul Blumen seid (Cello) zur Ausführung gelangte. -an-

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