Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 49 (6.12.1934)
- Date
- 1934-12-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 i. BosbSatt Sr. Rrrdolf Mlmmn WAO in Ter Stellvertreter des Vorsitzenden, Dr. Nudolf Eallmnim (Köln), sprach im Berliner Brüdervcreinshaus über „Der jüdische Mensch in der Problematik unserer Zeit". In weitaue'holenden, philosophisch und historisch snndierten Ausführungen gab er in glänzender Rede ein Bild der geistigen und seelischen fragen, die das deutsche Judentum heute beuu'geu müssen. Tr. Eallmann ging davon aus, daß eine frühere Ideologie, die den jüdischen Deutschen von den anderen Deutschen lediglich durch seine Religionszugehörigkeit unterschied, überholt sei, wandte sich aber gegen eine Herabsetzung derjenigen Männer, die diese Ideologie im vorigen Jahrhundert begründet hatten; sie konnten die Frage damals nur «u,* ihrer Zeit und ans ihrer Situation heraus betrachten. sie de*halb zu tadeln, sei tendenziöse Ceschicht*betracht:mg. Entscheidend aus den Menschen nürkc vor allein das Milien ein. Dr. Eallmann erläuterte an Bei- Wielen, wie stark Religion und Umwelt den Menscheu wandeln, und begründete danüt die Tatsache, daß zwischen Nichtjnden und Juden ein Fremdgesnhl bestehe und während der ganzen Emanzipation*zeit bestanden habe. Aber die jüdische Situation dürfe nicht allein au* jüdischen: Aspekt beurteilt werden, sondern unter Berücksichtigung der gesamten geistigen Krise der Welt. Nicht nur die Probleme innerhalb der einzelnen Lcbensgebiete, innerhalb der Philosophie. Theologie, des Staat*-- eecht*. Eherechts ußv., sind heute in Frage gestellt, wildern diese einzelnen Leben*gebiete selbst, die selbsiversländlichen Borau*setzungen alles Denkens loird beseitigt. Diese -Urifc ist als ein geschichtliches Ereignis zu werten, das den Bt enschen zum Umdenkenlernen veranlassen muß. In den großen Epochen der Antike, des Mittelalters und der frühen Neuzeit war das Absolute, das Unbedingte herrschend, in jenen Epochen nahm man außerhalb der Wirklichkeit eine allgewaltige Macht an. Ties war im antiken Griechentum der Logos — die reine Vernunft — im Mittelalter das kirchliche Dogma und bis zum 19. Jahrhundert ein an Mathematik und Naturwissenschaften orientierter Lvgosbegriff. gewiüerinaßen der inathematisierte Lvgosbegrisf des Griechentum*. Im 1ü. Jahrhundert tritt dann auf einmal die große Unnoälzung ein: die Wirklichkeit wird vorn menschlichen Denken ersaßt. Tann kommen die Zeiten des Positivismns und des Historismus und damit beginnt die Epoche, in der der Mensch ohne Halt an einem Absoluten als rein erkennendes Wesen lebt, und dies führt schließlich zu der Haltlosigkeit der Gegen- Dadurch entsteht die Frage — und nun sehen wir. uüe diese Frage sich im jüdischen Bereich äußert —, ob cs eine Möglichkeit gibt, den verlorenen Halt des Absoluten d n r ch etwas Neues zu ersetzen. Zuerst denkt man an das Religiöse, daran, daß tatsächlich das EdßbÄEs PH Zurück zur Religion zum Ruf unserer Zeit geworden ist. Eine große Anzahl von Menschen kann aber heute nicht religiös sein, weil die gesamte Zeit keine religiöse ist. Religion kann man nicht lernen, und es bleibt die Frage offen, ob wir in ein religiöses Zeitalter hineinkonunen. Deshalb müsse, so folgerte Tr. Callmann, an die Stelle des Absoluten oder des Religiösen die Vertiefung und die Entwicklung der Gedanken des 39. Jahrhunderts treten. Das 19. Jahrhundert ist das Zeitalter der geschichtlichen Betrachtungsweise; aber cs kannte nur eine curopazentrische, germanozentrischc usw. Geschichtsbetrachtung, ihm fehlte die komplexe Weltbetrachtung, und es befaßte sich im wesentlichen mit äußeren Unterschieden und vermochte nicht, die seelischen Hintergründe der Dinge zu erkennen. In der Ausgestaltung der Ge¬ Wann und wo fanden Sie Rat? Unliwrhein Aj-rippiualmus, htvitc Strasse 02—08, 111, Zimmer 70—78. Köln Montag l)is Freitag 10—13 Uhr. Aachen im Büro von Rechtsanwalt Karl Löwenstein, Wilhelmstrassc 25, 16—Uhr am 11. Dezember. Die Sprechstunde am 25. Dezember fällt Koblenz in der Wohnung von Paul Hirsch. Kaiser - Wilhelm - Ring 37, I, 18W Uhr am 4. und 18. Dezember. im Büro von Rechtsanwalt Dr. Voremberg, Simeonstr. 13, II. Hi..—13 Ui "Uhr am 5. und 19. Dezember. Später rege!- massig an jedem 1. und 3. Mittwoch im Monat. schichtsbetrachtung jener Zeit zur E n t w i ck l u n g s P s lhch o l o g i e liegt die Möglichkeit einer neuen Lebensbetrachtung. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird dann nicht von einem Absoluten her, sondern aus seiner eigenen psychischen EntwicklungSmöglichkcit heraus beantwortet. Das Leben erhält seinen Sinn dadurch, daß cs ein gesetzmäßiger Ablauf psychischer Vorgänge ist, und die Fragen von Völkern nach dem Sinn ihres Seins und ihrer Sendung sind keine philosophischen mehr, sondern politischsoziologische. Jedes Volk nimmt für sich die höchste Sendung in Anspruch. Infolgedessen ist auch nicht die Frage nach dem Sinn deS Judentums schlechthin oder nach dem Sinn der Diaspora zu stellen, sondern beides ist zu bejahen wie das Leben, das dem Werte bietet, der sich ihm liebend hingibt. Aus Grund dicser^Ueberlegungcn gab Dr. Callmann eine Antwort''auf die beiden Grundfragen des E.-V.: 26 i e st c h e n w i r z u r Synthese v du Deut s ch t n m u n d I u d e n t u m? und: 26 i e st e h e n w i r z u r E m a n.z ipatron unb Assimilation? Zu der ersten Frage führt er aus: „Drei Möglichkeiten gibt es für eine Haltung zu Deutsch, tum und Judentum: 1. Der jüdische Deutsche, der es ablehnt, deut. scher Jude zu heißen, weil er im Deutschtum die Substanz seines Wesen?, im Jüdischen lediglich eine Färbung, und zivar ezne meist unwillkommene Färbung, seiner Deutschheit sieht; er ist im Jüdischen indifferent oder Trotzjude; er ist im Jüdischen negativ und liefert uns den Typus des jüdischen Antisemiten. Mit ihm haben wir nichts zu tun. 2. Der jüdische Mensch, der schlechthin und nur Jude sein will, der Zwar auch deutsche Wesenheit . als formende Kraft in sich spürt, der aber dennoch als sein Land und seine Zukunft Palästina mit der Seele sucht, ist nnS verbunden durch die positive Kraft seines Judentums. 3. Der deutsche Jude, der aus Religiosität oder aus verpflichtendem Stammesbewnßtscin oder ans empfundener Geistes- und Seelcngemeinschaft sein Judentum liebt, so wie man überhaupt liebt, ohne zu wissen warum, und der sein Judentum liebt, so wie man überhaupt liebt mit seinen Fehlern und Vorzügen, ist im Jüdischen und Deutschen positiv, da er beider Wesen Kwäfte mächtig in sich wirksam fühlt. Dieser Jude, w i r, werden immer das Schicksal innerer Zerrissenheit tragen müssen, wenn sich Deutschtum gegen Judentum stellt. Trotzdem aber vermögen nur in Palästina nicht unser Vaterland und in: jüdischen Nationalstaat nicht unser Ideal zu sehen; wir sind und bleiben voll seelischer Bereitschaft, die Nation dc s Volkes, in dessen Mitte w i r leben, als unser Vaterland zu erleben llnb dann beantwortete Dr. Eallmann die ziveite C.-V.-Frage: „26 i e stehen wir zur E m anzipativn u n d A s s i n: i l a t i o u T 26ir erstreben — so etwa sagte Dr. Eallmann — eine ziveite Emanzipation, und glauben an diese, weil wir ai: eine Entwicklung glauben und sind überzeugt, daß sie dereinst einmal ans der historisch.psychische!: Notivendigkeit heraus erwachsen wird. Unsere Aufgabe ist es. die Emanzipation geistig vorzubereiten durch die Art unserer Auseinandersetzung mit der Umwelt, d. h. dadurch, daß wir Distanz halten und daran denken, daß das Fremdgefühl, das besteht, geachtet werden muß. ' DaS Programm des E.-V. aber, so führte er abschließend aus, könne nicht endgültig festgelegt werden, sondern habe sich den Verhältnissen anzupassen, es bestehe ivenigcr in einen: Programm des Handelns, als in einem -pro« grantin der E rundhaltnn g. Die Kundgebung wurde vvn Iustizrat Dr. Brvdnitz geleitet, der nach langem Beifall dem Redner für den wertvollen Bortrag und auch dafür dankte, daß er mitten in der un-,. geheuren 'Arbeitslast praktischer'.Ausgaben für' die deutschen Juden die Sammlung'gefunden habe.^ diese seelische und geistige Fundierung der E.-B.-Idee zu unternehmen. §ü.$»8 Weil in MchilMMMÄen Dr. Bruno Weil sprach an: 2. und 3. Dezember in Essen, 26nppertal und Dortmund in überfüllten Geineindeversannnlnngcri. Seine An*, sührnngen sind unseren Lesern ans den eingehenden Rcscrateu an dieser Stelle bereits bekannt. „Der Weg des deutschen Juden." Der bekannte Vortrag von Dr. Bruno Weil ist auf Wunsch zahlreicher Freunde nach loesentlichcr Erweiterung C.-V.-Kaler.der Landesverband Nordwestdeutschland 10. Dezember: Hannover, 20 Ahr 15 Min.: Gemerndc. vcrsammlilnc. Rechtsanwalt Dr. Rudolf La IInuini (StöUi): „Der jüdische Mensch tu der Problematik unserer Zeit". Nilnstlcrhaus. 13. Dezember: Hamburg, 20 Ahr 30 Min.: Gememdever. . santmlung. Julius Bab (Berlin): „Heine, Dorne und das Junge Deutschland." Curio-Hans. Landesverband Groß-Berlin 10. Dezember, 20 Ahr 30 Min.: Frauenarbeitsgemein. schuft Westen: Margarete F r i e d. Llogenhaus, weiststrahc 10. . 11. Dezember, 20 Ahr 30 Min.: Frauenarbcitsgeme'.uschaN Osten: Margarete F r i e d. Hotel König von Pertugal, Burgsrrntze 10. Leitung: Justizrat Dr. Julius B r o d n i tz. Landesverband Mitteldeutschland 11. Dezember: Halle a. S.: Rabbiner Dr. Karl Nasenl 1) (t I : „Der Lchicksalsweg der deutschen Inden". Gemcindchaus, Oierinarslraste 12. Landesverband Linksrhcin 9. Dezember, Köln, 11 Ahr: Dr. Kahn (Köln), Fräulein Dr. Bereut (Nein) und Assessor Richard Selo tDiisseldarf): „Die cbefahren einer falschen Berufsausbildung und Berufsumschichtnng. Eine Warnung an jüdische Eltern und Jugendliche." Rheinlandloge, Cäcilicnsrrastc 18—22. 12. Dezember: Koblenz, 20 Ahr 30 Min.: Assessor Richard Selo (Düsseldorf): „Rituelle Fragen aus dem ino« dcrurn WiNscbasts- und -Arbeitsrecht". Deinciudesaal, Florin-rmarkt 11. Landesverband Dberschlcsicn 10. Dezember:: Hindcnbnrg O./vh 20 Ahr 30 Min.: '?vrrl)tninnall Dr. Lustig (’mlduutt): „Degeumarlsaiisgaben Landesverband Rheinland-Westfalen 12. Dezember: Bochum: Dr. brust P laut (Ssseu). 13. Dezember: Dtadbach: Dr. Leus! Plant (Si'scu). und Ergänzung als Manuskript gedruckt worden. Umfang 2-l6 Seiten. Mitgliedern ivird es gegen Voreinsendung de* Betrages von — RM ans da* Postscheckkonto Berlin Nr. Ü0472 zngesandt. Bestellungen sind an die Hauptgeschäftsstelle des ,.E.-B/', Berlin W. 15, Einser Straße 42, zn richten. Kfi Mitten in einer Zeit eifriger Ortsgruppentätigkeit fand am 2. Dezember in Berlin die die*- jährige Landesverbandstaglmg statt. Sie zeichilete sich durch besonders startet: Besuch von Delegierten ans allen Teilen der Mark Brandenburg ans. N'ach Begrüßimgsworten des Landesverbandsvorsitzenden. Rabbiner Dr. Blartin S a l o m o n s k i. gab der Syndikus des E.-B., Dr. Alfred H i r s ch - borg, in einem grnndlegei:den Referat ein Bild von der umfassenden Tätigkeit de* 'Vereins im Dienste der jüdischen Gesanüheit und seiner imdentsamen Stetinng in: deutschen Judentum. Den Bericht über organisatorische 'Arbeiten imd Aufgaben des Landesverbandes erstattete Dr. Ernst G. L ö io e n t h a l. In der lebhaften Ansspraehe. die ein bemerkensivcrteS Zeielien für das allenthalben vorhandene Interesse an der E.-.B.-Arbeit :st. konnte von den anwesenden Vertretern der .v>mungeschäftsstelle des E.-2H. darunter Regierung*' direkter i. R. Anrt F r i e d I ä n d e r, zachi.>.nge A:ifragei: beantwortet und viele mansche cntgegengenvmmei: werden. Der Endtermin für Einsendungen zmn Preisausschreiben der Kiinstlerhilfe der Indische,: Gemeinde: ,.Ta* Gegenwartserleben der jüdischen Frau in Teiitsäiland" ist ans den 31. Tezeinber l!>:u verschoben worden. "«M-AMsMg London, den 1. Dezember 1934. In der Leieester-Galerie in London wurde eine iebernrann-Ausstellung eröffnet, zu der sich ein üinzender Ehrenansschiis; gebildet hat. Die besten amen, die einem Künstler das Geleit geben lönen, gehören dazu: Bisconnt d'Abernon, the Earl i Sandivich, Sir Michael Sadler, der Förderer sten modernen Erziehnngswesens, die Direktoren w National und Tate Gallery Mr. Kenneth Elark nd Air. James Ntanson, Professor 2k. Bt. Hind. ürektor der Drucke und Zeichnungen im British lcnsenm, Mr. Atartin Hardic vom Viktoria- und ilbert-Musenm, Vtr. Samnel Eortauld, der großerzige Stifter des kunsthistorischen Institutes an er Uuiversität. Sir John Lavery, Sir William lvthenstcin. Jacob Epstein, Augustus John, kichard Sickert als die wohl anerkanntesten Kunster Englands. Es ist eine umfassende Schau, die geboten wird, lnnanend nicht ans den ersten Blick, denn d:e knzahl der ausgestellten Bilder und Zeichnungen st nicht groß. Aber in den sechzig gezeigten Stucken st die ganze Entwicklung deS langen, glücklrchcn lünstlerlebens deutlich. Eine mit zartem und icherem Gefühl für die besten Werte Liebermannchcn Wesens gemachte 2luswahl bringt nicht aus illcn Phasen, aber ans den hauptsächlichsten Sta- Äonen ein typisches Werk. Das Schönste und Ueberraschendste aber sind ein paar Bilder aus dem letzten Jahr. d:e noch nicht in Deutschland gezeigt wurden. Vor steht man, nicht nur das Phänomen bewundernd, daß ein 86jähriger überhaupt noch auf der Hohe seines Schaffens ist, man staunt dankbar und ergriffen. daß es ihm noch gegeben ist. ein HortIsimo anznschkagen. Heiter, unbekümmert, sinnlich wie nur je setzt er in dicken ^pachtelstrichen seine Farbe hin, und die Form schließt sich immer mehr Zusammen, als oft in früherer Zeit. So sind ferne ..Allee im Herbsf. Gruppen von Fraiwn unter herbstlich schimmernden Laumtusfs m:t dem spiegelnden Weg. in rosa-braun und das „Restaurant am Wannsce" mit dem dichtgedrängten, lustig genießenden Menschen vor dem See mit weißen Segelbooten freudige Bekenntnisse zum Leben und ganz reise Resultate eiircs fruchtbaren SommccS. Wie oft hat Liebermann in feinem Garten gemalt, ein Ltückchei: 26cg. ein paar rote Blumen. Noch nie hat er die klcinteiligen Atassen so znsanune Anziehen gewußt, nie hat die Sonne heller zele.uchtet, der 26eg so sommerlich geschimmert. Immer ist cs die echt berlinische Farbmelodie, die sich so nirterscheidet von den französischen Impressionisten, von blntigrot zu hellgrün. 26ir sind cs von Nembrandt her gewohnt, ans dem Selbstporträt auf die innere Entwicklung des Künstlermenschen zu schließen. 2luch Liebermann hat sich viele Ntalc dargestellt. Sein Porträt aus dem Jahre 1934 sagt alles aus: Hier ist nicht d:c starke Farbigkeit angeschlagen. Eine eigentümliche Harmonie in grau und braun, ein leise grünlich schimmenrder Bart, eine Alelancholie im 2lns» druck, die um sehr schmerzliche Erfahrung weiß. Neberlegene Abgeklärtheit in der Gestalt und in der Komposition, um vieles vergeistigter als das Porträt von 1920. Ein ganzes riesiges Atalerleben war notwendig, um zu solcher Oekonomie der Mittel zu gelangen! Dazu eine der mcisterhastcsten Zeichnungen, die er je gemacht, das Selbstporträt in Kreide. Es hängt zwischen einer 'Auswahl herrlicher Zeichnungen aus dem Kreis seiner Familie, den Studien zum Dalila-Bild »md ein paar Landschaften. Wenn am Ende eines so langen Weges ein solcher Gipfel erklommen ist, leuchtet das Zeichen des Genies. Es zwingt, die Parallele zu ziehen, zu den Meistern, die auch im hohen 'Alter ganz ans der Höhe angckommen waren, Tizian und Renoir. Die bekannte Berliner Photographin Gerth Simon erzielte in Storran Gallery, London, mit einer eigenen großen Ausstellung ihrer in England aufgenommenen Porträts einen außergewöhnlichen Erfolg. Die Londoner Zeitungen bringen ihr Bild. Die „Sunday Times" würdigt in einer ausführlichen Stellungnahme ihr 26crk und hebt insbesondere die starke künstlerische Eigenart ihrer Bilder und ihre erstaunliche Begabung, die Aken scheu psychologisch von Grund ans zn erfassen, hervor. Dr. T. 8. »u feinem 40. Tonlage Ende November waren es 40 Jahre seit dem Tode Anton Rubi n st e i n s vergangen, der einzigen hervorragenden Persönlichkeit jüdischer 'Abstammung, die im zaristischen tNußland eine leitende R'ollc in: Musikleben spielte. Berühmt als einer der größten Weltpianisten, war er gleichzeitig Komponist und gehörte der deutschen Schule an. Seine Werke wurden in Europa früher als in seiner Heimat anerkannt. Hier vertrat er die „übernationale", eigentlich europäische Richtung der Kunst und verteidigte sie auch theoretisch in seinen Schriften. Anton Grigorijewitsch wurde 1829 im Süden Rußlands, in Bessarabien, als Sohn einer jüdischen Familie geboren, die sich während zweier Generationell schon europäischer Bildung und guter soziale,: Lage erfreute. 'Als er zwei Jahre alt war, ließ sich die ganze Familie taufen ui:d gründete in Atoskau eine Fabrik. Dort fand Anton seinen einzigen Lehrer, Villoing, der ihn auch aus 'Auslandsreisen begleitete und bei berühmten Künstlern, wie Ntcycrbecr, Chopin inrd Liszt, einführte. 'Am Petersburger Hofe wurde Rubinstein als Wunderkind samt seinem Bruder Nikolaus liebevoll ausgenommen und zweimal zi:r Ausbildung ins Ausland geschickte Sein erstes Auftreten in Paris holte ihm den berühmten?lusspruch Liszts ein, er wäre der echte Erbe seines Spiels. Seine theoretischen Studien trieb er in Berlin bei Professor Dehn. NLit 14 Jahren verlor er seinen Vater und verbrachte dann mehrere Jahre in großer Not in Wien. Dennoch schuf er dort zahlreiche Kompositiolicn, die zwar gedruckt wurden, später aber von ihm unbeachtet blieben. Die Rcvoliition im Jahre 1848 zwang ihn, unter großen Schwierigkeiten nach Rußland zurückznkehren, um dort den Lebenskampf sortzusetzen. Noch lange hatte seine glänzende Virtuosität nur in höheren Kreisen damaliger Kunstliebhaber und am Hofe Erfolg. Zu seinem endgültigen Sieg verhalf ihm in seiner edlen Art Franz Liszt (1854 bis 1835). nach dessen Beispiel Nubinsteins Werke überall amgeführt wurden. Seine Triumphe als Virtuose sind nur an früheren Triumphen Liszts zu messen. 1838 kehrte Rubinstein erfolggekrönt nach Rußland zurück, um einen großzügigen, von Helene Pawlvlvna gefaßten Plan: den Ausbau de* Musiklebens, an*znführen. 'Man gründete die 'Ich, f f i | clj c A lade m i f ch e (später Kaiserliche) 2R u s i l g e s e l l s ch a f t mit ständigen Sinfoniekonzerten, und das S t a a t s k v n s e r v a t o r i - um, in den: anfangs berühmte fremde Professoren die klassische Tradition verbreiteten. Rubinstein* Bruder Nikolaus wurde zum Direktor des Ntosfauer Konservatoriums ernannt. Autor: Rubinstein, der an der Spitze beider Petersburger Institute stand, mürbe jetzt als genialer Künstler empfangen. Er ist auch als Komponist einiger Open: („Dämon". „Kalascliuilow", „Nero"), Lieder und Klavierwerke populär geworden. Am ineisten wurden sein titanische* Demperament, seine schöpferischen Ideen, fein organisatorisches und erzieherisches Talent bewllndert. Seine Verdienste um die russische Musikgeschichte sind einzig und unbestritten. Besonder* ivichtig ivar es für die jüdische Jugend, die, vielfach musikalisch hervorragend begabt, ans den: westlichen Slnsiedlungsgebict dank' dem von der Hochschule erteilten 26ohnrecht in die Hauptstadt ziehen konnte. Nubinsteins Musik ist trotz großartiger 2lusgabcn oft als unwähleriich und'belanglos zn bezeichnen. Am stärksten ist er trotz heroischer Vorwürfe im Lyrischen, wo er manchmal echte Innig- Will3t Venus Du an Schönheit gleichen — Trag Wäsche mit dem Venus-Zeichen! Prospekte und Nachweis, durchi Sigmund Goerltz Aktlcngcoull»cb«rt. Chemnitz