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Central-Verein-Zeitung · 1934-11-29 · 48 (29.11.1934) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
48 (29.11.1934)
Date
1934-11-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 48 3. Beiblatt w o ,✓ y ~-j [y j M Um MlNkt §RYDtMlNK Das Mrerwunder - eine uüwa!,r!Kcinli»e SelüMte (S. Fi?Ser Sstias) (iiirbciiü), morbidestes Mitglied des höchst mor. bideii „Klubs der Lichlstümpfe", sitzt in dessen Klub, lolnh das zugleich ein Museum ist, vor der von i!;m geschnitzten Galionsigur „Chiwara". die sein totes Weib darstellt. und erzählt sein Leben. Nich. ti.^cr: er erzählt seinen klnbgcnossen. unter denen sich als East der ganz junge Dichter Gerhart Hauptwann befindet, was er jenseits des mensch. lichen LebenS und über seine Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten hinaus erlebt hat. So entiteht „Tas Mcerwunder — eine unwahrscheinliche Geschichte" lT. Mischer Verlag). der Ealionsignr lebt nicht nur Abbild, sondern auch Drang und Trieb, Gespenst und Geist der Abgeschiedenen, die ein dämonisches Wesen und Unwesen war, eine Tcufelin der Seehasen, Seeschn'ie und Seewogen, der cs ausgetragcn war, Alensch zu werden und mit menschlichen Lüsten und Schmerzen mnzugehen, bis sie aus einer deutschen völlig im Meer den Tod gefunden hat und vom Alter als Leiche an den Strand gespült worden ist. Als Eardcnio ne findet, ertönt über den Wellen ein böllischcs Gelächter. Gr schnitzt nun die Galionsigiir nach der Toten, geht auf große Fahrt, die Figur am Schiss, und rettet sich und sic ans einem Schiffbruch auf eine Robinson-Jnsel in der Südsee. Ter Dichter befindet sich. Cardenios Erzählung lauschend, in einem italienischen Hafen unter den gestrandeten Existenzen jenes Klubs, die alle neben dem Leben leben, dem Gleich der Geister benachbart und erschlossen. Eardenio türmt vor ihnen den Ossa der Ueberwirtlichkeit auf den Pelion der Unwahrscheinlichkeit; auf jener'Jnsel hat er nicht nur neue Last und Lust mit der Holzfigur erlebt, sondern auch Liebe und Lust mit einem Fischweib, das dort in einer Grotte wohnt — Ausrufezeichen! Ja, er selbst fand Eingang ins Reich der Götter und Geister und wurde ein Sceungctüm — zwei Ausrnfezeichen'I LiS er sich, fortgezaubert vom Lustlager in seiner Hütte, mit der Galionsigur in der Kabine eines Schiffes wiederfindet — drei Ausrufezeichen'.'.! Diese Ausrufezeichen sind von keinerlei Ironie gesetzt, sondern von dem ehrlichen Erstaunen, das dem Dichter folgt bis dorthin, wo seine Ueberwirkkichkeit ins Pamphlet gegen die Wirklich, und Wahrscheinlichkeit sich verliert oder erhöht. Galionsigur, Halligenpoesie. Südseeinsel-Zauber sie sind uns aus Hanptmanns Werkstatt und Werken vertraut. Hauptmanns Elan, mit dem er sich ins Phantastische stürzt, ist hinreißend, faszinierend, aber die Schwere, mit der er wieder psychologischen Grund betritt, erweist den Fabulierer als schwächer denn den Sinnierer. Beide gut gemischt — das ist dieses Dichters bestes Teil Aber wo die Geister übermächtig werden, zehren sie an seinem Geist. Ergibt dann, was er geträumt hat, im Wachsein zu billig her, zu direkt und zu bildlvs. Er findet sich selbst nicht ganz, und er findet sich selbst nicht zurecht, weil er zwischen Allegorik und Mythologik m die Strudel der Schwere gerät. Eimnal nur, im „Ketzer von Svcma". hat er sein eigenes, Herr« liches Gleichgewicht zu wahren gewußt. Ta hatte er die Mutter Erde, die lockende südliche Mutter Erde, unter den Füßen, und das Meer war weit. Auf dem Meer findet der Schlesier Hnuptmaun, wie stark und rührend auch seine Sehnsucht ist, nicht sein volles Glück. Aber die Art, wie er es sucht, ohne Vorbehalt, ohne fremde Zutat, ohne Kompromiß, das ist eindrucksvoll genug — auch in dieser Geschichte, die der mystisch-meisterliche Alfred Kubin mit schönen Illustrationen versehen hat. iw. Friedrich SeMnrm: Der Seutnont Lugger iS. Fischer Neriogi Das Reich der Habsburger lebt schon heute, wo sein Untergang noch der zeitgenössischen Geschichte angehört, in der Legende fort. Ter ehemalige Glanz seines Kaisertums phosphoresziert in einigen großen Romanen weiter, die den Mythos des Reiches der Nachwelt überliefern. Zu diesen tritt nun der Roman „Der Leutnant Lugger" von Friedrich Heydenau, einem Schriftsteller. der durch sein Erstlingswerk „Wuk der Wolf" (ebenfalls im S. Fischer Verlag) außerordentliche Aufmerksamkeit erregt hat. Beachtenswert ist, daß alle diese Nachkriegs- Bücher um das österreichische Heer kreisen, auch wo sie in der Zeit vor dem Krieg spielen. Das Heer war in der vielstümmigen und vielsprachigen Monarchie die sinnfälligste Verkörperung der staatlichen Einheit. Es gab nur noch einen Körper daneben, in dem alle österreichischen Völker ihre Zusammengehörigkeit dargestellt sehen: in der Erscheinung des Kaisers Franz Joseph. Sein Leutnant Lugger lebt im und am Glanz des Kaisers. Auch für ihn bleibt nicht soviel EigenmenschlicheS übrig, daß er zu einer interessanten Romanfigur werden könnte. Das Schicksal des Heeres und des Reiches wird auch sein Schicksal. In der Darstellung dieses Milieus, nämlich der großen Garnison Wien und einiger kleinen Garnisoncn, des Kriegslebens und der geradezu post, hum wirkenden Wiener Nachkriegswclt. vollstrcckt sich die Kunst Heydenaus. Der Krieg, wenigstens der in Galizien, wird sogar fachmännisch und überdies mit einer warmen menschlichen 'Anteilnahme . dargestellt. Und endlich bleibt uns von dem glanzlosen Wien der Nachkriegszeit kein Schatten, kein dunkler Fleck in Heydenaus Schilderung erspart. Er schreibt keine Geschichten aus, er koloriert die Geschichte. Darin ist er virtuos. Virtuos bleibt er auch in der raschen und knappen Skizziernng der Chargen, nicht nur der Militär-, sondern auch der Romanchargen. Nun. Lugger selbst ist groß, schön, tapfer. Er bewährt sich, wo immer ein k. u. k. Leutnant sich bewähren kann: bei den Frauen so gut wie vor dem Feind. Nur daß der Feind viel deutlicher gemacht wird als die Frauen, die in dem Buch zu kurz kommen. Denn Heydenau ist ein Männer-Schilderer, ein Porträtist maskuliner Porträts. Dies aber wirkt sich an seinem Helden so aus. daß aus ihm ein Musterknabe wird, ein sogar in allen Sätteln gerechter Infanterist ohne Ruhmredigkeit, mit allen sympathischen Tugenden und mit nur der einen Schwäche für die Frau, die aber auch weit davon entfernt bleibt, den Namen Laster zu verdienen. Noch als maroder und entlassener Offizier bleibt Lugger mnstcrhaft, ein Muster auch im Aus kosten des armseligen Nachlricgsschicksals, wenn er bis zum Hausierer uuv ahnungslosen Helfer von Tevisensledderern hcruntcrsinlt. Und so wird ihm auch sein Lohn: am zu romanhaften Schluß des Romans findet er das Mädchen ans dem Volk, das er in seiner Glanzzeit vernachlässigt hat. Zu allem Uebersluß ist er auch noch inzwischen reich geworden. Zuviel, zuviel des Guten! Hermann Sinsheimcr. Wer von uns allen, die wir mit Genuß Kaffee trinlen, zum Kaffeeklatsch Zusammenkommen, uns über die Kaffeeschwestern lustig machen, als Familien Kaffee kochen, wer von uns allen weiß von dieser kleinen schwarzen, duftenden Bohne mehr, als daß sie ans 'Arabien stamme? .Heinrich Eduard Jacob weiß von ihr viel, fast zuviel zu erzählen: er hat es unternommen, auf über 35ü Seiten „S a g e und S i e g e s z n g des Kaffee s" zu schildern. TaS umfangreiche Register dieses Buches nennt u. a. die Namen von Johann Sebastian Bach und Beethoven, von Brahms und Bruckner, von der Dnbarry nnb der Liselotte von der Pfalz, von Mohammed und Friedrich dem Großen, Homer und Horaz, Sokrates und 'Nietzsche, auch die von Felix voll Mendelsfohn und Gustav Mahler, der R'ahel Levin und der Rahcl Varnhagen, Heinrich Heine und Josef Roth, sie alle haben für oder gegen den Kaffee Stellung genonimen, waren ihm verfallen oder verfluchten ihn. Diese Namen sollen aber auch zeigen, wie weit der Rahmen des Buches gespannt ist. Mit der „Biographie dieses Weltwirtschaftlichen Stoffes" ist die des Weins, des Biers, des Tees verknüpft, ans dem Schicksal dieser Getränke in Enropa und der Welt entsteht eine Kulturgeschichte der letzten fünf Jahrhunderte, die sich auf weiten Strecken wie ein Roman liest; oft heiter, manchmal recht nüchtern, meist aber tragisch, wenn er uns zeigt, wie der Kaffee znm bestimmenden Schicksal int Leben von Ländern, Menschen und Völkern wurde. Vom sagenhaften Arabien und den Ziegen des Klosters Schehodet im Lande Jemen nimmt der Kaffee als Getränk der 'Mohammedaner den K'ampf aus gegen die weinsröhliche Welt der Griechen und Römer. über Venedig und die Alpen tritt er seinen Vormarsch gegen das Nord-. deutschland beherrschende Bier an und kreuzt schließlich in England die .Klinge mit dem Tee. Als Objekt der großen Politik, als Spekulations- Produkt der Börse, als Segen und Fluch der Pflanzer und der Sklaven in immer neuer Gestalt tritt er uns entgegen, um schließlich in unserem Jahrhundert das Schicksal des Riesenreiches Brasilien zu bestimmen. Ein weiter Wey vom ersten Kafseestrauch iin Lande Arabien bis zur Verbrennung und Versenkung von Millionen und aber Millionen kafseesäckeu im Brasilien des •Jü.' Jahrhunderts. Nicht immer hat man bei der Lektüre des Buches das Gefühl, daß Jacob den Niesenstoff richtig gesichtet und geordnet habe. Oft möchte man manches in größerer Kürze dargestellt sehen, um vielleicht manches andere — etwa ein Kapitel über die verschiedenen Arten des .Kaffcekochens — dafür zu finden. Der Dichter, scheint uns, lag oft im Widerstreit mit dem Volkswirtschaftler, der Politiker mit dem Gelehrten. Eine Konzentrierung und Ueberarbeituug der Materie könnte nicht nur dem höchst unzuverlässigenRegister zugute kommen. Die Verteilung der Textabbildungen ist oft recht willkürlich (so gehört z. B. das Bild auf Seite 199 unbedingt auf Seite 23!» >. Auch sonst sind Satzanordnnng und Druck nicht mit der Sorgfalt durchgeführt, die nur sonst gerade bei Büchern des Verlags Ern ft R o - w o h l t kennen. Das sind zwar Aeußerlichkeiton, die den Wert des Buches nicht beeinträchtigen können, die aber gerade bei der Lektüre eines Werkes, das unser ästhetisches Gefühl in besonderem Maße anspricht, störend wirken müssen. Das aber tvird niemanden hindern, bei vielen Tassen guten Kassees das Buch voller Spannung zu lesen, im Stammkassce die alte Streitfrage zu erörtern, die früher in unseren Breiten „Kaffee oder Bier?" hieß und heute „Kaffee oder Tee?" lautet. Hans Oppenheimer (Berlin). Ein schmaler lindcublütener Band; Nr. 7 der Bücherei des Schockeu-Berlages, Aron Bernstein „Vögele der Maggid" — eine Welle von Erinnerungen steigt ans diesem schmalen Bande aus. Erinnerungen an Abende, bei denen im großelterlichen Hause die Großeltern und wir Enkelkinder um den achteckigen Tisch saßen und vorgelesen wurde. Deutsche Klassiker mit verteilten Rollen. Fritz Reuter im mecklenburgischen Platt, das die Großmutter, die aus Westpreußen stammte, zu unserer Bewunderung fließend lesen konnte, vielerlei aus großen, dicken naturwissenschaftlichen Zeitschriften, die die neuesten Wunder der Technik, den Zeppelin und die ersten Flugzeuge schilderten — unW.ueben all diesem deutschen Kulturgut Aron Bernsteins Novellen „Vögele der Maggid" und „Mendel Gibbor". Für uns Kinder besonders interessant, weil darin ja die Erzählung vorn König Schank von Polen vorkommt und der Großvater es niemals unterließ, auf seine direkte Nachkommenschaft von diesem König Schnnl hinzuwcisen, was dann immer zu lustigem Familienstreit führte, denn wir Blaublutigen dnnkten uns natürlich viel mehr als die „Eingeheirateten". Aber trotz dieser starken persönlichen Beziehungen zu „Mendel Gibbor" ist immer „Vögele der Maggid" unser Liebling gewesen. Das Schwesternpaar Vögele und Golde, Zu Edmond Floss 60. Mmlslag Edmond Fleg wird dieser Tage sechzig Jahre alt, und zu denen, die ans solchem Anlaß den Jubilar und sich selbst beglückwünschen, zählen mir trotz allem, was zwischen uns steht, auch uns. Fleg. der eigentlich Flegenheimer heißt und aus Genf stammt, hatte zunächst als junger Mensch die gleicht Entwicklung dnrchgcmacht wie viele innge Dulden seiner Generation, die Entwicklung, die vom Judentum hinwegführte und über cs hinaus zur Menschheit führen sollte. Er war rin iimger Europäer, für die Ethik des Christentums, für die Philosophie, die er studierte, für die Literatur. der seine erst heimliche Liebe galt, für Frankreich entstammt. Da kam die Treyfns- Asfäre, und er wurde ein anderer Mensch. >m den letzten Jahren hatte mit den Gefühlen. Instinkten und Erscheinungen, die sie hervorrief'cn, mul) das Interesse für die Treyfns-Asf'ärc eine neue Auslage erlebt. Warum eigentlich? Hat nian nicht schon, als das so erfolgreiche Theaterstück und der Film noch das Publikum in Spannung hielt, sich sagen müssen/wie (man der- Zeihe den Ausdruck) harmlos der Fall Dreyfns gegen tausend andere Fälle war. um die sich niewand kümmerte? Was also tvar an dem Fall Dreysns so außerordentlich? Eben daß man sich 'ünnncrtc, daß eine Ilmnengc bester, bedeutendster, Rrantwvrtlichster Köpfe den Fall znm Anlaß "ahmen. flM selbst die große Frage nach dem Recht Zn stellen. Daß. hiervon veranlaßt, Menschen stch ^lllfchiedcn. Auch Edmond Flog entschied sich. Er gehörte fortan der jüdischen Idee. Er war einer der ersten französischen Zionisten. Er war wie Herzl unter dem Eindruck der Treyfus-'Afsäre Zionist gelvorden. Er begann, das Judentum zu studieren, hebräische Sprache, jüdische Geschichte, Religions- Philosophie. Tie jüdische Renaissance, die auch Frankreich erreichte, fand in Fleg ihren feinsten, geistigsten Inspirator. Sic war und ist ihm eine Lebensfrage. Darum ist er kein trockener Wissen, fchastlcr, sondern ein Dichter geworden. Es kommt ihm nicht ans Tendeilzen und Organisation an, sondern auf das Tun, und da sein Vermögen im Material der Sprache steckt, so „tut" er in Worten, gcstaltet die Sprache, schafft Dichtungen. Sein Judentum und seine zionistische Begeisterung, seine religiöse Grundhaltung, die durch' feine orthodoxe Erziehung fundiert, durch seine Menschheitsideale gebrochen und durch den Zionismus aufs neue bestätigt wurde, hat ihn nicht gehindert, ein französischer Patriot zil sein. Als de»: Krieg antzbrach, ineldete Edmond Fleg sich freiwillig, und tat nicht bloß seine Pflicht wie jeder andere, sondern mehr. Und er hat nicht bloß im Kriege bewiesen, daß er ein guter französischer Patriot und Jude ist unD weder in dieser lloch in icner Richtung ein Chauvinist; er hätte sonst nicht seinem Enkelkind (das ihm nicht beschieden war) die Mahnung ans den Weg geben können, daß cs vorn Judentum nicht abfallen möge, wenn aber, „so lnögc es doch um einer höheren Wahrheit mitten sein, wenn es eine solche siil't". Leine jüdische Entflammtheit hat ihn nicht gehindert, sondern eher befähigt, ein besonders gutes, weil erfülltes Französisch zu schreiben. Sein autobiographischer Roman „Der kleine Prophet", seine schönen, mit den kostbarsten Tinten der Kunst und mit der schlichtlinigen Treue der Verehrung gezeichneten Charakterbilder „Moses" und „Salome" sind auch ins Deutsche übertragen und haben auch bei uns manches vorurteilslose und junge Herz für unsere Geschichte und Religion mit all der Wärme und Freude erfüllt, die das Lcben und die Bücher ihres Verfassers durchstrahlen. _ —eh. Ein Stert dos ©cöcnfcnä zum I. Dezember Als der Mann, dem diese Zeilen gelten, vor jetzt zehn Jahren starb, fühlte man den Schmerz, daß ein Kämpfer abgeschieden war, dessen Kamps dem Frieden dienen wollte, dem Frieden der Menschen und der Veredelung der Kultur. Dieser Hermann Heijeriuans wäre jetzt, am 3. Dezember, siebzig Jahre alt geworden. Er hätte immer noch auf der Barrikade des Geistes gestanden; heute erst recht, wo sich so vieles zwischen die Völker, zwischen die Menschen drängt. In Holland geborener Jude, Sohn eines.Journalisten und selber Journalist, auch dann, wenu er für seine Arbeiten andere als journalistische Formen wählte, ist er die Straße seines Lebens und Schaffens mit der Troika: Holland—Deutschland—Judentum gefahren. Er förderte holländische Gastspiele in Deutschland; er sorgte für den Austausch der literarischen Geistesgüter, lieber die Grenzen. über alles, was trennen könnte, hinüber und herüber zu vermitteln, einander verstehen' zu lernen, hier wie dort soziale Schwächen und Rückständigkeiten auszudecken — dies war das Leitseil, an dem er sich und uns durch die dunklen Gänge einer Zeit, die uns heute hell erscheinen tvird. zu einer Weltgestaltnng in reinerem Licht führen wollte. Von diesem Ethos her schrieb er Skizzen, Romane. Theaterstücke, zuerst und dann wieder in der holländischen Heimat nttb zwischendurch, im Anfang des Jahrhunderts, wahrend mehrerer Jahre in Aerlin. Dieser begeisterte Jünger Emile Zolas nutzte die Mittel der naturalistischen Darstellungsweise ans, die vor keinem Stofs, vor keinem Alltag, vor keiner Wahrheit zurückschreckt. Wenn er auch gelegentlich seinen Humor walten - ließ, suchte er das Düstere, das darum so Verheimlichte, weil es, entgegen einer mit Schönheitspflästerchen kokettierenden Literatur ein Teil des wirtlichen Lebens war. Man mußte es aussuchen und schildern, um zu bessern, was sich bessern ließ. Besonders auch während seiner Berliner Jahre durchforschte er die „Unterwelt", ehe man das Wort noch kannte. Vom spätabendlichen Stammtisch Paul Lindaus, der ja ebenfalls gern in die kriminalistischen Bezirke abschweifte., brach der rundliche, scheinbar so behäbige, aber höchst bewegliche Manu oft genug zu nächtlichen Expeditionen ans. Das Bild zeigt ihn in der höchst natnrgetrcneii Maske eines Knschemmenbrudcrs; so verwandelt machte er in gnalmigen .kellerlokalen seine Studien. Er war ein „Edelrepvrter" lattge. ehe sich andere mit diesen: Titel schmücken durften. Auch seine Roinane und Bühnenwerle gehen immer vom Tatsächlichen aus und wünschen, durch Tatsachen zu wirken. Er holte sie aus dem holläudischen Volke und aus dem Amsterdamer Judenviertel. Sein großer Zustaitdsrvw.au „Die Diamantstadt". die Dramen „Hoffnung auf Segen", „Erlösung", „Kettenglieder". „Ghetto" und „Sabbath" zeugen von seinem liefen moralischen Ernst und von der wirkimgsbewußten Gestaltungskraft, die ihin gegeben tvar. Vielleicht — ich sage vielleicht — würde eilt es seiner jüdi^ schen Dramen der Probe, ob es heule attfführbae ist. standhalten. Im Jahre 1927 bcrösfentlichte Heijermans einen Roman „Geflügelte Taten". Da ist bereits vom Luftkrieg die Rede. Warum sprach er von dem „Kampfhimmel, der sich über Berge. Flüsse, Festungen und Milten ansdehnen tvird"? So äußerte sich sein ahnungsvoll bedrängtes Herz. Aber mußte es so fotmneu? Gab es keine Wcttung? Hören wir seine Worte: Ans einer zukünftigen Konferenz tverde der Vertreter einer Groß- Alle Ihre Bücher Buchfaandkrag am Zoo Fritz Riisg Charlohenburg, Joachimsihaler Sir. 43-44 Mitglied der jüdischen Gemeinde Telefon Bismarck 6506 . Zusendung nach allen Stadtteilen

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