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Central-Verein-Zeitung · 1934-11-29 · 48 (29.11.1934) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
48 (29.11.1934)
Date
1934-11-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIII. Jahrgang / Nr. 48 Berlin, 29. November 1934 Preis 2® Pfennig erein - TSCHTUf g 5 tel? ffi V N 'J/. .SL-- .;te : ^' >>'' V/>';->! w-r-.yL 0. #■;V; <: 5->.Ä,- «' - ' /< /v - */ .- . . „ .. ,, „ - .... MüDVtetek^ j pfl. " A :' ■' s f s' '/ «4'-, L, fei L ~~ -?s/: s i . - ii£&y' 1 örr LZMMagWM / §»ori R. Zgnaz M 4 0 0 '-DöZ§ ' „Tiefe Lichte sind heilig, und wir haben nicht die Erlaubnis, uns ihrer zu bedienen." Tiefe Stelle aus dem Gebet, das man während des Anzündeus der Ehanukkalichte spricht, hat gegenüber allen Umdeutungen, die sich unseres Festes bemächtigen wollen, ihre aktuelle Bedeutung. Sowohl gegen den völkischen als auch gegen den religiösen Liberalismus des modernen Judentums gilt es, nach dem echten Sinn von Chanukka zu fragen. Tie Makkabäerkämpfe feien „nationale Freiheitstämpfe", sagt der völkische Liberalismus des modernen Judentums. Tie Makkabäerkämpfe feien „Glaubeuskämpfe", sagt der jüdische NeligionsliberalismuS. Beide sehen die Wirklichkeit dieser jüdischen Vergangenheit nicht. Jüdische Geschichte ist nur aus sich zu begreifen. Sie ist weder eine NeligionSgefchichte, bei der es sich um eine geschichtSindifferente Glaubenslehre handelte, noch ist he die politische Geschichte im Sinne einer Staatsgeschichte. Jüdische Geschichte ist die Geschichte deS jüdischen Menschen, der in der- Zeit und unabhängig von der Zeit existiert. Sofern er in der. Zeit existiert, hat er ein politisches Schicksal, von dem uns die jüdische Geschichte berichtet. Tie Geschichte eines politischen Schicksals ist etwas anderes' als die Geschichte einer Politischen Eestal-, tung. Die einzige politische Idee, die das, Judentum besitzt, ist die Idee vom Reich' Gottes. Die Makkabäer haben nicht gegen Antiochus gekämpft, indem sie etwa der Idee ■ deS hellenistischen Einheitsstaates die Idee ■ cines jüdischen Reiches entgegensetzten, Poli-' tischen Stoß mit Politischem Gegenstoß beant-' wortend. Tie Makkabäer haben Antiochus Widerstand geleistet, als dieser die jüdische Tempelgemeinde, wie wir das damalige Judentum Palästinas nennen können, in eine Volys verwandeln wollte, in einen Staat nämlich, der außer den politischen Grundsätzen andere in sich nicht dulden wollte. Tie - Statue des 2eus NeNenios im Tempel zu Jerusalem bedeutet das Symbol des Staates, der irn Interesse der straffen Zusammeniasfung im fcleucidischen Reich alles Richt- Naatli'che unterdrücken wollte. Die jüdische Tcmpclgemeinde war solch nichtstaatliches Gemeinwesen, das Antiochus als Hindernis ansah. und das die Makkabäer verteidigten. Grst als aus den Nachkommen der Makkabäer, die als Priestersöhne unbedingte Feinde grie- - chi'chcn Wesens gewesen waren, ein hellenisier-!cs Fürstengeschlecht wurde, stand ein jüdischboluischer' Staatswille dein Staatswillen der Umwelt entgegen. Als aber diese Wendung crntrat, waren aus den Asidaioi, wie das Matkabäcrbuch das Wort Chassidim überseht, also aus den Frommen, die mit den Makkabaern gegen Antiochus ins Feld gezogen Diese Chamikka-Festnummcr umfasst 20 Seiten Sic enthalt rr. a.: Kundgebung der Tausend ■ Hauptblatt: Stuttgart. 1. Beiblatt: Ruhmes Das Schicksal des Makkabäer• ivmmcs — Chanukka-Gebräuche — Premiere im Kulturbund Rhein-Ruhr — Aus der C.-V .-Bewegung — Eröffnung der Lern- Woche des Philanlhtopin in Frankfurt a. M. 2. Beiblatt: Wirtschaft der Woche — Die neuen Devisenbestimmungen für Studienaufenthalte im Ausland, von Rudolf Gräupner. 2. Beiblatt: Das neue Buch — Kieme Stadt am See — Schachecke. 4. Beiblatt: Das Kinderhlall — Bnc- Mullct erzählt die Bibel. von Alice Oppenheimer. waren, schon die pharisäischen Gegner des . makkabäischen Fürstenhauses geworden. Diese Gegnerschaft kommt auch in der rabbinischen Anordnung zum Ausdruck, die für den Sabbat Chanukka die Hastara bestimmt, in der es heißt: „Nicht durch Heeresmacht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr der Heerscharen" (Sacharja 4, 6). Ebenso, wie eine Politisierung der Makkabäerkämpfe eine Vergewaltigung der Tatsachen jenes jüdischen Geschichtsabschnittes darstellt, ist hier auch eine Theologisierung unangebracht, wie sie der jüdische Rcligionsliberalismus vornimmt. Nicht bloß jüdische Lehre, sondern auch jüdische Existenz wurde verteidigt. Eine von jüdischer Existenz losgelöste Lehre wäre keine jüdische Lehre mehr. Der jüdische Religionsliberalismus liebt eS, vom „Glaubenskrieg" der Makkabäer zu sprechen.' Aber wenn der Unterschied von dem, was im europäischen Geschichtsraum der Glaubenskrieg ist, nicht beachtet wird, entsteht eine Spiritualisiernng der Makkabäergeschichte, so daß von der geschichtlichen Wirklichkeit nichts mehr übrigbleibt. Die Makkabäer waren nicht Protestantische Kämpfer für „die reine Lehr'", und Anti¬ / Prag stand, am letzten Wochenende im Zeichen schwerer Nationalitätenkämpfe.. Man - erinnert sich aus der Vorkriegszeit.der regelmäßig wiederkehrendeu „Grabenkärnpse", der., häufigen-Zusammenstöße zwischen Tschechen und Deutschen, die sich aus dem sonntäglichen . Coleurbummel der deutschen Studenten aus ' dem Graben entwickelten. Die Farbendeckel ‘ der deutschen Studenten können .heute nicht mehr den tschechischen Nationalismus reizen. Auf der Straße sind sie verboten, sie sind in das Innere der Korporationshänser verbannt. Dafür sind es die Insignien der berühmten alten Earls-Universität, um die diesmal der Streit entbrennt. Die 3348 von Karl IV. als erste Hochschule des deutschen Kulturgebiets gegründete Uni- . versität wurde 1882 im Zeitalter des erwachenden tschechischen Nationalismus.in eine deutsche und eine tschechische Hochschule geteilt, die jahrzehntelang gleichberechtigt nebeneinander bestanden. Nach der Gründung des . neuen Staates wurde 1620 ein Gesetz erlassen, das allein die tschechische Hochschule als - Nechtsnachfolgerin der alten Ahna mater Carolinensis anerkannte, einer Bestimmung, die in den letzten Jahren bereits mehrfach^ zu schwersten Differenzen Anlaß gegeben hat. v Erst kürzlich hat der tschechische Rektor Domin die Eigentumsrechte der tschechischen Univer- , sität an den Gebäuden der deutschen Hochschule - schärfstens verfochten. Jetzt verlangt ' das tschechische Rektorat von der' deutschen Universität die Herausgabe der altehrwürdigen Insignien, die vor der Teilung vom Rek- ' torat der Universität bei solennen Anlässen. getragen und im Besitze, der deutschen Universität verblieben waren. Die Art und Weise des in ultimativer Forni gestellten Begehrens veranlaßt - das deutsche ' Rektorat' zu einer Weigerung,' die nach entsprechender Pressevorbereitung Demonstrationen 'der tschechischen Studentenschaft zur JFvlge' hatte, und die schließlich in schwere Zusammenstöße mit deutschen Studenten ausarteie, die sich zum Schutze ihrer Hochschule im Universitätsgcbäude versammelt hatten. Während die Demonstration ursprünglich rein, studentischen und deutschfeindlichen Charakter hatte, wurden bald auch j u d e n f e i n d l i ch e Parolen in die Menge geworfen und von einem Teil der Demonstranten ofsenbär planmäßig ausgenommen.. Vom „Deutschen Haus" zog am späten Abend ein Zug von mehreren Hundert Demonstranten vor'das jüdische 'Volks- Haus (Beth Haam) in'der Dlönha trida,. dort umrden Fensterscheiben ' zertrümmert und Schllder abgerissen. Unter den Rusen „Deutsche und Juden, hinaus!" drang ein Trupp in. das Cafe ÄlaneS ein, wo Scheiben einge--, schlagen und Gäste-belästigt wurden. Es muß jedoch anerkannt.werden, daß bei diesen und ähnlichen Exzessen die Polizei jedesmal rechtzeitig erschien und^ die Menge auseinandertrieb, bevor ernsteres Unheil angerichtet wurde. Ter Polizeipräsident hat scharfe Maßnahmen gegen- Ansammlungen und- Züsam-. nienrottungen 'getroffen. " Dem einzigen nationaljüdisckzen Abgeordneten, Dr. Angelo ' Gold stein, hat der Innenminister Dr.- C z e r n h auf eine Beschwerde hin die bestimmte Zusicherung gegeben, daß die "Regierung den festen Willen, und auch die nötigen. Machtmittel habe, um alle Staatsbürger ohne Unterschied der Nationalität und der Religion zu schützen und' die Aufrechtcrhaltung von Ruhe und Ordnung zu verbürgen. . Der schwere Kampf, den die deutsche Universität seit Jahren um die Erhaltung ihrer Stellung und Bedeutung zu führen gezwungen ist. ist. wenn nicht alle Anzeichen trügen, gegenwärtig in eine entscheidende Phase ge-., langt. Wir haben auch in diesen Blättern schon vor Jahren öfter aus diesen Kampf und die schwierige wirtschaftliche und politische Situation der deutschen Hochschulen in der Tschechoslowakei hingewiesen. Weit über die Grenzen der. Tscheche: hinaus fand damals ' die würdige und beinahe klassisch zu nennende Begründung Aufmerksamkeit, mit der Rektor und Senat der deutschen Hochschule solche Gedankengänge zurückwiesen, und die um ihrer überzeitlichen Bedeutung willen hier noch einmal wiedergegeben sei: (Nation und Staat. Z. Jahrgang, September 1930, 758 S.) . „Nach unserer Erwägung und gewiß nach dem Urteil der gesamten zivilisierten Welt hat eine Hochschule die Aufgabe, allen denjenigen Lllenscheu, die in sich das Verlangen nach den an dieser Hochschule gelehrten Wissenschaften verspüren, die Gelegenheit dieses Studiums zu vermitteln. Der Umfang des Betriebes einer Hochschule kann daher aus' keiner anderen-Erwägung als aus der Notwendigkeit ' für i das Volk und den Staat begrenzt werden.. Wir als' Lehrer an einer deutschen. Hochschule halten eS. für unsere Pflicht, keinem Studierenden,. der sich zum Studium an unserer Hochschule meldet und die gesetzlichen VorauSsetztrngen für dieses Studium erfüllt, den Zutritt zu verwehren. Eine Begrenzung der Hörerzahl des ersten Jahrganges^ nach oben erscheint aus diesem Grunde unmöglich.'- Sowie die Hochschule die Pflicht'hat,'ihre Pforten denjenigen zu öffnen, die Einlaß verlangen, so hat jeder. Staatsbürger'das Recht' für die Steuern, die er zahlt, Eintritt an die Hochschule Wr sich und seine Kinder-zu beanspruchen. Wenn ein besonderer Andrang an die-Hochschule eintritt. so kann dies-nur als ein-Zeichen angesehen' werden,- daßdie '-Hochschulen der - Republik besonderes Ansehen genießen. Auch aus diesem' Grunde muß jede ziffernmäßige Vegren- ',zung als Entwicklungshindcrnis abgelchnt werden." . Zur Blüte und zum Ruhm der deutschen , Universität in Prag haben neben Hunderten deutschjüdischer Studenten auch zahlreiche weltbekannte dentschjüdische Gelehrte — es sei nur der Name des mehrfachen Rektors Ckanukka-Lichte y.cicluiinitj von Max Bidrfrttl ochnS ist nicht Karl V.. der den religiösen Individualismus bekämpft.' Wenn von Individualismus schon die Rede ist. so muß gesagt werden, daß er auf seiten des Syrerköuigs Antiochus liegt, der ein begeisterter Grieche war und für Athen schwärmte. Zwar hat es sich in den Glaubenskriegen deS europäischen Mittelalters, nämlich in den Kreuzzügen, und in den bllaubenskriegen der Neuzeit, in den RTsivrmativnskriegen durchaus nicht nur um Dogmen und Lehrgegensätze gehandelt, sondern um durch das ganze Leben der Gemeinschaft hindurchgeheude politische und soziale Tatsachen. AVer Professor Kisch genannt — beigetragen; ist dies etwa der Anlaß der Verbindung deutschfeindlicher und antisemitischer Exzesse? Oder liegt hier etwa eine unverständliche „Verquickung gegensätzlichster Haßgefühle" vor. wie ein Berliner Montagsblatt meinte? Tiefer nur .scheinbare Gegensatz findet in erster Linie seine Erklärung in der besonderen Struktur der volkSpolitifchen Verhältnisse in der Tschechoslowakei. Daneben ist allerdings auch zu berücksichtigen, daß schon im Hinblick auf die im nächsten Jahr bevorstehenden Wahlen ein Teil der RcchtSopposition anscheinend bemüht ist, sich für den Wahlkampf die billige antiseinitische Parole zu sichern. Tie tschechische Gegnerschaft liegt darin, daß man feit Jahrzehnten -gewohnt ist. in dem deutschen Juden seiner Heimat eine der treuesten und zuverlässigsten Stützen und Hilsstruppen deS Deutschtums zu erblicken. Das zahlenmäßig feit jeher schwache, kulturell und politisch um so wichtigere Deutschtum der Landeshauptstadt Prag,, wäre ohne die besonders finanziell und kulturell wichtigen dentfchjüdischen Kreise undenkbar und zur Bedeutungslosigkeit verurteilt, zahlreiche Bezirke im Laude würden niemals die für die . Sprachrechte der deutschen Rtinderheit. notwendigen 20 Prozent Bevölkerungsanteil erreichen, wenn sich nicht auch zahlreiche Juden zum Deutschtum bekennen lvürden. .lieber daS Dentfchtum in der ZipS, einer der wichtigsten deutschen Enklaven in der Slowakei schreibt - Jausel, einer der besten Kenner dieses Gebiets: „Die Zipfer Juden bekannten sich zu einem großen Teil als Deutsche, waS - man besondeS an den Orten' mit ganz geringen deutschen Minderheiten ohne lveiteres festftellcn kann. Dadurch wurden sie eine Stütze des deutschen EleinentS, eine Tatsache, die unbedingt anerkannt werden muß." In den: Kampf des SndetendentschtnmS um die Erhaltung feiner nationalen und kulturellen Individualität haben auch deutsche Inden sogar als deutsche "Ninister der tschechischen, 9iegiernng einen nicht unwichtigen Anteil; neben jüdischen'Professoren-der deutschen Hochschulen wurde-der nationalitütenrechtliche Kamps . vor allem juristisch besonders.von dem bekannten Stadtrat Dr. Epstein in Prag geführt und, vertieft. Tie gleiche Treue wie dem Deutschtum haben übrigens auch in -den ehemals ungarischen Teilen der Slowakei die dortigen magyarischen Inden dem Ungartnm gehalten, eine Tatsache, die von-ungarischer Seite gerade in letzter Zeit häufig-anerkannt wurde. Ter Tscheche ist in: Grunde seiner Seele nie antisemitisch gewesen, Ungarn und Deutsche dagegen betrachtet er als seine Erbfeinde. Nu: der Treue willen, die. ^deutsche und ungarische Juden auch in '.schwerster Notzeit den Nationen gehalten 'haben, deren Wesen und Kultursie sich-untrennbar verbunden suhlen, ruft man heute auf dem Graben: „Juden hinaus!" Dr. Werner Rosenberg

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