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Central-Verein-Zeitung · 1934-11-22 · 47 (22.11.1934) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
47 (22.11.1934)
Date
1934-11-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XIII; Jahrgang / Nr. 47 Berlin, 22. November 1934 ' ' ' Preis 20 Pfennig owo f l \ - A. H. „Sir beabsichtigen, den Inhalt dieser — für das deutsche Judentum zu leistenden — Arbeit auf der Grundlage der E.-V.-Idee in den nächsten Nummern an dieser stelle zu eutmickcln." Ehe wir daran gehen lbnnen, diei'e Absicht, die am Schlüsse unseres vorwöchigen Leitartikels stand, zu verwirklichen. ist es notwendig, einige scheinbar abseits liegende Probleme Zu klären, damit die Auseinandersetzung mit den hier bereits entwickelten und noch zu entwickelnden Gedankengänge nicht im Formalen und Taktischen Necken bleibe. Wir bejahen, wie seit April 1033, in Erkenntnis der vassiven Schicksals gemeinschait des deutschen Judentums seine einheitliche Leitung durch eine aktive Arbeitsgemeinschaft. Im Zentralansschuß für Hilfe und Ausbau und späterhin in der Reichsvertretnng der deutschen Juden hat dieser Gedanke seinen äußeren vorläufigen Ausdruck gesunden. Gr wird auch dadurch bestätigt, daß alle jüdischen Organisationen, insbesondere auch unser Eentral-Vcrein. unterschiedslos allen Ratsuchenden.zur Verfügung stehen, ohne nach. ihrer jüdischen Parteirichtung zu kragen. Aber diese Gemeinschaft ist zunächst nur als eure Arbeit s g e m ei n s ch a s t gedacht und legitimiert gewesen, bei der-sich die Schöpfer darüber klar waren, daß jedes organisatorische Gebilde eine Eigcngesetzlichkeit gcminnt Alle an der Reichsvertretung beteiligten jüdischen. Kreise sind sich so auch in der Anerkennung deS Rechtes der Reichsvertretung auf organische Gntwicklung einig, wenn sie auch unter „organisch" Verschiedenes meinen. Aber alle sind auch, innerlich damit einverstanden. daß sich aus der Eristenz der Reichsvertretung al? bleibendes Ergebnis dieser Zeit einmal eine jüdische Gemeinschaft in Tcutschland ergeben möge. Nur macht jeder der Beteiligten den offenen oder geheimen Vorbehalt, daß dieses später einmal geformte deutsche Judentum aus der geistig-weltanschaulichen Basis ruhen möge, die gerade er sich selbst gesellt, hat. Es wäre ein großer Fehler, eine ideenmäßige Geschlossenheit des deutschen Judentums vorwegzunehmen. Tie Reichsvertretung der deutschen Inden soll der Lrt sein, wo sich die geistigen Kräfte und Gegenkräfte miteinander Messens und wo die Quintessenz menschlicher und sachlicher Fähig-, leiten der einzelnen Richtungen sichtbar wird.' Vilvr diele Zweckgemeiuschast in der Reichsvertretung bedeutet keine Einheitsideologie im deutschen Judentum. Tie Beteiligung an ihr heißt deshalb für den Beteiligten nicht Verzicht auf geistige Selbständigteil, sondern Bereitschaft, die Wertigkeit seiner Ideo unter praktischen Arbeitsbeweis zu stellen, heilst der Wille, seine Idee' osten im vorzutragen, um sie zur Einheitsidee zu machen. Das ist keine jüdische Besonder-, heit. Jede Idee vielmehr, die sich für eckst und wertvoll hält, hat den inneren Befehl,'sich. Mese Nummer umfasst 18 Seiten Sie enthält n. tu Hauptblatt: Der V/illc zur Objektivität, von Fritz Friedlcender. r. Beiblatt: Die Juden von Schwersenz. von Stadlral a D. Artur Kronthal. — Dein Upimkaja. von Dr. M E. — Coelhe und Meliere im Berliner Kulturbund, von Ur. Hugo Daehmon.d(i. — Werdendei Staatsrezhl. von Kurl Julius Ricgncr. 2. Beiblatt: Wirtschaft der V/oche. 3. Beiblatt: Do* Philo-Lcxikon ist da!, von Professor hmer Elbogen und Alfred Hirschberg. — Eine Mutier erzählt die Bibel. 4. Beiblatt: Erziehung. Eltern. Schule. durchzusetzen. Und jede Bewegung, die Träger einer solchen Idee ist, hat den Willen zur Totalität. Es wäre für die lebendige Fortentwicklung des deutschen Judentums bedauerlich, wenn die praktische Arbeitsgemeinschaft dazu führte, daß die in ihr wirkenden Kräfte in bezug aus die Durchsetzung ihrer eigenen Ideen resignieren sollten. Gewiß geht in diesem Augenblick die praktische Erhaltnngs- und Neubauarbeit im deutschen Judentum über alles. Aber es wird auf allen LebenSgebieten immer deutlicher, daß überall dort, wo nicht Notdächer errichtet werden müssen, sondern wo das Bewußtsein einer relativen Sauer besteht, die Idee hinter der Arbeit immer stärkere Geltung beansprucht. Wir stehen im deutschen Judentum ungefähr in der Lage einer Koalitionsregierung, von Persönlichkeiten..Tie beteiligten Parteien sind nicht selbst, sondern nur mittelbar durch Gesinnungsfreunde vertreten. Tie Parteien stehen in der Kritik der praktischen Leistungen Gelvehr bei Fuß, ohne ihre programmatischen Standpunkte damit aufzugeben. ES ist nun denkbar, und die deutsche Geschichte vor dem 30. Januar 1033 ist ja allen noch sehr gegenwärtig, daß eine gewisse' unmittelbare Verankerung der Negierung über die Parteien hinweg versucht wird. ■ Aber solche Versuche gelingen nur, wenn hinter ihnen entweder Wille zur Mackst und zu ihrem Einsatz vorhanden ist, oder wenn eine Einhcitsidee durch die Arbeit entstanden ist, bicgegenüber den Parteiideen entweder etwas ganz Neues oder überlegen Neugeforrntes darstellt. Die erstere Möglichkeit ist im Judentum nicht vorhan-. den. Mit der zweiten sind wir. einverstanden. Aber wir müssen und wollen ihre Bildung beeinslnsjen, weil wir von der Nichtigkeit unserer Idee überzeugt sind, die glaubt, daß eine Lebensmöglichkeit von Juden inmitten ihrer Umwelt besteht, die immer wieder von neuem, zu schöpferischer Verknüpfung und Lösung führt. : Wenn wir das feststellen und daran gehen/ hieraus die Konsequenzen zu ziehen, so eröffnen wir damit nicht etwa die Diskussion um die Neichsvertretung von neuem oder beginnen eine. inncrjüdifche Auseinandersetzung ' alten Stils, die wir seit langem'abgelehnt haben/ und die auch untere Freunde mit Recht als unzeitgemäß bezeichnen würden. Wir. holen seitens des E.-V. vielmehr nur. etwas nach, was aus organisatorisch-geschichtlichen Gründen durch uns bisher in. umfassender Weise noch nicht betätigt worden war: Tie Einbeziehung aller jüdischen' Lebensbczirke in den Programmbereich des E.-V.'— nickst als deklamatorische Feststellung unseres Interesses au ihnen, nickst als Auszählung von Beteuerungen, zu was allem nur Ja oder Rein sagen: sondern um eine . große und verantwortungsvolle Denkarbeit zu verrichten, die der Ebenbürtigkeit der deutschjüdischen gegenüber der nationaljüdischen Anschauung die notwendige Grundlegung ans allen jüdischen Arbeits-, Denk- und Qrganisationsbezirken innerhalb Deutschlands gibt. Der Zionismus ist uns darin um eine Generation voraus. Das ist weder sein Verdienst noch unsere Schuld. Es war vielmehr Folge der Verschiedenartigkeit. sich die Aufgaben zu setzen. Wir strebten nach außen, der Zionismus nach innen. Wir wollten die Bewährung der Juden innerhalb der Allgemeinheit, der Zionismus die jüdische Bewährung innerhalb des Judenrums. Diese Grenzlinien sind nicht so genau beachtet worden, wie sie hier zur Vereinfachung gezogen worden sind, denn auch Zionisten arbeiteten außerhalb des Judentums und unser Bemühen galt seit langem bereits der Wiedererweckung jüdischen Bewußtseins und Wissens, — und wenn auch das letztere zunächst nur zur Apologetik des Judentums. Aber im Grundsätzlichen verhielt es sich so, daß wir unsere Arbeit an der Außenfront, die Zionisten an der Juucufrvnt ansbauten. Der deutschjüdische Gedanke fand deshalb innerhalb der jüdischen Bezirke keine einheitliche, sondern eine zersvlitterte und vielgestaltige Vertretung. In ' der Gemeindepolitik z. B. galten allgemein die Jüdisch-Liberalen als Träger des E.-V.-Gedankens. Es gab und gibt zwar heute wie damals auch jüdisch-konservative Kreise. die dem E.-V. befreundet sind. Aber da der jüdische Liberalismus im Lause der Zeit fast alle seine Ziele verwirklicht hatte, empfand er sich seit langem nickst mehr als religiös-politische Gruppe, sondern als Partei der deutsch-jüdischen Idee, die auch für gleichgerichtete. ' ' , - Steh ende zur Verfügung stand. Der Hergang ans diesem Gebiete läßt sich nur entfernt mit den gewollten Vorgängen vergleichen, die zur Gründung der Jüdischen Volkspartei aus der Zionistischen Vereinigung geführt haben. Auch die Spannungen, die zwischen G.-D. und liberaler Gemeindepolitil bestehen, sind andere als die zwischen Zionistischer Vereinigung und Volkspartei. Vielleicht liegen sie 'sogar entgegengesetzt. etwa, daß im zionistischen Lager die Ziou/istische Vereinigung von der Volkspartei glaubt, sie verdünne die echte zionistifcheIdee, während in innerem Läger der gleiche Vorwurf von den Gemeindeliveralen — man erinnere sich der Erneuernngsbeioegung? — gegen den E.-V. erhoben worden ist. Man sielst jetzt allgemein ein. daß dieser Vorwurf unberechtigt war. soweit er dem E.-V. einen Bruch seiner Ideenlinie nachznweisen versuchte. Plan gesteht uns zu, daß Linien nicht ins Leere führen dürfen, wenn sich lebende Menschen an ihnen ausricksten sollen, sondern' daß sie innerhalb eines Feldes verlauten müssen, das aus Zeit und Nanm' gebildet ist. Aber wir haben die Entnsicklungen im innerjüdischen Lager? genau beobachtet, haben die. deutlichen und unausgefvrochencn Forderungen ■ an uns gehört und gehen' jetzt daran, ihnen Nechnung zu tragen. ] fK’.o hat der Eentral-Berein alle feine Energien auf die praktische Arbeit geworfen.. Er hat seine Menschen für alle in Betrackst kommenden jüdischen Arbeiten zur Verfügung, gestellt. Er hat bis zur Grenze des Möglichen, und darüber hinaus materielle Opfer gebrackst¬ und bringt sie auch heute noch täglich. Er hat neben dieser praktischen /Tätigkeit in diesem Blättern und in vielen hundert Versammlungen und Besprechungen die Menschen innerlich sestgemacht, ansgerichtet und sie seiner Idee stark verknüpft. Aber es geschah zinneist noch aus dem inneren Ntztsthunis von früher her.' Wir hatten sozusagen eine Auswechslung unserer Arbeitsgebiete von außen nach innen vorgenommen. Aber damit wurde noch nicht die Konsequenz gezogen, daß der C.-V. nun nicht mehr nur Repräsentant einer jüdischen Auffassung mach außen sei, wenn auch inanderer Beziehung als früher, sondern daß er den ideen- und machtmäßig begründeten Anspruch habe, alle jüdische Arbeit, die innerhalb des neuen Deutschlands mit der Zielsetzung der Erhaltung des Judentums in kultureller, wirtschaftlicher und organisatorischer Beziehung geleistet wird, von sich aus zu tragen und entscheidend zu beeinflussen.. Damit ist nicht gemeint, daß er ellva seinen Apparat umfassend erweitere. Es ist vielmehr nur notwendig. daß er für die Arbeit in allen Fällen, wo außerhalb seines Eigenapparates in Gemeinschaftsgremien jüdische Wirksamkeit entfaltet wird, die Grlindlinicn ausstellt, die aus seiner ideenmüßigen Begründung zu ent- ' DE MMßOMN ZT Mm st . FM-S Wenn am 23. November unser Freund David Krombach seinen sä. Geburtstag begew. so ist dieses nicht nur für uns. die wir ihm in unserem Kreise freiindschastlich na bestellen, ein Anlaß, diesen Tag mitznieiern, suridet u wir alle, die wir im Vorstände des E.'B. sin: Jahren mit Krombach Zusammenarbeiten, freuen lins, ihm an diesem Tage nicht nur mv seine nie erlahmende Arbeit zu danken, sou dern unseren Kollegen _n.Hdi als denjenigen fccinf&ar zu begrüßen, denen ganze Arbeit stets getragen? war von einem, begeisterten Erleben des E.-V.-Gedankens und vor allem von eine-.u seltenen Veraniwortmigsgesülst der Gwawl heit der deutschen Inden gegenüber. Auch da. wo sich die Notwendigkeit herausstcllte. innea jüdische Differenzen zum Anslrag zu. bringen vergaß er hierbei niemals, daß der Bruder denr Bruder gegenübersteht. Das 30. Lebensjahr ist in heutiger Zen. Uw an verant.lvortungsvvtlster Stelle Mäm'" iit Holzem Alter noch ihre Pflicht i>rfr>:1 rn müssen, kein Anlaß zu biographische,' krackstnngen. Es ist selbstversläudlich. dast mc Arbeit unseres Freundes Krombach '.ms weich' gehörst und daß er weiter auch aus de, Pflickstersüllung in unserem Kreise die Kra'l entnehmen wird, um vor der ernsten Zeit in." ihren schweren Ausgaben zu bestehen. Julius Broilnitz. Wer Tavid Krombach leitet seit Kriegsende die Ortsgruppe Eisen und steht seit sechs Jahren dem - Landesverband Rheinland * Westfalen vor. Alljährlich ist er ohne Aussprache einstiinm.ig um die Beibehaltui'g der Führung gebeten worden. - Ueberschwängli.che Lobeshhmnen würden gleichermaßen wenig dem-Geschmack des Bedachten. wie dem Ausdrucksvermögen denen entsprechen, der sich hier zum Sprecher der großen Schar Glückwnnschender macht. Niir dies soll gesagt sein: In einem einstmals 'viclgerühmten Gedicht Richard Dehinels endete jede der drei Strophen mit dem Schmuchtsrns des der Tagessron Verfallenen: Nur Zeit! Aber gerade das ..Zeit haben" auchinmitten der Hetze -des Alltags/ diese stete-Bereitschaft' zur Verfügung zu. stehen, wenn die Allgemeinheit ihn ruft, diese Geduld des-sich nie Versagens ist es. was an David Kiwmbach seine nächsten Mitarbeiter an der - Lache des E.-V. am. meisten bewundern. ... Wir wissen die Geschicke des - Landesver^ b.indes-.Nheitlläii.d-Westsa<en. des E.-V. uiid der von' ihm . vertretenen rheiiiisch-west. sä tischen Inden in. ruhiger, sicherer Haiid. Daß sie noch lange dort geborgen sein mögen, wo seltene Herzenswärrnc-gepaart mit Be-' fonnenheit auch in erregten Stunden bcu" Kurs bestimmen, wünschen wir heute David Krombach,- wünschen wir dem E.-V., wünschen wir dem deutschen Iiidentum. Ernst Plaut. wickeln sind. Er muß daran gehen, die im- . einheitliche und subjektive Vielfältigkeit der deutschjüdischen Vertretung in den Gemeinschaftsgremien zu beenden, wie es die Zionisten schon seit langem, jedensall theoretisch, in ihrem Bereiche entsprechend getan haben. Der Vorrang, den von Beginn an die jüdische Arbeit bei ihnen eingenommen hatte, hatte dazu geführt, daß zu allen jüdischen Problemen eine griindsätzliche Ausrichtung vom Zionismus her vorhanden war. Der Zionist wußte in jedem Gremium in jeder Lage, ivelche EntscheidiNig von der Basis der zionistischen Idee her für die speziellen Fragen

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