Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 46 (15.11.1934)
- Date
- 1934-11-15
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Appen, aber als sogenannke DolontLrtn soll sch allewissen und alles können. Aber daS wäre ja alles nicht so schlimm. Doch man mischt sich auch in meine persönlichen Angelegenheiten. Denk mal, Günther, heute hat mich Frau Weiß ausgescholten, bat mir beinahe untersagt, mich noch einmal von dir abholen zu lassen. Günther, geh doch einmal die Straßen an den Warenhäusern entlang, sieh' dir einmal an, wie viele Mädels abgcholt werden." Tie bisher so rnhige Ilse ist nun ganz in ihrem Fahrwasser. „Warum glauben aber unsere Chefs. auch für unser Privatleben verantwortlich Zu sein. ,Ia, liebes Fräulein Lind, Frau M hat mir da erzählt. Sie seien am Sonntag in O. als Delegierte eines Ingendbnndes gewesen, da kann man natürlich kein Interesse für's Geschäft haben!' Glaubst du, Günther, man hätte sich auch um das Privatleben unserer Vorgängerinnen gekümmert? Wir jungen jüdischen Mädels von heute wissen doch ganz genau, daß auch unser Privatleben keine Sache des einzelnen me^r ist. daß wir uns alte sehr vernünftig und anständig zu ^nehmen baden, aber das ist doch wirklich selbstverständlich. und hat doch gar nichts mit dem Geschäft zu tun. Aber man begegnet uns eben mit Mißtrauen. man stellt uns nur aus Anstand ein, man wertet uns nicht als Menschen, die arbeiten wallen, und kümmert sich noch um unsere Privatangelegenheitcn. Ich will aber im Geschäft gar nicht privat behandelt werden, weder in für mich günstiger noch in für mich ungünstiger Weise. Ich null keine Sonderstellung, will nur selbstverständlich meine Pflicht tun, und das soll man anerkennen." Sie haben die Halle erreicht, wo das Konzert des Kulturbundes stattsinden soll, geben Hut und Mantel ab und gehen in den Saal. Sin eifriges Summen umfängt sie, Geigen werden gestimmt, die erwartungsvolle Erregung eines Kunstabends schafft andere Stimmung, andere Gedanken. Günther hat nichts mehr gesagt, er weiß, daß seine Ilse nur Zu recht hat, aber sie muß sich eben durchkümpsen. Das ist nicht anders. Ta klingt auch schon die Egmont-Luvertüre auf, und er kann nur noch leise flüstern: „Nur guten Willen haben", und Ilse nickt ihm, nun schon ganz im Bann der Tone, freudig Zn. Mächtig und kraftvoll schmettert die äJtufif in den weiten Raum..! Eine Mutter erzählt die Bibel Sakrales Kunstgewerbe in neuer Fortri 'A/ , •*a *'•+*/"** -or ' f-Y* > -* x v :*X*J ' >r- &**>•*& v „NV ^,'4 /''i-'?'/£Sk •»'5rÄ'-«r-v . ' s * - Ti > mn urh '•. T,H rrTj^i 13 nn-,. T VBr.s.rw*n7iyö; Ai Frau Rahel Ruth Sinasohn hat die schwierige und verdienstvolle Aufgabe übernommen, das sakrale jüdische Kunstgewerbe neu Zu beleben und werterzuentwickeln. Sie bringt dazu ein tiefes reiches Wissen des jüdischen Kultus mit, gute Materialkenntnis, gutes handwerkliches Können, geschulten Geschmack und künstlerisches Empfinden. Ihre Arbeiten sind überraschend vielfältig in der Bearbeitung, im Material und in der Behänd« lungstechnik. Angesangen von schön gestickten Handarbeiten mit Silber aus Seide, über Porzellanmalerei Zu geätzten und getriebenen Mctallschalen ist alles mit tektonischer Sicherheit und feinem Formensinn ausgeführt. Das kostbarste Stück ist wohl der Thora-Dorhang in der Synagoge am Sigmundshos, der aus weißer Seide geschmackvolle silberne Stickerei zeigt, die Gesetzestafeln, von zwei Löwen flankiert und der Krone überdacht, alles in einem Meer von silbernen Sternen. Eine vorbildliche Arbeit ist ferner ein Habdoloh-Teller. der in Aetzarbeit antike Motive gestaltet; ein großer Stern - J’hut. herucrt üonnuiitid in der Mitte ist mit sechs ihn umrahmende« Sternen und der rituellen Umschrift zu einem Lilti von starker ornainentaler Wirkung vereinigt. TZ führe zu weit, alle Arbeiten von Rahel Ruth Lim« sohn einzeln zu beschreiben. Man kann zusammen« fassend von ihnen behaupten, daß sie ehrliches und gutes Können vorstellen, und man kann von ihnen hoffen, daß sie entwicklungsfähig genug sind, neu- Wege im sakralen jüdischen Kunstgewerb« zn eröffnen. (5. Fortsetzung) Zum 17, November Es ward Tag. und Zeit für Jakob weiterzuwandern. Seine Mutter hatte rhm den Weg zu ihrem Bruder Laban genau beschrieben, so mußte er ihn auch finden. Nicht lange, da kam er an einen Brunnen, um denselben waren ein paar Hirten mit ihren Schafherden gelagert. „Ei", sprach Jakob, „warum laßt ihr eure Schafe nicht am Brunnen trinken und führt sie nochmals auf die Weide, denn es ist doch noch früh am Tage." — „Das niI!I!!lII!!IIIIIIII!!I!!Ulll!lll!!!)I!!!!!!IIIIIIIlllIIIIl!ll!!I!I!!I!!III!!!II{IIII!iniirailI!!II!III!!IIlIlil!IIII!II!n!!II!lIIIIl!IIHni!II!l!I!!II!IIIIII!I!Il!!I!Iimni!IH!I!II!!l!HIHIIII!!l!IIIIinn!III!llHIlIII!Iinnil!!llil!l!IH!!niIIIIininill!fII!n™ können wir nicht, denn der Stein, der auf dem Brunnen liegt, ist fo schwer, daß loir auf alle Hirten des Dorfes warten muffen, um ihn zusammen herabzuheben." Da kam Nahel mit ihrer Herde daher. Wie Jakob sie kommen sah, dachte er plötzlich, nicht Rahel, sondern seine Mutter vor sich zu sehen, so ähnlich war das Mädchen seiner Mutter. Er fühlte, das kann nur eine Tochter meines Onkels sein, des Bruders meiner Mutter. Er ging zum Brunnen, was sonst nur alle Hirten gemeinsam sertigbrachten, tat Jakob allem. Er wälzte den Stein vom Brunnen und half dem Mädchen die Schafe tränken. Rahel wunderte sich über den fremden Alaun, der so gut zu ihr war. Nachdem die Tiere getrunken hatten, sprach Jakob: „Du mußt, ich fühle es. eine Tochter meines Onkels Laban sein, denn du bist meiner Mutter so ähnlich." — „Ja", sprach Nahel, „ich bin die Tochter Labans, komme mit zum Vater und zu den Geschwistern." Jakob ging mit ihr. Laban freute sich mit ihm. Ta Jakob ihm aber nichts mitgebracht hatte, dachte Laban, das Geschenk hat er vergessen; will er hierbleibeu, soll er mir wenigstens meine Schafe hüten helfen. Jakob blieb und hütete die Schafe und tat, was Laban wollte, da er Nahel, die Tochter Labans, liebte. Nach einiger Zeit wollte nun Jakob Nahel heiraten. Laban war es recht; als es aber Abend wurde und dunkel, da führte Laban heimlich Lea, seine ältere Tochter, ins Zekj Jakobs. Am Dlorgen, als es hell wurde, da merkte Jakob zu seinem Schrecken, daß nidjfi Rahel, sondern Lea bei ihm im Zelte war. Was sollte er tun? Böse durfte er den Onkel nicht machen, denn dann hätte er ihm gewiß Nahel nicht auch noch zur Frau gegeben, und Rahel. Rahel mußte ferne Frau werden. Sie, die seiner Mutter so ähnlich war. Er blieb nun weiter beim Onkel, arbeitete, hütete die Schafe. Als ein Weilchen verstrichen war, ging er wieder zu Laban und bat: „Gib mir doch jetzt Nahel zur Frau." — „Tu sollst sie haben, wenn du noch sieben Jahre bei mir bleibst und meine Schafe hütest." Jakob blieb und heiratete Nahel und liebte Rahel mehr als Lea. Kollegen voll Verachtung den Stab über jemand gebrochen hätten, wenn sie sich zutuschelten: „Du, der hat ja Schwarz auf der Palette." Mitten im Mohn habe sie sich gemalt auf einem Selbstporträt, ganz dunkel fei ihr Haar in Wirklichkeit gewesen, aber auf dem Bilde mußte es hell sein. Es sei doch eigentlich gar nichts, das ganze Bild, aber damals habe sie es zauberhaft gefunden, sagt Julie Wolfthorn mit einer kleinen Ironie und doch mit der Genugtuung, die nur gescheite und reife Menschen haben, wenn sie Wandlungen nicht als Irrungen ansehen — „nur der sich wandelt, ist mir verwandt" —, und die erkannt haben, daß ein lebendiger Mensch die Welt nicht von der Geburt bis zum Tode unter einem starren und unabänderlichen Winkel betrachten könne. Ja, sie hatte techt getan, damals die Träume zauberhaft zu finden, bei Julie Wolfthorn kann man unbedingt voraussetzen, daß auch Träume eine Realität bedeuten. Viele, viele Frauen hat Julie Wolfthorn gemalt. Von allen weiß sie etwas zu erzählen. irgendeine kleine Begebenheit, irgendeinen kleinen Eharakterzug, und der kleine, kultivierte Frauentratsch ist damit in das Bild, zwischen Leinwand und Farbe hineingeschlüpft. lebt da weiter und blitzt in den Augen oder im Haar, in einer Schleife oder unter dem Handschuh einer schlanken Hand hervor. Dieses blonde Mädchen, erzählt Frau Wolfthorn, konnte nicht kokettieren, wir waren beide darüber sehr unglücklich, weil wir keinen passenden Gatten finden konnten, oder diese Frau — das Bild nennt sie ihren Feuerbach, ein Bild in Lila, eine Frau in Lila, die einen Hut tragt, wie man ihn vor dreißig Jahren trug —. aber der Hut sei doch schön, jetzt trage man wieder solche Hüte, in der Kunst gehe es ähnlich. Und die Frau in Lila habe so viel Platz auf sich gehabt, sie habe auf einem Presseballkleid lauter Blumeutufss getragen, in den Aermeln, am Rock, und das sei Gina, die verträumte Polin, ihr Vater sei ein Aristokrat gewesen, und das sei Frithjos oder der Bergsteiger, ein blonder Schwede — er mußte aus Berlin flüchten, weil er den Frauen hier zu gut gefiel —, oder das sei eine Ungarin, die hier in Berlin zürn erstenmal kilometerweise Stoffe gebatikt habe, oder, oder ... bei Julie Wolfthorn saßen nicht nur die Menschen allein, nein, immer saß mit ihnen ein Stück Leben, ein Stück Vergangenheit als Modell, und an ihm wurde vielleicht nvch eifriger gepinselt als au Nase und Wangen. „Und das ist Ascona, wenn's regnet, und das ist der Berg in Ascona, und wenn man in der Früh auswacht, steht noch immer der Berg da und steht und steht, und hier zu diesen Herbstblumen habe ich mir den Himmel selbst ausgedacht, in Wirklichkeit war er so ordentlich blau und langweilig." Jetzt handelt es sich um sehr schöne Aquarelle. Glitzernd, ganz leicht und zart liegt der See, eingehüllt in die noch zartere Lust, und ganz vorne kommen schwere Kähne, und wenn man länger hinsieht, schleppen sie sich bedächtig und langsam fort. Es glücke einem manchmal, sagt Frau Wolfthorn, daß Bilder ihr Aussehen wechseln, und ein Besucher erzählt. er habe eine Landschaft bei sich zu Hause hängen, auch von Julie Wolfthorn gemalt, die Landschaft sehe manchmal heiter aus, sonnig und strahlend, am Abend wieder schwer und düster. „Wie schön", sagt Julie Wolfthorn. 'ehrlich, ein wenig gerührt und begeistert. Es ist nicht die leiseste Spur geschmeichelter Eitelkeit dabei, es ist nichts weiter als ein Lob. das vielleicht noch mehr den Menschen gilt, die ihr Bild zu sehen derstehen, als dem Bilde selbst. , Julie Wolfthorn, wir wollen es zum Schluß wieder sagen, müßte sich selbst die Kritiken schreiben. Nicht nur deshalb, weil sie ihre Bilder undatiert signiert, damit die landesüblichen Kritiker au einem Bild, das vor dreißig Jahren ausgestellt wurde, haarscharf eine merkwürdige und überraschende Entwicklung ableiten können (Julie Wolsthorn hat die verblüffende Wirkung dieses Experimentes erprobt), sondern vor allem deshalb, weil sie eben ihre beste Kritikerin ist. Und damit haben wir ihr das beste Zeugnis ausgestellt, Julie Wolfthorn als Malerin, Julie Wolfthorn als Menschen. 6. ir. Das Kind Gott selber schickte dich aus seiner Engel Scharen, Als deiner Eltern Herzen reinste Liebe waren. Du schlugst die Augen auf. Bei deinem ersten Blick Begriffen sie Bestimmung und Geschick. Du regtest spielend deine winzig ros’ge Hand — Und knüpftest neu der Ewigkeiten Band. Du machtest tastend durch das Haus den ersten Schritt — (Jnd Vorfahr’n, kommende Geschlechter gingen mit. Du sprachst das erste Wort — in seinem Klang Der Jubelchor der Mütter ailerVölker sang. Du lachtest — und des goli’nen Friedens Regenbogen Ward von den Himmeln um die ganze Welt gezogen. Lißo Löwinneck {Königsberg Pr.£ tapse* , Lea hatte viele Söhne, Rahel aber hatte keine Kinder. Rahel war traurig darüber: denn sie hatte Kinder so gern. Eines Tages Pflückte Leas Sohn Blumen auf dem Felde. ß Klatschmohn und Dlargeriten, Kornblumen ß und andere Blume» und ordnete sie;u einem § bunten Strauß, um sie seiner Aiutter 3U J bringen. Rahel war gerade bei Lea, als Rüben ß mit seinen Blnruerc hereinstürmte und rief: j „Atutter, die sind doch schön, die habe ich ertra | für dich. Mütterlcin, gepflückt!" . Z Rahel senkte traurig den Kopf; denn nie ß sagte ein Stinunchen „Mütterlcin" zu ihr. Z Sic hatte kein Kind und hatte doch Kinder so lieb. Lea^ sah, wie traurig Rahel plötzlich wurde. Sie sprach: „Schwester, was ist dir?" Da antwortete Rahel: „Weil ich kein Kind habe, muß ich traurig sein." Anstatt nun Nahel zu trösten, machte sich Lea wegen ihrer . vielen Kinder wichtig. Gott hörte die Wichtig-; \ tnerei Leas, und er sah die Traurigkeit < Rahels. Da schenkte Gott Rahel einen Sohn, den nannte sie Josef. Wißt ihr auch, was der Name Josef bedeutet? 8iahel gab mit dem Namen einen Wunsch an Gott: „Gib mit, noch einen Sohn!" Alice Oppenheimer (Fortsetzung folgt.) Die erste Sonderveranstaltung des Berliner Bezirks deS Schwefternbnndes der IlOBB-Logcn drehte sich vor allem um eine reich beschickte Modenschau. Gute Modellhäuser schickten wunderschöne Kleider, Mäntel und Hüte, und weil die Frauen durch das Sehen von schönen Kleidern in Stimmung geraten, weil Frauen auf Modenschauen immer gutgelaunt und heiter sind, nahm auch diesmal das Publikum dankbar und herzlich die künstlerischen Einlagen auf und ließ sich von Errka Klein, der reizenden Künstlerin des Staatstheaters. und von Josef Ginsburg. dem Opernsänger. entzücken. Alfons Fink machte die Conference und trachtete, sie durch Rezitation von lunigen Gedichten reizvoller zu gestalten. E,