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Central-Verein-Zeitung · 1934-11-15 · 46 (15.11.1934) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
46 (15.11.1934)
Date
1934-11-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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C*V.-Leser frfafcert nur den Kaffee, Teo, Kakao Her, Cessio Kaffee GroSrosferei Bremen YertreUr werden noch eingestellt dem, was jüdische Neberlieferung und jüdisches Leben gaben. Wie ander? sieht es heute bei unZ aus! Viele wissen nichts mehr von dem Schabbath, er ist für ne in der Reihe der Wochentage aufgegangen, und jüdisches Lernen, jüdische Feiern sind ihnen fremd. Da bot sich den Juden in Palästina die große Möglichkeit, den Schabbath nach ihrem Bilde und ihrem Wollen zu gestalten, und der Dichter Chaim Nachman Bialik schuf von neuem den Oneg Schabbath, die Schabbath.Wonne. Am Nachmittag kommt man in Tel Arviw zusammen, liest und singt, feiert und freut sich. Der Inhalt dieser gemeinsamen Feier ist jüdisch, und das Bild ist das einer jüdischen Gemeinschaft. Andere Länder folgten dem Beispiel, und-auch wir in Deutschland, die wir arm an lebendigen jüdisehen Formen sind, versuchen, uns den Schabbath Nnederzuervbcrn. Die Bünde kommen am Schabbath-Rachmittag zusammen, singen, spielen und lesen gemeinsam jüdische Bücher,.in den kleinen Gemeinden versammeln die Lehrer ihre Schüler um sich, und überall, wo heute Juden in Deutschland leben, versuchen sie, einen Oneg Schabbath zu haben. Vielfach sind die Formen, die sich bieten, und ungezählt die Möglichkeiten. Aber eines ist stets da: die Freude an jüdischem Leben und an jüdischer Feier. Tie schwere Woche, die oft nur wenig von jüdischem Sein erfüllt sein kann, mündet in den Schabbath, den jüdischen Tag. Und der Schabbath steht wiederum an der Spitze neuer Arbeit. All das, was gelernt und gelebt ist, findet hier seine Einordnung und seine Deutung. Ter Schabbath ist der Tag der jüdischen Jugend. Tie Alten sind ost arm an jüdischem Erleben, aber die Jugend ist heute stärker im Jüdischen verwachsen, und sie soll zu Jüdisäiem geführt werden. Wo bieten sich da mehr Möglichkeiten des Gestaltens als am Schabbath? Hier i'-r jüdische Jirgend in ihrem eigensten Bezirk, und au- Altem schöpfend formt sie jüdische Zukunft. Oneg Schabbath! Ter alte Tag wird mit neuem Sinn erfüllt. Jugend findet sich zusammcu. die Alten ruhen und lesen in den Büchern der Neberlieferung. Allen gemeinsam ist der jndiiche Weg, der aus der Vergangenheit in die Zukrinft weist. Wenn dann die Dänunernng naht, imd die Hawdala. b'.c Scheidung zwischen Heilig und Werktäglich, gesprochen werden, soll, wird es wieder so sein, das; man sie immer noch etwas lsinansschiebt, um noch einige Augenblicke vom Schabbath zu kosten. Je weiter wir die Hawdala hinan-schiebeu, je länger das Indische in seiner Fülle in und bei uns N'irlt, desto inehr haben wir für unsere Arbeit. Dann wird es einst so werden, das; auch beim Abschied vom Oneg Schabbath der neue Tag jüdisch sein wird,' das; mx vom Tage der jüdischen Freude und Wonne in den Tag der jüdischen Arbeit gehen. F. Ar. Ein Sabbat der Jugend für das Alter. Zugunsten der Jüdischen Altershilfe Groß-Berlin E. B. findet am Souuabend. °-M. November, nachmittag- 5 llhr 15 Min. pünktlich im Großen Saat des Logenhauses .ülei'tstraße 10, eine Jugendveranslaltung statt, bei der Rabbiner Tr..Manfred S w a r s c n s k i über „H e r o i s ch e Zeiten im Juden tum" (mit Lichtbildern') sprechen wird, ferner Sprechchor von Jugendlichen. SrssenÄasiau > In Kassel eröffnete der. Centralverein, 'als erste Oorganisation die Winterarbeit mit einer Anzahl von Veranstaltungen, die Sonnabend, den 10. November, nachmittags, durch eine Heimstunde mit dem Bund Deutsch-Jüdischer Jugend eingeleitet wurden. Hierbei erörterte Dr. Alfred. Hirschberg (Berlin) und Dr. Wolfgang S. Matzdorsf (Frankfurt) in einer ungezwungenen Unterhaltung mit den Jugendlichen Grundgedanken und Ziele des Bundes. Abends fand im Murhardsaal eine große Kundgebung der Gemeinde statt, die eine ungewöhnlich starke Besucherzahl aufwies. Die Leitung lag in den Händen des Ortsgruppenvorsitzenden Dr. Delstevie. Nach kurzen Ausführungen, von Dr. Matzdorff sprach der Syndikus des C.-V., Dr. Hirsch berg, über das Thema: „Richtung nehmen. Während seiner lll-stündigen Rede folgten die Zuhörer mit gespaitnter Aufmerksamkeit den mit echter Leidenschaftlichkeit vorgetragcuen tiefgründigen Ausfichrungen des Referenten, der als Kernpunkt heraus-' schälte, daß nach dem individualistischen Zeitalter, in dem jeder seine eigene Sicherheit suchte und seine eigenen Werte bestimmte, heute eine gemeinsame Ausrichtung erfolgen müsse; durch Schaffung jüdischer Werte gäben wir uns die Kraft, einen neuen Emanzipationsweg zu beginnen. Am darauffolgenden Sonntag fand gleichfalls unter Leitung von Dr. D e l l e v i e eine Bezirkstagnng statt, zu der nahezu 100 Vertreter aus 40 Ortsgruppen erschienen waren. Auch hier stand . ein mehr als ein l^stündiges Referat von Dr. Hirschberg im Mittelpunkt, in dem alle praktischen und geistigen Fragen, die uns heute be- | wegen, erörtert wurden. In der Diskussion ging ' Tr. Matzdorff noch einmal auf Probleme ein, die insbesondere die Juden auf dem Lande betreffen. NvrLMjtörritsKkmd Tie Hamburger ,Frauengruppe des Ceutral-Vereins halle ihre Mitglieder, die Ortsgruppe des C.-V. und den Bund Deutsch-Jüdischer Jugend zu einem Vortrage der Schriftleiterin der „C.-V.-Zeitung", Tr.. Margarete Edelheim (Berlin) über „Tie öffentliche Meinung im deutschen Judentum" eingeladen, Ter Vortrag, der im überfüllten Gabriel-Rießcr- Saal des Tempels Oberstraße stattsand und starken Beifall und Tank erntete, wurde nach einer Begrüß:, ngsansprache von Annie Bauer durch meisterliches Chopinspiel von Werner A b r a m o w i c z umrahmt. Dem Vorstand der Frauengruppe, die sich vorher zu einer kurzen Sitzung über die Besprechung de- Wrnterprvgramms getroffen hatte, und die nach dem Vortrage Gelegenheit zu einem geselligen Zusammensein bot, gebührt besonderer Tank für die geschmackvolle und eindrucksvolle Aus- . gestaltung des Abends. In der Brannschweiger Synagoge sprach vor der versammelten Gemeinde Dr. Alfred H i r s ch berg (Berlins über „Idee und Arbeit im deutschen Judentum". Er entwickelte die geschichtlichen und geistigen Grundlagen, die jede EmanzipationSbelvcgung aufweisen müsse, um sodann dre speziellen ErnanzipatiouLprobleme des deutschen Judentums seit 50 Jahren zu schildern. Die Arbeit des Eeutral-Bereins sei durch die Stellungnahme zur. Emanzipationsfrage in ihrer jetzigen und künf- . tigen Gestaltung bedingt. Der Gemeindevvrsitzende Dr. H e i n e m a n n sprach den Dank der Zuhörer aus. . MtelörutWand lieber das Thema: „Für unsere Arbeit und ' Lcbensraum! Für deutsch.jüdische Zukunft!" sprach in Ehemnitz unter Leitung von Landgcrichtsrat i. R. Tr. Kurt Cohn und in Leipzig im dichtgefüllten Saal des Felix-Goldmann-Heims IWMgj, unter Leitung von Stadtrat a. D. Julius* Krause Amtsgerichtsrat i. R. Dr. Fritz Golds ch m-id t (Berlin). - An den mit sehr starkem Verfall aufgenonune- - nen Vortrag schloß sich eine von Aerzten, Zahnärzten und Dentisten gut besuchte Versammlung an in der Amtsgerichtsrat i. R. Dr. G o I d - schmidt über Fragen des Aerzterechts sprach, während Syndikus ^abatzky auf die Tätrgkert des Landesverbandes Mitteldeutschland zum ' Schutze der jüdischen Aerzte, Zahnärzte und Dentistcn hinwies. _ , r In einer Mitgliederversammlung des Central- Vereins irr Chemrritz sprach Amtsgerichtsrat i. R. Tr. Fritz Eoldschinidt (Berlin), nachdem der Vorsitzende, Landgerichtsrat i. R. Dr. Kurt C o h n, in ehrenden Worten des dahiugegarrgeueu Landesverbandsvorsitzeuden, Rabbirrer Tr. Goldmann (Leipzig) gedacht hatte, über: „Deutschjüdischer Lebensraum". Nach dem mit reichem Beifall anfgeuomineucn Vorträge wurde Dr. C o h n einstimmig auf Vorschlag und unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden Hans B e r n st c i n wiedergewälstt. Nach der'Mitgliederversannnluug hielt Amtsgerichtsrat i. R/Dr. Gotdschmidt vor den anwesenden jüdischen Aerzten und Vertretern der Gemeindeverwaltung ein interessantes Referat über Acrzterechtsfragen, worin er die zum Teil außerordentlich verwickelten neuen Regelungen darlegte und aus seiner reichen Erfahrung als Aerzterechtsdezernent der Rcichsvertretnng der deutschen Juden und'des Central-Vereius berichtete. In der Eugen-Fuchs-Loge in Planen sprach in einer von Walter Goldb>erg geleiteten Versammlnng Syndikus Kurt s: abatzky über das Thema: „Umblick und Ausblick". Dem Referat folgte eine aus hoher Warte stehende Diskussion. Bomnern 'Die Winterarbeit in Pommern setzte ein mit einer Veranstaltung für die Handel- und Gewerbetreibenden Stettins. Auch zahlreiche Freunde aus der Provinz hatten sich eingefunden. Berichterstattec war das Mitglied des Hauptvorstandes, W i r t s ch a f t s p r ü s e t D r. B e r l a k (Berlin), der in seinem Onerschnitt durch alle, heute im Vordergrund des Interesses stehenden W i r t s ch a f t s s r a g e n die Versammlung außerordentlich zu fesseln verstand. Am 10. November 196-1 sprach Amtsg e r i ch t s r a t i. N. D r. G o l d s ch m i d t (Berlin) vor der nichtarischenpommerscheu Aerzteschast über ärztliche ^tandessragen. Seine sachkundigen Darlegungen, welche gleichzeitig die erfolgreiche Arbeit des C.-V. in der Rechtsbctreuung der Aerzte erkennen ließen, fanden die Zustimmung und den Beifall der Erschienenen,' wie der Leiter der Versammlung, Tr. med. S ch a l s ch a (Stettin) dankend feststellen konnte. Am 11. November fand in Stettin die Tagung des Landesverbandes Pommern statt, die von mehr als 100 Personen und den Vertretern von 26 Ortsgruppen besucht ivar. Ein Chor des' Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend gab der Tagung, eine feierliche Umrahmung. Max. E i s e nstei n erstattete Kassenbericht und forderte die Ortsgruppen zu einer straffen Beachtung der Finanzgrundsätze des C. B. und regelmäßigen Beitragsabsnhrung auf. Bon der starken Inanspruchnahme des Syndikats in allen juristischen und wirtschaftlichen Fragen gab der Geschäftsbericht von Syndikus Otto Michels o h n ein lebendiges Bild. Rechtsanwalt Tr. Brock, unter dessen tatkräftiger Führung nach dem Tode unseres unvergessenen Tr. Marknseder Landesverband steht, unterstrich eindringlich die Forderung des Finanzreferenten. Er legte unter dem starken Beifall der Versammlung die Richtlinien dar, die der C. V. und der Vor- C.-V.-Katesidc? Landesverband Groß-Berlin 19. November, 20 Uhr 09 Min.: Dr. Rudolf H. Hcimach sohn: „Unsere Znknnstüacftattnng"; Dr. Mirt Zullst- Ricaner: „Ron Wille und Arbeit der Jugend." Haiüil ' urrnustatlnua Dr. Coro, C!)arIot!ciU>urn, Ähornollee 2w 21. November, 20 Uhr: Rabbiner Dr. Marün Ealomonskit , Die Entstehung unserer Bcrll.ner Gemeinde"; Dr. Vcrthotd Weinbcrq: „Cür unseren Arbeits. unh Lcdcnsraum — ,'iir üeutsch-jUdische Zukunft." Johann« Meyer liest aus „Jeremias". Bogcls Festscilc, Prückcnstrahc. 21. November, 20 Ahr 18 Min.: Mitgllcdcrversammluna. Adolf Slubinstein: „Der Zude im .vnndel und dir PfliclUmiloliedsclinft in den Oraanisatiouei: des Sym, bcls." Ho'el „Uönitk von PorwgalF Berlin C. e, 22. November, 20 Uhr 20 Min.: Adolf Nubinsiein: ,.D>^ Plah des jlldistheu lnemerdetreidenden." :->cim«bcnt> in der Wohnung von z?crru A. Traube, Dimon.. Dach-vlrasse 27. Landesverband Oberfchlksieu 17. November. 20 Uhr lr, Min.-. Creuzburg: Dr. gokobo. mih: „Unser Weg." 18. November, 20 Uhr: Nosenber,;: Dr. Zakodowih- „Unser Weg." 19. November, 20 Uhr 30 Min.: (blciwih: Mitglieder» versanuuluua, ansclilies;cnd zwaualoses Beisammensein in den Räumen der ehemaligen OddscUow-tkoge, Rieder» mallstraste. - 20. November: 20 Uhr 00 Min.: Reuthen (V.-S.): Mi>. gliederveriaininlung. BeriäNe von David Behrendt und Dr. gakobomih. (besang: Obcrkanlor tioljit (B!ci° tvitz). Cchieghauosrraße 0. Landesverband Dlicderschlcsien 17. November, 20 Ahr 30 Min.: Sagan: Dr. R>:day Breitbarlh (Brcolan): „giir deutsch.jüdische Zutuns!." 18. November. 20 Ahr: cdörlitz: Dr. glndolf Breildarlh (Brcstau): „Für dcutschgüdischc Zukunft." - Landesverband Nordwestdeutschland 18. November: Lübeck: Dr. Smus Neiäunann (Bcr!in)t „Deutsches Judentum heute und morgen." MiiscMiföbalttis Eeratimsstie Hannover. Xärlisto Sjircchsteinde: 20. Xov «-nil>ert 11-13 und »!>>-. Hiiro dos < -V., «iooricstr. I I. 21. November: Sannorcr: Dezirkstagung. Dr. Hans Reichmann (Berlin). Landesverband Mitteldeutschland 19. November, 20 Uhr: , Schmalkalden: Ztnrt Sabahsi ILeipzig): „Deutsch-jiidischro Dasein heute und inorgen." 29. November, 20 Uhr: Suhl: .gurt Eadatzku (Leipzigs: „Deulsch-Illdischco Dasein heute und morgen." Landesverband Rheinland-Westfalen 21. November: Lffcn: Landcoverbaudotagung. Dr. Alfrch- Hirschberg (Berlin). stand des Landesverbandes für die Arbeit in Pommern ansgestellt hat. Dr. Hans Reich'mann gab in einem nahe;?, zweistündigen Referat ein Bild von der praktischen Arbeit und der ideemuäßigen Haltung des C V. In einer lebhaften Aussprache wurde" von zahlreichen Ortsgruppenvorsitzeuden und Frcun« den des C. V. die Bedeutung der C.-V.-Ardeit dankbar anerkannt. ZrandrOurg Tie Vortragstätigkeit im Landesverband Brandenburg bleibt äußerst lebhaft. In zahlreichen Ortsgruppen der Ätark fanden erfreulich stark besuchte, von Central-Verein einbcrnsene Eemcindcversainm. lungen statt. In S ch w r e b u s sprach das Mitglied' - des .Hauptvorstandes des C.-V., Ernst Veh reu d t (Berlin), in Eberswalde der Vorsitzende des Landesverbandes Brandenbllrg, Rabbiner Dr. HUarüit Salo:no n sk i (Berlin), in K ü str in und Landsberg a. W.. Tr. Rudolf H. Heimans o h n (Berlin), in Frank f u r t ä. O. Dr. Lndivig Landau (Frankflirt a. O.). Uebcrall fanden dir Ausführungen der Redner. Zustimmung und BeifaL Tie Arbeit des Central-Vereius, die in' den Vorträgen gebührelrd gewürdigt wurde, fand allgeincin Anerkennung. Die Vcranstaltirlljien des Central- Vereius tragen, wie man allenthalben feftftcüert konnte, dazu bei, das jüdische Leben in den flcinereit Gemeinden zu intensivieren. .M mt im MxiA" Ein Brief vrn der Gefahr und svn denNGlen Nicht nur iveil ich feit zwei Jahren zum erstenmal wieder unter fremden Menschen war, lieber Freund, erscheint mir das gestrige Erlebnis so wichtig, das; ich Dir davon berichten muß. Ich ivar im Variatc', hatte einen guten Platz betvmmen. das Haus war voller Leute, nach den Reklainesilmchen kain eine leichte, etwas heftige Ouvertüre des Orchesters, das kleine Fräulein mit dem ach so blonden Haar, das die silberne, große Niunmer des jeweils bevorstehenden Pchogrammpunttes mit einer gespreizten Geste beider Hände und unter sichtlichem Nachdruck des Rückgrats vorzufüstren hat, ging damit über-die Bühne, und dann trat eine Akrobatengrnppe auf. Das war alles so, wie wir es schon früher oft genug gesehen haben, und wovon ich Dir zu schreiben habe,^ ist nur, das; ich es anders sah. Eine vorzüglich gebaute, vollkommen durchgebildete- und mutige, ja waghalsige Artistin' kletterte an einem Seil bis zur Decke, schwang sich oben an ein Trapez hinüber, entledigte sich freihändig, mit den Füßen sich ins Seil hängend, ihrer Kleidung und begann nun int obligaten, Trikot eine' staune.ns'werte Arbeit,' die sich vom wilden Schaukeln bis zu riesen>< wellenartigen Kunststücken steigerte und immer dann aushörte und von neuem und schwerer an-" fing, wenn die Glieder der Artistin eine einhellige, dem ganzen Haus den Atem raubende Pointe gesunden hatten. Darunter mußt Tu den Augenblick des gesährlichen Aktes'' verstehen, in welchem der Zuschauer nichts anderes. mehr als den rasenden Absturz der Artistin erwarten kann, sie aber mit. einem unvermuteten und fast, unglaublichen und immer noch anmutigen, rettenden Griff von neuem in die Sicherheit der Trapezringe kommt, um sich wiederum'und nun in eine noch größere Gefahr zu begeben. ' Das Orchester unterstreicht die Entwicklung des.Vorgangs, die Spannung der Zuschauer wie die Gefährlichkeit, des Unternehmens noch mit seinen immer leiser und lute zitternd werdenden und schließlich nur unterirdisch erdbebenhaft nähergrvllenden Geräuschen, die sich im Höhepunktsmoment mit einem erschreckenden Paukenaus-s brnch entladen und sogleich in einen Walzer oder gefälligen Aiarsch übergehen.' Tie Zuschauer, sagte ich, erwarten den Absturz der Artistin, denn sie 'fürchten ihn, und' doch ist es keine reine Furcht mit dem brennenden Wunsche: sie darf nicht abstürzen!/ sondern eine unlautere Furcht voller Hoffnung aus eine Sensation, gern gekitzelt von der Gefahr. worin ein anderer Mensch, der liebe Nächste, nicht man selbst noch „unsereins" da in der Luft schwebt. . Eine lautere Furcht müßte ja den ganzen Akt ablehnen, iveil er lebens-. gefährlich ist, die Zuschaner-Empsindmig ist. ein erwartetes, vorausbezahltes Vergnügen an dem Akt, weil er lebensgefährlich ist. Der Sieg der Artistin über diese und jene Furcht, ihr Bestehen jeder. Gefahr und ihre Amnut dabei, das/alles'^ ist 'etwas'^Schönes/ Bedeutsames, Beisvieünäßiges, denn es. ist. der Sieg des lebendigen Körpers über das Gesetz der toten Schwere, der Exaktheit über die Wahrscheinlichkeit, ein Triumph der Nerven, der seelisckM Spannkraft,.' der.Geistesgegeu» - wart, des gegenwärtigen Geistes. NINeine Ge-. - fühle bei der Sache standen ganz und gar nicht zu meiner Partei, den Zuschauern, sondern waren eher die eines artistischen^ Kollegen. Ohne Sensation und Romantik zu empfinden, zitterte ich mit:" wird sie durchhalten^ Und wenn sie besteht, können — müssen, dann - nicht auch"wir'bestehend Denn-die Gegebenheiten sind die gleichen: unsere'wie ihre Sache rst es, - gefährlich zu leben, der Gefahr, aber auch der notwendigen Hobe.belvußt zu sein, - jedes Schwindelgesühl zu beherrschen,, korrekt und bis m die Fingerspitzen exakt zu arbeiten, sich weder von den Erdbebentönen der Begleitmnsik, noch vom wollüstig ängstlichen Aufschrei " eines weichen Frauenherzens aus dein Parkett .. beirren zu lassen und bis ans Ende mit Anmut, Würde und Verve durchzuhalten. -., -. Der Bauchredner, der nachher austrat, ist ein'Spanier und gewiß ein Caesar auf seinem Gebiet. Tie Atöglichkeiten seiner Stimme — ' um nicht zu sagen: seines Bauches — scheinen ebenso unbeschränkt wie die Verschlossenheit seines Äftlndes und die Regungslosigkeit seiner Züge, während seine andere Stimme am Werke ist. Und doch solltest du nur seine den ge- ■ ringsten Beifall entfachende Leistung hören, um wieder einmal au die Grenze des Äkenschlichen^ versetzt zu sein. Es ist dasdie-Imitation eines vom Grammophon gespielten .. Stückes aus einer Oper; die Grammophon- _ platte imitiert unsere Menschenmusik, und. ' dieser Mensch imitiert zum Verwechseln ähnlich die Imitation. So schließt sich der Kreis, die Eespenstigkeit des Nachspielens wird durch. , das Nachspielen der Gespcnstigkeit aufgehoben,- " und wir lachen frei heraus. Ich meine, wir müssen bei all dem. was in dieser Welt an nur nachgemachten, nur künstlichen Leben ist, lediglich merken können, das; es sich um nichts Ernsthaftes, Echtes, daß es sich um die Nach-. " ahmung von Imitationen handelt, und ein- Lachen wird uns befreien. .Zwischen Akrobaten, Tänzern, Bauchrednern und Radclowns spielteAsta Nielsen -.den letzten 'Akt der „K'ameliendame". Dn weißt, die.'„Kameliendame" ist. ein altes, senti». mentales Stück, und die Glanzrolle der Düse und. der Sarah Bernhard reizt, natürlich auch ' die größte Tragödin unserer Tage. Und wirklich ist Asta Nielsens schauspielerische Leistung ganz über alle sonstigen Maßslübe . -) groß. Aber der Eindruck ist eigentlich noch '' ungewöhnlicher. Tie Nolle ist sentimental," die- Nielsentragisch. Also tritt der unheimliche'Fall ein, das; die-Rolle ihrer Darstellerin - ■ nicht' gewachsen ist. Ich mußte sie sehen, um . Wieder zu wissen, was alles diese geniale Frau ' mehr spielt als solch einen Theaterschluß,.was sie.uMr..kann, als solch eiu Dumas, dessen Glanz-stück natürlich längst selbst die Krankheit seiner Helden, bekommen hat, die Schwindsucht. Asta Nielsen: ist ja ein Vollblutmcnsch, und .nichts kann heilsamer und fördernder wirken als die Teilnahme an der Entfaltung uu.8 Souveränität 'eines solchen Atenschen. Das Wichtigste für mich war die Erkenntnis, daß der lebende Mensch viel mehr, vielfältiger, stärker, besser, größer ist als die Parade- (oder Cchand»)Rvlle, die irgendein Autor ihm verschreibt. Verstehst Du nun mein Erlebnis- So empfiehl mich den Demigen und behalte in gutem Andeilkcn Deinen dev Israel, Kunst undWissenschaft ' - Der Herzog von Kent überreichte gestern auf dem Jahresbnnkett' des ' BreüustoffinstitutS dem' deutschen Forscher Berg ins die MelchetERledaille. Lord Melchett, der Führer der englischen che« mischen Jndustrier-chieß srrcher-Sir Alfred. Äoud, ' In Turin wurde vor kurzem der großartige BPl des neuen Negierungspalastes fertiggestellt, der ein Wahrzeichen der ehemaligen. Hauptstadt deS gegenwärtigen italienischen Herrschergeschlechts, der Dynastie Savoyen, sein soll. Dasfür den Regie« rungspalast bestimmte.große Porträt K önig -Viktor Emanne ls .hat der jüdische Rlaler Crcole Olivetti geschaffen.' . Die junge Berliner Pianistin Reh-Helene Rose n« berg, Inhaberin der silbernen Medaille des V i c t o r i a. C o l l e g e"o s Rl u s i c, London, hat soeben die goldene Medaille dieses Instituts cr- „ halten. Tie Künstlerin wird in der nächsten Zeit eine Konzertreise durch'England'antreten/ - Die Royal Society in London hat dem be« kannten jüdischen Physiker -Dr. W. I. d e Haas, Umversitätsprosessor in Leyden, für..seine For« Fchnngenans dein Gebiete der Eigenschaften der Körper bei tiefen Temperaturen die Numford- Dt e d a i l l e. eine, der. höchstell wissenschaftlichen ' Auszeichnungen ans dem Gebiete der Physik und .Chemie,.verliehe,;,.. ..;. Der hervorragende jüdische Vvlksivirtschaftlcr Professor Gustavo del V e c ch i o ist zum.Rektor, der Handelsakademie in Mailand.ernannt worden. Professor del Vecchio redigiert die statistischen und Volkstvirtschaftlichc-n Telle der'neuen großen italienisclien Enzyklopädie und ist italienischer Experte für Finanzfragen beim Völkerbund. I

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