Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 46 (15.11.1934)
- Date
- 1934-11-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der südafrikanische Innenminister I. H. Hofffty er richtete in einer Bankettrede an die Oeffentlichkeit den eindringlichen Appell, für Toleranz und Wahrung des Bürgerfriedens ein- -»treten unb die.Ausbreitung des dem südafrikanischen Volle wesensfremden Antisemitismus zu verhindern. Der Minister wandte sich in scharfen Nörten gegen die antisemitische Grauhemden- Lewegung. die es versuche, einen Teil der Bcvölker»ng zum Saß gegen den andern aufzureizen. Tie Kegrerung werde sich nicht scheuen, besondere gesetzliche Maßnahmen zu ergreifen.^ * Zei einer Wohltätigkeitsveranstaltung in London zugunsten jüdischer Kinder aus Deutschland hielt der südafrikanische Justizminister und ehemalige Ministerpräsident General Swuts eine eindrucksvolle Ansprache, in der er u. a. aussührte: Tie Juden hatten einst eine große Mission in der Nelt: und eine große Mission bleibt ihnen noch Hu erfüllen, denn die Geschichte ist mit dem Alten Testament nicht zu Ende. Auch weiterhin nimmt die Judenheit an dem Leben der Welt teil und trägt überall zu seiner Bereicherung bei. Einer der hervorragendsten Beiträge zum menschlichen Fortschritt ist den Inden zu verdanken. Wir körtneu nicht das Alte Testament oder das aus ihm bervorgegangene Neue Testament lesen, ohne zu fühlen, daß hier einer der tiefsten Einblicke in das Menschenherz gewährt wird. Wir sehen, wie das Äolk von der Idee der Gewalt zu den höheren Vorstellungen von Barmherzigkeit. Zartheit. Edelmut übergeht: das sind die edelsten jemals vom Alem'chcngeschlecht entwickelten Vorstellungen, brbe der jüdischen Propheten ist die Lehre, daß unsere Welt nicht eine Welt der Macht, sondern der Gerechtigkeit zu sein hat. Es ist erschreckend zu sehen, daß diese Heilsbotschaft der Liebe und Eure gerade dem Volke versagt wird, das sie zuerst verkündet hat. * Anläßlich der Feierlichkeiten zum Andenken an den Lieg Italiens im Weltkrieg wurde Ingenieur Arturo de Minerbi, der sich während des Krieges als Offizier durch Tapferkeit besonders hervorgetan hat und Mitglied des Direktoriums des Verbandes italienischer Kriegshelden ist, mit dem Kommandeurkreuz des Ordens der italienischen Krone ausgezeichnet. * Bei der Neuwahl des amerikanischen Kongresses und der Staatsgouverneure ist im Staate New-Pork der bisherige Gouverneur Herbert H. Lehman mit großer Mehrheit wiedergewählt worden. Herbert H. Lehmann wurde 1878 in New- Port als Kind eingewanderter deutsch-jüdischer Eltern geboren. Im Weltkriege war er Oberst jm Generalstab und leitendes Mitglied der Zenkaleinkauisstelle der amerikanischen Armee. Er cst jetzt Direktor großer Industrieunternehmungen >rnd spielt in jüdischen philantropischen Gesellschaften eine bedeutende Nolle. 1923 wurde er zum Vizegouverneur. 1932 zum Gouverneur des Staate? New-Pork gewählt. Für seine Wiederwahl hat sich Präsident Noosevelt persönlich eingesetzt. Dre öffentliche Erklärung Roosevelts, er werde für Lehman durch Abgabe seiner Strmme eintreten. hat eine Sensation hervorgerufen. Es war das erstemal, daß der Präsident mit seiner ganzen Geltung für einen Kandidaten seiner* Partei sich eingesetzt hat. * Der Präsident der französischen Republik. Lebrun, hatte sich bei der Beisetzungsfeier für Baron Edmond de R o t h - fchild auf dem Friedhof Pöre Lachaise durch . den Obersten de Bellefond aus seinem Militärkabinett vertreten lassen. Neben dem offiziellen Teleaierten der französischen Negierung. Unterrichtsminister Berthvd, haben auch andere Mitglieder des Kabinetts, wie Außenminister Laval. Finanzminister Germ a in'- SJlfttHn,' 'ferner General be Ca st-e l na u, der Vizepräsident des Senats, Lucien Huberts der Polizeipräfekt Langet o n, der Seine-Präsekt V i l l ey. der ehemalige Präsident der Nepublik Alexander Millerand, der belgische und der polnische Botschafter und eine Reihe anderer Diplomaten an der' Bestattungsfeier teilgenommen. * Der griechische National! stenverband in Athen wird, wie sein soeben in Saloniki eingetroffener Führer Nizopoulos erklärt, in Saloniki einen Tcnkstein zur Erinnerung an die im Weltkrieg gefallenen Juden errichten. Ter Denkstein werde an Bord des Kreuzers „Ellis". der vom Murrineminister eigens zu diesem Zweck Zur Verfügung gestellt worden sei, nach Saloniki gebracht werden. * Viertausend jüdische Kriegsteilnehmer aus allen Teilen Englands marschierten kürzlich zum „Eenotaph", dem Denkmal der Nation für ihre im Weltkrieg Gefallenen, und legten dort ein Mögen Tovid aus rotem Mohn nieder. Es wurde das Kaddisch gebetet und die Kapelle der Schottischen Garde, die dem Zuge vorausschritt, intonierte die hebräische Hymne ..Adon Olam". Bei Negcn und Nebel formierte sich der imposante Zug auf dem Exerzierplatz hinter der Wache der' Horse-Euards. inmitten von Whitehall. der Straße der Regterungspaläste, und wurde von Tir Frederick Maurice, dem Haupt der »British Legion" inspiziert. Die sakrale Feier wurde vom' Oberrabbincr des British Empire, Tr. Hertz, geleitet. Viele Zuschauer nahmen an der eindrucksvollen Kundgebung teil, die auch vom Rundfunk übertragen wurde. Die Generalversammlung .der rumänischen Nationalen Vereinigung ehemaliger Kriegsteilnehmer lehnte einen Antrag, alle jüdischen Mitglieder auszuschließen, als unvereinbar mit den Grundsätzen echter Kriegskameradschaft ab. Der Präsident erklärte, durch einen Ausschluß der jüdischen Kameraden würde auch die moralische Basis der Frontkämpfer-Bereinigung der Welt untergraben.- Der Verband der Emigrantengesellschaften HJEEM (Hias-Ica-Emigdirect) teilt über die deutschen Inden gewährte Auswanderungshilfe folgendes mit: „Vom 1. Januar bis 30. September 1934 wurden 4311 Auswanderer gemäß Ueberernkommen mit den Hilfskomitees von vJCEM befördert, und zwar wurden 1171 nach Palästina. 114 nach Nordamerika und Kanada. 812 nach Brasilien, 67 nach Argentinien, 47 nach anderen Ländern Süd- und Mittelamerikas, 17 nach Südafrika, 13 nach China und den Philippinen und 4 nach Persien weitergeleitet: 650 wurden in europäischen Ländern zur Ansiedlung oder Berussumschichtung placiert, weitere 1-16, die aus den Ländern, in die' sic gezogen waren, ausgewiescn wurden, in benachbarten europäischen Ländern untergebracht. 1270 Juden wurden auf ihren Wunsch in ihre Heimat zurückfcefürbert.' Seit Beginn der Aktion zugunsten der Auswanderer aus Deutschland (15. Mai 1933 bis 30. September 1934) wurden 9736 Personen von HJEEM befördert. Anglo-HICEM in London hat im Jahre 1933 926 und vom 1. Januar bis 30. September 1934 592, zusammen also 1518 Inden aus Deutschland befördert. Insgesamt haben HJCEM und Anglo-HICEM seit Beginn der Aktion 11254 deutschen Juden Auswanderungshilfe gewährt." * Ter englische Abgeordnete Samuel Samuel, der soeben verstorben ist, war das älteste Mitglied des Unterhauses, dem er seit 1913 als Konservativer angehörte. Er galt dort als einer der besten Kenner aller Bank, und Geldfragen. Er war der Bruder von Marcus Samuel, ersten Lord Learsted, der als Gründer der Shell-Gesellschaft dem englischen Petroleumhande! zu seiner weltwirtschaftlichen Stellung verholfen hat. S. Samuel, der das väterliche Bankgeschäft fortführte, genoß in der englischen Kaufmannswelt ein ungewöhnliches Ansehen und galt als vorbildlicher Arbeitgeber. Er übte in großem Stil Wohltätigkeit, namentlich zugunstcn der armen Juden des Londoner Ostends. Aber er hatte, wie Masor Sir Arch. Doyd-Carpenter ihm in der „Times" nachrühmt, jederzeit eine offene Hand, namentlich für englische Schulen im Ausland. wobei er weder nach Partei noch nach Glauben fragte. WüAsr De. MM MN ÄWenli^w Der Führer der tschechischen Außenpolitik und Natspräsident im Völkerbund Dr. Eduard Bene s ch äußerte sich vor dem tschechoslowakischen Parlament, teilweise in deutlicher Wgrenzung zu polnischen Auffassungen, zum ' Minderbettenproblem. Zunächst bejahte erbie Berechtigung einer Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes, um dann festzustellen. daß erstens von der tschechoslowakischen Regierung die bestehenden internationalen Minderheitsverbindlichketten innegehalten werden würden, zweitens Aenderungen der Minoritätsverbindlichkeiten nur auf dem in diesen selbst dorgcschlagenen Weg, d. h. . unter Heranziehung des Völkerbundes, zulässig seien, schließlich, daß Kollektivverträge über Minderheitenfragen den Vorzug vor Bilateralverträgen hätten. Benesch nimmt also in der gegenwärtig sehr aktuellen Frage, ob der Schuh der in benachbarten oder angrenzenden Staaten vorhandenen nationalen Minderheiten durch eine unter allgemeiner Garantie geschlossene Konvention oder durch nur zwischen den Beteiligten geschlossenen Vertrag gesichert werden soll, für die erstere Lösung Stellung. * Durch ein soeben ergangenes Spezialdekret des estländischen Staatspräsidenten wurde bestimmt, daß Estland jede Nationalität, die mindestens 3000 Seelen stark ist, offiziell als Minderheit anerkennt. Die Bevölkerungszahl der Juden in Estland beträgt 3500. Sie werden somit von nun au zu den offiziell anerkannten Minderheiten des Landes gerechnet. AN-MM DSM KMMLMtzMS In Winnipeg wurde am 8. November ein Ge- « richtsverfahren eröffnet, in dem. anscheinend zum ersten Male im Gebiet des britischen Weltreichs, die Aktivlegitimation von Einzelnen oder Persvnengruppen zur Klage wegen Verleumdung der jüdischen Glaubens- und Nassegemeinschaft in Anspruch genommen wurde. Der Oberste Richter deS Winnipoger Gerichts hat gegen den kanadischen Nationalisten und Herausgeber einer antisemitischen Zeitung. William Whittaker, eine einstweilige Verfügung erlassen, durch die ihm verboten wird. Verleumdungen gegen die Juden zu veröffentlichen. Die Klage wurde vom kanadisch.jüdischen Kon-' greß aus Grund eines neuen Gesetzes erhoben, da? Einzelpersonen das Recht gibt, für Veröffentlichung von Verleumdungen gegen die Rasse oder den Glauben, dem sie angehören, Entschädigung zu verlangen. Die Verhandlung in diesem Prozeß wird im Monat Dezember stattfinden. Unseren Freunden ist das Problem der Kolle^mbeleidigung bekannt. Man erinnert sich, daß erst letztens im Prozeß in Kairo die Aktivlegitimation der jüdischen Partei deswegen bestritten wurde, weil * im englischen Recht eine Äktivlxgitr.mation 7 in - solchem. Fällennicht,, erteilst- -wird.'. . - - ' - '• M tm Ar MZm WM um die JMsn ssn Zion" Oberstleutnant a. D. Fleischhauer, Leiter des U. Bodung-Derlages in Erfurt, der von der Verteidigung nach 'Abschluß der ' Vernehmungen im Berner. Prozeß um dre „Protokolle der Weisen^ von Zion" als . Gutachter an Stelle von-Pastor Münchmeyer vorgeschlagen worden war. hat dem Gerichtsvräsidcnten W. Al eher mitgeteilt, daß er den Auftrag annimmt. Die Verteidigung hat dem Gerichtspräsidenten überdies mitgeteilt. daß sie für die Frage der angeblichen Beziehungen zwischen Juden und Freimaurerlogen einen zweiten Sachverständigen stellt, nämlich Major a. D. Henning aus Berlin, der im Jahre 1918 Attachä der Deutschen Botschaft in Atoskau war. Major Henning soll .enge Beziehungen zu .russischen monarchistischen Kreisen unterhalten, die nach der russischen Nevolution für die Verbreitung der „Protokolle" in verschiedenen Ländern sorgten. Gerichtspräsident W. Meyer - hat Oberstleutnant a. D. Ulrich Fleischhauer als dritten Gutachter akzeptiert. Ter Gerichtspräsident hat dem Experten die zu beantwortenden Fragen zugesandt und ihm eine am 15. Dezember dieses Jahres ablansende Frist zu deren schriftlich begründeter Beantworümg gestellt. Tie Verteidigung hat noch Zeugen aus Frankreich, Dänemark, Rumänien und anderen Ländern bezeichnet. Gerichtspräsident Meyer hat daraus der Verteidigung eine kurze Frist gesetzt, tun die diesen Zeugen vorzukegenden Fragen zu formulieren. Je nach der Antwort wird der Gerichtspräsident die Entscheidung über die Vorladung der genannten Zeugen treffen. * ElW M-AU . für HrisM-MM MrktsM Der bekannte Jesuiteuvater G. B i ch l m a i r hat in der Wiener „Reichspvst" einen aufsehenerregenden Artikel über das' Thema „Christen und Juden" veröffentlicht, in dem er im Gegensatz zu der in dem Buche des ehemaligen Unterrichtsministers Czermak vorgeschlagemm provisorischen „Ordnung in der Jndenfrage" für eine endgültige Lösung dieser Frage durch besteres Einanderkennenlernen eintritt. Im Anschluß an diese Ausführungen kündigt Pater Bichlmair das Erscheinen einer neuen, der christlich-jüdischen Verständigung dienenden Zeitschrift „Die Ers ü l l u n g' au. „Erste und notwendige Voraussetzung für eine wirkliche Lösung der Judensrage". schreibt der Verfasser, „ist der ernste Wille zu gegenseitigem Verstehen bei Christen und Inden. Tie Juden müssen sich einfür allemal klarmachen, daß es zu wenig ist, in der Märtyrerrolle müßig darauf zu warten, daß die Christen in christlicher Nächstenliebe auf jeglichen Antisemitismus einfach verzichten. Den Christen darf es nicht aus dem Bewußtsein verschwinden, daß es für die Angehörigen eines Volkes schlechthin untragbar ist. als Menschen zweiter Klasse zu gelten. Einander derstehen heißt nicht nur eilt scharfes Auge haben für die beiderseitigen Fehler und Mangel. Im Gegenteil, erst dann wird sich ein Mitmensch, ein Mitvolk verstanden fühlen, wenn ich sein gutes Wollen und seine tatsächlichen Leistungen aufrichtig anerkenne und gelten lasse ..." Bichlmair weist auf die zahlreichen Fehler hin, die von Christen und Juden in ihren gegenseitigen Beziehungen begangen werden, und kennzeichnet dann die Aufgabe der neuen Zeitschrift: „Die Erfüllung" (Reinhold-Verlag, Wien-Leipzig) bekennt sich, wie der Vorspruch sagt, „ztun Primat des Geistes. Sie weiß, daß die Entscheidung der Geschichte im Geiste und tlirgendtvo anders fällt, daß ans unserer Not kein Auslveg ist als geistige Wiedergeburt". Sie will „das verborgene Sein des Judentums ans Licht bringen, «ie wird von der göttlichen Wahrheit und der menschlichen Er- . habenheit der Bibel sprechen; von Weisheit im Talmud und von chassidischer Frömmigkeit. Sie wird den großen Anteil auch des heutigen Judentums am modernen Geistesleben prüfen"... Die Tatsache, daß diese Zeitschrift mit dem Gruß und Segen des Erzbischofs von Wien in die Welt hinausgehen darf, zeigt noch deutlicher als die oben aus dem „Vorspruch" zitterten Sätze, wie ernst sie gemeint ist." In einer besonderen Broschüre - hat Retchsbauernführer und Retchsernährungsmuttster 'R. Walther DarrS seine beiden Aufsätze . „Walther Rathenan und das Problem des nordischen Menschen" und „Walther Rathenau und die Bedeutung der Raste in der Weltgeschichte" erscheinen Aasten, die seinerzeit in der Zeitschrift „Deutschlands Erneuerung" (1926, Heft 7 und 1928, Heft 1) veröffentlicht wttrden. Durch die Tatsache der Neuausgabegibt' der Reichsminister zu erkennen, daß er seine nachstehende Meinung über Rathenau als K ü n - der der nordischen Rasse aufrechterhält: er sagt: „Gerade Walther Rathenau verdient e8 am allecwenigfteit, unter den Vorkämpfern einer rastenkundlichen Eeschichts- und Kulturbetrachtung nicht genannt zu werden. Mit einem dankenswerten Mute spricht er bereits vor zwei Jahrzehnten Wahrheiten aus. die von den enttchiedensten Anhängern des nordischen Gedankens im Sinne Günthers nicht klarer vertreten werden könnten. —Heute möchte man Rathenau gerne zum Vorkämpfer dernokrattscher Gleichmacherei stempeln; nichts wäre jedoch verkehrter, als dies. wcr sich mit der Perstnlichteit Waicher Mch-mms deMstigt. wird thm sehr.bald bewAnbcdmgier, Herrenwestschen erkennest. 'Er war-sich desten vollkommen bewußt; niemand durchschaute aber auch klarer die Natur, aller Rastengegner — dieser Propheten des Untermenschen — wie er. Treffend nennt er sie „Furchtmenschen" und mit drei llvorten zeichnet er. sie und ihr ganzes Problem m dem Satz:.Sklavennetd fordert Gleichheit („Neslexwncn , ‘ S. 230)." Wie ersichtlich, bezieht sich Darre auf Rathenaus Erstlingswerk „Reflexionen". Dieses Jugendwerk, in dem u. a. sehr irreführende Thesen über Juden und Judentum niedergelcgt wurden, hat der Verfasser bekanntlich später aus dem Hartdel gezogen.' Das ■ ändert nichts an dem Umstande, daß der Deuker Rathenau mit manchen Gedanken der Zeit weit vorausgeeilt ist: so hat er — was leider ebenfalls sehr wenig bekannt ist — bereits 1919 sich nachhaltig für ständischen Aufbau eingesetzt — auch hierin ein Vordenker von heute gültigen Meinungen. NM SSe&n ösn SZMW GkMsr Das NS-Dolksblatt für Westfalen berichtet über eitte Rede, die der Gauleiter von 'Nieder- - franken, Julius S t r e i ch e r. bei einer Kundgebung der deutlchen Arbeitsfront ltnb der NSDAP tit Gütersloh gehalten hat. Julius Streicher, der in dem Bericht als „der Schrecken AUfudas" bezeichnet wird, wandte sich u. a. dagegen, daß Natwnalsvzialisten in Westfalen noch tu jüdischen Geschäften einkanfen. In diesem Zusammenhang führte er, dem Bericht des.„Vollsblatts" zufolge aus: „Was weiß man hier vom Juden? . . . Tie meisten gehen beim Einkauf an den christlichen Geschäften vorbei^ und lausen beim Juden. Es gibt hier selbst Menschen, die sich nicht schümeit, mit dem braunen Hemd oder mit einem ^lbzetchen zum Juden zu lausen. W-enn das bei tnir tu Nürnberg einer wagen würde, so würda^ er an gespuckt. Wir haben bei uns den Arbeiter so aufgeklärt, daß er den Juden erkannt hat. In Nürnberg prophezeite man durch ben Kampf gegen die jüdischen Geschäfte neue Erwerbslosigkeit. Das Gegenteil ist gekommen. Nlan hat beu Juden genommen, was sie uns gestohlen habc'.t, und den Christen haben wir wieder ihr Reckst gegeben. Wir nehmen da drüben keine Rücksicht. Wir gehen unseren Weg geradeaus. Wenn man bei uns in einen Ort konunt. liest man auf Tafeln: „Juden unerwünscht!" Jit einem Dorfe steht auf einer Tafel: „Die Juden betreten atst eigene Gefahr diesen Ort". Das haben wir nicht gewünscht. Das haben frühere Kommuitisten und Sozialdemvkratcu aus sich heraus getan. Wen:: cs so weit ist, daß ihr Westfalen das auch allein macht, dann seid ihr in Ordnung." Der Redner befaßte sich sodann mit der Frage der Rasseumischutig und zog eine Parallele ztvifchen der Geschichte des Duehes Esther und der Zeit vor der. nationalen Erhebung in Deutschland. wobei er erklärte: „Die vergangeueit 14 Jahre kattn man kenttzetchneu: Die Hand Juda ruhte schtver auf dem Volle; denn cs wurde den Juden zinsbar gemacht. Wir hatten in den letzten Jahren ja mix die Zinsen für die jüdischen Ausbeuter zu zahlen, und es lxtnert seine Zeit, bis wir das wieder gutgemacht haben . . . Draußen in der ganzen Welt hat der Jude den deutschen Waren Boykott angesagt. Zieht daraus die Konsequenzen. Beweist, wie wir in meinem Gau, den Antisemitismus der Tat. Meidet den Juden und haßt ihn!" Lei der Weihe des Gesallenen-Denkmals dar Vereinigten Deutschen Metallwerke hielt Streicher eine Ansprache, in der es heißt: „Adolf Hitler will den Frieden und will die friedliche Rückkehr der Brüder an der Saar. Ter ewige Jude aber will den Krieg." Der ewige Jude ist bekanntlich eine mythische Erscheinung. Unter den sterblichetp Juden befuiden sich kriegssreudige und pazifistische Menschen. Wer aber den Krieg um des Krieges willen sucht, ist kein Träger jüdischer Sittlichkeit, jüdisckter Glaubenslehre mehr. Höchstes sittliches Gebot deS Judentums ist der Friede. Das „Weilburger Tageblatt" vom 27. Oktober enthält ein Inserat, dessen Anfang lautet: „Weißt Du, daß Nichtarier und Menschen, denen die Ehrenrechte aberkannt sind, nicht Mitglied dieser einzigartigen Vollsgemeinschast in der Deutschen Arbeitsfront sein können?" Die Gleichsetzung vort Nichtariern und Menschen, denen die Ehrenrechte aberkannt sind, ist eine unverkennbare Diffamierung der Nichtarier, das bedeutet im speziellen der deutschen Juden. Verhaftung eines Devisenschiebers. Der „Vün-- der Generalanzeiger" Nr. 2-17 berichtet von der Verhaftung eines'jüdischen Devisenschiebers Siegfried. Oppenheim ans Ätinden im llv-Zug Münster—Amsterdam. Ein Jude namens Siegfried Oppenheim oder Oppenheim mit anderem Vornamen hat in Minden nie existiert. Hauptschi:MtIc!ter: Dr. Alfred II 1 r o o h h Stölivcrtr.: Dr. Mar garoto Edelbeim in Berlin Für Rflcksendur.cunverlangter üannc'irlpte ist Freiumschlns beizufüp;en Leiter der Anzeigen- Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan. Berlin DA III Vj. 50 000. Verla": Ccntralvercin deutscher Staatsh-ircer jüdischen Olaubons c V . Berlin W 15. Emser Strasse 42. Tc! Adr.: „Ccntralptlauben Berlin.” Fcrnspr. 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