Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 45 (8.11.1934)
- Date
- 1934-11-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ein SrrernÄ Der C.-V. hat eine große Zahl von Dezertraten geschaffen, um jedem Ratsuchenden gerecht werden zu können. Dezernate, die sich befassen mit der juristisch-wirtschaftlichen Beratung von Menschen, die zu ihnen kommen. Aber es gibt da auch ein Dezernat, das außerhalb der Wirtschaftsfragen liegt: ein namenloses Dezernat mit namenloser Arbeit. Ein Besucher kommt. Der Berater wirft einen Blick in das sorgenvolle Gesicht, tut eine Frage nach vergangener Zeit, spricht ein Wort persönlichen Einfühlens, und das Herz des Ratsuchenden öffnet sich. Es entrollt sich das Schicksal eines Menschen, der sich mit zäher Kraft an Vergangenes anklammert. Es tut ihm so wohl, sich einmal anssprechen zu können; es beglückt ihn, zu erzählen, „daß es einmal anders gewesen war". Ter Ratsuchende weiß nicht recht, weshalb er gerade zu uns kommt; aber er hat bauen Sie Ihren Verwandten und Freunden, die im Ausland eine neue Existenz gesucht haben, wenn Sie sie zu einem Abonnement auf die C.-V.-Zeitung veranlassen. Di© C.-V.-Zeitung ist das Spiegelbild des deutschjüdischen Lebens der Gegenwart. Sie unterrichtet, belehrt und unterhält. Die Gebühre», für ein Auslandsabonnement der C-V.-Zeifung betragen pro Quartal nur Mark 3.90 einschliesslich Porto. das Bedürfnis, zu anderen Menschen von seiner besonderen Art zu sprechen und Zeug-- nisse vergangener besserer Tage vorzuweisen. Immer wieder sind diese Zeugnisse: Briese. „Es ist gar nicht so lange her; mein Mann leitete eine Fabrik, wir sorgten für unsere Arbeiter, unsere Frauen und Kinder . , Die kleine schwarze Tasche wird geöffnet, ein Brief wird herausgenommen, dem man es ansieht, daß er ungezählte Male gelesen und wieder zusammengefaltet worden ist. „...Wir danken für Ihre große Spende, die unseren Arbeitern zugute koimnt . . Ein anderer Brief: „. . . Sie selbst sind Zeuge gewesen, wie sich die Kinder unserer Aermsten mit ihren Festgaben gefreut haben. Wir haben Ihnen nur zu danken . . Die Hände zittern, als dieser Brief zusammengefallet wird, und leise höre ich die Worte: „und nun suche ich selbst Hilfe, es ist so schwer; aber ich danke Ihnen, daß Sie diese Briefe gelesen haben." Ein älterer Herr wird gemeldet. Auch er weiß nicht recht, weshalb er gekommen ist; ein unbestimmtes Gefühl hat ihn zu uns geführt. „Ich möchte mich einmal aussprechen. Meine Kinder sind ausgewaudert, und ich bin aus der kleinen Stadt hierher gezogen, um meinen Enkeln nahe zu sein. Ich habe nicht das Geld, um das Schulgeld für das Gpmnasium weiter,zu zahlen." Es erschüttert mich, daß hier ein Mann nicht weitersprechen kann, weil ihm Tränen in die Augen treten. Ich erzähle ihm von dem Jüdischen Schulwcrk, von frohen, glücklichen Kindern. Er nimmt einen Brief ans der Tasche. Sorgfältig ist dieser Brief in einem ledernen limschlag aufbewahrt. Ich weiß sofort, daß auch hier ein Zeuge vergangener Zeit sprechen sott: „. . . Ihre Geldspende hat es ermöglicht, daß wir den Turn- und Spielplatz für unsere Jugend eröffnen können. Wir danken Ihnen." „Und ich würde es auch heute wieder Lun, wenn ich noch Geld hätte." Ein altes Fräulein erzählt mir, daß sie in Claris und London studiert hat. daß sie Kenntnisse und Erfahrungen in literarischer Arbeit verwendet hat. „Ich habe kaum das Nötigste, um zu leben." Sie öffnet ihre Tasche und "entnimmt ihr eine Anzahl Briefe, die in buntem Durcheinander liegen. Es sind Zeugnisse über ihre Tätigkeit an Schulen und in Familien, sie faltet sie wieder zusammen, aber zwei Briefe läßt sie in meinen Händen: der eine ist ein Dantbricf von Stefan Zweig: .für die vorzügliche llebersetzuug seiner Erzählungen", der andere ein Anerkennungsschreiben von James Simon. „Wenn mich die . Verzweiflung übermannt, so nehme ich diese Brief zur Hand; dann komme ich mir nicht mehr wertlos vor." Wir plaudern zusammen weiter und nicht jede Kollegin begreift gleich, warum ich mich so lange mit diesem alten Fräulein befasse. Aber beim Plaudern kommt heraus, daß wir gemeinsame Freunde haben, durch die eine Hilfe so gut wie sicher ist. Und wenn ich gefragt werde, was eigentlich in meinem Dezernat geleistet wird? Eine namenlose Arbeit! M. Fried. Sreß-Nttlin Mit einem Gesellschaftsabend er öffnete die Ortsgruppe F ri ed e na u-SLe gl r'tz am 28. Oktober ihre Winterarbeit im Saal. des Friedenaner Rathauses, der bis zum letzten Platz gefüllt war. Im Mittelpunkt des Abends stand ein überaus interessanter Lichtbildervortrag von Dr. Kurt Braun, „Begegnungen in Nordafrika". Er führte in eine jüdische Welt, die den meisten unbekannt war. Vorher sprach Erna Feld Szenen aus Adalbert Stifters Erzählung vom Juden Abdias und leitete dadurch stimmungsvoll zum Thema des Abends über. In seiner Begrüßungsansprache gab der Vorsitzende, Hans O p p e n h e i m e r, einen knappen lieber« blick über die Tätigkeit des C.-V. Sein Appell an die zahlreich anwesenden Nichtmitglieder, sich den Reihen des E.-V. einzciordnen. hatte erfreulichen Erfolg. Eine Groß-Berlin er Frauenkundgebung, am Sonntag, dem 4. Novemder 1984, führte mehr als 500 Freunde des Centralvereins in das Hotel „König von Portugal", so daß Parallelversammlungen stattfiuden mußten. Der Maviervortrag des Musikdirektors Hans B a e r und die Darbietungen von Camilla S p i r a riefen in beiden Versammlungen starken Beifall hervor. Der Sprechchor des 10. Zuges des Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend zeugte von ernstem Können. Margarete Fried hielt ein großangelegtes Referat zu dem Thema: „Wie erlebt die deutsche Jüdin ihre Zeit?" Sie rief die Freunde zur Mitarbeit ans und fand die beste Anerkennung für ihren Vortrag in der Tatsache, das; zahlreiche Hörer sich als neue Mitglieder zum Centralverein meldeten. Die Ortsgruppe B e r l i n°W e i ß e u s e e veranstaltete am 8 l. Oktober eine .Kundgebung unter Leitung des verdienten Vorsitzenden Leo Leß. Der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Groß-Berlin, Dr. Kurt Braun und Rabbiner Dr. van der Zyl sprachen. Alice Geisenberg ersrente durch ihren Gesang. Auch dieser erfolgreiche Abend brachte dem C.-V. neue Freunde. Am tzl. Oktober sprachen Instizrat Iacusiel, Diplomkausmann und Syndikus Arthur Iuliusburg und Dr. Hans Reichmann in einer sehr gut besuchten Versammlung im Berliner Logenhaus vor Mitgliedern des C.-V., die dem Handelsvertreterberuf augehörten. Während Instizrat Iacusiel allgemeine juristische Probleme aus dem Interessengebiet dos Handelsvertreters erörterte, referierte Diplomkausmann Iuliusburg über steuerliche Fragen, die aus Grund der gesetzgeberischen Neuordnung ein aktuelles Interesse fanden. Tr. Reichmann behandelte wirtschaftsrechtliche Probleme, die stark interessierten. Der Leiter der Versammlung, Handelsgerichtsrat a. D. Engen Herzberg, sprach dem C.-V. seinen Tank aus, daß er sich im ganzen Reich der Interessen des Handelsvertreters wie aller anderen Berufsgruppenangehörigen annehme. Landesverband Dommern Am 4. November hatte der Landesverband seine Mitglieder und »Freunde zu zwei Kundgebungen geladen, die nachmittags in Schivelbein und abends in P o l z i n stattfanden und sich eines glänzenden Besuches erfreuten. Fast die gesamten Gemeindemitglieder waren in beiden Orten erschienen. in Polzin dazu noch Freunde aus Tempelburg, Falkenburg und Bär - Walde. In beiden Veranstaltungen sprach das Mitglied des Hauptvorstandes des C. V., Rabbiner Dr. Karl R o s e n t h a l (Berlin) über das Thema „Der Schicksalsweg der deutschen Inden". Danach berichtete Syndikus Otto M i ch e l s o h n über wirtschaftliche ^Tagessragen und die Tätigkeit des C.V. für die Sicherung der deutschsüdischen Zukunft. Nach den Vorträgen gab er auf zahlreiche Anfragen Rat und Auskunft. RbelnkanöÄrMlen Der Landesverband hat feine begonnene Versammlungstätigkeit in den kleineren Gemeinden seines Bezirkes fortgesetzt. Am Donnerstag, dom 1. November (Allerheiligen), nachmittags sprach der Syndikus des Landesverbandes,. Dr. Plaut (Essen), in einer bis zum letzten Platz gefüllten Bezirksversammlung in Kleve, die von den Gemeinden des Niederrheins, insbesondere Cal ca r und E m m o r i ch, außerordentlich gut beschickt war. Ter stellvertretende Syndikus des Landes- Verbandes, Dr. S t e i n b e r g (Essen), setzte die Reihe der oben genannten Veranstaltungen fort. In M e d e b a ch waren die gesamten Gcmeindemitglieder. die auch alle Mitglieder des C.V. sind, erschienen. Die Versammlung in Meschede unter dem Thema „Deutsches Judentum — unser Schicksal als Aufgabe" war besonders zahlreich auch ans der Umgebung besucht, so daß die Synagoge bis zum letzten Platz besetzt war. Der Vortrag von Dr. Ernst ,P laut (Essen), über den wir in der vorletzten Nummer berichteten, fand in Krefeld statt. MMcidciiifchlllnd Der Landesverband Mitteldeutschland veranstaltete auch in dieser Woche eine Reihe von Vortragsabenden. ■ In P im« fanden sich die Freunde des C.-V. in den Räumen des Fabrikbesitzers H e ß zusammen. Der stellvertretende Landesverbands- Vorsitzende Rudolf A p t (Dresden) leitete den Abend mit einem allgemeinen Hinweis auf die segensreiche Tätigkeit des C.-V. und des Landesverbandes Mitteldeutschland ein. Darauf sprach der Syndikus des Landesverbandes Mitteldeutschland, Kurt S a b a tz l y (Leipzig), über das Thema: „Die deutsch-jüdische Situativst und der C.-V." — In Gardele g e n fand unter Leitung des Ortsgruppenvorsitzenden Siegbert Ala rkus ein Vortragsabend statt, zu dem auch Freunde ans Sängerin ii nde und Tangerhütte erschienet! waren. Alnrt Sabatzky sprach über „Deutsch-jüdische Wege". — In Bleicherode fand unter Leitung von Fabrikbesitzer .Karl M i ch a e l i s ein Vortragsabend statt, bei dem Syndikus Sabatzky ebenfalls über das Thema „Deutsch-jüdische Wege" sprach.— In A sch erste b e n sprachen unter Leitung von Feodor H i r s ch der zweite Vorsitzende der Ortsgruppe Magdeburg, Julius P e tz v n . itnb Alurt Sa - batzk h über „Deutsch-jüdische Gegenwart, deutschjüdische Zukunft". FrandenSurg In Forst (N.-L.) sprach Dr. Rudolf H. H e i man fo I)ii (Berlin) über „Deutsch.jüdischen Zukunftswillen". Rach einer einleitenden Anspräche des Ortsgruppen- und Gemeindevorsitzenden Sänitätsrat Dr. Felix Mivdowski stellte der Redner die jüdische Lage dar. Ein aufmerksames Publikum und Worte des Dankes seitens detz Vorsitzenden belohnten den Redner für seine Ausführungen. C.-V.-Kalender Landesverband Groß-Berlin 12. November, 20 Uhr: Dr. Manfred Swarsensky: „Diaspora-Existenz — Heute!". Dr. Hans R e i ch m a n n: „Das Weltbild des deutsch-jüdischen Menschen". Gesang: Wilhelm Guttmann, Klavier: Dr. V. Ernst Wolfs. Logenhaus, Kleiststr. 10. Vgl. Anzeigenteil. Landesverband Brandenburg 10. November, 20 Uhr 30 Min.: ftüftrtn: Dr. Rudolf H. H e i m a n f o f) tt (Berlin): „Deutsch-jüdischer Zukuustsrnille." Viktoria-Hotel. 11. November, 17 Uhr: Landsbcrg a. d. 39.: Dr. Rudolf H H c i m a rt i o I) n (Berlin): „Deutsch-jüdischer Zulunftswille." Toleranzlogc. lt. November, 17 Uhr: Eberswalde: Rabbiner Dr. Martin 6 e I o m o ii f [ i (Berlin): „Deutsch-jüdischer Zukunftswille." 17. November: Tors» R.-L.: Dr. Rudolf Drertbarth (Breslau). Landesverband Mitteldeutschland 14. November: Stendal: Kurt 6aB<ifcfn (Leipzig): „Deutsch-jüdische Gegenwart — Deutsch.jüdische gu- M- Roomber: Magdeburg: Dr. Fritz G o! d s ch m i d t (Berlin) und Kurt Eabatzky (Leipzig). Landesverband Nordwestdeutschland 12. November. Brouaschweig: Dr. Alfred Hirschderg: „Idee und Arbeit int deutschen Judentum." Synagoge, Ctcinstratze 4. Landesverband Oberschlesien 19. November, 20 Uhr 30 Min.: Sr.-Strehlitz: Gemeindeabend. Rechtsanwalt Dr. Lustig (Glciwitz). Landesverband Niederschlcsien 17. November: Sora» (N.-L.): Dr. Rudolf Breit. (Breslau): „Für dcutfch.jlidifche Zukunft." 18. November, nachmittags (genaue Seit wird noch bekanntaegcben): Ortsgruppe Fraustadt: Gcmcindeverfainmlung: Dr. Erich Bry lBrcslau): „Deutsches . Judentum — Erhaltung und Gestaltung." Aus den Familien Leo S ch ö n s e I b (Deutsch-Krone), erster Vorsteher der Gemeinde, feierte am 23. Oktober seinen 60. Geburtstag. — Andreas Isaac (Calcar. Niederrhcin), begeht am 10. November seinen 80. Geburtstag. — Alfred Wiener (Oppeln) wird am 13. November 60 Jahr alt. — Abraham Brachfeld II (Crumstadt, Hessen), feiert am 11. November seinen 60. Geburtstag. — Bernhard Säet (Berlin) vollendet am 16. November sein 70. Lebensjahr. — Kantor Marsch a w s k i und Frau (Haynau, Schief.) begingen am 28. Oktober das Fest der goldenen Hochzeit. Kantor Marschawski konnte am gleichen Tage .fein 50jährigcs Amtsjubiläum feiern. Goldenes Doktorjubliäum. Sanitätsrat Dr. D. T e i tz in Fürth i. Bayern konnte am 2t. Oktober in erfreulicher körperlicher und geistiger Rüstigkeit sein goldenes Doktorjubliäum begehen. Ter Jubilar hat noch vollendeten Studien in Berlin und Marburg an der letztereil Ilniversität am 21. Oktober 18^1 promoviert. Tie Fakultät hat aus dem Anlaß des 50jährigen Iirbilänmtz das Diplom erneuert mit dem Ausdruck der Wertschätzung und Dankbarkeit für die an den Kranken, der Wissenschaft und dem Stand geleistete Arbeit, yjlit der jüdischen Gemeinde tu Fürth ist Sanitätsrat Dr. Teitz insbesondere durch seine langjährige Tätigkeit als Hospitalarzt des israelitischen Hospitals seit dem 1. Juli IM verbunden. — Im .Kriege richtete er sofort ein Lazarett ein und leitete dasselbe ehrenamtlich die ganzen Kriegsjahre. Er wurde von höchster bayerischer Stelle mit einem Orden ausgezeichnet. Seinen persönlichen Bemühungen» seiner regen Samureltätigkeit, auch in amerikanischen jüdischen Kreisen, gelang es, dieses Kranlenhaus als Mnsteranstalt anszngestalten. so daß das israelitische Hospital von vielen Nichtjuden auch nach dem Krieg belegt wurde. Der Nervenarzt Dr. Ernst Bloch (Kottewitz) starb am 13. Oktober im 63. Lebensjahr an den Folgen einer Morphiumvergistung. Er ist das Opfer der durch das Plebiszit verursachten politischen Verhältnisse in Oberschlesien geworden. Die Kattowitzec Krankenkasse hat ihm als deutschem Arzt vor einigen Jahren die Kassenvraris entzogen. Da er schon Im vorgerückten Alter stand, war seine ärztliche Praris bedeutungslos geworden, und der einstmals angesehene Arzt und geachtete Bürger ist in seinen alten Tagen arm und unbekannt geioescn. Er war besonders den Arbeitern und kleinen Leuten ein guter Freund und immer hilfsbereiter Arzt. Bis in sein 60. Lebensjahr war er für das deutsche Kulturleben in Poltnsch-Obe.rschlesicn tätig. Mehrere Jahre war er Stadtverordneter. eine Ieit lang Stadlrat einer deutschen Partei in Katiowitz. Er war ein Jude, der sein deutsches Vaterland über alles liebte. Aon der Abhandlung „Universitätsgeschichte und silbische Familicnforschung" von Guido Autsch, die in Nr. «S der „E.-V.-Zeituna" besprochen wurde, sind beim Verfasser (Halle a. S., Schwuchtftraße 15b) noch eine geringe Anzahl von Exemplaren zu haben. amt veröffentlicht nach einem Bericht der, Frai furter Zeitung" folgende Mitteilung: ,3 jüdische Hausiererin Margarete Goldstein, wob hast Darmstadt, Schlageterstraße 101, wui wegen verächtlicher Acnßerungeu gegen d nationalsozialistischen Staat und schikastö er 3 Handlung einer Verkäuferin des Alaufmanr Gebr. Rothschild in Darmstadt aus die Dauer v zwei Wochen in.Haft genommen." Die Jüdische Gemeinde in Birkenau (Odenwald) feierte am 1-1. Oktober ihr 7chäln'iges Shuagogenzubrlaum. * .Emst Lecänsr L ArkksMA l'rniiUfurt. n. Jl. . I.iebfrauenberg I. .Stock — Ocgr. IK.7 'Engl. üreI Dci:!ss!i2 fteronstoUe Zu seinem 70. SeSEgge In Meier Spanier, dem Gelehrten, dem manne und dem Erzieher, dem Heine unsere herzlichen Wünsche gelten, besitzen wir einen jener seltenen Männer, wie unsere vietnmstiirmte njic ganz besonderbraucht: einen Mann, der seiner Ingend tief aus den Ouellen jüdisch-.^ Wissens getrunken hat, und der in seinem aanzen. vielfach anderen Atultiirinhalten gewidmeten vebridoch seiner Ingend nie vergas; und ans ihr bic Kraft zu seinen reifsten Leistlingen sehöpiie. Spanier stammt ans einem ternhaiien Gesaileene jüdischer Atlciubürger des uorddentseheu Sr)ivt.v et kam in dem kleinen Orte Wnnstorf im növerschen zur Welt. In .Heidelberg studierte er JPhot.i Herbert SonnenfeM bann unter Wilhelm Braune Germanistik, llntei feiner Aegide galten Spaniers erste wisseiu schaftliche Bemühungen den Werken Thomas Nturners, ' des großen Moralsatirikers des 16. Jahrhunderts; in Braunes Neudrucken deutscher Litcrattlrwerke des 16. und 17. Jahrhunderts gab er 189-k Nturners „Aarreiu beschwörung" mit einer bis heute grilndlegenden Einleitung und streng philologisch orientierten Anmerkungen heraus. Rach dem Abschluß des Studiums fand Lpa« vier seinen eigentlichen - Wirkungskreis im Lehrfach. In Altona und Hamburg wirkte er. llod dort ward ihm die Freundschaft jener deutiäim Dichter zuteil, die unter dem Namen des Ham. burger Dichterkreises in die deutsche Literaturqt' schichte eiugegangcn sind; so hat er mit Liliencrm und Gustav Falke, dem er damals ein mehrfach aut« gelegtes Büchlein widmete, jahrelang aufs freundschaftlichste verkehrt. Auch an der ErzichimPbewegrmg, die die Pflege der künstlerischen Alrnftr. der ausnehmenden wie der gestaltenden, zuni Ziele hatte und die damals besonders von Hamburger Lehrern unter der Leitung des. ihm frenudichait« lich verbundenen Leiters der Hamburger .llunsthatte. Lichllvark, getragen ivurde, nahm er lebhaften Anteil, von dem sein ebenfalls in mehreren Auflagen erschienenes Büchlein über „Künüleri. scheu Bilderschmnck für Schulen" Zeugnis ablegt. Er verließ daun .Hamburg, um in Münster im jüdischen -Lehrerseminar jüdische Schulmänner auszubildcn; von dort holte man ihn nach Berlin, wo er bis zur Erreichung der Altersgrenze dis Mädchonmittelschule der jüdischen Gemeinde mit ausgezeichnetem Erfolge leitete. Im letzien Jahre, als er sich schon zur wohlverdienten Ruhe zurückgezogen hatte, trat eine neue, verantivortiuigsreiche Ausgabe an ihn heran: junge und ältere Lehrer, deren Studien und Tätigkeit fick) bisher ans anderen Gebieten bewegt hatte, in jüdisches Schrifttum einzuführen. Neben seinen Murner-Studien, die ihn durch sein ganzes Leben begleiten, hat er auch seinem Liebtingsmalcr Hans Thoma eine feinsinnig!: Studie gewidmet. Einem jungen Freunde, einem Opfer des ersten Alriegsjahrcs, dem Leutnant Sender, hat ev durch die Herausgabe seiner Briefs ein fckiönes Denkmal errichtet. Vor allem abeil besä)äftigte er sich, iu den letzten Jahren ums mcl)t und mehr jüdischen Inhalten zugewandtZ. mit den Psalmen, zu denen er in diesen ZeitevZ des Sturmes immer wieder zurückkchrte, nichts anders 'als einst Rlvscs Nlendelssohn in seiner^ Psalmen-Uebersetzung eine Arbeit des Trostes nnbj der Festigung gesucht hatte. Biele Lehrer Habens wertvolle Anregung für den eigenen Unterricht aus Spaniers Analysen und Erläutcrlingcll« empfangen. Denn hier steht den Kleinodien hebräischer Volksdichtung ein Mann gegenüber, \ der aus allen Ouellen alter und neuer Bildung trank, und der nie müde geworden ist, an Volksdichtung und Kunstdichtung aller Zeiten und Völker den eigenen Geschmack zu läutern und zck erziehen, ___ _