Seite der Jugend
- Journal
- Seite der Jugend
- Volume
- 1934
- Issue
- 17 (8.11.1934)
- Date
- 1934-11-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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liehen auch in Zeiten, in denen sie von aussen in Frage gestellt ist: als Bereitschaft für Deutschtum und Judentum. Unsere Aufgabe im Bunde ist es, Menschen dieses Willens heranzuzieben. Doch Haltung und Gesinnung lassen sich nicht mit Sicherheit vermitteln, nur das Wissen, aus dem sie entspringen, ist übertragbar. Dieses Wissen erscheint uns in erster Linie als ein Wissen um jüdisches und deutsches Schicksal, um jüdische und deutsche Geschichte. Die Frage unserer Zukunft ist es, ob es uns gelingen wird, die Verbundenheit mit beiden auch den Jüngeren bewusst werden zu lassen und zu erhalten, die sie nicht mehr, wie wir Aelteren als selbstverständliche Voraussetzung ihres Daseins erleben. In Pia tos Buch vom Slaaat findet sich das Gleichnis von den Jünglingen, die, „um die Wetie reitend, die Fackeln, die sie halten, einer Verachtung der starren Form und des festgefügten Ineinander, Aufgeschlossenheit für das Bewegte und Beweglich«», Furcht vor der Stärke der Bindung, das alles sind Zeichen echter Jugendlichkeit. Jugendbewegung, wie sie bis 1 Ooo bestand und möglich war, konnte so leben, weil es in der Welt der ruhenden Punkte noch viele gab. Unser Weg ist gewandelt in Ausgangspunkt und Ziel. Alle Bindung ist stärker und schicksalhafter, und wenn uns die Gemeinschaft innen nicht hält, so werden wir gleichsam von aussen zusammengehalten. Die Bindung ist stärker geworden, aber die Forderung i>‘ es auch. Die Aufgabe eines Bundes deutsch-jüdischer Jugend reicht hinein in den gesellschaftlichen und sozialen Baum, in dem seine Menschen Leben um! Wollen kämpferisch zu behaupten haben, ist mehr noch als Gestaltung des Ich unter eigener Verantwortung und eigener Wahrhaftigkeit. So muss denn im Aufbau unseres Bundes e i n Element stärker sein als in der Jugendbewegung zuvor. Wenn wir unserem Lebenswillen verwirklichen, unsere Idee in die Heaiität überführen wollen, so müssen wir etwas einzusetzen haben. ,\Vir müssen Menschen haben, die nicht allein von ihrem Einsatz für das deutsche Judentum reden, sondern die diesen Einsatz an kleinen alltäglichen Dingen zu jeder Stunde beweisen können. Wir müssen Menschen Italien, die unsere Aufgaben mit Pünktlichkeit und Ordnung zu bewältigen vermögen, die mit 'dem Technischen fertig werden und dem Ungeordneten jene Ordnung geben, die aus dein Geist der Gemeinschaft kommt. Auf der Arbeitstagung des Bundes im September ist die Geschäftsführung des Bundes gefallen. Die Btmdeslritung mit Heinz Kelleren a n n , Günter F r i e d 1 ä n d e r und Franz Rosentbal an der Spitze leistet die gewaltige Arbeit, die dieser Bund bereitet, bis in die technische Einzelheit hinein unter eigener .Verantwortung. Im Sozialamt, das sein Programm in der „Seite der Jugend“ entwickelte, arbeiten Martin Sobotker und Bruno S o m - Felix GoSdmann und wir Felix Goldmann ist von uns gegangen. Ein Freund ist von uns gegangen. Ein Mann, der zur Jugend «stand, wo immer er konnte. Es war ihm nicht vergönnt, länger mit uns zu kämpfen. In einer spiner letzten Predigten rief er uns zu: Ki nofalti. kamti! Wenn ich auch falle, ich stehe immer wieder auf! Er ermahnte uns alle, uns immer wieder aufzurichten und fostzuhalten an den starken Pfeilern der jüdischen Religion und zu kämpfen für das Banner des deutschen Judentums. Er schritt uns voran auf diesem Wege. Er hielt das Banner, und er steht als Ideal vor unser aller Augen. Wenn auch sein Körper den Weg alles Irdischen geht, sein Bild steht lebendig vor uns; und sein Geist weist uns den Weg, den wir, die deutsch-jüdische Jugend, gehen müssen. Uns diesen Weg zu zeigen war «ein Wille. Der Wille ihn zu gehen wird uns Verpflichtung sem. Dieses Gelöbnis im Herzen nehmen wir Abschied von Felix Goldmann. Rolf Nathan (Leipzig). Ein 3ahr Neuendorfer Gruppe Neuendorf: hier haben sich zum erstenmal Menschen gefunden, die die Bereitschaft auf sich genommen haben, die Idee des Bundes in die Tat umzusetzen. Sie schichten um. Sie bilden sich landwirtschaftlich aus für Deutschland. -•'* Menschen. Ein kleiner Punkt in der Masse des „Bundes“. Das erste Jahr ist nun vergangen und trotz grosser Schwierigkeiten, trotz scheinbarer Aussichtslosigkeit haben die 25 Menschen durchgebalten. Wir haben keine Zertifikate, wir halten nichts, an das wir uns halten können. Wir haben nur Glaube und Hoffnung. Und der Glaube daran, durch landwirtschaftliche Arbeit in Deutschland eine Lebens- und Beslehensmöglichkeit zu finden, ist so stark, dass er uns trotzdem auslialten lässt. Das einjährige Bestehen unserer Gruppe musste gefeiert werden. Die Bundesleitung durch Heinz Keller mann, der C. V. durch Alfred Hirschberg, der RjF durch den Ortsgruppenleiter von Fürstenw»lde, der „Bund“ durch die Werkgrnppe Berlin-Halensee, hatten eich in Neuendorf zusammengefunden. „Das Gebet“ aus „Unsere Fahne“ leitet die Feier ein. Der grosse Raum ist voll. Hinter »Spaten und Hacke als Wahrzeichen der Landwirtschaft leuchtet, von Tannengrün umkränzt, die Ringfabnc. Langsam lässt unser Ortsdem andern weitergeben.“ Es ist "die Frage unseres Schicksals, ob es uns gelingen wird, die Fackel weiterzureichen, auch durch eine weithin dunkle Zukunft. Wenn wir einen An- . Spruch auf die Gültigkeit unseres Denkens und •Strebens erheben wollen, so kann es nur geschehen, wenn wir den Mut haben zum bewussten Leben gegen den Tag, und wenn wir unseren Menschen diesen Mut geben als einen Glauben und als eine Gescbichtsgesinnung im Geiste des Bibelwortes: „Denn frage nach den vergangenen Zeiten, die vor dir gewesen sind von dem Tage an, da Gott den Menschen auf Erden geschaffen hat, von einem Ende des Himmels zum andern, ob je ein solch grosses Ding geschehen, ob desgleichen je gehöret sei: dass ein Volk Gottes Stimme gehöret habe aus dem Feuer reden, wie du gehöret hast, und dennoch lebtest?“ (5. Buch Mose, IV 3, 2, 33). merfeld an der wirtschaftlichen Einordnung unserer Menschen. Das Presseamt, das Kurt Julius Riegner innehat, vertritt den Bund vor der Öffentlichkeit des deutschen Judentums. Materialamt und Kasse endlich, die Gerhard Silbermann betreut, beschaffen die für den Gruppenbetrieb notwendigen Gegenstände und verwalten die Bundesfinanzen. Alle Aemter werden sich in der nächsten Zeit einen Stab von Mitarbeitern schaffen, der ihnen im ganzen Reich zur Seite sieben soll. Wir verlangen hier den vollen Einsatz aller unserer Menschen, der ihre Pflicht, und Schuldigkeit ist, weil wir unsere Aufgaben nur erfüllen können, wenn wir in jedem Augenblick auf ihre. Disziplin rechnen können. Denkt nicht, ein Bund könne bestellen, -wenn jeder von sich glaubt, gerade auf ihn komme es nicht an, und Schlamperei und Drückebergerei seien den Forderungen einer Bundesleilurig gegenüber gerade die richtige Reaktion. Wir fordern eine ganz andere Haltung von euch, eine stärkere und selbstlosere, und wir werden in Zukunft all denen, die diese Forderungen nicht zu begreifen vermögen, einen richtigen Begriff von hündischen Pflichten Beibringen müssen. Auf jeden kommt es an! In den nächsten Wochen wird die Gesamtheit des Bundes zu beweisen haben, was ihre, echte Bereitschaft ist, wenn wir in diesen Tagen mit «1er Ausgabe von Mitgliedskarten und Klebemarken beginnen. Wir brauchen den Beitrag eines jeden zur Bundesarbeit, der nur zehn Pfennig im Monat betragen soll, lind wir wissen keinen, der dieses Opfers nicht fähig wäre. Alle müssen ihre Mitgliedskarte, in Ordnung halten und jeden Monat ihre Marke kleben, denn nur so wird der Bund zur Bewältigung seiner Aufgaben in der Lage sein. Viel -wenig ist viel, aber mehr noch als der materielle Erfolg ist der ideelle. Eine Gemeinschaft ist nur so viel wert wie die Opfer, die ihre Glieder fiir sie zu bringen vermögen, f^eid ihr bereit? Es gilt Gemeinschaft und Pflicht in einer Zeit, die von uns allen fordert, wenn wir bestehen wollen. K. J. R. gruppenleiter noch einmal das Bild des Jahres an uns vorüberziehen. Wir haben die Bereitschaft gezeigt, auch unter schwierigen Voraussetzungen einen Weg ins Ungewisse zu gehen. Nun verlangen wir von euch die Bereitschaft, uns in unserem Weg zur Gemeinschaftssiedlung zu helfen. Wo finden sich deutsch-jüdische Menschen, die dieser Jugend Land zur Verfügung stellen, damit sie ihren Weg zu Ende gehen kann? Mit diesem Appell an alle deutsch-jüdischen Menschen, schloss Heinz Loeser seinen .lahresüberblick. Musik und Sprechchor verbanden die beiden anschliessenden Referate über die religiöse und deutsche Aufgabe des Bundes. Bis in die späten Abendstunden waren alle bei gemeinsamem Singen, Kaffee und viel Lustigkeit zusammen. Als zum Schluss das Kameradschaftslied gesungen -wurde, wurden alle noch einmal ernst. Der Abend zog noch einmal vorbei. Er hat allen vieles gezeigt. Den Lebensmut der Jugend, die zeigen wilL, dass Judentum in Deutschland nicht nur in der Stadt gelebt werden soll. Uns ruft eine Stimme. Di-e Stimme des Glaubens und die Stimme der Heimat: Judentum auf deutscher Scholle! Führertreffen in Rheinland-Westfalen Unser Landesverband hielt am 13. und 14. Oktober im Haus „Berta“ seine erste Landesverbandstagung ab, zu der etwa 40 bis 50 Führer sämtlicher Ortsgruppen erschienen waren! Zu Beginn sprach Curt Braunam Lagerfeuer über die Notwendigkeit der Gemeinschaftsarbeit und betonte vor allem die Wichtigkeit des Ausgleiches zwischen der Jtlngerenschaft und der Aelterenschaft des Bundes. Werner Simon, der Jugenddezernent des RjF, der als Gast an der Tagung teilnabm, überbrachte die Grüsse der Bundesleitung der RjF. Umrahmt wurde diese schlichte Feier durch Gedichte, die Gerd Orgler vorlas. Als wir zum Schluss das Buudeslied sangen, wussten wir, dass unserem gemeinsamen Suchen ein gemeinsamer Weg vorgezeichnet ist. Das bewies auch die Besprechung am nächsten Morgen, als wir uns nach einem erfrischenden Waldlauf zu dem Rechenschaftsbericht der Ortsgruppenführer und der Landesverbandsleitung zusammensetzten. Mit besonderer Freude begrüsste Curt Braun dann Dr. Krombach, der uns mit seiner Anwesenhoit bewies, wie stark das Interesse des Centrul-Vereins au unserer Arbeit ist. Nach dem Rechenschaftsbericht der Landesverbandsleitung trat Curt Braun zurück, entschloss sich aber auf den Wunsch aller seiner Ortsgruppen, die Arbeit wieder zu übernehmen. Der Nachmittag war ausgcfüllt mit Referaten von Werner Simon über Berufswahl und Berursumschichtung. Für die Aelteren'sprach Dr. J. D.omp über klassische und romantische Religion, während gleichzeitig Curt Braun und Gerd Orgler mit den Jüngeren sich über brennende Fragen der Pimplengruppen aussprachen. Edith Zanders (Krefeld) Sporttreffen in Rafibor Kühles Herbstwetter, eigentlich etwas spät für sportliche Wettkämpfe. Trotzdem kamen zu unserem Sportfest Anfang Oktober etwa 250 Jungens und Mädels des Bundes in Ratibor zusammen. Landesverbandsleiter Friedei Böhm betonte in seinen ßegriissungsworten, dass es die kleinen Städte viel schwerer in ihrer Arbeit hätten und sie deshalb durch ein Bundestreffen seelisch gestärkt werden. Die Wettkämpfe wurden durch eine Singerast eimreleitet. Für die besten Leistlingen waren Preise ausgesetzt. , Die Neisser Jungen erhielten den Gruppenpreis und die Beuthener Ortsgruppe den Preis ' für die beste musikalische Einzelleistung. Das eigentliche Sportfest begann mit einem Sackhüpfen und Obstspringeu unserer Pimpfen. Eine lustige Angelegenheit, die von ihnen sehr ernst genommen wurde. Dann setzten die Wettbewerbe in allen Konkurrenzen ein. Die Ergebnisse waren trotz des kalten Wetters und der schlechten Beschaffenheit des Platzes recht gut. Einige besondere Leistungen: Ueber ]00 Meter" siegte Kornfeld (Beuthen) in 12.5 Sekunden vor Schwarz (Gleiwitz) in 12.6 Sekunden. Hochsprung und Kugclsdossen gewann ebenfalls Kornfeld mit 1.50 Metern bzw. 9,55 Metern vor Fröhlich (Gleiwitz). Beim Jahrgang lDllv'17 schallte Brauer (Hindonburg) die 100 Meter in 12,9 Sekunden, im llochsprung 1,35 Meter, im Kugelstosseu 9,15 Meter. Bei «len Mädels siegle Inge Fröhlich (Ratibor) überlegen mjt 75 Metern in 11.7 Sekunden, Weitsprung 3.98 Meter, Kugelsiossen 7,15 Meter, vor Hilde Kolm (Gleiwitz). Auch bei den Jüngeren wurden gute Leistungen erzielt. Den Abschluss der Kämpfe bildete die Rudolf - Haase - Gedächtnis - Staffel, bei der je drei Jungens und drei Mädels der einzelnen Ortsgruppen starteten. Gleiwitz führte bis zum letzten Stabwechsel, aber durch ein Missgeschick gab das Gleiwitzer Mädel den Stab falsch ab, und schon hatte Beuthen zwei Meter Vorsprung, den der Gleiwitzer Schlussmann trotz schärfsten Endspurts nicht ganz aufholen konnte. Mil einem halben Meter Vorsprung gewann Beuthen die Staffel und damit ein Bild von Rudolf Ilaase, das dessen Vater gestiftet hatte. Die Landesverbandsleitung hatte für den Zug mit den besten Gesamtleistungen einen Kiddusch-Rncher als Ebrenwanderpreis gestiftet, den diesmal Beuthen mit nach Hause nehmen konnte. Es dämmert schnell. Eine eigentümlich gehobene Stimmung liegt über dem Platz. Eine Stimmung, die uns so recht mit dem, was der Bund für uns ist und was Bund heisst, verbindet. Mit dein Bundeslied und einem kräftigen „Bereitschaft“ klingt unser grosses Sporttreffen aus. Kurt Schwarz (Gleiwitz). Tagung in Grenzmark Anfang Oktober veranstaltete der Landesverband Grenzmark in Schneidemühl erstmals Horst will auf Fahrt Höret hat es schwerer als seine Kameraden. Jeden Morgen muss er vor der Schule für seine Mutter Gebäck austragen. Auch sonst hilft er im Laden schon tüchtig. Ohne ihn ginge es schwer. Nur manchmal, wenn er Sonntags sehr gern auf Fahrt gehen möchte, arbeitet sein Bruder für ihn mit. Horst ist nämlich mit Leib und Seele im Bund. Seine Mutter ist ja nicht gerade begeistert davon. Aber schliesslich, denkt sie, soll der Junge doch auch sein Vergnügen haben. Frau Meyer ist aber durchaus nicht dafür, dass Horst mitgeht auf die Vierzehntagefahrt in den Ferien. Denn: erstens kann Horst im Geschäft wirklich schwer abkommen und zweitens will sie den Jungen auch nicht vierzehn Tage ganz unter, den Einfluss des Bundes stellen. Früher hat sie das gar nicht weiter ernst genommen. Horst hat nicht viel erzählt; er kann nicht alles so ausdrücken, wie er siebe denkt. Aber die Mutter weiss trotzdem, dass ihm der Bund sehr ernst ist. Nun will sie nicht, dass er sich mehr als unbedingt nötig ist, mit dem „unnützen Zeug“ belastet. Horst hat also so gut wie gar keine Aussichten, auf die Fahrt mitzukommen. Er sagt nichts; er ist auch zu stolz, vor seiner Mutter den Kopf hängen zu lassen. Aber die Kameraden aus seiner Gruppe wissen Bescheid. „Keine Bange, Horst“, sagen sie, „wir sind ja noch da!“ Am nächsten Tag erscheinen drei Abgesandte der Gruppe. Sie sagen zur Mutter: „Frau Meyer, lassen Sie den Horst doch bitte mit auf Fahrt! Wir haben genug Geld in der Gruppenkasse, das würden wir . . .“ „Nein, es ist nicht wegen des Geldes“, sagt die Mutter, „aber ich brauche den Horst zum Gebäckaustragen.“ „Sonst würden-Sie es erlauben?“ „Sicherlich.“ Die drei Jungen hauen ab. Am nächsten Morgen, kurz vor %7 Uhr, als Horst die grosse Tasche mit dem Gebäck gerade zur Hand nimmt, kommen zwei Jungen aus seiner Gruppe an. „Guten Morgen, Frau Mever“, 6agen sie, „wir werden jeden Morgen um diese Zeit Herkommen und Schrippen austeilen. Für uns kommt die Fahrt nicht in Frage, weil wir im Büro keinen Urlaub bekommen. Bis zur Fahrt werden wir Horst beim Austeilen helfen, damit wir später Bescheid wissen. Dann darf Horst doch mit auf Fahrt, nicht wahr?“ Schliesslich gibt die Mutter die Erlaubnis. Eilig gehen die drei freudestrahlenden Jungen los, um die vereine 'Arbeitsgemeinschaft seiner sämtlichen Ortsgruppenleiter. Es referierten Manfred Kleisner (Freiburg) über die grundsätz. liehen Fragen der deutsch-jüdischen Haltung Joachim -An sc hei (Schneidemühl) über das religiöse Problem und £ud\vig Rosenthal (Schneidemühl) über Fragen der praktischen Arbeitsgestaltung. Au jedes Referat schloss sich eine ausführliche Ansprache an. Arbeitsgemeinscharten der Ortsgruppenleiter sollen in Zu- H kunft regelmässig alle vier bis sechs Wochen stattfinden, um die Leiter der in unserer Gegend : stark vertretenen kleinen Gruppen über 'die Ti wesentlichen Probleme und die Ausgestaltung;1 der praktischen Arbeit zu informieren. Die 1 erste Veranstaltung war voll gelungen. ' Arbeitsanfang in Bamberg Ernst und Feierlichkeit lag im Saal, als der Tag, der Abend unseres Bundes, au dem wir, i 60 deutsch-jüdische Jungens und Mädels, unsere Arbeit nach IE*jähriger Pause wieder aufnehnien wollten, mit Hannoniumspiel lu'^um. : Mädel an Mädel, Junge neben Junge und Gruppp’ neben Gruppe, so lauschten wir, wi«* (j;)nn i Gedenkworte für die 12 000 Gefallenen und für Ludwig Tietz gesprochen wurden. Das G Lied vom guten Kameraden, „Unser Geber G und ein hebräischer Osang lejtrlnn über i zu der Ansprache des Rabbiners Dr. G Ratten, <!er ebenso wie der Gemeinde- ■ - Vorstand und der Lehrer unserer Einladung; Folge geleistet batte. Unser Ortsgruppenleiter, ■ Kurt \V o 1 1 e n b e r g . entwickelte dann in kurzen Ausführungen seine Plän<\ welche die. .; fünf Bamberger Gruppen verwirklichen sollen. Viel Arbeit liegt vor uns — das wurde allen 1 Kameraden klar —, aber sie wird geschafft werden. Lieder, zum Teil von unseren Nürnberger 1; Kameraden gesungen, und ein Hans-Sarhs-Spiel umrahmten die Feier, welche mit dem Bnndeslied schloss. Elternabend in Köln Der starke Besuch des ersten Elternj abends unserer Kölner Ortsgruppe bewies, \; dass d«>r Bund in der kurzen Zeit sein «'s Rp- \ Stehens Terrain gewonnen hat, denn der Saal konnte die zahlreich erschienenen Gäste kaum fassen. Ein Aufmarsch der einzelnen Gruppen eröffnete den Abend. Bruno S o m m erleid von der Bundesleitung konnte noch kurz vor seiner Heimfahrt nach Berlin Bundesgriisse übermitteln. Hans Jacob i, der Leiter dp« rheinischen Bezirks, machte in prägnanten, Geist und Gemüt befriedigenden Darlegungen mit dem Ideengut und den praktischer: Zielen der Gruppe bekannt. Paul Mattes unterstrich, auf Anfrage aus Elternkreisen, die religiöse Durchdringung der Gruppenarbeit, von .lacobi durch Aufschlüsse über die soziale Seite der Krage (Appell an jüdische Arbeit« gehör) ergänzt. Die Aussprache ergab di* Einheit zwischen Elternschaft und Bund. Man gab u. a. Anregungen, auch die Jüngeren de? Bundes in ihrem Wertgefühl stark zu machen, damit sie sowohl ihr Judentum wie ihr Deutschtum zu vertreten wissen. Der Verlauf d** Abends hat klar gezeigt, dass die Führung dos Kölner BDJJ in dem Vertrauen der Elternschaft ) Stütze und Rückhalt besitzt. —nd—, |. Airred Böhm, Hindenburg O./S., der Laudesree bandsleiter des Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend in Oberschlesien, ist in den Vorstand des _ ohrrscbk'isehen Landesverbandes des C. V. kooptiert worden. säumte Zeit einzuholen. Frau Meyer denkt sicS im stillen: Es muss also doch etwas hinter diesem Bund stecken; das ist wirklich sehr kameradschaftlich von den Jungens! Seit einer Woche kommen Horst Kameraden jeden Morgen. Nach dem Austragen ist meistens noch ein bisschen Zeit zum Plaudern. Die Jungens erzählen der Mutter viel vom Bund und seinen Zielen. Der Mutter gefallen die Jungens. und eines Tages, als Horst "nach Hause kommt, sagt seine Mutter: „Na, Junge, geh’ man mit aut die Fahrt, ich hab’ nichts dagegen.“ Ellen Pinkus (Berlin). Freundschaften in der Zeit .Wir waren jahrelang miteinander befreundet- Wir gingen gemeinschaftlich zur Schule. Wir waren Kameraden im wahrsten Sinne de? Wortes. Natürlich stritten wir auch miteinander, ln der Diskussion. Sie dauerten recht lamze« diese Auseinandersetzungen. Wir waren ja_auch blutjung. . Siebzehn, achtzehn «Jahre. Junir Juden, die temperamentvoll sein können. >' war eine schöne Zeit. Immer wollten wir zusammenbleiben. Konnten wir ahnen, dass Zeiten sich wj1' ständig ändern? — Deutschland bekam r:n anderes Gesicht. Wir junge Juden sahen emp . andere Welt. Und wir wurden ernst. B^1' auch Jugend kann ernst sein. Ein Projekt tauchte auf. Einer ging fort. Ius Ausland- Vater wollte es so. Wir wurden mit dem Abschiedssehiuerz vertraut gemacht- Der Torrn10 rückte näher. Wir werden uns ja schreiben- Nicht? Ja, aber Brieffreundschaften sind em>l nur „Brieffreundschaften“. Wir brachten M auch zum Bahnhof. Ein letztes Winken. Und dann blieben wir zurück. Der Jüngste von un* — weinte. Das hat nichts mit Sentimentalität zu tun. Das war das Leben. Einer nach dem anderen ging. Wenk5 blieben zurück. Jeder kam in eine andere Himmelsrichtung. Briefe kamen. Wann werdm wir uns Wiedersehen? Weisst Du noch. alB }\’lr “ —• Erinnerungen tauchen auf. Menschen vergessen nicht so schnell, wie £.• wachsene immer denken. Und Freunde, Kaumraden vergisst man nie. Der Kreis wird und kleiner. Berthold Jacobsohn (Berlin)« Von Gemeinschaft und Pflicht nilll!lllI!IIIIlIlllIli!ll!lll!llII!l!!I!!!!!l!illlIIII!IIIllI!I!IIIIlll!!l!!l!ll!llIll!l!!ll!l!l!l!ll!!!llll!il!!l!il!!lllil!i!l!ll!l!lllli;iil!!I!!II!IIIIIIIIIil!IIIIIIIllllllllllli!Q Gesdiidkiesn