Seite der Jugend
- Journal
- Seite der Jugend
- Volume
- 1934
- Issue
- 17 (8.11.1934)
- Date
- 1934-11-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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4. Beiblatt <JerC.-V.-Zt g Hummer 45 Nummer 17 8. November 1934 BLÄTTER. DES BUNDES DEUTSC-H -JÜDISCHER. JUGEND - BEILÄGE DER CV-ZEITUNG ■ ü zjz ii yond! - Zu. einem Sfaerbundischen-Treffen ßß Diese Nummer der „Seite der Jugend“ ist der Gesamtheit all der Fragen zugedacht, die eine jüdische Jugend id diesem Lande und in dieser Zeit bewegen müssen. Das überbiindische Führerirhultnigslager, das kürzlich m Lehnitz statlfand, hat sie vor uns mit letzter Deutlichkeit aufgerissen. Unser Dasein steht in Frage, geistig und materiell, und aus der Ungesichertheit unseres Lebens fol"t die ungesichertbeit unserer deutsch-jüdischen Antwort. Wir lassen hier zunächst einen'von Kurt Julius Riegner geschriebenen Bericht über das Führerschulungslager folgen, wie wir es erkhfen. und wollen dann Menschen des Bundes zu Einzelfragen unserer Arbeit sprechen lassen, die ein Wort zur Stunde zu sagen haben. Teige Stra Herbstlich gelb und rot steht der Laubwald über dem See. Drüben, wo das Ufer nach rer bis und links sich gleichmässig in die Ferne streckt, beben sich die bunten Bäume spielerisch kulissenhaft ab vom dunkleren Hintergrund der Fichten. Strahlend blau spannt sich der Himmel über das Land. Von fernher hört man die Stimmen von Schiffern, die einander rufen. Weiter zurück, in den Wald hinein, liegt das Haus. Wir kennen es alle. Damals im Winter war es morsch und grau, halbverfallen. Heute steht cs da wie neu, klar in Farbe und Form. Lehnitz, denken wir und grüssen hinüber. Ein Jahr fast verging, vieles ist anders geworden, auch wir. Aber der Wald steht und flüstert, beute wie immer. Von der Rückseite des Hauses, über die Veranda, treten wir ein. Menschen sitzen im Halbkreis gedrängt, junge Menschen, auch Freunde sind darunter. . Sie lauschen. Sie lernen- Und wie wir niedersitzen, überkoramt auch uns das Gefühl, dabei zu sein und dazu zu gehören. Zu der Gemeinschaft . . . Alles ißt anders und fremd. Wir kennen Lager von vielerlei Art, grosse und kleine, laute und leise, fröhliche und ernste. Dieses hier, das Führerschulungslager, das der Reichsaus- Schuss der jüdischen Jugend verbände und die Mittelstelle für Erwachsenenbildung zusammengerufen haben, ist ein besonderes. Das merken wir bald. Es gibt eine Kameradschaft, und die Kameradschaft ist gut. Aber es ist nicht die Kameradschaft von Menschen, die sich fanden und nun zu einem gemeinsamen Ziele gehen. Es ist »ine Kameradschaft aus gemeinsamer Not, aus gemeinsamer Verantwortung und aus gemeinsamem Lernen. Und das ist neu. Eng sind die Grenzen der jüdischen Gemeinschaft, aber die Menschen, die in ihr leben, kennen sich kaum. Zwischen ihnen liegen Mauern, liegt eine Ferne. Jugendbünde zumal leben im Grunde in der Isolierung. Jetzt sind sie einander nahe, räumlich zunächst. Was sie geistig trennen könnte: Auseinandersetzung, Debatte, — das wird sorgsam ferngehalten aus dieser Lernzeit. Es lauert, es ist da, man spürt es im Hintergründe, und auf den Gängeu stehen zwischen Arbeit und Arbeit,. wenn Pause ist, die Menschen zusammen, reden miteinander und suchen sich zu verstehen. Aber Harker als alle Gegensätzlichkeit erweist sich rer Wille, dem Sinn dieses Lagers gerecht zu werden. Woher nehmen, diese Tage ihre eigentümliche Kraft? Einmal wird es von M a r t i d Ruber, dessen Gestalt über allem wuchtet, ausgesprochen: „Lehrende sollen lernen, Führende geführt werden.“ Den Bünden ist,-wir wissen es, in diesen Zeiten eine riesige Aufgabe zugewachsen. Menschen fanden zu ihnen aus allen Gebieten des Lebens, Suchende, Fordernde. Vau musste ihnen geben. Aber die Führer fehlten, und auch wo es sie gab, war eine Führernot da, die von inneu her kam. Diese Führernot sollte gemeinsam in Lehnitz überwunden werden. Zusammenarbeit tut not. Einen Reichsaus- *chuss der jüdischen Jugendverbäude gibt es seit zehn Jahren, früb schon bat die jüdische Jugend "ich zu gemeinsamer Arbeit zusammengefunden —• unter der Führung von Ludwig Tictz, dessen Andenken wir in diesen Tagen schmerzlich erneuern — dem Trennenden zum Trotz. Aber dieses Mal galt es mehr als die Bewältigung sachlich-technischer oder auch sozialer Probleme, in diesen Tagen sollten sich Menschen der Bünde .auch menschlich näherkommen in der offenen Atmosphäre der Lerngemeinschaft. Mit diesen Worten etwa-eröffnete unser B runo Sommerfeld, der Geschäftsführer des Reichsausschusses, das Lager. Alle verstanden, was er meinte, wenn er . von Gemeinschaft sprach, .Lehrende und Lernende, und sie kämpften ehrlich darum. Diese Lehnitzer Tage waren Lernzeit. Die gekommen waren, wollten etwas erfahren, was sie gemeinsam anging. Meinungen ' standen gegeneinander. Aber es galt — so sagte Martin Buber in der Unnachahmlichkeit verdeutlichender Gestikulation — das Gespräch und nicht die Debatte. Oft fiel das Wort „Weltanschauung“, obwohl wir vom Bund seine Enge scheuten. Nicht über die Dinge sollte gesprochen werden, sondern 'die Dinge selbst wollten wir sprechen lassen. Urkräfte des Judentums und seine Wirklichkeiten wurden laut, man musste ihnen lauschen und sie hinnehmen, ob sie passen mochten zu einein errechneten Weltbild oder nicht. Die Bibel sprach durch Martin Bubers Mund von „Abraham in Kanaan“, von Segen, von Gefolgschaft und Opfertreue. Emst Simon, Buber zur Seite und Hüter dieser ‘ Gemeinschaft des Lernens, hielt „Hebräische Gespräche“, einmal auch einen Geschichtskurs. Die Geschichte jüdischer Zerstreuung sprach aus den „Urkunden der Emanzipation“, die Fritz Bamberger vortrug. Ueber soziale „Gegenwartsfragen“ sprach Ernst Kantorowicz, und ganz stark kam die Wirklichkeit zu ihrem Recht in den Referaten von Friedrich B r o d n i t z über das „Hilfs- und Aufbauwerk“,-, von S. Adler- Rudel über „Ostjudentum“, von Elieser Lieberstein über den „Palästina-Aufbau“ und in der lebendigen Zusainnienschau jüdischer Gegenwartsprobleme in Deutschland, die Alfred H.irschberg gab. Kurt Bondys „Pädagogische Arbeitsgemeinschaft“ suchte die erzieherischen Probleme der hündischen Arbeit .klarzustellen, und wenn etwas Freude und Bewegung in die Angestrengtheit des Lernens brachte, so waren es Karl Adlers musikalische, rhythmische Kurse. Von Heimgestaltung wurde gesprochen, von Führertum und von jüdischem Leben. Viel wurde angeregt und viel aufgewirbelt, so dass map nachdenklich wurde bis in den .Grund des eigenen Bekennens. Einen Freitag-Abend begingen wir, an dem Martin Buber aus den Psalmen las, hielten Oneg Schabbath rmit guten Gesprächen und gingen an späten Abenden durch den Wald, dessen Bäume still und unwirklich ins Mondlicht ragten. Reich war diese Zeit und schwer von Gedanken. Wir vom Bund sassen bisweilen zusammen, Freunde aus Berlin und dem Reich, und sprachen von dem, was wir gemeinsam besassen. War es viel, war es. wenig? Wir fühlten, dass die neuen Worte noch nicht gesprochen sind, und dass wir zu der Gestaltung jüdischen Lebens, das die Geschichte fordert, noch kommen müssen. Aber es war doch gut, zusammenzusitzen und nach Klarheit zu suchen, unsere engere Gemeinschaft in dieser grossen. Es gibt einen Weg —den des Lebens und der Bereitschaft — und wir werden ihn gehen, Juden, unter den Sternen dieses deutschen Himmels. Den Weg zu festen, programmatischen-Richtlinien, den wir suchen und gehen müssen, hat der Rund noch nicht »wiesen. Er weiss aber, dass hier seine zentrale Aufgabe liegt, und wenn beute «unter Friedländer von den Schranken der Ideologie schreibt und dje!de.®Jf 4®“ Mitelpiwkt unseres Daseins rückt so ist das nur ein Bekenntnis für diesen Tag. Seine Worte haben.als mass- Sobliche Kundgebung des Bundes an der Spitze dieser Aussprache zu gelten. SBsusa und ©Erosizera dos* §d©©S®gs©..; Je mehr der Bund sich zum ersten Male dem Jahrestag von Lehnitz nähert, desto heftiger wird v°° seinen Menschen die Frage nach dem Inhalt "einer Arbeit, seinen Grundlagen,, seinem; zukünftigen Wege gestellt. Das ist gut und richtig so, abel man soll bei diesen Diskussionen doch dies Wollen?, das den Bund in seinem Lehnitzer Anfang auf die buchstäbliche Festlegung seiner Ziele verzichten lies? . . . Was den Bund ins Leben rief und am Leben erhielt, das war die lebendige Kraft jener Idee, zu der sich alle seine Menschen freudig bekannten, die Idee eines zutiefst jüdischen Daseins, das sich dem heimatlichen Lande innig verbunden wusste.“ Das ist in diesem ersten Jahre das entscheidende gewesen, dass die Idee Kraft genug ausstrahlte. um die Menschen mit einheitlichem Lebensgefühl zu erfüllen, um aus dem einheitlichen Lehensgefühl den Bund erstehen zu lassen. Es ist unsinnig, eine Idee für eine neue Situation zürochtzumachen, um zu beweisen, dass sie die alte Gültigkeit hat. Es ist nicht richtig, die Idee mit einem schönen Gedankenaufbau zu umgeben, so dass sie unwiderleglich scheint, weil ihr mit Logik nicht beizukommen ist. Entscheidend aber ist, ob die Menschen an die Idee glauben, ob sie aus ihr ein Lebensgefühl erhallen, das sie in Zeiten, die sich anscheinend gegen sie richten, ausharren lässt. So kann es das Ziel der Diskussion im Bunde heute noch nicht sein, jetzt das zu tun, was in Lehnitz bewusst unterlassen wurde, und es kommt in dem Augenblick nicht darauf an, in Diskussionen eine Ideologie zu entwickeln, die die Idee des Bundes wie ein gleissender Kuppelbau überdeckt und vor der Wirklichkeit nicht stand hält. Denn die Entscheidung lautet heute wie vor einem Jahr: Leben jetzt und hier. Keine Ideologie vermag etwas für oder gegen diesen Entschluss einer Generation zu setzen, die sich zu ihm bekennt. Begreiflich also, dass der Bund darauf verzichtete, sich „Richtlinien“ zu geben. Was nützen Richtlinien, wo es das Leben gilt? Aber er schuf und schafft sich ein Sozialprogramm, dass das ' Leben seiner Menschen wirtschaftlich fundieren soll, und es ist kein Zufall, dass er gerade an der Bewältigung dieser praktischen Aufgaben zum erstenmal seine formengebende Kraft erprobte. ' Von den Lagern der Bünde — nicht nur des unseren, denn diese Entwicklung ist eine allg e m e i n e — verschwinden die ausschweifenden Diskussionen, die oft nur um der Diskussionen willen geführt wurden, mehr und mehr. Man will nicht diskutieren, da das Leben doch mächtiger ist, man bekennt sich zu diesem Leben. Ja, das so lange geknechtete, nie zum Ausdruck ' gekommene Lebensgefühl streift alle Fesseln ab. So stark bäumt es sich gegen jeden Zwang, gegenjede Einengung auf, dass in manchen Kreisen selbst die durch die Zeit entstandenen Verpflich- ¥ hingen des Lernens kritisch betrachtet werden. Das Lebensgefühl sucht seinen Ausdruck, seine Befreiung überall. „Drauf und dran“ wird zur Parole* Hier gilt es, scharfe Abgrenzungen ' vorzunehmen. Denn der Ruf des Lebensgefühls erreicht nicht nur die, die in Diskussionen sich erschöpften, die der Mode des jüdischen Lernens 1 lOprozetilig verfallen waren, er erreicht auch jene, die nicht lernen wollen, er gibt ihnen die Möglichkeit, ihrNicht-Wollen, ihre Bequemlichkeit, ihre Trägheit mit dem Mäntelchen des Lobensgefiihls zu verhüllen. Welch Widersinn, die Ablehnung der Ideologie zur Ideologie zu erheben! Ja, es muss gelernt werden, meindenn je, aber, nicht um möglichst grosse Mengen von Bildungsstoff auf/.uspeichern. Mit aller Klarheit wurde es auf der Arbeitstagung der Bünde im September ausgesprochen: dass wir nicht lernen um des Lernens willens, sondern das Geknile das Lebensbild des Lernenden ergeben und erweitern soll. Es muss g e f ra gt werden in dieser Zeit, die für uns eine Zeit der Fragwürdigkeiten ist. Mohr denn je sollen die Grundlagen unseres Lehens.soll JUDE Jude sein müssen? Gebückt unter der Last der Tage gehn. Von der Welt verächtlich augesehn — Jude sein müssen? Jude sein dürfen? Es als Gnade empfinden, als Jude zu leben. Als Geschenk, der Menschheit Erkennen zu geben — Jude sein dürfen? Jude sein wollen! Uns zu unseren Pflichten bekennen, ■ Treu Jude sein, uns stolz Jude nennen — Jude sein wollen! Lissy Rothschild. 111 IMll JIII111> 11III! 111MII111„IU:I! [I] J!11MUn N11iIII Uli Ul IIIUMl!l 111im I lliI1ISIMMI M DM 11IIII11III> ,1 j die Idee geprüft werden; aber nicht, um Ideologien, Wolkenschlösser des Geistes zu erbauen, sondern weil wir zu einem echten Bild und einer geistig tragbaren Lcbensgestaltung kommen wollen. Denn Ideologien zwingen die Wirklichkeit nicht, sie geben dem Menschen, der den Glauben an die Idee verloren hat, keine Kraft. Ideologien rühren nicht an das Tiefste im Menschen, sie wati- - dein ihn nicht. Nur die Idee berührt ihn im Innersten, nur das Lernen und Erkennen wandelt und formt ihn. Der Mensch, der von hier seine Kraft empfängt, hat allein das Lebensgefühl, das ihn zum Bezwinger des Augenblicks macht, zum Leben jetzt und hier. In den Anfang'aller Versuche nach geistiger Ausrichtung stellen wir die Geschichte. Sie ist uns Existenzbeweis und Sinngebung, und so können wir versuchen, von hier aus einen Ausblick in die Zukunft zu gewinnen. Lotte Tradelius (Berlin) versucht in den folgenden Ausführungen, ein Verhältnis zur Geschichte zu gewinnen, das für den Bund Gültigkeit besitzt. ßssGÜn ©ms de? Gesdäiidhfte nicht vergessen: die Menschen, die sich’ und ihre Gruppen in Lehnitz zum Bund , Zusammenschlüssen, taten das trotz aller, ideologischen Verschiedenheitenvon denen sie sehr wohl wussten. Martin Sobotker hat vor Monaten an dieser Stelle besagt: „Es war die Stärke .des. einheitlichen Wie stets in Zeiten der Erschütterung auf allen Gebieten des Lebens, wenn alles persönliche Dasein entsichert erscheint, wird Geschichte uns wieder Erlebnis: nicht mehr als zäher Ablauf der Zeit, sondern als leibhaftes Geschehen. Wir haben dieses Geschicbtserlebnis in einem Ausmass, wie Generationen vor uns es nicht kannten. ' Geschichte als Erlebnis ist stets zugleich Frage und Befehl, Urteil und Vollzug. Es ist die ewige Sinnfrage alles Lebens, mit der der Augenblick vor den Richterstuhl der Geschichte gezogen wird, mit dem wir unser Dasein heute und hier vor dem Höheren zu verantworten haben. Im Angesicht der Geschichte eine Frage beantworten aber heisst: nicht allein von der Einmaligkeit von Ort und Stunde her sie erfassen, sondern sie in einem geschichtlichen Sinnbezug begreifen, in dem der Augenblick klein wird und sieh einordnet in die Schau eines gewordenen Ganzen, es heisst: sich seines geschichtlichen Standortes bewusst werden. Unser Standort wird nicht von unserer Willkür bestimmt; sondern er ist uns aufgegeben von der Geschichte als ein Befehl. In der Geschichte leben heisst, diesen Befehl vernehmen, die geschichtliche Entscheidung zu seiner eigenen machen und so sein Leben in die Bereiche eines Objektiven erheben. Hier gilt es wohl das Wagnis persönlichen Untergangs und zeitlichen Unterliegens. Doch alles geschichtliche Leben ist Leben in der Gefahr um der geschichtlichen Gültigkeit willen. Geschichtliches Leben ist nicht Jasägen zum Schicksal als einem irgendwie sich vollziehenden Gesckehcnsablauf, sondern es ist Ja sagen zu den einmal offenbar gewordenen Grundlinien und Grundnotwendigkeiten unserer Existenz und ihrem Wahrheitsgehalt, und es heisßt, diese Wahrheit, die eine überzeitliche ist und die Einmaligkeit einer Weltstunde überdauert, festhalten auch gegen den Augenblick. Hier, in dieser Ebene, geht es nicht nur um. Fragen der praktischen Lebensgestaltung, sondern hier treten bereits Fragen der geistigen Ausrichtung an uns heran. Die Richtigkeit unserer Antwort, die wir leben, kann sich nicht heute und morgen erweisen. Aeussere Tatsachen des Tages sprechen kaum für uns. Unsere Bestätigung liegt nur in unserem Dasein, dies aber ist begründet in der Geschichte. Wir haben den Sinn der jüdischen Existenz erkannt als Existenz in der Zerstreuung. Es erscheint uns daher als eine Verkennung der jüdischen Gesellichtswahrheit und als ein Vcrstoss gegen unsere geschichtlichen Aufgabe, auf die Frage nach unserem heutigen Leben die Antwort des Zionismus zu geben. Palästina mag heute für manchen ein Ausweg aus der augenblicklichen Notlage sein, aber niemals kann es für das Gesamtjudentum eine Lösung des Problems sein und eine Antwort auf die Frage der Geschichte. Wir haben den Sinn unserer Diasporaexistenz erfahren als Existenz in Deutschland. Wir fühlen uns Jahrhunderten deutscher Kultur verpflichtet und verbunden. Unsere Geschichte ist eingegangen in die deutsche Vergangenheit, und sie wird, eo glauben wir, auch einmal wieder in eine deutsche Zukunft eingehen. Wir erkennen diese deutsch-jüdische Existenz in ihrer Zweiheit als geschichtliche Notwendigkeit und sind bereit, sie zu verwirk-