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Kinderblatt · 1934-11-01 · 10 (1.11.1934) · page 2

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Journal
Kinderblatt
Volume
1934
Issue
10 (1.11.1934)
Date
1934-11-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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letTvr evvuut. " .' "".V „ aam mit Mibcu Schleiern und Blumen ge,chmuckte Letter, auf deren höchster Sproße ein Engel thronle . . . Kleiii-Litlu And zu Füßen der Leiter stand Jakob und blickte empor. Nun mußte Lilli die Worte des Engels sprechen, aber so sehr sie sich auch anstrengte, ihr fiel kein einziges Textwort mehr ein. Sie konnte nur daran denken, daß da unten ihr trotziger Bruder stand, der sich für nichts und wieder nichts mit ihr verzankt hatte. Und bevor sie wußte, was sie sagte, rief Ke mit ihrer Hellen Stimme: „Erwin, sage, das; es dir leid tut, und daß, du es nie wieder machen willst'" Und seltsam, Erwin-Jakob, der doch wußte, das; seine kleine Schwester zu ihm sprach, blickte zu der lichten EngelSgcstalt empor uub fühlte sich feierlich ergriffen und mit lauter und klarer Stimme ries er: „Ja, es tut mir leid und ich will eS nie wieder üml" Hub tlt dkescnl?rttf,eul>ncf fiel -fUem cmi nm-Tj fu'r nmuc Tert toteder ein und indem sie min du: Worte ooo (5'ngel^ sprach, sah sie liebevoll auf Jakob herab uud stieg dam:, nne eS die Nolle ihr vorschrieb, langsam zu ihm hinunter. Als die Vorstellung nach dem großen Beifall des Publikums zu Ende war, gingen die Geschwister Hand in Hand nach Hause. An die „Himmelsleiter" mußten sie noch oftmals denken, aber von der Puppe Netly wurde nie mehr ein Wort gesprochen. Zeichnungen von Lilli Skolny Es war gegen Ende des Mittelalters, und überall in der Welt ging es den Juden schlecht. Man bedrückte sie, trieb sie ans ihren Wohländern. verbrannte ihre heiligen Bücher und nahm ihnen alles, was ihnen lieb war; ja. oftmals ließ man ihnen nicht einmal das Leben. Damals sehnten sich die Juden mehr als sonst in ihrer langen Geschichte nach der Erlösung, und ihr Flehen mit einen Messias war heißer denn je. Ta erstanden in vielett Gegenden der Well Männer, die sich als der erwartete Messias atlsgaben: Ascher Läminlein zog 1503 als Vorbote des Messias in Italien umher, und bald daratls erschielt Tawid Renbeni, tvelcher erzählte, daß er aus einem fernen jüdischen Königreich stanune, mtd er sprach mit dem Papste und dem König von Portugal, daß er die Jrrdert erlösen wolle. Aber auch seine Bctvegung brach zusammen, und die Finsternis war noch schliitmter. Die letzte Hoffnung, die unsere Vorfahren gelebt hatten, wurde ihiten entrissen, und sie wurden in ihr trauriges, alltägliches Dasein zurückgestoßen. Da begann im heiligen Lande eine kleine Gruppe fronttner Mäntter ein nettes jüdisches Lelvn. Jtt Sased, int Norden Palästinas, kamen sie zusammen. Nicht fern loat das Grab des Nabbi Schimeott bar Jochai, des Vaters aller geheimnisvollett Lehren, der datttals schon nngeführ 1400 Jahre tot war. Dorthin pilgertcit sie, ltnb dort beteten sie und warfen sich nieder. — Tie Menschen, die in Sased gemeinsam lebten, horchten onf ihre Führer, aber einer, der erst spät zu ihnen fruit, überragte sie alle. Er war noch ein junger Mann. Sie nannten ihn nach den Anfangsbuchstaben seines Namens den „Ari". den Löwen: Rabbi Jizchak Lurja Aschkcnasi hieß er (oder Aschlenasi Rabbi Jizchak), das heißt Rabbi Jizchak Lurja, der Deutsche. Aus Teutschland stammte wohl seine Familie, er selbst wurde vor 400 Achren, im Jahre 1534, in Jerusalem geboren, und in Aeghpten verlebte er seine Jugendjahre. Von Kind an hatte er viel gelernt und sich frommen Hebungen hingegeben; oft zog er sich in die Einsamkeit zurück und fastete, weinte und betete um die Erlösung seines bedrückten jüdischen Volkes, oft trauerte er um die Zerstörung des heiligen Tempels in Jerusalem. Während der Sabbattage aber war er stets im Kreise seiner Familie und seiner Freunde. Als er um 1570 nach Sased kam. ixt erkannten alle die Menschen dort in ihm ihren Meister. Mit ihm erhoben sie sich in den Nächten und stimmten die wehmütigen Klagelieder an, mit ihm weinten und fasteten sie. aber mit ihm auch.feierten sie den heiligen Sabbitt. Statt der gewöhnlichen Wochentagskleider hüllten sich alle in lange weiße Gewänder, und sie scharten sich um ihren Meister. Tann nun, wenn die Tämmerung nahte, schritten sie nach altem Brauche langsam durch die Straßen der Stadt, ans das weite Feld hinaus. Freude lag auf ihren Angesichtern, und die Augen des Art glänzten hell. Bon seinen nächsten Jüngern umgeben, schritt er ihnen voran, entgegen dem Sabbat, der nun seinen Einzug nehmen sollte. Damals sang einer aus dem Kreise, der große Rabbi Schlomo Halevi Allabez, ein Lied, di>S auch wir noch heute an jedem Freitagalend singen, er sang Lecho Taudi. bat die Sabbatbrant zu ihrem Bräutigam Jisrael zu kommen, der schon sehnsüchtig ihrer harre: Komm, mein Freund, der Braut entgegen. Laß den Shabbath uns empsahn! tönte es in der Stille der weiten Natur, und tvährend des Gesanges senkte sich die Dämmerung hinab, und die ersten Sterne wurden sichtbar: der neue Tag. der Sabbat, uhu angebrochen. Als neue Menschen, frei von allen Sorgen, gingen die Männer jetzt in ihre Stadt zurück und nahmen die Sablxttmahlzeit ein. Auch an den Tagen der Woche loteten sie in tiefer Inbrunst um die Erlösung. Das Gebet jhres Meisters ober, des Ari, überstieg sie alle und trug sie mit empor. Wenn er lotete, so sah er nicht mehr die irdische Welt um sich, der Himmel erschloß sich seinen glühenden Augen, und sein Geist drang tucit empor. Doch umfaßte er alle, schloß die ganze Welt in sein Gebet mit ein. Das Feuer, das in ihm brannte, das ihn nicht ruhen ließ, vorbrannte ihn. Jung noch, llckjährig. starb der Ari im Jahre 1572. Seine Schüler betveinten und beklagten ihn. Dann aber erzählten sie überall von seinem Leben, und ein dichter Kranz von Legenden nmtvob das Haupt dieses jüdischen Führers, der — wie man heute sagt — an einem Lungenleiden verschied. In dem Kreis von Sased trat keiner wieder ans, der so stark an die Erlösung glaubte, der so rein lebte und sein kurzes Leben so ganz dem Dienste der jüdischen Gemeinschaft hingab wie der heilige Äri, der Löwe, Rabbi Jizchak Lurja. z: — •— jc, zz vc. C7< «r Kinder! Ein großer Stoß von Lösungen ans allen Teilen Deutschlands ist bei uns eingegangen. Viele hübsche Losungen waren darunter, aber da wir ja nicht alle Prämiieren können, haben wir die fünf nettesten ausgesucht. Sie haben uns deshalb am besten gefallen, weil sie ganz ungekünstelt und natürlich geschrieben sind. Was wir von euch haben wollten, waren nämlich einfache Lösungen, in denen ihr so schreibt, wie ihr sonst immer sprecht. Wir wollten aber keine gedrechselten Sätze und keine unnatürlichen Ausrufe. Wer sagt denn z. V. „Mütterchen! O mein Mütterchen!" Wem von euch kommen die „Freudentränen", springt ihr nicht vielmehr, wenn ihr euch freut, ans eure Mutti zu und seid vergnügt'? Auch Michael ist em Junge ans Fleisch und Blut, der genau wie jedes andere Kind seine Wiedersehenssreude aus eine natürliche Art zeigt. Die fünf Preise erhielten: 1. Mirjam Grünfelv, Baden-Baven, Vincentistratze 30, nenn Jahre alt: Da sah sie, als sie atemlos die Tür öffnete, das Antlitz ihres Sohnes unter der Lampe leuchten. Michael erzählte ihr alles ans der Fremde, und nach Jahren schlief Mutter Hannah wieder eine ruhige Nacht! . 2. Tessi Lorsch, Bcrlin-Wilmcrövorf, Tranlcnanstrasie 1, elf Jahre alt: . . . blieb sie wie erstarrt stehen. Vor ihr ein reich gedeckter Tisch, der es an nichts fehlen ließ. Das war schon was sehr Schönes. Aber das schönste war: ans einem Stuhl am Tisch saß — ihr Michael. Nun kam wieder Leben in Mutter Hannah. Freudig lief sie ans ihn zu und siel ihm um den Hals. Nun sagte er ihr, sie dürfe keinen Finger mehr rühren. Er nmchte alles, alles, alles, und sie setzte sich zur Ruhe. c$Up Frank und Wolf waren tmzertrennliche Freunde. Sie lebten in einem Vorort von Berlin; Franks Eltern wohnten auf der linken Seite der Straße und Wolfs Eltern gegenüber. Da die beiden Jungen noch nicht zur Schule gingen, hatten sie Zeit, von morgens bis abends miteinander zu spielen. So lebten sie glücklich und vergnügt und dachten nicht, daß es mal anders foniuten könnte. Eines Tages aber kam Wolf ganz verweint zu Frank und sagte: „Denk dir. Frank, ich soll dir ans Wiedersehen sagen. Wir ziehen, nämlich tveg, weit weg. nach Palästina." Frank machte ein verstand.' nisloscs Gesicht. „Was ihr fahrt weg? Aber lwmnu denn?" — „Ja", sagte Wolf, „ich verstehe es ja auch nicht. Aber Vati sagt, es muß sein." _ Da nahmen die beiden Freunde Abschied voneinander und versprachen, sich niemals zu vergessen. Und am andern Tag uxuett Wolf und seine Eltern wcggcrcist. Frank war nun schrecklich traurig. Mit andern Kindern mochte er nicht spielen, und auch seine Mutter konute ihn nicht trösten. Das Traurigste war, daß er immer dachte: wenn Mols eine große Reise macht und so viel Neues kennenkernen tvird. tvird er mich sicher bald Vergessen. — Eines Tages faßte er den Entschluß, nach Palästina zu 3. Ernst Kahn, Lnvwigshascn am Rhein, Mittels bachstrahe 67: . . . ihren Sohn Michael. Er war indessen Schlosier geworden. Auch hatte er eine fleißige und tüchtige Frau mitgebracht. Er eröffnete nun eine Werkstatt, und als er sogar nach einem Jahr ein Kind bekam, da war des Jubels kein Ende. Auch Mutter Hannah bereiteten sie ein sorgloses Alter. 4«. Stefan Schwarzfchkld, Berlin-Steglitz, Björnfon-s strafte 30, elf Jahre alt: . . . ihren Sohn Michael. Aber wie sah er aus, reich angezogen und stolz. Mutter Hannah glaubte, er wäre übermütig geworden. Doch ein Jude überhebt sich nicht. Sis stürzten sich in die Arme und Michael erzählte. Er kam von einem Bauer. Vom Hirtenjungen zun; Farminhaber. Er heiratete eine Frau, und sein Stammzeichen war ein Hirtenknabe. 5. Edgar Feuchtwanger, München, Grillparzern strafte 38v, zehn Jahre alt. . . . daß ihr geliebter Sohn wieder da war. Mutter Hannah fiel Michael um den Hals. Michael hatte gehalten, was er versprochen hatte: er war etwas Nichtiges geworden, nämlich Schreiner. Er hatte Mutter Hannah auch etwas mitgebracht, einen Sabbathleuchter. Aus diesem Nosch-Haschana^ Tag wurde ein leuchtendes Fest. * Wer diesmal leer ausgeg^ngen ist, soll nicht traurig scim Wir veröffentlichen bald wieder ein Preisausschreiben mit neuen schönen Preisen, bei dem jeder von euch wieder sehr Glück versuchen kann. wandern. Er dachte: so sehr weit wird es schon nicht sein, und wenn ich tüchtig marschiere, komme ich bestimmt mal hin. Er machte sich mm ans den Weg und er lief durch viele Straßen tmd dann ein Stück Landstraße entlang. Schließlich, als er schon schrecklich müde war, kam er zu einer großen Wiese. Da legte er sich in2 Gras, um sich ein bißchen auszuruhen, damit er Nachher gestärkt weiterlaufen könnte. Es war wunderschönes Wetter und strahlender Sonnenschein. Mer plötzlich zog eine Wolke auf, sie kam immer näher, und da fing es auch schon an zu tröpfeln. Der Regen war so warm, und Frank war so in Gedanken versunken, das; er ruhig liegen blieb. Mit einemmal hörte er ein seltsames Geräusch. Er wunderte sich, woher das kommen könnte, denn es war doch niemand . in seiner Nähe Da merkte er plötzlich, das; das ein paar Regentropfen tvaren, dre neben ihm ins Gras gefallen waren, und nun redeten. Er lauschte angestrengt, und nach und nach verstand er, was sie sagten. Ter eine fragte: „Du. kleiner Junge. was machst du denn hier? Warum läufst du denn nicht vor uns weg wie die andern Menschen?" Ta erzählte Frank, daß er sich ausruhe. tveil er gleich weiter müsse, um seinen Freund zu suchen, der so weit weg sei, in Palästina, und ihn sicher vergesien würde. Da rief ein Tropsenz „Gib dir gar keine Mühe, bis nach Palästina kommst du doch nicht. Aber beschreib' uns mal deinen Freund. Wir reisen viel umher, da treffen wir ihn bestimmt mal und werden ihn von dir grüßen. Vorläufig bleiben wir noch in der Erde, aber wenn die Sonne wieder scheint, dann verdunsten wir, schweben der Sonne entgegen und bilden mit andern Tropfen die Wolke. So reisen wir dann viel in der Welt herum. Und wenn wir soviel Tropfen sind, daß unsere Wolke zu schtvcr ist, dann fallen wir wieder als Regen runter. Auf die Art kommen wir also überall mal hin, und werden bestimntt auch mal nach Palästina zu deinem Wolf kommen und ihn grüßen können. Und wenn wir mal wieder hierher kommen, erzählen wir dir von ihm. Also bleib' du ruhig hier bei deinen Eltern und sei vergnügt. Eines TagcS kommen wir und bringen dir Grüße von deinem Freund." Frank wollte noch nxtS fragen, aber als er hinsah, war da mtr noch ein nasies Stück Erde. So sagte er nur: „Ja. ihr habt recht, ich danke euch auch schön." Und er stand auf und kies vergnügt nach Haus. Bon dem Tag an »var er getröstet und spielte auch wieder mit andern Kindern. 2lber er hat Wolf nicht vergessen. Und immer, wenn es regnet, und die Tropfen an sein Fenster klopfen,, dann hört er genau zu. und läßt sich von ihnen von der großen Welt, von Palästina und von Wolf er- Zählen, ' ' Jext und Zeichnung ton Igna. MMMMt

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