Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 43 (25.10.1934)
- Date
- 1934-10-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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schäften befassen sich mit der jüdischen Lehre und' Geschichte, mit Palästina, mit naturwissenschaftlichen Fragen, Gesellschaftslehre. Kunst, Theater und Presse. Daneben gibt es Fach, und Werlkurse und schließlich werden die. Sprachkurse und. die^ kaufmännische- Fortbildung - aus dem -alten Volkshochschulprogramm fortgeführt. Neu sind Fortbildungskurse für Schulentlassene, in denen ältere Jugendliche, die den Schulbesuch vorzeitig abbrechen mußten, Ergänzung des fehlenden Schulunterrichts finden können. Tiefe Abteilung untersteht der Leitung der Oberstudienrätin i. R. Dr. Johanna Phlippson. Ein Jugeudscminar wird in Verbindung mit dem Reichsausschuß jüdischer Jugendverbände durchgeführt werden. Erstmalig ist auch die Einführung von Sonntags-Morgenfeiern im Berliner Theater, in denen „der duldende Jude", „der sinnende Jude" und „der überwindende Jude" in Ansprachen und in musischer Form Tarstellung finden soll. Die Arbeitsgemeinfdxiften, die in der Regel abends stattsinden, sind ans zehn Säle in verschiedenen Stadtgegenden verteilt. Tie Hörerkarten, die jeder, der übcrhaupk an den Lchrhaus-Kursen teilnehmen will, erwerben muß (zu den einzelnen Arbeitsgemeinschaften wird ein Zuschlag erhoben), sind in dem Sekretariat des Lehrhausts, W35, Lützowstraße 36, und in den Zahlstellen des Kulturbundes erhältlich. Die Mitglieder des Kulturbundes genießen eine Ermäßigung. Dem Kuratorium des Jüdischen Lehrhauses gehören alle großen jüdischen Organisationen — darunter der C. B. — und die Berliner Jüdische Gemeinde an. Lbschon also auch die Berliner Zionistische Bereinigung als Mitglied des Kuratoriums ein Interesse an der Ausgestaltung dieses Jüdischen Lehrhauscs haben müßte, hat sie in diesen Tagen unter dem Namen Jüdische Lehrstätte Eh. N. Bialik in Berlin ein Bildungsinstitut für Erwachsene angckündigt, das zahlreiche Kurse, Arbeitsgemeinschaften und Sonderveranstaltungen plant, die häufig parallel zu solchen des Lehrhanses laufen. Es scheint der Hinweis nicht unangebracht, daß eine Befolgung dieses Grundsatzes einer innerjüdischen „Dissimilation" konsequenterweise zu Ergebnissen führen muß, die gerade von zionistischer Seite als unvereinbar mit der zur Arbeitseinheit zwingenden Lage des deutschen Judentums bisher jedenfalls abgelchnt worden sind. Samuel Fischers Begräbnis Die Beisetzung des Verlegers S. Fischer fand unter sehr starker Anteilnahme der künstlerischen Welt, statt. . Unter den Traucrgästen sah man eine große Zahl bekannter Schriftsteller. Künstler und Journalisten, unter ihnen Gerhart H a u p t m a n n. um dessen Förderung Samuel Fischer sich große Verdienste erworben hat. Ter Schriftsteller Oskar Lörke, langjähriger Lektor des Fischer - Verlages, widmete dem Toten tiefempfundene Worte des Gedenkens. Er würdigte feine Verdienste um die neuere deutsche Literatur und kennzcichncte ihn als den Wegbereiter zahlreicher aufstrebender Talente. Namens der jüngeren Autoren gab Manfred Hausm fliin der Hoffnung Ausdruck, daß das große Werk Fischers im Interesse der geistigen Welt weiterbestehen bleiben werde. Lberkantor Tavids o h n gab der Feier, die von Darbietungen klassischer Musik durch bedeutende Künstler umrahmt war, durch traditionellen Gesang und Gebet die religiöse Weihe. MltlelbeutsSllMb Die Ortsgruppe Zwickau veranstaltete eine außerordentlich gut besuchte Gemeindeversammlung, in der der Landesverbands-Syndikus Kurt Sabatzky, Leipzig, über „Deutsch-jüdische Gegenwart — deutsch-jüdische Zukunst"' referierte. Durch Betreuung der geistigen und wirtschaftlichen Lebenserhaltung der deutschen Juden habe der C.-B. eine Arbeit auf sich genommen, die dem gesamten deutschen Judentum zugute kommt. Da hunderttausende deutscher Juden auch für künftige Zeiten in Deutschland weiterleben müßren, so gelte es für den C.-B., diese Arbeit für die Zukunft auszubauen und sie zu vertiefen. Tie stärkste Beachtung bringt der C.-B. den beruflichen Problemen der Jugend entgegen. Bei der Umstellung aus Handwerk und Landwirtschaft dürfe die Jugend nicht darauf verzichten, sich den kaufmännischen Berufen zuzuwenden. Gerade hier müsse sie in die entstandenen Lücken hiueiugebracht werden. In der Synagoge in Salzwedel sprach in einer Versammlung Kurt Sabatzky über „Deutschjüdische Wege". Das deutsche Judentum werde zu entscheiden haben, ob eine Arbeit, die ihm zwar harte, aber gangbare Wege erschließe, durch den E.-V. fortgesetzt werden solle. In einer Zeit, in der der Gememschastsgedanke herrsche, müsse auch die deutsch-jüdische Gemeinschaft in einer besondereu Lrganisationssvrm ihren Ausdruck finden. Eine Organisation wie der C.-B. habe in einer großen Anzahl von Füllen deutsch-jüdischen Mensckxm ihren Weg glätten können. Was der C.-B. seit der Unuvälzung für das deutsche Judentum m wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht getan habe, sei ans der Geschichte der deutschen Judcnheit nicht hinwegzudenken. Au den Bortrag schloß sich eine sehr rege Fragestellung über die verschiedensten Gebiete deutsch-jüdischen Lebens an. Eine Reihe von Neuansnahmen bestätigte den Erfolg des Abends. Ersß'Brrlin Tie Simä)at Tora-Feier, die die Ortsgruppe NO des C.-B. gemeinsam mit dem Neuen Synagogenverein Rykestraße im Hotel „König von Portugal" für seine Mitglieder und deren Angehörige veranstaltete, erfreute sich eines zahlreichen Besuches und entsprach durchaus allen Erwartungen. Nach Begrüßungsworten des ersten Vorsitzenden des Neuen Shnagogenvereins, I u t k o w s k i. sprach der zweite Vorsitzende des Landesverbandes des C.-B., Tr. Kurt Braun, über die Lage der Juden, und er ermahnte schließlich zum -Optimismus. Jin Mittelpunkt der Feier stand die Ansprache des Herrn Rabbiner Tr. Sänger, der tit zündenden Worten die Bedeutung des Simchat Tora- Festes umriß. Ter gesangliche und musikalische Teil wurde von Kautor Schreiber und von Mitgliedern des Thcatervereins „Rheingold", den Tarnen Anni Green, Hertha Simoni, den Herren Erich Asch, Arthur B-rodtmann, Sieg, ncund G r ü n t h a l und L. W o l s so h n bestritten. * Im Roten Saal des Logenhauses versammelten sich Montag abend viele Frauen, um in der ArbeitöfjemeinfcfjQft über die „Geschichte der Juden in Deutschland", die Margarete Fried veranstaltete, mitzuarbeiten. Aus der Diskussion sah mair das große Interesse der Frauen an diesenr Thenra. Frauen aller Altersklassen und aller Berufsgrnppen beteiligten sich daran. Sie hatten sich für diesen Abend freigemacht von Pflichten oller Art in dem einmütigen Willen, mitzuarbeiten im Rahnicn der Arbeitsgemeinschaft, die beweisen will, daß wir ein Stück Geschichte erlebten und erleben. MrinlandÄeUalen Am 17. Oktober sprach in einer gutbesuchteu Bersammlung der Syndikus des Landesverbandes Rheinland-Westfalen, Dr. Ernst Plaut, über das Thema „Wille unb Weg der deutschen Juden". In eindringlicher Weise gab er ein Bild von der Arbeit des C.-B aus den letzten 20 Monaten, indem er darlegte, wie jede einzelne Berufsgruppe hier Rat, Unterstützung und Hilfe gcfundcn habe. Im Anschluß nu diesen Tatsachenbericht zeichnete der Redner das geistige Bild der E.-V.-Bewegung, deren Gesinnung in ihren Grundzügen trotz notwendiger Wandlungen im einzelnen unverändert geblieben ist. Außerordentlich starker Beifall dankte dem Redner für seine anfeucrnden Ausführungen. Ten Auftakt zu der Wiuterarbeit der Hamburger Fraucugruppe des C.-B. gab ein Bortrag von Frau Marlene I a e v b s e u über das Bcrch von Thomas Mann: „Tie Geschichten Jaakvbs". Meisterhaft vor. stand es die Vortragende, dieses inhaltsschwere Luch den Hörerinnen naheznbringen. CV- Kalender Landesverband (Srosi-Berlin 28. Oktober, 20 Uhr :>0 Min.: Graupe Friedenau.Steglitz: Lichtblldervorcrag Dr. Nart Braun „Begegnungen in Rordasrllcr", üaus Oppenheimer „Bus der Tätigkeit des C.-B.", Erna Feld liest aus Adalbert Siiflers „Wlisteuu'andcrung". Ratskeller Friedenau, Berliner Strafte 1. 31. Oktober, 20 Uhr ::o Min.: Gruppe Weitzenscei Kundgeliuug. Redner: Rechisanwall Dr. Hurt Brau n „Der Schicksalsweg der denlschcn Inden" (Rückblick und Ausblick). Rabbiner Dr. pan der ei N l „Wir deutschen Juden: Sinn und Wirklichkeit". Gesang: -Alice Gciscnbcrg, Begleitung: Hans Zutrauen. Restaurant „Ber. Iincr Hof", Weißensee, Langhansstraße 1 (am Antonvlotz). 31. Oktober, 20 Uhr: Dezernat für Handelsvertreter. Ber. sammlung. Redner: Iustizrak Kurt I a c u s i e l, DlpI-- Kaufmann Artur I u I l u s b u r g , Syndikus Dr. Haus R e i ch m n u n. Großer Saul des Logenftauses, Kleiftslraße 10. Landesverband Oberschlcsien 30. Oktober, 20 Uhr 30 Min.: Hindenburg O/S.: Vortrag von Dr. I n k o b o w i tz (Beurhen). Landesverband Rheinland-Westfalen 3. November, 20 Uhr 30 Min.: Medebach (auch flir die Rachbarorte): Dr. Kur' Stein bera (Essen). 4. November, ifi Uhr: Meschede (auch für die Nachbarorte): Dr. Kurt S t c i n b e r g (Essen). AiRM Wer ürzierechKA Fragen Rach § 57 der Verordnung über die Zulassung von Aerzteu zur Tätigtcit bei den Krankenkassen (Zulassungsorduung) vom 17. Mai 1934 (RGBl I, S. 399) erteilt die Kasseuürztliche Vereinigung Deutschlands (Berlin SW 19, Lindenstraße 42) Auskunft über die Auslegung und Anwendung der Zulassuugsordnmig. Sie kann sich in Zweifelsfällen unter Darlegung ihrer Auffassung an den Vorsitzenden des Reichsschiedsaults lveuden. Es ist dagegen völlig abwegig, Zentralbehörden (Reichs- oder Landrsministerieu)"lvegeu Auskuuftserteilnug in ärzterechtlicheu Fragen anznruseu, weil diese Stellen hierfür nicht zuständig sind und sie die Fragesteller lediglich an die Kassenärztliche Bereinigung Deutschlands verweisen können. Die Juristisch - Wirtschaftliche Be* ratungsstcllc des (5entra!-2Zereins, Berlin W15, Emser Strafte 42, ist gern bereit, jüdischen Llcrztcrr (Mitgliedern und Nichtmitgliedern) in Zweifelsfragen Auskunft zu erteilen (Sprechstunden: Montag bis Freitag, 12 bis 14 Uhr). Dr. EiesmM Fümvel Im sechzigsten Jahr ist Rabbiner Dr. Siegmund' Jampel. der -säst ein Lierteljahrhundert das REnat Schwedt verwaltete, nach kurzer Krankheit am 17. Oktober in Berlin verschieden, und am 21. Oktober unter sehr großer Beteiligung feiner Gemeinde und in Anwesenheit vieler bedeutender Menschen die ihn gekannt und verehrt haben, auf dem Frieds Hof zu Weißensee bestattet worden. 20 Rabbiner folgten seiner Bahre. Jampel stammte ans dem Osten und hatte früh, zeitig die jüdische Gelehrsamkeit in sich aufgenoni. men und seinen Blick durch eine ausgezeichnete wissenschaftliche Schulung erweitert. Er ist einer der bekanntesten lonservativen Vertreter in der Bibelwissenschaft gewesen und hat sich durch bedeutungsvolle Arbeiten über das alte Israel, über die Bibel, über die jüdische Archäologie und In« schrifteusorschuug und vor allem über „die Bor. geschicyte Israels und seine Religiou" einen allgemein anerkannten Ruf erworben. Persönlich Zionist, stand er in Wirklichkeit über den Parteien, denn er war ein Muster an Toleranz und wußte die lleberzeugung anderer durchaus m respettieren. Jampel war der geborene Dozent aber die Rauheit seines Lebeusschicksals hat es ihm nicht vergönnt/ feine äußerst gediegenen 'Wissen-- gnalitäteu dauernd in den Tieust der Belehrung Erwachsener zu stellen. Seine reine Seele, seine echte Freundschaft, die er mit wirklicher Hingebe allem Guten und Edlen dargebracht hat. seine nicht wiederzufindcnde Schlichtheit und Demut und der kluge und immer wertvolle Rat. den er mich den Arbeiten des Ccutralvereius gewidmet hat. sichern ihm in unserem Kreise ein bleibendes Andenken. Sein Vermächtnis, das er praktisch vorgclebt hat. ging über die Verschmelzung von Teutschnun und Judentum hinaus: er glaubte an eine Syncheje aller Inden, an das Anfhüreu des jüdischen Porteienzwistes, und deshalb haben ihm alle zn danken. Abschied von einem Gotteshaus .Zum letzten Riale versammelte sich am vevgaugeueu Sonntag die Gemeinde der Synagoge Kohlhöfeu, um im gemeinsamen Gottesdienst von ihrer altgewohnten Betstättc Abschied zu nehmen, drc nun nn Zuge der Planierung der Hamburger Altstadt der Spitzhacke zum Opfer fallen wird. Biele lvarcn gekommen, dicht gedrängt standen die Mem schen, unter ihnen das ehrwürdige Alter, das üic Gründungsfeier vor 75 Jahren miterlebt hat, als dieser Teil Hamburgs noch ein pulsierendes Zentrum reichen jüdischen Lebens war. Wunderbare Einmütigkeit beherrschte zu dieser Abschiedsstunde das überfüllte Gotteshaus, wie an den höchsten Feici« tagen wogte ein Meer von Betern. Rabbiner Tr. Nt. L e w i n richtete aus überströmenbeii; Herzen ergreifende Abschiedsworte an die Gemeinde, die ihr Lcthaus, in dem sich drei Generationen zum Lobe des Allmächtigen zusammengesunden, nun für immer verlassen müsse. Tann öffnete sich der Thoraschrein, gewaltig stieg wie zur Ncsta des Per-> söhnungstages das Bekenntnis des Gottesnamens empor, unter dem leisen Gesang des Jigdal trugen die ältesten Beter des Gotteshauses und die Häupter, der Gemeinde die Sescr-Thoras aus dev Synagoge/ Tas Lchofarblafen beschloß den -feierlichen AR" schiedsgottesdienst der Genwindesynagogc Kohlhöscn. mit ihr versinkt ein bedeutsames Stück hamburgifchjüdischer Tradition. —in * Am 15. Oktober siedelte Ferdinand Mayer aus gesundheitlichen Gründen von Harrheim nach Frankfurt über. Tamit verlor die Gemeinde Ebersheün-Harxheim einen Mann, der ihr in schwerer Zeit hingebungsvoll in mehreren Aemteru gedient hat. Tas rheinhessische Landjudentmn wirb durch seinen Fortgang um eine markante Persöm lichleit ärmer. In einer würdigen Abschiebsfeier dankte die Gemeinde Ferdinand Mayer für fein segensreiches Wirken. Tic bildmäßig klaren dekorativen Emailarbeiten von Kurt Lewy zeigen eine heute schon wiedec zeitgemäße Berlvurzelung im Handwerk. Tie Ausstellung, die äußerst lebendig ist und oielscitige starke Anregung bietet, ist auch als Berlaüssausstelluug gedacht (d. h. der Verkauf erfolgt nur von Künstler an Käufer, der Verein ist lediglich der Vermittler). Es ist zu hoffen, daß dieser Appell an das Publikum nicht vergeblich sein wird. Bei dem guten Niveau dieser Ausstellung handelt es sich bei einem Kauf nicht nur um die Förderung des einzelnen Künstlers, sondern zugleich um die Förderung der Kunst. Ein gutes Kunstwerk im Familienbesitz ist wertbeständig, macht, wie die ererbten Biedermeierbilder beweisen, auch noch den nachfolgenden Generationen Freude. Vor allem aber schasst es für die Gegenwart eine Atmosphäre von Interessiertheit für lünstlerische Werte, die der sci)affende Künstler als Resonanz braucht, der heutige jüdische Künstler mehr denn je. vr. Margarete Steinberg. Konzerte und Vorträge m Berlin mb Im -Retch Berlin Tas Kulturbundorchester unter Leitung von Michael Taube veranstaltete im Rahmen seiner Oktober-Konzerte einen klassischen Operettenabend. Ter reiche Beifall, den die Zuhörerschar den Tarbietungen zollte, bewies, daß die Wiedergabe guter alter -Operettenmusik immer wieder fesselt. Tie Freude, mit der der Tirigent die Veranstaltung leitete, übertrug sich auf das an diesem Abend besonders spielfreudige Orchester. Tie VortragSfolae brachte in erster Linie Kompositionen von Johann Strauß, u. a. die vorzüglich wiedergegebene Ouvertüre zur „Fledermaus", die Walzer jin der schönen, blauen Lonau" und „Freut euch des Lebens" und den weniger bekannten, durch seine originellen Rhythmen interessierenden „Aegyptischen Marsch". Tie mit besonderer Feinheit und Beschwingtheit gespielte „Pizzicato-Polka" nnißte wiederholt werden. Tie Rtelodien der Vleister Lämmer. Suppe und Offenbach entzückten in ihrer lebendigen, schivungvollen Wiedergabe. Besonderer Tank gebührt der Solistin des Abends, Emmy Joseph, deren warme, schöne Sopranstimme sich gut zum Bortrag der „Fledermaus"- Arien und des Frühlingsstimmen-Walzers eignete und in Höhe und Koloratur sehr gefiel. Vs. Die vor wenigen Monaten entstandene Selb st hilfegruppe jüdischer Körperbehinderter stellte sich in Berlin zum ersten Ntale der Lefsentlichkeit mit einem Bunten Abend vor. Vor den Augen und Ohren der über Er. warten zahlreich erschienenen Mitglieder und Freunde entrollte sich' eine fast erdrückende Fülle von Darbietungen. Durchaus mittelmäßig und salzlos war die Couförence Artur Zanders, anpassungsfähig und flüssig, in seinen Solis farbig und bewegt, das Klavierspiel Gustav Sabels. Fritz L a ch m a n n s Dialektparodien wirkten so überzeugend wie die erstaunlichen stimmlichen Leistungen des Tier- und Atenfchenimitators Danny Grün. Die Improvisationen Erich Hopps ließen ebenso wie der altbewährte Humor Walter Steiners die Heiterkeit zu ihrem Rechte kommen. Die Sopranistin Edith Bach zeigte vor allem in den Höhenlagen saubere Tonbildung, Rolli M e l s o n, Hildegard Caspari und Gerda Deel blieben in ihren Leistungen blaß und besangen. Große, obzwar einseitige Kabarettkunst waren aber die Berliner Typen der drastisch-zarten, bei aller naturhaften Derbheit liebenswerten Hanni Rosen. Gustav S t a b i n s k i s hervorragendes stimmliches Rtaterial kam im Nahmen dieses Abends leider nicht recht zur Geltung: sein Tenor verbindet klangliche Fülle mit lyrischer Ansdrucksfähigkeit. Man möchte den sympathischen jungen Künstler sehr gern vor größere Aufgaben gestellt sehen. In dem wehmütigen Lied „Bei Freitag auf der Nacht" klangen auch einmal jüdische Töne an, die das Programm im übrigen leider fast gänzlich vermissen ließ. Den jüdischen Körperbehinderten galt dieser Bunte Abend, die, wie der Borsitzende der Selbsthilfegruppe in in einer Ansprache hervorhob, seelisch und sozial der Aufrichtung bcdürfen. K.J.R. Und wieder Ludwig Hardt — diesmal zuguusten der. „Jüdischen Juaendhilfe", die mit dem Erlös der gut besuchten Veranstaltung zufrieden seindürfte. Immer von neuem freut mau sich des kleinen, großen Rhapsoden, der (nach einem schönen Wort von Else Lasker-Schüler) seine Dichter liebt, die er spricht, und der diese Liebe in der glutvollen Dämonie eines lodernden Naturells, der unfeierlicheu Wn^ne eines ganz schlichten und niemals verküustelteu Empfindens, dem Sprühregen eines nach allen Seiten hin ausschwärmenden Intellekts hell aufleuchten läßt. Das Programm dieses Abends war zum überwiegenden Teil biblischen Themen und Gestalten gewidmet, die der Vortragende aus dem Buch der Bücher selbst, sodann aber auch aus Dichtungen von Goethe, Heine, Rilke, Thomas Ätann. Franz Kafka und andere heransbeschwor. In prachtvoller Eindringlichkeit, ganz dem'monumentalen Stil des biblischen Berichts augepaßt, wurde die Erzählung von Jakobs Kindern (in Buber-Nosenzweigs mustergültiger Ucbersetzung) zu Gehör gebracht; als modernes Gegenstück Thomas Atanns ,/Jaakobs erste Begegnung" mit Rahel" (aus „Jaakobs Geschichten"), in Hardls^ gestufter Interpretation von ruhiger, klarer Sachlichkeit zu immer lebendigeren, leise-humoristisch akzentuierten Wirkungen ansteigend. Würdevoll und gemessen sprach Hardt Franz Kafkas gedrungene, "in das Gewand einer ehernen Symbolik gekleidete Erzählung „Vor dem Gesetz": Goethes die göttliche Allmacht umfassender Vierzeiler „Gottes ist der Orient" bekam durch den Sprecher etwas ungeahnt Wuchtiges, breit Psalmodierendes — zum Unterschied von dem gedämpften Trommelschlag, mit dem man sonst wohl die stille Größe dieser Verkünderworte begleitet; Heinrich Heines stampfende Rhythmen vom „goldenen Kalb" kontrastierten aus das wirksamste mit den machtvoll eiusetzcndeu, daun sinnlich verschwebenden Lllängen des „Salomo" (aus dem Romanzerv-ZhkluS). Neben dem weihevollen Ernst kam im Programm des Abends auch der Humor zu seinem R'echt, der ja in der künstlerischen Perjünlichkeit Hardts die Dominante bildet. Als Vorspiel: ~ des braven Matthias Claudius tösrliche „Geschichte von Goliath und David, in Reime gebracht" — ein kleines Kabinettstück Hardtscher Bortragskimst. bei dem ' sich die frohgemute Laune des schmetternden Humoristen auf eine ganz primitive Art entfaltet. Den heiteren, bereits in früheren Veranstaltungen bestens erprobten „Haupttreffer" bot jedoch Scholem Alejchem mit seiner „wunderlichen Geschichte" vom Ätilchhändler Tewje, dem bedrückten Schlemihl, den sein unbesiegbares Gottvertranen eines Tages nnS allen Nöten und Sorgen des Lebens befreit. Wie Hardt diese Erzählung, die ihre Wurzeln lief in das Erdreich des Judentums senkt, lebendig macht; wie er das Ohr an dos Herz des armen Tewje legt; wie er, halb singend, seine Gebete nachspriä)t. seine Hoffnungen, Aengste und Wünsche, seine Dankbarkeit und sein Glücksgefühl in Wort, Tonfall und Gebärde wiedergibt, immer von Blitzlichtern eines urtümlichen Humors umspielt — das alles verrät eine Kraft und Sicherheit des Einsühlens, wie sie sich nur aus der unmittelbar seelischen Berührung mit dem Dichter und seinem Geschöpf erklären läßt. Kein Wunder, daß die beiden humoristischen Verbündeten, scholem Alejchem und Ludwig Hardt, im Publikum die stärlste Resonanz fanden. U.b. Frankfurt a. Main Das erste Lrchesterkonzert des Kulturbundes Nhein-Ntaiu in Frankfurt galt mit Recht einein der großen überzeitlichen Alcister. Zu Beginn erklang, vom Orchester in allen Gruppen scharf und mit starker Kontrastwirkung gemeißelt, die Ouvertüre zu „Coriolan". Als Hauptstück des jungen Tonkörpers, der erfreulicherweise im ganzen dw gleiche Besetzung lvie vor einem halben Jahre aulweist, hatte Hans Wilhelm S t e i n b e r g. , der inusikerfüllte Stabführer, die „Stiefschwester'^ unter Beethovens nenn Sinfonien gewählt: die Vierte, die mehr idyllisch als pathetisch angelegt. Zwischen der Ervica und der dramatischen Fünften naturgemäß einen schweren Stand (in der Publrkumsgeltung!) hat. Vielleicht war der' prächtige erste Satz etwas zu bravourös und auf Fortissimo- Wirkung eingestellt; prachtvoll frisch und erfüllt von den Geistern guter Laune waren aber — ui Steinbergs Wiedergabe — Scherzo und Finale. Daß die Blechbläser, zumal die Hörner, in jedem Orchester mit der empfindlichste Teil sind — schon aus rein akustisch-physikalischen Gründen — Ul nichts Neues; auch bei dem durchaus kultwicrtcn Zusammeuspiel des Kulturbund-Orchesters erleidet diese^Regel keine Ausnahme. Franz Osborn, der Solist des Abends, spielte fein- und klang' sinnig das Klavierkonzert in G-dur; sein weicher Pianvtvn kam in dem des virtuosen Beiwerks eiinangelnden, kleinen Alittelsatz besonders schätz zur Geltung, aber auch die hohen technischen Anforoe Hingen der Außensätze wurden von ihm vollam bewältigt. Herzlicher starker Beifall Rmkte deru Dirigenten und seinen Helfern sowie Frayz born. Leider aber wies am ersten der drei Kouzertabende der Saal merlliche Lücken ans. —'lU"