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Central-Verein-Zeitung · 1934-10-18 · 42 (18.10.1934) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
13 (1934)
Issue
42 (18.10.1934)
Date
1934-10-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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OS! ip->rn ^r. 42”' j\J j 1. Beiblatt CJ SS <r>o AZlchM '% Da? alte Hamburger Krankenhau? (Mb. R ifcldjeä nur mit 125 Kranken belegbar irnr. wurde gegen Sude 19:10 zu einem Prachtbau erweitert. in dem jetzt 250 Kranke untcrgcbracht werden können. Der berühmte Hamburger Chirurg sH »Ji4&Ü..-J r\ n |; ' X 5 j Kümmel begrüßte den Neubau mit den Worten: .und nun steht der Ban vollendet, ein Etagenbmi, wie wir ihn sonst nur in Amerika, im Land der Wolkenkratzer, kennen. So erhebt sich hier in dem sonst so schönen und beliebten St. Pauli ein Bau. der einem ganz anderen Zweck dient als die Tempel der Fröhlichkeit, die ihn umgeben'" Ter Größe nach an fünster Stelle steht das Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache in K ö l n - E h r e n s c l d mit 180 Letten. Wir treten damit in die Kategorie derjenigen Anstalten, welche nicht allein sür Kranke, sondern auch für Altersschwache und Pfründner errichtet worden sind. Tiefe Cnnvicklung war ganz selbstverständlich. Tenn als kleine Gemeinden den Plan faßten, modern eingerichtete Krankenhäuser, die eine Notwendigkeit für die Versorgung der kranken Mit» gliedcr waren, zu bauen, stellte es sich bald heraus, daß die Unterhaltung der Häuser nur möglich war. wenn man ans regelmäßige Einnahmen rechnen konnte. Tiefe suchte man durch die Aufnahme von jahrelang in den Anstalten verbleibenden und regel. mäßig zahlenden Pfründnern. Turch diese Verbindung von Krankenhaus und Altersversprgung ist die Sicherheit für den Unterhalt der gesamten Anstalt gewährleistet. Die Zahlenverhältnissc von tranken und Altersschwachen sind in diesem Zn» sammenhang recht interessant. In Köln-Ebrenseld z. B. wurden im Jahre 1902 0900 Kranke mit 50 9<>2 Krankenpflegetagen und 75 Altersschwache mit 25 789 Krankenpflegetagen versorgt. Mithin entsprechen den 1,87 Prozent Asylinsassen 30.62 Prozent Krankenpflegetagel Aehnlich besitzt Würzbnrg seit 1885 eine Kranken. und Pfründnerhansstiftung mit 85 Betten; in diesem Jahre wurde ein Anwesen mit großem Hof und schönem (Karten (Abb. 2) von der bayerischen Regierung für einen sehr mäßigen Preis erworben: in den Jahren 1912 und 1929 ^vurde die Anstalt sehr erweitert. Wie in aller: kleineren Krankenhäusern besteht hier freie Arztwähl. Auch die größeren Krankenhäuser sirrd übrigens im letzten Jahr dazu übergegangen, eine bestimmte Anzahl von Betten allen jüdischen Acrztcn für eigene Behandlnirg ihrer ins Kran» „ 1 kcnhans gelegten Kranken zur Bcr» '';; fngniig zu stellen. - Auch die Gründer de? Israeli« . tischen Vereins für Altersversorgung ' rind Krankenpflege in Hannover legten ganz besonderen BAert ans da? Altersheim, um den alten Leuten der Gemeinde einen ruhigen und sicheren Lebensabend bereiten zn können. In dem im Jahre 1899 errichteten und 1911 crNfilerten Neubau der Gllern-! straße 10 sind jetzt 70 Betten vorhan- : den. Jin Jahre 1920 wurde ein be- -; nachbarteS Grundstück hinzngekanst, um l. A l für spätere Zeiten die Möglichkeit j einer Ausdehnung zn haben. Das Bedürfnis nach Unterstützung D...TD7.T7N von jüdischen Kranken, besonders mit streng ritueller Verpflegung, in einer Großgemeinde wie Berlin lunr immer ein sehr großes. CS nimmt daher nicht nmnder, daß der Verein Chewra Kadijcha der israelitischen Synagogengemeinde A d a ß I i s r o c l zn Berlin am 19. Mai 1892 dazu überging, eine Heilstätte zu begründen, die „unter GottcS Beistand Leidenden jedes Standes. Geschlechts und Herkunftsortes" fach, gemäße Bel^mdlung lind Verpflegung gewähre:: sollte. Nach den Grundsätzen de? echtjüdischen Gemilnth-Chesed wollte sie ein allen berechtigten Wünschen in hygienischer Hinsicht genügende? Institut schassen. So entstand das Jsraelitisclic Krnnkcnheim, welches im Lause der Jahre sich zn großer Blute entfaltete und heute in seinem mustergültigen Ban in der Elsässer Straße 85 mit etwa? über 50 Betten allen Erwartungen der wohltätigen Gründer voll entspricht. Auch die kleineren Krankenhäuser in Minchen mit 39, in Fürth mit 40, in Mainz mit 43 und in Mannheim mit 24 Betten sind modern eingerichtete Anstalten, welche den an sie gestellten Ansprüchen der nicht großen Gemeinden voll gerecht werden. Tie jüngste unter den jüdischen Krankcnanstalten Deutschland? ist da? nach dreijähriger Bauzeit im. Via, 1928 erössnete Leipziger israelitische Krankenhaus. Diese von der Citingon-Stistung errichtete Anstalt untersteht satznngsgemäß dem sack;- fischen Ministerium de? Innern. Cs liegt in einem 11 500 D na brat meter großen Parkgeläudc am Rand der Vgaldnnacn de? Rosenthal« in einem von über» allher leicht erreichbaren Stadtviertel (Abb. 31. Cs ist das Vorbild eines Stube,Krankenhauses. der größte Saal ist mir mit sieben Bettei: belegt. Muster, gültig sind die Opcrationsräumc iind da? Röntgen- Endlich stoßen wir Nils iniserer Wanderung durch die jüdischen Krankenhäuser D-entschlaiids aus eine einzigartige Anstalt, welche der Mehrzahl der Glaubensgenossen ' kann: den: Namen nach be» kannt sein wird. Cs ist dies das jüdische Torf» kraiikenhaus in Gailin gen. Baden schickt östlich von Lchaffhausen am Rhein einen Landcszrpsel in die Schweiz; hier sindeii nur da? Tors Gailinaen, in welchen: im Jahre 1825 47,6 Prozent der Gesamtbevölkerng israletisch waren. Bon 1870 bis 1884 hatte Gailingen einen jüdischen Bürger» meister. Zurzeit leben dort noch 220 Jsraeliren oder 24 Prozent der Gesa:ntbcvölkeruiig. Die Gründung des Krankenhauses entsprang „ans dem dringenden Bedürfnis, ein eigenes Asyl in der Gemeinde zu haben, wo es den Mitgliedern vergönnt ist. treu ihrer religiösen Uebcrzcugung zu leben und namentlich die vorgeschriebenen rituellen Speisegesetze zu beobachten." Bezirksrabbiner Löwensten: und Borsteher Baruch Harbnrger erreichten durch ihre zähe Tatkraft, daß am 7. Juli 1891 der Gnindstein gelegt wurde. Das Han? wurde in den späteren Jahren allmählich ern'eitert und erfreute sich ständig zunehmender Beliebtheit. Ter Neubau wird jeweils in: Sommer zu einem Landerhollingsheim für den jüdischen Mittelstand nmgewandclt: weit über Baden? Grenze hinaus komme,: Crholnngssnchende. Die dörfliche Stille, das cd}t jirdifllje Milieu des Dr. Druno Glaserssld*) Hauses und des ganzen Dorfe? lassen das Hans zu einem fast nnentl'ehrlichen Faktor Badens werden. Die durchschnittliche Kraukenzahl im Jahr beträgt 1000 mit 8000 Verpslegungstagen; die ärztliche Leitung liegt in den Händen des Tr. S. Hei'- bronn, des Sohnes des ärztlichen Direktor? De. Karlmann-Hcilbroni,. welcher von der Gründung bis zu seinem 1921 Lrsolgaen Tode die Anstalt ärztlich geleitet hatte. In allen jüdischen Krankenhäusern werden unterschiedslos Angehörige aller Konfessionen am genommen und behandelt. Die Krankenhäuser er fronten sich in den letzten Jahrzehnten eines ständig steigenden Rufes bei der jüdischen Bevölkerung, so daß ostnnals ans den Jahresberichten der 'Anstalten ersichtlich ist, daß die Zahl der jüdiscbcn Kuranten bedeutend geringer rvar als die der übrigen Konscssiouen. Sv incldet z. B. das isrnelr trfcüc Krankenhaus M a i n z, daß unter den 5er, Kranken des Jahres 1904 117 Israeliten, 229 Katholiken, 196 Protestanten und 22 Dissidenten waren, also nur knapp 21 Prozent Juden! Ckx'nsv erfreuten fiel) bei den Vorgesetzte,i staatlichen Behörden unsere jüdischen Krantenhäuwr ständig eines großen Wohlwollens. Wiederholt hat die Hohenzollernfamilie ihr Interesse für die Anstalten bekundet: so hat König Friedrich Wilhelm Hl. zur Jahrhundertfeier des israelitischen Krankenhauses zu Breslau ein Glückwunsch schreiben gesandt, dessen Wortlaut hieß: „Aus der Anzeige der Vorsteher der indischen Armen- und Kranken-Berpflegiings-Anstatt von: 9ten d. M. habe Ich das hundertjährige Bestehen dieses Instituts ersehen, und wünsche, daß dasselbe seinem wohlthätigen Zwecke jederzeit mit Erfolg Nachkommen möge. Berlin, den 16ten Jnny 1826. Friedrich Wilhelm." Kein Wunder, daß die Militärbehörden in Kvicgszeiten gern die Hilfe der jüdischen Anstalten zur Versorgung der Kriegsverletzteu und -kranren in Anspruch nahmen. Schon während der Feld *) Vergl. „C.-D.-Ztg." Nr. 41 Phot, E. Hoenisch, Leipzig KMÄZ m MMO M MM WÄ m §W Scclm Der Berliner Kulturbund beginnt den musikalischen Teil seiner zweiten Spielzeit mit Zwei Uraufführungen jüdischer zcitgenössisck)er Komponisten; nur wollen diesen Anfang programmatiich nehmen und hoffen, daß nun eine plan» mäßige und vor allem fortlaufende Pflege jüdifrfirr Kunst anhebt. Tas erste Stück: eine Konzertmwerluro in D-dur „Ans dein Süden" von den: Fraufinrter 'Musiker Bernhard Sekles. Ein turbulente« Auf und Ab inelodifchen L-ebcns wirbelt nm Höror vorbei, erregt und vorwärts- ^rtriohon durch allerlei kapriziöse llihythmen: Zeltes hat die bunte Bewegtheit südlichen Lebens nbgematt. und wie jedes Ton-„Gemälde". kann solg,e Musik nur die Oberfläche. da« Oberflächliche, nicht das Hintergründige geben. Aber wir wollen non diesem Stuck gewiß nicht mehr verlangen, als eselber sein will und uns der pikanten Aufmachung freuen, wenn sich die Musik auch nicht ücradc hoch über die mittlere Linie eines ZeitstrlS erhebt, der an sich weder jüdisch, noch selbständig nnd bedeutend ist. Ein „Scherzo" für Streichorchester von Edvard M o r i tz ist eine ganz unteriialtjame Nichtigkeit, die nur im Mittelteil, wo sie gefühlvoll tverden will, verstimmt. Joseph •H o c ft o rf läßt ihr. wie auch der Ouvertüre von SekleS. eine im Spielerischen virtuose Wieder- 9K'e zuteil werden. Als Solist wirkte der erste t'cliift de? Kulturbundorchester«, Hermann Weil, «n nach innen gekehrter Ainsiker, der Boccherinis J-sur-Konzert in den kantablen Gängen des Ichönen Adagios nahekam, in den ebvas trockenen schätzen nicht immer sauber spielte. Abschluß und Höhepunkt bildete Schubert? große 6-ckur-Sinsome, \i S.!e Robert Schumann zwölf Jahre nach Schuberts st -r-vde auffand und zu Felix Mendelssohn in? Ge- I wandhaus zur Urallssührnng brachte. Tie straffe st L"l>rung Rosenstocks legte den großartigen,^ echt fr wnonischen Ausbau bloß, unterstrich die ckrastischcn. st wbrnsnahen Pointen de? Scherzos, dänrpste und A ,^>higte andererseits das Orchester zu zartesten H Gängen, aus denen nur die leisen Ruse der Bläser |!^'mn-trcten. stärker nnd stärker, mahnen- 8 ^2 brängcndcr ansclnvotlen. bis da« ganze OrcK!icr den Hymnus 'jubelnden und jauchzenden Lebens anstimmt. Das alles wird von Rosenstock mit letzter Klarheit in jedem Takt durchleuchtet und in einer Weise unmittelbar und unproblematisch geschaut, die eigene seelische Erschütterung des Interpreten ans das Publikum überspringen läßt nnd ihm die Wiedergabe zum Erlebnis macht. Diese« Wort, heute allzu oft und nicht immer in zwingendem Zusammenhänge angewar:dt. sei von mir ganz phrasenlo?, als reine Feststellung gebraucht. Unstimurigkeiten im einzelnen — ich hörte den Abend in der Philharmonie — sind diesem Resultat gegenüber von sekundärer Bedeutung. Ten Bläsern merkt man ein fleißiges Sommerstudiinn wohl an. Die K ü n ft t c r fj 11 f c der Berliner Jüdischen Gemeinde veranstaltet dieses Jahr sechs Sonder» konzerte, die ein interessantes Programm und vortreffliche Künstler verheißen. Der erste Abend galt Opernstücken von 'Mozart, Verdi, Wagner. Beschränkung auf drei Kvncpvilisten. ans nur wenige Werke zeigten das Streben nach Einheit der Vortragsfolge, ivenn man ■ ancst Bühnennummern nicht gern ans dem Podium hört. Solistisch waren Hermann Schey nnd Elsa I ü l i ch zu hören. ~ SchehS Vortag, erfüllt von dramatischen Impulsen, läßt die «Lzene mit plastischer Deutlichkeit vor dein geistigen Auge erstehen, der wuchtige Glanz der Stinnne umspannt müheloS die ganze baritonale Lage nnd gibt alles her, ivaS der Darstellnngswille zu eruptiven Akzente,: gelegentlich von ihr fordert. Elsa Jülich, deren Organ stellenweise sinnlichen Schmelz vermissen läßt, interessiert durch temperamentvolle Gestal» tnng. Ten Künstlern gesellte sich der Tenor Riax Mansfeld zn einer Wicderglibc von Mozarts entzückendem Terzett „Tas Bändel", das die Sänger mit zungenschnellem Parlieren an: Hörer vorbeihnschcn ließen. Einige erklärende Worte (Erzählung der zugrunde liegenden wahren Be» gebenheit) wären dem Publikum willkommen ge» wesen. Am Schluß gab es eine ausgeseilte, wir» kungsstarke Wiedergabe des ,.MeisLersinger".Quin. LettS, bei der außerdem noch Emma Zador und Ralph Bernd mitwirkten. Michael Taube begleitete mit kapcttmeisterlichem Elan, der bei Mozart zu grob aisttrug, bei Verdi nnd Wagner am Platze war. Ludwig Altnmnn. AWMÄ O.S3. Mit einer kainme.nnnsikalischcn Berausialtnng besonderer: Gepräges hat de: Knltrrrbund deutscher Juden, Bezirk Rhein-Main, seine Winterarbeit in Frankfurt begorrneu. Alan erwies Arnold Schönb e r g, dem gerade Scchzigjährigen, viel ver. ehrten, viel bekämpften Vorkärnpfer einer neuen Piusik, die Reverenz. Gerade im Kulturbund deutscher Juden hat Schönderg gewiß ein Recht, gehört zu werden — trotzdem hätte meines Erachtens der Auftakt für ein halbes Jahr 'Musik mit Meistern nnd Kompositionen anhedcn sollen, die sich mehr an die Allgemeinheit, nicht mir an einen engbegrenztcn Kreis wenden. Tie starke Persönlichkeit und die historische Bedeutung Schönbcrgs, dessen Ideen vielfach im Werk seiner Schüler bedeutsam Früchte getragen haben, wird heute auch von seinen Gegnern kann: mehr bestritten. Tie Schöpfungen seiner neueren, ans das Zn'ölstonshstem eingestellten Sck),issensperiode machen aber den: Hörer, der an der Klassik nnd Romantik seine musikalische E:- Ziehung genommen hat. den Zugang wahrhaftig nicht leicht. Eine genstssc Bcfremdnng des Publikmns. eine kühle Achtung vor dein Artistischen, Geistigen, aber kein innere? Begreifen und Mitgchen — da? war bei der Feier des Kulturbundes, besonders bei den zahlreichen Klavierstücken, spürbar. die Erich Jtor Kahn, ein begeisterter Schönberg-Auhänger. klar und mit leichtestem Anschlag wiedergab. Mehr zu Herzen sprachen zwei, von Erika Stör m (Sopran) überlegen und warn: vorgetragene „Gurrc"-Lieder auS der „Tristaist-Zeit Schönbergs, auch einzelne der späteren Stefan- George-Vertommgen. Erst recht machten zwei Sätze aus den: O-nwil-Onartett, op. 7, in denen schlechthin „musiziert" wird, starten Eindruck. Das neugegründete K n lt nrb n nd-O u a rte t t Rhein- Main (Hang B a s s c r m a n n, Ernst Drucker. Richard K arp und Felix R. Acendels s o h nl gab hier in' sorgsam ausgeglichenen: Enseinblespiel ein schönes Versprechen für die Zukunft. ' —tt. „100 Minuten jüdische Kunst" lautete die zugkräftige Plakatierung eines 'Abends, der eine Reihe Frankfurter Künstler ans das Podium führte. Nach der vom Komponisten Siegfried Würzburger gewandt gespielten „Passacaglia nnd Inge" über „Kvl Nidrei" las Alfred Auerbach Bruchstücke aus seinem Entnstcklungsroman „Wanderer, wohin?", die den Autor als feinsinnigen, gemütvollen und scharf beobachtenden Schilderer des jüdischen Bürgertums einer behaglicheren Zeit kennzeichnen. Geschmackvoll wenn auch ohne hinreichende Plastik vermittelte «osie S e l i g n: a n n eine riihrsame Novelle ^von Karl Franzos „Der Shhlock vor: Barnvw". Mit gcschn:cidigc,n Ton und zuverlässiger Technik brachte der Geiger Theo Rainer hebräische Melodien in virtuoser Ausmachung zu voller Wirkung. Witzige, von Willy Salornon instrumental pikant ansgetnschte Jarganlicder, die der Bassist Heinrich Born stein „echt" nnd drastisch interpretierte, sollte man nicht als „jüdische Volkslieder" ansgebcn. Sie sind in Wirklichkeit eine an? Singspiclschlagern cmvorgewachsene Psendovolksmusik. die das anziehende Bild des oftjüdischen Volksliedes entstellen. Die 2lliistin Annelise Bender gab einem Liedernnd Arienabend durch ihre w.nfaugrcicbc. wohlklingende Stinnne und deren geschmackvolle, technisch zuverlässige Behandlung eine ansprechende Prägung. In den draniatisch betonten Gesängen und den Opernszenen kamen die Vorzüge ihrer Vc gabung am vorteilhaftesten zur Geltung. Zn enipsehlen wäre, daß such die Sängerin vom Notenbild freimacht. Dr. Willst S a I o »: o n begleitete mit gewohnter Anpassungsfähigkeit. A. 11—e. T-ÄN Die Sopranistin Susanne Stein lBcrlins nnd die Pianistin Heida H c r r m anns (Frankfurt an, Main) bestritten einen genußreichen'Lieder- und Klavierabend im Vortragssaal der Hanptsynagoge. Die mit einem kristalltlaren nnd metallenen Organ in: Timbre einer Attstinnnc ansgestattete Sängerin vermochte sich — trotz kleiner Indisposition — rasch die Herzen der Zuhörer zu erobern. 'Wir hörten von ihr in der Hauptsache Schubert, und Brüh,,'«- Lieder und zum Schluß z,vei Arien ans „Sanüvi: und Delila" von Saint Saön. Heida Herrin a n n s begleitete hingebungsvoll nnd brachte daz-mschen Werke von 9. S. Bach. Sä),ibcrt. Chopin Sekles und Toch zu Gehör. Tochs „Großer Himmel und Lonnenspiel" ließ besonders anshorchen, aber auch die übrigen Tarbietnngen fanden wohlverdienten Beifall, wenn auch daS „Forte" hier und da etwas verkrarnpst erscheinen wollte. Privatdozcnt Dr. Arnold Lernest sFrcibura) sprach m fesselnder Weise über „Judas Platkabä!',« und das Problem des jüdische,, Heroismus". Tr. Rtax OSborn (Berlin) hielt einen tiesschürfendcn Vortrag mit Lichtbildern über „Alte und neue Kunst in Palästina". Kar-Luür Vor kurzen: gab Hans 29ithelin S tei n be rg . Frankfurt a. M.. mit de,:, Orchester des '.h'lleiiv Main-Kulturbundes ein .^lonzert. Es ivar eine

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