Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 41 (11.10.1934)
- Date
- 1934-10-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jeremias- A.H. Alle große Kunst kommt aus der Nähe der Gottgläubigkeit, und ihre Wirkung führt in die Nähe der Gottgläubigkeit. Wenn der Vorhang sich über dem ersten Jeremias-Bilde hebt, ringt ein gottnaher Mensch mit dem Sinn des Gottesrufes. Wenn er sich nach dem letzten Bilde schließt, haben die Zuschauermassen den Hauch Gottes im Wehen der jüdischen Geschichte verspürt. Die wenigsten mögen während des Abends an den Dichter gedacht haben. Das spricht für das Werk. Denn damit war cs aus der Ebene persönlicher Gestaltung und Auseinandersetzung des geistigen Schöpfers mit dem Stoff zur Wirklichkeit für die Hörer und Betrachter geworden, zur eigenen Wirklichkeit. Kein -Historiker, kein Publizist vermag einem Gegenstände durch seine Darstellung die gleiche Echtheit, die gleiche Ver-Tichtung zu verleihen wie der schaffende Künstler des Wortes, der Dichter. Ader keine persönliches Verdienst des Dichters ist die Erhebung seiner Schöpfung zum Mythos einer Gemeinschaft, zu jenem Eigenleben in Vorstellung, Betrachtung. Nachgestaltung einer Menscheugruppe, die aus Geschichte und Dichtung eine höhere und zugleich verpflichtende Wirklichkeit für diese Gemeinschaft schafft. Wie oft haben wir in der jüngsten Vergangenheit des deutschen Judentums von der Erneuerung seiner Gläubigkeit durch die Eindringlichkeit seines Erlebens der Gegenwart gesprochen, von seiner Geschichtsbewußthcit, von seinem Willen der Rückkehr zu den Quellen. Und wie oft haben wir wahrnehmen müssen, wie inselartig in der Erlebnisflut des Einzelnen diese Stimmung anzutreffen war, wie rasch sie verflog, wenn den Einzelnen keine unmittelbare Veranlassung mehr berührte, wie vergeßlich — mitunter auch wohltätig vergeßlich — die menschliche Seele auf Erschütterungen reagierte. Und doch hängt von dem Ansgerührtbleidcn der jüdischen Seele für die Verwindung der Zeitleyre die jüdische Erneuerung ab: und das bedeutet die jüdische Zukunft in Deutschland. Tie Wirkung der Dichtung war eine Aufrührung der Seelen, ohne sie zu verwirren, ihre Erschütterung. ohne sie niederzudrücken. Tie Lehre von dem ewigen Geist des Judentums, eine i'it und oft von Unlegitimierteu wiederholte Wendung, ward plastische Gegenständlichkeit. Sv mußt du, Jude, dich in krisenhaften Augenblicken deines Schicksals verhalten, wenn ans Schickung Segnung entspringen soll. So mußt du, Jude, dich als Gefäß der Gottheit vorbereiten und bereithalten, wenn der Geist in dich einströmen soll. So mußt du dein Schicksal in deinen Willen aufnehmen. daß cs dir Stoff zur Formung statt zur Last auf deinem Nacken wird. So mußt du deine Rückbeziehuug zum Sinn deiner Geschichte unlösbar halten, damit jeder Augenblick der Unsicherheit über das Gegenwartsgeschehen dich den festen Standort innerhalb des geschichtlichen Ablaufes wiedcrfinden läßt. Der „Jeremias" ist eine Gewissens- und Vewußtheitsprobe. Wer sie besteht, wer bcu Mythos vom unzerstörbaren Gvttesvolk erlebt. den kann seine Wirklichkeit nicht geschichtslos, gottlos fein lassen. Dis tMstlsrifchs LsistUKg Von Dr. Hans Lachmanfki . Mit schwer und ernst hallenden Akkorden hat die zweite Spielzeit der Berliner Kulturdunddühne verheißungsvoll eingesetzt. Lange erwartet, sorgsam vorbereitet, rauschte Stefan Zweigs mächtige dramatische Sinfonie, wie aus Urticsen der Menschheit, aus — ein Werk, das, obwohl es schon etwa anderthalb Jahrzehnte zurückliegt, in Berlin bisher noch nie gespielt worden ist. und das uns Heutigen so gegenwartsnahe erscheint, als wäre es unmittelbar in das Erleben dieser Zeit hineingestellt worden. Um es gleich vorwegzunehmen: auch über solche inneren Beziehungen hinaus konnte sich bei der Erstausführung niemand dem tiefen und nachhaltigen Eindruck eines Werkes entziehen, das in dem Zusammenklingen von Wort, Ton und Farbe, dem Auf und Ab seiner wogenden Stimmungen, seiner feierlichen. oft hymnisch gesteigerten Prophetensprache über sich selbst hinauszuwachsen scheint. Was Stefan Zweig, in Anlehnung an den Bayreuther Gedanken, selbst einmal . vom Theater gefordert, daß cs ein „Festtägliches" sein solle, „die seltene Stunde über den Stunden, der Tempel über unserem Tag" — das hat nun die Aufführung seiner eigenen Dichtung zur Wirklichkeit werden lassen. Ueber Inhalt itnb sinnbildliche Bedeutung des Zweigschen „Jeremias" für unser Judenschicksal ist bereits in der vorigen Nummer dieses Blattes ausführlich berichtet worden. Als Drama läßt sich das Werk mit dem üblichen Maßstab nicht messen; denn an die Stelle der geschlossenen dramatischen Kunstsonn tritt eine Folge kühn aufgelockerter Bilder, au? deren üppig schimmerndem Nahmen sich das Ganze wie ein erhabenes Festansprache von Justizrat Dr. Julius Drodnih. Bor der Aufführung de« ,Lerem1aS", die am Sonntag abend im Rahmen einer Festveranstaltung zugunsten des Zentral« ausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau stattfand, hielten der Vorstände der Zionistischen Vereinigung in Deutschland, Dr. Siegfried Moses, und der Vorsitzende deü Central-Vereins, Justizrat Dr. Julius Brodnitz, kurze Ansprachen, in denen sie zur Förderung der Arbeit des Zentralausschusses aufriefen. Justizrat Dr. Brodnitz führte Es erscheint verwegen, vor dem Dichterwerke, das den größten Propheten nach Moses verlebendigt, das Wort zu ergreifen. Und doch muß ein kurzes Wort im Dienste der Arbeit gesagt werden, welcher auch der heutige Abend gewidmet ist. Wenn wir auf die letzten anderthalb Jahre zurückblicken, so erleben wir neben so vielen Momenten tiefster Erschütterung doch auch das lebensvolle .Bewußtsein, daß die deutschen Juden in immer wachsendem Umfange die Pflichten der Gegenwart empfunden haben. Als alles zusammenbrach, war es eine große Tat, daß Männer wie Ludwig T i e tz und Carl Melchior in enger Zusammenarbeit mit den sozialen Führern der Jüdischen Gemeinde Berlin den Zentral-Ausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau gegründet haben, der nach Gründung der Neichsvertretung der deutschen Juden dieser untersteht. Ein Werk von so gewaltiger Bedeutung und von so gewaltigem Umsang, daß man in anderer Zeit eine solche Ausgabe für undurchführbar gehalten hätte! Es galt nicht nur; Mittel und Wege zu finden, um denen eine neue Heimat zu schaffen, die in Deutschland nicht mehr leben können. Es galt nicht bloß, die Auswanderung nach dem heiligen Lande zu ermöglichen, das auch heute noch im wesentlichen die einzige Zufluchtsstätte der deutschen Juden bildet. Es galt, den Hunderttausenden, die in Deutschland yerbleiben wollen und verbleiben müssen, die Um ste llu n g zu ermöglichend.ie die Anpassung an die gegebenen Verhältnisse erfordert. Es galt, die Not des Tages zu stillen. Es galt, dafür zu sorgen, daß große künstlerische und geistige Kräfte nicht verlorengehen. Es galt vor allem, für die Heranwachsende Jugend zu sorgen. Wenn man am Simchat-Tora-Abend vom Altar aus auf die Hunderte von frischen Jungens und Mädels blickte, die mit frischen Gesichtern und blitzenden 5titgcn in den großen Synagogen versammelt waren, da löste sich ein Gefühl freudigen Vertrauens aus und das Gelöbnis, dafür zu sorgen, daß unsere Jugend nicht das Lachen verlernt. Wie oft haben nur an die Klage der Schrift gedacht: „Herr, gib mir nicht so viel zu tragen, wie ich ertragen kann!" Der Blick auf unsere Jugend gibt uns die Kraft, so viel zu tragen, wie wir ertragen können, und nicht zu verzagen, wenn auch schier unlösbare Ausgaben vor uns stehen. Dies gilt auch für unsere finanziellen Leistungen. Gegenüber solchen Aufgaben gibt es kein „Unmöglich". Bei uns Juden geht nicht die Charitas neben dem Gemeindeleben, sie ist bei uns die Erfüllung einer wesentlichen religiösen Aufgabe. Deshalb stehen wir auch auf dem Standpunkte, daß nicht der uns zu danken hat, dem unser Wohltun gilt, sondern daß das Wohltun eine sittliche Forderung darstellt, die an uns gerichtet ist. Wir brauchen deshalb um die Unterstützung des großen Aufbauwerkes nicht zu b i't t e n, wir fordern diese Unterstützung. Ein Werk wie den Zentralausschuß müssen wir ausrechterhalten, wie groß auch die Opfer sind, die wir bringen müssen. Wir haben es immer als unseren Ruhm betrachtet, das; wir als das Volk des Buches durch die Geschichte gezogen sind. Wir würden es deshalb ganz besonders schmerzlich empfinden, wenn wir geistig und künstlerisch verarmen müßten. Der Ort, au dem wir uns heute versammelt haben, und die Ausführung, die wir hier erleben, zeigen, daß wir uns auch in dieser Hinsicht unserer Pflichten bewußt sind. Wie oft war auf unseren Lippen das Wort des Propheten Jeremias, das einem Bilde des dichterischen Werkes vorausgestellt ist: „Es will Abend werden, und die Schatten werden groß." Ader der Dichter setzt dem letzten gewaltigen Bilde seines Werkes auch die Worte des Propheten voraus: „Denn ich weiß wohl, was für Gedanken ich über Euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Leidens, daß ich Euch gebe das Ende, dessen Ihr wartet." So wollen wir der göttlichen Fügung vertrauen. Was der Mensch innerlich bedeutet, zeigt sich darin, welche Kräfte aus seinem Unglück lebensvoll erwachsen. So möge jetzt das epicl beginnen, das uns Feierstunden schasst, Stunden der Erhebung und Stunden des Gelöbnisses. und erhobenes, festliches Weihespiel loslöst. Und doch hat diese Weihe eine Urkraft, die ganz im Tragischen der machtvollen Persönlichkeit Jeremias wurzelt und die ohne alles gehalt- und gestaltlose Pathos den furchtbaren inneren Konflikt bloßlegt, wie er sich in der Seele des menschlichsten der altisraelitischen Propheten zwischen feiner göttlichen Berufung und dem Mitleid mit dem Schicksal seines Landes und Volkes abspielt. Indem der Dichter diesen Konflikt sinnfällig machte, wurde Jeremias der tragische Held seines Stückes: als dienendes Werkzeug Gottes mutz er hassen, wo er lieben, muß er fluchen, wo er segnen, muß er Jerusalems Untergang prophezeien, wo er die Stadt retten möchte, muß er, am Totenbett der -ühitter, das einzige Mal eine Lüge in die Welt hinausschreien, wo er für die Wahrheit des ihm verkündeten Gotteswortes sein Leben eingesetzt hat. Und es hat etwas menschlich Ergreifendes, wenn der schmerzliche Seelenkampf des Propheten sich Unmittelbar, nachdem die Mutter die Augen geschlossen hat, in die wenigen, bekenntnisreichen Worte löst: „Gott, es ist hart. Dein Bote zu sein!" Wir haben uns, einer falsch verstandenen biblischen Tradition gemäß, daran gewöhnt, in der Erscheinung des Jeremias (im Gegensatz zu dem Donnerer Jesaja) einen unablässig klagenden, einen nur wehleidigen Elegiker des Schmerzes zu erblicken, der seine „Toteuklage den Bergen singt", und aus dessen Augen die Tränen unaufhaltsam fließen. Das Wort Jeremiade, das wir in unseren Sprachschatz ausgenommen haben, scheint dieser. schon zur Konvention gewordenen Gewohnheit recht zu geben, und selbst ein so ausgezeichneter Kenner und Deuter der Bibel wie Johann Gottfried Herder pries Jeremias als eine „Turteltaube, als eine Tochter der Seufzer und der Tränen". Stefan Zweig, obgleich von Natur und Begabung Epiker, hat mit dem richtigen Instinkt des Dramatikers sich von biefer* traditionellen Anschauung freigemacht, und nur einmal hat er, in dem unheimlich-starken, wie von Gespenstern erfüllten sechsten Bild seines Stückes, Jeremias aus der Tiefe seines Gefangenenverließes, übrigens mit den schönen und eindringlichen Worten der Bibel, dumpf und elegisch klagen lassen. Sonst aber hat er „die Quellen seines Blutes" weit aufgetan und dem Propheten die Kraft einer Leidenschaft verliehen, in der sich die Traumvisionen 31t ekstatischen Naturlauten, die prophetischen Verkündigungen zu Aufschreien einer wahrhaft heroischen Seele emporrecken. Auf diesen Ton einer über das Reale weit hinausdringenden, leidenschaftlich durchglühten Ekstase war im ganzen auch die Aufführung gestimmt. Zum erstenmal seit Bestehen der Kulturbundbühne hatte die Regie, die wieder in den erprobten Händen von Fritz I e ß n e r lag, sich in der Buhnenstratcgie auszuweisen und Massen in Bewegung zu fetzen — was um so schwieriger war, als die wechselnden Stilarten des Werkes eine besonders disziplinierte Bereitschaft und eine erhöhte Anpassungsfähigkeit der Komparserie erforderlich machen. Die Gefahr aller Masseufzeuen, daß sie „gestellt", als „lebende Bilder" wirken, wurde mit großem Geschick überwunden — nur das grandiose Schlußbild hätte, entsprechend den szenischen Vorschriften des Dichters, über den statuarisch-oratorienhasten Charakter hinaus den gewaltigen Ausbruch der erwartungsvollen Menge "gelöster, bewegter und lebendiger zur Anschauung bringen können. Die Einzeldarstellung schien ganz von dem Ernst unb der weihevoll-symbolischen Größe des Werkes ergriffen zu sein. F r i tz W i ste u, als Jeremias vor eine überragende Ausgabe bestellt, spielte mit lebendigster Einfühlung in den Charakter des Propheten den von Fiebcrtrüumen geschüttelten, wie von einem inneren Dämon getriebenen, düsteren Gottes- Loten, der seine Berufung wie eine ihm auferlegte, schwere Last empfindet; er spielte aber auch den machtvollen, redegewaltigen Vorauskünder, dessen Worte „niederstürzen wie Donner in der Menschen Tag". Zum Schluß, als sich der Prophet in ihm mächtig ausrichtet, als er zum Tröster, Glaubensspender, Mahner an das Volk und zum Sinndeuter von Israels Schicksal wird, hatte er nicht mehr ganz die Größe des Berufenen; seinen Worten fehlte hier auch der lyrische Glanz und die innere Melodie und Stärke. Sein Gegenspieler, der tragische König Zedekia, wurde von Ben Spanier, einem früheren langjährigen Mitglied des Frankfurter Schauspielhauses, in der Schwäche und Eitelkeit, der Augst und dem Wahn des vom Schicksal gezeichneten, unabänderlich in sein Verderben stürzenden Herrscher ausgezeichnet charakterisiert. Trefflich auch der junge Baruch von W a l t h e r H e r t n e r, der sich diesmal anders ausgeben "konnte als bei seinem Debüt in der sentimentalen Schnitzlerrolle: voll Inbrunst und aus der Reinheit eines jugendlichen Herzens ganz dem Glauben an seinen Meister und Propheten hingegeben. Lilly Kan n gab die Mutter' des Jeremias, anfangs etwas zu nüchtern und zurückhaltend, dann aber emporgetraa^ von der Größe und dem Schmerz ihres?§? vollen, jüdischen und mütterlichen Schicksals Sonst trat noch aus dem reichen Ensemble der Abimelech von Siegfried Urias hervor ein starrer, unbeugsamer Kriegsmann den alle Prophetenworte aber auch alle Rot de" eigenen Volkes unberührt lassen. Alle übrigen Darsteller, unter denen sich in kleineren Rollen die oft bewährten Fritz Lion, Ernst Lenart Martin Brandt, Martin Wolfgang, Herbert Grünbaum u. a. — und erstmalig nur der Knlturbnndbühne auch Elly Reicher — tätigten, mögen sich mit einer summarischen Anerkennung begnügen. Den szenischen Rahmen hatte wieder Heinz E 0 n d e l l gestellt — wie immer überaus stilsicher und geschmackvoll. Neuartig war die Technik der als Hintergründe qe. malten Projektionen, die in den Entwürfen ebenfalls von Heinz Condell. in der Ausführung von Terz herrühren. Die monumentale Wirkung dieser Projeltionsbilder wurde durch ihre plastischen Formen, sowie durch ihre wundervolle Leuchtkraft noch erhöht. Nehmt alles nur in allem: es war ein Abend, würdig der großen Dichtung, die er herausstellte, würdig auch des Kulturbund. Unternehmens, das aus dem schönen und durch laugandauernde Ovationen bestürmten Gelingen Mut und Kraft zu neuen Taten schöpfen möge. Die MtzmsNMrHZ Harfe, Triangel. Paulen geben der Bühnenmusik von Arno Nadel ihr eigentümliches Kolorit, althergebrachte und mehr noch neuerfundene Melodien unterstreichen die erregte Atmosphäre tänzerischen FanatiZ. mus und geben einigen Bildern Einleitungen in den Tönen einer resignierenden Weichheit. Tie letzten Sätze des Schlußbildes, das inan eine ganz nach innen gekehrte Apotheose nennen kann, sind von Nadel durchkomponiert, die Aufführung ließ nur einzelne Lätze stehen; es mögen triftige Gründe dafür maß. gebend gewesen sein, da aber der Komponist nicht mit einer Unterbrechung durch das gesprocheue Wort rechnen konnte, so stehen Sprechchor und Musik stellenweise unvermittelt nebeneinander. Hier kann die kvrrigierende Hand eines Musikers mü'lAos der Schlußszene die Geschlossenheit geben, die dem Werk und seiner Wiedergabe im grv'zeu dcn tiefen Nachhall und die einzigartige Bedentung für uns verleiht.; E. ö. WOMtzM) M UM M. E. Am Freitag vormittag veram'i Niete kt Berliner Kulturbund eine Presseloust'.euz. die erstmalig von dem Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde, Direktor Hei'n.rica Emst!, geleitet wurde. Direktor Friedrich Borciiardt gab die Antwort aus viele Fragen, die die iübinlie Oeffentlichkeit tu Berlin in den leisten Bastei! beschäftigt hatten: die ttmorganisntiou des est turbundeS, der nun mit der Gemeinde dadurch aufs engste liiert ist, daß der Gerneindevorntzeode gleichzeitig auch der Vorsitzende des .vuiliurbmides geworden ist. Unberührt durch die Üiim'aüdüma. die lediglich ans vcrwaltnngstechniscb.en Gründen erfolgt ist. blieb die künstlerische Leitung. die weiterhin dem Intendanten Dr. Kurt 2inner am vertrant ist. Dr. Singer, gab einer! Uederlüiä über das künstlerische Programm, das der.unimr-' bnnd sich für diesen Winter gesetzt hat: nach dem „Jeremias" „Fidelio", Werfel, Hände! r Jtt'bin kadnezar" und anderes mehr, im mesentlieiieic eine Linie, die von der Darstellung des Ein'st schicksals znm Schicksal der Maße füijrt. stur den Konzerten sollen Schöpfungen lebender iüdi'eaer Komponisten berücksichtigt werden. Die Vorträge werden in Verbindung mit dem Lehr'ianS, aber von ihm so abgegrenzt, stattsinden, daß der Kulturbund nur Einzelvorträge veranstaltet. Fvlllm uird Arbeitsgemeinschaften aber gemeiasaur mit dem Lehrhaus vornimmt. Dringend erwümst.t ist ein Studio für Schauspiel und Oper, das dem. künstlerischen Nachwuchs Schulung und Gelegenheit. vor das Publikum zu treten, schaßt. Ser jüdischen Jugend soll, soweit sie den Fugest, blinden angehört, durch Ermäßigung der Äst gliedsbeitrüge der Besuch der Kullnrbnndvem anstaltnngen erleichtert werden. In lebhafter Aussprache nahmen die Vertreter der Presse zu den bisherigen Darbietungen und zu den Plänen deS Kulturbundes Stellung, -ic versprachen, durch ehrliche Kritik, deren £> jektivität durch die Sympathie für den Gedanken deS Kulturbundes nicht beeinträchtigt sein dürre, an der Förderung des Kulturbundes mitzmvirken. Der Jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr (Sitz Köln) beginnt sein zweites S v i e s' jahr im Bewußtsein der VerantwvrtlichleüFür daS ihm zugewiesene Arbeitsfelds Sst T h e cst e r p r 0 g r a m m sieht eine Auffübrnng von Schnitzlers „Einsamem Weg" vor. Sann folgt die Uraufführung von Julius Wollsivlist „Joseph Ben Matthias", einem Werk, in dem der junge Autor die Brücke zwischen jüdischer Vergangenheit und heutigem Fühlen und Denken schlägt. Geplant sind 'ferner Ausführungen von GoetheS „Clavigo", „AbfaloinS Locken" von Gw deron, des „Hosea" von Georg Hirschseld. der „Jugendfreunde" von Ludwig Fulda und eines modernen Lustspiels. Bunte Abende werden daS Repertoire ergänzen. In Konzertveranstaltungen sollen sich Orchesterkonzerte u»? Kammer- bzw. Vokalmusik ablösen. einem Abend von Lotte Leonard—Fnrnz Osborn hat die Winterarbeit bereits festlich begonnen. Vorträge über künstlerische O-stNw sind vorgesehen. Die Triovereinignng Brust Eisner. Stefan Frenkel, Ewel Stcgmann spielt am 13. Oktober in Recklinghausen, am 1-l. » ’ tobet in Gelsenkirchen und Wuppertal, am 15- Oktober in Essen, am 16. Oktober in Aachen, a 17. Oktober in Dortmund und am l£. Oktober Duisburg.