Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 13 (1934)
- Issue
- 41 (11.10.1934)
- Date
- 1934-10-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nj. 41 g. BoülhSatt SS TGWEMWWH / SS ' U-ü’U^J U=L> 1>Uy‘ •o' Dorr Dr. Betmo ©lefccfdö „Glücklich der Mensch, dem es vergönnt ist. den ermen Kranken beizustehen", lautet die freie Hebersttznng des hebräischen Verses, welcher die Schwelle der Israelitischen Kranken- und Pfründncrhaussriüuag zu Würzburg schmückt. Im Beistand der Kranken, in der Hilfe der Bedürftigen sahen stets trofc der schweren Fincmznot alle indischen Gemeinden ihre vornehmste Ausgabe. Was Wunder, daß Mm im Mittelalter von jüdischen Spitälern der rcrsänedenstcn Städte berichtet wird! Aber erst im 18. Jahrhundert kommt mit dem (Anvorblühen der medizinischen Wissenschaft die Errichtung eigener Krankenhäuser in Fluß. An unseren heutigen Vcgriisen gemessen, ließen diese Anstalten noch sehr viel zu wünschen übrig, wie wir es zum Beispiel einem Bericht über das alte Krankenbaus zu Berlin, Oranienburger Straße 7 bi? 9. das 1751 errichtet wurde, entnehmen: „Ter lebbafte Straßenverkehr störte die den Kranken notige Buhe, ebenso nahmen die großen Gebäude der Hingebung dem Krankenhaus die gesunde <'uu. Tie Baulichkeit selbst war wenig Zufriedenheit cnb, überhaupt gar nicht krankenhausartig; Korridore waren nicht vorhanden, die Ventilation trijltr, die Ladeeinrichtung ivar höchst ungenügend. Ein Lpcrationssaal war nicht vorhanden, so daß es häufig vorkam, daß Operationen in Gegenwart von Kranken vorgcuommen werden mußten." De ältesten Anstalten mußten daher nach dem ' Stand der hygienischen Wissenschaft bald nmgebant roerden oder Neubauten weichen. Troß dringendfreu Bedürfnisses vollzog sich diese Veränderung überall mir sehr allmählich, da es an.den nötigen Mitteln fehlte. Nur ganz große Gemeinden, wie Berlin, Frankfurt am Main, konnten sich dem Blau der eigenen Unterhaltung eines Krankenhauses hingeben; bei kleineren war dies von vornherein unmöglich. Aber auch die großen waren auf freiwillige Beiträge und Stiftungen angewiesen, um gllen modernen Krankenhausansprüchen gerecht zu werden. Es hieße eine Geschichte der Wirtschaftslage der deutschen Juden der vergangenen beiden Jahrhimderte schreiben, wollten wir alle die Wohltäter aufzählen, denen die jüdischen Krankenhäuser in Tcntschland ihr Entstehens ihre Ent- Wicklung und ihre Erhaltung zu verdanken haben. An den Neubau eines Krankenhauses in Berlin konnte erst herangegangen werden, als in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Meyer Magnus und Kommerzienrat Leonor Neichen heim eine durch Sammlung zusammengebrachte Summe von 50 000 Talern zur Verfügung stellten, zu denen ein Legat der vorstorbenen Frau Sara Levy von 80OO0 Talern kam. In Breslau konnten die schweren Mängel erst abgestellt werden, als vor etwa 100 Jahren die beiden Brüder David und Jonas Frankel sAbb. 1 und 2) als hochsinnige Gönner und Wohltäter namhafte Gelder zur Errichtung einer neuen Anstalt zur Verfügung stellten. Diese erhielt ans Antrag des Staatsministers von Nochow ain 20. Mai 1840 von König Friedrich Wilhelm III. die Befugnis, sich F r ä n k c l s ch e s Hospital zu nennen. Ter große Philanthrop Salomon Hein.e legte die zum Ban des israelitischen Krankenhauses zu Hamburg erforderliche Sninme ans den Altar der Humanität nieder; zur Erinnerung an diese einzig dastehende hochherzige Tat wurde zur Grundsteinlegung am 10. Juni 1841 eine Denkmünze (Abb. 3) geschaffen, welche ans der Vorderseite das Brustbild Heines Von Selnz „Emin Pascha in Gefahr! Rettet den kühnen Pionier europäischer Zivilisation im Herzen des dunklen Erdteils!" So flogen Depeschen um die Mitte der achtziger Jahre - von Kontinent zu Kontinent, und ein Mann wurde blitzartig in den Mittelpunkt der Weltpolitik und des Weltinteresses gerückt, der wenige Jahre zuvor ein stiller Forscher und mir einem exklusiven Kreis von Wissenschaftern ein Name von Klang und Rang gewesen war. lind heute? Rur ein paar ergraute Eeheimräte iu den Auswärtigen Acmtern und eine Handvoll Spezialisten der .Kolvnialpolitik erinnern sich noch an seinen Namen und an sein tragisches Schicksal, das jahrelang die ganze Weltpresse mit fetten Schlagzeilen versorgte und das von Millionen Zcitungslesern w aller Welt fiebernd miterlcbt und mitcrlitten wurde. — Wer war Emin Pascha? Kindheit und Lehrjahre Am 28. März 1810 wurde in Oppeln Eduard Schnitzer geboren, ein kleiner jüdischer -gynge, dem an seiner Wiege gewiß niemand seinen künftigen kometengleichen Ausstieg prophezeien konnte. Sern Vater, ein Kaufmann, siedelte sehr bald über nach Neiße, wo kleine Eduard das katholische Gymnasium suchte, um nach bestandenem Abitur an der Universität Breslau Medizin zu studieren. Sehr früh zeigten sich in dem jungen Menichen Züge von großer Selbständigkeit und Energie. Als Sohn „ans gutem Hause" hatte Cr zunächst einer Burschenschaft anllAchlossen, trat aber sehr bald wieder ans und konzentrierte sich mit um so größerem Elwr^us sein Studium, bestand erfolgreich das wstte Staatsexamen, das sogenannte Physikum, unMyachte seinen Doktor.- c, provinzielle Enge de? bürgerlichen ^cbcns im damaligen Deutschland, die so viele Lebensenergien gebrochen hat und. aus begabten Jünglingen verknöcherte Bürokraten „formte", mußte auch dem jungen Schnitzer bald zu einer Fessel werden. Er mußte sie entweder ebenso wie sein Zeitgenosse Karl Peters, für dessen Lebenswerk er später von so eigentümlicher Bedeutung werden sollte — wenn auch unter unwiderbringlichen Verlusten an Lebenskraft und Elan — sprengen oder, wie so viele andere, an ihr zerbrechen. Danderjahre Ohne sein ärztliches Abschlußexamen gemacht zu haben, bricht Schnitzer überraschend sein Studium ab, verläßt Deutschland und landet schließlich nach erstem tastenden Hin und Her in der Türkei. Schon während seiner letzten Studienjahre hatte er — übrigens vorschriftswidrig — eine ärztliche Praxis ausgeübt, und seine dabei vorzeitig gewonnenen Erfahrungen korumen ihm jetzt zugute. Er baut sich zunächst in Antivari eine Praxis auf. Tie Langeweile der balkanischen Provinz bekämpft er durch Sprachstudien und naturwissenschaftliche Forschung, für die ihm bald schon Anerkennung von seiten großer europäischer Akademien — darunter Wien und Paris — zuteil wird. Sein Beruf bringt ihm Bekanntschaft und Freundschaft eines türkischen Würdenträgers ein, Ismail Hakki Pascha, die bestimmend für seine künftige Laufbahn werden soll. Er tritt zeitweilig m die Dienste seines hohen Gönners, wird sein Vertrauter auch in politischen Geschäften und nimmt, um sich seinem neuen, selbstgewählten Milieu so vollkommen wie möglich anzupassen, merkwürdigerweise sogar den mohammedanischen Glauben und einen türkischen Namen an. Neben einer nötigen Sicherheit des Auftretens gewann Schnitzer in diesen Jahren -politische Erfahrung und geschäftliche Routine. Im dunklen Erdkeil Nach kurzem Besuch in seiner Heimat taucht Dr. Eduard Schnitzer, oder wie er sich in der Türkei nannte, Tr. Hairoullah Efscndi,, mit der Umschrift: „Menschenliebe ist die Krone aller Tugenden" zeigt. — Dem weit über Lcip- /* > - i; % rf) zigs Mauern durch seinen Opsersinn und seine wahre Frömmigkeit bekannten Menschenfreund CH arm Eitin g on und seiner hochherzigcn Gemahlin Alexandra verdankt die jüdische Gemeinde Leipzigs ihr prachtvolles Krankenhaus. — Und endlich sei noch ans David Elias L e v i n g c r hingewiesen, welcher durch eine Spende von 70 000 NM, die er in seinem Testament für diesen Zweck antzsetzte, die Errichtung eines Kranken- und Psründncrhanses in Mainz ermöglichte. So können die deutschen Inden heute 1 4 Krankenhäuser ihr eigen nennen. B c r> - Itn besitzt z w c i; im Osten des Reiches haben wir nnr ein Krankenhaus. nämlich in B r e s l a n. Nördlich des Alains finden nur solche in H a m b n r g. K ö l n, H a nn o v e r, Frankfurt a m Nt a i n nnd Nt a i n z. Sachsen hat eines in Lei p z i g, Baden zwei, in Nt a n n h e i m und Gailingen. während Bayern drei, und zwar in W ü r z b u r g. F ü r t h und M ü n ch e n besitzt. Mit Ausnahme von Gailingen, über dessen Eigenart noch später genauer berichtet wird, handelt cs sich bei den Städten mit jüdischen Krankenhäusern meist um solche, in denen die Zahl der Juden 2 Prozent der Bevölkcrung überschreitet. Nur Wiesbaden, Karlsruhe und Nürnberg, in denen ebenfalls die Inden über 2 Prozent der Bevölkerung betragen, besitzen leine jüdischen Krankenhäuser, liegen aber dicht bei Städten mit solchen. Ueber 100 Krankenbetten finden sich in den Krankenhäusern von Berlin (Krankenhaus der jüdischen Gemeinde), B r e s l a u, H a m b u r g, Frankfurt und K ö l n. Tic mustergültige Berliner Anstalt (Abb 4), welche von der großen Gemeinde mit unendlicher Liebe und Sorgfalt verwaltet wird, kann mit 370 Kranken belegt werden. Alle medizinischen Stationen, welche heutzutage zu einem modernen Krankenhaus gehören, sind dort vereinigt. Ta ist ein Behandlungszimmer für den Zahnarzt. Sämtliche physiologisch-chemische. bakteriologische. histologische und serologische Untersuchungen werden ausgcfnhrt. Angcglicdert dem Krankenhaus ist eine Poliklinik, welche von den verschiedensten Fachärzten geleitet wird und sich im Norden Berlins eines außerordentlich großen Zuivruchs seitens der dortigen Bevölkerung erfreut. --Ungefähr die gleiche Bettenzahl weist der großartige Bau des Neuen israelitischen Krankenhauses in der Hohcnzvllcrnstraße 92-96 zu Breslau aus. Nach feierlicher Einweihung am 27. Avril 1903 wurde cs mit 120 Betten eröffnet, 19 l 4 bc« trug ihre Zahl bereits 250. Das jetzt 350 Betten zählende Krankenhaus verfügt über 20 Acrzte und 40 Schwestern. Es ist eine der ersten Krankenanstalten Ostdeutschlands. Ein Nundgang durch das Frankfurter Gemcindekrankenhaus mit seinen 200 Betten hinterläßt einen starken Eindruck von der hingehenden Arbeit, die hier im Dienste der Kranken Tag nnd Nacht geleistet wird. Die Anstalt ist ans das modernste eingerichtet. Für die Untersuchung von Herzkranken ist ein mit dem Sicmensschen E.lektrokardiographen ansgestattetes Zimmer vorhanden. Ferner dient ein eigener Raum mit einem großen Nespirationsapparat der genauen Stosfwcchseluntersuchung. (Fortsetzung folgt.) V/enn und wo finden Sie Rat? Nachtrag liinksrheln Aachen Ah 16. Oktober 19:54 jeden zweiten Dienstag 15Vj-18 Uhr. \Y;»- helmstrasse 25 (Nechtsanvra''- Karl Löwensteiu) asittcideiUMdiland liCipzis jetzt König-Johann-Stras parte r r e. Telephon bisher 12058. Sprechzeit vorheriger Anmeldung na- IVordwesl- Am 10. Oktober 39:54. 11—1 3 nnd deuisdiland M—lü Uhr. Gcorgstrassc Hannover überraschend in Alexandrien in Aegypten aus, reist weiter nach Ehartum und wirdaus Empfehlungen hin Gvrdon, dem Gouverneur der ägyptischen Aequatvrialprovinz, als ärztlicher Berater Angewiesen. Dr. Schnitzer, oder wie er neuerdings heißt, Dr. Emin —der Getreue — tritt die lLchicksalsreise seines Lebens an. Er wird Afrika nie mehr verlassen. - Eine Handvoll kühner Europäer hat in diesen Jahren Afrikas neue Physiognomie geschaffen, Eecil Rhodos im Süden, Peters im Osten nnd Gvrdon im Norden, im ägyptischen Sudan. Gvrdon. ein Engländer in ägyptischen Diensten, wird beschrieben als eine militärische Begabung von hohem Rang und als ein Mann, beseelt von persönlichem Idealismus, der neben dem Ausbau und der Befestigung seiner politischen Eroberungen im Innern Afrikas, und im Zusammenhang damit, als seine Hauptaufgabe ansah die Bekämpfung, ja Ausrottung der afrikanischen Pest, des arabischen Sklavenhandels. Große Bezirke Afrikas zeigten soziologisch nnd rassisch eine Doppelstruktur: schwarze Negerstämme mit mehr oder minder entwickelter Kultur, die zeitweilig friedlich als seßhafte Völker von dem überqncllenden Reich- . tum der afrikanischen Erde lebten, um sich plötzlich in wilden Stammeskämpfen gegen-' fertig zu zerfleischen, nnd über ihnen und um sie, spinnwcbartig das Land überziehend, ein Netz nomadisierender Araberstämme, kriegerisch, grausam, verschlagen, die vom Elsenbeinhandcl lebten und vom furchtbarsten aller Gewerbe, dem Handel mit schwarzem Fleisch. Blitzartig brachen sie iu blühende Siedlungen ein, raubten, was zu rauben war. mordeten die Kranken und Schwachen, rissen Familien auseinander und verkauften ihre lebende Ware ans den großen Sklavenmärkten des afrikanischen Kontinents. Mit sicherem Blick erkennt Gordon sehr bald die wertvollen Anlagen seines neuen Arztes, und als er nach wenigen Jahren als Generalgonverneur des gesamten Sudans nach Ehartum berufen wird, ernennt er als seinen Nachfolger Dr. Emin zum Gouverneur der Aequatvrialprovinz. Seine Wahl durste aus keinen Unwürdigen fallen; denn als äußerster nach Süden vorgeschobener Posten nnd in unmittelbarer Nähe der Nilquellen gelegen, hatte die reiche- und blühende Provinz auch strategisch eine Schlüsselstellung inne. Mitbestimmend für die Ernennung Tr. Emins mag der Umstand gewesen sein, daß er, obwohl hochgebildeter Europäer, als Mohammedaner besondere Oualitäten für den Umgang mit Arabern besaß. Besucher schilderten mit größter Ueberraschnng, wie sehr Emin. jetzt Emin Bei, auch äußerlich den orientalischen Habitus angenommen habe. Meister der Maske oder überzeugter Konvertit? Souveräner Herr Unberechenbares Spiel des Zufalls hatte den kleinen jüdischen Arzt aus Schlesien zum unumschränkten Herrscher eines großen Reiches gemacht, zum Richter über Leben und Tod von Millionen schwarzer Untertanen, zum Pionier Europas, zum Wegbereiter einer neuen Epoche afrikanischer Geschichte. Emin Bei nahm es ernst mit seinen Pflichten. Drakonisch unterdrückte er den Sklavenhandel und sicherte sich dadurch die Sympathie seiner schwarzen Gefolgschaft, deren Loyalität von ungeahnter Bedeutung für ihn in schwerer Zeit werden sollte. Nachdem der dauernde Alpdruck arabischer Ueberfälle von ihnen genommen war. gelang es Emin. die Schwarzen nicht ohne Erfolge zürn geregelten Anbau von Feldsrüchten und Nutzpflanzen anzuhalten. Er belebte den Handelsverkehr und legte neue Stationen an — ohne sich freilich die strategische Frage vorzulegen, ob er sie rm Ernstfall auch behaupten könnte — und pflegte die freundschaftlichsten Beziehungen zu den benachbarten freien Negerstämmen. In wenigen Jahren gelang cs ihm, nicht nur das Tesizit der jungen Provinz aus-